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Landwirt Johann Blatt Spinatfeld Marchfeld
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Landwirtschaft

Ardo-Schließung: 500 Betriebe bangen um Existenz

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich will sich mit der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) noch nicht abfinden. Kommende Woche sollen Gespräche stattfinden. 500 Betriebe bangen unterdessen um ihre Existenz.

„Aus meiner Sicht ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LKNÖ), am Samstag gegenüber noe.ORF.at. Er verwies auf Unterstützung durch das Land Niederösterreich und den Bund. Ziel sei, die Verarbeitung von heimischem Tiefkühlgemüse auch künftig in Österreich zu ermöglichen.

Die Ausgangslage ist allerdings schwierig. Ardo hatte am Donnerstag die schrittweise Schließung des Produktions- und Verpackungswerks bekanntgegeben. Die Gemüseproduktion soll noch bis Dezember laufen. Danach sollen die Produktionslinien schrittweise geschlossen und das Gebäude entkernt werden.

Sieben Beschäftigte im Vertrieb und Vertriebsinnendienst sollen bleiben, für rund 190 weitere Beschäftigte sei die Kündigung vorgesehen – mehr dazu in Tiefkühlproduzent Ardo schließt 2027 Werk (noe.ORF.at; 24.9.2026). Produktionsanlagen aus Groß-Enzersdorf sollen an andere bestehende Standorte in Europa verlagert werden. Eine Fortführung durch einen anderen Eigentümer sei daher nicht möglich.

Werk von Tiefkühlproduzent Ardo Austria Frost GmbH  in Groß-Enzersdorf
APA/Ardo Austria Frost/Fabian Volf
Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Tiefkühlproduzent Ardo sein Werk in Groß-Enzersdorf schließen wird

Für Bauern fehlt die Verarbeitung

Was die Schließung für die Landwirtschaft bedeutet, zeigt sich auf einem Betrieb in Franzensdorf (Bezirk Gänserndorf). Landwirt Johann Blatt produziert dort unter anderem Spinat und Speisekürbis für die Tiefkühlproduktion.

Rund ein Viertel seiner Fläche entfällt nach eigenen Angaben auf diesen Bereich. Als er am Donnerstag von der Schließung erfahren habe, sei sein erster Gedanke „eine Art Fassungslosigkeit oder keinen Boden unter den Füßen“ gewesen.

Erhebliche Investitionen für Gemüsebau

Das Tiefkühlgemüse sei ein wichtiges Standbein seines Betriebs, sagte Blatt im Gespräch mit noe.ORF.at. Nun müsse er nach Alternativen suchen. Das sei in einem derzeit angespannten Marktumfeld schwierig. In den Gemüseanbau hat der Familienbetrieb über Jahrzehnte auch erheblich investiert. Allein für die Beregnung seien rund eine halbe Million Euro ausgegeben worden.

Ardo-Schließung hat weitreichende Auswirkungen

Die Ardo-Schließung hat weitreichende Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Die Beregnungsanlagen könnten grundsätzlich auch für andere Kulturen verwendet werden. Es müssten aber Pflanzen gefunden werden, bei denen sich der Aufwand wirtschaftlich rechnet. Einen anderen Verarbeiter für sein Tiefkühlgemüse sieht Blatt derzeit nicht.

Lange Transportwege würden zusätzliche Kosten verursachen und könnten sich auch auf die Qualität auswirken. „Wenn es keine Verarbeitung gibt, wird es auch keine Tiefkühlproduktion geben. Und das ist das Hauptproblem an der ganzen Sache“, sagte Blatt.

500 Mitgliedsbetriebe in Erzeugerorganisation

Nach Angaben der LKNÖ gehören rund 500 Betriebe der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) an. Sie produzieren überwiegend im Marchfeld auf rund 3.300 Hektar Gemüse für die Verarbeitung. Dazu zählen unter anderem Erbsen, Spinat, Karotten, Gemüsesoja, Kürbis und Kräuter.

Im vergangenen Jahr wurden laut LKNÖ rund 40.000 Tonnen Rohware im Wert von etwa 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert. Ardo selbst gab an, 2025 die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet zu haben. Die beiden Zahlen beziehen sich damit auf unterschiedliche Gruppen: rund 500 ETG-Mitgliedsbetriebe und rund 270 Bauern, deren Erzeugnisse laut Ardo im Vorjahr verarbeitet wurden.

Landwirt Johann Blatt im Gespräch mit Jürgen Winterleitner
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Landwirt Johann Blatt aus Franzensdorf im Marchfeld im Gespräch mit ORF-NÖ-Redakteur Jürgen Winterleitner

Vor allem bei Blattgemüse seien die Alternativen begrenzt, sagte Mayr. „Da haben wir keine andere Verarbeitung in Österreich.“ Ohne eine Lösung drohe damit ein Produktionszweig im Marchfeld wegzufallen.

Abnehmer wollen Gemüse aus Marchfeld

Die Nachfrage nach Marchfelder Gemüse könnte zumindest teilweise bestehen bleiben. Ein deutsches Lebensmittelunternehmen erklärte nach Bekanntwerden der Schließung, an Lösungen zu arbeiten, um weiterhin Gemüse aus dem Marchfeld beziehen zu können. Auch eine internationale Handelskette will nach eigenen Angaben möglichst weiter auf Gemüse aus der Region Marchfeld setzen.

Entscheidend ist damit die Frage, wo diese Produkte künftig verarbeitet werden könnten. Landwirt Blatt hält einen Transport zu weit entfernten Verarbeitungsstandorten wegen höherer Kosten und der Anforderungen an die Qualität für problematisch. Nach der Ernte müsse das Gemüse möglichst rasch weiterverarbeitet werden.

Mayr forderte deshalb rasche Klarheit. Innerhalb der nächsten Wochen müssten Saatgut, Fruchtfolge und Anbau für 2027 geplant werden. LKNÖ, Land und Landwirtschaftsministerium wollen dazu Gespräche führen.

Politik sieht Ardo in Verantwortung

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (alle ÖVP) bezeichneten die angekündigte Schließung als „schweren Schlag“ für die Beschäftigten und die betroffenen Bauernfamilien. Sie sehen Ardo in der Verantwortung und erklärten sich zu Gesprächen bereit.

Die Gewerkschaft PRO-GE forderte für die Beschäftigten einen raschen Sozialplan und eine Arbeitsstiftung. Auch SPÖ-Landesparteichef und Landesrat Sven Hergovich sprach sich für die Prüfung einer solchen Stiftung aus.

Das ÖVP-geführte Landwirtschaftsministerium betonte gleichzeitig, die Versorgung der Bevölkerung mit Tiefkühlgemüse sei aus heutiger Sicht gesichert. Fehlende Mengen aus heimischer Produktion könnten bei Bedarf ersetzt werden. Damit geht es bei den angekündigten Gesprächen vor allem um die Frage, ob auch die heimische Produktion und Verarbeitung erhalten werden kann.

Für 2027 bleibt ein Fragezeichen

Für Landwirt Blatt ist derzeit noch offen, was im kommenden Jahr auf seinen bisherigen Tiefkühlgemüseflächen wachsen wird. Auf anderen Feldern sei die Planung bereits weiter. Bei jenen Flächen, die für die Tiefkühlproduktion vorgesehen waren, stehe er aber „nach wie vor mit einem Fragezeichen da“.

Der Gemüseanbau für die Tiefkühlproduktion reicht auf seinem Hof mehrere Generationen zurück. Schon sein Großvater habe damit begonnen, sagte Blatt. Sollte sich keine neue Lösung finden, müsse er die Tiefkühlgemüseproduktion aufgeben: „Weil ich keinen Abnehmer habe, werde ich auch keines anbauen.“