Das Werk sei „in die Jahre gekommen“ und würde „erhebliche Investitionen in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Versorgungseinrichtungen benötigen“, hieß es in einer Aussendung des Unternehmens am Donnerstag.
„Angesichts der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit gegenüber mittel- und osteuropäischen Ländern lässt sich der österreichische Produktionsstandort nur für den heimischen Markt rechtfertigen“, wurde in der Aussendung weiters festgehalten. Erforderliche Investitionen seien jedoch „erheblich“ und für einen „relativ kleinen heimischen Markt“ zu groß.
Für die Modernisierung des Werks wären jedoch mehr als 100 Millionen Euro erforderlich gewesen, hieß es auf Nachfrage gegenüber noe.ORF.at. Das Werk wurde 1965 gegründet, 2008 übernahm Ardo den Standort. Seitdem seien Millionen investiert worden, hieß es von einem Sprecher des Unternehmens, etwa auch in neue Produktionslinien.
Vertrieb von Schließung nicht betroffen
194 Menschen sind am Standort in Groß-Enzersdorf beschäftigt, 187 davon sollen gekündigt werden, so der Plan. Sie wurden am Donnerstag über die bevorstehende Schließung informiert.
Nicht betroffen sein sollen sieben Mitarbeitende im Vertrieb und im Vertriebsinnendienst. Sie werden laut Ardo künftig voraussichtlich von einem neuen, noch festzulegenden Standort in der Region Wien aus arbeiten können.
Der Geschäftsbetrieb in Groß-Enzersdorf wird laut Plan bis Dezember in der Gemüseproduktion fortgeführt, dann werden die Produktionslinien schrittweise geschlossen und das Gebäude entkernt. Darüber hinaus gebe es laut einem Sprecher noch keine konkreten Pläne für das Gelände.
Sozialplan für Mitarbeiter geplant
Ab August 2027 beabsichtigt Ardo, den Fokus in Österreich auf den Vertrieb zu legen, wobei Gemüse aus anderen Werken geliefert werden soll. Christian Karwen, Werksleiter bei Ardo Austria Frost GmbH, betonte in der Aussendung, dass gemeinsam mit dem Betriebsrat ein Sozialplan für die 190 Ardo-Mitarbeiter ausgearbeitet werde. Dieser soll soziale Kriterien berücksichtigen und „den beabsichtigten schrittweisen Auslauf der Aktivitäten hier in Österreich“ unterstützen.
Die Ardo Gruppe hat ihren Sitz in Belgien und ist auf Tiefkühlgemüse, Kräuter und Obst spezialisiert, mit über 16 Produktions-, Verpackungs- und Distributionsstandorten in Europa.
Gewerkschaft fordert raschen Sozialplan und Stiftung
Einen raschen Sozialplan und eine Arbeitsstiftung für die betroffenen Beschäftigten forderte auch die Gewerkschaft PRO-GE in einer Aussendung. Durch das Aus für den Produktionsstandort drohe ein „beträchtlicher Verlust an regionaler Wertschöpfung und ein Rückschritt bei der heimischen Lebensmittelversorgung“.
Ähnlich äußerte sich in einer Reaktion auch die Landwirtschaftskammer Niederösterreich. „Die Schließung des Werks betrifft nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie trifft auch rund 500 Bauernfamilien im Marchfeld, der Gemüse- und Kornkammer Österreichs, und damit auch die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln“, sagte Vizepräsident Lorenz Mayr.
Von einem „schweren Schlag“ sprechen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptfrau-Stellvertreter Pernkopf (alle ÖVP). Sie sehen Ardo in der Verantwortung und betonen in einer Aussendung am Freitag, für mögliche Gespräche bereit zu stehen. Der Verband der Markenartikelindustrie sieht in der angekündigten Werksschließung eine der Folgen des Billigpreis-Wettlaufs in der Lebensmittelproduktion und fordert faire Preise.