DE19817454A1 - Verfahren zur Aktivierung und Derivatisierung von Cellulose - Google Patents
Verfahren zur Aktivierung und Derivatisierung von CelluloseInfo
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Abstract
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Aktivierungsverfahren für Cellulose sowie ein Verfahren zur Derivatisierung von aktivierter Cellulose und die dadurch erhaltenen Derivatisierungsprodukte, wobei das Aktivierungsverfahren in Gegenwart von N-Oxiden durchgeführt wird.
Description
Der vorliegende Erfindung betrifft ein Aktivierungsverfahren
für Cellulose sowie ein Verfahren zur Derivatisierung von akti
vierter Cellulose und die dadurch erhaltenen Derivatisierungs
produkte.
Es ist bekannt Cellulose zu aktivieren, um eine Derivatisierung
durchzuführen (H.A. Krässig, Cellulose-Structure, Accessibility
and Reactivity/Polymer Monographs Vol. 11, Gordon and Breach
Science Publishers, S.A., 1993, S. 215-276). Dabei werden je
doch große Mengen an Aktivierungs- und Derivatisierungsreagen
zien benötigt. Außerdem weisen die erhaltenen Cellulosederiva
te, insbesondere bei niedrigen Substitutionsgraden, nur eine
geringe Löslichkeit in Wasser und/oder organischen Lösemitteln
auf.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, die aus
dem Stand der Technik bekannten Nachteile zu vermeiden.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß die Nachteile des Stan
des der Technik vermieden werden können, durch ein Aktivie
rungsverfahren für Cellulose bei dem N-Oxide verwendet werden.
Die vorliegende Erfindung betrifft somit ein Verfahren zur Ak
tivierung von Cellulose enthaltend die Schritte:
- a) Lösen von Cellulose in einem wasserhaltigen N-Oxid,
- b) Koagulation der gelösten Cellulose durch Zusatz eines entsprechenden Lösemittels und optional
- c) Alkalisierung der im Schritt b) erhaltenen amorphen Cellulose.
Als Cellulose-Ausgangsmaterial für das erfindungsgemäße Verfah
ren werden bevorzugt Baumwoll-Linters, Nadelholzsulfit-, Nadel
holzsulfat- und/oder Laubholzzellstoffe eingesetzt.
Als wasserhaltige N-Oxide werden Lösemittel wie N-Methylmorpho
lin-N-Oxid (NMMNO), N,N-Dimethylethanolamin-N-Oxid, Triethyla
min-N-Oxid, N-Methyl-piperidin-N-Oxid, N-Methylpyrrolidin-N-
Oxid oder N,N-Dimethyl-cyclohexylamin-N-Oxid verstanden, denen
Wasser oder Mischungen von Wasser mit dipolar-aprotischen Ver
bindungen wie Dimethylsulfoxid, N-Methylpyrolidon, Dimethylfor
mamid oder Dimethylacetamid zugesetzt wurde.
Die wasserhaltigen N-Oxide können geringe Mengen basisch wir
kender Verbindungen wie tertiäre Amine und/oder Alkalihydroxide
und/oder quartäre Ammoniumbasen enthalten.
Zur Koagulation der gelösten Cellulose geeignete Lösemittel
sind inbesondere organische Lösemittel wie Ether, Ketone, Alko
hole mit vorzugsweise 1-6 Kohlenstoffatomen, insbesondere
Methanol, Ethanol, Isopropanol oder 2-Methyl-2-Propanol, sowie
Acetonitril, Aceton, Dimethylether oder Gemische dieser Löse
mittel. Die Lösemittel können geringe Mengen basisch wirkender
Verbindungen wie tertiare Amine und/oder Alkalihydroxide
und/oder quartäre Ammoniumbasen enthalten.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Aktivierung der Cellulose
wird bevorzugt so durchgeführt, daß
- a) Cellulose im N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMNO)/Wasser- System gelöst wird und
- b) die gelöste Cellulose, insbesondere durch Zusatz organi scher Lösungsmittel ausgefällt und von anhaftendem NMMNO befreit wird.
Das erfindungsgemäße Aktivierungsverfahren weist gegenüber be
kannten Verfahren mit Lösungsaktivierung folgende Vorteile auf:
- - kein Einfluß von Restlignin auf die Löslichkeit der Cellulose im Aktivierungsschritt
- - einfache Verfahrensgestaltung, Lösungsherstellung- und verarbeitung
- - niedrigere Kosten, einfache und vollständige Rückgewinnung der Aktivierungsreagenzien
- - reduzierte Mengen an Alkalisierungsmittel
- - leichtere Entfernung des Aktivierungsmittels aus der aktivierten Cellulose (keine Salze)
- - keine Umweltbelastung, Möglichkeit eines geschlossenen Lösungsmittel-Kreislaufes
- - höhere Lösekraft für Cellulose (auch hochmolekulare Cellulosen lösen sich in Konzentrationen von bis zu 35 Gew.-%)
- - keine Vorquellung (Wasser, Wasserdampf, flüssiges Ammoniak), gefolgt von einem anschließenden Lösungsmittelaustausch zur Lösungsherstellung erforderlich.
Das erfindungsgemäße Aktivierungsverfahren führt zu amorpher
Cellulose mit erhöhtem Reaktionsvermögen und erlaubt auch eine
direkte Derivatisierung ohne vorangehenden Alkalisierungs
schritt (z. B. Veresterung zu Celluloseacetat, -nitrat oder
-lactat, und/oder Umsetzung mit Isocyanaten) wobei mit ver
besserten Ausbeuten Cellulosederivate mit höherer Lösequalität
erhalten werden.
Die vorliegende Erfindung betrifft somit weiterhin ein Verfah
ren zur Dervivatisierung von Cellulose enthaltend die Schritte:
- a) Lösen von Cellulose in einem N-Oxid-haltigen Lösemittel,
- b) Koagulation der gelösten Cellulose durch Zusatz eines entsprechenden Lösemittels,
- c) optionale Alkalisierung der im Schritt b) enthaltenden amorphen Cellulose,
- d) Derivatisierung der im Schritt b) oder c) enthaltenen amorphen Cellulose, gegebenenfalls in Gegenwart eines ge eigneten Lösemittels.
Als Cellulosederivate werden Umsetzungsprodukte von Cellulose
mit Derivatisierungsreagenzien verstanden wie Celluloseester
(Celluloseacetate, Celluloselactate, Cellulosenitrate), Cel
luloseetherester und/oder Cellulosecarbamate, insbesondere was
ser- und/oder organolöslicher Celluloseether wie z. B. Car
boxyalkylcellulose (z. B. Carboxymethylcellulose), Hydroxyal
kylcellulosen (z. B. Hydroxyethyl-, Hydroxypropylcellulosen),
Carboxyalkylhydroxyalkylcellulosen (wie z. B. Carboxymethyl
hydroxyethyl-, Carboxymethylhydroxypropylcellulose), Sulfoal
kylcellulosederivate (z. B. Sulfoethylcellulose, Sulfopro
pylcellulose, Methylsulfoethylcellulose, Methylsulfopropylcel
lulose, Carboxymethylsulfoethylcellulose, Carboxymethylsulfo
propylcellulose, Hydroxyethyl-/Hydroxypropylsulfopropyl
celluloseether), Alkylcellulosen (z. B. Methylcellulose,
Ethylcellulose), Alkylhydroxyalkylcellulosen (z. B. Methyl
hydroxyethylcellulose, Ethylhydroxyethylcellulose, Methyl
hydroxypropylcellulose, Ethylhydroxypropylcellulose), Alkylen
cellulosen (wie z. B. Allylcellulose), Alkylenalkylcellulosen
(z. B. Allylmethylcellulose, Allylethylcellulose), Dialkyl
aminoalkylcellulosen (z. B. Diethylaminoethylcellulose), Dial
kylaminoalkylhydroxyalkylcellulosen (z. B. Diethylaminoethyl
hydroxyethylcellulose), binäre oder ternäre ionische oder nich
tionische Celluloseether aus den o. g. funktionellen Gruppen.
Die Derivatisierung findet vorzugsweise in Gegenwart des zur
Koagulation der gelösten Cellulose verwendeten Lösemittels
statt. Geeignete Lösemittel sind organische Lösemittel wie
2-Propanol, 2-Methyl-2-Propanol, Acetonitril, Aceton, Dimethyl
ether, Dioxan, Methylchlorid, Ethylchlorid (Veretherung, Car
baminierung), Methylenchlorid, Eisessig, Carbonsäureanhydride
wie Essigsäure-, Propinsäure- und Buttersäureanhydrid (Vereste
rung).
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Derivatisierung der Cellulo
se wird bevorzugt so durchgeführt, daß
- a) Cellulose im N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMNO)/Wasser- System gelöst wird,
- b) die gelöste Cellulose, insbesondere durch Zusatz organi scher Lösungsmittel ausgefällt und von anhaftendem NMMNO befreit wird, Schritt c) (Alkalisierung) entfällt und
- d) die Umsetzung der so erhaltenen amorphen Cellulose in An wesenheit des zur Koagulation verwendeten organischen Lö semittels erfolgt.
Die nach dem erfindungsgemäßen Derivatisierungsverfahren herge
stellten Cellulosederivate sind ebenfalls Gegenstand der vor
liegenden Erfindung.
Die erfindungsgemäßen Cellulosederivate weisen eine verbesserte
Löslichkeit auf und sind weitgehend frei von Faser- und Gelkör
peranteilen. Selbst die erfindungsgemäßen Cellulosederivate mit
niedrigen Substitutionsgraden weisen noch eine ausgezeichnete
Löslichkeit in Wasser und/oder organischen Lösemitteln auf.
Claims (9)
1. Verfahren zur Aktivierung von Cellulose enthaltend die
Schritte:
- a) Lösen von Cellulose in einem wasserhaltigen N-Oxid,
- b) Koagulation der gelösten Cellulose durch Zusatz eines entsprechenden Lösemittels, und optional
- c) Alkalisierung der im Schritt b) enthaltenden amorphen Cellulose.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei
im Schritt a) das Lösen der Cellulose dem N-Oxid in Gegen
wart einer dipolar-aprotischen Zweitkomponente erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei
im Schritt a) das Lösen der Cellulose in Gegenwart basisch
wirkender Verbindungen, insbesondere in Gegenwart von ter
tiären Aminen und/oder Alkalihydroxiden und/oder quartären
Ammoniumbasen erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei
im Schritt b) als organische Lösemittel Ether, Ketone, Al
kohole mit vorzugsweise 1-6 Kohlenstoffatomen pro Mole
kül, insbesondere Methanol, Ethanol, Isopropanol,
2-Methyl-2-Propanol, sowie Acetonitril, Aceton, Dimethyle
ther oder Gemische dieser Lösemittel eingesetzt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei
im Schritt b) die Zugabe des Lösemittels stufenweise
erfolgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei
im Schritt b) das Lösemittel basisch wirkende Verbin
dungen, insbesondere tertiäre Amine und/oder Alka
lihydroxide und/oder quartäre Ammoniumbasen enthält.
7. Verfahren zur Derivatisierung von Cellulose, enthaltend
die Schritte:
- a) Lösen von Cellulose in einem wasserhaltigen N-Oxid,
- b) Koagulation der gelösten Cellulose durch Zusatz eines entsprechenden Lösemittels,
- c) optionale Alkalisierung der im Schritt b) enthaltenden amorphen Cellulose,
- d) Derivatisierung der im Schritt b) oder c) enthaltenen amorphen Cellulose, gegebenenfalls in Gegenwart eines ge eigneten Lösemittels.
8. Cellulosederivat, herstellbar nach dem Verfahren gemäß An
spruch 7.
9. Verwendung eines N-Oxids zur Aktivierung von Cellulose.
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