Serbiens Präsident Vucic offiziell zurückgetreten
Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic hat sein Amt erwartungsgemäß niedergelegt, weil er Regierungschef werden möchte. „Heute ist der Tag, an dem ich zurücktrete“, sagte Vucic in einer Ansprache im staatlichen Fernsehsender RTS.
Der teils autokratisch regierende Politiker will stattdessen als Spitzenkandidat seiner Fortschrittspartei bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober antreten und im Falle eines Wahlsieges Ministerpräsident werden.
Das Amt des Staatsoberhaupts übernimmt zunächst kommissarisch die Parlamentspräsidentin Ana Brnabic, eine politische Mitstreiterin von Vucic. Die Präsidentschaftswahl muss innerhalb von 90 Tagen stattfinden. Die erste Runde werde bis Ende Dezember abgehalten, kündigte Vucic an, der seine Rücktrittsabsicht im Sommer öffentlich gemacht hatte.
Fachleute: Vucic will Macht konsolidieren
Eigentlich sollte in Serbien erst im Dezember 2027 ein neues Parlament gewählt werden. Auf Druck der Opposition hatte Vucic jedoch Anfang September das Parlament aufgelöst und eine Neuwahl ausgerufen.
Der 56-Jährige erhofft sich von diesem Schritt nach Meinung von Fachleuten die Konsolidierung seiner Macht. Seine Amtszeit als Staatschef endet nächstes Jahr, nach zwei Mandaten darf er nicht erneut kandidieren.
Vucic steht innenpolitisch unter großem Druck. In dem Land finden seit dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad im November 2024 mit 16 Toten regelmäßig Proteste statt. Anfangs ging es dabei vor allem um die Unglücksursache, aber im weiteren Verlauf richteten sich die vor allem von Studierenden getragenen Demonstrationen generell gegen die Regierung und die weit verbreitete Korruption im Land.