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Ausland

Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic hat sein Amt erwartungsgemäß niedergelegt, weil er Regierungschef werden möchte. „Heute ist der Tag, an dem ich zurücktrete“, sagte Vucic in einer Ansprache im staatlichen Fernsehsender RTS.

Der teils autokratisch regierende Politiker will stattdessen als Spitzenkandidat seiner Fortschrittspartei bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober antreten und im Falle eines Wahlsieges Ministerpräsident werden.

Das Amt des Staatsoberhaupts übernimmt zunächst kommissarisch die Parlamentspräsidentin Ana Brnabic, eine politische Mitstreiterin von Vucic. Die Präsidentschaftswahl muss innerhalb von 90 Tagen stattfinden. Die erste Runde werde bis Ende Dezember abgehalten, kündigte Vucic an, der seine Rücktrittsabsicht im Sommer öffentlich gemacht hatte.

Fachleute: Vucic will Macht konsolidieren

Eigentlich sollte in Serbien erst im Dezember 2027 ein neues Parlament gewählt werden. Auf Druck der Opposition hatte Vucic jedoch Anfang September das Parlament aufgelöst und eine Neuwahl ausgerufen.

Der 56-Jährige erhofft sich von diesem Schritt nach Meinung von Fachleuten die Konsolidierung seiner Macht. Seine Amtszeit als Staatschef endet nächstes Jahr, nach zwei Mandaten darf er nicht erneut kandidieren.

Vucic steht innenpolitisch unter großem Druck. In dem Land finden seit dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad im November 2024 mit 16 Toten regelmäßig Proteste statt. Anfangs ging es dabei vor allem um die Unglücksursache, aber im weiteren Verlauf richteten sich die vor allem von Studierenden getragenen Demonstrationen generell gegen die Regierung und die weit verbreitete Korruption im Land.

Gegendemonstranten und -demonstrantinnen haben eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens in einem überwiegend katholischen Teil der nordirischen Stadt Portadown blockiert.

Erstmals seit den 1990er Jahren hatte die zuständige Parades Commission zuvor den Marsch entlang der Garvaghy Road erlaubt. Auf der Straße hatten sich jedoch nach Angaben britischer Medien heute Früh bei heftigem Regen rund 2.000 Gegendemonstranten und -demonstrantinnen versammelt.

Demonstranten auf der Garvaghy Road in Portadown, Nordirland
AP/PA/Peter Morrison

Parade konnte nicht starten

Die Parade, bei der 35 Teilnehmende, aber keine Bands oder Unterstützer zugelassen waren, konnte deshalb zunächst nicht starten. Laut britischen Medien beteiligten sich auch Mitglieder der in Irland und Nordirland für die Wiedervereinigung eintretenden Partei Sinn Fein an dem Protest gegen die Parade. In der Nähe der Straße wurden in der Früh Feuerwerkskörper abgeschossen.

Die nordirische Regierungschefin, Michelle O’Neill, rief unterdessen auf der Plattform X zu „Ruhe auf allen Seiten“ auf. Die Sinn-Fein-Politikerin schrieb aber auch, sie unterstütze das Recht der Anrainer und Anrainerinnen, „gegen diesen unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren.

Israels Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara hat die Ausschreibung für den Bau eines besonders umstrittenen Siedlungsprojekts im besetzten Westjordanland verlängert.

Die Frist für die Einreichung von Angeboten für den Bau Tausender Wohnungen im Siedlungsprojekt E1 werde um einen Monat verschoben, teilte ihr Büro heute mit. Der Termin liege nun nach der Parlamentswahl am 27. Oktober, um das Risiko zu verringern, dass die Ausschreibung für „Wahlpropaganda“ genutzt werde, wie es hieß.

Das Siedlungsprojekt E1 östlich von Jerusalem war im vergangenen Jahr nach jahrzehntelangem Stillstand genehmigt worden. Im Juli schrieb das israelische Wohnungsbauministerium den Bau von mehr als 1.200 der insgesamt geplanten 3.400 Wohnungen in dem Gebiet zwischen Ostjerusalem und der israelischen Siedlung Maale Adumim aus.

Kritik: Projekt würde Westjordanland teilen

Kritikern und Kritikerinnen zufolge würde der Bau der riesigen Siedlung das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil zerteilen und die Aussichten auf einen palästinensischen Staat so weiter verringern.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien hatten die israelische Regierung im August zur Beendigung des Projekts aufgefordert. Mehrere israelische Organisationen klagten zudem gegen die Ausschreibung.

Ein Jerusalemer Gericht wies einen Eilantrag gegen das E1-Projekt jedoch vor gut zwei Wochen zurück. Das Gericht argumentierte, bis zur Umsetzung des Bauprojekts bleibe noch genug Zeit für eine juristische Überprüfung.

Inland

Das Justizministerium hat bei der Rechtsanwaltskammer Wien ein Disziplinarverfahren gegen den Anwalt Dieter Böhmdorfer angeregt. Das berichteten „Standard“ und „Presse“ (Onlineausgaben) heute. Böhmdorfer vertrat den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser im BUWOG-Prozess.

Grund seien Behauptungen Böhmdorfers in einem Ö1-Interview im August, wonach bei der Justiz „viele Akten sofort an die Medien gehen“, sagte ein Sprecher von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) der APA. Damit würde er das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben, so das Ministerium.

Vorwürfe auf Basis gefälschter E-Mails

Böhmdorfer hatte im Ö1-Interview seinen Versuch und den anderer Grasser-Anwälte verteidigt, das Urteil in der BUWOG-Causa zu kippen. Wie die APA und der „Falter“ davor publik gemacht hatten, wollten die Anwälte eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen und hatten eine Sachverhaltsdarstellung gegen die BUWOG-Richterin Marion Hohenecker eingebracht, in der ihr Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit vorgeworfen wurde.

Basis dafür waren E-Mails, die den Anwälten von einem angeblichen Ex-IT-Forensiker vorgelegt wurden und eine Befangenheit Hoheneckers zu belegen schienen. Der Forensiker gestand später, alles nur erfunden zu haben. Gegen ihn wird nun ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sachverhaltsdarstellung direkt bei OStA-Wien-Chef eingebracht

Dass Böhmdorfer die Sachverhaltsdarstellung zudem nicht über den normalen Weg, sondern direkt beim Leiter der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien, Johann Fuchs, eingebracht hatte, begründete er später mit den bereits erwähnten Leaks an Medien.

Damit suggeriere Böhmdorfer, „dass vertrauliche Informationen aus laufenden Ermittlungsverfahren nicht gewahrt, sondern regelmäßig und leichtfertig an Medien herausgegeben würden. Derartige pauschale und haltlose Unterstellungen untergraben das Vertrauen in den Rechtsstaat und bedürfen aus Sicht des Ministeriums einer disziplinarrechtlichen Prüfung“, zitiert die „Presse“ aus dem Schreiben an die Wiener Anwaltskammer.

Das Justizministerium kann selbst keine disziplinarischen Maßnahmen gegen Böhmdorfer ergreifen, daher das Schreiben vom Freitag. Die Entscheidung, ob es zu einem Verfahren kommt, liegt allein beim Disziplinarrat der Rechtsanwaltskammer.

Böhmdorfer war nicht nur Grassers Anwalt, sondern auch dessen Regierungskollege Anfang der 2000er. Böhmdorfer war damals in der ÖVP-FPÖ-Regierung Justizminister.

Nach der Ankündigung von Medienmanager Gerhard Zeiler, SPÖ-Chef Andreas Babler den Parteivorsitz streitig machen zu wollen, halten sich große Teile der Partei weiter mit öffentlichen Sympathiebekundungen zurück.

Unterstützung für Babler kam heute von Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Staatssekretärin Michaela Schmidt. Babler habe die SPÖ in die Regierung geführt und ein Regierungsprogramm mit stark sozialdemokratischer Handschrift durchgesetzt, sagte Schmidt gegenüber dem ORF. Zudem verwies sie darauf, dass Babler erst im März mit eindeutiger Mehrheit im Amt bestätigt worden sei.

GPA-Chefin: Babler gewählter Vorsitzender

Die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA und SPÖ-Abgeordnete, Barbara Teiber, sagte in der ORF-Sendung „Hohes Haus“, sie wolle sich nicht an der Personaldebatte in ihrer Partei beteiligen. Babler sei der gewählte Vorsitzende der SPÖ. Zeilers „Inhalte“ kenne sie noch nicht.

Der nächste reguläre SPÖ-Vorstand ist für November angesetzt, jedoch könnten vier Mitglieder eine vorgezogene Sitzung einberufen lassen. Damit müssten sich dann erstmals Zeilers Unterstützerinnen und Unterstützer deklarieren.

Ex-Landeshauptleute für Zeiler

Unterstützung erhielt Zeiler unterdessen von ehemaligen SPÖ-Landeshauptleuten. Der ehemalige steirische Landeshauptmann Franz Voves sagte der „Kleinen Zeitung“, Zeiler sei „eine große, seltene Chance – nicht nur für die SPÖ“. Er traue ihm zu, „Menschen jeden Alters eine neue, mitreißende Erzählung für eine gute Zukunft im 21. Jahrhundert anzubieten und damit erfolgreich den Angstmachern von extrem rechts und extrem links entgegenzutreten“.

Kärntens früherer Landeshauptmann Peter Ambrozy sagte der „Kleinen Zeitung“, Zeiler sei „ein fähiger Mann, nicht nur, weil er im ORF war, sondern weil er sich im internationalen Mediengeschäft durchgesetzt hat“. Zugleich warnte er: „Wenn sich das Klima in der Partei nicht ändert, bringt es auch nichts, dass wir nun eine neue Person in diese Position bringen.“

Niessl: Treffen Zeiler – Doskozil

Burgenlands Ex-Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), der Ambitionen für einen Einzug in die Hofburg hegt, sagte der „Presse“, die SPÖ müsse sich angesichts schlechter Umfragewerte „natürlich Gedanken personeller und inhaltlicher Art machen“. Zeiler sei „ein Musterbeispiel dafür, was für ein Aufstieg einem durch Leistung gelingen kann“.

Niessl kündigte ein Treffen Zeilers mit dem aktuellen burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Oktober an. Doskozil hatte sich nach dem Bekanntwerden von Zeilers Ambitionen kritisch geäußert.

Die ÖVP-Frauen haben Verteidigungsministerin Klaudia Tanner als neue Bundesleiterin nominiert. Der Bundesvorstand habe die Niederösterreicherin einstimmig vorgeschlagen, teilte die Volkspartei heute Abend in einer Aussendung mit.

Die bisherige Bundesleiterin, Ex-Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß, hatte vor zwei Tagen ihren Rückzug bekanntgegeben. Die stellvertretende Bundesleiterin und Nationalratsabgeordnete Margreth Falkner wurde interimistisch mit den Agenden der Bundesleitung betraut.

Tanners Wahl erfolgt beim kommenden Bundestag. Tanner habe „in vielen Funktionen bewiesen, dass sie Verantwortung übernimmt und Dinge voranbringt“, sagte Falkner in einer Aussendung.

„Als erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums hat sie gezeigt, dass Frauen auch dort erfolgreich führen, wo man es ihnen zunächst nicht selbstverständlich zugetraut hat“, so Falkner weiter.

Die Grünen wiederholen im Vorfeld des morgigen „Safe Abortion Day“ ihre Forderung nach einer Entkriminalisierung und Kostenübernahme von Abtreibungen sowie Schutzzonen rund um Schwangerschaftsabbruchkliniken.

In Österreich komme es hier „regelmäßig zu Belästigungen durch Abtreibungsgegner:innen“, bestätigte Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) in einer Anfragebeantwortung an die Oppositionspartei. Diese fordert die Regierung zum Handeln auf.

Zweimal bereits habe ihre Partei Vorschläge für 150-Meter-Schutzzonen vor entsprechenden Einrichtungen vorgelegt, ohne dass diese umgesetzt wurden, so die grüne Nationalratsabgeordnete Meri Disoski. Die Regierungsparteien hätten „lediglich eine Evaluierung beschlossen“.

Wegweisungen in Wien möglich

Derzeit würden „die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen geprüft und unterschiedliche Modelle für eine bundeseinheitliche Schutzregelung erarbeitet“, heißt es in Holzleitners Beantwortung.

In Wien bestehe die Möglichkeit, Personen unter bestimmten Voraussetzungen wegen „unzumutbarer Belästigung“ wegzuweisen, in den anderen Bundesländern aber nicht. Vor einem Jahr hatte Holzleitner gemeint, die Schaffung von Schutzzonen sei „erklärtes Ziel“.

Schumann: Kostenübernahme nicht möglich

In einer weiteren Anfrage an Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sprach sich diese dafür aus, „den Schwangerschaftsabbruch aus dem Strafgesetzbuch zu streichen und stattdessen ausschließlich im Gesundheitsrecht zu regeln“. Ihr Ressort sei dafür aber nicht zuständig.

Die Übernahme von Schwangerschaftsabbrüchen als Kassenleistung sei derzeit geplant und nach momentaner Rechtslage auch nicht möglich, da eine Schwangerschaft „keine Krankheit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn“ darstelle. Mit Blick auf die Einführung eines „telemedizinisch begleiteten medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs“ sagte Schumann, dass das aus fachlicher Sicht zu begrüßen wäre.

ZIB2-Hinweis

Gerhard Zeiler will SPÖ-Chef Andreas Babler als Parteivorsitzenden herausfordern. Babler denkt nicht an Rücktritt. Was hat Zeiler genau vor? Darüber spricht er erstmals im TV, live bei uns im Studio.

Reden mit Russland

Erstmals seit Kriegsbeginn sprechen die Außenminister Deutschlands und Russlands miteinander, die tödlichen Angriffe auf die Ukraine gehen weiter.

Hilfe für Männer

Wie können pflegende Männer vor Überforderung geschützt werden?

ZIB2 mit Margit Laufer, 21.50 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Krieg in Nahost

US-Präsident Donald Trump rechnet nach eigenen Angaben mit weiteren Verhandlungen mit dem Iran. „Sie wollen ein Abkommen schließen, aber es ist nicht das Abkommen, das ich schließen möchte“, zitierte ihn das Nachrichtenportal Axios heute aus einem Telefongespräch.

Es sei das, worauf man sich vielleicht vor einem Jahr geeinigt hätte. Der Iran habe den Bogen überspannt, sagte Trump mit Blick auf den jüngsten Vorschlag des Iran, den der US-Präsident bereits zuvor abgelehnt hatte.

Nach Angaben von Axios erwartet Trump die neuen Gespräche für kommende Woche. Zwei regionale Quellen bestätigten dem US-Medium diese Pläne. Sie rechneten bereits ab morgen mit einer weiteren Runde indirekter Gespräche zwischen den USA und dem Iran, berichtete Axios.

Vertreter der Kriegsparteien USA und Iran waren vor ein paar Tagen am Rande der UNO-Generalversammlung in New York erstmals seit Monaten wieder zu Verhandlungen zusammengekommen. Nach Angaben von Trumps Unterhändler Steve Witkoff, der für die US-Seite an den Verhandlungen teilnahm, fand die Gesprächsrunde über Vermittler statt.

Bei einem saudi-arabischen Luftangriff auf die Stadt Tais im Jemen sind nach Angaben der jemenitischen Huthi-Miliz heute sieben Menschen getötet worden. 40 weitere Menschen seien bei dem Angriff auf einen Marktplatz in der Stadt verletzt worden, meldete der Huthi-Fernsehsender al-Masirah.

Rund um die Großstadt im Südwesten des Jemen, die unter der Kontrolle der Regierungstruppen steht, hatte es zuletzt heftige Kämpfe gegeben.

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Zuletzt übernahm die Miliz nach einer Blitzoffensive die Kontrolle über große Teile der Küste an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab.

Ukraine-Krieg

Ukrainische Truppen haben laut Behörden mit Lastdrohnen vier Tonnen Lebensmittel in die seit Monaten abgeriegelte Stadt Oleschky auf russischem Besatzungsgebiet im Süden gebracht.

Russland halte in der Stadt etwa 2.000 Menschen fest, darunter fast 50 Kinder, teilte der Gouverneur des ukrainischen Gebietes Cherson, Olexander Prokudin, heute auf Telegram mit. „Sie sind gezwungen, ohne Nahrung, Strom und Wasser zu überleben.“ In einem Video soll der Lebensmittelabwurf zu sehen sein.

Hilfsorganisationen beklagen seit Langem die humanitäre Lage in der Kleinstadt, die auf dem südlichen Ufer des Dnipro liegt. Die Gebietshauptstadt Cherson in ukrainischer Hand ist nur neun Kilometer entfernt, doch dazwischen verläuft die Front.

Nach jahrelangem wechselseitigem Beschuss liegen rund um Oleschky Minen, ein Verlassen ist in alle Richtungen lebensgefährlich. Das letzte Geschäft schloss nach UNO-Angaben im Jänner. Seit Mai seien keine Lebensmittel mehr in den Ort gelangt.

Bei russischen Angriffen in der Ukraine sind ukrainischen Angaben zufolge fünf Menschen getötet worden. Bei Angriffen in der Nacht auf heute auf die südliche Region Saporischschja seien drei Menschen getötet worden, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zudem habe es ein Todesopfer durch einen russischen Drohnenangriff in Kiew gegeben.

Feuerwehr in einem zerstörten Wohnblock nach russischem Luftschlag in Kiew
Reuters/Valentyn Ogirenko

Kiews Bürgermeister Witali Klitschko sagte, dass eine Frau und zwei 16-Jährige in der Hauptstadt verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden seien. „Der Feind greift die Region Kiew weiterhin unerbittlich mit Angriffsdrohnen an“, so die Stadtverwaltung.

16 Gebäude seien beschädigt worden, darunter zwölf Privathäuser in den Vororten sowie ein Lager und eine Produktionsstätte.

Behörden der Region Odessa berichteten unterdessen von einem heftigen Angriff im Süden des am Schwarzen Meer gelegenen Gebiets mit einem Todesopfer. Der Regionalgouverneur Oleh Kiper sagte, russische Angriffe hätten „ein Wohngebäude, eine medizinische Einrichtung, ein Hotel, ein Geschäft sowie ein Lagerhaus für Getreide“ beschädigt.

Wirtschaft

Ein Manipulationsskandal an der Börse erschüttert die Türkei. Im Rahmen von Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten auf dem Kapitalmarkt sei unter anderem das Vermögen von 42 Personen und 46 juristischen Personen eingefroren worden, teilte Justizminister Akin Gürlek gestern Abend auf der Plattform X mit.

Zuvor waren mindestens 45 Personen verhaftet worden, darunter Führungskräfte von Investmentfirmen. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ermittle unter anderem wegen Betrugs, Verstößen gegen das Kapitalmarktgesetz und Gründung einer kriminellen Vereinigung, so Gürlek.

131 Investmentfonds liquidiert

Seit Mitte September beschäftigt die Krise um Investmentfonds die Türkei. Die türkische Kapitalmarkbehörde SPK liquidierte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge 131 Investmentfonds, in denen Medienberichten zufolge Vermögenswerte in Milliardenhöhe gebunden waren. Mehr als 455.000 Anleger und Anlegerinnen sind Anadolu zufolge betroffen.

Die türkischen Behörden ermitteln, ob die Fondsbewertungen künstlich aufgebläht wurden. Medienberichten zufolge sind zahlreiche Kleinanleger betroffen. Wegen der hohen Inflation in der Türkei investieren viele Menschen ihr Erspartes in Aktiengeschäften, in der Hoffnung, es so gegen den Wertverlust zu schützen.

Die größte Oppositionspartei Yeni sprach von einer schweren Krise und forderte die Regierung Anadolu zufolge dazu auf, Anleger zu entschädigen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte erklärt, das Problem betreffe einen begrenzten Bereich der Kapitalmärkte, und es bestehe kein Risiko für das Finanzsystem oder die türkische Wirtschaft.

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise in Italien will der Energiekonzern Eni einen Benzinpreisdeckel an seinen Tankstellen einführen. Die Maßnahme sorgt jedoch für Streit in der Branche. Der Tankstellenverband Assopetroli-Assoenergia wirft Eni vor, mit der Preissenkung den Wettbewerb zu verzerren. Kleinere Anbieter könnten mit den angekündigten Preisen nicht mithalten, sagte Verbandspräsident Andrea Rossetti.

Eni will ab kommender Woche an seinen Tankstellen für Privatkundinnen und -kunden maximal 1,99 Euro je Liter Benzin und 2,19 Euro je Liter Diesel verlangen. Der Konzern erwägt, den Preisdeckel bis zum Jahresende beizubehalten.

Maßnahmen könnten 100 Mio. Euro im Monat kosten

Nach Berechnungen auf Grundlage der jüngsten Halbjahreszahlen könnte die Maßnahme Eni rund 100 Millionen Euro im Monat kosten. Der Konzern verkauft im Privatkundengeschäft durchschnittlich rund 600 Millionen Liter Kraftstoff pro Monat.

Die Preisbegrenzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die staatliche Entlastung beim Dieselpreis reduziert wird. Der von der Regierung gewährte Tankrabatt von bisher 12,2 Cent je Liter wurde am Wochenende auf 6,1 Cent halbiert. Nach Berechnungen des italienischen Verbraucherschutzverbands Codacons verteuert sich das Tanken dadurch bei einer Tankfüllung von 50 Litern um rund 3,05 Euro.

Tankstellenverband fürchtet Folgen für kleinere Tankstellen

Nach Einschätzung von Assopetroli können kleinere Wettbewerber die Eni-Preise nicht nachvollziehen. „Auch wenn wir unsere Margen vollständig aufgeben, können wir niemals auf diese Preise kommen“, sagte Rossetti. Der Verband will sich deshalb an die italienische Regierung wenden.

Enis Maßnahme sei nicht nur wettbewerbsverzerrend, sondern zudem unzureichend, weil sie einen Teil des Kraftstoffmarktes nicht erfasse. Eni verfügt landesweit über rund 3.847 Tankstellen, von denen etwa drei Viertel dem Konzern gehören bzw. von ihm betrieben werden.

Chronik

Bei schweren Unwettern und Erdrutschen in Indien und Nepal sind mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen. In Indien starben 56 Menschen, wie die Behörden heute mitteilten. Zudem seien 46 Personen verletzt und mehr als 1.000 Häuser beschädigt worden.

Zerstörte Gebäude nach einem Hochwasser in Nepal
APA/AFP/Prakash Mathema

Rettungskräfte seien in den überfluteten Gebieten im Einsatz, um Hilfsgüter zu verteilen. Im Nachbarland Nepal kamen 14 Menschen ums Leben, elf werden vermisst. Die Behörden warnten vor weiteren Sturzfluten.

In Indien fielen im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh seit Freitag 66,5 Millimeter Regen, normalerweise sind es 7,6 Millimeter, wie der dortige Katastrophenschutz erklärte. Die zentrale Wasserkommission stufte die Lage an 30 Flussmessstationen in sieben Bundesstaaten als ernst ein. Mehrere große Flüsse wie der Ganges überschritten die Gefahrenmarke.

Stromausfälle in Nepal

In Nepal führten die Überschwemmungen zu Stromausfällen, zudem wurde ein 40-Megawatt-Wasserkraftwerk beschädigt. Unabhängig davon riss eine Lawine im nördlichen Bezirk Manang das Basislager des 7.126 Meter hohen Berges Himlung Himal mit sich. Seitdem werden zehn einheimische Arbeiter vermisst, die Zelte für ausländische Bergsteiger aufbauen sollten.

Die Region wird immer wieder von schweren Naturkatastrophen heimgesucht. Erst im vergangenen Monat waren bei verheerenden Überschwemmungen in Nepal mehr als 1.450 Menschen ums Leben gekommen. Tausende gelten weiterhin als vermisst.

In Südafrika haben Bewaffnete bei zwei separaten Schusswaffenangriffen insgesamt 27 Menschen getötet und zahlreiche weitere Menschen verletzt.

In einer Bar westlich von Johannesburg seien gestern Abend (Ortszeit) 17 Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden, teilte die südafrikanische Polizei heute mit. Die acht Täter seien mit Sturmgewehren bewaffnet gewesen.

Polizeiabsperrung am Tatort
Reuters/Oupa Nkosi

Sie hätten auch „einige Gäste durchsucht und deren Mobiltelefone an sich genommen“. Danach seien sie in zwei Fahrzeugen vom Tatort geflohen. Die Bewaffneten setzten vor ihrer Flucht auch zwei Fahrzeuge in Brand.

Angreifer stürmten Nachtclub

Bei einem weiteren Schusswaffenvorfall in einem Township in der Nähe von Kapstadt gab es heute Nacht zehn Tote und elf Verletzte. Bewaffnete Männer stürmten einen Nachtclub und „schossen auf die Gäste“, wie die Polizei erklärte.

Die Motive für die Angriffe waren zunächst unklar. In Südafrika sind zahlreiche legale sowie illegale Waffen im Umlauf und Schusswaffenvorfälle sind relativ häufig. Dabei spielt oft Rivalität zwischen kriminellen Banden eine Rolle. Das Land mit rund 62 Millionen Einwohnenden hat mit rund 60 Morden pro Tag eine der höchsten Mordraten weltweit.

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Alle Angaben ohne Gewähr

Religion

Papst Leo XIV. hat jede Form aktiver Sterbehilfe in deutlichen Worten verurteilt. Bei einem Besuch im französischen Marien-Wallfahrtsort Lourdes richtete das Oberhaupt der katholischen Kirche heute einen Appell an die Ärzteschaft und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Der Sinn ihrer Berufung bestehe darin, „sich um einen leidenden Menschen zu kümmern und nicht darin, ihn zu beseitigen“.

Leo fügte hinzu: „Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen. Was legal ist, ist nicht zwangsläufig auch sittlich erlaubt. Der Versuchung, unter dem Vorwand falschen Mitleids das Leben zu beenden, muss gerade im Namen dieser unveräußerlichen Würde des Menschen entschieden widerstanden werden.“ Niemand habe das Recht, „auf der Grundlage von labortechnischen Algorithmen“ über Leben zu entscheiden.

Sterbehilfe in mehreren europäischen Ländern erlaubt

Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken bezog sich mit seiner Kritik auf gesetzliche Regelungen zur Sterbehilfe in verschiedenen europäischen Ländern. Auch die französische Nationalversammlung hatte in diesem Sommer nach langen Debatten mit großer Mehrheit ein Gesetz zur aktiven Sterbehilfe verabschiedet.

Tausende Teilnehmer einer Open-Air-Messe in Lourdes, Frankreich
AP/Laurent Cipriani

Der Marien-Wallfahrtsort Lourdes ist die vorletzte Station von Leos Frankreich-Besuch. Am Vormittag hatte der Papst in Lourdes eine Messe mit 150.000 Teilnehmenden gefeiert.

„Eingeständnis unserer Fehler“

In seiner Predigt sprach Leo XIV. auch von „tiefen Wunden, Untreue und schmerzhaften Fehltritten“, die in der Kirche begangen worden seien. „Das Eingeständnis unserer Fehler ist für unser spirituelles Wachstum unverzichtbar.“

Wie in anderen Ländern wurden auch in Frankreich über Jahrzehnte hinweg Missbrauchsfälle durch Priester unter den Teppich gekehrt. Einer unabhängigen Untersuchungskommission zufolge gab es seit 1950 mehr als 200.000 Opfer.

Leute

Hollywood-Legende Sylvester Stallone hat in jüngeren Jahren laut eigenen Angaben an Bulimie gelitten. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu „Rambo“-Zeiten sei sein Körper seine Rüstung gewesen, sagte der heute 80-Jährige in einem Interview der „New York Times“.

Es sei zu einer schlimmen Obsession geworden. „Es ging so weit, dass ich bulimisch wurde.“ Beim Dreh zu „Rocky III“ sank sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent, und er habe nichts bei sich behalten können. Stallone, der damals in seinen Dreißigern war, nannte es eine „zwanghafte Körperanbetung“. Niemand könne das ohne Hilfsmittel und Drogen – man müsse Steroide nehmen.

„Habe meinen Körper missbraucht“

Mit Blick auf Teile seiner Karriere sagte er: „Ich habe meinen Körper missbraucht.“ Er habe neun Rücken- und zwei Schulteroperationen sowie mehrere Eingriffe an der Halswirbelsäule gehabt. Heute sei er zwar noch einigermaßen in Form, aber er nehme eine Menge Tabletten, um dranzubleiben, so Stallone.

Der Schauspieler erzählte auch von Panikattacken. Die erste habe er im Alter von 36 Jahren erlebt. Er habe sich Rohmaterial von Aufnahmen angesehen, sei plötzlich aufgestanden, die Nackenhaare stellten sich ihm auf, ihm sei heiß geworden, und er habe gedacht: „Ich sterbe. Das war’s. Jetzt ist es vorbei mit mir.“ Dann sei er zusammengeklappt. Das habe sich dann immer wieder wiederholt.