Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Abtrennung von Kohlendioxid aus Gasen, insbesondere aus Abgasen.
Um den menschgemachten Klimawandel zu reduzieren wird zunehmend vermieden, Kohlendioxid in die Atmosphäre abzugeben. Vielmehr wird versucht, entstehendes Kohlendioxid abzutrennen und entweder anschließend umzuwandeln oder zu deponieren. Ein typisches Verfahren hierzu ist, Abgase bei etwa 25 °C bis 50 °C mit einer basischen Lösung, beispielsweise einer Amin-Lösung zu waschen. Diese Amin-Lösung wirkt als Solvens in dem sich das Kohlendioxid löst. Die das Kohlendioxid-enthaltende Lösung wird dann erwärmt und in einem Desorptionsschritt das Kohlendioxid wieder in die Gasphase überführt. Hierdurch wird das Solvens zurückerhalten und ebenso wird ein reiner Kohlendioxid-Gasstrom. Der Kohlendioxid-Gasstrom kann dann beispielsweise, und rein exemplarisch, deponiert oder einer Methanol-Synthese zugeführt werden.
Aus der WO 2010 / 086 039 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Abtrennen von Kohlendioxid aus einem Abgas einer fossilbefeuerten Kraftwerksanlage bekannt.
Aus der CN 111203086 A ist ein CO2-Abtrennungssystem mit geringem Energieverbrauch und geringer Emission bekannt.
Aus der WO 2014 / 077 919 A1 ist eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Entfernung saurer Gase aus einem Gasstrom und einer Regeneration der absorbierenden Lösung bekannt.
Aus der US 2017 / 0197175 A1 ist ein energieeffizientes Verfahren zur Extraktion saurer Gases aus einem Gasstrom bekannt.
Aus der WO 2013 / 013 749 A1 ist eine Wärmerückgewinnung bei Absorptions- und Desorptionsprozessen bekannt.
Aus der WO 2019 / 232 626 A1 ist eine CO2 Abtrennung nach der Verbrennung mit einer Wärmerückgewinnung bekannt.
Allen Anlagen zur Abtrennung von CO2 ist gemein, dass zur erneuten Abgabe des CO2 aus der Lösung Energie zugeführt werden muss. Hierzu wird auf Wärme auf einem hohen und damit vergleichsweise wertvollen Niveau zurückgegriffen.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung bereitzustellen, bei der Gesamtprozess aus Absorption und Desorption energetisch optimiert ist.
Gelöst wird diese Aufgabe durch die Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen. Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen, der nachfolgenden Beschreibung sowie den Zeichnungen.
Die erfindungsgemäße Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung weist eine Absorptionsvorrichtung und eine Desorptionsvorrichtung auf. In der Absorptionsvorrichtung wird das vom Kohlendioxid zu reinigende Gas eingeführt und durch den Kontakt mit einem Solvens, meist einer Amin-Lösung, das Kohlendioxid aus der Gasphase in die flüssige Phase überführt. Es entsteht eine Lösung aus dem Solvens mit dem darin gelösten, gegebenenfalls gebundenem, Kohlendioxid. Diese Lösung wird in die Desoptionsvorrichtung überführt, wo das Kohlendioxid aus der Lösung wieder ausgetrieben wird, wodurch das Solvens zurückerhalten und im Kreislauf zurück in die Absorptionsvorrichtung überführt wird. Ebenso wird ein Kohlendioxid-Gasstrom erhalten, welcher der weiteren Verwendung zugeführt werden kann. Dieses Grundprinzip wird in einer Vielzahl an Variationen bereits eingesetzt.
Die Absorptionsvorrichtung weist einen Gaseinlass für das zu reinigende Gas und einen Gasauslass für das gereinigte Gas auf. Das zu reinigende Gas kann beispielsweise ein Abgas aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sein. Das gereinigte Gas wäre dann meist hauptsächlich Stickstoff mit einem kleinen Rest an Kohlendioxid und gegebenenfalls einem durch den Verbrennungsprozess stark reduzierten Anteil an Sauerstoff. Das gereinigte Gas kann dann beispielsweise an die Atmosphäre abgegeben werden, ohne dabei große Mengen an Kohlendioxid als Treibhausgas freizusetzen. Die Absorptionsvorrichtung weist üblicherweise einen oder mehrere Stoffaustauschelemente auf, die zwischen dem Gaseinlass und dem Absorptionssolvenseinlass angeordnet sind. Die Stoffaustauschelemente dienen dazu, die flüssige und die gasförmige Phase besser
in Kontakt zu bringen, insbesondere auch die Oberfläche der flüssigen Phase zu erhöhen. Derartige Stoffaustauschelemente sind dem Fachmann bekannt und können beispielsweise Glockenböden, Füllkörper oder strukturierte Packung sein.
Die Absorptionsvorrichtung weist weiter einen Absorptionssolvenseinlass und einen Lösungsauslass auf. Der Absorptionssolvenseinlass ist üblicherweise oben an der Absorptionsvorrichtung angeordnet, der Lösungsauslass unten an der Absorptionsvorrichtung. Entsprechend ist der Gaseinlass üblicherweise unten und der Gasauslass oben angeordnet, sodass Gas und Solvens im Gegenstrom durch die Absorptionsvorrichtung fließen.
Die Desorptionsvorrichtung weist wenigstens einen ersten Lösungseinlass, einen Absorptionssolvensauslass, einen Warmsolvenseinlass und einen Kohlendioxidauslass auf. Der Lösungsauslass der Absorptionsvorrichtung ist mit dem ersten Lösungseinlass der Desorptionsvorrichtung über eine erste Lösungsverbindung verbunden. Die erste Lösungsverbindung weist einen ersten Wärmetauscher auf. Hierdurch wird der Lösungsmittelstrom, welcher durch die erste Lösungsverbindung fließt, erwärmt, sodass in der Desorptionsvorrichtung das in der Lösung vorhandene Kohlendioxid wieder abgegeben werden kann. Der Absorptionssolvensauslass der Desorptionsvorrichtung ist mit dem Absorptionssolvenseinlass der Absorptionsvorrichtung über eine Absorptionssolvensverbindung verbunden. Über die Absorptionssolvensverbindung fließt das in der Desorptionsvorrichtung vom Kohlendioxid abgereicherte Solvens zurück zur Absorptionsvorrichtung. Die Absorptionssolvensverbindung weist ebenfalls den ersten Wärmetauscher auf. Hierdurch wird die Wärme des Solvensstroms in der Absorptionssolvensverbindung an den Lösungsstrom übergeben. Die Absorptionssolvensverbindung weist eine Abzweigung zu einer Warmsolvensverbindung auf. Es wird also ein Teilstrom des Solvensstroms abgezweigt und in die Warmsolvensverbindung geführt. Die Warmsolvensverbindung ist mit dem Warmsolvenseinlass verbunden. Die Warmsolvensverbindung weist einen zweiten Wärmetauscher auf. Hierdurch kann zusätzlich Energie in das gesamte System eingetragen werden. Die Desorptionsvorrichtung weist üblicherweise einen oder mehrere Stoffaustauschelemente auf, die oberhalb und unterhalb des ersten Lösungseinlass angeordnet sind. Die Stoffaustauschelemente dienen dazu, die flüssige und die gasförmige Phase besser in Kontakt zu bringen, insbesondere auch die Oberfläche der
flüssigen Phase zu erhöhen. Derartige Stoffaustauschelemente sind dem Fachmann bekannt und können beispielsweise Glockenböden oder Füllkörper sein.
Erfindungsgemäß ist der Druck des Solvens im zweiten Wärmetauscher um 0,2 bar bis 5 bar höher als der Druck in der Desorptionsvorrichtung am Absorptionssolvensauslass. Im zweiten Wärmetauscher kann somit eine höhere Ausgangstemperatur erzielt werden, da durch den erhöhten Druck der Siedepunkt erhöht wird. Dieses wiederum bedeutet, dass das Solvens am Absorptionssolvensauslass eine höhere Temperatur aufweist und damit mit einer höheren Temperatur in den ersten Wärmetauscher gelangt. Dadurch kann dieser entweder kompakter ausgeführt werden oder eine höhere Ausgangstemperatur für den beladenen Lösungsstrom aus dem ersten Wärmetauscher erzielt werden. Letzteres wiederrum führt zu einer effizienteren Austreibung des Kohlendioxids aus der Lösung.
Hierbei ist der Druck des Solvens im zweiten Wärmetauscher apparativ bedingt einstellbar. Um den Druck gezielt apparativ einzustellen gibt es zwei beispielhafte und bevorzugte Ausführungsformen. In einer ersten beispielhaften und bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der Druck des Solvens im zweiten Wärmetauscher dadurch um 0,2 bar bis 5 bar höher als der Druck in der Desorptionsvorrichtung am Absorptionssolvensauslass, dass der zweite Wärmetauscher in der Höhe um wenigstens 1 m unter dem Absorptionssolvensauslass angeordnet ist, wodurch der Druck im zweiten Wärmetauscher durch die hydrostatische Säule des Solvens entsprechend der gesamten Höhendifferenz erhöht wird. In einer zweiten beispielhaften und bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der Druck des Solvens im zweiten Wärmetauscher dadurch um 0,2 bar bis 5 bar höher als der Druck in der Desorptionsvorrichtung am Absorptionssolvensauslass, dass vor dem zweiten Wärmetauscher eine erste Pumpe zur Erzeugung des entsprechenden Überdrucks angeordnet ist.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist zwischen dem zweiten Wärmetauscher und der Desorptionsvorrichtung eine Druckverlusteinrichtung, beispielsweise ein Regelventil, eine Lochblende oder eine Rohrverengung, angeordnet. Mit der Druckverlusteinrichtung wird der gewünschte Überdruck im zweiten Wärmetauscher Gas/dam pfseitig eingestellt beziehungsweise gehalten. Hierdurch kann ein Verdampfen, wenn erforderlich, im zweiten Wärmetauscher verhindert werden.
Bevorzugt ist der erste Lösungseinlass im mittleren Bereich der Desorptionsvorrichtung angeordnet.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung weist die erste Lösungsverbindung strömungstechnisch hinter dem ersten Wärmetauscher eine Verdampfungsvorrichtung auf. Die Verdampfungsvorrichtung, auch Druckentspannungsbehälter genannt, dient dazu, dass die im ersten Wärmetauscher erwärmte Lösung des Lösungsstroms entspannen und partiell verdampfen kann. In der Verdampfungsvorrichtung wird somit die flüssige Phase des Lösungsstroms von der gasförmigen Phase des Lösungsstroms getrennt. Die flüssige Phase wird durch die erste Lösungsverbindung in die Desorptionsvorrichtung geführt. Die Aufgabe der flüssigen Phase durch die erste Lösungsverbindung und den ersten Lösungseinlass erfolgt bevorzugt zwischen zwei Stoffaustauschelementen. Die Desorptionsvorrichtung weist weiter einen Dampfeinlass auf und die Verdampfungsvorrichtung weist einen Dampfauslass auf. Der Dampfauslass der Verdampfungsvorrichtung und der Dampfeinlass der Desorptionsvorrichtung sind zur Überführung der gasförmigen Phase mit einer Gaslösungsverbindung verbunden. Besonders bevorzugt ist der Dampfeinlass in unteren Bereich der Desorptionsvorrichtung angeordnet. Im unteren Bereich sind vorzugsweise keine Stoffaustauschelemente angeordnet. Hierdurch wird die energetische Führung des Gesamtprozesses optimiert.
In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung zweigt zwischen der Absorptionsvorrichtung und dem ersten Wärmetauscher von der ersten Lösungsverbindung eine zweite Lösungsverbindung ab. Die zweite Lösungsverbindung führt direkt in den Kopf der Desorptionsvorrichtung. Direkt bedeutet in diesem Zusammenhang ohne einen Wärmetauscher oder dergleichen. Gegebenenfalls kann hier ein (Durchflussregel-)Ventil angeordnet sein. Somit wird die mit Kohlendioxid beladene Lösung selbst zur Kühlung des aus der Desoptionsvorrichtung austretenden Gasstroms genutzt. Folgedessen verbleibt die aus dem ersten Wärmetauscher und dem zweiten Wärmetauscher sowie die in die Desorptionseinrichtung zugeführte Wärme in der Desorptionseinrichtung und im Solvens und wird nicht an ein Kühlmedium abgegeben.
Nachfolgend ist die erfindungsgemäße Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung anhand eines in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. 1 erstes Ausführungsbeispiel
Fig. 2 zweites Ausführungsbeispiel
Die gezeigten Darstellungen sind rein schematisch und dienen zur Veranschaulichung der Erfindung. Gleiche Teile der verschiedenen Ausführungsbeispiele sind zur Vereinfachung mit gleichen Nummern versehen.
In Fig. 1 ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Kohlendioxid- Abtrennungsvorrichtung 10 gezeigt. Die Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung 10 dient beispielsweise zur Abtrennung des Kohlendioxids aus einem Abgasstrom, welche im Gaseinlass 21 eintritt und stark an Kohlendioxid abgereichert am Gasauslass 22 wieder austritt. In der Absorptionsvorrichtung 20 wird dieser Gasstrom im Gegenstrom mit einem Solvens, meist einer Amin-Lösung, in Kontakt gebracht, sodass das Kohlendioxid in Lösung geht. Diese Lösung tritt am Lösungsauslass 24 aus der Absorptionsvorrichtung aus und wird durch eine zweite Pumpe 46 durch die erste Lösungsverbindung 40 gepumpt. Die erste Lösungsverbindung 40 weist einen ersten Wärmetauscher 41 auf, in dem der Lösungsstrom durch den Solvensstrom der Absorptionssolvensverbindung 50 erwärmt wird. Dem ersten Wärmetauscher 41 nachgeschaltet ist eine Verdampfungsvorrichtung 42, in der die Lösung teilweise in die Gasphase übergehen kann. Die flüssige Phase des Lösungsstroms wird weiter durch die erste Lösungsverbindung 40, beispielsweise mittels einer dritten Pumpe 47 durch den ersten Lösungseinlass 31 in die Desorptionsvorrichtung 30 gefördert. Das in der Verdampfungsvorrichtung 42 entstehende Gas/Dämpfe wird durch den Dampfauslass 43 in die Gaslösungsverbindung 44 und durch diese über den Dampfeinlass 35 in die Desorptionsvorrichtung 30 geführt. Der Dampfeinlass 35 befindet sich dabei bevorzugt am unteren Ende, dem Boden, der Desorptionsvorrichtung 30.
In der Desorptionsvorrichtung 30 wird das Kohlendioxid thermisch aus der Lösung entfernt und über den Kohlendioxidauslass 34 abgegeben. Dieser Kohlendioxidstrom kann dann beispielsweise entweder einer weiteren Umsetzung oder einer Deponierung zugeführt werden. Das vom Kohlendioxid befreite Solvens sammelt sich am Boden der Desorptionsvorrichtung 30 und wird durch den Absorptionssolvensauslass 32 der Absorptionssolvensverbindung 50 zugeführt. Der Solvensstrom gibt hierbei im ersten Wärmetauscher 41 seine thermische Energie an den Lösungsstrom ab. Beispielsweise
mittels einer vierten Pumpe gelangt der Solvensstrom über einen dritten Wärmetauscher 55 durch den Absorptionssolvenseinlass 23 in die Absorptionsvorrichtung.
Vom Solvensstrom in der Absorptionssolvensverbindung 50 zweigt an der Abzweigung 51 ein Teilstrom ab, welcher durch die Warmsolvensverbindung 52 über den zweiten Wärmetauscher 53 insbesondere dampfförmig oder als Dampf/Flüssig-Gemisch durch den Warmsolvenseinlass 33 zurück in die Desorptionsvorrichtung 30 gefördert wird. Über den zweiten Wärmetauscher 53 wird die benötigte Energie für das Austreiben des Kohlendioxids aus der Lösung dem System zugeführt. Hierbei ist der zweite Wärmetauscher 53 beispielsweise 3,5 m unter dem Absorptionssolvensauslass 32 angeordnet, sodass sich durch die Wassersäule ein Überdruck von etwa 0,35 bar einstellt. Hierdurch kann im zweiten Wärmetauscher 53 der Solvensteilstrom auf eine höhere Temperatur erwärmt werden, was wiederrum dazu führt, dass auch die Eintrittstemperatur des durch die Absorptionssolvensverbindung 50 geführten Solvenzstroms vor dem ersten Wärmetauscher 41 entsprechend erhöht ist.
Das in Fig. 2 gezeigte zweite Ausführungsbeispiel unterscheidet sich von dem in Fig. 1 gezeigten ersten Ausführungsbeispiel dadurch, dass der Druck im zweiten Wärmetauscher 53 nicht durch einen Höhenunterschied erreicht wird, was die Bauhöhe reduziert, sondern durch eine erste Pumpe 54.
Bezugszeichen
10 Kohlendioxid-Abtrennungsvorrichtung
20 Absorptionsvorrichtung,
21 Gaseinlass
22 Gasauslass
23 Absorptionssolvenseinlass
24 Lösungsauslass
30 Desorptionsvorrichtung
31 erster Lösungseinlass
32 Absorptionssolvensauslass
33 Warmsolvenseinlass
34 Kohlendioxidauslass
35 Dampfeinlass
erste Lösungsverbindung erster Wärmetauscher
Verdampfungsvorrichtung
Dampfauslass
Gaslösungsverbindung zweite Lösungsverbindung zweite Pumpe dritte Pumpe
Absorptionssolvensverbindung
Abzweigung
Warmsolvensverbindung zweiter Wärmetauscher erste Pumpe dritter Wärmetauscher