Verbundscheibe aus einer polymeren Scheibe und einer Glasscheibe
Die Erfindung betrifft eine Verbundscheibe aus einer polymeren Scheibe und einer Glasscheibe, ein Verfahren zu deren Herstellung und die Verwendung einer dünnen Glasscheibe in einer solchen Verbundscheibe.
Die Fahrzeugindustrie ist aktuell bemüht, das Gewicht der Fahrzeuge zu reduzieren, was insbesondere mit einem reduzierten Treibstoffverbrauch einhergeht. Ein Faktor, welcher wesentlich zum Gewicht der Fahrzeuge beiträgt und daher ein signifikantes Einsparpotential bietet, ist die Verglasung. Herkömmliche Fahrzeugverglasungen werden durch Glasscheiben realisiert, üblicherweise als Einscheibensicherheitsglas (ESG) oder als Verbundsicherheitsglas (VSG). Unter Einscheibensicherheitsglas versteht man dabei eine einzelne Glasscheibe, welche vorgespannt ist, um die Stabilität und die Größe der Splitter beim Bruch der Scheibe zu beeinflussen. Unter Verbundsicherheitsglas versteht man eine Verbundscheibe aus zwei üblicherweise nicht vorgespannten Glasscheiben, die über eine thermoplastische Zwischenschicht miteinander verklebt sind.
Ein Ansatz, das Gewicht der Fahrzeugverglasung zu reduzieren, ist der Einsatz von Kunststoffscheiben anstelle von Glasscheiben. Kunststoffscheiben weisen aber gegenüber Glasscheiben einige Nachteile auf, insbesondere eine deutlich geringe Kratzfestigkeit, so dass der Ersatz wesentlicher Teile der Fahrzeugverglasung durch Kunststoffscheiben bislang nicht realisiert werden kann.
Zur Erhöhung der Kratzfestigkeit wird in DE4415878A1 vorgeschlagen, die Kunststoff- scheibe mit einer dünnen Glasscheibe mittels eines Silikonklebstoffs zu verbinden.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine weiter verbesserte Fahrzeugscheibe bereitzustellen, welche ein geringes Gewicht und gleichzeitig eine hohe Stabilität und Steinschlagfestigkeit aufweist, sowie ein Verfahren zu deren Herstellung.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird erfindungsgemäß durch eine Verbundscheibe für Fahrzeuge gemäß Anspruch 1 gelöst. Bevorzugte Ausführungen gehen aus den Unteransprüchen hervor. Die erfindungsgemäße Verbundscheibe für Fahrzeuge umfasst mindestens eine polymere Scheibe (Kunststoffscheibe) und eine mit der polymeren Scheibe flächig verbundene nichtvorgespannte Glasscheibe.
Eine nicht-vorgespannte Glasscheibe im Sinne der Erfindung ist eine Glasscheibe, die weder einem thermischen noch einem chemischen Vorspannprozess unterzogen wurde. Eine solche nicht-vorgespannte Glasscheibe weist typischerweise Oberflächendruck- Spannungen kleiner als 15 MPa auf.
Die erfindungsgemäße Verbundscheibe ist dafür vorgesehen, in einer Fensteröffnung eines Fahrzeugs den Innenraum gegenüber der äußeren Umgebung abzutrennen. Die dem Innenraum zugewandte Scheibe des Verbundglases wird dabei als Innenscheibe bezeichnet. Die der äußeren Umgebung zugewandte Scheibe wird als Außenscheibe bezeichnet.
Der große Vorteil der Erfindung besteht in der Verbindung einer polymeren Scheibe mit einer sehr dünnen nicht-vorgespannten Glasscheibe. Durch die polymere Scheibe, welche in der Regel den größten Teil der Dicke der Verbundscheibe ausmacht, weist die Verbundscheibe ein geringes Gewicht auf. Die Scheibe kann dadurch vorteilhaft zu einer Verringerung des Gesamtgewichts des Fahrzeugs beitragen. Die Glasscheibe ist sehr dünn und führt daher nur zu einer geringen Erhöhung des Gewichts der Scheibe. Trotzdem wird durch die Glasscheibe eine hohe Stabilität und insbesondere Kratzfestigkeit der Scheibe erreicht. Die Glasscheibe verbessert zudem die akustischen Eigenschaften der Scheibe, bewirkt also eine Verringerung der durch die Scheibe hindurchdringenden Geräusche, was häufig als Nachteil von Kunststoffscheiben gegenüber Glasscheiben geschildert wird. Die Glasscheibe kann Belastungen wie Steinschlag ausgesetzt sein. Trifft ein Stein, insbesondere ein kleiner, spitzer Stein auf eine Glasscheibe, so kann er deren Oberfläche durchdringen. Im Falle einer vorgespannten Scheibe kann der Stein so in die Zugspannungszone im Scheibeninneren eindringen, was zu einem Zerspringen der Scheibe führt. Eine nicht-vorgespannte Glasscheibe weist eine breitere Druckspannungszone und geringere Zugspannung im Inneren auf und ist dadurch weniger anfällig gegenüber dem Einschlag eines spitzen Körpers als eine vorgespannte Glasscheibe. Eine nicht- vorgespannte dünne Glasscheibe in Kombination mit einer polymeren Scheibe führt somit zu einer erhöhten Steinschlagfestigkeit im Vergleich zu Scheiben mit vorgespanntem Glas. Die Glasscheibe kann direkt mit der polymeren Scheibe verbunden sein.
Die Glasscheibe weist eine Dicke von 0,3 mm bis 1 mm auf. Scheiben dieser Dicke haben nur ein geringes Gewicht und bewirken dennoch eine hohe Stabilität und Kratzfestigkeit. Die Glasscheibe weist bevorzugt eine Dicke von 0,3 mm bis 0,7 mm, besonders bevorzugt von
0,35 bis 0,55 mm auf. Damit werden besonders gute Ergebnisse im Hinblick auf ein geringes Gewicht und eine hohe Stabilität und Kratzfestigkeit erzielt.
Die polymere Scheibe weist bevorzugt eine Dicke von 1 ,5 mm bis 10 mm auf, besonders bevorzugt von 2 mm bis 5 mm und ganz besonders bevorzugt von 2 mm bis 3 mm. Mit einer polymeren Scheibe dieser Dicke weist die erfindungsgemäße Scheibe eine ausreichend hohe Stabilität auf, um als Fahrzeugscheibe verwendet zu werden.
Die polymere Scheibe kann beispielsweise zumindest Polycarbonat (PC), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polybutadien, Polynitrile, Polyester, Polyurethane und/oder Polyacrylate enthalten. Die polymere Scheibe enthält bevorzugt zumindest Polycarbonat (PC), Polymethylmethacrylat (PMMA) oder Copolymere oder Gemische oder Derivate davon, besonders bevorzugt Polycarbonat oder Derivate davon.
Die polymere Scheibe und die Glasscheibe sind in einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung über eine thermoplastische Zwischenschicht miteinander laminiert. Die thermoplastische Zwischenschicht kann beispielsweise zumindest Polyvinylbutyral (PVB), Ethylenvinylacetat (EVA), Polyurethan (PU) oder Gemische oder Copolymere oder Derivate davon enthalten. In einer bevorzugten Ausgestaltung enthält die Zwischenschicht Polyurethan oder Derivate davon. Es hat sich überraschend gezeigt, dass diese Materialien für die Zwischenschicht zum Laminieren der Verbundscheibe besonders geeignet sind. Im Vergleich zu anderen thermoplastischen Materialien, insbesondere zum für Verbundscheiben verbreiteten Material PVB, bewirken Polyurethan und Derivate während des Laminiervorgangs eine geringere Diffusion zwischen polymerer Scheibe und Zwischenschicht. Eine solche Diffusion kann insbesondere zu verschlechterten optischen Eigenschaften und verschlechterten Haftungseigenschaften führen, was für Fensterscheiben zu vermeiden ist. Die Dicke der thermoplastischen Zwischenschicht beträgt bevorzugt 0,2 mm bis 1 mm, besonders bevorzugt von 0,3 mm bis 0,9 mm, beispielsweise 0,38 mm, 0,72 mm, 0,76 mm oder 0,81 mm. Die thermoplastische Zwischenschicht wird durch eine einzelne oder durch mehrere thermoplastische Folien ausgebildet. In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung weist die thermoplastische Zwischenschicht eine geräuschmindernde Wirkung auf. Dadurch kann die Transmission von Geräuschen in den Fahrzeuginnenraum vorteilhaft weiter verringert werden. Die Fahrzeuginsassen werden
dadurch weniger durch Umgebungsgeräusche und Fahrgeräusche gestört. Eine solche Wirkung kann durch eine mehrlagige, beispielsweise dreilagige Zwischenschicht erreicht werden, wobei die innere Lage eine höhere Plastizität oder Elastizität aufweist als die sie umgebenden äußeren Lagen, beispielsweise infolge eines höheren Anteils an Weich- machern.
In einer alternativen vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung können die polymere Scheibe und die Glasscheibe über eine Klebeschicht miteinander verklebt werden, beispielsweise über einen chemisch härtenden Klebstoff wie Silikonklebstoff. Die Verwendung eines kalt zu verklebenden Klebstoffs hat den Vorteil, dass die polymere Scheibe mit der Glasscheibe ohne Hitzeeinwirkung verbunden werden kann. Die Einsparung eines solchen bei einem Laminationsverfahren notwendigen Prozessschritts spart Kosten und vereinfacht die Herstellung der Verbundscheibe. In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Glasscheibe die Außenscheibe der Verbundscheibe. Da beschädigende Einwirkungen insbesondere von der äußeren Umgebung auf Fahrzeugscheiben treffen, ist diese Anordnung besonders vorteilhaft zur Stabilitätssteigerung der Scheibe. In einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ist die von der Glasscheibe abgewandte Oberfläche der polymeren Scheibe mit einer Schutzbeschichtung (sogenanntes Hardcoating) versehen. Dadurch wird die Kratzfestigkeit der Scheibe weiter erhöht. Bevorzugt werden thermisch härtende oder UV-härtende Lacksysteme auf Basis von Polysiloxanen, Polyacrylaten, Polymethacrylaten und/oder Polyurethanen verwendet. Die Schutzbeschichtung hat bevorzugt eine Schichtdicke von 1 μηη bis 50 μηη, besonders bevorzugt von 2 μηη bis 25 μηη. Mithilfe einer solchen Kratzfestbeschichtung kann die Oberfläche der polymeren Scheibe, die in einer bevorzugten Variante dem Innenraum zugewandt ist, vor Beschädigungen geschützt werden. Die von der erfindungsgemäßen (ersten) Glasscheibe abgewandte Oberfläche der polymeren Scheibe ist in einer Ausgestaltung der Erfindung mit einer zweiten Glasscheibe flächig verbunden. Beide Oberflächen der polymeren Scheibe sind dabei also mit jeweils einer erfindungsgemäßen Glasscheibe verbunden. So werden beide Oberflächen der polymeren Scheibe vor Beschädigungen geschützt. In einer bevorzugten Ausführungsform weist die zweite Glasscheibe die gleiche Dicke auf wie die erste Glasscheibe. Dieser symmetrische Aufbau ist vorteilhaft um zusätzliche äußere Biegespannungen durch das Laminieren zu vermeiden.
Die Glasscheibe kann grundsätzlich jede dem Fachmann bekannte chemische Zusammensetzung aufweisen. Die Glasscheibe kann beispielweise Kalk-Natron-Glas, Aluminosilikatglas oder Borsilikatglas enthalten oder aus diesen Gläsern bestehen. In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung enthält die Glasscheibe Kalk-Natron-Glas. Kalk- Natron-Glas ist kostengünstig verfügbar und hat sich für Anwendungen im Fahrzeugbereich bewährt. In einer alternativen bevorzugten Ausführungsform enthält die Glasscheibe Borsilikatglas. Hiermit werden besonders gute Ergebnisse in Tests zu Steinschlag mit spitzem Stein erzielt.
Die Glasscheibe, die polymere Scheibe und/oder die Zwischenschicht können klar und farblos, aber auch getönt oder gefärbt sein.
Die erfindungsgemäße Verbundscheibe kann plan sein. Plane Fahrzeugscheiben treten insbesondere in großflächigen Verglasungen von Bussen, Zügen oder Traktoren auf. Die erfindungsgemäße Verbundscheibe kann aber auch leicht oder stark in einer oder in mehreren Richtungen des Raumes gebogen sein. Gebogene Scheiben treten beispielsweise bei Verglasungen im Kraftfahrzeugbereich auf, wobei typische Krümmungsradien im Bereich von etwa 10 cm bis etwa 40 m liegen.
Die Verbundscheibe kann eine funktionelle Beschichtung aufweisen, beispielsweise eine IR- reflektierende oder absorbierende Beschichtung, eine UV-reflektierende oder absorbierende Beschichtung, eine farbgebende Beschichtung, eine Beschichtung niedriger Emissivität (sogenannte Low-E-Beschichtung), eine heizbare Beschichtung, eine Beschichtung mit Antennenfunktion, eine Beschichtung mit splitterbindender Wirkung (splitterbindende Beschichtung) oder eine Beschichtung zur Abschirmung von elektromagnetischer Strahlung, beispielsweise Radarstrahlung. In einer bevorzugten Ausgestaltung ist die erfindungsgemäße Beschichtung eine elektrisch leitfähige Beschichtung. Dadurch kann insbesondere eine Beschichtung niedriger Emissivität, eine IR-reflektierende oder eine beheizbare Beschichtung realisiert werden.
Die funktionelle Beschichtung ist bevorzugt auf einer Oberfläche der polymeren Scheibe oder auf einer Trägerfolie innerhalb der Zwischenschicht aufgebracht. Die Trägerfolie enthält bevorzugt zumindest Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen (PE) oder Gemische oder Copolymere oder Derivate davon und weist bevorzugt eine Dicke von 5 μηη bis 500 μηη, besonders bevorzugt von 10 μηη bis 200 μηη auf. Das ist besonders vorteilhaft für die Handhabung, die Stabilität und die optischen Eigenschaften der Trägerfolie.
Die Erfindung umfasst weiter ein Verfahren zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Verbundscheibe, wobei
- eine erfindungsgemäße polymere Scheibe bereitgestellt wird,
- eine erfindungsgemäße Glasscheibe bereitgestellt wird und
- die polymere Scheibe mit der Glasscheibe flächig verbunden wird.
Die polymere Scheibe wird bevorzugt durch Spritzgießen hergestellt. Die Glasscheibe wird bevorzugt als Flachglas hergestellt und auf die gewünschte Größe und Form zurechtgeschnitten. Weist die zu fertigende Verbundscheibe nur eine Krümmung in einer Richtung auf, so kann die plane Scheibe aufgrund ihrer geringen Dicke direkt beim Verbinden mit der polymeren Scheibe gebogenen werden. Besonders im Kraftfahrzeugbereich treten aber in der Regel Biegungen in mehreren Richtungen des Raums auf. Dafür wird die Glasscheibe einem Biegeprozess bei erhöhten Temperaturen unterzogen, beispielsweise bei 500°C bis 700°C. Nach dem Biegen wird die Scheibe langsam abgekühlt. Ein zu schnelles Abkühlen erzeugt thermische Spannungen in der Scheibe. Die Abkühlrate beträgt bevorzugt bis zur Abkühlung auf eine Temperatur von 400 °C bevorzugt von 0,5 °C/sec bis 1 °C/sec. Durch ein derartig langsames Abkühlen können thermische Spannungen im Glas vermieden werden, welche insbesondere zu optischen Mängeln führen. Es kann danach weiter abgekühlt werden, auch mit höheren Abkühlraten, weil unterhalb 400 °C die Gefahr der Erzeugung thermischen Spannungen gering ist.
Die polymere Scheibe und die Glasscheibe werden bevorzugt durch Lamination über eine thermoplastische Zwischenschicht miteinander verbunden. Die Herstellung des Verbundglases durch Lamination erfolgt mit an sich bekannten Methoden, beispielsweise Autoklavverfahren, Vakuumsackverfahren, Vakuumringverfahren, Kalanderverfahren, Vakuum- laminatoren oder Kombinationen davon. Die Verbindung von Glasscheibe und polymerer Scheibe erfolgt dabei üblicherweise unter Einwirkung von Hitze, Vakuum und / oder Druck.
Alternativ können die Glasscheibe und die polymere Scheibe mithilfe eines Klebstoffs verbunden werden, der bei Raumtemperatur chemisch aushärtet. Bei diesem Verfahren tritt keine Verformung des Verbundes aufgrund unterschiedlicher thermischer Ausdehnungskoeffizienten von Glas und Polymer auf.
Die erfindungsgemäße Verbundscheibe wird bevorzugt in Fortbewegungsmitteln für den Verkehr auf dem Lande, in der Luft oder zu Wasser verwendet, insbesondere in Zügen, Schiffen und Kraftfahrzeugen, beispielsweise als Windschutzscheibe, Dachscheibe, Heckscheibe oder Seitenscheibe.
Die Erfindung umfasst weiter die Verwendung einer nicht vorgespannten Glasscheibe mit einer Dicke von 0,3 mm bis 1 mm in einer Verbundscheibe zur Erhöhung der Stabilität und Kratzfestigkeit einer polymeren Scheibe, bevorzugt Fahrzeugscheibe, besonders bevorzugt Seitenscheibe, Heckscheibe, Windschutzscheibe oder Dachscheibe.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Zeichnungen und Ausführungsbeispielen näher erläutert. Die Zeichnungen sind schematische Darstellungen und nicht maßstabsgetreu. Die Zeichnungen schränken die Erfindung in keiner Weise ein. Es zeigen:
Fig. 1 einen Querschnitt durch eine Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Verbundscheibe,
Fig. 2 einen Querschnitt durch eine weitere Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Verbundscheibe,
Fig. 3 einen Querschnitt durch eine weitere Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Verbundscheibe,
Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Verbundscheibe, welche aus einer polymeren Scheibe 1 und einer Glasscheibe 2 besteht, die über eine Zwischenschicht 3 miteinander laminiert sind. Die Verbundscheibe ist beispielsweise als Seitenscheibe eines Kraftfahrzeugs vorgesehen, wobei die polymere Scheibe 1 in Einbaulage die Innenscheibe ist und die Glasscheibe 2 die Außenscheibe. Die polymere Scheibe 1 ist also dem Innenraum des Kraftfahrzeugs zugewandt und die Glasscheibe 2 der äußeren Umgebung. Die polymere Scheibe 1 besteht aus Polycarbonat (PC) und weist eine Dicke von zum Beispiel 4 mm auf. Durch die polymere Scheibe 1 hat die Verbundscheibe ein vorteilhaft geringes Gewicht. Die Glasscheibe 2 ist nicht vorgespannt und weist eine Dicke von beispielsweise 0,5 mm auf. Die dünne Glasscheibe 2 erhöht das Gewicht der Verbundscheibe nur geringfügig, verbessert aber signifikant die Stabilität und Kratzfestigkeit sowie die akustischen Eigenschaften.
Die Zwischenschicht 3 besteht aus Polyurethan (PU) mit einer Dicke von 0,72 mm. Beim Laminieren der Polyurethan-Zwischenschicht und der Polycarbonat-Scheibe tritt überraschend eine verminderte Diffusion zwischen Zwischenschicht 3 und polymerer Scheibe 1 auf als bei vielen anderen üblichen thermoplastischen Materialien, wie beispielsweise PVB.
Fig. 2 zeigt eine weitere Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Verbundscheibe. Die polymere Scheibe 1 ist über eine Schicht 7 aus Silikonklebstoff mit einer ersten Glasscheibe verklebt. Die Verbundscheibe ist beispielsweise als Dachscheibe eines Kraftfahrzeugs vorgesehen, wobei die Glasscheibe 2 die Außenscheibe ist. Auf der dem Innenraum zugewandten Seite der polymeren Scheibe ist eine Kratzschutzbeschichtung aufgebracht, die die polymere Scheibe vor Beschädigungen schützt.
Fig. 3 zeigt eine weitere Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Verbundscheibe. Die polymere Scheibe 1 ist über eine erste Zwischenschicht 3 mit einer ersten Glasscheibe 2 und über eine zweite Zwischenschicht 5 mit einer zweiten Glasscheibe 4 verbunden. Die Glasscheiben 2,4, welche beispielsweise eine Dicke von 0,4 mm aufweisen, schützen die polymere Scheibe 1 beidseitig vor Verkratzen und verbessern die akustischen Eigenschaften und die Stabilität der Scheibe.
Im Folgenden werden die Vorteile einer erfindungsgemäßen Verbundscheibe (Beispiel) im Vergleich mit einer herkömmlichen Windschutzscheibe (Vergleichsbeispiel 2) und mit einer Verbundscheibe mit dünnem chemisch vorgespanntem Glas (Vergleichsbeispiel 1 ) erläutert. Für alle drei Verbundscheiben gilt der in Figur 1 beschriebene allgemeine Aufbau. Dabei ist die Scheibe 1 in Einbaulage die Innenscheibe und die Glasscheibe 2 in Einbaulage die Außenscheibe. Der Aufbau der drei verglichenen Scheiben ist in der folgenden Tabelle aufgeführt.
Beispiel Vergleichsbeispiel 1 Vergleichsbeispiel 2
Glasscheibe 2
Dicke 0,55 mm 0,7 mm 2, 1 mm
Vorspannung nichtchemisch nicht-vorgespannt vorgespannt vorgespannt
Scheibe 1
Material Polycarbonat Polycarbonat Kalk-Natron-Glas,
4 mm 4 mm 1 ,6 mm
Zwischenschicht Polyurethan Polyurethan Polyvinylbutyral
Durchgeführte Stabilitätstests:
Stabilität gegenüber Steinschlag (spitzer Stein) und Kratzern
Ein Projektil mit Diamantspitze wurde aus wachsender Höhe auf das erfindungsgemäße Verbundglas (Beispiel) fallengelassen, um das Auftreffen eines spitzen Steins zu simulieren. Gemessen wurde die Höhe, bei der das Verbundglas brach. Bei Auftreffen auf die Glasscheibe 2 war bei einer Höhe von 1200 mm Glasbruch zu beobachten. Dieses Ergebnis für das erfindungsgemäße Verbundglas mit dem nicht-vorgespannten Glas war überraschend besser als das für das Vergleichsbeispiel 1 mit chemisch vorgespanntem Glas (Glasbruch ab einer Höhe von 100 mm). Beim Vergleichsbeispiel 2, einer herkömmlichen Windschutzscheibe mit dickem Glas, wurde bei 1 100 mm Glasbruch beobachtet. Demnach weist die erfindungsgemäße Scheibe überraschend eine noch höhere Steinschlagfestigkeit als eine herkömmliche Windschutzscheibe auf.
Um die Bruchstabilität nach Kratzern zu untersuchen, wurden mit einer Diamantspitze Kratzer (etwa 50 bis 100 Mikrometer tief) auf die Glasoberfläche aufgebracht. Derartige Kratzer können zum Beispiel durch den Aufprall kleiner Steine oder durch scharfkantige Steine oder Partikel, die beim Hoch- und Runterfahren einer Seitenscheibe eingeklemmt wurden, auftreten. Bei diesem Test brachen signifikant weniger Proben des erfindungsgemäßen Verbundglases als Proben des Vergleichsbeispiels 1. Diese erhöhte Stabilität gegenüber dem Vergleichsbeispiel 1 mit chemisch vorgespanntem Glas war überraschend. Kugelfall-Tests nach ECE R43
Die Tests wurden an einer 30cm x 30cm-Probe des zu untersuchenden Verbundglases durchgeführt. Beim ersten Test wurde eine Stahlkugel mit einem Gewicht von 227 g aus einer Höhe von 8,5 m auf die Glasscheibe 2 fallengelassen. Dieser Test simuliert das Auftreffen eines Steins von außen auf das Verbundglas. Der Test galt als bestanden, wenn die Kugel vom Verbundglas aufgehalten wurde. Alle drei Proben bestanden den Test. Beim erfindungsgemäßen Verbundglas wurde die polymere Scheibe nicht beschädigt. Insbesondere trat kein Splitterabgang auf der Rückseite (Seite der polymeren Scheibe 1 ) auf, was für den Insassen vorteilhaft ist. Beim zweiten Test wurde eine Stahlkugel mit einem Gewicht von 2260 g aus einer Höhe von 4 m auf die Innenscheibe 1 fallengelassen. Dieser Test simuliert das Auftreffen des Kopfs eines Fahrzeuginsassen auf das Verbundglas. Der Test galt als bestanden, wenn die Kugel
vom Verbundglas aufgehalten wurde und dieses nicht innerhalb von 5 s nach dem Aufbrechen durchdrang. Die Verbundscheiben nach Beispiel und Vergleichsbeispiel 1 bestanden den Test und die Polycarbonatscheiben wurden nicht gebrochen.
Erwartungsgemäß bestand auch die Verbundscheibe nach Vergleichsbeispiel 2 den Test. Allerdings wurden bei dieser herkömmlichen Windschutzscheibe zum Teil mehr Splitterabgänge beobachtet.
Bezugszeichenliste:
(1 ) polymere Scheibe
(2) Glasscheibe
(3) Zwischenschicht
(4) zweite Glasscheibe
(5) zweite Zwischenschicht
(6) Schutzschicht
(7) Klebeschicht