DE4233651A1 - Verfahren zur Herstellung von Hörgeräten - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von HörgerätenInfo
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Description
Im Ohr - insbesondere im Gehörgang - getragene Hörgeräte,
sogenannte IO-Geräte, müssen besonders gut individuell
angepaßt werden, um einerseits die Rückkopplung zu
vermeiden und um einen guten und festen Sitz ohne
Druckstellen bei Kieferbewegungen zu erreichen.
Hierzu ist es erforderlich, daß vorab eine Gehäuseschale
des Gerätes nach Abdruck individuell angefertigt wird,
so daß dann das Hörgerät ebenfalls individuell eingebaut
werden kann.
Bei IO-Geräten mit einer sogenannten Überschale muß
diese Überschale nach Abdruck individuell angepaßt
werden.
Da hier verhältnismäßig lange Wege entstehen, mit Hin-
und Herschicken des Abdrucks des Gehäuses zum Anpassen
und zur Fertigstellung in die Hörgerätefabrik, wird
erfindungsgemäß empfohlen, das standardmäßig gelieferte
Übeschalengehäuse direkt im Ohr individuell anzupassen.
Oder aber es wird das Hörgerät mit einer möglichst
kleinen Standardschale ausgestattet, um diese wiederum
im Ohr direkt anzupassen, und eine weitere und vielleicht
bessere Möglichkeit ist die direkte Anpassung im Ohr
eines fertigen Im-Ohr-Gerätes mit Standardgehäuseschale,
d. h. ein solches Gehäuse mit fertig eingebautem
Hörgerät.
Durch diese Direktanpassung im Ohr entsteht der
entscheidende Vorteil, daß die akustische Geräteanprobe
direkt vorgenommen werden kann, ohne evtl. dieses nach
üblicher Methode angefertigte Gerät hin- und
herzuschicken.
Hinzu kommt, daß bei einer Anpassung nach Abdruck vom
Ohr allein durch den Arbeitsgang Fehler entstehen, so
daß eine erforderliche genaue Anpassung nicht möglich
ist. Bei dieser Direktmethode sind sämtliche
Fehlerquellen ausgeschlossen, und außerdem besteht die
Möglichkeit, ggf. noch nachzupassen.
Desweiteren ist es so, daß ein einmal angepaßtes IO-
Hörgerät nach einiger Zeit durch Veränderung des
Gehörganggewebes nicht mehr entsprechend paßt, akustische
Rückkopplungen erzeugt und auch keinen festen Sitz mehr
hat. Auch in diesen Fällen wird erfindungsgemäß
vorgeschlagen, ein solches Gerät direkt im Ohr nachzu
passen.
Für diese geschilderten Arbeitsgänge bezüglich An- und
Nachpassen im Ohr werden bestimmte Materialien und
Methoden benötigt.
Einerseits muß ein solches Material vollkommen
gewebefreundlich sein, um im Rohzustand keine Schädigung
des empfindlichen Gehörganggewebes zu erzeugen.
Weiterhin soll ein solches Material eine Konsistenz
besitzen, um das hiermit beschichtete Hörgerät oder
die Überschale gut in den Gehörgang einsetzen zu können,
um sie dann - evtl. mit Kieferbewegungen - innerhalb des
Gehörganges genau anzupassen.
Jetzt ist aber erforderlich, daß dieses Material bereits
im Ohr mindestens anhärtet und dies ohne nicht zu
ertragende Wärmeentwicklung, damit beim Herausnehmen
die genau angepaßte Schicht sich nicht mehr verändert
und verformt.
Für diesen Zweck sind spezielle MMA-freie
lichtpolymerisierende Kunststoffe geeignet, die dann
nach der Anpassung im Ohr und nach der Anhärtung
außerhalb des Ohres mit Lichtstrahlen fertig
polymerisiert werden, um damit auch dem Material die
erforderlichen guten Eigenschaften und eine
Dauerbeständigkeit zu geben.
Den entsprechenden Anpassungsvorgang kann man mit einem
auf diese Methode eingestellten speziellen
Silikonmaterial durchführen. Nach Beschichtung des IO-
Gehäuses mit einer Grundierung wird das spezielle
Silikonmaterial aufgetragen. Hier muß es sich um ein
Silikonprodukt handeln, welches verklebbar ist. Dieses
Silikon, in einer Viskosität die das Einführen in den
Gehörgang ermöglicht, wird mit dem entsprechenden
Vernetzer vermischt und anschließend auf das vorher
mit einer Grundierung versehene Gerät bzw. auf das
Gehäuse aufgetragen.
Jetzt wird dieses beschichtete IO-Gerät eingesetzt,
und das unvulkanisierte und verformbare Silikon kann
sich - evtl. bei Kieferbewegungen - genau anpassen. Die
Aushärtung, die ja bei Silikonen kalt erfolgt, findet
dann im Ohr statt. Erst danach wird das fertig angepaßte
Gerät herausgenommen, und es erfolgt eine geringe
Nacharbeit.
Bei dieser Silikon-Anpassung besteht der Vorteil, daß
dieses Material weich-elastisch ist und eine gute
Trennwirkung hat, so daß diese Methode sehr problemlos
durchführbar ist.
Es werden drei Methoden vorgeschlagen:
1. Ein lichtstrahlenpolymerisierendes 1-Komponenten-
Material in hoch-viskoser, weitgehendst klebfreier
Anfangskonsistenz wird auf das Gerätegehäuse aufge
tragen. Allerdings muß dieses Gerätegehäuse - ohne
eingebautes Gerät - transparent bzw. lichtdurchlässig
sein. Oder aber die vorher genannte Überschale muß
diese entsprechende Lichtdurchlässigkeit besitzen.
Dieses so behandelte Gehäuse bzw. die Überschale
wird nun in den Gehörgang lagerichtig eingesetzt.
Der Patient soll Kieferbewegungen machen. Dieses
Material wird meistens bei Körperwärme weich, so
daß damit eine gute Anformung gegeben ist.
Vor dem Einführen wird das Ohr mit einem
entsprechenden Isoliermittel behandelt.
Nunmehr wird mit einem Lichtleiter - Polymerisations
gerät - die im Gehörgang sitzende mit Anpaßmaterial
beschichtete Schale bei bestimmter Bestrahlungszeit
ausgehärtet bzw. angehärtet.
Danach wird das angepaßte Gehäuse herausgenommen
und mit Lichtstrahlen endgehärtet.
Dann erfolgt eine entsprechende Nacharbeit und evtl.
eine Lackierung der Oberfläche ebenfalls mit einem
lichthärtenden Lack.
2. Es wird ein lichtpolymerisierendes 2-Komponenten-
Material benutzt. Da dieses Material in gewisser
Weise autopolymerisierend ist, ist damit eine
Anpolymerisation im Gehörgang mittels Lichtstrahlen
nicht erforderlich. So kann man mit diesem Material
auch lichtundurchlässige Gehäuseschalen oder
Überschalen anpassen.
Das Gehäuse mit dem eingesetzten Hörgerät wird mit
diesem speziellen 2-Komponenten-Kunststoff
beschichtet. Dieser Kunststoff wird vorher im
Mischungsverhältnis z. B. 1 : 1 gemischt. Er wird auf
das Gehäuse aufgetragen (evtl. vorher eine Grundierung
benutzt). Dieser Kunststoff hat ebenfalls eine hoch
viskose, weitgehendst klebfreie Konsistenz.
Dieses beschichtete Gehäuse bzw. IO-Gerät wird
lagerichtig in den Gehörgang eingeführt, und die
plastische Schicht wird mit Kieferbewegungen
angeformt. Es erfolgt jetzt eine Autopolymerisation,
und zwar ohne daß eine unangenehme Wärmeentwicklung
entsteht.
Danach wird das so angepaßte Gehäuse bzw. das Gerät
herausgenommen und mit Lichtstrahlen außerhalb des
Ohres fertig polymerisiert.
Hierdurch bekommt dieses angepaßte Gehäuse bzw. die
Anpaßschicht eine entsprechende Qualität.
Auch dieses Kunststoffmaterial ist MMA-frei und im
Rohzustand gewebefreundlich.
Die Fertigstellung kann dann ebenfalls durch Lackieren
der Oberfläche mit lichtpolymerisierendem Lack
erfolgen.
3. Es wird ein spezielles verklebbares 2-Komponenten-
Silikon benutzt.
Das Gehäuse mit dem eingesetzten Gerät wird mit einer
entsprechenden Grundierung versehen. Danach erfolgt
die Beschichtung mit einem speziellen angemischten
2-Komponenten-Silikonmaterial.
Jetzt wird dieses beschichtete Gerät in den Gehörgang
eingesetzt und nach Kieferbewegungen paßt sich diese
Silikonschicht genau an. Die Aushärtung, die vorher
bestimmt werden kann, erfolgt dann kalt im Ohr.
Danach wird das fertig beschichtete und angepaßte
IO-Gerät wieder herausgenommen, evtl. etwas nachge
arbeitet und lackiert.
Diese Silikonmaterialien sind ebenfalls
gewebefreundlich, so daß keine Probleme entstehen.
Die Erfindung ist nicht auf das Ausführungsbeispiel
beschränkt, sondern im Rahmen der Offenbarung vielfach
variabel.
Alle neuen, in der Beschreibung und/oder Zeichnung
offenbarten Einzel- und Kombinationsmerkmale werden
als erfindungswesentlich angesehen.
Bezugszeichenliste
1 IO-Gerät im mögl. kleinem Standard-Gehäuse
(evtl. flexibel/elastisch) ohne Überschale
2 IO-Gerät
3 Verschlußkappe
4 Fotoplast instant
5 beschichten mit
6 knetbarer, gewebefreundlicher, klebfreier, kalthärtender, UVA-härtender Kunststoff harte Endkonsistenz
7 knetbares, klebfreies, kalthärtendes Silicon
8 Biopren instant
8a Opren instant
9 IO-Gerät direkt im Ohr - bei Kieferbewegung angeformt
10 elastisch bleibende Endkonsistenz (verklebt mit IO-Gehäuse)
11 Fotoplast instant
außerhalb des Ohres
Aushärtung im UVA
12 Biopren instant härtet im Ohr aus Oberflächen-Lackierung (beide Materialien)
2 IO-Gerät
3 Verschlußkappe
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7 knetbares, klebfreies, kalthärtendes Silicon
8 Biopren instant
8a Opren instant
9 IO-Gerät direkt im Ohr - bei Kieferbewegung angeformt
10 elastisch bleibende Endkonsistenz (verklebt mit IO-Gehäuse)
11 Fotoplast instant
außerhalb des Ohres
Aushärtung im UVA
12 Biopren instant härtet im Ohr aus Oberflächen-Lackierung (beide Materialien)
Claims (17)
1. Verfahren zur Anpassung eines Im-Ohr-Hörgerätes
oder eines Gehäuses eines solchen Gerätes oder einer
Überschale für ein solches Gerät,
dadurch gekennzeichnet, daß die Anpassung unmittelbar
im Ohr des Schwerhörigen individuell vorgenommen
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß im Ohr eine teilweise
Aus- oder Anhärtung einer auf das Hörgerät, das
Gehäuse oder die Überschale aufgetragenen
Kunststoffschicht, insbesondere unter Verwendung
eines Lichtleiter-Handgerätes, welches im zur
Anhärtung erforderlichen Spektralbereich arbeitet,
vorgenommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß ein teillichthärtender
Kunststoff als 2-Komponenten-Material eingesetzt
wird, wobei die damit beschichtete Hörgeräte-
Oberfläche im Ohr unmittelbar angepaßt wird und
dort dann autopolymerisierend - mindestens teilweise -
aushärtet, wobei ferner die Endhärtung mit
Lichtstrahlen außerhalb des Ohres vorgenommen wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß Kunststoffe verwendet
werden, die u. a. MMA-frei sind, so daß sie während
der Anpassung im Ohr keine Gewebereizungen
verursachen.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß Kunststoffe verwendet
werden, die auch während der Polymerisation im Ohr
keine Wärme erzeugen, die 41°C übersteigt, so daß
die Verarbeitung im Ohr ungefährlich erfolgen kann.
6. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß ein 2-Komponenten
verklebbares und beständiges Silikonmaterial verwendet
wird, welches nach vorgegebener Dosierung zur
Beschichtung angemischt wird.
7. Kunststoffmaterial zur Durchführung des Verfahrens
nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß das Kunststoffmaterial
vorzugsweise vollständig oder teilweise durch
Lichtstrahlen aushärtbar ist, zur Anpassung von Im-
Ohr-Hörgeräten oder Geräteteilen unmittelbar im Ohr
des Schwerhörigen.
8. Kunststoffmaterial zur Durchführung des Verfahrens
nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material im Ohr
durch einen Lichtleiter, der an ein Gerät mit
erforderlichem Spektralbereich angeschlossen ist,
aushärtbar ist.
9. Material nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material während
der Polymerisation keine 41°C übersteigende Wärme
erzeugt.
10. Material nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material durch
das Fehlen von MMA und Benzoylperoxid-Anteilen so
gewebefreundlich ist, daß während der Anpassung im
Ohr keine Gewebereizungen des Ohrgewebes erfolgen.
11. Material nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material 2komponentig
ist und nach dem Vermischen eine selbständige
Vorpolymerisation bewirkt.
12. Material nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material während
der Polymerisation im Ohr keine Polymerisations
temperatur über 41°C erzeugt.
13. Material nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material ohne Licht
strahlenzuführung im Ohr selbständig bis zu einer
nicht mehr verformbaren Konsistenz aushärtet.
14. Material nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material auch im
unpolymerisierten Zustand so gewebefreundlich ist,
daß keine Reizungen der Haut im Ohr entstehen.
15. Material nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material außerhalb
des Ohres mit Lichtstrahlen im erforderlichen
Spektralbereich zur Erzielung der vollen Materialhärte
(-qualität) aushärtbar ist.
16. Material zur Durchführung des Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß das Material ein
2-Komponenten-Silikonmaterial ist, welches als Eigen
schaft das Verkleben mit einem anderen Kunststoff
gestattet und eine Konsistenz besitzt, die das
Einführen eines damit beschichteten Im-Ohr-Gerätes
in den Gehörgang und eine Anformung im Ohr gestattet
und welches im Ohr kalt aushärtet.
17. Material nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet, daß ein Grundierungsmittel
zur Vorbehandlung des Im-Ohr-Gerätes oder des Gehäuses
zur dauerhaften Verklebung mit dem genannten
Silikonmaterial verwendet wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4233651A DE4233651A1 (de) | 1992-10-07 | 1992-10-07 | Verfahren zur Herstellung von Hörgeräten |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4233651A DE4233651A1 (de) | 1992-10-07 | 1992-10-07 | Verfahren zur Herstellung von Hörgeräten |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4233651A1 true DE4233651A1 (de) | 1994-04-14 |
Family
ID=6469802
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE4233651A Withdrawn DE4233651A1 (de) | 1992-10-07 | 1992-10-07 | Verfahren zur Herstellung von Hörgeräten |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4233651A1 (de) |
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| 8110 | Request for examination paragraph 44 | ||
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