DE2204535B2 - Schmelzspinn- und streckverfahren zur herstellung von polyesterfaeden - Google Patents
Schmelzspinn- und streckverfahren zur herstellung von polyesterfaedenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Schmelzspinn- und Streckverfahren zur Herstellung von Polyesterfäden.
Bekannt ist die Herstellung von Polyesterfäden nach dem Schmelzspinnverfahren. Hierbei wird die fadenbildende
Masse durch eine Düse extrudiert, bis zur Erstarrung abgekühlt und durch Galetten oder Aufwickeleinrichtungen
mit einer Abzugsgeschwindigkeit, die über der Spinngeschwindigkeit an der Düse liegt, abgezogen.
Heute sind die Abzugsgeschwindigkeiten von 500 bis 1500 m/min üblich. Das Verhältnis von Abzugsgeschwindigkeit
zu Spinngeschwindigkeit an der Düse wird als Spinnverzug oder auch Vorverzug definiert. Im
Anschluß an den Spinnprozeß werden die Fäden einer Verstreckung unterworfen, wobei die Fäden, z. B. um
das Vierfache, gelängt und dadurch orientierte molekulare Gefüge in den Fäden hergestellt werden. Erst diese
Orientierung bewirkt die besonderen Festigkeits- und sonstigen Eigenschaften. Der Streckprozeß zerfällt im
Normalfall bei Polyesterfäden in zwei Phasen.
Die erste Phase der Verstreckung findet bei Temperaturen
von etwa 8O0C (Umwandlungspunkt 1. Ordnung)
unter Ausbildung eines deutlichen Streckpunktes statt. Die zweite Phase der Verstreckung findet bei höheren
Temperaturen — meist über 1600C — ohne Ausbildung
eines ausgeprägten Streckpunktes statt und dient der weiteren Verstreckung und gegebenenfalls
der Fixierung.
Dem Bestreben, die Abzugsgeschwindigkeit über 1500 m/min zu erhöhen, stehen Schwierigkeiten beim
nachfolgenden Verstrecken entgegen.
Bekannt ist zwar, mit Abzugsgeschwindigkeiten zu spinnen, wo eine so hohe Orientierung des frisch gesponnenen
Fadens eintritt, daß sich eine weitere Verstreckung erübrigt.
Für Polyesterfäden mit bis zu 10 Molprozent Beimischung wird diese Grenze mit über 4750 m/min angegeben
(US-PS 26 04 667, Spalte 2, Zeile 20) für ein Polyamid 6 mit über 4000 m/min (Jährling, »Die Welt
der Chemiefaserstoffe«, Leipzig 1967, S. 234). Nach der
CH-PS 3 57 144 sollen brauchbare Synthesefäden allein durch den Spinnprozeß entstehen, wenn man die mit
bis zu 2600 m/min aus der Spinnzone abgezogenen Fäden im oberen Teil des Spinnschachtes auf 10 bis 8O0C
unter atm Schmelzpunkt und im unteren Teil des
Spinnschachtes auf weniger als 100°C erhitzt
Trotz der sich aus dem Fortfall gesonderten Streckprozesses ergebenden Vorteile haben sich derartige
Spinnverfahren für die Herstellung von Polyesterfäden mit völliger oder fast völliger Vororientierung der abgezogenen
Fäden nicht durchgesetzt, obwohl die technischen Voraussetzungen, die das Schnellspinnen insbesondere
für die Ablage der Fäden, — sei es beim Aufwickeln, sei es beim Ablegen in Kannen — mit sich
bringt, seit langem gegeben sind. Grund dafür ist, daß im Schnellspinnverfahren nur Fäden mit einem engen
Spektrum an Eigenschaften zu erzeugen sind, d. h., daß
die produzierten Fäden eines bestimmten Titers im wesentlichen dasselbe Verhältnis von z. B. Festigkeit, Dehnung,
Schrumpfneigung, Färbbarkeit, Wärmeempfindlichkeit usw. aufweisen. Dieses eingeengte Eigenschaftsspektrum
schließt ein breites Anwendungsspektrum aus und steht damit einer wirtschaftlichen Produktion
entgegen. Auch haben die im Schnellspinnverfahren erzeugten Fäden einige ungünstige Figenschaften,
wie z. B. relativ hohe Kochschrumpfneigung von z. B. 60%.
In dieser Situation lag es nahe, zumindest eine wesentliche Steigerung der Abzugsgeschwindigkeit über
1500 m/min zu versuchen. Diese Versuche sind jedoch fehlgeschlagen und es hat sich gezeigt, daß sich bei mit
höherer Abzugsgeschwindigkeit abgezogenen Fäden in der nachfolgenden Verstreckungsstufe kein örtlich stabiler
Streckpunkt ausbildet. Als Ursache hierfür kann einmal angesehen werden, daß sich beim kontinuierlichen
Spinn- und Streckverfahren aus der sehr hohen Abzugsgeschwindigkeit von über 1500 m/min eine entsprechend
hohe Streckgeschwindigkeit ergibt, die die Stabilität des Streckpunktes beeinflußt. Die Ursache für
die örtliche Instabilität des Streckpunktes liegt vor allem aber in der mit der hohen Abzugsgeschwindigkeit
über 1500 m/min verbundenen Erhöhung der Vororientierung, so daß die Instabilität des Streckpunktes auch
beim diskontinuierlichen Spinnverfahren und anschließenden Verstrecken, ζ. B. auf einer Streckzwirnmaschine,
eintritt.
Bei örtlich nicht stabilem Streckpunkt entstehen jedoch zumindest Titerschwankungen, häufig bleiben
auch unverstreckte Stellen im Faden zurück.
Durch die DT-OS 21 30 451 wird nun ein Schmelzspinn- und Streckverfahren zur Herstellung von Polyesterfäden,
im wesentlichen bestehend aus Polytetramethylenterephthalat, vorgeschlagen, bei dem die Fäden
aus der Spinnzone mit einer Aufwickelgeschwindigkeit von 305 bis 3050 m/min abgezogen und anschließend
bei einem Streckverhältnis von etwa 1,0 bis 5,0 verstreckt werden. Ein derartiges Schmelzspinn-
und Streckverfahren wird in der DT-OS 21 30 451, S. 4, 2. Absatz für Polyäthylenterephthalatfäden, die — industriell
gesehen — die gebräuchlichsten Polyesterfäden sind, für nicht geeignet gehalten.
Aufgabe der Erfindung ist es, für die Herstellung von Polyesterfäden unter Beibehaltung der Vorteile des üblichen
Schmelzspinnprozesses und des sich daran kontinuierlich oder diskontinuierlich anschließenden Streckverfahrens
eine weitere Erhöhung der Abzugs- und Produktionsgeschwindigkeit zu erreichen, ohne Qualitätseinbußen
des Fadens in Kauf nehmen zu müssen.
Diese Aufgabe wird durch die in Anspruch I angege-
{,eflen Maßnahmen gelöst Die Erfindung macht sich
hierbei die Erkenntnis zunutze, daß der Streckpunkt nicht nur hinsichtlich seiner örtlichen Stabilität sondern
auch hinsichtlich seiner Ausprägung von dem Grad der Vororientierung abhängt Es wurde nun gefunden, daß
bei Abzugsgeschwindigkeiten üb Jr 3000 m/min und der
dadurch bedingten Vororientierung sich kein definierter Streckpunkt mehr einstellt. Der Vorteii der Erfindung
liegt mithin darin, daß eine gltichmäJige Ver- -,
Streckung des mit hoher Abzugsgeschwindigkeit abgezogenen Fadens stattfindet und Titerschwankungen
vermieden werden. Da nach der Lehre der Erfindung in
einem Geschwimiigkeitsbereich gearbeitet wird, in dem
sich kein definierter und daher festlegbarer Streck- κ punkt mihr einstellt, besteht ein besonderer Vorteil der
Erfindung darin, daß insbesondere beim Verstrecken erfindungsgemäß hergestellter Fäden aus Polyäthyfenterephthalat
als dem industriell wichtigsten PoIyesterkunsfstoff
Mittel zur örtlichen Festlegung des > Streckpunktes, wie z. B. »Hot Pins« oder beheizte Gelatten,
nicht erforderlich sind, so daß die Fäden bei der
Fertigverstreckung nur einer einzigen, genast definier
ten Wirktemperatur auszusetzen. sind und entweder
ohne oder mit nur einer Heizeinrichtung gearbeitet : werden kann. Dabei wird es nicht erforderlich, den Faden
vor Erreichen der Heizeinrichtung einer Vorerwärmung durch Wärmeabstrahlung der Heizeinrichtung,
Konvektion od. dgl. auszusetzen Die Temperatur der Heizeinnchtungen ist in weiten Bereichen ve'änderbar
und kann bis zu 220° betragen.
Vorzugsweise beträgt die Heiztemperatur mehr als 1000C, da sich hierbei niedrige Strectckräfte und ein
niedriger LeisUmgsbedarf der Streckmaschine ergibt.
Die Verminderung der Streckkraft kann bei Erhöhung der Heiztemperatur von 20 auf 100°C 20 bis 30% betragen.
Im Temperaturbereich zwischen 160 und 220" C
werden besonders günstige Resultate hinsichtlich Festigkeit. Dehnung und Schrumpfneigung erzielt Dabei
hat es sich als günstig herausgestellt, daß der Faden während der Fertigverstreckung einer besonderen At
mosphäre unterworfen wird. Diese Atmosphäre kann eine Dampfatmosphäre sein. Für die erzeugten Faden
hat das erfindungsgemäße Verfahren den Vorteil, daß die Fäden auch vor der Fertigverstreckung in Form üblicher
Aufwickelspulen ohne Schwierigkeit transportfähig und lagerfähig sind, was in herkömmlicher Weise
ersponnene Fäden, insbesondere aus Polyäthylenterephthalat,
nicht sind. Deshalb können - wie durch die Ansprüche 2 und 3 geschehen - zwei vorteilhafte Aufeinanderfolgen
der Spinnstufe, der Fertigstreckstufe und des Aufspulens nach dem erfindur.gsgemäßen Verfahren
vorgeschlagen werden. Die Wärmebehandlung des Fadens im Streckwerk kann durch Beheizung einer
Galette des Streckwerks erfolgen.
Vorzugsweise kann die Wärmeoehandhing des Fa
dens während der Fertigverstreckung durch eine geheizte Platte erfolgen, da die beheizte Platte die Fließ
bewegung des Fadens praktisch nicht behindert.
Im folgenden wird die Erfindung an Marx! der /eich
nung beschrieben. Es zeigt
F i g. 1 die schematische Anordnung von Emriititun
gen zur Ausführung des erfindungsgemäßen Schmel/-spinn-
und Streckverührens,
F i g. 2 die schematische Anordnung von Einrichtungen zur Ausführung konventioneller .Streckverfahren.
Nach Fig. 2 wird der in einem konventionellen
«^hmelzsoinnverfahren ersponnene Faden Π dem
Streckwerk durch den üeferzyJinder 11 zugeführt und durch die Streckgalette 15 in dem gewünschten Streck
verhältnis abgezogen. In dem Verfahren nach F i g. 2a
wird der Faden dabei über den beheizten (z. B. 80° C)
Streckstift 12 und den auf höhere Temperaturen beheizten (z. B. 1600C) Stift 14 gezogen. Der Streckpunkt
bildet sich auf dem Streckstift 12 aus.
In Fig. 2b, die eine gegenüber F i g. 2a modifizierte
Anordnung zeigt, wird der Faden über die beheizte Galette 18 (z. B. 800C) und die Heizplatte 19 (zwischen 80
und 2200C) geführt. Dabei bildet sich der Streckpunkt
auf Galette i8 aus. Hinter den Streckbetten 15 wird der Faden z. B. über einen Fadenführer 16 und eine entsprechende
— hier nicht dargestellte Changiereinrich-. tung einer Aufwickelspule 17 bzw einer Ringzwirnspindel
zugeführt.
Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wurde auf einer Vorrichtung 2 nach F ι g. 1 ein multifiler Polyesterfaden
3 mit dem Endtiter 130/34 den produziert. r, Dabei betrug die Spinngeschwindigkeit an der Düse 1
29,5 m/min und die Abzugsgeschwsndigkeu 3400 m/min
(Vorverzug 1 :1I5). Die Polyestermasse enthielt nicht
mehr als 10 Molprozent an modifizierenden Beimen gungen. die Schmelzviskosität betrug 800 b<s 5000 Pos-•
se. wobei für textile Fäden im wesentlichen der Bereich von '000 bis 3000 Poise mit Schmelztemperaturen von
270''C bis 3000C in Betracht kam. Die Spinngeschwindigkeit.
Düseniochdurchmesser und Vorverzug müssen
so auf die hohe Abzugsgeschwindigkeit abgestimmt ,·. werden, daß es nicht zu Fadenbrüchen kommt. Dabet
war die Abzugsgalette 4 in F i g. 1 beheizt. Es wurde eine Galette mit einem Durchmesser von 150 mm. einer
L-ärsge von 150 mm und 4 Urnschüngungen verwendet.
Die Temperatur betrug 115*'. Die Streckgalette 6 sowie
■■i die Aufwickelspule 7 hatten cr.e Umfangsgeschwindigkeit
von 5950 m/mm.
Das Streckverhältnis betrug 1 : t.75. Die Streckkraft
betrug 0,77 p/den. Der erzeugte Faden hatte eme Bruchfestigkeit von 4,9 g/den und eine Bruchdehnung
.}.-, von 25% Durch Modifikation der Fertigverstreckungsbedingungen
und insbesondere durch Erhöhung der Temperatur konnten die Festigkeits- und Dehnungsschrumpfeigenschaften
der erzeugten Fäden in weiten Grenzen beeinflußt werden. In einem Parallelversuch
ι- wurde ein unverstreckter Polyesterfaden 600/48 den
Spinntiter, welcher mit einer Abzugsgeschwindigkeit von 850 m/min erzeugt worden war, in einer Vorrichtung
nach F ι g. 1 im Verhältnis I : 4 verstreckt. Die
Streckkraft betrug 0,98 p/den. Nach kurzer Zeit (4 sek) v>
trat Fadenbruch ein. Auf Vorrichtungen nach F ι g. 2a
und 2b konnte derselbe Faden ohne weiteres verarbeitet werden.
Es war vorgesehen, die Fäden im Bereich der Streck
zone in einem Nachbehandlungsraum 20 mit Einlaß ν und Auslaß 22 einer besonderen Atmosphäre, ζ Β
Dampfatmosphäre, zu unterwerfen.
Es entspricht dem Stande der Technik, daß vor. während
oder nach der Fertigverstreckung weitere Fadenbehandlungen,
wie Färben, Fixieren zur Herabsetzung v. {!er Schrurnpfneigung. Querschnittsverformung, Textsineren.
Entwicklung der Kräuselung u. ä„ erfolgen kann. Die erfindiingsgemäß ersponnenen Fäden bieten hierbei
den besonderen Vorteil, daß sie transport- und lagerfähig sind und demnach der Nachbehandlungsma-'■-schirie
auch vor der Fertigverstreckung und in Spulenforrn zugeführt und auf der Nachbehandlungsmaschine
oder dahinter fertig verstreckt werden können.
Die in der Fertigverstreckzone vorhandene Heizein
richtung kann auch — an Stelle der beheizten Liefergalette
4 — als Kontaktheizplatte, Heizstift, Heizkasten od.ä. ausgeführt sein, wobei jedoch Heizplatte und
Heizkasten bessere Ergebnisse hinsichtlich der auszuübenden Streckkräfte brachten. s
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
Claims (3)
1. Schmelzspinn- und Streckverfahren zur Herstellung von Polyesterfäden, bei dem die aus der
Düse ersponnenen Fäden vorverzogen, gekühlt, fertigverstreckt und aufgespult werden, wobei die Fäden
beim Fertig-Verstrecken nicht oder mittels nur einer einzigen Heizeinrichtung erwärmt werden,
dadurch gekennzeichnet, daß die Fäden (3) einem Vorverzug mit einer Abzugsgeschwindigkeit
von mehr als 3000 m/min und einer nachfolgenden Fertigverstreckung zwischen 1 :1,8 und 1:13
unterworfen werden.
2. Schmeizspinn- und Streckverfahren nach An-Spruch
I1 dadurch gekennzeichnet, daß die Fäden in
einem kontinuierlichen Arbeitsgang ersponnen, vorverzogen, gekühlt, der Fertigverstreckung unterworfen
und aufgespult werden.
3. Schmelzspinn- und Streckverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Fertigverstreckung
in einem gesonderten Arbeitsgang nach dem Aufspulen der vorverzogenen Fäden erfolgt.
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| 8230 | Patent withdrawn |