Die vorliegende Erfindung betrifft neue Verbindungen, Verfahren zu
ihrer Herstellung und ihre Verwendung zur Behandlung bestimmter Erkran
kungen.
EP-B-223403 (Beecham Group plc) beschreibt Paroxetin-Hydrochlorid-
Hemihydrat und seine Verwendung zur Behandlung bestimmter Erkrankungen.
Beispiel 8 in diesem Dokument beschreibt die Herstellung von Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrat (unter diesem Begriff wird nachstehend Paroxetin-
Hydrochlorid verstanden, das kein oder im wesentlichen kein Kristallwas
ser enthält, d. h. kein gebundenes Wasser) als bei 118°C schmelzende
Plättchen und mit IR-Banden bei 890, 1200, 1490, 3400 und 3640 cm-1
durch Kristallisation aus einem Wasser-enthaltenden Lösungsmittel. Die
ses Material wird nachstehend als Form Z bezeichnet. Die nachfolgende
Wiederholung des in Beispiel 8 beschriebenen Verfahrens führte jedoch
nicht mehr zu irgendeiner Art von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, und
es gibt an keiner anderen Stelle in dem Dokument eine klare Lehre ir
gendeines alternativen Weges oder einer Modifizierung des Verfahrens,
die das Anhydrat erzeugen würde.
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat soll auch angeblich in dem Inter
national Journal of Pharmaceutics 42, (1988) 135-143, veröffentlicht von
Elsevier, offenbart sein. Es heißt, daß das Anhydrat durch Kristallisie
ren von Paroxetin-Hydrochlorid aus wasserfreiem Propan-2-ol erhalten
werden soll. Die nachfolgende Wiederholung dieses Verfahrens führte zu
einem Propan-2-ol-Solvat von Paroxetin-Hydrochlorid. Das heißt, daß Pro
pan-2-ol in dem Produkt gebunden ist. Dieses gebundene Propan-2-ol kann
durch herkömmliche Trocknungsverfahren, wie das Trocknen in einem Vaku
umofen, nicht entfernt werden.
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, das im wesentlichen frei von ge
bundenem Propan-2-ol ist, wurde nicht in der Literatur beschrieben, und
es wurde auch kein Verfahren offenbart, durch das dieses Produkt als
zwangsläufiges Ergebnis entsteht. Ein Verfahren zur Herstellung von
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, das im wesentlichen frei von gebundenem
Propan-2-ol ist, wurde nun gefunden. Ferner wurden überraschenderweise
vier neue Formen von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat sowie Verfahren zu
ihrer Herstellung gefunden. Diese Formen werden nachstehend als A, B, C
beziehungsweise D bezeichnet. Die charakterisierenden Werte der Formen
A, B, C und D entsprechen nicht den in Beispiel 8 von EP-A-223 403 ange
gebenen, charakterisierenden Werten.
Folglich stellt die vorliegende Erfindung Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat bereit, das im wesentlichen frei von gebundenem Propan-2-ol
ist.
Die vorliegende Erfindung stellt auch Paroxetin-Hydrochlorid-Anhy
drat bereit, das im wesentlichen frei von gebundenem organischem Lö
sungsmittel ist.
Die vorliegende Erfindung stellt auch Paroxetin-Hydrochlorid-Anhy
drat bereit, das im wesentlichen frei von Propan-2-ol ist, mit der Maß
gabe, daß es nicht die Form Z ist.
"Im wesentlichen frei von gebundenem organischem Lösungsmittel"
soll so interpretiert werden, daß eine kleinere Menge als die des Pro
pan-2-ols vorliegt, das innerhalb des Kristallgitters des Produkts unter
herkömmlichen Trocknungsbedingungen im Vakuumofen solvatisiert, d. h. ge
bunden, bleibt.
Die vorliegende Erfindung stellt auch andere Paroxetin-Hydrochlo
rid-Solvate als das Propan-2-ol-Solvat als Vorstufen zur Herstellung von
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat bereit, das im wesentlichen frei von ge
bundenem organischem Lösungsmittel ist. Beispiele dieser Solvate umfas
sen Solvate mit Alkoholen (andere als Propan-2-ol), wie Propan-1-ol und
Ethanol; Solvate mit organischen Säuren, wie Essigsäure, Solvate mit or
ganischen Basen, wie Pyridin, Solvate mit Nitrilen, wie Acetonitril,
Solvate mit Ketonen, wie Aceton, Solvate mit Ethern, wie Tetrahydrofu
ran, und Solvate mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, wie Chloroform,
und Solvate mit Kohlenwasserstoffen, wie Toluol.
Bevorzugt wird Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, das im wesentli
chen frei von gebundenem Propan-2-ol ist, in weitgehend reiner Form be
reitgestellt. Geeigneterweise wird Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, das
im wesentlichen frei von gebundenem Propan-2-ol ist, mit einer Reinheit
des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats von größer als 50%, bevorzugt
größer als 60%, besonders bevorzugt größer als 70%, noch stärker be
vorzugt größer als 80% und am stärksten bevorzugt größer als 90%, be
reitgestellt. Insbesondere bevorzugt wird das Paroxetin-Hydrochlorid-An
hydrat in weitgehend reiner Form bereitgestellt, d. h. das im wesentli
chen von gebundenem Propan-2-ol freie Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat
weist eine größere Reinheit als 95% auf.
Es sollte verstanden werden, daß das im wesentlichen von gebun
denem Propan-2-ol freie Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat der vorliegenden
Erfindung ungebundenes Wasser enthalten kann, das heißt Wasser, das kein
Kristallwasser ist.
Üblicherweise beträgt die auf das Gewicht bezogene Menge an gebun
denem organischem Lösungsmittel weniger als 2%, bevorzugt weniger als
1,8%, besonders bevorzugt weniger als 1,5%, sogar besonders bevorzugt
weniger als 1%, sogar besonders bevorzugt weniger als 0,5% und insbe
sondere bevorzugt weniger als 0,1%.
Im allgemeinen sind alle hier angegebenen Prozente auf das Gewicht
bezogen, wenn es nicht anders angegeben ist.
Bevorzugte Formen des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats, das im we
sentlichen frei von gebundenem Propan-2-ol oder im wesentlichen frei von
gebundenem organischem Lösungsmittel ist, umfassen:
- i) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat in Form A, (wie nachstehend defi
niert)
- ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat in Form B, (wie nachstehend defi
niert)
- iii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat in Form C, (wie nachstehend defi
niert)
- iv) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat in Form D, (wie nachstehend defi
niert)
Die Formen des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats können voneinander
und von dem Material, das als Ergebnis der Durchführung der in EP-B-
0 223 403 und in dem International Journal of Pharmaceutics 42, (1988),
135-143 erwähnten Verfahren erhalten wurde, durch die Kristallform, Lö
sungsmittelanalyse oder Verfahren, wie IR, Schmelzpunkt, Röntgenbeugung,
NMR, DSC, Mikroskopie und beliebige weitere analytische Verfahren unter
schieden werden, die eine Form von der anderen unterscheiden.
Zum Beispiel kann die im wesentlichen von Lösungsmittel freie Form
A durch die nachstehenden Analysenwerte von anderen Formen unterschieden
werden. Form A weist einen Schmelzpunkt von etwa 123-125°C auf, wenn sie
in einer ähnlichen Reinheit wie das in Beispiel 1 beschriebene Material
erhalten wird, die durch herkömmliche Verfahren, wie HPLC, bestimmt wer
den kann, und signifikante IR-Bande (Fig. 1) bei etwa 513, 538, 571,
592, 613, 665, 722, 761, 783, 806, 818, 839, 888, 906, 924, 947, 966,
982, 1006, 1034, 1068, 1091, 1134, 1194, 1221, 1248, 1286, 1340, 1387,
1493, 1513, 1562, 1604, 3402, 3631 cm-1.
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigt unter Ver
wendung einer offenen Schale ein Maximum bei etwa 126°C und unter Ver
wendung einer geschlossenen Schale ein Maximum bei etwa 121°C. Die Form
A zeigt auch ein weitgehend ähnliches Röntgenbeugungsdiagramm, wie das
in Fig. 4 gezeigte, zum Beispiel liegen charakteristische Signale bei
6,6, 8,0, 11,2, 13,1° 2Θ vor, und ein weitgehend ähnliches Festphasen-
NMR-Spektrum, wie das in Fig. 7 gezeigte, zum Beispiel mit charakteri
stischen Signalen bei 154,3, 149,3, 141,6, 138,5 ppm.
Die im wesentlichen von Lösungsmittel freie Form B kann durch die
nachstehenden Analysenwerte von anderen Formen unterschieden werden,
d. h. sie weist einen Schmelzpunkt von etwa 138°C auf, wenn sie in einer
ähnlichen Reinheit wie das in Beispiel 7 beschriebene Material erhalten
wird, die durch herkömmliche Verfahren, wie HPLC, bestimmt werden kann,
und signifikante IR-Bande (Fig. 2) bei etwa 538, 574, 614, 675, 722,
762, 782, 815, 833, 884, 925, 938, 970, 986, 1006, 1039, 1069,
1094, 1114, 1142, 1182, 1230, 1274, 1304, 1488, 1510, 1574, 1604,
1631 cm-1.
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigt sowohl in
offenen als auch geschlossenen Schalen ein Maximum bei etwa 137°C. Die
Form B zeigt auch ein weitgehend ähnliches Röntgenbeugungsdiagramm, wie
das in Fig. 5 gezeigte, zum Beispiel liegen charakteristische Signale
bei 5,7, 11,3, 12,4, 14,3° 2Θ vor, und ein weitgehend ähnliches Festpha
sen-NMR-Spektrum, wie das in Fig. 8 gezeigte, zum Beispiel mit charak
teristischen Signalen bei 154,6, 148,3, 150,1, 141,7, 142,7, 139,0 ppm.
Form C kann durch die nachstehenden Analysenwerte von anderen For
men unterschieden werden, d. h. sie weist einen Schmelzpunkt von etwa
164°C auf, wenn sie in einer ähnlichen Reinheit wie das in Beispiel 8
beschriebene Material erhalten wird, die durch herkömmliche Verfahren,
wie HPLC, bestimmt werden kann, und signifikante IR-Bande (Fig. 3) bei
etwa 540, 574, 615, 674, 720, 760, 779, 802, 829, 840, 886, 935, 965,
984, 1007, 1034, 1092, 1109, 1139, 1183, 1218, 1240, 1263, 1280, 1507,
1540, 1558, 1598, 1652 cm-1.
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigt sowohl in
offenen als auch geschlossenen Schalen ein Maximum bei etwa 161°C.
Form C zeigt auch ein weitgehend ähnliches Röntgenbeugungsdia
gramm, wie das in Fig. 6 gezeigte, zum Beispiel liegen charakteristi
sche Signale bei 10,1, 12,1, 13,1, 14,3° 2Θ vor, und ein weitgehend ähn
liches Festphasen-NMR-Spektrum, wie das in Fig. 7 gezeigte, zum Bei
spiel mit charakteristischen Signalen bei 154,0, 148,5, 143,4, 140,4
ppm.
Form D kann durch die nachstehenden Analysenwerte von anderen For
men dadurch unterschieden werden, daß sie als halbkristalliner Feststoff
mit einem Schmelzpunkt von etwa 125°C vorkommt, wenn sie in einer ähnli
chen Reinheit wie das in Beispiel 14 beschriebene Material erhalten
wird, die durch herkömmliche Verfahren wie HPLC bestimmt werden kann.
Form D kann auch dadurch charakterisiert werden, daß sie im we
sentlichen ähnliche physikalische Eigenschaften aufweist, wenn sie aus
einem Toluol-Solvat als Vorstufe unter Verwendung hier allgemein be
schriebener Verfahren hergestellt wird, wobei die Toluol-Solvat-Vorstufe
signifikante IR-Bande bei etwa 1631, 1603, 1555, 1513, 1503, 1489, 1340,
1275, 1240, 1221, 1185, 1168, 1140, 1113, 1101, 1076, 1037, 1007, 986,
968, 935, 924, 885, 841, 818, 783, 760, 742, 720, 698, 672, 612, 572,
537 und 465 cm-1 und charakteristische Röntgenbeugungssignale bei 7,2,
9,3, 12,7 und 14,3° 2Θ aufweist.
Die Frage, welche besondere Form eine spezielle Probe des Paroxe
tin-Hydrochlorid-Anhydrats aufweist, kann von einem Fachmann unter Ver
wendung herkömmlicher, in den Beispielen angegebener Verfahren an Hand
der vorstehend angegebenen Werte und beliebiger weiterer herkömmlicher
Mittel ohne weiteres bestimmt werden.
Die Formen A und B kommen bevorzugt als Nadeln vor, und Form C
kommt als Nadeln oder Prismen vor.
Die vorliegende Erfindung stellt auch ein Verfahren zur Herstel
lung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat bereit, das im wesentlichen
frei von Propan-2-ol ist, das das Kristallisieren von Paroxetin-Hydro
chlorid in entweder:
- i) einem organischen Lösungsmittel oder einem Gemisch aus organischen
Lösungsmitteln, das mit dem Paroxetin-Hydrochlorid ein Solvat
bildet und das durch herkömmliche Trocknungsverfahren nicht ent
fernbar ist; oder
- ii) einem organischen Lösungsmittel oder einem Gemisch aus organischen
Lösungsmitteln, das mit dem Paroxetin-Hydrochlorid ein Solvat
oder kein Solvat bildet, das jedoch durch herkömmliches Trocknen
in einem Vakuumofen entfernbar ist;
und anschließend im Fall von i) das Verdrängen der (des) solvati
sierten Lösungsmittel(s) unter Verwendung eines Verdrängungsmittels, und
im Fall von ii) das Entfernen des Lösungsmittels umfaßt.
Die vorliegende Erfindung stellt auch ein Verfahren zur Herstel
lung anderer Paroxetin-Hydrochlorid-Solvate als das Propan-2-ol-Solvat
bereit, das das Kristallisieren von Paroxetin-Hydrochlorid in einem or
ganischen Lösungsmittel oder Lösungsmittelgemisch umfaßt, das mit dem
Paroxetin-Hydrochlorid ein Solvat bildet und das durch herkömmliche
Trocknungsverfahren nicht entfernbar ist.
Die vorliegende Erfindung stellt auch ein Verfahren zur Herstel
lung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat bereit, das im wesentlichen
frei von gebundenem organischem Lösungsmittel ist, das das Verdrängen
des solvatisierten Lösungsmittels oder der Lösungsmittel von einem
Paroxetin-Hydrochlorid-Solvat unter Verwendung eines Verdrängungsmittels
umfaßt.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die Kri
stallisation des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats durch das in Kontakt
bringen einer Lösung der freien Base Paroxetin in einem organischen Lö
sungsmittel oder Lösungsmitteln mit trockenem Chlorwasserstoffgas er
reicht.
In einer anderen Ausführungsform kann das Wasser vor der Kristal
lisation des Paroxetin-Hydrochlorids durch azeotrope Destillation ent
fernt werden. Dafür geeignete Lösungsmittel umfassen die, die mit Wasser
ein Azeotrop bilden, wie Pyridin und Propan-2-ol. Es ist auch zu beach
ten, daß auch Lösungsmittelgemische zur Unterstützung der azeotropen
Entfernung von Wasser verwendet werden können.
Somit wird in einer weiteren Ausführungsform der Erfindung Paroxe
tin-Hydrochlorid-Anhydrat durch Lösen von Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihy
drat in einem geeigneten Lösungsmittel kristallisiert, das weitgehend
wasserfrei ist und ein Azeotrop mit Wasser bildet. Geeigneterweise wird
das Lösungsmittel durch Destillation entfernt, und frisches, weitgehend
wasserfreies Lösungsmittel zugegeben, bis das gesamte Wasser entfernt
ist.
Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihydrat oder dessen freie Base kann ge
mäß den allgemein in EP-B-0 223 403 angegebenen Verfahren hergestellt
werden.
Die organischen Lösungsmittel sollten im wesentlichen bis zu dem
Grad wasserfrei sein, daß zum Zeitpunkt der Kristallisation nicht genü
gend Wasser vorliegt, um die Umwandlung in das Hydrochlorid-Hemihydrat
zu bewirken. Organische Lösungsmittel, die weitgehend wasserfrei sind,
können auf herkömmliche Art und Weise erhalten werden. Sie können zum
Beispiel unter Verwendung herkömmlicher Verfahren, wie das Trocknen über
Molekularsieben, getrocknet werden oder sie können gekauft werden.
Die Form des erhaltenen Produkts beeinflussende Faktoren sind u. a.
die spezielle Auswahl der (des) zu verwendenden organischen Lösungsmit
tel(s), von der die besondere Form des erwünschten Produkts abhängt.
Es ist auch zu beachten, daß das Verfahren der Lösungsmittelent
fernung auch von der besonderen Form des erwünschten Produkts abhängt.
Für die Variante i) des Verfahrens sollte erkannt werden, daß ein
organisches Lösungsmittel oder Lösungsmittel, die mit dem kristallisier
ten Paroxetin-Hydrochlorid ein Solvat bilden, und die durch herkömmliche
Trocknungsverfahren nicht entfernbar sind, durch übliche Versuche be
stimmt werden können. Beispiele dieser organischen Lösungsmittel umfas
sen, sind jedoch keineswegs beschränkt auf Alkohole, im besonderen Alka
nole, wie Propan-2-ol, Ethanol und Propan-1-ol, organische Säuren, wie
Essigsäure, organische Basen, wie Pyridin, Nitrile, wie Acetonitril, Ke
tone, wie Aceton, Ether, wie Tetrahydrofuran und chlorierte Kohlenwas
serstoffe, wie Chloroform.
Das durch die Variante i) des Verfahrens erzeugte Paroxetin-Hydro
chlorid-Solvat wird geeigneterweise isoliert und durch herkömmliche Ver
fahren, wie Trocknen unter reduziertem Druck, getrocknet, wobei ein Teil
oder das gesamte freie oder ungebundene Lösungsmittel entfernt wird. Zu
beachten ist, daß es bevorzugt und unerwartet ist, daß der Trocknungs
grad so reguliert wird, daß nur freies Lösungsmittel entfernt wird. Das
gebundene Lösungsmittel wird anschließend mit einem Verdrängungsmittel,
wie Wasser oder überkritisches Kohlendioxid, verdrängt. Es ist möglich,
weitere Verdrängungsmittel zu verwenden, die durch übliche Versuche aus
gewählt werden können.
Gasförmiges oder flüssiges Wasser kann bevorzugt als Verdrängungs
mittel verwendet werden. Es ist wichtig, daß das Paroxetin-Hydrochlorid-
Solvat eine genügend lange Zeit mit ausreichend Wasser in Kontakt ge
bracht wird, um das Lösungsmittel zu verdrängen, jedoch nicht genügend
lange, um eine Umwandlung in das Hydrochlorid-Hemihydrat zu bewirken.
Die Wassermenge, die Form des Wassers, z. B. flüssig oder gasför
mig, und die Zeitdauer, die das Paroxetin-Hydrochlorid-Solvat mit Wasser
in Kontakt gebracht wird, unterscheidet sich von Solvat zu Solvat. Dies
hängt weitgehend von der Löslichkeit des in Frage kommenden Solvats ab.
Spezielle Verhältnisse von Paroxetin-Hydrochlorid-Solvat zu Wasser
sind hier in den nachstehend beschriebenen Beispielen (Beispiele 1, 4
bis 6, 9 bis 11, 13 und 15) dargestellt. Es sollte erkannt werden, daß
das Pyridin-Solvat offensichtlich in Wasser löslicher ist als zum Bei
spiel das Propan-2-ol-Solvat. Somit kann die Anwendung des allgemeinen
Ioneneffekts bei der Verwendung von verdünnter Chlorwasserstoffsäure
helfen, die Auflösung des Solvats und die nachfolgende Umwandlung in das
Hydrochlorid-Hemihydrat zu verhindern.
Nach dem Kontakt mit Wasser, wobei das gebundene Lösungsmittel
verdrängt wird, wird das Produkt geeigneterweise, zum Beispiel unter re
duziertem Druck bei erhöhter Temperatur, getrocknet. Geeignetes Trocknen
kann über einem Trockenmittel, wie Phosphorpentoxid, erfolgen.
Wenn überkritisches Kohlendioxid verwendet wird, ist zu beachten,
daß die Durchflußgeschwindigkeit, Temperatur und der Druck des Kohlendi
oxids reguliert werden können, um eine optimale Entfernung des Lösungs
mittels aus dem Paroxetin-Hydrochlorid-Solvat zu erreichen. Im allgemei
nen kann Kohlendioxid unter hohem Druck, zum Beispiel bei etwa 2500 psi
verwendet werden. Erhöhte Temperaturen, wie zwischen 50 und 80°C, beson
ders bevorzugt zwischen 55 und 75°C, können auch bevorzugt anwendet wer
den.
Die Variante i) des Verfahrens wird bevorzugt zur Herstellung der
Form A verwendet.
Die Kristallisation der Solvatvorstufe des Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrats Form A kann bevorzugt durch die Zugabe von Impfkristallen der
Solvatvorstufe des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A erleichtert
werden.
In einer anderen Ausführungsform können Impfkristalle des Paroxe
tin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A zur Erleichterung der Kristallisation
der Solvatvorstufen des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A verwen
det werden.
Für die Variante ii) des Verfahrens ist zu beachten, daß ein orga
nisches Lösungsmittel oder ein Gemisch organischer Lösungsmittel, das
ein oder kein Solvat mit dem Paroxetin-Hydrochlorid bildet, jedoch durch
herkömmliches Trocknen in einem Vakuumofen entfernbar ist, durch übliche
Versuche bestimmt werden kann.
Ein Beispiel eines Lösungsmittels, das mit dem Paroxetin-Hydro
chlorid ein gebundenes Solvat bildet, das jedoch durch herkömmliches
Trocknen in einem Vakuumofen entfernbar ist, ist Toluol.
Toluol wird bevorzugt zur Herstellung von Form D verwendet.
Die Kristallisation der Solvatvorstufen des Paroxetin-Hydrochlo
rid-Anhydrats Form D kann durch die Zugabe von Impfkristallen der Sol
vatvorstufen des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form D erleichtert
werden.
Impfkristalle des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form D können
zur Erleichterung der Kristallisation der Solvatvorstufen des Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrats Form D verwendet werden.
Beispiele von Lösungsmitteln, die mit Paroxetin-Hydrochlorid kein
gebundenes Solvat bilden, jedoch durch herkömmliches Trocknen in einem
Vakuumofen entfernbar sind, sind Butan-1-ol und Essigsäureethylester.
Butan-1-ol wird bevorzugt zur Herstellung von Form B und Butan-1-
ol oder Essigsäureethylester werden bevorzugt zur Herstellung von Form C
verwendet.
Falls Form B gewünscht wird, kann diese nach oder analog zu den in
Beispiel 7 angegebenen Verfahren hergestellt werden.
Die Verwendung von Impfkristallen von Form B kann bevorzugt zur
Erleichterung der Kristallisation von Form B verwendet werden.
Falls Form C gewünscht wird, kann diese nach oder analog zu den in
den Beispielen 8 und 12 angegebenen Verfahren hergestellt werden.
Es ist zu beachten, daß die Verwendung von Impfkristallen von Form
C zur Erleichterung der Kristallisation von Form C verwendet werden
kann.
Impfkristalle der Formen A, B, C und D können nach den hier be
schriebenen Verfahren hergestellt werden oder sind auf Wunsch von
Corporate Intellectual Property, SmithKline Beecham plc im New Frontiers
Science Park, Third Avenue, Harlow, Essex, CM19 5AW, GB frei erhältlich.
Form A ist BRL 29060F, Form B ist BRL 29060G, Form C ist BRL 29060H und
Form D ist BRL 29060H. Proben von Impfkristallen der Formen A, B, C und
D können auch von NCIMB, 23 St. Machor Drive, Aberdeen, AB2 1RY, Schott
land, GB erhalten werden.
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat, das im wesentlichen frei von Pro
pan-2-ol ist, und die Formen A, B, C und D (die nachstehend alle als
"Produkte der Erfindung" bezeichnet werden), können zur Behandlung und
Vorbeugung der nachstehenden Erkrankungen verwendet werden:
Alkoholismus
Angstzustände
Depressionen
Zwangsneurosen (OCD)
Panikerkrankungen
chronische Schmerzen
Fettsucht
Altersdemenz
Migräne
Bulimie
Anorexie
soziale Phobie
prämenstruelles Syndrom (PMS)
Depressionen im Jugendalter
Trichotillomanie
Dysthymie
Mißbrauch chemischer oder pharmazeutischer Stoffe oder von Drogen.
Diese Erkrankungen werden hier nachstehend als "die Erkrankungen"
bezeichnet.
Die vorliegende Erfindung stellt ferner ein Verfahren zur Behand
lung und/oder Vorbeugung einer beliebigen oder mehrerer der Erkrankungen
durch das Verabreichen einer wirksamen und/oder prophylaktischen Menge
eines Produkts der Erfindung an einen Leidenden, der sie benötigt, be
reit.
Die vorliegende Erfindung stellt ferner ein Arzneimittel zur Ver
wendung zur Behandlung und/oder Vorbeugung der Erkrankungen bereit, das
ein Gemisch eines Produkts der Erfindung mit einem pharmazeutisch ver
träglichen Träger umfaßt.
Die vorliegende Erfindung stellt auch die Verwendung der Produkte
der Erfindung zur Behandlung und/oder Vorbeugung der Erkrankungen be
reit.
Die vorliegende Erfindung stellt auch die Verwendung der Produkte
der Erfindung zur Herstellung eines Arzneimittels zur Behandlung
und/oder Vorbeugung der Erkrankungen bereit.
Bevorzugte Erkrankungen umfassen Depressionen, OCD und Panikzu
stände.
Die Zusammensetzungen dieser Erfindung sind in der Regel der ora
len Verabreichung angepaßt, aber Formulierungen zur Auflösung zur paren
teralen Verabreichung liegen ebenfalls innerhalb des Umfanges dieser Er
findung.
Die Zusammensetzung wird in der Regel als eine Einheitsdosierungs
zusammensetzung mit 1 bis 200 mg des Wirkstoffes, berechnet auf der
Grundlage der freien Base, meistens mit 5 bis 100 mg, zum Beispiel 10
bis 50 mg, wie 10, 12,5, 15, 20, 25, 30 oder 40 mg bei einem menschli
chen Patienten vorgelegt. Insbesondere bevorzugt enthalten Einheitsdosen
20 mg des Wirkstoffes, berechnet auf der Grundlage der freien Base.
Diese Zusammensetzung wird in der Regel 1 bis 6 mal täglich, zum Bei
spiel 2, 3 oder 4 mal täglich eingenommen, so daß die Gesamtmenge des
verabreichten Wirkstoffes innerhalb des Bereiches von 5 bis 400 mg des
Wirkstoffes, berechnet auf der Grundlage der freien Base, liegt. Insbe
sondere bevorzugt wird die Einheitsdosis einmal pro Tag eingenommen.
Bevorzugte Einheitsdosierungsformen umfassen Tabletten oder Kap
seln.
Die Zusammensetzungen dieser Erfindung können durch herkömmliche
Mischverfahren, wie Mischen, Füllen und Pressen, formuliert werden.
Zur Verwendung in dieser Erfindung geeignete Träger umfassen ein
Verdünnungsmittel, ein Bindemittel, ein Tablettensprengmittel, ein farb
gebendes Mittel, einen Geschmacksstoff und/oder ein Konservierungsmit
tel. Diese Mittel können auf herkömmliche Art und Weise verwendet wer
den, zum Beispiel in einer Art und Weise, die bereits für auf dem Markt
befindliche antidepressive Mittel verwendet wird.
Spezifische Beispiele von Arzneimitteln umfassen die in EP-B-
0 223 404 und U.S.-4 007 196 beschriebenen, in denen die Produkte der
vorliegenden Erfindung als Wirkstoffe verwendet werden.
Die nachstehenden Beispiele veranschaulichen die vorliegende Er
findung.
Beispiel 1
Kristallines, im wesentlichen von gebundenem Propan-2-ol freies
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
i) Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat
150 g Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihydrat wurden mit 1000 ml Propan-
2-ol und 300 ml Toluol in einem Rundkolben gerührt und zum Sieden er
hitzt. Das Lösungsmittel wurde durch Destillation entfernt, wobei das
Gesamtvolumen durch die Zugabe von frischem Propan-2-ol aufrechthalten
wurde, bis der Siedepunkt etwa 82°C erreicht hatte, was zeigte, daß das
gesamte Wasser entfernt war.
Man ließ das Gemisch auf etwa 50°C abkühlen, worauf es spontan
kristallisierte. Der Kolbeninhalt verfestigte sich schnell zu einem
dicken Brei, der mit etwa 500 ml Propan-2-ol verdünnt und kräftig ge
rührt wurde. Man ließ die entstandene Suspension auf etwa 30°C abkühlen
und filtrierte unter reduziertem Druck, wobei man darauf achtete, daß
die Absorption von atmosphärischer Feuchtigkeit vermieden wurde. Der Lö
sungsmittel-nasse Kuchen wurde im Hochvakuum über Phosphorpentoxid ge
trocknet.
Ausbeute des solvatisierten Paroxetin-Hydrochlorid: 151 g, Propan-
2-ol-Gehalt: 13,0% (durch NMR geschätzt).
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) zeigte unter anderem eine
charakteristische Bande bei 667 cm-1.
ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
110 g Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat [Propan-2-olgehalt
13%] wurden in einem Becherglas 20 Minuten mit 275 ml Wasser gerührt.
Das Gemisch wurde unter reduziertem Druck filtriert, und der feuchte
Feststoff wurde unter reduziertem Druck über Phosphorpentoxid bis zur
Gewichtskonstanz getrocknet.
Ausbeute des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A: 91,0 g
Wassergehalt: 0,13% (KF), Propan-2-ol-Gehalt: 0,05% (durch NMR
geschätzt).
Schmelzpunkt: 123-125°C.
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigte unter Ver
wendung einer offenen Schale ein Maximum bei etwa 126°C und unter Ver
wendung einer geschlossenen Schale ein Maximum bei etwa 121°C.
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) zeigte unter anderem cha
rakteristische Bande bei 665, 3631 und 3402 cm-1 (siehe Fig. 1).
Elementaranalyse:
Gefordert für Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat:
C 62,38; H 5,79; N 3,83%;
gefunden:
C 62,10; H 5,89; N 3,67%.
Die Probe wurde auch durch Röntgenbeugung eines Pulvers (siehe
Fig. 4) und Festphasen-¹³C-NMR (siehe Fig. 7) untersucht.
Beispiel 2
Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat
42,09 g der freien Base Paroxetin wurden in 210 ml Propan-2-ol
(Fisons, SLR-Qualität) gelöst. Chlorwasserstoffgas wurde in einen ge
kühlten Kolben mit 157 g Propan-2-ol geleitet, bis 20,8 g Chlorwasser
stoff absorbiert waren. 39 g dieser Lösung (mit etwa 4,6 g Chlorwasser
stoff) wurden schnell zu der Paroxetinlösung gegeben, und das Gemisch
wurde kräftig gerührt. Nach etwa 1 Minute begann die Kristallisation,
und das Gemisch verfestigte sich schnell zu einem nicht rührbaren Brei,
den man 1 Stunde stehen ließ. Das Produkt wurde durch Filtration aufge
nommen, mit 50 ml Propan-2-ol gewaschen und unter reduziertem Druck bei
Umgebungstemperatur in einem Exsikkator mit Phosphorpentoxid bis zur Ge
wichtskonstanz getrocknet. Die Probe wurde durch NMR-Spektrometrie ana
lysiert, und ein Gehalt von etwa 6 Gew.-% Propan-2-ol wurde gefunden.
Ein Teil der Probe wurde in einen auf 50°C eingestellten Vakuumofen ge
geben und weiter bis zur Gewichtskonstanz getrocknet, was weitere 4 Tage
dauerte. Die NMR-Spektrometrie zeigte, daß die Probe etwa 2 Gew.-% Pro
pan-2-ol enthielt.
Beispiel 3
Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat
52,37 g der freien Base Paroxetin wurden in 250 ml trockenem Pro
pan-2-ol gelöst, und eine Lösung von Chlorwasserstoffgas in trockenem
Propan-2-ol (50 g Lösung mit etwa 5,8 g Chlorwasserstoff) wurde unter
kräftigem Rühren schnell zugegeben. Nach etwa 30 Sekunden begann die
Kristallisation, und das Gemisch wurde weitere 30 Minuten bei Umgebungs
temperatur gerührt, um eine vollständige Kristallisation zu ermöglichen.
Das Produkt wurde durch Vakuumfiltration isoliert, mit 25 ml trockenem
Propan-2-ol gewaschen und in einem Exsikkator mit Phosphorpentoxid bei
Umgebungstemperatur unter reduziertem Druck getrocknet.
Nach 3 Tagen wurde eine Probe durch NMR analysiert und ein Gehalt
von 10,5% Propan-2-ol gefunden. Das übrige Material wurde weitere 3
Tage unter reduziertem Druck mit frischem Phosphorpentoxid in einem Ex
sikkator bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Die NMR-Analyse zeigte,
daß das Produkt 5,7% Gew./Gew. Propan-2-ol enthielt.
Beispiel 4
Kristallines, im wesentlichen von gebundenem Pyridin freies Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Pyridin-Solvat
20,0 g Paroxetin-Hydrochlorid mit ca. 2% Propan-2-ol wurden in
200 ml heißem Pyridin gelöst, und ein Teil des Lösungsmittels wurde
durch Destillation entfernt. Der Kolben wurde verschlossen, und man ließ
ihn abkühlen, worauf die blaßrote Lösung spontan kristallisierte. Die
dicke Suspension wurde gut gerührt, filtriert, wobei ein übermäßiger
Kontakt mit atmosphärischer Feuchtigkeit vermieden wurde, und der Fest
stoff wurde auf dem Filter mit 25 ml Pyridin gewaschen. Das Produkt
wurde unter Hochvakuum über Phosphorpentoxid getrocknet.
Ausbeute: 22,0 g.
Die mikroskopische Untersuchung zeigte, daß das Produkt in Form
von Kristallnadeln vorlag, und die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von
15,2 Gew.-% Pyridin (Theorie für ein 1 : 1 Solvat 17,77%). Das Infrarot
spektrum (Nujolsuspension) des Pyridin-Solvats unterschied sich sowohl
von dem des Hemihydrats als auch von dem des Anhydrats Form A und zeigte
im besonderen keine signifikanten Bande im Bereich von 3000 cm-1. Das
Pyridin-Solvat ergab auch ein charakteristisches Röntgenbeugungsmuster
für das Pulver.
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat
(Form A)
5,00 g Paroxetin-Hydrochlorid-Pyridin-Solvat wurden zu 25 ml 5 M
Chlorwasserstoffsäure in einem Becherglas gegeben und 5 Minuten gerührt.
Das Gemisch wurde filtriert, gut abgesaugt und mit 15 ml Wasser gewa
schen. Die Kristalle wurden unter Hochvakuum über Phosphorpentoxid ge
trocknet.
Ausbeute: 4,00 g.
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) stimmte mit dem des Paroxe
tin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A überein, und durch NMR-Analyse konnte
kein Pyridin festgestellt werden.
Beispiel 5
Im wesentlichen von gebundener Essigsäure freies Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat (Form A)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Essigsäure-Solvat
30,0 g Paroxetin-Hydrochlorid mit etwa 2% Propan-2-ol wurden in
120 ml heißem Eisessig gelöst, und ein Teil des Lösungsmittels wurde
durch Destillation entfernt. Der Kolben wurde verschlossen, und man ließ
ihn über Nacht abkühlen. Die klare, blaßgelbe Lösung wurde mit Paroxe
tin-Hydrochlorid-Anhydrat Form A angeimpft, mit Ultraschall beschallt
und bei Raumtemperatur mehrere Stunden gerührt. Man ließ das Gemisch 24
Stunden stehen, filtrierte, und das Produkt wurde unter Hochvakuum in
einem Exsikkator mit Kaliumhydroxid getrocknet.
Ausbeute: 17,29 g.
Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von 13,5 Gew.-% Essigsäure
(Theorie für ein 1 : 1 Solvat 14,10%). Das Infrarotspektrum (Nujolsuspen
sion) des Essigsäuresolvats unterschied sich sowohl von dem des Paroxe
tin-Hydrochlorid-Hemihydrats als auch von dem des -Anhydrats Form A und
zeigte im besonderen eine starke Bande bei 1705 cm-1, die gebundene Es
sigsäure anzeigte, und keine signifikanten Bande im Bereich von 3000
cm-1. Das Essigsäure-Solvat ergab auch ein charakteristisches Röntgen
beugungsmuster für das Pulver.
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
1,00 g Paroxetin-Hydrochlorid-Essigsäure-Solvat wurde mit 5 ml 5 M
Chlorwasserstoffsäure behandelt und 5 Minuten gerührt. Das Gemisch wurde
filtriert, gut abgesaugt, und die Kristalle wurden unter Hochvakuum in
einem Exsikkator mit Phosphorpentoxid getrocknet.
Ausbeute: 0,80 g.
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) bestätigte, daß das Produkt
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form A war. Die NMR-Analyse zeigte die
Gegenwart von etwa 0,4% Essigsäure. Die mikroskopische Untersuchung
zeigte, daß das Material in Form von fragmentierten Nadeln vorlag.
Beispiel 6
Im wesentlichen von gebundenem Acetonitril freies Paroxetin-Hydrochlo
rid-Anhydrat (Form A)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Acetonitril-Solvat
10,8 g Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form A, das unter Verwen
dung des Verfahrens von Beispiel 1 hergestellt wurde, wurden in 40 ml
warmem, wasserfreiem Acetonitril in einem Erlenmeyerkolben gelöst, die
ser verschlossen und 1 Stunde im Kühlschrank gekühlt, wobei sich während
dieser Zeit einige Kristalle abschieden. Das Gemisch wurde mit Ultra
schall beschallt, in den Kühlschrank zurückgestellt und über Nacht be
lassen. Der Inhalt verfestigte sich zu einem dicken Brei. Am nächsten
Morgen wurde der Brei durch kräftiges Schütteln und Beschallen mit Ul
traschall aufgebrochen, und das Gemisch filtriert. Das Produkt wurde
unter Hochvakuum in einem Exsikkator mit Phosphorpentoxid getrocknet.
Ausbeute: 9,30 g, Acetonitrilgehalt: 2,5% (durch NMR).
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
4,23 Paroxetin-Hydrochlorid-Acetonitril-Solvat wurden 10 Minuten
in 20,6 g Wasser gerührt. Der Feststoff wurde durch Vakuumfiltration
aufgenommen, auf dem Filter mit 10 ml Wasser gewaschen und in einem Va
kuumofen mit Phosphorpentoxid bei 50°C getrocknet.
Ausbeute: 3,75 g.
Das IR-Spektrum zeigte, daß das Produkt Paroxetin-Hydrochlorid-An
hydrat Form A war.
Acetonitrilgehalt: etwa 0,5% (durch NMR).
Beispiel 7
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form B)
10,0 g der freien Base Paroxetin wurden bei Raumtemperatur in 25
ml Butan-1-ol gelöst, und eine Lösung von 1,25 g Chlorwasserstoffgas in
15 ml Butan-1-ol wurde zugegeben. Die klare, blasse, rotbraune Lösung
wurde verschlossen und über Nacht in einem Kühlschrank aufbewahrt. Eine
kleine Menge kristallines Material bildete sich auf dem Boden des Kol
bens, und die Beschallung mit Ultraschall wurde zur Kristallisation der
Hauptmenge verwendet. Das Gemisch wurde erneut über Nacht im Kühlschrank
aufbewahrt, dann ließ man es auf Raumtemperatur erwärmen und filtrierte
es ab. Das Produkt wurde unter Hochvakuum in einem Exsikkator mit Phos
phorpentoxid getrocknet.
Die mikroskopische Untersuchung mit einem Polarisationsmikroskop
zeigte, daß die Probe in Form von federförmigen Kristallen vorlag.
Schmelzpunkt: 137-138°C.
Das NMR-Spektrum (CDCl₃) entsprach dem einer Standardprobe von
Paroxetin-Hydrochlorid.
Die Elementaranalyse stimmte mit wasserfreiem Paroxetin-Hydrochlo
rid überein:
Gefordert für C₁₉H₂₁NClFO₃:
C 62,38; H 5,79; N 3,83; Cl 9,69%;
gefunden:
C 62,08; H 5,75; N 3,81; Cl 9,62%.
Das Röntgenbeugungsdiagramm des Pulvers bestätigte, daß die Probe
kristallin war (siehe Fig. 5). Das Beugungsdiagramm unterschied sich
sowohl von dem des Hemihydrats als auch von dem des Anhydrats Form A.
Das IR-Spektrum (Nujolsuspension) unterschied sich auch sowohl von
dem des Hemihydrats als auch von dem des Anhydrats Form A (siehe Fig. 2).
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigte sowohl in
offenen als auch geschlossenen Schalen ein Maximum bei etwa 137°C.
Die Probe wurde auch durch Festphasen-¹³C-NMR (siehe Fig. 8)
untersucht.
Beispiel 8
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form C)
300 g Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihydrat und 1200 ml Toluol wurden
unter Rückfluß erhitzt, und das Wasser wurde unter Verwendung eines
Dean-und-Stark-Apparates entfernt. Als kein weiteres Wasser mehr aufge
fangen werden konnte, wurde die Hauptmenge des Toluols durch Destilla
tion entfernt und durch wasserfreies Butan-1-ol ersetzt. Die Destilla
tion wurde fortgesetzt, bis die Temperatur des Destillationsapparates
etwa 117°C erreichte, was anzeigte, daß das gesamte Toluol entfernt war.
Das Gemisch wurde mit Butan-1-ol auf etwa 1200 ml verdünnt, und man ließ
es abkühlen. Bei etwa 42°C wurden Impfkristalle des Paroxetin-Hydrochlo
rid-Anhydrats Form B (Nadeln) zugegeben. Obwohl die Kristallisation dann
begann, wurde beobachtet, daß das Produkt in Form von gut geformten
Prismen vorlag, was anzeigte, daß das Produkt in einer zu den zugegebe
nen Impfkristallen unterschiedlichen Form kristallisierte.
Man ließ das Gemisch über Nacht stehen und filtrierte es anschlie
ßend ab. Die Kristalle wurden auf dem Filter mit Butan-1-ol gewaschen
und anschließend unter reduziertem Druck bei 50°C über Phosphorpentoxid
getrocknet.
Ausbeute: 250 g
Schmelzpunkt: 162-164°C.
Die Analyse durch NMR (CDCl₃) bestätigte, daß das Produkt Paroxe
tin-Hydrochlorid war, und zeigte die Gegenwart einer Spur von ca. 0,1
Gew.-% Butan-1-ol. Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) unterschied
sich sowohl von Form A als auch B (siehe Fig. 3).
Wassergehalt: 0,06% (KF).
Die Elementaranalyse stimmte mit wasserfreiem Paroxetin-Hydrochlo
rid überein:
Gefordert für C₁₉H₂₁NClFO₃:
C 62,38; H 5,79; N 3,83; Cl 9,69%;
gefunden:
C 62,23; H 5,67; N 3,83; Cl 9,74%.
Die bei 10°C pro Minute gemessene DSC-Exotherme zeigte sowohl in
offenen als auch geschlossenen Schalen ein Maximum bei etwa 161°C.
Das Röntgenbeugungsdiagramm des Pulvers bestätigte, daß die Probe
kristallin war (siehe Fig. 6). Das Beugungsdiagramm unterschied sich
sowohl von dem des Anhydrats Form A als auch von dem des Anhydrats Form
B.
Die Probe wurde auch durch Festphasen-¹³C-NMR (siehe Fig. 9) un
tersucht.
Beispiel 9
Im wesentlichen von gebundenem Aceton freies Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat (Form A)
i) Paroxetin-Hydrochlorid-Aceton-Solvat
10,51 g der freien Base Paroxetin wurden in 40 ml Aceton (mit
einem Molekularsieb mit 4 Å getrocknet) gelöst, und eine Lösung von 1,31
g Chlorwasserstoffgas in 10 ml trockenem Aceton wurde unter Rühren zuge
geben. Die Kristallisation trat innerhalb 1 Minute spontan ein, und das
Gemisch wurde schnell nicht mehr rührbar. Nach etwa einer halben Stunde
wurde das Produkt filtriert, in einen Exsikkator über Phosphorpentoxid
gegeben und über Nacht bei Umgebungstemperatur getrocknet.
Gewicht des Produkts: 11,24 g. Acetongehalt (durch NMR geschätzt)
4% Gew./Gew. Das Infrarotspektrum zeigte eine charakteristische Bande
bei 667 cm-1.
Etwa die Hälfte des Produkts wurde in einen auf 50°C eingestellten
Vakuumofen gegeben und weiter bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Die
NMR-Analyse des entstandenen Produkts zeigte die Gegenwart von 1,2%
Gew./Gew. Aceton.
ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
5,18 g einer Probe des Aceton-Solvats wurden 10 Minuten in 20 ml
Wasser gerührt, filtriert und in einem Vakuumofen mit Phosphorpentoxid
bei 50°C getrocknet.
Gewicht des Produkts: 4,63 g. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart
von 0,6% Gew./Gew. Aceton. Das Infrarotspektrum entsprach dem Spektrum
des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A und zeigte eine
charakteristische Bande bei 665 cm-1.
Beispiel 10
Im wesentlichen von gebundenem Ethanol freies Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat (Form A)
i) Paroxetin-Hydrochlorid-Ethanol-Solvat
11,25 g der freien Base Paroxetin wurden in 40 ml absolutem Etha
nol gelöst, und eine Lösung von 1,9 g Chlorwasserstoffgas in 20 ml abso
lutem Ethanol wurde unter Rühren zugegeben. Nach 10 Minuten gab es kein
Anzeichen einer Kristallisation, so daß die klare Lösung mit Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrat Form A angeimpft wurde. Nach 30 Minuten gab es
noch kein Anzeichen einer Kristallisation, so daß die Lösung unter redu
ziertem Druck auf etwa die Hälfte des Volumens eingedampft und erneut
angeimpft wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine langsame Kristallisation
beobachtet, und das Gemisch wurde eine weitere Stunde belassen. Die ent
standene kristalline Masse wurde bei Umgebungstemperatur in einem Va
kuumexsikkator mit Phosphorpentoxid getrocknet.
Gewicht des Produkts: 11,87 g. Ethanolgehalt (durch NMR geschätzt)
4% Gew./Gew. Das Infrarotspektrum zeigte eine charakteristische Bande
bei 667 cm-1.
Eine kleine Probe wurde in einen auf 50°C eingestellten Vakuumofen
gegeben und weiter getrocknet. Die NMR-Analyse des entstandenen Produkts
zeigte die Gegenwart von 0,7% Gew./Gew. Ethanol. Das Infrarotspektrum
entsprach dem Spektrum des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A und
zeigte eine charakteristische Bande bei 665 cm-1.
ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
5,3 g einer Probe des Ethanol-Solvats wurden 10 Minuten in 20 ml
Wasser gerührt, filtriert und in einem Exsikkator mit Phosphorpentoxid
über Nacht bei Umgebungstemperatur getrocknet.
Gewicht des Produkts: 4,56 g. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart
von weniger als 0,4% Gew./Gew. Ethanol. Das Infrarotspektrum entsprach
dem Spektrum des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A und zeigte eine
charakteristische Bande bei 665 cm-1.
Beispiel 11
Im wesentlichen von gebundenem Chloroform freies Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat (Form A)
i) Paroxetin-Hydrochlorid-Chloroform-Solvat
8,54 g der freien Base Paroxetin wurden in 30 ml Chloroform ge
löst, und eine Lösung von 1,05 g Chlorwasserstoffgas in 10 ml Chloroform
wurde unter Rühren zugegeben. Nach 5 Minuten gab es kein Anzeichen einer
Kristallisation, so daß die klare Lösung mit Paroxetin-Hydrochlorid-An
hydrat Form A angeimpft wurde. Nach 15 Minuten gab es noch kein Anzei
chen einer Kristallisation, so daß Chlorwasserstoff durch die Lösung ge
leitet wurde, bis die orange Farbe verschwand. Nach 1 Stunde konnte man
Anzeichen einer sehr langsamen Kristallisation in Form von großen, für
das Auge sichtbaren Kristallnadeln beobachten. Das Gemisch wurde eine
weitere Stunde zur Kristallisation in einem verschlossenen Kolben belas
sen, anschließend filtriert und bei Umgebungstemperatur in einem Va
kuumexsikkator mit Phosphorpentoxid getrocknet.
Gewicht des Produkts: 5,65 g. Chloroformgehalt (durch NMR ge
schätzt): 12% Gew./Gew. Das Infrarotspektrum zeigte eine charakteri
stische Bande bei 667 cm-1.
Eine kleine Probe wurde in einen auf 50°C eingestellten Vakuumofen
gegeben und weiter getrocknet. Die NMR-Analyse des entstandenen Produkts
zeigte die Gegenwart von 3,4% Gew./Gew. Chloroform.
ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
2,0 g einer Probe des Chloroformsolvats mit 12,5% Chloroform wur
den 10 Minuten in 8 ml Wasser gerührt, filtriert und über Nacht in einem
Vakuumofen bei 50°C getrocknet.
Gewicht des Produkts: 1,09 g. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart
von etwa als 0,8% Gew./Gew. Chloroform. Das Infrarotspektrum entsprach
dem Spektrum des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A und zeigte eine
charakteristische Bande bei 665 cm-1.
Beispiel 12
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form C)
8,5 g der freien Base Paroxetin wurden in 40 ml Essigsäureethyl
ester gelöst, und Chlorwasserstoffgas wurde eingeleitet, bis sich das
Gewicht des Kolbens und Inhalts auf 1,1 g erhöht hatte. Nach 15 Minuten
gab es kein Anzeichen einer Kristallisation, so daß die klare Lösung mit
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form A angeimpft wurde. Nach weiterem 1-
stündigem Rühren konnte man Anzeichen einer sehr langsamen Kristallisa
tion beobachten. Man ließ das Gemisch über Nacht zur Kristallisation in
einem verschlossenen Kolben rühren, filtrierte es anschließend und
trocknete es bei Umgebungstemperatur in einem Vakuumexsikkator mit Phos
phorpentoxid.
Gewicht des Produkts: 7,56 g. Essigsäureethylestergehalt (durch
NMR geschätzt): 0,4% Gew./Gew. Das Infrarotspektrum unterschied sich
sowohl von dem des Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihydrats als auch von dem
des -anhydrats Form A und stimmte mit dem in Beispiel 8 erhaltenen
Infrarotspektrum überein.
Beispiel 13
Im wesentlichen von gebundenem Propan-1-ol freies Paroxetin-Hydrochlo
rid-Anhydrat (Form A)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-1-ol-Solvat
10,6 g der freien Base Paroxetin wurden in 30 ml Propan-1-ol ge
löst, und 1,25 g Chlorwasserstoffgas wurden in die Lösung geleitet. Die
warme Lösung wurde mit Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form B angeimpft
und mit Ultraschall beschallt, worauf die blaßrote Lösung schnell kri
stallisierte. Die dicke Suspension wurde mit 25 ml Propan-1-ol verdünnt,
filtriert, wobei ein übermäßiger Kontakt mit atmosphärischer Feuchtig
keit vermieden wurde, und das Produkt wurde unter reduziertem Druck über
Phosphorpentoxid getrocknet.
Ausbeute: 10,3 g.
Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von etwa 7 Gew.-% Propan-1-
ol. Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) zeigte, daß das Produkt nicht
in der Form B, sondern als solvatisierte Spezies mit einer signifikanten
Bande bei etwa 667 cm-1 vorlag. Das Propan-1-ol-Solvat ergab auch ein
charakteristisches Röntgenbeugungsmuster für das Pulver.
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
5,24 g Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-1-ol-Solvat wurden 10 Minuten
in 25 ml Wasser gerührt. Das Gemisch wurde filtriert, und das Produkt
wurde mit 10 ml Wasser gewaschen. Die Kristalle wurden im Hochvakuum
über Phosphorpentoxid bei 50°C getrocknet.
Ausbeute: 4,35 g.
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) bestätigte, daß das Produkt
das Anhydrat Form A war. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von ca.
0,25 Gew.-% Propan-1-ol.
Beispiel 14
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form D)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Toluol-Solvat
100 g Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihydrat wurden unter Rückfluß in
1000 ml Toluol gerührt, und das Wasser wurde unter Verwendung eines
Dean-und-Stark-Apparates entfernt. Man ließ die Lösung abkühlen, impfte
mit Paroxetin-Hydrochlorid Form A an und beschallte mit Ultraschall. Die
Kristallisation wurde nicht ausgelöst, aber nach 40-minütigem Rühren bei
Raumtemperatur verfestigte sich der Kolbeninhalt plötzlich zu einem
dicken Brei. Das Produkt wurde durch Filtration aufgenommen und unter
reduziertem Druck über Phosphorpentoxid getrocknet.
Die NMR-Analyse des Produkts zeigte die Gegenwart von etwa 10%
Gew./Gew. Toluol. Das Toluol-Solvat ergab ein charakteristisches IR-
Spektrum, das eine charakteristische Bande bei 672 cm-1 zeigte.
Das vorstehende Verfahren wurde unter Animpfen mit Toluol-Solvat
wiederholt, und das Produkt wurde unter reduziertem Druck über Phosphor
pentoxid getrocknet.
Ausbeute des Toluol-Solvats: 106,7 g.
Die NMR-Analyse des Produkts zeigte die Gegenwart von etwa 10%
Gew./Gew. Toluol. Das Produkt ergab ein charakteristisches Röntgenbeu
gungsdiagramm des Pulvers.
ii) Auflösen des Toluol-Solvats
20,0 g Toluol-Solvat wurden 18 Stunden auf 80°C unter reduziertem
Druck über Phosphorpentoxid erhitzt. Die NMR-Analyse zeigte die Gegen
wart von etwa 0,3% Gew./Gew. Toluol.
Wassergehalt: 0,08% (KF)
Schmelzpunkt: ca. 125°C.
Beispiel 15
Im wesentlichen von gebundenem Tetrahydrofuran freies Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
i) Paroxetin-Hydrochlorid-Tetrahydrofuran-Solvat
10,26 g der freien Base Paroxetin wurden in 35 ml trockenem Tetra
hydrofuran gelöst, und eine Lösung von 1,3 g Chlorwasserstoffgas in
15 ml trockenem Tetrahydrofuran wurde unter kräftigem Rühren zugegeben.
Nach einer kurzen Zeitdauer, während die Lösung klar blieb, begann eine
schnelle Kristallisation, so daß das Gemisch innerhalb weniger Minuten
nicht mehr rührbar wurde. Nach einer weiteren halben Stunde wurde das
Produkt durch Filtration aufgenommen und bei Umgebungstemperatur in
einem Vakuumexsikkator mit Phosphorpentoxid getrocknet.
Gewicht des Produkts: 12,31 g. Tetrahydrofurangehalt (durch NMR
geschätzt): 11,4% Gew./Gew. Das Infrarotspektrum zeigte eine charakte
ristische Bande des Solvats bei 667 cm-1.
Eine kleine Probe wurde in einen auf 50°C eingestellten Vakuumofen
gegeben und über das Wochenende getrocknet. Die NMR-Analyse des entstan
denen Produkts zeigte die Gegenwart von 1,3% Gew./Gew. Tetrahydrofuran.
ii) Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
Eine Probe von 5,0 g Tetrahydrofuran-Solvat mit 11,4% Tetrahydro
furan wurde 10 Minuten in 20 ml Wasser gerührt, filtriert und in einem
Vakuumofen bei 50°C getrocknet.
Gewicht des Produkts: 3,79 g. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart
von etwa 0,02% Gew./Gew. Tetrahydrofuran. Das Infrarotspektrum ent
sprach dem Spektrum des Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrats Form A und
zeigte eine charakteristische Bande bei 665 cm-1.
Beispiel 16
Im wesentlichen von gebundenem Propan-2-ol freies Paroxetin-
Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
70 mg Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat (mit 11,6% Pro
pan-2-ol) (Beispiel 2 oder 3) wurden mit einem Kohlendioxidstrom
(3 ml/Minute, 55°C und 2500 psi) behandelt. Nach 30 Minuten war der
Propan-2-olgehalt auf 5,2% erniedrigt und nach insgesamt 120 Minuten
war er weiter auf 0,4% erniedrigt. Die Temperatur wurde anschließend
auf 75°C erhöht, und nach 30 Minuten betrug der Propan-2-olgehalt
0,13%. Nach weiteren 60 Minuten bei 75°C betrug der Propan-2-olgehalt
0,07%.
In einem getrennten Versuch wurden 70 mg Propan-2-ol-Solvat mit
Kohlendioxid (3 ml/Minute, 75°C und 2500 psi) extrahiert. Nach 150 Minu
ten betrug der Propan-2-olgehalt 0,19%.
Dieser Versuch wurde an einer größeren Probe des Solvats mit 350 mg
unter denselben Bedingungen wiederholt, und der Propan-2-olgehalt betrug
nach 150 Minuten 0,16%.
Beispiel 17
Kristallisation von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form C aus 2-Butanon
durch Animpfen
7.0 g Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form C wurden in 40 ml was
serfreiem 2-Butanon zum Sieden erhitzt, und man ließ die Lösung auf ca.
40°C abkühlen. Impfkristalle der Form C wurden zugegeben, und man ließ
das Gemisch unter Rühren auf Raumtemperatur abkühlen. Das Produkt wurde
durch Filtration aufgenommen, mit 20 ml wasserfreiem 2-Butanon gewaschen
und in einem Ofen bei 100°C getrocknet.
Gewicht des getrockneten Produkts: 5,95 g
Schmelzpunkt: 162-163°C.
Das Infrarotspektrum (Nujolsuspension) stimmte mit Paroxetin-Hy
drochlorid-Anhydrat Form C überein.
Beispiel 18
Kristallisation des Paroxetin-Hydrochlorids aus Toluol durch Animpfen
20,0 g Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form C wurden in 200 ml
siedendem Toluol gelöst, und in 4 Erlenmeyerkolben wurden jeweils etwa
50 ml der Lösung gegeben. Jeder Kolben wurde zur Entfernung von Impfkri
stallen erneut zum Sieden erhitzt, wobei man einen Teil des Toluoldamp
fes unter Rückfluß entweichen ließ. Kolben 1 wurde sofort mit einem
Schliffstopfen verschlossen und zum Abkühlen beiseite gestellt. Die
übrigen Kolben wurden mit Folie verschlossen, und man ließ sie etwas
abkühlen, bevor die Impfkristalle wie nachstehend zugegeben wurden:
Kolben 2 wurde mit Paroxetin-Hydrochlorid-Toluol-Solvat angeimpft.
Kolben 3 wurde mit Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form B ange
impft.
Kolben 4 wurde mit Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form C ange
impft.
Die zugegebenen Impfkristalle blieben ungelöst. Die Kolben wurden
mit Schliffstopfen verschlossen, einige Sekunden leicht gerührt, und an
schließend zum Abkühlen beiseite gestellt. Im Kolben 2 wurde eine sehr
schnelle Kristallisation beobachtet, während in den Kolben 3 und 4 die
Kristallisation langsamer stattfand. Zu diesem Zeitpunkt blieb der Kol
ben 1 vollständig klar, und alle 4 Kolben wurden über Nacht bei Raumtem
peratur belassen. Am nächsten Morgen enthielt der Kolben 1 nur wenige
Kristalle, während die Kolben 2, 3 und 4 eine beträchtliche Kristallisa
tion aufwiesen.
Der Kolben 1 wurde mehrere Stunden leicht gerührt, wobei während
dieser Zeit die Hauptmenge des Paroxetin-Hydrochlorids kristallisierte.
Das Produkt aus jedem Kolben wurde durch Filtration aufgenommen
und bei 50°C unter reduziertem Druck getrocknet.
Kolben 1 (nicht angeimpft):
Gewicht des Produkts: 4,25 g
Aussehen: kurze Nadeln/Stäbchen
Infrarotspektrum: übereinstimmend mit Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat Form C
Schmelzpunkt: 161-162°C
Kolben 2 (mit Toluol-Solvat angeimpft):
Gewicht des Produkts: 3,80 g
Aussehen: lange, feine Nadeln
Infrarotspektrum: übereinstimmend mit Paroxetin-Hydrochlorid-
Toluol-Solvat
Lösungsmittelgehalt: 11% Gew./Gew. Toluol durch NMR
Schmelzpunkt: erstes Schmelzen bei etwa 70°C mit nach
folgender Wiederverfestigung und weiteres
Schmelzen bei 161-162°C
Kolben 3 (mit Anhydrat Form B angeimpft):
Gewicht des Produkts: 4,20 g
Aussehen: Nadeln
Infrarotspektrum: übereinstimmend mit Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat Form B
Lösungsmittelgehalt: 0,8% Gew./Gew. Toluol durch NMR
Schmelzpunkt: 138-140°C
Kolben 4 (mit Anhydrat Form C angeimpft):
Gewicht des Produkts: 4,93 g
Aussehen: Nadeln
Infrarotspektrum: übereinstimmend mit Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat Form C
Lösungsmittelgehalt: 0,8% Gew./Gew. Toluol durch NMR
Schmelzpunkt: 161-162°C
Beispiel 19
Kristallines, im wesentlichen von gebundenem Propan-2-ol freies
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A)
1 g Paroxetin-Hydrochlorid-Propan-2-ol-Solvat mit 2,6% Propan-2-
ol, das in einem Vakuumofen getrocknet wurde, wurde in ein Glasrohr ge
geben. Das Rohr wurde in ein auf 50°C eingestelltes Wasserbad getaucht,
und bei einer Temperatur von 40°C mit Wasserdampf gesättigter, gasförmi
ger Stickstoff wurde durch die Probe geleitet. Nach 10 Stunden wurde
eine kleine Probe entfernt und durch NMR analysiert, das zeigte, daß die
Konzentration von Propan-2-ol auf 2,0% gesunken war. Die Temperatur des
das Rohr umgebenden Wasserbades wurde auf 80°C erhöht, und die Tempera
tur, bei der das durch die Probe geleitete Gas gesättigt war, wurde auf
70°C erhöht. Nach 10 Stunden wurde aus dem Rohrinhalt erneut eine Probe
entnommen und durch NMR analysiert, das zeigte, daß die Propan-2-ol-Kon
zentration weiter auf 1,0% gefallen war.
Beispiel 20
Im wesentlichen von gebundenem Aceton freies Paroxetin-Hydrochlorid-
Anhydrat (Form A)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Aceton-Solvat
Eine Suspension von 5,0 g Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form C
(Prismen) in 75 ml Aceton wurde zum Sieden erhitzt, wobei sich eine Men
ge feiner Nadeln ergab. Der Kolben wurde verschlossen, und man ließ ihn
über Nacht bei Raumtemperatur stehen. Das Lösungsmittel wurde bei nied
riger Temperatur unter Verwendung eines Rotationsverdampfers entfernt
und durch 100 ml Hexan ersetzt. Das Lösungsmittel wurde erneut bei nied
riger Temperatur entfernt, wobei sich das Aceton-Solvat als kristalliner
Rückstand ergab. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von 12,2 Gew.-%
Aceton, und das IR-Spektrum (Nujolsuspension) zeigte charakteristische
Bande bei 667 und 1714 cm-1.
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form A) aus dem
Aceton-Solvat
5.3 g Paroxetin-Hydrochlorid Form C wurden durch ein ähnliches
Verfahren wie das vorstehend beschriebene in das Aceton-Solvat umgewan
delt. 50 ml Wasser wurden zugegeben, und die entstandene Suspension wur
de 10 Minuten leicht geschüttelt. Der weiße Feststoff wurde durch Fil
tration aufgenommen, sorgfältig abgesaugt und in einem Vakuumofen bei
50°C getrocknet.
Ausbeute: 4,60 g. Acetongehalt (NMR): 0,1 Gew.-%. Das IR-Spektrum
(Nujolsuspension) stimmte mit dem einer Standardprobe von Paroxetin-Hy
drochlorid-Anhydrat Form A überein.
Beispiel 21
Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat (Form D)
i) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Toluol-Solvat
Eine wasserfreie Lösung von Paroxetin-Hydrochlorid in Toluol wurde
durch das Refluxieren eines Gemisches aus Paroxetin-Hydrochlorid-Hemihy
drat und Toluol in einem Dean-und-Stark-Apparat hergestellt, bis kein
Wasser mehr aufgefangen werden konnte. Man ließ die Lösung abkühlen und
impfte mit Paroxetin-Hydrochlorid-Toluol-Solvat an. Das Produkt wurde
durch Filtration aufgenommen, mit Toluol gewaschen und in einem Vakuum
ofen bei 50°C getrocknet. Die NMR-Analyse zeigte die Gegenwart von
18 Gew.-% Toluol. Das Infrarotspektrum, das bei 22°C unter Verwendung
eines Perkin-Elmer 1720X FT-IR-Spektrometers, das mit einem Spectra-Tech
IR-Plan-Mikroskop verbunden war, aufgenommen wurde, ist in den Fig.
10A und 10B gezeigt.
ii) Herstellung von Paroxetin-Hydrochlorid-Anhydrat Form D
Eine kleine Probe von Paroxetin-Hydrochlorid-Toluol-Solvat (To
luolgehalt: 18% Gew./Gew.) wurde auf 80°C erhitzt und das erzeugte
Paroxetin-Hydrochlprid-Anhydrat Form D wurde durch Infrarotmikrospektro
metrie unter Verwendung eines Perkin-Elmer 1720X FT-IR-Spektrometers,
das mit einem Spectra-Tech IR-Plan-Mikroskop verbunden war, untersucht.
Das entstandene Infrarotspektrum ist in den Fig. 11A und 11B gezeigt.