Verfahren zur Herstellung von 2-Brom-3-halogen-propen-i
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von 2,3-Dibrom-propen-1 und von 2-Brom-3-chlor-propen-1, welche beide Produkte in der nachfolgenden Beschreibung und den Ansprüchen als 2-Brom-3-halogen-propen-1 bezeichnet sind.
Es wurde festgestellt, dass man 2-Brom-3-halogenpropen-1 in guter Ausbeute erhält, wenn man Allen (CH2=C=CH2) entweder mit Brom oder mit einer Mischung von Brom und Chlor in Gegenwart eines inerten Lösungsmittels zur Umsetzung bringt. Verwendet man Brom, so bildet sich 2,3-Dibrom-propen-1 (CH2=CBr-CH2Br), während bei der Verwendung einer Mischung von Brom und Chlor 2-Brom-3-chlor-propen-1 (CH2 =CBr-CH2CI) gebildet wird.
Als inertes Lösungsmittel kommt ein Lösungsmittel in Frage, welches unter den Reaktionsbedingungen weder mit den Reaktionspartnern noch mit den Reaktionsprodukten merklich reagiert. Als Beispiele solcher Lösungsmittel kommen Chloroform und Tetrachlorkohlenstoff in Frage.
Die 2-Brom-3-halogen-propene-1 stellen wertvolle Verbindungen, beispielsweise als Nematocid, dar.
Arbeitet man in einem verdünnten System in Eisessig, so tritt die Reaktion des Allens mit Brom lediglich an einer der beiden Doppelbindungen des Allens ein, wobei man 2,3-Dibrom-propen-1 erhält.
Beispiel 1
Allen (CH2=C=CH.2) wird so lange in einer Menge von 20 cm3 pro Minute in eine Lösung von 4 cm3 Brom in 800 cm3 Eisessig bei Zimmertemperatur eingeführt, bis die Lösung farblos geworden ist. Dann wird die weitere Zufuhr von Allen unterbrochen und Stickstoff durch das Reaktionsgemisch geleitet, um einen eventuellen Überschuss an Allen zu entfernen. Das Reaktionsgemisch wird hierauf in 1600 cm3 Eiswasser gegossen, worauf man 600 cm3 Äther zusetzt und unter Kühlen mit Eis das Neutralisieren des Gemisches mittels wässriger Natronlauge (20 /eig) vornimmt. Die ätherische Schicht wird abgetrennt, über wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet und fraktioniert.
Die Ausbeute an 2,3-Dibrom-propen-1 beträgt etwa 60-80 /o, bezogen auf die ursprünglich vorhandene Brommenge. Der Siedepunkt liegt bei 67-70 C bei 60 mm Hg, während der Bromgehalt 77,7 /o ausmacht. Durch Infrarotanalyse kann man feststellen, dass es sich tatsächlich um 2,3-Dibrom-propen-1 handelt.
Beim Arbeiten gemäss diesem Beispiel stellt man fest, dass weder im Reaktionsgemisch noch im Endprodukt Tetrabrom-propan vorhanden ist.
Die Mischung von Eisessig und gebildetem 2,3 Dibrom-propen-1 kann durch fraktionierte Destillation getrennt werden.
Verwendet man andere inerte Lösungsmittel, so kann bei der Umsetzung zwischen Brom und Allen Tetrabrom-propan (CH2Br-CBr2-CH2Br) entstehen.
Beispiel 2
Allen wird in 75 cm3 CHCl3 gelöst, worauf man in 125 cm3 CHCl3 gelöstes Brom im Dunkeln innerhalb von 3 Stunden in diese Lösung einrührt, worauf man noch während einer weiteren Stunde rührt, dann das Reaktionsgemisch mit einer wässrigen Natriumbicarbonatlösung (5 Obig) und hierauf mit Wasser schüttelt und schliesslich über wasserfreiem Natriumsulfat trocknet, worauf man das Chloroform durch Destillation entfernt und den Rückstand fraktioniert.
Auf diese Weise gelangt man zu den in der Tabelle I wiedergegebenen Werten. Beim ersten, zweiten und fünften Versuch beträgt die Temperatur -170C, beim dritten Versuch 20 C und im vierten Versuch 30 C. Aus diescr Tabelle ist ersichtlich, dass es ohne weiteres möglich ist, Dibrom-propen-1 in reiner Form oder praktisch zur Hauptsache zu erhalten.
Die Dibromverbindung wird mit Di-BP und das Tetrabrompropan durch Tetra-BP bezeichnet.
Tabelle I
C3H4 Bromzusatz Mol-Verhältnis Fraktion Nr. Ausbeute % Mol-Verhältnis in cm3 in g Br2:C3H4 Di-BP Tetra-BP Di-BP Tetra-BP Di-BP:Tetra-BP 3357 12 0,5 4 4-a 69 0 100 : 0 2953 21,3 1,0 5 5-a 65 0 100 : 0 3442 24,8 1,0 6 6-a 61 4 97 : 3 2430 17,4 1,0 7 7-a 65 0 100 : 0 3353 48,3 2,0 8 8-a 26 26 50 : 50 Fraktion Nr. 4 = 10,4 g; Sdp. 68-720C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 4-a = 0 Fraktion Nr. 5 = 17,1 g; Sdp. 68-70 C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 5-a = 0 g Fraktion Nr. 6 = 18,9 g; Sdp. 68-720C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 6-a = 1,2 g; Sdp. 123-1400C bei 17 mm Hg Fraktion Nr. 7 = 14,1 g; Sdp. 67-690C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 7-a = 0 g Fraktion Nr. 8 = 8 g;
Sdp. 68-720C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 8-a = 14,5 g; Sdp. 123-133 C bei 17 mm Hg
Verwendet man im obigen Beispiel 2 an Stelle von Chloroform Tetrachlorkohlenstoff unter den gleichen Bedingungen, so erhält man ähnliche Resultate, wie dies aus der folgenden Tabelle II ersichtlich ist.
In sämtlichen Fällen beträgt die Reaktionstemperatur -17 C.
Tabelle II C3H4 Bromzusatz Mol-Verhältnis Fraktion Nr. Ausbeute % Mol-Verhältnis in Mol in Mol Br2: C3H4 Di-BP Tetra-BP Di-BP Tetra-BP Di-BP : Tetra-BP
0,15 0,075 0,5 9 9-a 77 0 100: 0
0,15 0,15 1,0 10 10-a 47 9 85 : 15
0,10 0,20 2,0 11 11-a 47,6 17 74:26
Bei den beiden ersten Versuchen bezieht sich die Ausbeute auf die Gesamtmenge an zugesetztem Brom. Im letzten Versuch aber auf C3H4.
Fraktion Nr. 9 = 11,8 g; Sdp. 68-690C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 9-a = 0 g Fraktion Nr. 10 = 14,5 g; Sdp. 68 C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 10-a = 5,0 g; Sdp. 124-128 C bei 17 mm Hg Fraktion Nr. 11 = 10 g; Sdp. 68-70'} C bei 60 mm Hg Fraktion Nr. 11-a = 7,3 g; Sdp. 126-140 C bei 17 mm Hg 2,3-Dibrom-propen- 1 kann als Nematocid verwendet werden.
Verwendet man an Stelle von Chloroform Methylenchlorid als Lösungsmittel bei - 17 C und 1 Mol Brom pro 1 Mol Allen, so stellt man ein Molverhältnis von Di-BP : Tetra-BP von 93 : 7 fest.
Wie bereits oben erwähnt, erhält man 2-Brom-3chlor-propen-1, wenn man Allen mit einer Mischung von Chlor und Brom in Gegenwart eines inerten Lösungsmittels zur Umsetzung bringt.
Dabei erzielt man die besten Resultate, wenn man im wesentlichen äquimolekulare Mengen Chlor und Brom verwendet.
Beispiel 3
19,5 g Brom (0,12 Mol) werden in eine Lösung von 8,7 g Chlor (0,12 Mol) in 243 g Tetrachlorkohlenstoff eingeführt. Diese Lösung wird dann langsam und tropfenweise im Dunkeln in einer Stickstoffatmosphäre in eine Lösung von 5470 cm3 (0,245 Mol) Allen in 350 g Tetrachlorkohlenstoff bei-300 C eingeführt. Das Gemisch wird während einer Stunde bei dieser Temperatur und hierauf während weiteren 2 Stunden bei + 200C gehalten. Hierauf wird das Reaktionsgemisch mit einer 5 obigen wässrigen Natriumbicarbonatlösung und alsdann mit Wasser geschüttelt und schliesslich über wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet.
Das Lösungsmittel wird durch Destillation entfernt und das Produkt weiter destilliert, wobei man 4 Fraktionen erhält, wie dies aus der Tabelle III ersichtlich ist.
Tabelle III
Fraktion Gew. ing Sdp. in C n2r0
1 0,4 65-92 1,4739
2 2,6 92-113 1,4951
3 14,4 113-114 1,4992
4 7,4 38-99/11 mm Hg
Die dritte Fraktion besteht im wesentlichen aus 2-Brom-3-chlor-propen-1, wie dies durch chemische Analyse, durch den Siedepunkt und durch Infrarotspektrographie feststellbar ist. In der Tat erhält man die gleichen Werte wie jene, welche man bei einer Kontrollprobe mit 2-Brom-3 -chlor-propen- 1 erzielt.
Die Fraktion 2 enthält vermutlich 2,3-Dichlorpropen, während die Fraktion 4 vermutlich Tetrahalogenierungsprodukte enthält.
Die Ausbeute an 2-Brom-3-chlor-propen-1 beträgt 41 O/c, bezogen auf das verbrauchte Allen. Man kann diese Ausbeute noch steigern, wenn man in bezug auf die Allenmenge die verwendete Halogenmenge verringert.
Diese Fraktionen können durch Infrarotspektrographie, durch Bestimmung des Halogengehaltes und durch den Refraktionsindex identifiziert werden. Eine im wesentlichen lediglich 2,3-Dibrom-propen-l enthaltende, typische Fraktion besitzt einen Dibromgehalt von 79,1 (Theorie = 80) und ein n2r > 0 = 1,5378.
Eine im wesentlichen lediglich aus Tetrabrom-propan bestehende, typische Fraktion besitzt einen Bromgehalt von 88,60 (Theorie = 88,89) und ein nD20 = 1,6158.
Wiederholt man das Verfahren gemäss Beispiel 3 unter Verwendung von Eisessig an Stelle von Tetrachlorkohlenstoff als Lösungsmittel, so gelangt man zu einer starken Bildung von 2-Brom-3-acetoxypropen-l, wogegen 2-Brom-3-chlor-propen-1 nicht in messbaren Mengen feststellbar ist. Eine mögliche Begründung dieses Verhaltens wird nachstehend ausgeführt.
Es wird angenommen, dass folgendes Reaktionsschema sich abspielt. Die chemische Struktur des Allens ist die folgende: (1) CH2 = (2) C = (3) CH2 wobei die zwischen Klammern gesetzten Zahlen die Nummerierung der Kohlenstoffatome angeben.
In Gegenwart von Brom findet an einer der Doppelbindungen, z. B. an der zwischen den Kohlenstoffatomen (2) und (3) befindlichen Doppelbindung, eine Bromierung statt. Diese Bromanlagerung beginnt mit der primären Addition eines positiven Bromions:
EMI3.1
Die Struktur (A) kann als Bromoniumion bezeichnet werden. Diese Struktur (A) trachtet darnach, stabilisiert zu werden.
Falls man ein inertes Lösungsmittel verwendet und Brom das einzige Halogenierungsmittel darstellt, findet diese Stabilisierung dadurch statt, dass ein negatives Bromion einverleibt wird: (A) + Br- CH2= CBr-CH2Br wobei 2,3-Dibrom-propen-l gebildet wird.
Verwendet man ein inertes Lösungsmittel und eine Mischung von Brom und Chlor, so dürfte eine solche Mischung in gleicher Weise reagieren, wie wenn die Verbindung Br+Cl- vorliegen würde, so dass demzufolge diese Stabilisierung durch Einverleiben eines negativen Chlorions nach folgender Gleichung stattfindet: (A) + Cl- -t CH2--CBr-CWCl was zur Bildung von 2-Brom-3-chlor-propen-1 führt.
Die obigen Beispiele zeigen, dass ein Lösungsmittel, wie z. B. Eisessig, sich inert verhält, wenn die Halogenierung mit Brom durchgeführt wird. Findet aber die Halogenierung mit Hilfe einer Mischung von Brom und Chlor (das heisst mit Br+Cl-) statt, so bildet sich nicht 2-Brom-3-chlor-propen-1, sondern 2-Brom-3-acetoxy-propen-1. Dies dürfte dem Umstande zuzuschreiben sein, dass negative Chlorionen ausgesprochen weniger nucleophil sind als Acetoxyionen, so dass (A) in folgender Weise stabilisiert wird: (A) + CH3COO- - > CH2=CBr-CH2OOCH3
Auf diese Weise gelangt man zur Bildung von 2-Brom-3-acetoxy-propen-1. In diesem Falle wirkt Eisessig nicht als inertes Lösungsmittel.
Der Umstand, dass bei blosser Verwendung von Brom und Eisessig als Lösungsmittel kein 2-Brom-3acetoxy-propen-l gebildet wird, sondern 2,3-Dibrom propen-l erzeugt wird, beweist, dass das negative Bromion stärker nucleophil ist als das Acetoxyion.
Wie aus den Beispielen und den obigen Tabellen hervorgeht, findet zu Anfang der Halogenierung ein Angriff auf nur eine der beiden Doppelbindungen des Allens statt, wobei bei Anwendung von gewissen Lösungsmitteln und unter gewissen Bedingungen die Addition von Brom in diesem Zeitpunkte unterbrochen wird. Bei Anwendung wiederum von anderen Lösungsmitteln, wie z. B. Äther, findet eine zweite Addition an der zweiten Doppelbindung des Allens statt, wodurch Tetrabrom-propan erzeugt wird, doch kann man auch diese zweite Anlagerung in merklichem Ausmass durch Variieren des Verhältnisses von Brom zu Allen unterdrücken.
Beispiele dieser letzteren Art von inerten Lösungsmitteln sind Äther, Benzol, Dioxan, Äthylacetat und Schwefelkohlenstoff. Verwendet man diese Lösungsmittel in einem anfänglichen Mengenverhältnis von
1 Mol Brom pro Mol Allen und führt man die Bromierung bei 20"C im Dunkeln aus, so findet man im Endgemisch etwa 3 bis 4 Mol 2,3-Dibrompropen-1 pro Mol Tetrabrom-propan. Durch Erhöhung der Allenmenge auf etwa 2 Mol pro Mol Brom wird die Bildung der Tetrabromverbindung zu Gunsten der Bildung der Dibromverbindung unterdrückt.
Verwendet man Äther als Lösungsmittel und eine Menge von 2 Mol Allen pro Mol Brom und führt die Bromierung im Dunkeln bei Oo C durch, so führt diese zur Bildung der Dibromverbindung in einem Molverhältnis von etwa 9 Mol pro Mol Tetrabromverbindung.
Bei Verwendung von halogenierten Kohlenwasserstoffen, wie z. B. Tetrachlorkohlenstoff, Chloroform und Methylenchlorid (CH2Cl2), ist die Bildung der Dibromverbindung wesentlich ausgeprägter als die Bildung der Tetrabromverbindung und dies auch dann, wenn ein Überschuss an Brom verwendet wird.
Im allgemeinen erzielt man bessere Resultate bei niedrigeren Reaktionstemperaturen. So bildet sich beispielsweise mit Methylenchlorid als Lösungsmittel bei + 20" C eher eine reichliche Menge an Tetrabrompropan.
Man wird vorzugsweise ein Lösungsmittel verwenden, welches bei einem speziellen Druck einen Siedepunkt aufweist, welcher vom Siedepunkt des 2-Brom-3-halogen-propen-1 wesentlich abweicht, weil man in einem solchen Falle die gewünschte Verbindung leicht durch fraktionierte Destillation vom Lösungsmittel trennen kann.
Das Reaktionsprodukt kann auch aus einem mit Wasser mischbaren, inerten Lösungsmittel dadurch abgetrennt werden, dass man dem Reaktionsgemisch eine Substanz, welche das Reaktionsprodukt ausfällt, wie z. B. Wasser, zusetzt. Für den Fachmann ist es klar, dass auch andere Trennmethoden möglich sind.
Die in den Beispielen und in den Tabellen angegebenen Versuche sind Laboratoriumsversuche. Die Ausbeuten sind, wo nichts anderes erwähnt ist, auf Grund des Anfangsgehaltes an Brom berechnet worden. Die Ausbeuten erreichen nicht den Wert 100, weil stets etwas Brom, teilweise in Form von nicht identifizierten Produkten verlorengeht. Es darf angenommen werden, dass sich die Ausbeuten wesentlich verbessern, wenn man das Verfahren in grossem Massstabe durchführt, weil die in solchen Fällen während der Trennoperation entstandenen Einbussen auf die Ausbeute lediglich eine kleine Wirkung haben.