Verwendung von oligo-N,N-Bis-(3-aminopropyl)methylamin als Härter für Epoxidharze
Beschreibung Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von oligo-N,N-Bis-(3-aminopropyl)methyla- min (polyBAPMA) als Härter für Epoxidharze, sowie eine härtbare Zusammensetzung, die ein oder mehrere Epoxidharze und polyBAPMA umfasst. Die Erfindung betrifft weiter die Härtung der härtbaren Zusammensetzung sowie das durch Härtung der härtbaren Zusammensetzung erhaltene gehärtete Epoxidharz.
Epoxidharze sind allgemein bekannt und werden aufgrund ihrer Zähigkeit, Flexibilität, Haftung und chemischen Beständigkeit als Materialien zur Oberflächenbeschichtung, als Klebstoffe und zum Formen und Laminieren verwendet. Insbesondere zur Herstellung von kohlenstofffaserverstärkten oder glasfaserverstärkten Verbundmaterialen werden Epoxidharze verwendet.
Epoxidmaterialien gehören zu den Polyethern und können zum Beispiel durch Kondensation von Epichlorhydrin mit einem Diol, bspw. einem aromatischen Diol wie Bisphenol A hergestellt werden. Diese Epoxidharze werden anschließend durch Reaktion mit einem Härter, typischer Weise einem Polyamin, gehärtet.
Ausgehend von Epoxidverbindungen mit mindestens zwei Epoxidgruppen kann beispielsweise mit einer Aminoverbindung mit zwei Aminogruppen eine Härtung durch eine Polyadditionsreak- tion (Kettenverlängerung) erfolgen. Aminoverbindungen mit hoher Reaktivität werden im Allgemeinen erst kurz vor der gewünschten Härtung zugesetzt. Bei solchen Systemen handelt es sich daher um sogenannte zweikomponentige (2K)-Systeme.
Grundsätzlich werden aminische Härter nach ihrer chemischen Struktur in aliphatische, cyclo- aliphatische oder aromatische Typen eingeteilt. Zusätzlich ist eine Klassifizierung anhand des Substitutionsgrads der Aminogruppe möglich, die entweder primär, sekundär oder auch tertiär sein kann. Für die tertiären Amine wird allerdings ein katalytischer Härtungsmechanismus von Epoxidharzen postuliert, wohingegen für die sekundären und primären Amine jeweils stöchio- metrische Härtungsreaktionen zum Aufbau des Polymernetzwerks zugrunde gelegt werden.
Im Allgemeinen ist gezeigt worden, dass innerhalb der primären Amin-Härter die aliphatischen Amine die höchste Reaktivität in der Epoxidhärtung zeigen. Etwas langsamer reagieren üblicherweise die cycloaliphatischen Amine, wohingegen die aromatischen Amine (Amine, bei denen die Aminogruppen direkt an einem C-Atom des aromatischen Rings gebunden sind) mit Abstand die geringste Reaktivität aufzeigen. Diese bekannten Reaktivitätsunterschiede werden bei der Aushärtung von Epoxidharzen genutzt, um die Verarbeitungszeit und die mechanischen Eigenschaften der ausgehärteten Epoxidharze bedarfsgerecht einstellen zu können.
Für schnellaushärtende Systeme mit Härtungszeiten von bspw. < 10 min wie z.B. Klebstoffe, Bodenbeschichtungen und bestimmte res/n transfer molding (RTM) Anwendungen werden häufig kurzkettige aliphatische Amine eingesetzt, wohingegen bei der Herstellung von großflächigen Verbundmaterialien eine längere Topfzeit {pot life) gefordert ist, um die Form gleichmäßig füllen und eine ausreichende Imprägnierung der Verstärkungsfasern gewährleisten zu können. Hier kommen vorwiegend cycloaliphatische Amine wie zum Beispiel Isophorondiamin (IPDA), 4,4'-Diaminodicyclohexylmethan (Dicykan), 3,3'-Dimethyl-4,4'-diamino-dicyclohexylmethane (Di- methyldicykan), hydriertes Bisanilin A (2,2-Di(4-aminocyclohexyl)propan), hydrierte Toluoldia- mine (wie bspw. 2,4-Diamino-1-methyl-cyclohexan oder 2,6-Diamino-1-methyl-cyclohexan), 1 ,3- Bis(aminomethyl)cyclohexan (1 ,3-BAC) zum Einsatz. Noch längere Aushärtungszeiten könnten durch den Einsatz von aromatischen Polyaminen wie beispielsweise Phenylendiamine (ortho, meta oder para), Bisanilin A, Toluoldiamine (bspw. 2,4-Toluoldiamin oder 2,6-Toluoldiamin), Di- aminodiphenylmethan (DDM), Diaminodiphenylsulfon (DDS), 2,4-Diamino-3,5-diethyltoluol oder 2,6-Diamino-3,5-diethyltoluol (DETDA 80) erreicht werden.
Insbesondere für die Anwendung bei Bodenbeschichtungen werden Härter benötigt, die mit Epoxidharz bereits bei Raumtemperatur schnell aushärten ohne eine zu hohe Anfangsviskosität aufzuweisen, und die Beschichtungen mit günstigen mechanischen Eigenschaften bewirken. Vorzugsweise erreichen die Beschichtungen bereits binnen weniger Stunden Frühwasserbeständigkeit.
Typischerweise werden für diese Anwendungen Härter wie Triethylentetramin (TETA) oder das Polyetheramin D-230 (difunktionelles, primäres Polyetheramin auf der Basis von Polypropylen- glykol mit einer mittleren Molmasse von 230; D230) verwendet. Nachteilig bei diesen Härtern ist insbesondere deren vergleichsweise hohe Flüchtigkeit, durch die es während der Verarbeitung und im Falle einer nicht vollständigen Reaktion mit dem Epoxidharz auch noch später zu Beeinträchtigungen kommen kann.
Wünschenswert wären aminische Härter für Epoxidharze mit ebenso günstigen Eigenschaften wir TETA oder D230 aber mit einer geringeren Flüchtigkeit.
Als der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe kann daher erachtet werden die Bereitstellung eines schnell härtenden aminischen Härters für Epoxidharze, der eine vergleichsweise geringe Anfangsviskosität für die härtbare Epoxidharz-Zusammensetzung und gute strukturelle Eigenschaften (wie bspw. die Glasübergangstemperatur (Tg), Flexibilität, Bruchfestigkeit und Shore- D-Härte) für das gehärtete Epoxidharz ermöglicht und gleichzeitig eine vergleichsweise geringe Flüchtigkeit aufweist. Vorzugsweise sollte ein solcher Härter auch binnen einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne Frühwasserbeständigkeit des aushärtenden Epoxidharzes bewirken.
Entsprechend betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung von oligo-N,N-Bis-(3-aminopro- pyl)methylamin (polyBAPMA) als Härter für Epoxidharze, sowie eine härtbare Zusammensetzung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie eine Harzkomponente und eine Härterkomponente umfasst, wobei die Harzkomponente ein oder mehrere Epoxidharze umfasst und die Här- terkomponente polyBAPMA umfasst.
Erfindungsgemäßes polyBAPMA weist im Durchschnitt mindestens 9 N-Atome in Form von primären, sekundären oder tertiären Aminogruppen pro Molekül auf. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung betrifft der Begriff polyBAPMA vorzugsweise Homopoly- mere aus N,N-Bis-(3-aminopropyl)methylamin (BAPMA) Einheiten (-NH-CH2-CH2-CH2-N(CH3)- CH2-CH2-CH2-NH-), wobei die BAPMA-interne N-gebundene Methylgruppe (herstellungsbedingt) bei einem Anteil von maximal 10%, vorzugsweise maximal 5%, besonders bevorzugt maximal 1 % dieser Gruppen freigesetzt oder auf andere sekundäre oder primäre Aminogruppen des Polymers übertragen sein kann. Bei dem erfindungsgemäßen polyBAPMA kann es sich auch um Heteropolymere handeln, die neben den BAPMA-Einheiten auch andere Alkylendia- min-Strukturelemente wie bspw. -NH-CH2-CH2-NH-, -NH-(CH2)4-NH-, -NH-(CH2)6-NH- oder -NH- (CH2)8-NH- Strukturelemente aufweisen, wobei die BAPMA-Einheiten in solchen Heteropolyme- ren die Majorität des molaren Anteils ausmachen, vorzugsweise mindestens 60 mol-%, insbe- sondere mindestens 70 mol-% bezogen auf alle Alkylendiamin Strukturelemente.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA kann linear oder verzweigt sein, wobei durch die Verzweigung eine tertiäre Aminogruppe gebildet wird. Verzweigungen können -CH2-CH2-CH2-N(CH3)- CH2-CH2-CH2-NH2-Gruppen sein, aber auch längere Verzweigungen aus mehreren BAPMA- Einheiten, die selbst wiederum verzweigt sein können. Der Verzweigungsgrad (DB) kann bspw. mittels 13C-NMR oder 15N-NMR Spektroskopie bestimmt werden. Gemäß der Näherung von Frechet ist der Verzweigungsgrad wie folgt bestimmt:
DB
F = (D+T)/(D+T+L), wobei D ("dendritisch") dem Anteil an tertiären Aminogruppen (ungerechnet der Methyl-substitu- ierten tertiären Aminogruppen, die aus der mittleren Aminogruppe des BAPMA resultieren), L ("linerar") dem Anteil an sekundären Aminogruppen und T ("terminal") dem Anteil an primären Aminogruppen entspricht. Diese Näherung bezieht jedoch die fokale Gruppe des verzweigten Polymers nicht mit ein und gilt auch nur für hohe Polymerisierungsgrade. Eine angemessen Beschreibung der Verhältnisse auch im Oligomerenbereich ist anhand der DB-Definition nach Frey möglich. Demnach gilt:
Rahmen der vorliegenden Erfindung werden CH3-Gruppen nicht als Verzweigung erachtet.
Vorzugsweise weist erfindungsgemäßes polyBAPMA keine oder nur wenig Verzweigungen auf, ist also linear oder im Wesentlichen linear. Vorzugsweise hat das erfindungsgemäße polyBAPMA einen DBHF von ^0,3, insbesondere von ^0,1 , ganz besonders bevorzugt von <0,05.
Erfindungsgemäßes polyBAPMA wird vorzugsweise mittels katalytischer poly-Transaminierung von N,N-Bis-(3-aminopropyl)methylamin (BAPMA), ggf. zusammen mit ein oder mehreren weiteren Diamin, hergestellt. Optional können bis zu 40 mol-%, insbesondere bis zu 30 mol-%, des BAPMA ersetzt werden durch ein oder mehrere aliphatische Diamine (weitere Diamine).
Solche weiteren Diamine sind vorzugsweise lineare, verzweigte oder cylische aliphatische Diamine. Beispiele für solche weiteren Diamine sind Ethylendiamin, Butylendiamin (bspw. 1 ,4- Butylendiamin oder 1 ,2-Butylendiamin), Diaminopentan (bspw. 1 ,5-Diaminopentan oder 1 ,2-Di- aminopentan), Diaminohexan (bspw. 1 ,6-Diaminohexan, 1 ,2-Diaminohexan oder 1 ,5-Diamino- 2-methylpentan), Diaminoheptan (bspw. 1 ,7-Diaminoheptan oder 1 ,2-Diaminoheptan), Diami- nooctan (bspw. 1 ,8-Diaminooctan oder 1 ,2-diaminooctan), Diaminononan (bspw. 1 ,9-Diamino- nonan oder 1 ,2-diaminononan), Diaminodecan (bspw. 1 ,10-Diaminodecan oder 1 ,2-Diaminode- can), Diaminoundecan (bspw. 1 ,1 1 -Diaminoundecan oder 1 ,2-Diaminoundecan), Diaminodode- can (bspw. 1 ,12-Diaminododecan oder 1 ,2-Diaminododecan), wobei die entsprechenden α,ω- Diamine ihren 1 ,2-lsomeren gegenüber bevorzugt sind, 3,3'-Dimethyl-4,4'-diaminodicyclohexyl- methan, 4,4'-Diaminodicyclohexylmethan, Isophorondiamin, 2,2-Dimethylpropan-1 ,3-diamin, 4,7,10-Trioxatridecan-1 ,13-diamin, 4,9-Dioxadodecan-1 ,12-diamin, Polyetheramine und 3-(Me- thylamino)propylamin. Bevorzugt sind 1 ,2-Ethylendiamin und 1 ,4-Butandiamin.
Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße polyBAPMA hergestellt mittels katalytischer poly-Transaminierung von BAPMA ohne weitere Diamine. Entsprechend ist in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung das polyBAPMA ein Ho- mopolymer, das allein aus BAPMA-Einheiten (-NH-CH2-CH2-CH2-N(CH3)-CH2-CH2-CH2-NH-) aufgebaut ist, wobei die BAPMA-interne N-gebundene Methylgruppe (herstellungsbedingt) bei einem Anteil von max. 10%, vorzugsweise max. 5%, besonders bevorzugt maximal 1 % dieser Gruppen freigesetzt oder auf andere sekundäre oder primäre Amingruppen des Polymers über- tragen sein kann.
Geeignete Katalysatoren für die poly-Transaminierung von BAPMA und ggf. ein oder mehreren weiteren Diaminen sind insbesondere heterogene Katalysatoren, die ein oder mehrere Übergangsmetalle enthalten ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Fe, Co, Ni, Ru, Rh, Pd, Os, Ir und Pt, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Co, Ni, Ru, Cu und Pd, besonders bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Co, Ni und Cu.
Die poly-Transaminierung von BAPMA ggf. zusammen mit ein oder mehreren weiteren Diaminen kann durchgeführt werden in der Gegenwart von Wasserstoff, beispielsweise unter einem Wasserstoff partiald ruck von 1 bis 400 bar, vorzugsweise von 1 bis 200 bar und insbesondere von 1 bis 100 bar.
Die poly-Transaminierung von BAPMA ggf. zusammen mit ein oder mehreren weiteren Diaminen kann durchgeführt werden bei einer Temperatur in einem Bereich von 50 bis 200°C, vorzugsweise in einem Bereich von 90 bis 180°C, insbesondere in einem Bereich von 120 bis 170°C.
Die poly-Transaminierung von BAPMA ggf. zusammen mit ein oder mehreren weiteren Diaminen kann durchgeführt werden bei einem Druck in einem Bereich von 1 bis 400 bar, vorzugsweise in einem Bereich von 1 bis 200 bar, insbesondere in einem Bereich von 1 bis 100 bar.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise eine Hydroxylzahl von <100 mg KOH/g, besonders bevorzugt von <50 mg KOH/g, ganz besonders bevorzugt von <5 mg KOH/g, insbesondere von <2 mg KOH/g, bestimmt gemäß DIN 53240. Besonders bevorzugt hat das polyBAPMA eine Hydroxylzahl von 0 mg KOH/g bzw. nahezu 0 mg KOH/g, ist also frei bzw. im We- sentlichen frei von Hydroxylgruppen.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise eine Aminzahl für primäre Amine im Bereich von 10 bis 1000 mg KOH/g, vorzugsweise von 20 bis 500 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 30 bis 300 mg KOH/g, ganz besonders bevorzugt von 50 bis 100 mg KOH/g. Die Aminzahl für primäre Amine wird bestimmt gemäß der Norm ASTM D2074-07.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise eine Aminzahl für sekundäre Amine im Bereich von 50 bis 1500 mg KOH/g, vorzugsweise von 100 bis 1000 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 150 bis 600 mg KOH/g. Die Aminzahl für sekundäre Amine wird bestimmt gemäß der Norm ASTM D2074-07.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise eine Aminzahl für tertiäre Amine im Bereich von 50 bis 1500 mg KOH/g, vorzugsweise von 100 bis 1000 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 150 bis 600 mg KOH/g. Die Aminzahl für tertiäre Amine wird bestimmt gemäß der Norm ASTM D2074-07.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise eine Aminzahl für primäre Amine im Bereich von 10 bis 1000 mg KOH/g, vorzugsweise von 20 bis 500 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 30 bis 300 mg KOH/g, ganz besonders bevorzugt von 50 bis 100 mg KOH/g, und eine Aminzahl für sekundäre Amine im Bereich von 50 bis 1500 mg KOH/g, vorzugsweise von 100 bis 1000 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 150 bis 600 mg KOH/g, und eine Aminzahl für
tertiäre Amine im Bereich von 50 bis 1500 mg KOH/g, vorzugsweise von 100 bis 1000 mg KOH/g, besonders bevorzugt von 150 bis 600 mg KOH/g. Die Aminzahl für primäre, sekundäre und tertiäre Amine wird bestimmt gemäß der Norm ASTM D2074-07. Das erfindungsgemäße polyBAPMA weist für die tertiären Aminogruppen vorzugsweise einen Anteil im Bereich von 30 bis 70 mol-%, bevorzugt von 40 bis 60 mol-% bezogen auf die Gesamtmenge an Stickstoff in dem polyBAPMA auf.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise ein zahlenmittleres Molekulargewicht Mn in einem Bereich von 400 bis 5000 g/mol, besonders bevorzugt in einem Bereich von 600 bis 3000 g/mol, ganz besonders bevorzugt in einem Bereich von 800 bis 2000 g/mol, bestimmbar mittels Größenausschlusschromatographie. Vorzugsweise weist das polyBAPMA eine molare Massenverteilung Mw/Mn (Polydispersitätsindex (PDI), wobei Mw das gewichtsmittlere Molekulargewicht ist) in einem Bereich von 1 ,1 bis 20, besonders bevorzugt in einem Bereich von 1 ,1 bis 10, insbesondere von 1 ,2 bis 5 auf.
Das erfindungsgemäße polyBAPMA hat vorzugsweise einen Dampfdruck bei 25°C von maximal 0,1 Pa, besonders bevorzugt von maximal 0,02 Pa, insbesondere von maximal 0,005 Pa. Es hat damit eine deutlich geringere Flüchtigkeit als vergleichbare Härter wie bspw. TETA.
Die erfindungsgemäße härtbare Zusammensetzung kann neben polyBAPMA noch weitere Po- lyamine, insbesondere aliphatische und cycloaliphatische Polyamine, als Bestandteil der Härterkomponente enthalten. Vorzugsweise macht polyBAPMA mindestens 50 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 80 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 90 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmenge der aminischen Härter in der härtbaren Zusammensetzung aus. In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die härtbare Zusammensetzung neben polyBAPMA keine weiteren aminischen Härter. Unter aminischen Härtern sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung Amin mit einer NH-Funktionalität von > 2 zu verstehen (demnach weist bspw. ein primäres Monoamin eine NH-Funktionalität von 2, ein primäres Diamin eine NH-Funktionalität von 4 und ein Amin mit 3 sekundären Aminogruppen eine NH-Funktionalität von 3 auf).
Epoxidharze gemäß dieser Erfindung besitzen 2 bis 10, bevorzugt 2 bis 6, ganz besonders bevorzugt 2 bis 4 und insbesondere 2 Epoxidgruppen. Bei den Epoxidgruppen handelt es sich insbesondere um Glycidylethergruppen, wie sie bei der Umsetzung von Alkoholgruppen mit Epich- lorhydrin entstehen. Bei den Epoxidharzen kann es sich um niedermolekulare Verbindungen, welche im Allgemeinen ein mittleres Molgewicht (Mn) kleiner 1 .000 g/mol haben oder um höhermolekulare Verbindungen (Polymere) handeln. Solche polymeren Epoxidharze haben bevorzugt einen Oligomerisierungsgrad von 2 bis 25, besonders bevorzugt von 2 bis 10 Einheiten. Es kann sich um aliphatische, auch cycloaliphatische Verbindungen oder um Verbindungen mit aromatischen Gruppen handeln. Insbesondere handelt es sich bei den Epoxidharzen um Ver-
bindungen mit zwei aromatischen oder aliphatischen 6-Ringen oder deren Oligomere. Technisch von Bedeutung sind Epoxidharze, die durch Umsetzung des Epichlorhydrins mit Verbindungen, welche mindestens zwei reaktive H-Atome haben, insbesondere mit Polyolen, erhältlich sind. Von besonderer Bedeutung sind Epoxidharze, die durch Umsetzung des Epich- lorhydrins mit Verbindungen, welche mindestens zwei, vorzugsweise zwei Hydroxylgruppen und zwei aromatische oder aliphatische 6-Ringe enthalten, erhältlich sind. Als derartige Verbindungen seien insbesondere Bisphenol A und Bisphenol F, sowie hydriertes Bisphenol A und Bisphenol F genannt - die entsprechenden Epoxidharze sind die Diglycidylether von Bisphenol A oder Bisphenol F, oder hydriertem Bisphenol A oder Bisphenol F. Als Epoxidharz gemäß dieser Erfindung wird üblicherweise Bisphenol-A-diglycidylether (DGEBA) verwendet. Geeignete Epoxidharze gemäß dieser Erfindung sind auch Tetraglycidyl-Methylendianilin (TGMDA) und Trigly- cidylaminophenol oder Gemische davon. In Betracht kommen auch Umsetzungsprodukte des Epichlorhydrins mit anderen Phenolen, z.B. mit Kresolen oder Phenol-aldehyd-Addukten, wie Phenolformaldehydharzen, insbesondere Novolaken. Geeignet sind auch Epoxidharze, welche sich nicht vom Epichlorhydrin ableiten. In Betracht kommen z.B. Epoxidharze, welche Epoxidgruppen durch Umsetzung mit Glycidyl(meth)acrylat) enthalten. Vorzugsweise werden erfindungsgemäß Epoxidharze oder Gemische davon eingesetzt, die bei Raumtemperatur (25°C) flüssig sind. Das Epoxid-Äquivalenzgewicht (EEW) gibt die durchschnittlich Masse des Epoxidharzes in g pro Mol Epoxidgruppe an.
Vorzugsweise besteht die erfindungsgemäße härtbare Zusammensetzung zu mindestens 50 Gew.-% aus Epoxidharz.
Eine besondere Ausführungsform der Erfindung betrifft eine härtbare Zusammensetzung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie eine Harzkomponente und eine Härterkomponente um- fasst, wobei die Harzkomponente ein oder mehrere Epoxidharze und ein oder mehrere Reaktivverdünner umfasst und die Härterkomponente polyBAPMA umfasst.
Reaktivverdünner im Sinne der Erfindung sind Verbindungen, die die Anfangsviskosität der härtbaren Zusammensetzung herabsetzen und im Verlauf der Härtung der härtbaren Zusammensetzung mit dem sich ausbildenden Netzwerk aus Epoxidharz und Härter eine chemische Bindung eingehen. Bevorzugte Reaktivverdünner im Sinne dieser Erfindung sind niedermolekulare organische, vorzugsweise aliphatische Verbindungen mit ein oder mehreren Epoxidgruppen, vorzugsweise mit zwei Epoxidgruppen sowie cyclische Carbonate, insbesondere cyclische Carbonate mit 3 bis 10 C-Atomen, beispielsweise Ethylencarbonat, Propylencarbonat, Butylen- carbonat oder Vinylencarbonat, sein.
Erfindungsgemäße Reaktivverdünner sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Ethylencarbonat, Vinylencarbonat, Propylencarbonat, 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether (HDDE), Glycidylneodecanoat, Glycidylversatat, 2-Ethylhexylgly-
cidylether, Neopentylglykoldiglycidylether, p-tert-Butylglycidether, Butylglycidether, Ce-Cio- Al- kylglycidylether, C12-C14- Alkylglycidylether, Nonylphenylglycidether, p-tert-Butylphenylglyci- dether, Phenylglycidether, o-Cresylglycidether, Polyoxypropylenglycoldiglycidether, Trimethylol- propantriglycidether (TMP), Glycerintriglycidether, Triglycidylparaaminophenol (TGPAP), Divinylbenzyldioxid und Dicyclopentadiendiepoxid. Sie sind besonders bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether
(HDDE), 2-Ethylhexylglycidylether, C8-Cio- Alkylglycidylether, C12-C14- Alkylglycidylether, Neopentylglykoldiglycidylether, p-tert-Butylglycidether, Butylglycidether, Nonylphenylglycidether, p- tert-Butylphenylglycidether, Phenylglycidether, o-Cresylglycidether, Trimethylolpropantriglyci- dether (TMP), Glycerintriglycidether, Divinylbenzyldioxid und Dicyclopentadiendiepoxid. Sie sind insbesondere ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, Ce-do- Alkylmonoglycidylether, C12-C14- Alkylmonoglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether (HDDE), Neopentylglykoldiglycidylether, Trimethylolpropantriglycidether (TMP), Glycerintriglycidether und Dicyclopentadiendiepoxid.
In einer besonderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind die Reaktionsverdünner niedermolekulare organische Verbindungen mit zwei oder mehreren, vorzugsweise mit zwei Epoxidgruppen, bspw. 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether (HDDE), Neopentylglykoldiglycidylether, Polyoxypropylenglycoldiglycidether, Trimethylolpropantriglycidether (TMP), Glycerintriglycidether, Triglycidylparaaminophenol (TGPAP), Divinylbenzyldioxid oder Dicyclopentadiendiepoxid, vorzugsweise 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether (HDDE), Neopentylglykoldiglycidylether, Trimethylolpropantriglycidether (TMP), Glycerintriglycidether, Divinylbenzyldioxid oder Dicyclopentadiendiepoxid, insbesondere 1 ,4-Butandiolbisglycidylether, 1 ,6-Hexandiolbisglycidylether (HDDE), Neopentylglykoldiglycidylether, Tri- methylolpropantriglycidether (TMP), Glycerintriglycidether oder Dicyclopentadiendiepoxid. In einer besonderen Ausführungsform sind die Reaktionsverdünner niedermolekulare aliphatische Verbindungen mit zwei oder mehr, vorzugsweise mit zwei Epoxidgruppen.
In einer besonderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind die Reaktionsverdünner niedermolekulare organische Verbindungen mit einer Epoxidgruppe, bspw.
Glycidylneodecanoat, Glycidylversatat, 2-Ethylhexylglycidylether, p-tert-Butylglycidether, Butylglycidether, Cs-C-io- Alkylglycidylether, C12-C14- Alkylglycidylether, Nonylphenylglycidether, p-tert-Butylphenylglycidether, Phenylglycidether oder o-Cresylglycidether, vorzugsweise 2- Ethylhexylglycidylether, p-tert-Butylglycidether, Butylglycidether, Cs-C-io- Alkylglycidylether, C12- C14- Alkylglycidylether, Nonylphenylglycidether, p-tert-Butylphenylglycidether, Phenylglycidether oder o-Cresylglycidether, insbesondere Ce-Cio- Alkylglycidylether oder C12-C14- Alkylglycidylether. In einer besonderen Ausführungsform sind die Reaktionsverdünner niedermolekulare aliphatische Verbindungen mit einer Epoxidgruppe.
In einer besonderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind die Reaktionsverdünner cyclische Carbonate mit 3 bis 10 C-Atomen, beispielsweise Ethylencarbonat, Propylencarbonat,
Butylencarbonat oder Vinylencarbonat, vorzugsweise Ethylencarbonat, Propylencarbonat oder Vinylencarbonat.
Die erfindungsgemäßen Reaktivverdünner machen vorzugsweise einen Anteil bis 30 Gew.-%, besonders bevorzugt bis 25 Gew.-%, insbesondere von 1 bis 20 Gew.-% bezogen auf die Harzkomponente (Epoxidharz und etwaig eingesetzte Reaktivverdünner) der härtbaren Zusammensetzung aus. Die erfindungsgemäßen Reaktivverdünner machen vorzugsweise einen Anteil bis 25 Gew.-%, besonders bevorzugt bis 20 Gew.-%, insbesondere von 1 bis 15 Gew.-% bezogen auf die gesamte härtbare Zusammensetzung aus.
Vorzugsweise werden bei der erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzung die Verbindungen der Harzkomponente (Epoxidharze inklusive etwaige Reaktivverdünner mit ihren jeweiligen reaktiven Gruppen) und aminische Härter in einem bezogen auf die reaktiven Gruppen der Verbindungen der Harzkomponente (Epoxidgruppen und bspw. etwaige Carbonatgruppen) bzw. die NH-Funktionalität in etwa stöchiometrischen Verhältnis eingesetzt. Besonders geeignete Verhältnisse von reaktiven Gruppen der Verbindungen der Harzkomponente zu NH-Funktionalität sind beispielsweise 1 : 0,8 bis 1 : 1 ,2. Reaktive Gruppen der Verbindungen der Harzkomponente sind solche Gruppen, die unter den Härtungsbedingungen mit den Aminogruppen des Aminohärters oder der Aminohärter chemisch reagieren.
Die erfindungsgemäße härtbare Zusammensetzung kann auch weitere Zusätze wie beispielsweise inerte Verdünner, Härtungsbeschleuniger, Verstärkungsfasern (insbesondere Glass- oder Carbonfasern), Pigmente, Farbstoffe, Füllstoffe, Trennmittel, Zähigkeit erhöhende Agenzien {tougheneή, Fließmittel, schaumhemmende Agenzien (βηί/'-ίοβηΐθή, flammhemmende Agen- zien oder Eindickungsmittel. Solche Zusätze werden üblicherweise in funktioneller Menge zugegeben, also bspw. ein Pigment in einer Menge, die zu der gewünschten Farbe für die Zusammensetzung führt. Üblicherweise enthalten die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen von 0 bis 50 Gew.-%, bevorzugt 0 bis 20 Gew.-%, bspw. 2 bis 20 Gew.-% für die Gesamtheit aller Additive bezogen auf die gesamte härtbare Zusammensetzung. Unter Additive werden im Rahmen dieser Erfindung alle Zusätze zur härtbaren Zusammensetzung verstanden, die weder Epoxid- verbindungen und noch aminischer Härter sind.
Die vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung von polyBAPMA als Härter für Epoxidharze in härtbaren Zusammensetzungen, insbesondere für die Herstellung von Beschichtun- gen, besonders von Bodenbeschichtungen mit Frühwasserbeständigkeit.
Vorzugsweise betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung von polyBAPMA als Härter für Epoxidharze in härtbaren Zusammensetzungen mit einem oder mehreren Reaktivverdünnern.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von gehärteten Epoxidharzen aus der erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzung. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung solcher gehärteter Epoxidharze werden die Komponenten (Epoxidharz, polyBAPMA und gegebenenfalls weitere Komponenten wie beispielsweise Additive) in beliebiger Reihenfolge miteinander in Kontakt gebracht, vermischt und danach bei einer für die Anwendung praktikablen Temperatur gehärtet. Bevorzugt erfolgt die Härtung bei einer Temperatur von mindestens 0°C, besonders bevorzugt von mindestens 10°C.
In einer besonderen Ausführungsform wird das gehärtete Epoxidharz noch einer thermischen Nachbehandlung ausgesetzt, beispielsweise im Rahmen der Härtung oder im Rahmen einer optionalen nachgeschalteten Temperung.
Die Härtung kann bei Normaldruck und bei Temperaturen kleiner 250°C, insbesondere bei Temperaturen kleiner 210°C, vorzugsweise bei Temperaturen kleiner 185°C erfolgen, insbeson- dere in einem Temperaturbereich von 0 bis 210°C, ganz besonders bevorzugt in einem Temperaturbereich von 10 bis 185°C.
Die Härtung erfolgt bspw. in einem Werkzeug bis Formstabilität erreicht ist und das Werkstück aus dem Werkzeug entnommen werden kann. Der sich anschließende Prozess zum Abbau von Eigenspannungen des Werkstücks und/oder zum Vervollständigen der Vernetzung des gehärteten Epoxidharzes wird Tempern genannt. Grundsätzlich ist es auch möglich, den Temperpro- zess auch vor Entnahme des Werkstückes aus dem Werkzeug durchzuführen, etwa zur Vervollständigung der Vernetzung. Der Temperprozess findet üblicherweise bei Temperaturen an der Grenze der Formsteifigkeit statt. Üblicherweise wird bei Temperaturen von 120 bis 220°C, be- vorzugt bei Temperaturen von 150 bis 220°C getempert. Üblicherweise wird das gehärtete
Werkstück für einen Zeitraum von 30 bis 240 min den Temperbedingungen ausgesetzt. Abhängig von den Abmessungen des Werkstücks, können auch längerer Temperzeiten angebracht sein. Weiterer Gegenstand der Erfindung ist das gehärtete Epoxidharz aus der erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzung. Insbesondere ist gehärtetes Epoxidharz, das erhältlich ist, bzw. erhalten wird durch Härtung einer erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzung, ein Gegenstand der Erfindung. Insbesondere ist gehärtetes Epoxidharz, das erhältlich ist, bzw. erhalten wird durch das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von gehärteten Epoxidharzen, ein Gegenstand der Erfindung.
Die erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzungen eignen sich als Beschichtungs- oder Imprägnierungsmittel, als Klebstoff, zur Herstellung von Formkörpern und Verbundmaterialien, oder als Gießmassen zur Einbettung, Anbindung oder Verfestigung von Formkörpern. Sie eig- nen sich insbesondere für die Herstellung von Formkörpern mittels des RTM-Verfahrens. Als
Beschichtungsmittel seien z.B. Lacke und insbesondere Bodenbeschichtungen genannt. Insbesondere können mit den erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzungen kratzfeste Schutzlacke auf beliebigen Substraten, z.B. aus Metall, Kunststoff oder Holzwerkstoffen erhalten werden. Die härtbaren Zusammensetzungen eignen sich auch als Isolierbeschichtungen in elektronischen Anwendungen, z.B. als Isolierbeschichtung für Drähte und Kabel. Genannt sei auch die Verwendung zur Herstellung von Photoresisten. Sie eignen sich auch als Reparaturlack, z.B. auch bei der Ausbesserung von Rohren ohne Demontage der Rohre {eure in place pipe (CIPP) rehabilitation). Sie eignen sich insbesondere zur Versiegelung von Fußböden. Sie eignen sich auch für die Herstellung von Verbundmaterialien.
In Verbundmaterialien (Komposite) sind unterschiedliche Materialien, z.B. Kunststoffe und Verstärkungsmaterialien (bspw. Glasfasern oder Carbonfasern) miteinander verbunden.
Als Herstellverfahren für Verbundmaterialien seien die Härtung von vorimprägnierten Fasern o- der Fasergeweben (z.B. Prepregs) nach Lagerung oder aber die Extrusion, Strangziehen (pu/trusion), Wickeln ( winding) und Infusione- bzw. Injektionsverfahren wie Vakuuminfusion (VARTM), Spritzpressen (res/n transfer molding, RTM) sowie Nasspressverfahren wie BMC (bu/k mold compression) genannt. Weitere Gegenstände der Erfindung betreffen Formkörper aus dem erfindungsgemäßen gehärteten Epoxidharz, Verbundmaterialien, die das erfindungsgemäße gehärtete Epoxidharz enthalten, sowie Fasern, die mit der erfindungsgemäßen härtbaren Zusammensetzung imprägniert sind. Die erfindungsgemäßen Verbundmaterialien enthalten neben dem erfindungsgemäßen gehärteten Epoxidharz vorzugsweise Glas- und/oder Carbonfasern.
Weitere Gegenstände der Erfindung betreffen Beschichtungen, bevorzugt Bodenbeschichtungen aus dem erfindungsgemäßen gehärteten Epoxidharz. Insbesondere handelt es sich dabei um frühwasserbeständige Beschichtungen. Die Glasübergangstemperatur (Tg) kann mittels Dynamisch-Mechanischer Analyse (DMA), beispielsweise gemäß der Norm DIN EN ISO 6721 , oder mit einem Differential Kalorimeter (DSC), beispielsweise gemäß der Norm DIN 53765, bestimmt werden. Bei der DMA wird ein rechteckiger Probekörper mit einer erzwungenen Frequenz und vorgegebener Deformation auf Torsion belastet. Dabei wird die Temperatur mit einer definierten Rampe gesteigert und Speicher- und Verlustmodul in festen Zeitintervallen aufgezeichnet. Ersterer stellt die Steifigkeit eines viskoelastischen Werkstoffs dar. Letzterer ist proportional zur im Material dissipierten Arbeit. Die Phasenverschiebung zwischen der dynamischen Spannung und der dynamischen Verformung wird durch den Phasenwinkel δ gekennzeichnet. Die Glasübergangstemperatur kann durch unterschiedliche Methoden bestimmt werden: Als Maximum der tan δ Kurve, als Maximum des Verlustmoduls oder mittels Tangentenmethode am Speichermodul. Bei Bestimmung der Glasübergangstemperatur unter Verwendung eines Differential Kalorimeters wird eine sehr kleine
Probenmenge (ca. 10 mg) in einem Aluminiumtiegel erwärmt und der Wärmestrom zu einem Referenztiegel gemessen. Dieser Zyklus wird dreimal wiederholt. Die Bestimmung des Glasübergangs erfolgt als Mittelwert aus der zweiten und dritten Messung. Die Auswertung der Tg- Stufe der Wärmestromkurve kann über den Wendepunkt, nach der halben Breite oder dem Ver- fahren der Mittelpunktstemperatur bestimmt werden.
Unter dem Begriff Topfzeit ist eine Kenngröße zu verstehen, die üblicherweise benutzt wird, um die Reaktivität verschiedener Harz/Härter- und/oder Harz/Härtermischungs-Kombinationen zu vergleichen. Die Messung der Topfzeit ist eine Methode zur Charakterisierung der Reaktivität von Laminiersystemen mittels einer Temperaturmessung. Je nach Anwendung haben sich Abweichungen von den dort beschriebenen Parametern (Menge, Prüfbedingungen und Messmethode) etabliert. Dabei wird die Topfzeit wie folgt bestimmt: 100 g der härtbaren Zusammensetzung, enthalten Epoxidharz und Härter bzw. Härtergemisch werden in einem Behälter (üblicherweise ein Pappbecher) gefüllt. In diese härtbare Zusammensetzung wird ein Temperaturfühler eingetaucht, der in bestimmten Zeitabständen die Temperatur misst und abspeichert. Sobald diese härtbare Zusammensetzung erstarrt ist, wird die Messung beendet und die Zeit bis zum Erreichen der Maximaltemperatur ermittelt. Für den Fall, dass die Reaktivität einer härtbaren Zusammensetzung zu gering ist, wird diese Messung bei erhöhter Temperatur durchgeführt. Neben der Topfzeit muss auch immer die Prüftemperatur angegeben werden.
Die Gelierzeit gibt nach DIN 16 945 einen Anhaltspunkt über die Zeitspanne zwischen der Zugabe des Härters zum Reaktionsgemisch und des Übergangs der Reaktionsharzmasse vom flüssigen in den Gelzustand. Die Temperatur spielt dabei eine wichtige Rolle, weshalb die Gelierzeit jeweils für eine vorbestimmte Temperatur ermittelt wird. Mit Hilfe dynamisch-mechani- scher Methoden, insbesondere der Rotationsviskosimetrie, können auch kleine Probenmengen quasi-isotherm untersucht und ihr gesamter Viskositäts- bzw. Steifigkeitsverlauf erfasst werden. Nach der Norm ASTM D 4473 ist der Schnittpunkt zwischen dem Speichermodul G' und dem Verlustmodul G", an dem die Dämpfung tan-δ den Wert 1 hat, der Gelpunkt, und die Zeitspanne ab Zugabe des Härters zum Reaktionsgemisch bis zum Erreichen des Gelpunkts ist die Gelier- zeit. Die so bestimmte Gelierzeit kann als Maß für die Aushärtungsgeschwindigkeit angesehen werden.
Die Shore-Härte ist eine Kennzahl für Polymere wie bspw. gehärtete Epoxidharze, die in direkter Beziehung zur Eindringtiefe eines Eindringkörper (Indenter) in den Prüfkörper steht, und ist somit ein Maß für die Härte des Prüfkörpers. Sie wird bspw. entsprechend der Norm DIN ISO 7619-1 bestimmt. Man unterscheidet zwischen den Verfahren Shore A, C und D. Als Indenter wird ein federbelasteter Stift aus gehärtetem Stahl verwendet. Dabei wird der Indenter mit Federkraft in den Prüfkörper gedrückt und die Eindringtiefe stellt ein Maß für die Shore-Härte dar. Während für die Bestimmung der Shore-Härte A und C wird als Indenter ein Kegelstumpf mit einer Stirnfläche von 0,79 mm im Durchmesser und einem Öffnungswinkel von 35° verwendet
wird, benutzt man bei der Shore-Härte D-Prüfung als Indenter ein Kegelstumpf mit einer kugelförmigen Spitze mit einem Radius von 0,1 mm und einem Öffnungswinkel von 30°. Für die Ermittlung der Shore-Härtekennwerte wurde eine Skala eingeführt, die von 0 Shore (2,5 mm Eindringtiefe) bis 100 Shore (0 mm Eindringtiefe) reicht. Dabei entspricht der Skalenwert 0 dem maximal möglichen Eindruck, d.h. der Werkstoff setzt dem Eindringen des Indenters keinen Widerstand entgegen. Dagegen entspricht der Skalenwert 100 einem sehr hohen Widerstand des Werkstoffs gegenüber dem Eindringen und es wird praktisch kein Eindruck erzeugt. Bei der Bestimmung der Shore-Härte spielt die Temperatur eine entscheidende Rolle, so dass die Messungen in einem eingeschränkten Temperaturintervall von 23 °C ± 2 °C normgerecht durchge- führt werden müssen.
Frühwasserbeständigkeit ist die Eigenschaft einer Beschichtung, schon nach kurzer Zeit nach dem Auftragen mit Wasser in Kontakt kommen zu können, ohne dass die Beschichtung Schaden nimmt. Bei Beschichtungen auf Basis von Epoxidharzen und aminischen Härtern handelt es sich dabei insbesondere um Carbamatbildung, die an der Ausbildung von weißen Schlieren oder Krusten auf der Oberfläche der frischen Beschichtung zu erkennen ist.
Die Erfindung wird nun durch die nachfolgenden, nichtlimitierenden Beispiele näher erläutert.
Beispiel 1
Herstellung von oligo-N,N-Bis-(3-aminopropyl)methylamin (polyBAPMA)
Die Polymerisation von N,N-Bis-(3-aminopropyl)methylamin (BAPMA) wurde in einem 0,3 L-Re- aktor (Länge 2,4 m, Durchmesser 1 ,2 cm) aus Edelstahl (1.4571 ) durchgeführt. Der Reaktor war mit 0,38 kg eines Kobalt-Vollkontakt-Katalysators (hergestellt nach EP636409A (Beispiel Katalysator A)) gefüllt. In Sumpffahrweise wurden 0,04 kg BAPMA und 10 NL Wasserstoff pro Stunde bei 160°C und 50 bar Wasserstoff-Gesamtdruck über den Katalysator geleitet. Die Katalysator-Belastung betrug 0,2 kg pro Liter Katalysator und Stunde. Der Reaktionsaustrag wurde kondensiert und BAPMA, Dimere und Trimere wurden an einem Verdampfer bei 250°C und 1 mbar destillativ aus dem Polymergemisch abgetrennt. Von diesem Produkt wurden die Amin- zahlen sowie mit Hilfe der Größenausschlusschromatographie die Molmassen Mn und Mw, sowie der Polydispersitätsindex (PDI) bestimmt (Tabelle 1 ). Tabelle 1 :
Charakterisierung des hergestellten polyBAPMA
Aminzahl (primär) in mg KOH/g 74
Aminzahl (sekundär) in mg KOH/g 429
Aminzahl (tertiär) in mg KOH/g 386
Beispiel 2
Herstellung der härtbaren Zusammensetzung (Reaktionsharzmasse) und Untersuchung des Reaktivitätsprofils Die miteinander zu vergleichenden Formulierungen wurden durch Mischen stöchiometrischer Mengen des jeweiligen Amins (TETA (Huntsman), D230 (Polyetheramin D230 BASF) bzw. poly- BAPMA (aus Beispiel 1 ) mit einem auf Bisphenol-A-diglycidylether basierenden Epoxidharz (Epilox A19-03, Leuna Harze, EEW 183) hergestellt und sofort untersucht. Die Theologischen Messungen zur Untersuchung des Reaktivitätsprofils der aliphatischen A- mine mit Epoxidharzen wurden an einem schubspannungsgesteuerten Platte-Platte Rheometer (MCR 301 , Anton Paar) mit einem Plattendurchmesser von 15 mm und einem Spaltabstand von 0,25 mm bei unterschiedlichen Temperaturen durchgeführt. Untersuchung 1 a) Vergleich der benötigten Zeit der frisch hergestellten Reaktionsharzmasse um eine Viskosität von 10.000 mPa*s bei einer definierten Temperatur zu erreichen. Die Messung wurde rotierend an dem oben genannten Rheometer bei verschiedenen Temperaturen (23°C und 75°C) durchgeführt. Gleichzeitig wurde die Anfangsviskosität (gemittelt über den Zeitraum von 2 bis 5 min nach dem Vermischen der Komponenten) für die jeweiligen Mischun- gen bei den jeweiligen Temperaturen bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammenge- fasst.
Tabelle 2:
Isothermer Viskositätsanstieg auf 10.000 mPa*s
Untersuchung 1 b) Vergleich der Gelierzeiten. Die Messung wurde oszillierend an dem oben genannten Rheometer bei einer Temperatur von 23°C bzw. 75°C durchgeführt. Der Schnittpunkt von Verlustmodul (G") und Speichermodul (G') liefert die Gelierzeit. Die Messergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengefasst.
Tabelle 3:
Isotherme Gelierzeiten
Beispiel 3
Exothermes Profil der härtbaren Zusammensetzung (Reaktionsharzmasse) und Glasübergangstemperaturen der gehärteten Epoxidharze (ausgehärteten Duroplaste)
Die DSC-Untersuchungen der Härtungsreaktion der stöchiometrisch eingesetzten Aminen (TETA (Huntsman), D230 (Polyetheramin D230, BASF), bzw. polyBAPMA (entsprechend Bsp. 1 )) mit einem auf Bisphenol-A-diglycidylether basierenden Epoxidharz (Epilox A19-03, Leuna Harze, EEW 183) zur Bestimmung von Onset-Temperatur (To) und exothermer Energie (H) sowie die Bestimmung der Glasübergangstemperaturen (Tg) bei dem Temperaturprogramm (0°C - 5K/min 180°C - 30min 180°C - 20K/min 0°C - 20K/min 220°C) wurden nach ASTM D 3418 durchgeführt. Es wurden jeweils 2 Läufe durchgeführt. Die Messergebnisse sind in Tabelle 4 zusammengestellt. Angegeben ist die Tg-Messung vom 2ten Lauf des Temperaturprogramms.
Tabelle 4:
Exothermes Profil und Glasübergangstemperaturen
Beispiel 4
Mechanische Tests der gehärteten Epoxidharze (ausgehärteten Duroplaste)
Zur Untersuchung der mechanischen Eigenschaften der Duroplaste aus Aminen (TETA (Huntsman), D230 (Polyetheramin D230, BASF), bzw. polyBAPMA (entsprechend Bsp. 1 )) mit einem auf Bisphenol-A-diglycidylether basierenden Epoxidharz (Epilox A19-03, Leuna Harze,
EEW 183) wurden die beiden Komponenten im Speedmixer gemischt (1 min bei 2000 rpm), durch Anlegen von Vakuum (1 mbar) bei 23°C entgast und anschließend Formteile angefertigt. Gehärtet wurde 2 h bei 80°C und anschließend 3 h bei 125°C. Die mechanischen Tests wurden nach ISO 527-2:1993 und ISO 178:2006 durchgeführt.
Tabelle 5:
Mechanische Eigenschaften der Duroplaste
polyBAPMA gehärtetes Epoxidharz erweist sich als flexibler (geringeres Elastizitäts- und Biegemodul) verglichen mit TETA oder D230 gehärtetem Epoxidharz, wobei eine erhöhte Bruchdehnung erreicht wird.
Beispiel 5
Frühwasserbeständigkeit der Duroplaste
Zur Untersuchung der der Frühwasserbeständigkeit der Duroplaste aus den Aminen (TETA (Huntsman), D230 (Polyetheramin D230, BASF), bzw. polyBAPMA (entsprechend Bsp. 1 )) mit einem auf Bisphenol-A-diglycidylether basierenden Epoxidharz (Epilox A19-03, Leuna Harze, EEW 183) wurden die beiden Komponenten in stöchiometrischem Verhältnis im Speedmixer gemischt (1 min bei 2000 rpm), in mehrere Schalen gegossen und bei 23°C im Klimaschrank (60% relative Luftfeuchtigkeit) gelagert. In regelmäßigen Zeitabständen wurde jeweils eine Schale entnommen und die Oberfläche des Epoxidharzes mit 2 ml destilliertem Wasser ver- setzt. Bestimmt wurde die Zeit, nach der das Epoxidharz bei Wasserkontakt keine Carbamatbil- dung mehr zeigt und somit Frühwasserbeständigkeit erreicht ist. Die Carbamatbildung ist erkennbar anhand von Ausbildung von Krusten oder weißem Schleier auf der Oberfläche des Epoxidharzes. Die Ergebnisse sind in Tabelle 6 zusammengestellt.
Tabelle 6:
Frühwasserbeständigkeit für Epoxidharz-Zusammensetzungen mit verschiedenen Härtern (t
F: Zeitspanne bis zum Erreichen der Frühwasserbeständigkeit)
Die Frühwasserbeständigkeit von polyBAPMA gehärtetem Epoxidharz ist deutlich besser als die von D230 gehärtetem Epoxidharz.
Beispiel 6
Mechanische Tests der gehärteten Epoxidharze (ausgehärteten Duroplaste)
Zur Untersuchung der mechanischen Eigenschaften der Duroplaste aus Aminen (TETA (Hunts- man), D230 (Polyetheramin D230, BASF), bzw. polyBAPMA (entsprechend Bsp. 1 )) mit einer Epoxidharz-Komponente (bestehend aus 900 Teilen des Bisphenol-A-diglycidylether basierten Epoxidharzes Araldit GY 240 (Huntsman; mit EEW von 180), 50 Teilen des C12-C14- Alkylgly- cidylethers Epodil 748 DA (Air Products; mit EEW von 290) und 50 Teilen des HDDE Araldit DY-H/BD (Huntsman; mit EEW von 150)) wurden die beiden Komponenten im Speedmixer gemischt (1 min bei 2000 rpm), durch Anlegen von Vakuum (1 mbar) bei 23°C entgast und an- schließend auf eine Polyamidfolie aufgerakelt. Dabei wurden die Amine wie folgt formuliert:
(a) polyBAPMA: 70 Teile polyBAPMA und 30 Teile Benzylalkohol,
(b) D230: 90 Teile D230 und 10 Teile Benzylalkohol,
(c) TETA: 70 Teile TETA und 30 Teile Benzylalkohol.
Die Shore-Härte wurde gemäß der Norm DIN ISO 7619-1 bestimmt. Die Ergebnisse nach einem Tag bei einer Lagertemperatur T von 8°C, 12°C, 20°C bzw. 30°C sind in Tabelle 7 zusam- mengefasst.
Tabl D230 TETA poye- lle 7:
Shore- RAPMAHärte und Oberflächenklebrigkeit
T (in °C) Shore-Härte Oberflächenklebrigkeit
8 60A kaum klebend
12 70A klebfrei
20 84 D klebfrei
30 84 D klebfrei
8 nicht messbar klebfrei
12 nicht messbar klebfrei
20 85A klebfrei
30 45D klebfrei
8 70 D klebfrei
12 80 D klebfrei
20 83 D klebfrei
30 84 D klebfrei