Schuh
Die Erfindung betrifft einen Schuh gemäss dem Oberbegriff von Anspruch 1. Derartige Schuhe mit einem mehrschichtigen Sohlenaufbau aus unterschiedlichen Materialien sind seit einiger Zeit bekannt und gebräuchlich. Damit sollen in der Regel bestimmte Laufeigenschaften erzielt werden, welche dem Benutzer das Gehen erleichtern .
Ein Schuh mit gefederter Sohle und mit mehrschichtigem Sohlenaufbau ist beispielsweise durch die WO 2009/010933 bekannt ge¬ worden. Der Sohlenaufbau besteht aus einer Mittelsohle, einer Puffersohle und einer abriebsresistenten Laufsohle.
Ein Nachteil der bekannten Konstruktionen besteht darin, dass die Materialeigenschaften der verschiedenen Auflagezonen des Fusses zu wenig berücksichtigt werden. Ausgangspunkt der Erfin¬ dung ist nämlich die Erkenntnis, dass je nach den gewünschten Eigenschaften die Auflagefläche der Fusssohle unterschiedliche Materialeigenschaften zur Stützung erfordert. So wird beispielsweise der Hauptanteil des Körpergewichts durch die Ferse und durch den Fussballen getragen, wobei aber möglicherweise bereits hier unterschiedliche Materialeigenschaften für die Last aufnehmende Sohle gewünscht sind.
Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, einen Schuh der eingangs genannten Art zu schaffen, der eine optimale Abstützung des Fusses gewährleistet. Dabei sollen unterschiedliche Bereiche der Auflagefläche für den Fuss unterschiedliche Materialeigen¬ schaften aufweisen, um den Tragkomfort und die Stützwirkung zu verbessern. Diese Aufgabe wird mit einem Schuh gelöst, der die Merkmale im Anspruch 1 aufweist.
Dabei durchdringt die Unterschicht wenigstens teilweise die Oberschicht derart, dass die Auflagefläche durch Bereiche der Unterschicht und der Oberschicht gebildet wird, wobei infolge der unterschiedlichen Materialeigenschaften, insbesondere der Elastizität, Dichte oder Härte dieser Schichten eine gezielte Federwirkung erreicht werden kann.
Dabei liegen wenigstens die Fussballenzone in einem Bereich der Unterschicht und wenigstens die Fersenzone in einem Bereich der Oberschicht. Weil die Oberschicht härter ausgebildet ist als die Unterschicht, führt dies ersichtlicherweise dazu, dass der ge¬ samte Fussballenbereich auf weichem Material abrollen kann und dass die Ferse durch die weniger elastische Oberschicht abge¬ stützt wird.
Oberschicht und Unterschicht bestehen vorteilhaft aus einem Po¬ lymerwerkstoff wie z. B. Polyurethan. Auch andere Materialien sind aber einzeln oder in Kombination denkbar, wie z.B. Ethylen- vinylacetat (EVA), Gummi oder auch Verbundwerkstoffe.
Besonders gute Resultate können erzielt werden, wenn die Ober¬ schicht eine Härte Shore-C im Bereich von 38 bis 42 und die Un¬ terschicht eine Härte Shore-C im Bereich von 28 bis 34 aufweist. Bevorzugte Werte sind für die Oberschicht 40 und für die Unter¬ schicht 30 Shore-C mit einem Toleranzbereich von +/- 1.
Eine besondere Rolle für den Tragkomfort und für die Aufrechter¬ haltung der Laufeigenschaften spielt auch die Materialdichte. Die Oberschicht weist dabei vorteilhaft eine Dichte im Bereich von 0.34 bis 0.37 g/cm3 und die Unterschicht eine solche im Be¬ reich von 0.28 bis 0.31 g/cm3 auf.
Oberschicht und Unterschicht können fest miteinander verklebt
sein, so dass ein kompakter Sohlenaufbau erzielt wird. Denkbar wäre aber auch eine stoffschlüssige Verschweissung oder auch nur ein lösbares Zusammenschnappen mit entsprechenden Schnappverbindungen .
Vorzugsweise umgibt an der Auflagefläche der Bereich der Ober¬ schicht den Bereich der Unterschicht vollständig. Die umlaufende Aussenkante der Auflagefläche wird somit ersichtlicherweise vollständig durch die härtere Oberschicht gebildet.
Der flächenmässige Bereich der Unterschicht an der Auflagefläche kann je nach Ausgestaltung der Laufeigenschaften variieren. Vorteilhaft liegt er jedoch etwa zwischen 25 % bis 45 % der gesamten Auflagefläche. Auf diese Weise ist der Fuss zum grösseren Teil und insbesondere über den grösseren Teil seines Längsgewöl¬ bes durch die härtere Oberschicht abgestützt.
Die Sohle weist in Schuhlängsrichtung je eine Längsinnenseite und eine Längsaussenseite auf. Ersichtlicherweise sind bei einem Paar Schuhe die Längsinnenseiten der Sohlen einander zugewandt und die Längsaussenseiten voneinander abgewandt. Ein besonders vorteilhaftes Abrollverhalten kann erzielt werden, wenn sich die Oberschicht zwischen der Fussballenzone und der Fersenzone auf der Längsinnenseite konvex in die Unterschicht hineinwölbt. Die Oberschicht ist dabei kalottenartig ausgebildet, so dass sich die konvexe Ausgestaltung ersichtlicherweise auch quer zur Längsinnenseite erstreckt.
Die Oberschicht kann auf der Längsaussenseite eine etwa gleich bleibende vertikale Höhe aufweisen, wobei die vertikale Höhe der Unterschicht von der Fussballenzone bis zur Fersenzone kontinu¬ ierlich zunehmen kann.
Die Oberschicht kann an ihrem Aussenumfang fest mit ihrem Oberschuh verbunden sein. Je nach Ausgestaltung der Auflagefläche ist eine zusätzliche Brandsohle nicht erforderlich. Ausserdem kann die Unterschicht unmittelbar die sichtbare Laufsohle des Schuhs bilden. Da die Unterschicht aus weicherem Material be¬ steht, kann es aber auch zweckmässig sein, wenn diese auf einer separaten Laufsohle aus härterem Material aufliegt. Dadurch wird ein zu rascher Abrieb verhindert. Die Laufsohle kann die Ober¬ schicht und die Unterschicht auch vollständig einhüllen und bei¬ spielsweise ebenfalls mit dem Oberschuh verbunden sein. Ausserdem kann anstelle einer Brandsohle die Auflagefläche der Sohle nur mit einem flexiblen textilen Flächengebilde bedeckt sein, das beispielsweise unmittelbar in das Innenfutter des Oberschuhs übergeht .
Die Oberschicht kann wenigstens im Bereich zwischen Fersenzone und Fussballenzone mit Öffnungen versehen sein, welche die Ober¬ schicht ganz oder teilweise durchdringen. Diese Öffnungen verbessern die Ventilation im Bereich der Auflagefläche, und sie bewirken bei jedem Zusammenpressen bzw. Entlasten eine bestimmte Pumpwirkung .
Schliesslich ist es auch vorteilhaft, wenn die Oberschicht über den grösseren Teil ihres Aussenumfangs oder über ihren gesamten Aussenumfang mit einem hochgezogenen Stützrand versehen ist. Dadurch wird ein Fussbett gebildet, in welchem der Fuss möglichst formschlüssig aufliegt. Ausserdem erleichtert dieser Rand die Befestigung der Laufsohle. Der Oberschuh könnte somit auch aus sehr flexiblem Material wie z.B. aus einem textilen Material bestehen, oder der Oberschuh könnte nur als Halbschlüpfer ausgebildet sein.
Weitere Einzelmerkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen und aus den Zeichnungen. Es zeigen:
Figur 1: Eine Aussenansicht eines Schuhs mit zweiteiligem Soh¬ lenaufbau,
Figur 2: eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemässen
Sohlenaufbaus ohne Oberschuh,
Figur 3: eine Seitenansicht auf den Sohlenaufbau gemäss Figur 2 aus Pfeilrichtung A,
Figur 4: eine Seitenansicht auf den Sohlenaufbau gemäss Figur 2 aus Pfeilrichtung B,
Figur 5: einen Längsschnitt durch den Sohlenaufbau gemäss Figur
2 in der Ebene I-I,
Figur 6: einen Querschnitt durch den Sohlenaufbau gemäss Figur 2 in der Ebene II-II,
Figur 7: einen Querschnitt durch den Sohlenaufbau gemäss Figur 2 in der Ebene III-III,
Figur 8: einen Querschnitt durch den Sohlenaufbau gemäss Figur 2 in der Ebene IV-IV,
Figur 9: die Sohle gemäss Figur 2 in einer perspektivischen Ansicht von unten,
Figur 10: ein Kraft-Weg-Diagramm an einer erfindungsgemässen Sohle,
Figur 11: eine perspektivische Darstellung der Unterschicht ei¬ nes weiteren Ausführungsbeispiels,
Figur 12: eine perspektivische Darstellung einer Sohle mit der
Unterschicht gemäss Figur 11,
Figur 13: eine Ansicht auf die Längsaussenseite der Sohle gemäss
Figur 12, und
Figur 14: eine Ansicht auf die Längsinnenseite der Sohle gemäss
Figur 12.
Der Schuh 1 gemäss Figur 1 besteht aus einem Oberschuh 2 und einer Sohle 3. Der Oberschuh kann grundsätzlich beliebig ausgebildet sein, und es kann sich sowohl um einen Schnürschuh, als auch um einen Schlüpfer handeln. Die Sohle 3 verfügt über eine Oberschicht 4 und eine Unterschicht 5, wobei diese Schichten nicht zwingend von aussen sichtbar sein müssen.
Die in Figur 2 dargestellte Sohle 3 besteht wiederum aus einer Oberschicht 4 und einer Unterschicht 5. Der Fuss liegt auf einer insgesamt mit 6 bezeichneten Auflagefläche, und die Oberschicht 4 kann im Bereich der beiden Längsseiten und im Bereich der Ferse einen Stützrand 13 aufweisen. Die Oberschicht 4 weist im Be¬ reich einer Fussballzone 8 einen Ausschnitt 15 auf, in welchem die Unterschicht 5 die Oberschicht 4 bis auf die Ebene der Auf¬ lagefläche 6 durchdringt. Eine Fersenzone 7 ist vollständig durch die härtere Oberschicht 4 gebildet. Der durch die weichere Unterschicht gebildete Flächenbereich der Auflagefläche 6 hat eine etwa rechteckige Konfiguration mit abgerundeten Ecken. An-
dere Konfigurationen wären selbstverständlich denkbar. Zwischen der Fersenzone 7 und der Fussballenzone 8 ist eine Stützwölbung 10 angeordnet, welche asymmetrisch näher bei der Fussinnenseite liegt. Im Mittelfussbereich sind in bestimmten Abständen mehrere Öffnungen 11 angeordnet, welche die gesamte Oberschicht 4 durch¬ dringen. Diese Öffnungen fehlen im Fersenbereich. Die Stützwölbung 10 ist ersichtlicherweise unmittelbar in die Oberschicht 4 integriert, wobei hier die Oberschicht aus einem härteren Mate¬ rial besteht als die Unterschicht 5. In Figur 2 ist eine Sohle für einen linken Schuh dargestellt. Der Sohlenaufbau für den entsprechenden rechten Schuh wäre selbstverständlich spiegelsymmetrisch. Allerdings wäre es auch denkbar, dass aus orthopädi¬ schen Gründen der Sohlenaufbau für den linken und den rechten Schuh unterschiedlich gestaltet ist.
Wie aus den Figuren 3 und 4 ersichtlich ist, kann zusätzlich zur Oberschicht und zur Unterschicht auch noch eine Laufsohle 9 an¬ geordnet sein, die eine relativ geringe Wandstärke aufweist und die seitlich hochgezogen ist. Das Ineinandergreifen von Oberschicht 4 und Unterschicht 5 kann wie dargestellt auch zu ge¬ stalterischen Zwecken beispielsweise durch unterschiedliche Ein- färbung verwendet werden.
Im Längsschnitt gemäss Figur 5 ist deutlich erkennbar, wie die Unterschicht 5 die Oberschicht 4 durchdringt, so dass sie einen bestimmten Bereich der Auflagefläche 6 bildet. In diesem Bereich werden bei Belastung ausschliesslich die Materialeigenschaften der Unterschicht 5 wirksam, während in allen übrigen Bereichen jeweils die Materialeigenschaften beider Schichten kumulativ wirksam sind.
Insbesondere aus den Figuren 6 bis 8 ist ersichtlich, wie sich die Zusammensetzung der beiden Schichten 4 und 5 praktisch in
jeder Schnittebene verändert. Im Bereich der Fussballenzone 8 ist die obere Schicht 4 praktisch nur noch am linken und rechten Rand vorhanden. Demgegenüber ist die Oberschicht 4 im Bereich des Mittelfusses bzw. im Bereich der Stützwölbung 10 massiv ausgebildet und verjüngt sich gegen die Fussaussenseite hin. Im Fersenbereich sind Oberschicht 4 und Unterschicht 5 über den ganzen Querschnitt etwa gleich stark ausgebildet, wie aus Figur
8 ersichtlich ist, wobei der Materialanteil der unteren Schicht grösser ist als derjenige der oberen Schicht.
Wie aus Figur 9 ersichtlich ist, kann die eigentliche Laufsohle
9 eine beliebige Profilierung 14 aufweisen.
Im Kraft-Weg-Diagramm gemäss Figur 10 ist die Einsinktiefe in mm in Abhängigkeit der Belastungskraft in N auf der Auflagefläche dargestellt. Das Diagramm zeigt, dass die Einsinktiefe trotz des unterschiedlichen Schichtaufbaus bis zu einer Kraft von ca. 650 N etwa linear zur Belastung verläuft. Die verschiedenen Kurven zeigen verschiedene Messzyklen mit einer die Kurven mittelnde Geraden zum Vergleich.
Die Figuren 11 bis 14 zeigen ein alternatives Ausführungsbei¬ spiel einer Sohle. In Figur 11 ist perspektivisch eine Unterschicht 5 dargestellt. Gut erkennbar ist eine Erhebung 19, mit welcher der Ausschnitt 15 in der Oberschicht 4 (Figur 12) durchdrungen wird. Eine Mulde 18 dient dazu, eine korrespondierende Wölbung 20 in der Oberschicht 4 aufzunehmen.
Figur 12 zeigt die Sohle im zusammengeklebten Zustand mit ihrer Längsinnenseite 16 und der Längsaussenseite 17.
Wie aus Figur 13 ersichtlich, ist die vertikale Höhe a der Oberschicht 4 auf der Längsaussenseite überall etwa konstant. Demge-
genüber geht die Oberschicht 4 auf der Längsinnenseite gemäss Figur 14 in eine konvexe Wölbung 20 über und reduziert sich dann wieder auf die durchschnittliche vertikale Höhe a. Die Unter¬ schicht 5 verbreitert sich auf der Längsaussenseite 17 kontinu¬ ierlich vom Zehenbereich bis zum Fersenbereich, wie Figur 13 zeigt. Auf der Längsinnenseite 16 ist die Konfiguration der Un¬ terschicht 5 komplexer, wobei sie im Fersenbereich und im Fussballenbereich etwas verdickt ausgebildet ist.