Papierstreichmassen, enthaltend Silicasole
Beschreibung
Die Erfindung betrifft Papierstreichmassen, enthaltend mindestens ein Pigment und
A) eine durch Emulsionspolymerisation erhältliche wässrige Polymerdispersion (kurz Emulsionspolymerisat) und
B) eine in Wasser gelöste oder dispergierte Polykieselsäure oder dispergiertes SiIi- ciumdioxid (zusammenfassend Silicasol) genannt.
Papierstreichmassen enthalten neben Wasser im allgemeinen Bindemittel, Pigmente und weitere Hilfsmittel z. B. Verdicker.
Für eine einfache und problemlose Verarbeitung der wässrigen Papierstreichmasse ist gewünscht, dass die Papierstreichmasse insgesamt eine geringe Viskosität hat. Eine geringe Viskosität ermöglicht auch einen höheren Feststoffgehalt. Da bei der Trocknung weniger Wasser entfernt werden muss, können zudem Energiekosten gespart werden.
Die Bestandteile der Papierstreichmasse müssen daher so aufeinander abgestimmt sein, dass die Viskosität gering ist und die anwendungstechnischen Eigenschaften des beschichteten Papiers, z. B. Widerstand gegen mechanische Belastungen, insbeson- dere Rupffestigkeit, optisches Erscheinungsbild, z. B. Glätte und Glanz, und die Be- druckbarkeit möglichst gut sind.
Aus WO 02/48459 sind Papierstreichmassen bekannt, deren Viskosität durch Zusatz von hoch vernetzten Polyesteramiden abgesenkt wird.
In EP-A-1 479 744 wird der Zusatz von polymeren Siliziumverbindungen, z. B. von wasserlöslichen Alkalisilicaten, zu Haftklebstoffen beschrieben, um die Adhäsion zu verbessern.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung waren Papierstreichmassen mit geringer Viskosität und guten anwendungstechnischen Eigenschaften.
Demgemäß wurden die oben definierten Papierstreichmassen gefunden.
Erfindungsgemäß enthält die Papierstreichmasse ein Emulsionspolymerisat A) und eine in Wasser gelöste oder dispergierte Polykieselsäure oder dispergiertes Siliciumdi- oxid B) (zusammenfassend Silicasol) genannt.
Zum Emulsionspoylmerisat A)
Das Emulsionspolymerisat besteht vorzugsweise zu mindestens 40 Gew.-%, bevorzugt zu mindestens 60 Gew.-%, besonders bevorzugt zu mindestens 80 Gew.-% aus soge- nannten Hauptmonomeren.
Die Hauptmonomeren sind ausgewählt aus Ci-C2o-Alkyl(meth)acrylaten, Vinylestern von bis zu 20 C-Atome enthaltenden Carbonsäuren, Vinylaromaten mit bis zu 20 C- Atomen, ethylenisch ungesättigten Nitrilen, Vinylhalogeniden, Vinylethern von 1 bis 10 C-Atome enthaltenden Alkoholen, aliphatischen Kohlenwasserstoffen mit 2 bis 8 C- Atomen und ein oder zwei Doppelbindungen oder Mischungen dieser Monomeren.
Zu nennen sind z. B. (Meth)acrylsäurealkylester mit einem Ci-Cio-Alkylrest, wie Methyl- methacrylat, Methylacrylat, n-Butylacrylat, Ethylacrylat und 2-Ethylhexylacrylat.
Insbesondere sind auch Mischungen der (Meth)acrylsäurealkylester geeignet.
Vinylester von Carbonsäuren mit 1 bis 20 C-Atomen sind z. B. Vinyllaurat, -stearat, Vinylpropionat, Versaticsäurevinylester und Vinylacetat.
Als vinylaromatische Verbindungen kommen Vinyltoluol, α- und p-Methylstyrol, α-Butyl- styrol, 4-n-Butylstyrol, 4-n-Decylstyrol und vorzugsweise Styrol in Betracht. Beispiele für Nitrile sind Acrylnitril und Methacrylnitril.
Die Vinylhalogenide sind mit Chlor, Fluor oder Brom substituierte ethylenisch ungesättigte Verbindungen, bevorzugt Vinylchlorid und Vinylidenchlorid.
Als Vinylether zu nennen sind z. B. Vinylmethylether oder Vinylisobutylether. Bevorzugt wird Vinylether von 1 bis 4 C-Atome enthaltenden Alkoholen.
Als Kohlenwasserstoffe mit 2 bis 8 C-Atomen und ein oder zwei olefinischen Doppelbindungen seien Ethylen, Propylen, Butadien, Isopren und Chloropren genannt.
Bevorzugte Hauptmonomere sind Ci-Cio-Alkyl(meth)acrylate und Mischungen der Alkyl(meth)acrylate mit Vinylaromaten, insbesondere Styrol (zusammenfassend auch als Polyacrylat-Bindemittel bezeichnet) oder Kohlenwasserstoffe mit 2 Doppelbindungen, insbesondere Butadien, oder Gemische von derartigen Kohlenwasserstoffen mit Vinylaromaten, insbesondere Styrol (zusammenfassen auch als Polybutadien- Bindemittel bezeichnet).
Bei Polybutadien-Bindemitteln kann das Gewichtsverhältnis von Butadien zu Vinyl- aromaten (insbesondere Styrol) z. B. 10:90 bis 90:10, vorzugsweise 20:80 bis 80:20 betragen.
Besonders bevorzugt sind Polybutadien-Bindemittel.
Neben den Hauptmonomeren kann das Polymer weitere Monomere enthalten, z. B. Monomere mit Carbonsäure, Sulfonsäure oder Phosphonsäuregruppen. Bevorzugt sind Carbonsäuregruppen. Genannt seien z. B. Acrylsäure, Methacrylsäure, Itacon- säure, Maleinsäure oder Fumarsäure und Aconitsäure. Der Gehalt an ethylenisch ungesättigten Säuren im Emulsionspolymerisat ist im allgemeinen kleiner 5 Gew.-%.
Weitere Monomere sind z. B. auch Hydroxylgruppen enthaltende Monomere, insbesondere Ci-Cio-Hydroxyalkyl(meth)acrylate, oder Amide wie (Meth)acrylamid.
Die Herstellung der Polymere erfolgt durch Emulsionspolymerisation, es handelt sich daher um ein Emulsionspolymerisat.
Bei der Emulsionspolymerisation werden ionische und/oder nicht -ionische Emulgato- ren und/oder Schutzkolloide bzw. Stabilisatoren als grenzflächenaktive Verbindungen verwendet.
Die grenzflächenaktive Substanz wird üblicherweise in Mengen von 0,1 bis 10 Gew.-%, bezogen auf die zu polymerisierenden Monomeren verwendet.
Wasserlösliche Initiatoren für die Emulsionspolymerisation sind z. B. Ammonium- und Alkalimetallsalze der Peroxidischwefelsäure, z. B. Natriumperoxodisulfat, Wasserstoffperoxid oder organische Peroxide, z. B. tert-Butylhydroperoxid.
Geeignet sind auch sogenannte Reduktions-Oxidations(Red-Ox)-lnitiator Systeme.
Die Menge der Initiatoren beträgt im allgemeinen 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-%, bezogen auf die zu polymerisierenden Monomeren. Es können auch mehrere, verschiedene Initiatoren bei der Emulsionspolymerisation Verwendung finden.
Bei der Polymerisation können Regler eingesetzt werden, z. B. in Mengen von 0 bis 3 Gew.-Teile, bezogen auf 100 Gew.-Teile der zu polymerisierenden Monomeren, durch die die Molmasse verringert wird. Geeignet sind z. B. Verbindungen mit einer Thiol- gruppe wie tert.-Butylmercaptan, Thioglycolsäureethylacrylester, Mercaptoethynol, Mercaptopropyltrimethoxysilan oder tert.-Dodecylmercaptan oder Regler ohne Thi- olgruppe, insbesondere z. B. Terpinolen.
Die Emulsionspolymerisation erfolgt in der Regel bei 30 bis 130, vorzugsweise 50 bis 100 0C. Das Polymerisationsmedium kann sowohl nur aus Wasser, als auch aus Mischungen aus Wasser und damit mischbaren Flüssigkeiten wie Methanol bestehen. Vorzugsweise wird nur Wasser verwendet. Die Emulsionspolymerisation kann sowohl als Batchprozeß als auch in Form eines Zulaufverfahrens, einschließlich Stufen- oder Gradientenfahrweise, durchgeführt werden. Bevorzugt ist das Zulaufverfahren, bei dem man einen Teil des Polymerisationsansatzes vorlegt, auf die Polymerisationstemperatur erhitzt, anpolymerisiert und anschließend den Rest des Polymerisationsansatzes, üblicherweise über mehrere räumlich getrennte Zuläufe, von denen einer oder mehrere die Monomeren in reiner oder in emulgierter Form enthalten, kontinuierlich, stufenweise oder unter Überlagerung eines Konzentrationsgefälles unter Aufrechterhaltung der Polymerisation der Polymerisationszone zuführt. Bei der Polymerisation kann auch z. B. zur besseren Einstellung der Teilchengröße eine Polymersaat vorgelegt werden.
Die Art und Weise, in der der Initiator im Verlauf der radikalischen wässrigen Emulsionspolymerisation dem Polymerisationsgefäß zugegeben wird, ist dem Durchschnittsfachmann bekannt. Es kann sowohl vollständig in das Polymerisationsgefäß vorgelegt, als auch nach Maßgabe seines Verbrauchs im Verlauf der radikalischen wässrigen Emulsionspolymerisation kontinuierlich oder stufenweise eingesetzt werden. Im einzel- nen hängt dies von der chemischen Natur des Initiatorsystems als auch von der PoIy- mersiationstemperatur ab. Vorzugsweise wird ein Teil vorgelegt und der Rest nach Maßgabe des Verbrauchs der Polymerisationszone zugeführt.
Zur Entfernung der Restmonomeren wird üblicherweise auch nach dem Ende der eigentlichen Emulsionspolymerisation, d. h. nach einem Umsatz der Monomeren von mindestens 95 %, Initiator zugesetzt.
Die einzelnen Komponenten können dem Reaktor beim Zulaufverfahren von oben, in der Seite oder von unten durch den Reaktorboden zugegeben werden.
Bei der Emulsionspolymerisation werden wässrige Dispersionen des Polymeren in der Regel mit Feststoffgehalten von 15 bis 75 Gew.-%, bevorzugt von 40 bis 75 Gew.-% erhalten.
Zum Silicasol B)
Ausgehend von Kieselsäure (Si(OH)4) bilden sich durch Kondensation zunächst Kieselsäureketten (Polykieselsäure) und durch weitere Kondensation auch der seitenständigen OH Gruppen schließlich räumliche Siliciumdioxid-Netzwerke (Siliciumdioxid- Teilchen). Unter dem Begriff Silcasol werden in Wasser gelöste oder dispergierte PoIy- kieselsäuren oder Siliciumdioxid-Teilchen zusammengefasst. Die Polykieselsäuren sind im allgemeinen noch wasserlöslich; die Siliciumdioxid-Teilchen liegen aufgrund
ihrer Teilchenstruktur als Dispersionen dieser Teilchen in Wasser vor (auch kolloidale Lösungen genannt).
Wässrige Dispersionen von Siliciumdioxid-Teilchen sind bevorzugt. Auf der Oberfläche tragen die Teilchen Hydroxylgruppen, die nicht zur Ausbildung von Siliciumdioxid- strukturen kondensiert sind. Diese Hydroxylgruppen bewirken eine Selbstdispergier- barkeit der Siliciumdioxid-Teilchen; eine Mitverwendung von sonstigen oberflächenaktiven Hilfsmitteln ist daher nicht erforderlich.
Die mittlere Teilchengröße der Siliciumdioxid-Teilchen beträgt vorzugsweise 2 bis 100 nm und besonders bevorzugt 5 bis 75 nm (Gewichtsmittel).
Die Kieselsäuren oder Siliciumdioxid-Teilchen können auch weitere Bestandteile oder Verunreinigungen enthalten, z. B. Metall-atome, welche zum Teil Wasserstoffatome ersetzen oder Verunreinigungen durch andere Mineralstoffe. Vorzugsweise ist der Gehalt derartiger Bestandteile oder Verunreinigungen kleiner 5 Gew. %, besonders bevorzugt kleiner 1 Gew. %, bezogen auf das Silicasol (fest).
Geeignete Silicasole sind z. B. von der Firma H. C. Starck unter dem Markennamen Levasil® erhältlich.
Das Silicasol B) kann bevorzugt in einfacher Weise der durch Emulsionspolymerisation erhaltenen Polymerdispersion von A) zugesetzt werden.
Zur Papierstreichmasse
Als Bestandteile enthalten Papierstreichmassen insbesondere
a) ein oder mehrere Bindemittel
b) gegebenenfalls einen Verdicker
c) gegebenenfalls einen Fluoreszens- oder Phosphoreszensfarbstoff, insbesondere als optischen Aufheller
d) Pigmente
e) Silicasol
f) weitere Hilfsstoffe, z. B. Verlaufshilfsmittel oder sonstige Farbstoffe.
Als Bindemittel können neben dem obigen Emulsionspolymerisat weitere Bindemittel, z. B. auch natürliche Polymere, wie Stärke, mitverwendet werden. Vorzugsweise ist der Anteil des Emulsionspolymerisats mindestens 50 Gew. %, besonders bevorzugt mindestens 70 Gew. % bezogen auf die Gesamtmenge an Bindemittel. Die Papierstreichmassen enthalten Bindemittel vorzugsweise in Mengen von 1 bis 50 Gew.-Teilen, besonders bevorzugt von 5 bis 20 Gew.-Teilen Bindemittel, bezogen auf 100 Gew.-Teilen Pigment.
Als Verdicker b) kommen neben synthetischen Polymerisaten, insbesondere Cellulosen, vorzugsweise Carboxymethylcellulose in Betracht.
Unter dem Begriff Pigment d) werden hier anorganische Feststoffe verstanden. Diese Feststoffe sind als Pigmente für die Farbe der Paierstreichmasse (insbesondere weiß) verantwortlich und/oder haben lediglich die Funktion eines inerten Füllstoffs. Bei dem Pigment handelt es sich im allgemeinen um Weißpigmente, z. B. Bariumsulfat,
Calciumcarbonat, Calciumsulfoaluminat, Kaolin, Talkum, Titandioxid, Zinkoxid, Kreide oder Streichclay oder Silikate.
Geignete Silicasole e) sind oben angegeben. Der Gehalt des Silicasols in der Papier- streichmasse beträgt vorzugsweise 0,1 bis 30 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 0,1 bis 15 Gew. Teile und ganz besonders bevorzugt 0,5 bis 10 und insbesondere 0,5 bis 5 Gew. Teile auf 100 Gew. Teile Pigment.
Die Herstellung der Papierstreichmasse kann nach üblichen Methoden erfolgen. Vorzugsweise wird das Gemisch aus A) und B) vorab separat hergestellt und erst dann zur Papierstreichmasse gegeben, d. h. mit den weiteren Bestandteilen, insbesondere dem Pigment vermengt.
Die erfindungsgemäßen Papierstreichmassen haben eine geringe Viskosität und eigenen sich gut zur Beschichtung von z. B. Rohpapier oder Karton. Die Beschichtung und anschließende Trocknung kann nach üblichen Methoden erfolgen. Die beschichteten Papiere oder Kartone haben gute anwendungstechnische Eigenschaften, insbesondere sind sie auch gut in den bekannten Druckverfahren, wie Flexo-, Hoch-, Tiefoder Offsetdruck bedruckbar. Vor allem beim Offsetverfahren bewirken sie eine hohe Rupffestigkeit und eine schnelle und gute Färb- und Wasserannahme. Die mit den Papierstreichmassen beschichteten Papiere können gut in allen Druckverfahren, insbesondere im Offsetverfahren verwendet werden.
Beispiele
Aus den in der Tabelle angegeben Bestandteile wurde durch Mischen eine Papierstreichmasse hergestellt und die Viskosität gemessen.
Die Brookfield Viskosität wurde bei 100 UPM gemessen und ist in m Pas angegeben. Als Silicasol wurde Levasil® 100/ 45 der Firme H. C. Starck vewendet (100 gibt die spezifische Oberfläche (Quadratmeter pro Gramm) an, 45 die Konzentration in Wasser).
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