Brandenburgische Technische Universität Cottbus D-03046 Cottbus
Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor
Die Erfindung betrifft einen Reaktor, mit dem insbesondere sehr schnelle Fällungsreaktionen in flüssiger Phase durchgeführt werden können.
Will man schnelle Fällungsreaktionen in flüssiger Phase durchführen, muß eine schnelle Vermischung der beiden Reaktionslösungen, die jeweils eine hohe Übersättigung aufweisen, hergestellt werden. Daher werden derartige Reaktionen üblicherweise durch eine turbulente Vermischung ausgelöst, wobei der Prozess teilweise durch eine Ultraschalleinwirkung unterstützt werden kann. Nachteilig bei bekannten Verfahren ist es, dass es bereits in der ersten Mischphase, dem sogenannten Makromischen, zu einer vorzeitigen Ausfällung von Reaktionsprodukten an den Grenzflächen kommt. Hierdurch ist es bei derartigen Reaktionen leider häufig nicht möglich, eine eigentliche gewünschte enge Partikelgrößenverteilung, insbesondere mit sehr feinen Partikelgrößen zu schaffen.
Viele wichtige Anwendungen erfordern aber gerade Produkte mit einer sehr engen Partikelgrößenverteilung im Bereich von unter 1 Mikrometer bis hinunter zu wenigen Nanometern. Beispiele für solche Anwendungen sind Katalysatoren, Pigmente, keramische Pulver, elektrokeramische Mischoxide, magnetische Partikel und Flüssigkeiten, pharmazeutische, medizinische und kosmetische Produkte.
Die Fällung ist die mit Abstand preiswerteste Methode zur Herstellung von kleinen Teilchen. Problematisch ist es, dass mit den zur Verfügung stehenden Fällungsmethoden Teilchen mit einem Durchmesser von < 100 nm nicht zuverlässig und reproduzierbar herstellbar sind. Hier versagt die klassische Fällung im Rührreaktor.
Für die Partikelgrößenverteilung spielt die Geschwindigkeit bei der Mischung eine entscheidende Rolle. Bei einer schnell ablaufenden chemischen Fällung in einem Rührreaktor ist die Mischungsgeschwindigkeit, mit der die Reaktanden vermischt werden, geringer als die Keimbildungsgeschwindigkeit. Darüber hinaus treten in einem solchen Reaktor bereits diffusionskontrolliert gefällte Partikel ständig mit frisch zugeführten Reaktanden und auch mit den daraus entstehenden Keimen in Kontakt. Dies führt letztlich zu einem unkontrollierbaren Partikelwachstum und unterschiedlichen Partikelgrößen.
Die Voraussetzungen für eine Fällung von qualitativ anspruchsvollen Nanopartikeln sind:
die Rückvermischung bereits gefällter Partikel mit frischen Reaktionskomponenten muß ausgeschlossen werden,
die Reaktionskomponenten müssen so schnell gemischt werden, dass die Mischung abgeschlossen ist, bevor sich die ersten Keime oder sogar Partikel gebildet haben.
Unter dieser Voraussetzung findet eine maximale Übersättigung statt und die Bildung sämtlicher Keime erfolgt synchron.
Kontinuierliche Mischer herkömmlicher Bauweise, bekannt als Y- oder T-Mischer, ermöglichen im begrenzten Ausmaß zwar Fällungen ohne Rückvermischung. Die gewünschten hohen Mischgeschwindigkeiten lassen sich mit diesen Mischern aber nicht erreichen.
In dem sogenannten MicroJetReactor entsprechend der EP 1 165 224 A1 kollidieren zwei feine Flüssigkeitsstrahlen mit den Reaktanden als gelösten Inhaltsstoffen (sogenannte impinging jets) in der Mitte eines gasgefüllten Raumes miteinander. Durch eine dritte Öffnung wird ein Gasstrahl in den Reaktionsraum geleitet, der die Reaktionsprodukte durch eine vierte gegenüberliegende Öffnung austrägt. Der kleine Durchmesser (ca. 200 μm) und die hohe Geschwindigkeit der Strahlen (z. B. 100 m/s) bewirken zusammen mit hohen Scherkräften eine sehr schnelle und intensive Mischung sowie die Fällung der unlöslichen Reaktionsprodukte.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Reaktor zu schaffen, mit dem insbesondere sehr schnelle Fällungsreaktionen in flüssiger Phase derart durchgeführt werden können, dass das Reaktionsprodukt mit einer sehr engen Partikelgrößenverteilung mit kleinen Partikelgrößen vom Mikrometer- bis hin zum Nanometerbe- reich herstellbar sind.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch einen Dehnströmungs-Trennschicht- Reaktor mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Hierzu weist ein Dehnströ- mungs-Trennschicht-Reaktor einen Kanal auf, in dem mindestens zwei Edukte und mindestens ein diese räumlich trennendes Trennfluid eingespeist wird. Weiterhin ist eine an den Kanal anschließende Dehnzone vorgesehen, die zum Ausziehen der Edukt- bzw. Trennfluidströmungen in weitgehend laminaren, mit erhöhter Geschwindigkeit fließenden Schichten dient. Es schließt sich eine Turbulenzerzeugungseinrichtung zur Erzeugung einer turbulenten Mikrovermischung der Edukte an.
Der Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor gemäß der vorliegenden Erfindung erlaubt eine Vermischung in folgenden Schritten:
Die Edukte werden jeweils in Form einer Schichtströmung in den Kanal eingeführt. Zwischen die beiden Eduktschichten wird dabei ein nicht reaktives Fluid, beispielsweise Wasser, als Trennschicht eingeführt, so dass zunächst keine Reaktion stattfinden kann.
Durch Beschleunigung der Schichtenströmung in einer konvergenten Schlitzdüse werden die Edukte und die Trennflüssigkeit zu sehr dünnen, mit hoher Geschwindigkeit laminar strömenden Schichten ausgezogen. Dabei werden z. B. Schichtdicken von 0,2 mm und Strömungsgeschwindigkeiten von 100 m/s erreicht, ohne dass es hier schon zu einer Reaktion käme.
In einer sich anschließenden Turbulenzerzeugungseinrichtung werden sehr starke Turbulenzen erzeugt, so dass innerhalb einer sehr kurzen Strömungsstrecke eine vollständige Vermischung der dünnen Schichten erfolgt.
Der erfindungsgemäße Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor ermöglicht mit dieser Verfahrensweise eine besonders geeignete Durchführung einer Fällungsreaktion, mit der besonders feinkörnige, kristalline und amorphe Fällungsprodukte herstellbar sind. Daneben können auch Reaktionen durchgeführt werden, bei denen sonst das Reaktionsprodukt die Vermischung der Reaktionspartner verhindern würde. Dies trifft beispielsweise zu auf eine schnelle Polymerisation, bei der das Polymer die Viskosität der Lösung stark erhöht.
Besondere Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den sich an den Hauptanspruch anschließenden Unteransprüchen.
Demnach kann die Turbulenzerzeugungseinrichtung durch eine divergente Erweiterung der Schlitzdüse gebildet sein. Alternativ kann die Turbulenzerzeugungseinrichtung durch eine gegenüber der Schlitzdüse geordnete Prallplatte gebildet sein. Zur
Turbulenzbildung kann die Turbulenzerzeugungseinrichtung auch durch ein gegenüber der Schlitzdüse angeordnetes Flüssigkeitsreservoir oder durch einen Resonanzraum mit Selbsterregung oder Fremderregung gebildet sein.
Der Kanal kann grundsätzlich als ebener, im wesentlichen zweidimensional ausgebildeter Strömungskanal ausgebildet sein.
Die Edukte können seitlich in den Kanal eingeführt werden, während das Trennfluid mittig zwischen diesen eingeführt wird. Im Einströmbereich der Edukte können Leitbleche angeordnet sein, die ein sicheres Trennen der Eduktschichten von den einströmenden Trennfluidschichten ermöglicht.
Zusätzlich zum Trennfluid im Bereich zwischen den Edukten kann auch noch Trennfluid im Bereich zwischen den Edukten und der jeweiligen Kanalwandung führbar sein.
Gemäß einer Ausführungsform kann der Kanal als ebener im wesentlichen zweidimensionaler Strömungskanal ausgebildet sein. Eine andere Ausführungsvariante beinhaltet, dass der Kanal als rotationssymmetrischer Körper ausgebildet ist, in dem die Edukte und das Trennfluid sequentiell auf Umfang als Tangentialströmung eingeführt werden.
Weiterhin kann im rotationssymmetrischen Kanal zentrisch ein Kegel zur Strömungsführung angeordnet sein, der die Ausbildung der Rotationsströmung und die Führung der Strömung zu der Öffnung des rotationssymmetrischen Kanals hin übernimmt.
Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden anhand unterschiedlicher in der Zeichnung dargestellte Ausführungsbeispiele erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 : eine schematische Prinzipdarstellung eines Dehnströmungs- Trennschicht-Reaktors gemäß einer ersten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Fig. 2: eine Schnittdarstellung durch einen Dehnströmungs-Trennschicht- Reaktor in leicht abgewandelter Ausgestaltung zur Darstellung gemäß Fig. 1 ,
Fig. 3: einen Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 4: eine weitere alternative Ausgestaltung eines Dehnströmungs- Trennschicht-Reaktors gemäß der vorliegenden Erfindung und
Fig. 5: wiederum eine weitere alternative Ausgestaltung eines Dehnströmungs- Trennschicht-Reaktors gemäß der vorliegenden Erfindung.
Der in Fig. 1 dargestellte Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor 10 weist zunächst einen flachen Kanal 12 auf. Auf den sich gegenüber liegenden Seiten werden ein Edukt A 14 und ein Edukt B 16 eingespeist. Zur Einspeisung sind hier entsprechende Speisepumpen 18 und 20 dargestellt. Mittig von oben wird in den Kanal 12 über eine Pumpe 22 ein Trennfluid 24, beispielsweise Wasser eingespeist. Wesentlich ist es, dass das Trennfluid 24 mit den Edukten 14 und 16 nicht reagiert. Das Trennfluid kann mit den Edukten mischbar oder nicht mischbar sein. Es bildet sich die in der Fig. 1 dargestellte laminare Schichtströmung mit drei Schichten, nämlich dem Edukt A, dem Trennfluid und dem Edukt B.
An den Kanal 12 schließt sich eine Dehnungszone (Beschleunigungszone) 26 an, die im vorliegenden Fall aus einer sich konvergent verjüngenden Schlitzdüse 26 besteht. Hierdurch wird die Schichtströmung zu sehr dünnen, mit hoher Geschwindigkeit laminar strömenden Schichten ausgezogen. Dabei werden beispielsweise Schichtdicken von 0,2 mm, Strömungsgeschwindigkeiten von 100 m/s erreicht, oh-
ne dass hier eine Reaktion zwischen den Edukten stattfindet. In der Fig. 1 schließt sich an die Schlitzdüse 26 die Turbulenzerzeugungseinrichtung 28 an, die in diesem Ausführungsbeispiel eine divergente Erweiterung darstellt. Hier werden schlagartig starke Turbulenzen erzeugt, so dass es innerhalb einer sehr kurzen Strömungsstrecke zu einer vollkommenen Vermischung der dünnen Schichten kommt, also eine möglichst gute Vermischung folgt. Im Ergebnis wird das feinkörnige Produkt 30 aus dem Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor 10 abgezogen.
Fig. 2 zeigt den Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktor 10, der im Wesentlichen dem Aufbau gemäß der Fig. 1 entspricht. Hier sind jeweils die Einlaufe 32, 34 und 36 für die Edukte A und B sowie das Trennfluid dargestellt. Innerhalb des Kanals 12 sind in dieser Bauausführung Leitbleche 38 vorgesehen, die zu einer Trennung der jeweiligen Strömungen des Edukts A, des Edukts B und des Trennfluids im Einströmbereich, d. h. im Bereich der Einlasse 32, 34 und 36 führt.
In Fig. 3 ist eine geringfügige Abwandlung des Dehnströmungs-Trennschicht- Reaktors 10 gemäß der Figuren 1 und 2 dargestellt. Hier wird jeweils von oben an drei Stellen Trennfluid 24 zugeführt, wobei ebenfalls von oben in den Kanal 10 zwischen dem Trennfluid Schichten, zunächst das Edukt A 14 und das Edukt B 16, zugeführt wird. Zwischen den Zuführbereichen des Trennfluids 24 und der Edukte A und B 14 und 16 sind jeweils Trennbleche 38 angeordnet, die ein anfängliches Trennen der Strömungen sichern. In dieser Ausführungsform wird also zwischen Edukt A und Wandung des Kanals 10 bzw. Edukt B und Wandung des Kanals 10 jeweils Trennfluid eingeleitet, so dass eine unerwünschte Berührung zwischen Edukt A bzw. B und Wandung des Kanals 12 vermieden wird.
Eine alternative Ausgestaltung eines Dehnströmungs-Trennschicht-Reaktors 10 ergibt sich aus der Darstellung gemäß Fig. 4. Oben ist eine Draufsicht auf den Kanal 12 und unten ist eine Schnittdarstellung des Kanals 12 gezeigt. Hier wird deutlich, dass der Kanal hier eine rotationssymmetrische Anordnung aufweist und dass er vier Einlasse 40, 42, 44 und 46 zum tangentialen Einführen des Edukts A 14, einer ersten Trennflüssigkeit 24, des zweiten Edukts B 16 und einer zweiten Trenn-
flüssigkeit 25 besitzt. Durch die tangentiale Zuführung dieser Strömungskomponenten entsteht eine Drehströmung 48, die in dem rotationssymmetrischen Kanal 12 durch den zentrisch angeordneten Kegel 50 unterstützt wird. An den rotationssymmetrischen Kanal 12 schließt sich mittig unterhalb die Schlitzdüse 26 zum Ausziehen der Edukt- bzw. Trennfluidströmung an, wobei in dieser Ausführungsvariante die laminaren Strömungsschichten sich in einer Rotationsbewegung hin zur Öffnung bewegen, um dann als Freistrahl 52 auszutreten. Durch Auftreffen auf eine Prallplatte 54 wird dann die plötzliche turbulente Mikrovermischung erreicht.
In der Darstellung gemäß Fig. 5 ist wiederum eine alternative Ausgestaltung der Erfindung gezeigt. Grundsätzlich ist hier eine ähnliche Ausgestaltung wie in den Figuren 1 und 3 wiedergegeben, wobei hier das Edukt A 14 und das Edukt B 16 jeweils seitlich oben in den Kanal 12 eingeleitet werden, wobei mittig von oben die Trennflüssigkeit 24 eingeleitet wird. An den Kanal 12 schließt sich auch hier wieder die sich konvergent verjüngende Schlitzdüse 26 an, von wo aus die hier noch getrennt vorliegenden Schichten in einem Freistrahl austreten. Dieser Freistrahl wird in eine Flüssigkeit 56 geleitet, die in einem Behälter 58 enthalten ist. Der Freistrahl trifft in einer Mischzone 60 auf die Flüssigkeit 56 und führt zu einer schnellen turbulenten Mikrovermischung. Das Produkt 30 kann dann aus dem Behälter 58 abgezogen werden.