Bohrer
Beschreibung
Die Erfindung betrifft einen Bohrer zur zerspanenden Bearbeitung von Werkstücken gemäß Oberbegriff des Anspruchs 1.
Bohrer der hier angesprochenen Art sind bekannt. Sie dienen der zerspanenden Bearbeitung von Werkstücken, wobei in der Regel rotierende Bohrer mit einem stillstehenden Werkstück zusammenwirken. Denkbar ist es aber auch, den Bohrer still stehen zu lassen und das Werkstück in Rotation zu versetzen. Entscheidend ist eine Relativdrehung zwischen Werkzeug und Werkstück. Bekannte Bohrer weisen zwei Vollbohrschneiden mit diesen zugeordneten Führungsfasen auf. Es hat sich herausgestellt, dass in vielen Fällen die Bearbeitungszeit, also die Zeit zur Einbringung einer Bohrung in ein Werkstück, zu lang ist und dass die Geometrie der erzeugten Boh- rung, also deren Rundheit und Koaxialität, hohen Anforderungen nicht gerecht wird.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, einen Bohrer zu schaffen, der diese Nachteile nicht aufweist.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird ein Bohrer vorgeschlagen, der die in Anspruch 1 genannten Merkmale aufweist. Er zeichnet sich dadurch aus, dass vier Schneiden und diesen zugeordnete vier Führungsfasen vorgesehen sind. Die Schneiden sind paarweise einander zugeordnet, wobei ein erstes Paar als Vollbohrschneiden und ein zweites Paar als Aufbohrschneiden ausgebildet sind. Die Vollbohrschneiden werden zum Vollbohren benutzt, die beiden anderen Schneiden, also die Aufbohrschneiden, unterstützen die Zerspanung der Vollbohrschneiden im äußeren Durchmesserbereich des Bohrers. Auf diese
Weise kann bei der Bearbeitung eines Werkstücks der Vorschub des Bohrers gegenüber bekannten Ausführungsformen wesentlich erhöht werden. Die Führungsflächen der Aufbohrschneiden stabilisieren das Werkzeug so in der erzeugten Bohrung, dass die Geometrie der Bohrung, also deren Rundheit und Koaxialität, wesentlich verbessert wird.
Bevorzugt wird ein Ausführungsbeispiel, das sich dadurch auszeichnet, dass die Teilung zwischen Haupt- und Aufbohrschneide weniger als 90° beträgt. Damit ist es möglich, den Vollbohrschneiden eine größere Spannut zuzuordnen als den Aufbohrschneiden, was die Spanabfuhr wesentlich verbessert.
Weitere Ausgestaltungen ergeben sich aus den übrigen Unteransprüchen.
Die Erfindung wird im Folgenden anhand der Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine Draufsicht auf die Stirnseite eines ersten Ausführungsbeispiels eines Bohrers,
Figur 2 eine Seitenansicht des Bohrers nach Figur 1 ,
Figur 3 eine erste Seitenansicht eines zweiten Ausführungsbeispiels eines Bohrers,
Figur 4 eine zweite Seitenansicht des in Figur 3 dargestellte, um 90° um seine Mittelachse gedrehten Bohrers und
Figur 5 eine perspektivische Ansicht des in den Figuren 3 und 4 dargestellten Bohrers von schräg vorne.
Figur 1 zeigt einen Bohrer 1 , und zwar dessen Stirnseite 3. Zur besseren Orientierung sind eine senkrechte erste Durchmesserlinie 5 und eine horizontale zweite Durchmesserlinie 7 dargestellt, durch deren Schnittpunkt die Mittelachse 9 des Bohrers 1 senkrecht zur Bildebene von Figur 1 verläuft. Die Stirnansicht zeigt, dass der Bohrer 1 insgesamt vier Schneiden aufweist, die paarweise einander zugeordnet sind. Ein erstes Paar umfasst die Vollbohrschneiden 11 , 11', ein zweites Paar die Aufbohrschneiden 13, 13'. Die Vollbohrschneiden verlaufen parallel zur ersten Durchmesserlinie 5 und erstrecken sich von einer Umfangslinie 15, die durch einen Kreis angedeutet ist, über die dem Betrachter zugewandte Stirnseite des Bohrers 1 und zwar bis über die zweite Durchmesserlinie 7 hinaus. Die Vollbohrschneide 11 liegt dabei rechts von der ersten Durchmesserlinie 5, die Vollbohrschneide 11' links der ersten Durchmes- serlinie 5. Die beiden Vollbohrschneiden 11 , 11' sind also auf gegenüberliegenden Seiten der ersten Durchmesserlinie 5 angeordnet. Die Vollbohrschneiden 11, 11' schneiden die zweite Durchmesserlinie 7, wobei zwischen den unmittelbar jenseits der zweiten Durchmesserlinie 7 liegenden Enden 17, 17' der Vollbohrschneiden 11, 11' eine die Mittelachse 9 schneidende Querschneide 19 ausgebildet ist.
Im Bereich der die Umfangslinie 15 schneidenden Enden 21, 21' der Vollbohrschneiden 11 , 11' sind erste Führungsfasen 23, 23' vorgesehen, über die der Bohrer 1 sich an der Wandung einer hergestellten Bohrung abstützt.
Figur 1 zeigt, dass sich die Führungsfasen 23, 23' rechts und links von der ersten Durchmesserlinie 5 erstrecken.
In der durch einen Pfeil 25 angedeuteten Drehrichtung des Bohrers 1 gesehen, liegen vor den Vollbohrschneiden 11 , 11' Spannuten 27,
27', wobei die Spannut 27 der Vollbohrschneide 11 und die Spannut 27' der Vollbohrschneide 11' zugeordnet ist. Die Begrenzungslinie der Spannut 27 ist im Wesentlichen bogenförmig, praktisch kreisbogenförmig ausgebildet und erstreckt sich in Richtung der Mittelachse 9 und reicht bis nahe an die erste Durchmesserlinie 5 und die zweite Durchmesserlinie 7 heran. Die Spannut 27' ist punktsymmetrisch zur Mittelachse 9 ausgebildet. Die Spannuten 27, 27' dienen dazu, die von den Vollbohrschneiden 11, 11' abgetragenen Späne aufzunehmen und abzutransportieren.
Unter einem spitzen Winkel α zur ersten Durchmesserlinie 5 verläuft eine gedachte dritte Durchmesserlinie 29, auf der das zweite Paar Schneiden des Bohrers 1, nämlich die Aufbohrschneiden 13, 13' liegen. Die Länge der Aufbohrschneiden 13, 13' ist deutlich kürzer als die der Vollbohrschneiden 11, 11'. Sie erstrecken sich von der Um- fangslinie 15 in Richtung zur Mittelachse 9 etwa über einen Bereich, der jeweils der Hälfte des Radius' des Bohrers 1 beträgt. Die Länge der Aufbohrschneiden 13, 13' kann an das Material des Werkzeugs und des Werkstücks angepasst werden. Die Aufbohrschneiden 13, 13' dienen insbesondere der Zerspanung des Materials des Werk- Stücks im äußeren Durchmesserbereich, daher enden sie also in der Regel in einem deutlichen Abstand vor der Mittelachse 9.
In der durch den Pfeil 25 angedeuteten Drehrichtung des Bohrers 1 gesehen sind vor den Aufbohrschneiden 13, 13' Spannuten 31, 31' vorgesehen, welche die von den Aufbohrschneiden 13, 13' abgetra- genen Späne aufnehmen und abtransportieren. Dabei ist die Spannut 31 der Aufbohrschneide 13 und die Spannut 31' der Aufbohr- schneide 13' zugeordnet. Die Stirnansicht nach Figur 1 zeigt, dass die Spannuten 31, 31' deutlich kleiner sind als die den Vollbohrschneiden 11 , 11' zugeordneten Spannuten 27, 27'. Die Größe der
Spannuten 27, 27' und 31, 31' hängt einerseits davon ab, wie weit die innere Begrenzungslinie der Spannuten sich in Richtung zu den Durchmesserlinien 5 und 7 beziehungsweise der Mittelachse 9 erstreckt, andererseits aber auch von der Teilung zwischen den Voll- bohrschneiden 11, 11' und Aufbohrschneiden 13, 13'. die Teilung, also der Winkel α, liegt in einem Bereich von 45° bis 90°. Vorzugweise wird - wie in Figur 1 dargestellt - ein Teilungswinkel von < 90° gewählt, um den Vollbohrschneiden 11 , 11' eine größere Spannut 27, 27' zuordnen zu können als den Aufbohrschneiden 13, 13'. Die- se Größenverhältnisse werden so gewählt, weil die Vollbohrschneiden 11 , 11' mehr Späne abtragen, als die Aufbohrschneiden 13, 13'.
Auch im Bereich der Aufbohrschneiden 13, 13' sind Führungsfasen 33, 33' vorgesehen, über die sich der Bohrer 1 an der Wandung einer erzeugten Bohrung abstützt.
Aus Figur 1 ist ersichtlich, dass in Richtung der Umfangslinie 15 gesehen die Breite der Führungsfase 23 einerseits durch den Schnittpunkt der Begrenzungslinie der Spannut 27 mit der Umfangslinie 15 und andererseits durch den Schnittpunkt der Begrenzungslinie der Spannut 31 mit der Umfangslinie 15 definiert wird. Diese beiden Schnittpunkte liegen links und rechts der ersten Durchmesserlinie 5. Die Breite der Führungsfase 23' ist entsprechend. Die Breite der Führungsfase 33 bestimmt sich einerseits durch den Schnittpunkt der Aufbohrschneide 13 mit der Umfangslinie 15 und andererseits durch den Schnittpunkt der Begrenzungslinie der Spannut 27' mit der Umgangslinie 15. Entsprechend wird die Breite der Führungsfase 33' definiert.
Die Breite aller Führungsfasen 23, 23', 33, 33', gemessen in Um- fangsrichtung des Bohrers 1 , wird so gewählt, dass die Summe der Breiten vorzugsweise etwa 5% bis 15% des Durchmessers des Boh-
rers 1 ausmachen. Entsprechend den bei der Bearbeitung eines Werkstücks auftretenden Belastungen können die Führungsfasen 23, 23', die den Vollbohrschneiden 11 , 11' zugeordnet sind, breiter ausgebildet werden, als die den Aufbohrschneiden 13, 13' zugeord- neten Führungsfasen 33, 33'.
Durch die hier beschriebene Dimensionierung der Führungsfasen wird eine optimale Führung des Bohrers 1 in der bearbeiteten Bohrung erreicht, wobei sichergestellt ist, dass die Reibung der Führungsfasen an der Bohrungswand nicht zu groß wird, weil dies zu einer unerwünscht hohen Erwärmung des Bohrers führen würde.
Hier sei noch darauf hingewiesen, dass die Schneiden des Bohrers 1 , die geometrisch definierte Schneidkanten aufweisen, auch Teil von in den Grundkörper des Bohrers 1 eingesetzten Schneidplatten sein können.
Der Bohrer 1 kann mit Kanälen versehen werden, die der Kühl-/ Schmiermittelzufuhr dienen. Bei dem hier dargestellten Ausführungsbeispiel sind zwei Kanäle vorgesehen, die in die Stirnseite 13 des Bohrers 1 münden. Die Mündung 35 eines ersten Kanals liegt im ersten Quadranten, die Mündung 35' eines zweiten Kanals im dritten Quadranten. In die Stirnseite 3 sind an die Mündungen 35, 35' angrenzende Mulden 37, 37' und 39, 39' vorgesehen, die der Verteilung des aus den Mündungen 35, 35' austretenden Kühl-/Schmier- mittels dienen. Dieses kann aus der Mündung 35 über die Mulde 37 der Vollbohrschneide 11' und von der Mündung 35 über die Mulde 39 der Aufbohrschneide 13 zugeführt werden. Entsprechend kann es über die Mündung 35' und die Mulde 37' der Vollbohrschneide 11 und über die Mündung 35' sowie die Mulde 39 der Aufbohrschneide 13' zugeführt werden.
Der Strömungsquerschnitt der Mulden 37, 37' einerseits und der Mulden 39, 39' andererseits ist vorzugsweise verschieden: Die Mulden 37, 37', über die das Kühl-/Schmiermittel den Vollbohrschneiden 11, 11' zugeführt wird hat einen größeren Querschnitt als die Mulden 39, 39', über die das Kühl-/Schmiermittel den Aufbohrschneiden 13, 13' zugeführt wird. Diese Dimensionierung des Muldenquerschnitts dient einerseits dazu, das größere Spanvolumen in den den Vollbohrschneiden 11 , 11' zugeordneten Spanräumen 27, 27' besser abtransportieren zu können, andererseits dazu, den Vollbohrschnei- den 11, 11' mehr Kühlmittel zukommen zu lassen, weil diese einer größeren Wärmebelastung unterliegen als die Aufbohrschneiden 13, 13'.
Dadurch, dass die Größe der Spannuten an das Volumen der anfallenden Späne angepasst wird, kann den Vollbohrschneiden ein aus- reichend großer Spanraum zur Verfügung gestellt werden, während der Spanraum der Aufbohrschneiden entsprechend klein ausgelegt wird. Insgesamt lässt sich damit eine maximale Querschnittsfläche des Bohrers, also eine maximale Kerngröße, bei optimalem Spanabführverhalten erzielen.
Figur 2 zeigt den Bohrer 1 in Seitenansicht. Gleiche Teile sind mit gleichen Bezugsziffern versehen, so dass insofern auf die Beschreibung zu Figur 1 verwiesen, um Wiederholungen zu vermeiden.
Die Seitenansicht nach Figur 2 zeigt, dass der Bohrer 1 einen hier beispielhaft zylindrisch ausgebildeten Befestigungsschaft 41 aufweist der auch konisch oder auch als Hohlschaft ausgebildet sein kann. Daran schließt sich ein mit Spannuten 27, 27' und 31 , 31' versehener Bereich 43 an. Zwischen den Spannuten liegen die Führungsfasen 23, 23' und 33, 33'.
In Figur 2 ist der Seitenspanwinkel ß eingezeichnet, der zwischen der Mittelachse 9 und hier beispielsweise zur Begrenzungskante der Spannut 27' eingeschlossen ist. Der Bohrer 1 zeichnet sich dadurch aus, dass der Seitenspanwinkel ß in einem Bereich von 0° bis 45° liegen kann, es können also sowohl Spiralbohrer als auch gerade genutete Bohrer realisiert werden.
Im Bereich der Stirnseite 3 des Bohrers 1 sind die Vollbohrschneide 11 und die Aufbohrschneide 13' erkennbar. Der Bohrer 1 zeigt einen spitzen Winkel von vorzugsweise 140°. Im Bereich des Befesti- gungsschafts 41 sind mit strichpunktierten Linien die Kanäle 45, 45' für das Kühl-/Schmiermittel erkennbar, die die in Figur 1 dargestellten Mündungen 35, 35' aufweisen.
Der anhand der Figuren erläuterte Bohrer 1 zeichnet sich als dadurch aus, dass er vier paarweise ausgebildete Schneiden aufweist, nämlich die Vollbohrschneiden 11 , 11' und die Aufbohrschneiden 13, 13'. Dabei dienen die Vollbohrschneiden 11, 11' gemeinsam mit der Querschneide 19 dem Vollbohren und die Aufbohrschneiden 13, 13' der Zerspanung im äußeren Durchmesserbereich. Vorzugsweise sind alle vier Schneiden sowohl radial als auch axial auf gleicher Hö- he angeordnet, so dass der Vorschub bei der Bearbeitung eines Werkstücks wesentlich gesteigert werden kann. Es ist das Doppelte des Vorschubs erreichbar, der mit herkömmlichen Bohrern erzielt werden konnte. Da allen vier Schneiden Führungsfasen zugeordnet sind, ergibt sich eine optimale Abstützung des Bohrers 1 in einer be- arbeiteten Bohrung, was zu einer besseren Geometrie derselben führt, also zu einer optimalen Rundheit und Koaxialität. Durch die zusätzlichen Aufbohrschneiden 13, 13' und die zugehörigen Führungsfasen 33, 33' wird also einerseits die Bohrleistung verbessert,
was zur Steigerung des Vorschubs führt, andererseits die Führung des Bohrers 1 in der in ein Werkstück einzubringenden Bohrung.
Durch die Kanäle 45, 45' können Kühl- und/oder Schmiermittel in den Bohrer 1 eingeleitet werden, wobei auch eine so genannte Mi- nimalmengenschmierung realisiert werden kann, bei der ein Schmiermittel tropfenweise in die Kanäle 45, 45' eingeleiteter Luft zugeführt werden. Die Mündungen 35, 35' der Kanäle 45, 45' führen über die Mulden 37, 37' und 39, 39' den Vollbohrschneiden 11 , 11' und Aufbohrschneiden 13, 13' das Kühl-/Schmiermittel zu. Mit Hilfe der jeweils zwei Mulden, die einer Mündung zugeordnet sind, können alle vier Schneiden ausreichend versorgt werden.
Das in den Figuren dargestellte Ausführungsbeispiel des Bohrers kann abgewandelt werden. Beispielsweise ist es möglich, das erste Schneidenpaar entsprechend dem Ausführungsbeispiel gemäß Figur 1 und 2 als Vollbohrschneiden und das zweite Paar als Schneiden eines Fräsers auszubilden. Vorzugsweise sind die als Fräser dienenden Schneiden in einem axial zurückversetzten, hinterem Bereich vorgesehen.
Denkbar ist es auch, dass die Schneiden auf gleicher axialer Höhe liegen, dass jedoch mindestens eine derselben in ihrem hinteren Bereich als Fräser ausgebildet ist. Vorzugsweise sind zumindest zwei, insbesondere alle Schneiden in ihren hinteren Bereich als Fräser ausbildet.
Es ist im Übrigen auch möglich, bei dem Bohrer zwei verschiedene Bereiche vorzusehen, die in axialer Richtung gegeneinander versetzt sind. Dabei wird der vordere Bereich als Bohrwerkzeug ausgebildet und der hintere Bereich als Fräswerkzeug. Dabei wird vorzugsweise der hintere Bereich etwas abgesetzt, er weist also einen anderen
Außendurchmesser auf als der vordere Bereich. Besonders bevorzugt wird ein Ausführungsbeispiel, bei dem der hintere abgesetzte Bereich als zylindrisches Fräswerkzeug ausgebildet ist.
Allen Ausführungsbeispielen ist gemeinsam, dass der auch als Auf- nähme bezeichnete Befestigungsschaft 41 , wie in Figur 2 dargestellt, zylindrisch ausgebildet sein kann. Dabei ist es möglich, den Befestigungsschaft 41 auch hohl auszubilden. Statt der zylindrischen Ausgestaltung können aber auch konische Ausführungen realisiert werden, wobei auch hier der Befestigungsschaft 41 aus Vollmaterial be- stehen oder als Hohlschaft ausgebildet sein kann. Schließlich ist es möglich, die Aufnahme mit einer den Befestigungsschaft 41 umgebenden Planfläche 47 zu versehen, die vorzugsweise als Ringfläche ausgebildet und so angeordnet ist, dass sie in einer Ebene liegt, auf der die Mittelachse 9 des Werkzeugs senkrecht steht. Diese Ausges- taltung ermöglicht eine besonders exakte Fixierung des Bohrers in einer Werkzeugaufnahme, einem Zwischenstück oder einem Adapter.
Den beiden Ausführungsbeispielen ist gemeinsam, dass die Bohrer jeweils vier Schneiden und vier Führungsfasen aufweisen, wodurch sich einerseits die optimale Führung innerhalb der Bohrung ergibt, so dass die Geometrie der erzeugten Bohrung hohen Anforderungen gerecht wird und andererseits ein besonders großer Vorschub möglich wird.
Das zweite Ausführungsbeispiel wird anhand der Figuren 3 bis 5 nä- her erläutert. Gleiche Teile oder Teile gleicher Funktion werden mit gleichen Bezugsziffern versehen, so dass insofern auf die Beschreibung zu den Figuren 1 und 2 verwiesen wird.
Figur 3 zeigt das zweite Ausführungsbeispiel eines Bohrers 1 in Seitenansicht. Deutlich erkennbar ist der hier konisch ausgebildete Befestigungsschaft 41 , der von einer Planfläche 47 umgeben ist. Diese ist vorzugsweise als Ringfläche ausgebildet und liegt in einer Ebene, auf der die Mittelachse 9 des Bohrers 1 senkrecht steht. Rechts des auch als Aufnahme bezeichneten Befestigungsschafts 41 sind Spannuten und Führungsfasen erkennbar. Die Stirnseite 3 des Bohrers weist einen Spitzenwinkel von vorzugsweise 140° auf. Erkennbar sind hier die Vollbohrschneide 11 und 11' sowie eine einem Schneidenpaar zugeordnete weitere Schneide, die hier jedoch nicht als Aufbohrschneide sondern als Fräserschneide 113' ausgebildet ist.
Bei der Bearbeitung eines Werkstücks wird der Bohrer 1, von seiner Stirnseite 3 aus gesehen, gegen den Uhrzeigersinn in Rotation ver- setzt, was in Figur 1 durch den Pfeil 25 angedeutet ist. In Drehrichtung gesehen befindet sich vor der Vollbohrschneide 11 die Spannut 27 und vor der Fräserschneide 113' die Spannut 31'. Die Bezeichnungen der Schneiden und der Spannuten wird entsprechend den Angaben zu Figur 1 gewählt.
Im Bereich der Umfangsfläche des Bohrers 1 schließt sich an die Vollbohrschneide 11 die Führungsfase 23 und an die Fräserschneide 113' die Führungsfase 33' an.
Auch bei dem in Figur 3 dargestellten Ausführungsbeispiel ist vorgesehen, dass ein Seitenspanwinkel > 0° gewählt wird, so dass das Ausführungsbeispiel nach Figur 3 als Spiralbohrer ausgebildet ist. Aber auch hier ist es möglich, gerade genutete Bohrer zu realisieren.
Figur 3 zeigt, dass bei dem hier dargestellten Ausführungsbeispiel des Bohrers 1 die Fräserschneide 113' in axialer Richtung gegen-
über der Spitze des Bohrers um die Strecke d zurückversetzt ist. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sehr wohl möglich ist, diesen Axialversatz auf Null zu reduzieren, also alle Schneiden auf gleicher Höhe anzuordnen.
Figur 4 zeigt den in Figur 3 dargestellten Bohrer ebenfalls in Seitenansicht. Jedoch wurde der Bohrer um seine Mittelachse 9 um 90° verdreht. Aus dieser Darstellung wird deutlich, dass sich an die Vollbohrschneide 11 die Führungsfase 23 anschließt und an die Fräserschneide 113' die Führungsfase 33'. Zwischen den beiden Fasen liegt die der Vollbohrschneide 11 zugeordnete Spannut 27. Unterhalb der Führungsfase 33' ist die der Fräserschneide 113 zugeordnete Spannut 31' zu sehen.
Figur 5 zeigt den in den Figuren 3 und 4 dargestellten Bohrer 1 vergrößert in perspektivischer Darstellung von schräg vorne. Gleiche Teile sind mit gleichen Bezugsziffern versehen, so dass insofern auf die Beschreibung zu den vorangegangenen Figuren verwiesen wird.
Bei der Darstellung gemäß Figur 5 ist der Bohrer so angeordnet, dass die Vollbohrschneide 11, wie in Figur 4 dargestellt, im Wesentlichen senkrecht steht.
In Figur 5 wird deutlich, dass sich außen an die Vollbohrschneide 11 die Führungsfase 23 anschließt, und dass, in Drehrichtung gesehen, vor der Vollbohrschneide die Spannut 27 angeordnet ist. In axialer Richtung versetzt ist die Fräserschneide 113' zu sehen. Verdeckt ist in Figur 5 die symmetrisch angeordnete Fräserschneide 113. Deut- lieh wird aber, dass symmetrisch zur Vollbohrschneide 11 die Vollbohrschneide 11' angeordnet ist.
Außen schließt sich an die Fräserschneide 113' die Führungsphase 31' an. Auch hier ist die, in Drehrichtung gesehen vor der Fräserschneide 113' angeordnete Spannut 31 ' erkennbar.
Der Grundaufbau des anhand der Figuren 3 bis 5 erläuterten Boh- rers 1 entspricht dem des in Zusammenhang mit den Figuren 1 und 2 erläuterten Bohrers. Es sind vier Schneiden vorgesehen, die paarweise ausgebildet sind, wobei ein erstes Paar der Schneiden Vollbohrschneiden 11, 11' bilden und ein zweites Paar Fräserschneiden bilden, von denen in den Figuren 3 bis 5 die Fräserschneide 113' erkennbar ist. Die Teilung der Schneiden kann wie bei dem anhand der Figuren 1 und 2 erläuterten Ausführungsbeispiel gewählt werden. Auch ist es möglich, obwohl in den Figuren 3 bis 5 nicht dargestellt, den Bohrer 1 nach den Figuren 3 bis 5 mit Kanälen für ein Kühl-/Schmiermittel zu versehen, um die Schneiden entsprechend den Erläuterungen zu den Figuren 1 und 2 zu kühlen / schmieren.
Wesentlich ist, dass den vier Schneiden jeweils Führungsfasen 23, 23' und 33, 33' zugeordnet sind, so dass auch bei dem Ausführungsbeispiel nach den Figuren 3 bis 5 eine wesentlich verbesserte Geometrie der Bohrung, also eine verbesserte Rundheit und Koaxia- lität, erzielt wird, außerdem eine wesentliche Erhöhung des Vorschubs.
Bei einem Bohrer mit zwei Vollbohrschneiden 11 , 11' und zwei Fräserschneiden 113, 113' kann vorgesehen werden, dass alle Schneiden auf gleicher Höhe liegen, also axial nicht versetzt sind. Mindes- tens eine der Schneiden kann in ihrem hinteren Bereich als Fräser ausgebildet sein, also eine Fräserschneide bilden. Denkbar ist es auch, alle Schneiden, sofern sie auf gleicher Höhe liegen, in ihrem hinteren Bereich als Fräserschneiden auszubilden.
Vorzugsweise ist der Bohrer 1 nach den Figuren 3 bis 5 im vorderen Bereich als Bohrwerkzeug und im hinteren Bereich als Fräswerkzeug ausgebildet. Bevorzugt wird ein Bohrer nach den Figuren 3 bis 5, bei dem der hintere Bereich um die Strecke d abgesetzt und vorzugs- weise als zylindrisches Fräswerkzeug ausgebildet ist.
Auch bei dem Ausführungsbeispiel nach den Figuren 3 bis 5 gilt, dass der Befestigungsschaft 41 zylindrisch, konisch, voll oder hohl ausgebildet sein kann.
Beiden Ausführungsbeispielen des Bohrers ist gemeinsam, dass mindestens eine Schneide, vorzugsweise ein Schneidenpaar, als Vollbohrschneide ausgebildet ist und mindestens eine, vorzugsweise ein Schneidenpaar, als Nachbearbeitungsschneide dient, entweder als Aufbohrschneide bei dem Ausführungsbeispiel nach den Figuren 1 und 2 oder als Fräserschneide wie bei dem Ausführungsbeispiel nach den Figuren 3 bis 5.