Festelektrolytmaterial und Verfahren zu dessen Herstellung
Die Erfindung betrifft ein Festelektrolytmaterial und ein Sensorelement dieses enthaltend sowie ein Verfahren zur Herstellung eines Festelektrolytmaterials nach dem Oberbegriff der unabhängigen Ansprüche.
Stand der Technik
Heute üblicherweise zur Detektion von Gasbestandteilen in Verbrennungsgemischen von Kraftfahrzeugmotoren eingesetzte Abgassensoren beinhalten keramische Sensorelemente, die üblicherweise als Folienlaminat aus Zirkondioxid hergestellt sind. Dabei werden in einem Dickschichtverfahren durch Siebdruck Funktionsschichten auf ungesinterte Zirkondioxidfolien aufgebracht und anschließend gesintert. Um die ionische Leitfähigkeit insbesondere für Oxidionen zu erhöhen, wird dem Zirkondioxid beispielsweise Yttriumoxid zugesetzt, das als Fehlstelle in den Kristallverband des Zirkondioxid eingebaut wird. Eine ausreichende
Leitfähigkeit des Festelektrolytmaterials für Oxidionen ist eine Voraussetzung für den Sauerstofftransport, der beispielsweise Grundlage für die Funktionsfähigkeit elektrochemischer Pumpzellen des Sensorelements ist. Mit Yttriumoxid stabilisiertes Zirkondioxid weist jedoch bei den üblichen Betriebstemperaturen eines Abgassensors auch eine merkliche elektrische Leitfähigkeit auf, die unerwünscht ist. Der DE 199 37 163 AI ist zu entnehmen, dass reine
Zirkondioxidfolien beispielsweise bei einer Temperatur von 700 bis 800°C eine elektrische Leitfähigkeit von mehr als 1 mS/cm aufweisen.
Übliche Sensorelemente von Abgassensoren beinhalten neben dem eigentlichen Messelement eine Vorrichtung zur Aufheizung des Sensorelements, wobei es sich dabei üblicherweise um eine elektrische Widerstandsheizung handelt. Im Betrieb fließen durch den Widerstandsleiter
der Heizvorrichtung vergleichsweise große Ströme, die den Betrieb elektrochemischer Messzellen des Sensorelements durch Einkopplung stören.
In der DE 199 37 163 AI wird dieses Problem dadurch gelöst, dass die Heizvorrichtung des Sensorelements mit einer Isolationsschicht versehen wird, die eine geringe elektrische
Leitfähigkeit aufweist. Dennoch ist bei dieser Schicht die Bildung von Rissen möglich.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Festelektrolytmaterial insbesondere für Sensorelemente von Abgassensoren bereitzustellen, das eine Beeinträchtigung der Messgenauigkeit des Sensorelements durch in der Heizvorrichtung des Sensorelements auftretende Ströme vermeidet.
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Festelektrolytmaterial und ein dieses enthaltendes Sensorelement mit den kennzeichnenden Merkmalen der unabhängigen Ansprüche hat den Vorteil, dass es bei den üblichen Betriebstemperaturen von Abgassensoren im Bereich von 400 bis 1000 °C eine äußerst geringe elektrische Leitfähigkeit aufweist. Somit werden in einem entsprechenden Sensorelement einerseits Störeinflüsse durch eine im Sensorelement vorhandene
Heizvorrichtung vermieden und andererseits die Signalausbeute der elektrochemischen Messzellen des Sensorelement verbessert. Gleichzeitig verringert sich die Temperaturabhängigkeit des Offset-Signals der elektrochemischen Messzellen des Sensorelements.
Dies wird erreicht, indem das Festelektrolytmaterial im wesentlichen von weiteren Elementen befreit ist, die die elektrische Leitfähigkeit des Festelektrolytmaterials erhöhen. So enthält das Festelektrolytmaterial insbesondere im wesentlichen keine Verbindungen des Titans, Eisens, Cobalts, Siliciums, Kalziums, der Alkalimetalle oder der Seltenen Erden.
Durch die in den Unteransprüchen aufgeführten Maßnahmen sind vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen des in den unabhängigen Ansprüchen angegebenen Festelektrolytmaterials möglich.
So ist es vorteilhaft, wenn der Gehalt an Verbindungen des weiteren Elements, das die
elektrische Leitfähigkeit des Festelektrolytmaterials erhöhen würde, im Festelektrolytmaterial kleiner 1 Gew.% ist und insbesondere 0.001 bis 0.15 Gew.% beträgt.
In einer besonders vorteilhaften Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung weist ein entsprechendes Sensorelement insbesondere zwischen der Heizvorrichtung und dem oder den Messelementen eine Schicht des erfindungsgemäßen Festelektrolytmaterials auf. Auf diese Weise wird eine Einkopplung der in der Heizvorrichtung fließenden Ströme in das Signal der elektrochemischen Messzellen des Sensorelements wirkungsvoll verhindert und es ist dennoch eine kostengünstige Herstellung eines entsprechenden Sensorelements gewährleistet.
Zeichnung
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Es zeigt Figur 1 den Aufbau eines Sensorelements in einer schematischen Explosionsdarstellung, wobei das Sensorelement ein erfindungsgemäßes Festelektrolytmaterial aufweist. Figur 2 und 3 zeigen in Form von Diagrammen Messergebnisse in Bezug auf elektrischen Widerstand des Festelektrolytmaterials bzw. der Temperaturabhängigkeit eines Messsignals des Sensorelements.
Ausfuhrungsbeispiel
Figur 1 zeigt einen prinzipiellen Aufbau eines Sensorelements gemäß einer ersten Ausfuhrungsform der vorliegenden Erfindung. Das Sensorelement dient beispielsweise der
Messung des Sauerstoffgehaltes in Abgasen von Verbrennungsmotoren Auf einer als Heizerfolie 1 bezeichneten unteren Folie ist durch Siebdruck eine erste Isolationsschicht 2 aufgebracht und auf diese ebenfalls durch Siebdruck die elektrische Heizeinrichtung 3 in Form eines Mäanders sowie Zuleitungen 14 für die Stromversorgung der Heizeinrichtung 3. Darüber wird eine zweite Isolationsschicht 4 aufgebracht, sodass die Heizeinrichtung 3 beidseitig in die
Isolationsschichten 2,4 eingebettet ist. Die Zuleitungen 14 sind über Durchkontaktierungen 12 in der ersten Isolationsschicht 2 und der Heizerfolie 1 mit an der Außenfläche der Heizerfolie 1 angebrachten Anschlusskontakten 11 verbunden. Alternativ können die Zuleitungen 14 direkt aus der Einbettung zwischen den Isolationsschichten 2, 4 herausgeführt sein, um die Heizeinrichtung 3 mit Strom zu versorgen.
Auf die zweite Isolationsschicht 4 wird eine weitere Folie in Form einer Referenzgaskanalfolie 5 angeordnet. Ein Referenzgaskanal 6 erstreckt sich vorzugsweise über annähernd die gesamte Länge der Referenzgaskanalfolie 5 und weist auf der dem Abgas abgewandten Seite des Sensorelements vorzugsweise eine Öffnung für den Zutritt eine Referenzgasatmosphäre, insbesondere Luft auf. Auf der Referenzgaskanalfolie 5 ist eine weitere Sensorfolie 8 angeordnet, die auf ihren Großflächen eine innere bzw. eine äußere Elektrode 7 bzw. 9 vorzugsweise im Bereich oberhalb der Heizeinrichtung 3 aufweist. Die Elektroden 7, 9 weisen weitere Leiterbahnen 15 auf, die mit weiteren Anschlusskontakten 16 verbunden sind, wobei die Leiterbahn 15 der inneren Elektrode 7 über eine weitere Durchkontaktierung 12a mit dem zugehörigen Anschlusskontakt 16 verbunden ist. Die Elektroden 7, 9 bilden eine elektrochemische Messzelle, insbesondere eine Nernst- oder Konzentrationszelle. Dabei wird mittels der Konzentrationszelle 7, 9 das von der Sauerstoffkonzentration abhängige Sauerstoffpotenzial der äußeren Elektrode 9 im Vergleich zum konstanten Sauerstoffpotenzial der inneren Elektrode 7 in Form einer messbaren elektrischen Spannung bestimmt.
Um zu gewährleisten, dass an den Elektroden 7, 9 eine Einstellung des thermodynamischen Gleichgewichts der Gaskomponenten des Messgasgemischs erfolgt, bestehen die Elektroden 7, 9 aus einem katalytisch aktiven Material, wie beispielsweise Platin, wobei das Elektrodenmaterial für alle Elektroden in an sich bekannter Weise als Cermet eingesetzt wird, um mit den keramischen Folien zu versintern. Die äußere Elektrode 9 ist beispielsweise durch eine poröse Schutzschicht 10 gegen die das Sensorelement umgebende Messgasatmosphäre abgeschirmt.
Die erste bzw. zweite Isolationsschicht 2, 4 sind aus einem elektrisch isolierenden, keramischen Material, beispielsweise aus A1203 ausgeführt. Die Heizerfolie 1 sowie die Referenzgaskanalfolie 5 und die weitere Folie 8 sind aus einem vorzugsweise sauerstoffionenleitenden Festelektrolytmaterial, wie beispielsweise mit Y203 stabilisiertem oder teilstabilisiertem Zr02 ausgeführt. Als Basismaterial der Folien 1, 5, 8 eignen sich jedoch auch andere Oxide der Elemente der dritten oder vierten Haupt- oder
Nebengruppe des Periodensystems.
Das Festelektrolytmaterial ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass es keine oder weitgehend keine weiteren Elemente enthält, die die elektrische Leitfähigkeit des Festelektrolytmaterials verstärken. Das Festelektrolytmaterial enthält insbesondere einen
möglichst geringen Anteil an Verbindungen des Eisens, des Titans, des Cobalts, des Magnesiums, Kalziums, der Alkalimetalle oder der Elemente der Seltenen Erden sowie derjenigen Metalle, die in mindestens zwei stabilen Oxidationsstufen außer 0 auftreten können.
Ein Festelektrolytmaterial auf der Basis von Zirkondioxid weist beispielsweise folgende Gesamtzusammensetzung in Massen-ppm auf:
Si02: 0 bis 9000 ppm, vorzugsweise 0 bis 2500 ppm, insbesondere 0 bis 1000 ppm,
Eisenoxide: 0 bis 130 ppm, vorzugsweise 0 bis 120 ppm, insbesondere 0 bis 100 ppm,
CaO: 0 bis 150 ppm, vorzugsweise 0 bis 120 ppm, insbesondere 0 bis 100 ppm,
MgO: 0 bis 80 ppm, vorzugsweise 0 bis 60 ppm, insbesondere 0 bis 50 ppm,
Ti02 0 bis 1000 ppm, vorzugsweise 0 bis 300 ppm, insbesondere 0 bis 100 ppm,
Na20: 0 bis 160 ppm, vorzugsweise 0 bis 140 ppm, insbesondere 0 bis 120 ppm,
K20: 0 bis 100 ppm, vorzugsweise 0 bis 60 ppm, insbesondere 0 bis 40 ppm,
Seltene Erden: 0 bis 100 ppm, vorzugsweise 0 bis 80 ppm, insbesondere 0 bis 60 ppm,
Cobaltoxide: 0 bis 5000 ppm, vorzugsweise 0 bis 800 ppm, insbesondere 0 bis 100 ppm,
Y203: 0 bis 10 Gew.%, vorzugsweise 0 bis 8 Gew.%, Rest: Zirkondioxid
Beispielhaft werden folgende Festelektrolytzusammensetzungen genannt, wobei die Zusammensetzung 1 einem Festelektrolytmaterial gemäß dem Stand der Technik entspricht, und die Zusammensetzungen 2 und 3 Ausführungsbeispiele erfϊndungsgemäßer Festelektrolytmaterialien darstellen. Der Gehalt der einzelnen Verbindungen im Festelektrolytmaterial ist in ppm angegeben.
Das Festelektrolytmaterial weist bei den üblichen Betriebstemperaturen von Abgassensoren im Bereich von 400 bis 1000 °C eine äußerst geringe elektrische Leitfähigkeit auf. So zeigt Figur 2 eine Auftragung 20 der Impedanzen eines stabilisierten Zirkondioxidfestelektrolytmaterials gemäß dem Stand der Technik und eine Auftragung 22 eines stabilisierten Zirkondioxidfestelektrolytmaterials mit deutlich reduziertem Gehalt an Titandioxid über dem gewählten Frequenzbereich bei einer Temperatur von 750°C. Das Festelektrolytmaterial mit reduziertem Titangehalt zeigt insbesondere bei niedrigen Frequenzen eine um eine Größenordnung größere Impedanz im Vergleich zu üblichen Festelektrolytmaterialien. Auf diese Weise werden in einem entsprechenden Sensorelement Störeinflüsse durch eine im Sensorelement vorhandene Heizvorrichtung vermindert und gleichzeitig die Signalausbeute der elektrochemischen Messzellen des Sensorelement verbessert.
Gleichzeitig verringert sich die Temperaturabhängigkeit des Offset-Signals der elektrochemischen Messzellen des Sensorelements. Dies ist in Figur 3 verdeutlicht. Dabei ist das Sensorgrundsignal 24 eines Sensors auf der Basis eines handelsüblichen Zirkondioxid- festelektrolyten und das Sensorgrundsignal 26 eines Sensors auf der Basis eines Zirkondioxidfestelektrolyten mit verringertem Titangehalt über der Sensortemperatur aufgetragen. Dabei zeigt sich eine deutlich geringere Abhängigkeit des Sensorgrundsignals 26 von der Temperatur als im Fall des Sensorgrundsignals 24, wobei die Temperaturabhängigkeit des Sensorsgrundsignals 26 in Form des Diffusionsstromes I zusätzlich eine theoretische Proportionalität gegenüber der Sensortemperatur in Form von I ~ T07 zeigt. Diese theoretisch zu erwartende Abhängigkeit ist schematisch als gestrichelte Kurve 28 eingezeichnet.
Die Herstellung des erfindungsgemäßen Festelektrolytmaterials erfolgt entweder durch gezielte Vermischung der einzelnen Verbindungen in den genannten Mengenverhältnissen oder aus
kommerziell verfügbaren Festelektrolytmaterialien durch einen geeigneten Fällungsprozess bzw. eine geeignete Umkristallisation unter Abtrennung unerwünschter Elemente, die die elektrische Leitfähigkeit erhöhen.
Das erfindungsgemäße Festelektrolytmaterial kann zur Herstellung von Sensorelementen für
Gassensoren, wie beispielsweise dem in Figur 1 dargestellten, herangezogen werden. Dabei werden vorzugsweise alle Festelektrolytfolien 1, 5, 8 aus dem erfindungsgemäßen Festelektrolytmaterial hergestellt. Es ist jedoch auch möglich, das erfindungsgemäße Festelektrolytmaterial nur für bestimmte Folien bzw. Schichten des Sensorelements einzusetzen und die weiteren Festelektrolytschichten des Sensorelements aus einem konventionellen
Festelektrolyten auszuführen. So ist es insbesondere von Vorteil, wenn bei dem in Figur 1 dargestellten Sensorelement die Referenzgaskanalfolie aus dem erfindungsgemäßen Festelektrolytmaterial gefertigt ist und die Heizerfolie 1 bzw. die weitere Folie 8 aus einem konventionellen Festelektrolytmaterial ausgeführt ist.
Die Anwendung des erfindungsgemäßen Festelektrolytmaterials ist nicht auf Sensorelementen zur Bestimmung des Sauerstoffgehaltes von Verbrennungsabgasen beschränkt, sondern es kann in beliebigen Sensorelementen auf Festelektrolytbasis unabhängig von deren Anwendungszweck bzw. Gesamtaufbau eingesetzt werden.
Weiterhin kann das erfindungsgemäße Festelektrolytmaterial als Elektrolyt bei Hochtemperaturbrennstoffzellen beispielsweise in Form von Solid Oxide Fuel Cells (SOFC) eingesetzt werden. Es weist die dort unabdingbare geringe elektrische Leitfähigkeit verbunden mit einer ausreichend guten ionischen Leitfähigkeiten für Oxidionen auf.