Variabler Flußwiderstand
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf einen variablen Flußwiderstand und insbesondere einen variablen Flußwiderstand, der zum Einsatz als Regelkomponente in einem Flu- idsystem geeignet ist.
Aus dem Stand der Techni sind aktive Fluidventile bekannt, bei denen eine elastische Membran mittels einer geeigneten Betätigungseinrichtung auslenkbar ist, um eine Ventilöffnung zu öffnen oder zu schließen. Derartige Ventile besit- zen im Regelfall einen geöffneten Zustand und einen geschlossenen Zustand, ermöglichen jedoch nicht eine Einstellung des Flußwiderstandes, der durch dieselben geliefert wird.
P. Cousseau, et al., „Improved Micro-Flow Regulator For Drug Delivery Systems", 2001 IEEE, Seiten 527-530, offenbaren einen Flußregler, der innerhalb eines vorbestimmten Betriebsdruckbereichs eine konstante Flußrate trotz Druckdifferenz liefert. Der Flußregler umfaßt eine in einem ersten Substrat gebildete Membran, durch die mittig eine Einlaßöffnung vorgesehen ist. In einem zweiten Substrat ist eine Fluidkammer gebildet, die eine Auslaßöffnung besitzt. In der Unterseite der Fluidkammer ist ein spiralförmiger, nach oben offener, kapillarer Kanal gebildet. Die beiden Sub- strate sind derart miteinander verbunden, daß die Membran, die in dem zweiten Substrat gebildete Fluidkammer nach oben abschließt. Wird ein Druck auf die Membran ausgeübt, so wird diese zunächst mittig abgelenkt, bis dieselbe mittig auf den Boden der Fluidkammer trifft. In diesem Zustand ü- berlappt die Einlaßöffnung durch die Membran mit dem inneren Ende des in dem Boden gebildeten Kanals, so daß die Einlaßöffnung und der Kanal fluidmäßig verbunden sind. Mit zunehmender Auslenkung der Membran bildet dieselbe zusammen
mit dem Kanal einen Flußwiderstand, dessen Länge mit zunehmender Auslenkung der Membran zunimmt. Somit kann trotz Druckdifferenzunterschieden aufgrund des zunehmenden Fluid- widerstands eine gleichmäßige Flußrate beibehalten werden.
Ferner dienen gemäß dem Stand der Technik mit Hilfe der Mikrosystemtechnik hergestellte Kapillare in der Mikroflui- dik als fluidische Widerstände und werden zur Erzeugung von druckgeregelten, geringen Flüssen verwendet. Diesbezügliche Anwendungen finden sich vornehmlich in der Medizintechnik, aber auch in der Analytik.
Die DE 60000109 T2 bezieht sich auf elastomerische Mikro- pu pen- und Mikroventilsysteme, bei denen zwei sich kreu- zende Kanäle mit einer zwischen denselben angeordneten Membran ein Ventil definieren.
Aus der EP 1215426 A2 ist ein elektrostriktives Ventil zum Modulieren eines Fluidflusses, das einen Ventilkörper in der Form einer Kanüle umfasst, in der ein Ventilelement in der Form eines viskoelastischen Materials angeordnet ist.
Die DE 69415683 T2 offenbart einen Strömungsregler, der einen in einem Substrat gebildeten Kanal aufweist, der zusam- men mit einer Membran eine Fluidleitung, die eine Einlassöffnung mit einer Auslassöffnung verbindet, definiert. Eine Flüssigkeit, deren Strom durch den Kanal geregelt werden soll, wirkt von beiden Seiten auf die Membran ein, so dass die Fluidleitung mit zunehmendem Druck geschlossen wird.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, einen Flußwiderstand, dessen Flußwiderstand stufenlos variiert werden kann, um als Regelkomponente für ein Fluidsystem geeignet zu sein, und der einen einfachen Aufbau aufweist, und ein Verfahren zum Steuern eines Fluidflusses zu schaffen.
Diese Aufgabe wird durch einen variablen Flußwiderstand nach Anspruch 1 und ein Verfahren nach Anspruch 13gelöst.
Die vorliegende Erfindung schafft einen variablen Flußwi- derstand mit folgenden Merkmalen:
einem Fluideinlaß;
einem Fluidauslaß;
einer geschlossenen Fluidleitung fester Länge, die den Fluideinlaß mit dem Fluidauslaß fluid äßig verbindet; und
einer Einrichtung zum Variieren des Strömungsquerschnitts der Fluidleitung über eine vorbestimmte Länge derselben zum Einstellen des durch die Fluidleitung definierten Flußwiderstands, wobei das Verhältnis von vorbestimmter Länge der Fluidleitung zu charakteristischem Durchmesser derselben > 500 ist, wobei die Einrichtung zum Variieren des Strömungs- querschnitts ausgebildet ist, um von außen auf Wandabschnitte der Fluidleitung einen Druck auszuüben, der unabhängig vom Druck eines Mediums in der Fluidleitung ist.
Die vorliegende Erfindung schafft ferner ein Verfahren zum Steuern eines Fluidflusses unter Verwendung eines variablen Flußwiderstands, der einen Fluideinlaß, einen Fluidauslaß und eine geschlossene Fluidleitung fester Länge, die den Fluideinlaß mit dem Fluidauslaß fluidmäßig verbindet, aufweist, wobei das Verfahren folgenden Schritt umfaßt:
Ausüben eines Drucks, der unabhängig vom Druck eines Mediums in der Fluidleitung ist, von außen auf Wandabschnitte der Fluidleitung und dadurch Variieren des Strömungsquerschnitts der Fluidleitung über eine vorbestimmte Länge der- selben zum Einstellen des durch die Fluidleitung definierten Flusswiderstands, um dadurch während das Anliegens eines definierten Drucks an der Fluidleitung den Fluidfluß durch die Fluidleitung zu steuern, wobei das Verhältnis von
vorbestimmter Länge der Fluidleitung zu charakteristischem Durchmesser derselben > 500 ist.
Die vorliegende Erfindung basiert auf der Erkenntnis, daß fluidische Widerstände auf der Basis von Fluidleitungen, die beispielsweise mit Hilfe der Mikrosyste technik hergestellt sein können, so aufgebaut werden können, daß diese in einem definierten Bereich stufenlos variiert werden können und somit als Regelkomponente, beispielsweise als Re~ gelventil, eingesetzt werden können, indem die Fluidleitung derart ausgebildet wird, daß der Querschnitt derselben zwischen einem Fluideinlaß und einem Fluidauslaß über eine vorbestimmte Länge variabel ist.
Eine solche Fluidleitung weist für Flüssigkeiten definierter Viskosität einen definierten fluidischen Widerstand auf, der sich durch das Verhältnis von Kanallänge zu charakteristischem Kanaldurchmesser auszeichnet. Erfindungsgemäß ist der fluidische Widerstand einstellbar, indem der Strömungsquerschnitt, und damit der charakteristische Durchmesser, über eine vorbestimmte Länge einstellbar ist, wobei (im Ausgangszustand, bei dem der Strömungsquerschnitt nicht variiert ist) das Verhältnis von vorbestimmter Länge zu charakteristischem Durchmesser > 500 ist.
Ein erfindungsgemäßer einstellbarer Widerstand kann neben der vorbestimmten Länge eines variablen Strömungsquerschnitts auch Abschnitte mit festem Strömungsquerschnitt aufweisen. Ferner kann die vorbestimmte Länge mit variablem Strömungsquerschnitt durch eine Mehrzahl von Abschnitten mit variablem Strömungsquerschnitt geliefert werden. Ferner kann eine Mehrzahl von Abschnitten mit festem Strömungsquerschnitt vorgesehen sein. Der Gesamtwiderstand ergibt sich jeweils durch die Summe der durch die jeweiligen Ab- schnitte definierten Teilwiderstände.
Anwendungsabhängig kann das Verhältnis von vorbestimmter Länge zu charakteristischem Durchmesser höher sein als >
500, und beispielsweise > 1000 sein, um einen gewünschten Fluidwiderstand realisieren zu können.
Der Begriff charakteristischer Durchmesser wird in der Flu- idtechnik verwendet, um den Durchmesser zu bezeichnen, den ein Fluidkanal mit rundem Strömungsquerschnitt haben müßte, um einen zu einer betrachteten Fluidleitung eines beliebigen Strömungsquerschnitts äquivalenten Strömungsquerschnitt zu liefern. Die Ermittlung dieses charakteristischen Durch- messers für beliebige Strömungsquerschnitte ist in der Technik bekannt.
Gemäß einem bevorzugtem Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstands kann dies erreicht wer- den, indem die Fluidleitung durch einen in der Oberfläche eines Substrats gebildeten Kanal und eine den Kanal abdeckende Membran gebildet ist. Durch Auslenken der Membran kann somit der Strömungsquerschnitt der Fluidleitung und damit der durch dieselbe gelieferte Flußwiderstand variiert werden.
Um den erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstand als Regelkomponente einzusetzen, kann ein System verwendet werden, bei dem über die den Flußwiderstand bildende Fluidlei- tung ein definierter Druck vorgegeben wird, der eine von der Viskosität des Fluids und dem fluidischen Widerstand der Fluidleitung abhängige Strömung zur Folge hat. Der abdeckbare Strömungsbereich wird durch die Systemgeometrie, also den Querschnitt und die Länge der Fluidleitung, sowie die Viskosität des verwendeten Fluids definiert.
Die vorliegende Erfindung kann in sämtlichen Gebieten der Mikrofluidik eingesetzt werden und eignet sich insbesondere auch für Anwendungen in der Medizintechnik oder der Analy- tik. Bei einer ausreichenden Verringerung des Strömungsquerschnitts der Fluidleitung, beispielsweise auf 30% des ursprünglichen Strömungsquerschnitts, kann diese einen derart hohen Strömungswiderstand aufweisen, daß der erfin-
dungsgemäße Flußwiderstand ein geschlossenes Ventil darstellt. In einem solchen Fall ist das Leckageverhalten vergleichbar mit dem herkömmlicher Mikroventile, beispielsweise solchen, bei denen eine Öffnung durch eine Membran ver- schlössen wird. Derartige bekannte Mikroventile besitzen eine Leckage von einigen μl pro Tag aufgrund von gefangenen Partikeln, Undichtigkeiten usw. Gegenüber bekannten Mikro- ventilen weist die erfindungsgemäße Struktur jedoch eine erhöhte Partikeltoleranz auf, nachdem bekannte Mikroventile typischerweise keine Partikel, die größer als etwa 500 nm sind, erlauben. Aufgrund des einfachen Aufbaus ist der erfindungsgemäße fluidische Widerstand äußerst langlebig. Ferner kann durch den erfindungsgemäßen fluidischen Widerstand ein Ventil und eine Drossel, d.h. ein Fluidwi- derstand, in einem Bauteil kombiniert werden. Definierte Strömungen können mittels des erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstands unter Verwendung analoger Steuerungen realisiert werden.
Bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden nachfolgend und Bezug nehmend auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine auseinandergezogene schematische Ansicht eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstands;
Fig. 2 und 3 schematische Querschnittsansichten zur Erläuterung des erfindungsgemäßen variablen Flußwi- derstands;
Fig. 4 eine schematische Darstellung eines Systems zur Flußregelung unter Verwendung eines erfindungsgemäßen variablen Flusswiderstands; und
Fig. 5 ein Diagramm, das die Flussrate über dem Druck auf die Fluidleitung zeigt.
Wie in Fig. 1 gezeigt ist, umfaßt ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstands ein Substrat 10, ein Halteelement 12 und ein Membranelement 14. In der oberen Oberfläche des Substrats 10 ist ein Kanal 16 ge- bildet, der bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel aus Platzspargründen einen mäanderförmigen Verlauf aufweist.
Das Halteelement 12 besitzt eine im wesentlichen rahmenför- mige Struktur, die über einem wesentlichen Bereich des Kanals 16 eine Ausnehmung 18 definiert. Ferner sind in dem Halteelement 12 eine Fluideinlaßöffnung 20 und eine Fluidauslaßöffnung 22 gebildet. Die Ausnehmung 18 ist vorzugsweise derart ausgebildet, daß das Membranelement 14 in dieselbe eingebracht werden kann und somit die Oberseite des Kanals 16, der in dem Substrat 10 gebildet ist, abdeckt, mit Ausnahme eines ersten und eines zweiten Endes 24 und 26 des Kanals, die unterhalb der Rahmenstruktur angeordnet sind. Durch den Kanal 16 und das auf die Oberseite des Substrats 10 aufgebrachte Membranelement 14 wird somit eine geschlossene Fluidleitung einer vorbestimmten Länge definiert, wobei das Halteelement 12 verwendet ist, um die Position des Membranelements festzulegen. Im fertiggestellten Zustand ist die Fluideinlaßöffnung 20 des Halteelements 12 in Fluidverbindung zu dem ersten Ende 24 des Kanals 16, während die Fluidauslaßöffnung 22 in Fluidverbindung mit dem zweiten Ende 26 des Kanals 16 ist.
Das Substrat 10 kann aus einem beliebigen geeigneten Trägermaterial, beispielsweise Silizium, Kunststoffen oder Me- tallen, bestehen. Der Kanal 16 kann durch beliebige geeignete Verfahren in der Oberseite des Substrats 10 gebildet sein, beispielsweise durch Ätzverfahren, Spanverfahren, La- serablationsverfahren, Spritzgussverfahren, Prägetechniken, Erodieren oder Litographieverfahren usw. Dieser nach oben offene Kanal 16 wird durch Aufbringen des Membranelements 14 gedeckelt, wobei das Membranelement 14 eine Elastomermembran, eine Metallmembran oder dergleichen sein kann. Ferner kann auch die Membran 14 aus Silizium bestehen und
unter Verwendung bekannter Verfahren, beispielsweise dem Silicon-Fusion-Bonding, mit dem Substrat 10 verbunden sein. Alternativ kann das Membranelement 14 durch ein anderes Verfahren an dem Substrat 10 angebracht sein, beispielswei- se Schweißen, Kleben und dergleichen, wobei das in Fig. 1 gezeigte Rahmenelement optional ist.
Durch den Kanal 16 und die denselben nach oben abschließende Membran 14 kann eine Kapillarstruktur gebildet sein. Ei- ne Kapillarstruktur definiert sich dadurch, dass in derselben Kapillarkräfte dominieren, wobei sich Kapillare abhängig von involvierten Oberflächenspannungen, die wiederum von den verwendeten Fluiden abhängen, bei Umgebungsbedingungen auf Grund von Kapillarkräften ohne die Einleitung zusätzlicher Kräfte füllen können.
Strömungsquerschnitte erfindungsgemäß verwendeter Fluidlei- tungen können beispielsweise in einem Bereich zwischen 50 μ 2 und 1500 μ 2 liegen, wobei ein typischer Wert für den Kanalquerschnitt beispielsweise 820 μm2 betragen kann. Die Länge der Fluidleitung 16 kann beispielsweise in einem Bereich zwischen 0,05 m und 1,5 m, typischerweise bei etwa 1 m liegen, um beispielsweise unter der Annahme einer Viskosität von Wasser bei Raumtemperatur einen geeigneten Fluß- widerstand der Fluidleitung einzustellen. Die tatsächlichen Abmessungen können jedoch von den genannten Abmessungen abweichen und hängen von dem zu realisierenden Flusswiderstand und dem Fluid, für das derselbe realisiert werden soll, ab.
Bei dem in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel kann durch Aufbringen einer definierten Kraft auf die dem Kanal 16 abgewandte Seite des Membranelements 14 dieses Membranelement in den Kanal eingepreßt werden, beispielsweise um 2-38 μm, so daß sich der Querschnitt des Kanals verändert, wobei er jedoch in der Regel nicht vollkommen geschlossen wird. Ein vollständiges Schließen kann jedoch realisiert werden, indem die Querschnittform des Kanals an die Form der Membran
im ausgelenkten Zustand angepasst ist. Durch Regelung der Kraft läßt sich der Querschnitt, und somit der durch die Fluidleitung gelieferte Flußwiderstand innerhalb definierter Grenzen variieren. Zum Aufbringen einer definierten Kraft auf die dem Kanal abgewandte Seite des Membranelements 14 eignen sich insbesondere pneumatische Systeme. Alternativ sind jedoch auch andere Antriebe denkbar, durch die die Membran entsprechend ausgelenkt werden kann, beispielsweise elektrostatische, piezoelektrische oder elekt- romagnetische Antriebe.
Alternativ zu dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel kann die geschlossene Fluidleitung mit einstellbarem Strömungsquerschnitt durch einen in einem flexiblen Sub- strat gebildeten Kanal gebildet sein, der durch eine starre oder ebenfalls flexible Abdeckung gedeckelt ist. Auch in einem solchen Fall können vorzugsweise pneumatische Systeme, vorgesehen sein, um von außen einen Druck auf das flexible Substrat oder das flexible Substrat und den flexiblen Deckel auszuüben, um den Strömungsquerschnitt zu verringern. Zu diesem Zweck kann die Anordnung beispielsweise in einer Druckkammer angeordnet werden.
Zwei schematische Querschnittsansichten, die Strömungsquer- schnitte zweier Ausführungsbeispiele von in einem Siliziumsubstrat 30 gebildeten Kanälen darstellen, sind in den Figuren 2 und 3 gezeigt. Fig. 2 zeigt dabei einen in Silizium trockenchemisch geätzten Fluidleitungsquerschnitt 32, während Fig. 3 einen in Silizium naßchemisch geätzten Fluid- leitungsquerschnitt 34 zeigt. Ferner ist in den Figuren 2 und 3 jeweils eine elastische Deckelung 36, die vorzugsweise durch ein jeweiliges Membranelement geliefert wird, gezeigt.
Wie den Figuren 2 und 3 ferner zu entnehmen ist, beträgt die Tiefe des jeweiligen Kanals D, während die der elastischen Deckelung 36 zugewandte Breite, d.h. maximale Breite, des jeweiligen Kanals w beträgt. In den Figuren 2 und 3 ist
ferner jeweils ein Zustand gezeigt, bei dem die elastische Deckelung um die Tiefe d in den in dem Substrat 30 gebildeten Kanalquerschnitt 32 bzw. 34 eingedrungen ist.
Bezug nehmend auf Fig. 3 wird nachfolgend erläutert, wie bei einem Flußwiderstand, der eine solche Fluidleitung mit variablem Flußquerschnitt aufweist, der Strömungswiderstand eingestellt werden kann. Bei dem im folgenden lediglich als Veranschaulichung beschriebenen Beispiel weist der Flusswi- derstand im Ausgangszustand einen dreieckigen Querschnitt auf, so daß sich die folgenden Gleichungen auf einen solchen dreieckigen Querschnitt beziehen.
Wie bereits ausgeführt wurde, kann bei einem Fluidleitungs- system, das einen anisotrop geätzten Kanal in 110-Silizium, wie er in Fig. 3 gezeigt ist, aufweist, der Fluidwiderstand des Elements geändert werden, indem die effektive Kanalhöhe reduziert wird, d.h. indem ein elastisches Deckelungsmaterial 36 verwendet wird, das um eine Tiefe von beispielswei- se d in den Kanal der Tiefe D gedrückt wird. Der Fluidwiderstand eines Kanals mit dreieckigem Flußquerschnitt, wie er in Fig. 3 gezeigt ist, hat einen Fluß q zur Folge, der durch folgende Gleichung 1 definiert ist:
wobei Δp den Druckgradienten über die Fluidleitung darstellt, η die Viskosität des Fluids, dessen Strömung gesteuert werden soll, darstellt, ξ ein Korrekturfaktor ist, der sich aus dem Verhältnis von Kanaltiefe zu Kanalbreite bestimmt, den Geometrie-Einfluß eines nicht-kreisförmigen Querschnitts berücksichtigt und experimentell beschrieben ist, wobei hier ξ = 0,84 gilt, L die Länge der Fluidleitung ist und w die maximale Breite derselben, d.h. die Breite derselben im Bereich der Oberfläche des Substrats 30 ist.
Die Breite w ist durch die Tiefen d und D gemäß folgender Gleichung 2 definiert:
w (d) = tan(54.7) • (D - d) * -v/2 • (D - d) G1.2
Folglich ergibt sich für den Fluß als Funktion von d gemäß Gleichung 3:
Die Auslenkung der elastischen Deckelung 36, um einen gegebenen Fluß zu erhalten, kann somit wie folgt berechnet werden:
Die Ablenkung d wird durch das Anlegen einer Kraft F auf das elastische Material, das als Kanalabdeckung 36 verwendet ist, erreicht. Die lokale Ablenkung d(x) wobei x die Position über dem ablenkbaren Membranbereich ist, läßt sich näherungsweise wie folgt beschreiben:
Dabei ist p der auf die dem Kanal abgewandte Seite des Deckels 36 ausgeübte Druck, E das Elastizitätsmodul der Membran und Iy das Flächenmoment senkrecht zu x. Das Flächenmoment Iy ist durch die Kanallänge L und die Membrandicke HM definiert:
H:
G1.6
12
Somit kann durch ein entsprechendes Ausüben einer Kraft auf das elastische Material, bzw. durch ein entsprechendes Anlegen eines Drucks an dieselbe, eine bestimmte Ablenkung in den Kanal und somit eine Einstellung des Flußwiderstands bewirkt werden. Wird der Strömungsquerschnitt der Fluidleitung mit dreieckigem Querschnitt bei einem vorgegebenen Druck um einen Prozentsatz von beispielsweise 70% reduziert, so wird der Flußwiderstand der Fluidleitung derart erhöht, daß der Flußwiderstand wie ein geschlossenes Ventil wirkt, d.h. mit Leckageraten, die unter dem Bereich herkömmlicher Mikroventile liegen, d.h. im Bereich von einigen nl pro Tag.
Die vorliegende Erfindung eignet sich somit zur Realisie- rung von Strömungs-Regelmechanismen unter Verwendung einer analogen Variation des Strömungsquerschnitts einer Fluidleitung.
Ein Ausführungsbeispiel zur Durchführung einer analogen Re- gelung kontinuierlicher Strömungen in einer Fluidleitung 50 unter Verwendung eines erfindungsgemäßen variablen Flußwiderstands 52, der eine Fluidleitung mit variablem Strömungsquerschnitt aufweist, ist in Fig. 4 gezeigt. Dabei ist die Fluidleitung des erfindungsgemäßen variablen Flußwi- derstands in die Fluidleitung 50 geschaltet, beispielsweise durch Verbinden der in Fig. 1 gezeigten Fluideinlaßöffnung und Fluidauslaßöffnung mit jeweiligen Anschlüssen der Fluidleitung 50. Ferner ist in die Fluidleitung 50 ein Durchflußmesser 54, bei dem es sich um einen beliebigen herkömm- liehen Fluiddurchflußmesser handeln kann, geschaltet. Ferner ist in Fig. 4 eine Einrichtung 56 zum Beaufschlagen der Fluidleitung mit einem vorgegebenen Druck, d.h. zum Erzeugen einer definierten Druckdifferenz zwischen Eingang und Ausgang der Fluidleitung, gezeigt, wobei es sich bei dieser Einrichtung 56 beispielsweise um eine Pumpe handeln kann. Alternativ kann die Einrichtung 56 durch ein Druckreservoir gebildet sein. Der Druck auf das in der Fluidleitung 50 be-
findliche Fluid kann auch lediglich durch Gravitationskräfte bewirkt werden.
Das Ausgangssignal des Durchflußmessers 54 wird einer Steu- ereinrichtung 60 zugeführt, die das Ausgangssignal mit einem vorgegebenen Wert vergleicht. Die Steuereinrichtung 60 ist ferner mit einer Druckbeaufschlagungseinrichtung 62 verbunden, durch die beispielsweise das in Fig. 1 gezeigte Membranelement 14 mit einer Kraft beaufschlagbar ist, um den Strömungsquerschnitt der Fluidleitung des variablen Flußwiderstands 52 zu variieren. Abhängig von dem Vergleich des erfaßten Durchflusses steuert die Steuerung 60 die Druckbeaufschlagungseinrichtung 62, um einen für einen gewünschten Durchfluß erforderlichen Flußwiderstand des vari- ablen Flußwiderstandes 52 zu liefern. Somit ermöglicht die vorliegende Erfindung eine analoge Regelung kontinuierlicher Strömungen in einem mikrofluidischen System unter Verwendung eines variablen Flußwiderstands, der eine Fluidleitung veränderlichen Strömungsquerschnitts aufweist.
Obwohl der Flußmesser 54 in Fig. 4 vor dem variablen Flußwiderstand 52 gezeigt ist, ist es klar, daß dieser nicht auf diese Position beschränkt ist, sondern beispielsweise auch hinter dem variablen Flußwiderstand angeordnet sein kann.
Die vorliegende Erfindung eignet sich aufgrund ihres einfachen Aufbaus insbesondere auch für den Einsatz in einem Me- dikamentendosiersystem. Dabei kann der erfindungsgemäße va- riable Flußwiderstand auch als Ventil eingesetzt werden, da bei ausreichender Verringerung des Strömungsquerschnitts der Fluidleitung dieselbe wie ein geschlossenes Ventil wirkt.
Gemäß dem Bezug nehmend auf Fig. 1 beschriebenen Ausführungsbeispiel sind ein Fluideinlaß 20 bzw. ein Fluidauslaß 22 in dem Halteelement 12 gebildet. In gleicher Weise könnten ein Fluideinlaß und ein Fluidauslaß jeweils in dem Sub-
strat 10 vorgesehen sein, beispielsweise dasselbe durchdringend bis zur Rückseite. Wiederum alternativ könnte das Membranelement 14 das Substrat 10 vollständig bedecken wobei ein Fluideinlaß bzw. ein Fluidauslaß gegenüberliegend dem ersten bzw. dem zweiten Ende 24 bzw. 26 des Kanals 16 in der Membran 14 gebildet sein könnten.
Obwohl oben Bezug nehmend auf ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel eine Fluidleitung beschrieben wurde, die durch ei- nen Kanal in einem Substrat und eine elastische Deckelung gebildet ist, ist die vorliegende Erfindung nicht auf einen solchen Fall begrenzt. Beispielsweise könnte ein erfindungsgemäßer variabler Flußwiderstand eine schlauchförmige Fluidleitung mit elastischen Wänden aufweisen, die in einer Druckkammer angeordnet ist, so daß der Strömungsquerschnitt derselben durch Variieren des Drucks in der Druckkammer veränderlich ist. Neben den oben angegebenen Querschnittformen kann die erfindungsgemäß verwendete Fluidleitung beliebige Querschnittformen aufweisen, beispielweise einen runden Querschnitt, einen mehreckigen Querschnitt, einen mehreckigen Querschnitt mit abgerundeten Ecken, usw.
Wie in Fig. 5 gezeigt ist, nimmt erfindungsgemäß die Flussrate mit zunehmendem von außen auf die Fluidleitung bzw. den Kanal wirkenden Druck ab.