Geschoss für eine Ausbildungs-Kurzfoahnmunition
Die Erfindung betrifft ein Geschoss für die Schießausbildung an Handfeuerwaffen, wie Gewehren, Pistolen auf kurzen Schießbahnen.
Üblicherweise wird in der Schießausbildung überwiegend die Gefechtspatrone 5,56 mm x 45 benutzt. Diese Patrone hat zwar den Vorteil, dass das Schießverhalten den realistischen Umständen" entspricht. Nachteilig ist jedoch, dass eine erhebliche Zerstörung der Zielmedien, d.h. der Scheiben und der dahinter liegenden Geschossfänge auftritt und dass die derzeit verwendeten Übungspatronen einen Gefahrenbereich von mehr als 1200 m besitzen, was aufwendige Schutzmaßnahmen an der Schießbahn bedingt.
Aufgabe der Erfindung ist es, den Umgang mit Übungspatronen zu vereinfachen und sicherer zu gestalten.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Die Erfindung schlägt vor, im in Flugrichtung vorderen Teil des Geschosses, wo die Luft während des Fluges anströmt, eine Reduzierungsvorrichtung für die Geschwindigkeit vorzusehen. Damit verringert sich die Geschwindigkeit und auch die kinetische Energie des Geschosses, so dass die Beschädigungen der Zielmedien verringert und der Gefahrenbereich verkleinert wird. Erfindungsgemäß sind zwei Varianten zur Reduzierung der Geschwindigkeit vorgesehen. Beide Varianten können jeweils einzeln oder kombiniert angewendet werden.
Gemäß der ersten Variante weist die Reduzierungsvorrichtung im Bereich der Geschossspitze eine senkrecht zur Flugrichtung verlaufende Bremsfläche auf. So wird eine Anströmfläche mit ungünstigem Cw-Wert erzeugt, wodurch die Geschossgeschwindigkeit reduziert wird und die außenballistische Leistung gesteuert wird, wobei dies von der Auslegung des Durchmessers und der Geschossmasse
abhängt. Diese Variante hat den Vorteil, dass sie leicht herzustellen ist und die Geschwindigkeit des Geschosses bereits wirksam reduziert.
Vorteilhafterweise ist in der Bremsfläche eine konkave Ausnehmung vorhanden, die bewirkt, dass die auf die Bremsfläche anströmende Luft definiert an den Umfang des Geschosses abgeleitet wird, so dass an der Geschossspitze keine das Geschoss übermäßig destabilisierende Strömungen oder Verwirbelungen entstehen.
Gemäß der zweiten Variante der Erfindung weist die Reduzierungsvorrichtung im vorderen Teil der Umfangsfläche des Geschosses mindestens eine in Längsrichtung verlaufende Widerstandsfläche zur Reduzierung des Geschossdralls, also der Drehzahl des Geschosses auf. Die Widerstandsfläche bewirkt, dass der dem Geschoss beim Abschuss mitgegebene Drall so weit reduziert wird, dass das Geschoss instabil wird. Dies hat zur Folge, dass das Geschoss zu pendeln beginnt, wodurch die Geschwindigkeit reduziert wird. Von Vorteil ist herbei, dass die Geschwindigkeit aufgrund der Geschosspendelung erheblich reduziert wird.
Vorteilhafterweise weist die Umfangsfläche einen in Drehrichtung des Geschosses vor der Widerstandsfläche angeordneten sich radial verringernden konischen Bereich auf, so dass sich die Widerstandsfläche vom Umfang des Geschosses in Richtung der Mittelachse des Geschosses erstreckt. Dieser Aufbau ist sehr stabil, da die Widerstandsfläche gewissermaßen aus dem vollem Material ausgenommen wird.
Es können auch mehrere, vorzugsweise vier, um jeweils 90° auf dem Umfang versetzte Widerstandsflächen vorgesehen sein. Die Erhöhung der Anzahl der Widerstandsflächen bedingt eine Verstärkung der Reduzierung des Geschossdralls.
Auch eine spiralförmige Ausbildung der Widerstandsfläche kann den Geschossdrall weiter reduzieren, da die Fläche der Widerstandsfläche durch die spiralförmige Anordnung um den Umfang des Geschosses erheblich vergrößert wird.
Beide Varianten, vor allem die Kombination der beiden Varianten, bewirkt, dass die Geschossgeschwindigkeit reduziert und damit die Höchstschussweite verkürzt wird, was zu einem verkleinerten Gefahrenbereich und zu einer Verringerung der Beschädigungen der Zielmedien führt. Dies wird erreicht, ohne dass Änderungen an der Waffe vorgenommen werden müssen.
Mittels der Abmessungen und der Anordnung der Bremsfläche und/oder der Widerstandsfläche bzw. der Widerstandsflächen lässt sich die Reduzierung der Geschwindigkeit bzw. die Höchstschussweite definiert einstellen. So ist es möglich, Übungspatronen für unterschiedliche Anforderungen zu schaffen. Beispielsweise ist es möglich, den Gefahrenbereich auf unter 650 m zu reduzieren und eine Geschoss- Treffpunktlage" bei 100 m Übungsentfernung einzustellen, die mit der des Gefechtsgeschosses vergleichbar ist.
Im folgenden werden anhand der Zeichnungen Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert.
Es zeigen:
Fig. 1 ein erfindungsgemäßes Geschoss in Seitenansicht, und
Fig. 2 eine Schnittdarstellung gemäß Linie ll-ll in Fig. 1.
Figur 1 zeigt ein Geschoss 1 mit einem zylinderförmigen Geschosskörper 2. Der Geschosskörper 2 besteht aus einem hinteren Teil 3 und einem vorderen Teil 4.
Der hintere Teil 3 nimmt etwa die halbe Länge des Geschosses 1 ein. Der hintere Teil 3 bildet das Geschossführungsteil und kann überkalibrig ausgeführt sein, wodurch der Einpresswiderstand des Geschosses in den Rohrübergang erhöht wird, was zu einem guten Treibmittelabbrand und zu einer besseren Abdichtung gegen Gasschlupf führt. Das Ende 5 des hinteren Teils 3 ist konkav ausgebildet.
Der vordere Teil 4 des Geschosskörpers 2 endet in der Geschossspitze 6. An dem vorderen Teil 4 ist eine Reduzierungsvorrichtung 7 für die Geschwindigkeit vorgesehen. Die Reduzierungsvorrichtung 7 enthält eine an der Geschossspitze 3 angeordnete Bremsfläche 7a und mehrere " am Umfang 8 angeordnete Widerstandsflächen 7b.
Die Bremsfläche 7a ist senkrecht zur Geschosslängsachse und damit auch senkrecht zur Flugrichtung des Geschosses 1 angeordnet. In der Bremsfläche 7a ist eine konkave Ausnehmung 9 vorhanden. Die konkave Ausnehmung 9 ist mittig in der Bremsfläche 7a angeordnet, d.h. dass der Mittelpunkt der konkaven Ausnehmung 9 auf der Längsachse des Geschosskörpers 2 liegt.
Die Widerstandsflächen 7b, die den zweiten Teil der Reduzierungsvorrichtung 7 bilden, sind an der Umfangsfläche 8 angeordnet und verlaufen parallel zur Flugrichtung des Geschosses 1. Die am Umfang liegende äußere Kante und die innere Kante der Widerstandsfläche 7b verlaufen parallel, so dass die Widerstandsfläche 7b bedingt durch die konischen Bereiche an der Geschossspitze 3 und am Übergangsbereich zwischen hinterem Teil 3 und vorderem Teil 4 eine in etwa parallelogrammförmige Fläche aufweist. Denkbar sind jedoch auch zahlreiche andere Formen, wie zum Beispiel eine Dreiecksform.
Wie in Fig. 2 gezeigt ist, sind vier Widerstandsflächen 7b in gleichmäßigen Abstand, also um 90° versetzt, über die Umfangsfläche 8 verteilt. Die Drehrichtung des Geschosses 1 ist durch die Pfeile angezeigt. In Drehrichtung des Geschosses 1 ist vor jeder Widerstandsfläche 7a ein sich radial verringernder konischer Bereich 10 vorgesehen. Direkt vor einer Widerstandsfläche 7b ist der Radius am kleinsten und am anderen Ende des konischen Bereichs 10 ist der Radius am größten. Dort befindet sich ein Absatz in der Umfangsfläche 8, der die nächste Widerstandsfläche 7b bildet. Anders ausgedrückt verbindet eine Widerstandsfläche 7b zwei konische Bereiche 10, wobei der eine konische Bereich an der Widerstandsfläche seinen kleinsten Radius hat, während der andere konische Bereich dort seinen größten Radius aufweist.
Im folgenden wird das Flugverhalten des Geschosses 1 beschrieben. Durch Abbrennen des Treibmittels wird das Geschoss 1 in dem Lauf einer Schusswaffe beschleunigt, wobei es aufgrund der Laufgeometrie eine Drallbewegung zur Flugstabilisierung erhält. Ohne die erfindungsgemäße Reduzierungsvorrichtung 7 würde ein Geschoss stabil und weit fliegen, da ein übliches Geschoss mit einer spitz zulaufenden Geschossspitze einen sehr geringen Cw-Wert hat. Bei dem erfindungsgemäßen Geschoss 1 wird die Geschwindigkeit des Geschosses 1 durch die Bremsfläche 7a und die Widerstandsflächen 7b reduziert, so dass Reichweite und Durchschlagskraft verringert werden.
Die das Geschoss von vorne anströmende Luft trifft zunächst auf die Bremsfläche 7a und die darin angeordnete konkave Ausnehmung 9 auf. Dies bewirkt eine erste Verringerung der Geschossgeschwindigkeit bei weiterhin stabiler Fluglage des Geschosses 1. Gleichzeitig dreht sich das Geschoss 1 um seine Längsachse, wobei die Widerstandsfläche 7b einen Luftwiderstand bilden, der den Drall des Geschosses 1 verringert, wodurch die Fluglage immer unstabiler wird, bis das Geschoss 1 zu pendeln beginnt. Dies bewirkt einen weiteren Geschwindigkeitsabfall des Geschosses 1. Die Stärke und Richtung der Pendelbewegung wird durch die Anordnung und die Größe der Widerstandsflächen 7b bestimmt.
Der Geschosskörper 2 besteht vorzugsweise aus einem biologisch abbaubaren Kunststoff, der mit einem Metall gefüllt ist. Dadurch lässt sich die Umweltbelastung reduzieren.