Abstimmbarer Hohlraumresonator
Die Erfindung betrifft einen abstimmbaren Hohlraumresonator nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1. Ferner betrifft die Erfindung einen abstimmbaren Mikrowellenoszillator, der einen derartigen Hohlraumresonator verwendet.
Abstimmbare Hohlraumresonatoren kommen u.a. in Mikrowellenoszillatoren zum Einsatz, die zur Erzeugung von Trägersignalen in der Mikrowellenkommunikation verwendet werden. Derartige Oszillatoren bestehen im wesentlichen aus einem Mikrowellenverstärker, der in Rückkopplung betrieben wird, und einem Hohlraumresonator hoher Güte, der sich in dem Rückkopplungszweig des Oszillators befindet und das in dem Verstärker generierte Phasenrauschen filtert. Außerdem verwendet ein solcher Mikrowellenoszillator einen mechanischen oder elektrischen Phasenschieber zur Einstellung der Phasenbedingung in dem Rückkopplungszweig und einen Hochfrequenzkoppler zur Auskopplung des Nutzsignals (Trägersignals).
Die Einstellung der Oszillatorfrequenz erfolgt zweistufig: Zur Grobeinstellung wird zunächst die Resonanzfrequenz des abstimmbaren Hohlraumresonators in geeigneter Weise verändert. Dies erfolgt mittels der Stelleinrichtung, durch die die Lage der Abstimmscheibe gegenüber dem Resonatorkörper verstellt wird. Zur Feineinstellung der Oszillatorfrequenz wird dann mittels des Phasenschiebers durch ein Verstellen der Phase im Rückkopplungszweig des Oszillators die Oszillatorfrequenz innerhalb der Resonanzbreite des abgestimmten Hohlraumresonators gezielt verschoben.
Eine Schwierigkeit bei einer solchen zweistufigen Abstimmung eines Oszillators resultiert daraus, daß der durch die Phasenverstellung erreichbare maximale Frequenzhub relativ klein ist und bei Resonatorgüten oberhalb 10" (d.h. Q > 104) beispielsweise nur etwa 100 kHz beträgt. Eine vollständige Durchstimmbarkeit des Mikrowellenoszillators kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn die bei der Resonanzfrequenzabstimmung (d.h. der Abstimmung des Hohlraumresonators) erreichbare minimale Frequenzänderung
ΔωR(min) kleiner als der angesprochene maximale Frequenzhub bei Variation der Phase im Rückkopplungszweig des Oszillators ist. Um diese Forderung zu erfüllen, werden Hohlraumresonatoren mit einer extrem hohen Abstimmgenauigkeit benötigt.
Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich mit zunehmender Güte Q eines Hohlraumresonators die Anforderungen an die
Einstellgenauigkeit des Abstimmechanismus zur Erzielung einer vorgegebenen Abstimmgenauigkeit erhöhen.
In der Praxis treten daher häufig Schwierigkeiten hinsichtlich der konstruktiven Auslegung des Abstimmechanismus auf, und es hat sich gezeigt, daß die gewünschten hohen Einstellgenauigkeiten in Verbindung mit den erforderlichen Vibrationsfestigkeiten und einer guten Reproduzierbarkeit der Abstimmeinstellung nicht immer erreicht werden.
In der Veröffentlichung "Temperature compensated high-Q dielectric resonators for long term stable low phase noi- se oscillators" , Proceedings of the 1997 Frequency Con- trol Symposium, I. S. Ghosh et al., Seiten 1024 - 1029 ist ein abstimmbarer Hohlraumresonator nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 beschrieben. Dieser Hohlraumresonator erfüllt bei einer Güte Q ~ 105 die für eine kontinuierliche Durchstimmbarkeit eines Mikrowellenoszillators erforderlichen Anforderungen an die Abstimmgenauigkeit.
Aus der DE 1 687 622 ist eine Vorrichtung zur Abstandseinstellung zwischen einem feststehenden und einem bewegbaren Wandungsteil eines Hohlraumresonators bekannt, wobei an dem feststehenden Wandungsteil ein Hebel drehbar angeordnet ist, der über ein Lager mit dem bewegbaren Wandungsteil in Eingriff steht. Über einen konusförmig auslaufenden Abschnitt wird der Hebel verstellt. Hierdurch wird die Wand des Hohlraumresonators bewegt, um die Frequenz des Resonators zu verstimmen. Der lineare Hub,
welcher der Hebel an seinem freien Ende durchläuft, wird an der Wand des Resonators in einen reduzierten Linearhub übersetzt .
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Hohlraumresonator zu schaffen, der eine hohe Einstellgenauigkeit in bezug auf seine Resonanzfrequenz aufweist. Insbesondere soll ein Hohlraumresonator bereitgestellt werden, der eine hohe Güte aufweist und dennoch beim Einsatz in einem Mikrowellenoszillator eine vollständige Durchstimmbarkeit desselben ermöglicht. Ferner zielt die Erfindung darauf ab, einen vollständig durchstimmbaren Mikrowellenoszillator mit einem Hohlraumresonator hoher Güte zu schaffen.
Zur Lösung der Aufgabe sind die Merkmale der Ansprüche 1 und 12 vorgesehen.
Durch die erfindungsgemäß vorgesehene Ubersetzungsmechanik wird erreicht, daß bei einer Betätigung der Stelleinrichtung nicht der von der Stelleinrichtung erzeugte Linearhub, sondern ein gegenüber diesem reduzierter Linearhub die Abstimmscheibe verstellt. Dies hat zur Folge, daß die mit der Stelleinrichtung erreichbare Minimalhubänderung in eine noch kleinere, auf die Abstimmscheibe wirkende Minimalhubänderung transformiert wird. Im Ergebnis wird die Einstellgenauigkeit der Abstimmscheibe verglichen mit der Einstellgenauigkeit der Stelleinrichtung um das vorgegebene Verhältnis der Ubersetzungsmechanik erhöht. Dabei wird das vorgegebene Verhältnis (d. h. das Übersetzungsverhältnis) durch die Federkonstanten der
beiden Federelemente bestimmt. Die Verwendung zweier gegeneinander drückender Federelemente weist den Vorteil auf, daß die Ubersetzungsmechanik kontinuierlich und in hohem Maße frei von Bewegungsspiel arbeitet.
In diesem Fall kennzeichnet sich eine besonders bevorzugte Ausführungsvariante dadurch, daß das erste Federelement aus wenigstens einer Tellerfeder gebildet ist und das zweite Federelement von einer umfangsseitig fixierten, von der Tellerfeder zentral beaufschlagten Plattenfeder realisiert wird. Eine solche Federmechanik läßt sich ausreichend starr auslegen, um gegenüber äußeren Erschütterungen bzw. Vibrationen unempfindlich zu sein. Ferner können geeignete Teller- und Plattenfedern mit den erforderlichen hohen Federkonstanten problemlos hergestellt werden.
Die Stelleinrichtung besteht vorzugsweise aus einem insbesondere manuell betätigbaren, mechanischen Stellglied und einem dem mechanischen Stellglied nachgeschalteten ersten elektromechanischen Stellglied, insbesondere ersten Piezoelement . Das erste elektromechanische Stellglied ermöglicht eine elektrische Ansteuerung der Stelleinrichtung, was insbesondere dann von Vorteil ist, wenn die Stelleinrichtung in einem Regelschleifenbetrieb zur Einstellung der Resonanzfrequenz ωR betrieben wird. Das elektromechanische Stellglied kann beispielsweise auch zur Kompensation von temperaturbedingten Drifts eingesetzt werden und kann darüber hinaus in einem begrenzten
Hubbereich eine Betätigung des mechanischen Stellglieds überflüssig machen.
Vorzugsweise besteht die Abstimmscheibe aus einem dielektrischen Material, insbesondere Saphir. Eine derartige Abstimmscheibe weist vor allem bei tiefen Temperaturen sehr geringe dielektrische Verluste auf, wodurch sich eine hohe
Güte Q ~ 107 des Hohlraumresonators (definiert als das Produkt der Resonanzfrequenz ωR mit dem Quotienten aus der in dem Resonator gespeicherten Feldenergie und der in dem Resonator auftretenden Verlustleistung) erzielen läßt.
Grundsätzlich kann es sich bei der erfindungsgemäßen, lageveränderlichen Abstimmscheibe auch um ein Wandelement (beispielsweise Deckenwand) des Hohlraumresonators handeln. Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der Erfindung kennzeichnet sich jedoch dadurch, daß in dem Resonatorkörper ein dielektrischer Körper vorgesehen ist, und daß die Abstimmscheibe innerhalb des Resonatorkörpers unter einem geringen Abstand d zu einer ebenen Oberfläche des dielektrischen Körpers angeordnet ist. Bei einer derartigen Bauweise ist ein Großteil der Feldenergie in dem dielektrischen Körper gespeichert, wobei mittels einer Lageveränderung der Abstimmscheibe eine feinfühlige Änderung der Resonanzfrequenz des Hohlraumresonators erreichbar ist.
Bei Verwendung eines dielektrischen Körpers besteht eine weitere konstruktiv vorteilhafte Realisierungsvariante
darin, den dielektrischen Körper auf einem mittels eines zweiten elektromechanischen Stellglieds, insbesondere zweiten Piezoelements in seiner Höhe veränderlichen Hubboden anzubringen. Auf diese Weise läßt sich ohne großen Aufwand ein gewünschter Nominal- oder Ausgangsabstand zwischen der Abstimmscheibe und der ebenen Oberfläche des dielektrischen Körpers vorgeben, welcher dann durch die erfindungsgemäße Stelleinrichtung mit nachgeschalteter Ubersetzungsmechanik in geeigneter Weise feinjustiert wird.
Die Erfindung wird nachfolgend in beispielhafter Weise unter Bezugnahme auf ein Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung erläutert; in dieser zeigt:
Fig. 1: eine schematische Schnittdarstellung eines erfindungsgemäßen Hohlraumresonators;
Fig. 2: ein Blockschaltbild eines den in Fig. 1 gezeigten Hohlraumresonator verwendenden Mikrowellenoszillators; und
Fig. 3 ein Schaubild, in dem die Änderung der Oszillatorfrequenz Δf als Funktion der Lageänderung Δx2 der Abstimmscheibe dargestellt ist.
Fig. 1 zeigt einen Hohlraumresonator 1 in Zylinderbauweise mit einer Resonanzfrequenz ωR im GHz-Bereich. Der Hohlraumresonator 1 weist eine kreisscheibenförmige Bo-
denplatte 2, eine zylindrische Umfangswand 3 und eine Deckenwand 4 auf. Die Resonator-Wandelemente 2, 3 und 4 bestehen aus einem Metall guter elektrischer Leitfähigkeit wie beispielsweise Cu oder einem HTSL-Material und definieren in ihrem Inneren einen Hohlraum 5.
Die Bodenplatte 2 weist über ihren Umfang verteilte Durchgangsbohrungen 6 auf, welche von Gewindeschrauben 7 durchlaufen werden, mittels denen die Bodenplatte 2 an einem bodenseitigen Flansch 8 der Umfangswand 3 festgelegt ist. Zwischen der Bodenplatte 2 und dem Flansch 8 ist ein ringscheibenförmiges Abstandselement 9 vorgegebener Stärke und darüber ein kreisscheibenförmiger Hubboden 10 angeordnet.
Im zentralen Bereich zwischen der Bodenplatte 2 und dem Hubboden 10 befindet sich ein Mehrschicht-Piezoelement 11. Das Mehrschicht-Piezoelement 11 weist einen Maximalhub von einigen μm auf, welcher auf den Hubboden 10 übertragen werden kann und eine zentrale Auswölbung desselben herbeiführt.
Im zentralen Bereich oberhalb des Mehrschicht- Piezoelements 11 ist auf dem Hubboden 10 ein dielektrisches Sockelelement 12 angeordnet, das einen dielektrischen Zylinder 30 trägt. Der dielektrische Zylinder 30 besteht aus einem dielektrischen Material mit einer hohen
Dielektrizitätskonstante ε (beispielsweise Saphir) und ist koaxial mit der Umfangswand 3 des Hohlraumresonators 1 angeordnet.
Durch die zylindrische Umfangswand 3 hindurch ragen in den Hohlraum 5 eine Einkoppelantenne 13a und eine Auskoppelantenne 13b hinein. Die Ein- und Auskoppelantennen 13a, 13b sind jeweils als Koaxialkabel mit endseitig ausgebildeten Koaxialschleifen ausgeführt.
Die Deckenwand 4 des Hohlraumresonators 1 ist mittels eines ringscheibenförmigen Abstandselements 14 vorgegebener Stärke von einem deckenseitigen Flansch 15 der Umfangswand 3 beabstandet und in ähnlicher Weise wie die Bodenwand 2 über Durchgangsbohrungen 16 durchsetzende Gewindeschrauben 17 an dem deckenseitigen Flansch 15 fixiert.
Durch die Verwendung von Abstandselementen 9, 14 mit variablen Stärken kann eine verhältnismäßig grobe Voreinstellung der Resonanzfrequenz ωR des Hohlraumresonators 1 vorgenommen werden.
Eine in Form einer dünnen, metallischen Scheibe ausgebildete Plattenfeder 18 ist randseitig zwischen dem ringscheibenförmigen Abstandselement 14 und der Deckenwand 4 fixiert. Die Plattenfeder 18 begrenzt in ihrem zentralen Bereich einen in der Deckenwand 4 vorhandenen, zylinderförmigen Federaufnahmeraum 19. Der Federaufnahme- raum 19 enthält in dem hier dargestellten Beispiel drei übereinander angeordnete Tellerfedern 20, die um ein zentrales Führungselement 21 herum gelagert und bodenseitig an der Plattenfeder 18 abgestützt sind.
Oberhalb der Deckenwand 4 befindet sich eine Mikrometerschraube 22, die aus einem fest mit der Deckenwand 4 verbundenen Schraubenfutter 23 und einem darin in einem Feingewinde geführten Drehglied 24 besteht. Das Drehglied
24 beaufschlagt mit einem bodenseitig vorstehenden Stellstift 24a das obere Ende eines in einer Zentralbohrung des Schraubenfutters 23 geführten Stempels 25, dessen unteres Ende ein auf die obere Tellerfeder 20 wirkendes erstes Mehrschicht-Piezoelement 26 beaufschlagt.
Bei einer Verstellung des Drehgliedes 24 wird der Stempel
25 mit hoher Einstellgenauigkeit (beispielsweise 50 μm pro Umdrehung) in Axialrichtung bewegt. Der Bewegungsweg wird auf das erste Mehrschicht-Piezoelement 26 übertragen und kann von diesem zusätzlich verändert, d.h. verkürzt oder verlängert werden. Der ausgangsseitig des ersten
Mehrschicht-Piezoelements 26 auftretende Linearhub Δxx wirkt auf die oberste Tellerfeder 20 und komprimiert diese. Die Tellerfedern 20 drücken auf die Plattenfeder 18 und lenken diese in ihrem zentralen Bereich um einen Auslenkungsweg Δx2 aus. Aufgrund der von der Plattenfeder 18 ausgeübten Gegenkraft ist der ausgangsseitige Auslenkungsweg Δx2 kleiner als der eingangsseitige Linearhub Δ j. Die Reduzierung des Auslenkungswegs Δx2 bezüglich Δxx wird durch die Federkonstante λ des Tellerfederstapels und die Federkonstante k2 der Plattenfeder 18 bestimmt.
Bei gleichen Federkonstanten k: = k2 wird eine Bewegungswegverkürzung um den Faktor 2 erzielt.
An der von dem Federaufnahmeraum 19 abgewandten Seite der Plattenfeder 18 ist über einen Stiel 27 eine Abstimmscheibe 28 angebracht. Die Abstimmscheibe 28 erstreckt sich parallel und unter einem kleinen Abstand d zu einer ebenen Oberfläche 29 des dielektrischen Zylinders 30. Bei einer zentralen Auslenkung Δx2 der Plattenfeder 18 in bo- denseitiger Richtung verlagert sich die Abstimmscheibe 28 ebenfalls um Δx2, so daß sich ein zuvor eingestellter Abstand d zwischen der Abstimmscheibe 28 und dem zylindrischen Körper 30 auf d-Δx2 verkürzt.
Fig. 2 zeigt in Form eines Blockschaltbildes den prinzipiellen Aufbau eines Mikrowellenoszillators, der den in Fig. 1 dargestellten Hohlraumresonator 1 verwendet. Ein Verstärkersignal 41 eines Verstärkers 40 wird einem Hoch- frequenzkoppler 42 zugeführt. Der Hochfrequenzkoppler 42 koppelt aus dem Verstärkersignal 41 einerseits ein Nutzsignal 43 aus und leitet das Verstärkersignal 41 andererseits zu dem Hohlraumresonator 1 weiter. Die Einkopplung des Verstärkersignals 41 in den Hohlraumresonator 1 erfolgt über die Eingangsantenne 13a.
Über die Ausgangsantenne 13b wird ein Ausgangssignal 44 aus dem Hohlraumresonator 1 ausgekoppelt und einem elektrisch oder mechanisch betätigbaren Phasenschieber 45 zugeführt, welcher zur Einstellung der Phasenbedingung in
dem Rückkopplungszweig 41, 42, 1, 44, 45 vorgesehen ist. Das von dem Phasenschieber 45 erzeugte phasenverschobene Rückkoppelsignal 46 wird in den Verstärker 40 eingespeist.
Wie bereits erwähnt, kann der Mikrowellenoszillator nur dann kontinuierlich durchgestimmt werden, wenn der Hohlraumresonator 1 eine geforderte Einstellgenauigkeit der
Resonanzfrequenz ΔωR von etwa 100 kHz oder weniger erreicht. Ungünstig ist dabei, daß die Abstimmsteilheit
ΔωR/Δx2 eines Hohlraumresonators proportional mit seiner Güte Q zunimmt. Bei Resonatoren 1 mit vergleichsweise geringer Güte (Q * 104) wird eine typische Abstimmsteilheit von 10 kHz/μm beobachtet. Dies bedeutet, daß die Einstellgenauigkeit des Abstimmechanismus in Hinblick auf die erreichbare Lagegenauigkeit der Abstimmscheibe 28 nur etwa 10 μm betragen muß, um die geforderte Abstimmgenauigkeit ΔωR der Resonanzfrequenz von 100 kHz zu erreichen.
Demgegenüber beträgt die Abstimmsteilheit bei einer Güte von Q * 107 bereits 103 kHz/μm. Eine Güte von Q « 107 läßt sich bei dem erfindungsgemäßen Hohlraumresonator 1 durch eine Kühlung desselben auf etwa 77K erzielen, weil sich für sogenannte Whispering-Gallery-Moden auf diese Weise die in dem dielektrischen Zylinder 30 auftretenden dielektrischen Verluste deutlich reduzieren lassen. Um eine kontinuierliche Durchstimmbarkeit eines Mikrowellenoszillators mit dem gekühlten Hohlraumresonator 1 zu errei-
chen, muß der Abstimmechanismus des Hohlraumresonators 1 dann eine Einstellgenauigkeit von 0,1 μm aufweisen.
Die in Fig. 1 dargestellten Ubersetzungsmechanik 18, 20 ermöglicht (bei Verwendung einer Mikrometerschraube 22 einer Einstellgenauigkeit von 50 μm pro Umdrehung) eine derartige Einstellgenauigkeit und gestattet somit die Realisierung eines vollständig durchstimmbaren Mikrowellenoszillators mit einem Hohlraumresonator 1 der Güte Q « 107.
Die hohe Einstellgenauigkeit des Abstimmechanismus 22, 20, 18 beruht neben der erfindungsgemäßen Reduzierung des Bewegungsweges durch die Ubersetzungsmechanik 18, 20 auch darauf, daß aufgrund der Konstruktion der Ubersetzungsmechanik 18, 20 aus hintereinander geschalteten Federelementen in dieser praktisch kein Bewegungsspiel auftritt. Dadurch wird auch eine hohe Reproduzierbarkeit der Einstellungsposition ermöglicht.
Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Abstimmechanismus 22, 20, 18 ist seine mechanische Stabilität und Vibrationsfestigkeit insbesondere bei verhältnismäßig niedrigen Anregungsfrequenzen (< 1 kHz). Diese beruht neben der bereits erwähnten robusten und im wesentlichen spielfreien Konstruktion der Ubersetzungsmechanik 18, 20 zum einen auf den hohen mechanischen Eigenfrequenzen der Plattenfeder 18 und zum anderen auf den hohen Kräften, die aufgewendet werden müssen, um diese auszulenken (beispielsweise ist k2 = 5000 N/mm) . Dadurch wird eine
ausgesprochen geringe Mikrophonieanfälligkeit erreicht und es ist sogar möglich, den Hohlraumresonator 1 mittels eines kommerziellen Kleinkühlers 1 zu kühlen, ohne daß ein Übersprechen der Kühlervibrationen in das Resonanzfrequenzspektrum beobachtet wird.
Vorzugsweise können auch die ersten und zweiten Mehr- schicht-Piezoelemente 26, 11 zur elektrischen Einstellung der Resonanzfrequenz ωR verwendet werden. Das erste Mehrschicht-Piezoelement 26 bewirkt dabei eine Bewegung der Abstimmscheibe 28 relativ zu dem ortsfesten dielektrischen Zylinder 30, während ein Betrieb des zweiten Mehr- schicht-Piezoelements 11 eine Bewegung des dielektrischen Zylinders 30 relativ zu der ortsfesten Abstimmscheibe 28 zur Folge hat. Dabei ermöglicht insbesondere das der Ubersetzungsmechanik 18, 20 vorgeschaltete erste Mehrschicht-Piezoelement 26 eine sehr genaue elektrische
Feineinstellung der Resonanzfrequenz ωR und eignet sich deshalb in besonderem Maße als Stellglied zur Regelung der Resonanzfrequenz ωR in einem Regelschleifenbetrieb.
In Fig. 3 ist ein Diagramm dargestellt, das das Abstimmverhalten des in Fig. 2 gezeigten Oszillators unter den folgenden beispielhaften Bedingungen verdeutlicht: Der Hohlraumresonator 1 ist auf eine Temperatur von 77K gekühlt und weist einen dielektrischen Zylinder 30 aus Saphir auf. Es wird eine Mikrometerschraube 22 mit einem Hub von 50 μm pro Umdrehung, drei Tellerfedern 20 und eine 1 mm starke Plattenfeder 18 (k2 = 5000 N/mm) verwen-
det. Die Abstimmscheibe 28 besteht aus Saphir und weist eine Dicke von 0 , 5 mm auf. Die Abstimmung erfolgt bei einer Frequenz von 23 GHz.
Auf der im linken Bildbereich der Fig. 3 dargestellten y- Achse ist die Änderung der Oszillatorfrequenz Δf als
Funktion des auf der x-Achse aufgetragenen Linearhubs Δx2 der Abstimmscheibe 28 dargestellt. Eine Variation des Linearhubs Δx2 von 0,75 mm entspricht einer Frequenzänderung von 45 MHz.
Bei den genannten Bedingungen wird eine minimale mechanische Lageänderung der Abstimmscheibe 28 von Δx2(min) < 0,2 μm erreicht. Dies entspricht gemäß Fig. 3 bei kleinen Abständen d < 0,3 mm zwischen der Abstimmscheibe 28 und dem dielektrischen Zylinder 30 etwa einer minimalen Änderung der Resonanzfrequenz ΔωR(min) von 4 kHz. Diese durch die mechanische Verstimmung des Hohlraumresonators 1 erzielbare Frequenzänderung ist somit deutlich geringer als die von dem Phasenschieber 45 herbeiführbare maximale Frequenzvariation von etwa 100 kHz, d.h. die eingangs genannte Bedingung für die kontinuierliche Durchstimmbarkeit des Mikrowellenoszillators ist gut erfüllt.
Die auf der im rechten Bildbereich der Fig. 3 dargestellten y-Achse aufgetragene Güte Q des Hohlraumresonators 1 ist über den gesamten Abstimmbereich des Mikrowellenoszillators weitgehend konstant und beträgt in dem hier dargestellten Beispiel Q > 2-106. Dabei tritt auch während
eines Einstellvorgang praktisch keine Gütedegradation des Hohlraumresonators 1 auf.