Haf vermittler für Siliconmaterialien
Die vorliegende Erfindung betrifft Copolymere aus Hydrogensiloxa- nen und ungesättigten Verbindungen, wobei die SiH-Gruppen zumindest teilweise in Silanolgruppen oder deren reaktive Derivate überführt wurden und/oder an zumindest einen Teil der SiH-Gruppen Silanolgruppen oder deren reaktive Derivate gebunden sind, Adhe- sivlösungen daraus, ihre Anwendung als Haf vermittler zwischen kondensationsvernetzenden Siliconunterfütterungsmassen und Prothesen, ihre Anwendung als Haf vermittler für kondensationsver- netzende Siliconabformmassen auf Abformlöffeln sowie andere Anwendungen .
Materialien für Zahnprothesen bestehen in der Regel aus Polyme- thylmethacrylat oder aus Copolymeren verschiedener Methacrylate. Sitzt eine Prothese nicht mehr gut, muß sie erneut hergestellt oder unterfüttert (korrigiert) werden. Diese Unterfütterung kann wiederum mit Prothesenmaterial erfolgen (harte Unterfütterung), es kann aber auch notwendig sein, ein deutlich weicheres Material für diese Zwecke auszuwählen (weichbleibende Unterfütterung) . Gerade mit dem Ansteigen des durchschnittlichen Lebensalters steigt die Nachfrage nach letztgenannten weichen Materialien stark.
Übliche weiche Unterfütterungsmaterialien bestehen aus mit Weichmacher versetzten Polymethacrylaten oder aus Silicon. Die mit Weichmacher versetzten Polymethacrylate können auf das (Polyme- thylmethacrylat- ) Prothesenmaterial aufpolymerisiert werden, leiden aber im Laufe von wenigen Monaten durch Herauslösen des Weichmachers unter Härterwerden bis hin zur Versprödung.
Unterfütterungen mit Siliconelastomeren zeigen diese Versprödung nicht. Sie sind dauerhaft weich, andererseits stellt ein festes Verbinden von Siliconelastomeren mit Polymethacrylaten stets ein großes Problem dar. Selbst wenn versucht wird, die Schichten durch Anlösen oder mechanisches Aufrauhen mechanisch zu verbinden, findet nach einigen Wochen oder gar nach einigen Tagen eine Ablösung der Siliconschicht von der Prothese statt.
Es sind einige Wege beschrieben worden, dieses Problem chemisch zu lösen. So werden in der DE 196 35 696 AI Polymere beschrieben, die reaktive Gruppen wie -OH oder -NH enthalten, an die unter Wasserstoffabspaltung Hydrogensiliconeinheiten geknüpft werden. Lösungen solcher SiH-Gruppen-haltigen Copolymere können nach Auftragen auf eine Prothesenoberfläche mit einer darauf applizierten additionsvernetzenden Vinylsiliconschicht reagieren und sich verbinden. Da die Hydrogensiloxaneinheiten über -C-O-Si-Bindungen bzw. über -C-NH-Si-Bindungen verknüpft sind, sind Klebungen nach dieser Offenlegungsschrift im wäßrigen Milieu des Mundes recht hydrolyselabil und eignen sich nur für kurzfristige temporäre Unterfütterungen von wenigen Tagen oder Wochen.
Eine bessere Lösung des Problems ist in der EP 0 632 060 AI dargestellt. Dort werden für diese Zwecke Copolymere beschrieben, welche durch Copolymerisation von Methacrylaten mit Vinyl- oder Allylmethacrylaten hergestellt werden, wobei an freie Vinyl- oder Allylgruppen anschließend mit Hilfe eines Platinkatalysators Hy- drogensilicone ausreichenden SiH-Gehaltes angeknüpft werden.
Lösungen dieser SiH-gruppenhaltigen Copolymere können ebenfalls nach Auftragen auf eine Prothesenoberfläche mit einer darauf applizierten Vinylsiliconschicht reagieren und sich verbinden. Die Hydrogensiloxaneinheiten sind über Estergruppen -CO-O- an die
Polymerkettengerüste geknüpft, besser hydrolysestabil und wirken daher über eine längere Zeit auch im wäßrigen Mundmilieu als Haftvermittler zwischen Prothesenmaterial und aufgebrachtem Silicon. Das Herstellungsverfahren ist jedoch mehrstufig und damit umständlich und teuer und die hergestellten Polymere weisen Säure- und Basen-empfindliche Estergruppen auf.
In der beigefügten Patentanmeldung DE 199 05 224.7 sind als bessere Lösung sehr hydrolysebeständige SiH-Gruppen-haltige Copolymere beschrieben, die sich als sehr effektive Haftvermittler für die Unterfütterung von Prothesen mit additionsvernetzenden Sili- conen erwiesen haben, zusätzlich auch noch hervorragende Eigenschaften aufweisen, wenn sie als Abformlöffeladhesiv für additi- onsvernetzende Abformsilicone angewandt werden.
Die vorgenannten Adhesive der Patentschrift EP 0632 060 AI sowie die fortschrittlicheren Adhesive der Patentanmeldung DE 199 05 224.7 haben sich als Adhesive mit potentiell hohen Haftkräften erwiesen. Sie sind jedoch effektiv nur zur Klebung von additionsvernetzenden Vinylsiliconen einsetzbar.
Ähnliche Fragestellungen und Probleme gibt es jedoch auch für eine breite Produktpalette von kondensationsvernetzenden Siliconen. Auch hier wäre es wünschenswert, ähnlich effektive Klebesysteme zu finden.
Aufgabe der Erfindung war es daher, neue hydrolysebeständige Materialien zu finden, die insbesondere als Lösung angewandt, zu einem dauerstabilen und feuchtigkeitsfesten Haftverhalten zwischen Prothesenmaterial und weichbleibender kondensationsvernet- zender Siliconunterfütterung bzw. auch gegebenenfalls zwischen Abformlöffelmaterial und kondensationsvernetzendem Abformsilicon führen.
Anders ausgedrückt war es die Aufgabe der Erfindung, Materialien bereitzustellen, die, insbesondere als Lösung angewandt, eine starke Haftwirkung von Prothesenmaterial auf kondensationsvernet- zenden Siliconen bewirken, und die als dauerstabile und feuchtigkeitsfeste Adhesive zwischen Prothesenmaterial und weichbleibenden Siliconunterfütterungen aus kondensationsvernetzenden Siliconen sowie als starkes Abformlöffeladhesiv für kondensationsver- netzende Abformsilicone dienen können.
Zur Lösung dieser Aufgabe werden erfindungsgemäß Copolymere offenbart, die sich gegebenenfalls wiederholende strukturelle Einheiten, insbesondere in der längsten Kette (Grundkette)
a) der Formel (I)
Ri Ri
Ri Ri
und b) der Formel (II)
R R R R R
R - [ Si - 0 ]m - Si - [ C - C ]0 - Y - [ Si ]„ - R
R R R R R enthalten, wobei in und p unabhängig voneinander ganze Zahlen > 0 sind, n = 1 ist, o = 1 oder 0 ist,
y eine Bindung, ein Sauerstoffatom oder eine Gruppe der Formel - CR2- oder -CO-0-CR2-CR2-CR2- ist, jeder der Reste R und Ri unabhängig voneinander ein H-Atom, eine gegebenenfalls substituierte Alkylgruppe, eine Gruppe der Formel -CR'2-OR', -OR', -COOR', -SiRcRdRe, -NRd-Rc, ein organischer Säurerest, dessen Anhydrid oder dessen entsprechender vorzugsweise ] eichthydrolysierbarer Ester der Formel -0-CO-Rc oder dessen entsprechendes vorzugsweise leichthydrolysierbares Amid der Formel - NR-j-CO-Rc, eine gegebenenfalls mit einer oder zwei -CR ' =CR ' 2 - Gruppen substituierte Phenylgruppe , eine Gruppe der Formel - CRRRfCHRg-SiX3, eine Gruppe der Formel -SiOSiO( SiO)m H, eine Epoxy- gruppe, eine Aziridingruppe, eine Phosphat- oder Phosphonatgruppe bzw. deren Anhydride, eine Bindung ist oder zwei Reste R und/oder zwei Reste Ri zusammen eine Gruppe der Formel =CR2 darstellen,
wobei jeder der Reste R' , Rc, Rd, Re , Rf , Rg und X unabhängig voneinander ein H-Atom eine -OH-Gruppe, eine gegebenenfalls substituierte Alkylgruppe, eine Alkoxygruppe oder eine gegebenenfalls substituierte Arylgruppe sein kann,
mit der Maßgabe, daß in mindestens einer Einheit der Formel II mindestens ein an ein Si-Atom gebundener Rest R eine -OH, -ORc- - NRdRc-Gruppe oder ein Rest der Formeln -OCORc, -NRdC0Rc ist.
Die nachfolgenden Definitionen gelten für alle Ausführungsformen in der Beschreibung und den Ansprüchen.
Vorzugsweise weisen die Alkylgruppen, die Alkoxygruppen und die organischen Säurereste 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 oder 8, vorzugsweise 1, 2, 3, 4, 5 oder 6 C-Atome auf, die besonders bevorzugt linear angeordnet sind. Sie können aber auch verzweigt sein. Beispiele für die Alkylgruppen bzw. den Alkylteil der Alkoxygruppen sind
Methyl-, Ethyl-, n-Propyl-, i-Propyl-, n-Butyl-, i-Butyl-, n- Peny] - und n-Hexyl-Gruppen .
Ein Durchschnittsfachmann wird die Substituenten gemäß seinem Fachwissen dabei so auswählen, daß keine aus sterischen oder anderen Gründen sinnlosen Kombinationen von Substituenten entstehen. Insbesondere sollten pro dargestellter Einheit der Formel I oder II maximal zwei, vorzugsweise nur eine oder auch keine ste- risch anspruchsvolle Gruppe wie ein t-Butylgruppe ausgewählt werden.
Gemäß einer Ausführungsform weisen m und p unabhängig voneinander d.ie Werte 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 oder 9 auf. Sie können aber auch Werte von 10 bis 100 und mehr aufweisen.
Arylgruppen können substituiert oder unsubstituiert sein und z.B. ] aromatischen Ring oder 2, 3 oder 4 kondensierte aromatische Ringe mit jeweils z.B. 4, 5, 6, 7, 8, 9 oder 10 C-Atomen und/oder bis zu zwei N, O oder S-Atomen aufweisen.
Als Substituenten z.B. der substituierten Alkylgruppen oder Arylgruppen etc. können z.B. Ci-Cö-Alkyl-, Vinyl- oder Allylgruppen, C5 - Cj2 Arylgruppen, -N02-, -OH-, -CN-, -NH2-, -S02-, -COOH-, -CONH2-, -CO-0-Cι-C6-Alkyl- oder -Cι-C6-Acylgruppen erwähnt werden.
F.rfj ndungsgemäß können die Reste R, Ri oder R' unabhängig voneinander mindestens eine weitere funktioneile Gruppe enthalten, wobei als weitere funktioneile Gruppen Hydrogensilyl- , Alkoxysilyl- , Epoxy- , Säure oder Aziridin-Gruppen bevorzugt werden. Als Säuregruppen werden z.B. Phosphor-haltige Säuregruppen wie Phosphorsäure- oder Phosphonsäuregruppen, oder Cl-C6-Carbonsäuregruppen bevorzugt. Vorzugsweise stellen die Reste R, Ri oder R' jedoch
WO 00/59451 PCTtEPOO/03098
höchstens eine, vorzugsweise keine weiter Vinylgruppe dar, da die Haf mittel sonst gegebenenfalls zu stark vernetzt würden.
Die Ha vermittler weisen vorzugsweise ein durchschnittliches Ge- wichtsmittel des Molekulargewichts von 5.000 - 1.000.000, besonders bevorzugt von 20.000 - 200.000 auf.
Vorzugsweise weisen die erfindungsgemäßen Haf vermittler die Einheiten (1:11) in einem Verhältnis von 25:1 bis zu 1:25 oder 10:1 bj.s zu 1:10 oder 5:1 bis zu 1:5, insbesondere auch 5:1 bis zu 2 : 1 auf. Die Grundketten weisen vorzugsweise mindestens 50 der vorstehenden Einheiten I und/oder II auf.
Vorzugsweise sind die Reste R, Rl r R', Rc, Rd, Re, Rf, Rg und X unabhängig voneinander H-Atome, OH-, Methyl-, Ethyl-, Methoxy- oder Ethoxygruppen .
Vorzugsweise ist zumindest eine Einheit der Formel I und eine Einheit der Formel II über C-Si-Bindungen und/oder über -OCO-Bin- dungen miteinander verknüpft.
Erfindungsgemäß wird weiter ein Adhesiv bereitgestellt, das mindestens ein erfindungsgemäßes Copolymer und vorzugsweise ein leichtflüchtiges Lösungsmittel enthält.
Für die Herstellung der erfindungsgemäßen Copolymere können in einem ersten Schritt Hydrogensiloxan-Copolymere verwendet werden. Die Hydrogensiloxan-Copolymere können z. B. durch Copolymerisati- on von ungesättigten Verbindungen mit SiH-Gruppen-haltigen Silox- anen wie in der DE 199 05 224.7 offenbart hergestellt werden, wo die Hydrogensiloxangruppe über C-Si- Bindungen an oder in die Polymerkette gebunden ist. Derartige Copolymere weisen insbesondere
in der längsten Kette (Grundkette) sich wiederholende strukturelle Einheiten
a) der Formel (I)
Ri Ri
I I
Ri - [ C - C ]p - Rx
I I
Ri Ri
und
b) der Formel (II')
R R
I I
R - [ Si - 0 ]m - [ Si ]„ - R
I I
R R
auf, wobei m und p unabhängig voneinander ganze Zahlen > 0 sind, n 1 ist, jeder der Reste R und Ri unabhängig voneinander ein H- Atom oder eine substituierte oder unsubstituierte Alkylgruppe, z.B. eine substituierte oder unsubstituierte d-C6-Alkylgruppe, eine Gruppe der Formel = CR'2, -CR'2-0R', -OR', -COOR', -SiR'3 oder eine gegebenenfalls mit einer oder zwei -CR' = CR'2-Gruppen substituierte Phenylgruppe oder eine Bindung zur Einheit I oder II' sein kann, wobei jeder der Reste R' unabhängig voneinander ein H-Atom oder eine substituierte oder unsubstituierte Alkylgruppe, z.B. eine substituierte oder unsubstituierte Cι-C6-
Alkylgruppe sein kann, mit der Maßgabe, daß die Einheiten der Formel II mindestens eine SiH-Gruppe enthalten und daß die Einheiten der Formel I mit den Einheiten der Formel II' über C-Si- Bindungen verknüpft sind.
In alternativer Weise können für die Herstellung der erfindungsgemäßen Copolymere Hydrogensiloxancopolymere verwendet werden, wie in der EP 0632 060 AI offenbart, in der die Hydrogensiloxan- gruppen über Estergruppen -OCO- indirekt an die Polymerkette gebunden sind.
So können z.B. Monomere von ungesättigten Verbindungen und Mono- ere von SiH-Gruppen-haltigen Siloxanen,
Homo- und/oder Copolymere von ungesättigten Verbindungen mit Monomeren von SiH-Gruppen-haltigen Siloxanen,
Monomere von ungesättigten Verbindungen mit Homo- und/oder Copolymeren von SiH-Gruppen-haltigen Siloxanen,
oder Homo- und/oder Copolymere von ungesättigten Verbindungen mit Homo- und/oder Copolymeren von SiH-Gruppen-haltigen Siloxanen co- polymerisiert werden.
In einem zweiten Schritt können die SiH-Gruppen erfindungsgemäß teilweise oder vollständig z.B. durch Hydrolyse, Alkoholyse, Aci- dolyse oder ähnliche Reaktionen in Silanolgruppen oder deren reaktive Derivate umgewandelt werden, z.B. unter Wasserstoffabspal- tung und gegebenenfalls unter Platinkatalyse:
Copolymerkette-Siloxan-SiH + HX => Copolymerkette-Siloxan-SiX
wobei X mindestens einer der folgenden Reste oder Gruppen sein kann: -OH, -ORc , -NR^-R--. , leichthydrolysierbare Ester oder Ami- de der Formel -0-CO-Rc, -NR^-CO-R--. , wobei Rc , Rd = Alkyl oder
Aryl. Als Zwischenprodukte können auch Polymere hergestellt werden, bei denen X mindestens ein Halogen ist. Diese sollten aber in die vorstehend definierten besser haltbaren und verträglicheren Derivate überführt werden, da diese in verträglicherer Weise angewendet werden können.
HX können jedoch auch Silicone mit SiOH-Gruppen sein:
Copolymerkette-Siloxan-SiH + HOSiO(SiO)mH _=->
Copolymerkette-Siloxan-SiOSiO(SiO)mH
Die ungesättigten Verbindungen können z.B. (Meth- ) acrylate, Vi- nylbenzole, Vinylether, Allylverbindungen, Vinylsilane oder Derivate oder Mischungen von diesen und insbesondere Mono(meth- ) acrylate, Monovinylbenzole, Monovinylether, Monoallylverbindungen, Monovinylsilane oder Derivate oder Mischungen von diesen sein.
Vorzugsweise weisen die Hydrogensiloxan-Copolymere die Einheiten (1:11') in einem Verhältnis von 25:1 bis zu 1:25 oder 10:1 bis zu 1:10 oder 5:1 bis zu 1:5, insbesondere auch 5:1 bis zu 2:1 auf. Die Grundketten weisen vorzugsweise mindestens 50 der vorstehenden Einheiten I und/oder II' auf.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthalten die ungesättigten Verbindungen mindestens eine weitere funktionelle Gruppe wie Hy- drogensilyl-, Alkoxysilyl- , Epoxy- oder Aziridin-Gruppen, Carbonsäure- oder Carbonsäureanhydridgruppen, Phosphat- oder Phospho- natgruppen bzw. deren Anhydride.
Gemäß einer Alternative können in einem anderen zweiten Schritt über eine Hydrosilylierungsreaktion ungesättigte Silanolderivate, die z.B. die Formel ReR_C = CRgSiX3 aufweisen, an die SiH-Gruppen des Hydrogen-siloxan-copolymers addiert und somit zu einem Copo- ly er mit Silanolgruppen oder deren Derivaten umgewandelt werden; in diesen Fällen läuft die Reaktion ohne Wasserstoffabspaltung, nur durch gegebenenfalls platinkatalytische Addition ab:
Copolymerkette-Siloxan-SiH + C^C-SiX =->
Copolymerkette-Siloxan-Si-C-CH-SiX
Als ungesättigte Silanolderivate eignen sich z.B. Vinyltriethoxy- silan, Allyldimethyl ethoxysilan oder Methacrylpropyltriethoxysi- lan.
Die Silanol-Siloxan-Einheiten ( SiX-Siloxan) sind entweder seiten- oder endständig geknüpft an die Kette polymerisierter Doppelbindungen gebunden:
[ SiX-Siloxan ]—CCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCC—[ Siloxan-SiX ] ,
I I
[ Siloxan-SiX ] [ Siloxan-SiX ]
sie können aber auch zwei- oder mehrseitig verknüpft als Siloxan- F. inheiten integraler Teil des Kettengerüstes :
SiX SiX
[SiX-S_loxan]-CCCCCC[S.loxan]CCCCCC[Siloxan]CCCCCC-[Siloxan-SiX] ,
I CCCCCC[SiX-Siloxan]
oder Mischungen aller Typen sein .
Erfindungsgemäße Copolymere können also auch dadurch hergestellt werden, daß mindestens eine Verbindung der Formel I oder eine Verbindung mit sich wiederholenden Einheiten der Formel I mit einer Verbindung der Formel II oder einer Verbindung mit sich wiederholenden Einheiten der Formel II copolymerisiert wird.
Die Eigenschaften der erfindungsgemäßen Copolymere und deren Lösungen werden außer durch die Natur und der Art der Funktion R, Ri bzw. X der Silanolgruppe in starkem Maße durch die eingesetzten Ausgangs-Hydrogensilicon-Einheiten bestimmt, deren Fülle an SiH-Gruppen und deren Verhältnisse von neutralen Kettenteilen zu Hydrogensiloxan-Kettenteilen Löslichkeit und Aktivität mitbestimmen. Bei den erfindungsgemäßen Verwendungen als Adhesiv sind die neutralen Kettenanteile z.B. wichtig, um sich mit anzulösenden, zu verbindenden Kunststoffen innig in Microbereichen zu vermischen, oder bei Vorhandensein von funktioneilen Gruppen dieser "neutralen" Kette der Formel I in ausreichender Weise Funktionalität (wie z.B. Haftung im Falle von Phosphatgruppen) zu zeigen, andererseits begünstigt eine Vielzahl an Silanolsiloxan-Gruppen eine gute Einbindung in ein darauf appliziertes kondensationsver- netzendes Silicon. Das Verhältnis von Silanol-Siloxan- zu Nicht- siloxan-Anteilen im Copolymer sollte bei vorteilhaften Ausführungen mindestens bei 1 : 25 bis zu 25 : 1, bei bevorzugten Ausführungen mindestens bei 1 : 10 bis zu 10 : 1, bei besonders bevorzugten Ausführungen mindestens bei 1 : 5 bis zu 5 : 1 liegen.
Λdhesivlösungen, die die erfindungsgemäßen Silanol-Siloxan-Copo- lymere enthalten, erweisen sich als hervorragende Haftvermittler zwischen kondensationsvernetzenden Siliconunterfütterungsmassen und Prothesen, sowie als Haftvermittler für kondensationsvernet- zende Siliconabformmassen auf Abformlöffeln sowie als hervorra-
gencle Adhesive für andere Anwendungen im Zusammenhang mit Klebungen von Siliconen des kondensationsvernetzenden Typs.
Als Lösungsmittel erfindungsgemäßer Adhesivlösungen eignen sich besonders leicht flüchtige, inerte Lösungsmittel wie halogenierte oder nichthalogenierte aliphatische oder aromatische Kohlenwasserstoffe, Ether, Ketone, Ester oder cyclischer Siloxane.
Es kann dabei nützlich sein, den Adhesivlösungen geringe Mengen an Katalysatoren, wie sie für kondensationsvernetzende Silicone üblich sind, zuzumischen, gegebenenfalls auch als Extrakomponente, welche erst kurz vor der Anwendung zugemischt wird.
Übliche Katalysatoren für kondensationsvernetzende Silicone sind z.B. starke Säuren wie CF3S03H oder starke Basen wie (CH_)4NOH, oder schonendere Systeme wie Amine, Aminsalze von organischen Säuren sowie organische Metallverbindungen von Zinn, Titan oder Zirkon wie z.B. Dibutylzinndilaurat , Dibutylzinnoxid oder Tetraalkoxytitanate .
Weiterhin können auch als Vernetzer für kondensationsvernetzende Systeme wirkende Siliziumverbindungen wie Tetraethylsilikat oder deren Oligosilikate als Zumischung zugegeben werden.
Die erfindungsgemäßen Copolymere können auch für andere Zwecke als den angeführten zu erfindungsgemäßen Anwendungen kommen. So können die erfindungsgemäßen Copolymere auch z.B. als Zusätze für eine bessere Vernetzung in kondensationsvernetzenden Siliconmischungen oder auch als Ausgangskomponente zur Herstellung von durch weitere Aufpfropfung noch weiter modifizierter Copolymeren, bei denen die Silanol-Gruppen oder andere mit einpolymeri- sierte reaktive Gruppen als Verknüpfungspunkt zum Aufpfropfen anderer funktioneller Gruppen dienen.
Die erfindungsgemäßen Copolymere eignen sich auch als Überzüge, die unter Feuchtigkeitszufuhr unter Hydrolyse quervernetzen können .
Derartige Überzüge haften hervorragend auf edlen und unedlen Metallen, Glas, Silikaten, Zähnen und Keramik; sind in der Grundkette Phosphat- oder Carbonsäure-Gruppen vorhanden, so haften die Überzüge besonders gut auf unedlen Metallen und Zahnsubstraten.
Auch diese Verwendungen sind erfindungsgemäß.
Anhand nachstehender beispielhafter Ausführungen soll die Erfindung näher erläutert werden
Beispiel 1:
Herstellung eines Ausgangs-hydrogensiloxan-Copolymers Zwecks Herstellung eines Hydrogensiloxan-copolymers wird zu einer Lösung aus 20g Ethylmethacrylat , 40g mehrfunktionellem Hydro- gensiloxan (Vernetzer 430 der Bayer AG) und 40g Toluol 0,3 g Ben- zoylperoxid hinzugegeben. Die Lösung wird für 2 Stunden auf 90 °C erhitzt. Nach Abkühlen auf Raumtemperatur wird das Toluol unter vermindertem Druck abgedampft und der verbleibende Rest mit einer
Mischung aus Ethanol/Methanol 1:1 vernetzerfrei gewaschen. Es wird ein gelartiges Hydrogensiloxan-copolymer erhalten.
Zwecks Herstellung einer Vergleichs-Adhesivlösung als Kleber für aclditionsvernetzende Silicone werden 10 Teile des erhaltenen Polymers in 90 Teilen Aceton gelöst. Die Adhesivlösung wird in dünner Schicht auf einen handelsüblichen Kunststoffabformlöffei aus Polycarbonat (Miratray - 140°, Hager u. Werken, Deutschland), aufgetragen und 1 min trocknen gelassen. Darauf wird der Löffel mit additionvernetzendem Abformsilicon beladen und so in den Mund verbracht, daß die Masse möglichst nicht in die vorhandenen Re- tentioslöcher gepreßt wird. Nach Ende der Erhärtungszeit wird der Löffel aus dem Mund entnommen und die leicht entstandenen Reten- tionszungen entfernt. Die Abformmasse ist auch ohne mechanische Retentionen so fest mit dem Abformlöffel verbunden, daß sie nur unter Zerstörung wieder vom Abformlöffel entfernt werden kann. Versuche, auf die gleiche Weise den Löffel für eine adhesive Beladung mit kondensationsvernetzenden Silicon zu verwenden, schlagen fehl. Die kondensationsvernetzende Abformmasse läßt sich leicht vom Abformlöffel abheben.
Beispiel 2
Herstellung eines erfindungsgemäßen Silanol-siloxan-Copolymers 13 g der Adhesivlösung aus Beispiel 1 werden mit 10 g Aceton verdünnt und anschließend mit 0,85 g Vinyltriethoxysilan versetzt. Zu dieser Lösung werden 0,01g eines Platin-Katalysators (Silopren U Katalysator Pt-S, GE Bayer, Niederlande) gegeben. Die Hydrosi- lierungsreaktion wird mittels IR-Spektrums (SiH bei 2158 cm -1) verfolgt und noch etwa 0,12 g Vinyltriethoxysilan dazugegeben bis die SiH-Bande verschwunden ist.
Die so hergestellte Triethoxysilanol-siloxan Adhesivlösung wird in dünner Schicht auf einen handelsüblichen Kunststoffabformlöf- fel aus Polycarbonat (Miratray - 140°, Hager u. Werken, Deutschland) aufgepinselt und 1 min trocknen gelassen. Darauf wird der Löffel mit kondensationsvernetzendem Abformsilicon beladen und wieder so in den Mund verbracht, daß die Masse möglichst nicht in die vorhandenen Retentionslöcher gepreßt wird und nach Ende der Erhärtungszeit der Löffel aus dem Mund entnommen wird und die leicht entstandenen Retentionszungen entfernt werden. Die Abformmasse ist so fest mit dem Abformlöffel verbunden, daß sie nur unter Zerstörung wieder vom Abformlöffel entfernt werden kann. Versuche, auf die gleiche Weise den Löffel jetzt umgekehrt für eine adhesive Beladung mit additionsvernetzenden Siliconen zu verwenden, schlagen fehl. Die additionsvernetzende Abformmasse läßt sich leicht vom Abformlöffel abheben.