Medizintechnische Vorrichtung zur Speicherung und Auswertung klinischer Daten
Anwendungsgebiet der Erfindung Das Aufgabengebiet der Erfindung umfasst eine Vorrichtung zur Nutzung und Bereitstellung von Daten aus vernetzten Medizingeräten für eine
patientenindividuelle und den Arbeitsablauf entlastende Geräteeinstellung.
Dabei ist mit„Vernetzung" die umfassende Informationsnutzung aller im Operationssaal vorhandener und relevanter Daten gemeint. Unter
„Medizingerät" ist jede zur diagnostischen oder therapeutischen Interaktion mit dem menschlichen oder tierischen Körper genutzte energiebetriebene oder nicht-energiebetriebene, technische Vorrichtung gemeint. Zubehör und
Disposables sind explizit ebenfalls als Medizingerät bezeichnet.
Stand der Technik Aktuell werden Informationen über den Operationsablauf und zum
Genesungsablauf des Patienten nicht in einen zentralen Erfahrungspool eingespeist und sind somit nicht als allgemeine Wissensbasis für zukünftige Eingriffe verfügbar oder automatisiert auswertbar. Technische Prozessgrößen werden kaum analysiert und im Kontext des klinischen Resultats bewertet. Die Erfahrungen über durchgeführte Operationen werden selbst in
Veröffentlichungen nicht ausreichend ausgewertet, dokumentiert und veröffentlicht.
In medizinischen Leitlinien werden evidenzbasiert durch klinische Studien mit großem Zeitverzug die medizinischen Handlungen für diagnostische und/oder therapeutische Prozeduren festgeschrieben. Diese Leitlinien sind als
Konsenspapiere von medizinischen Fachgesellschaften für die Einstellungen von Medizingeräten oder technischen Parameter eher nicht detailliert genug, um Geräteeinstellungen abzuleiten. In Bezug auf die Einstellung von
Betriebsparametern der Medizingeräte haben die Hersteller von
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BESTÄTIGUNGSKOPIE
Medizingeräten vertiefte Kenntnisse, die zum Teil in Schulungen vermittelt werden. Alle diese geschilderten Wege von einer standardisierten Anwendung von Medizingeräten für eine diagnostische oder therapeutische Prozedur zu guten klinischen Ergebnissen beim Patienten sind langwierig und mit großem Aufwand verbunden.
Weiterhin werden in Studien oft die komplexen Zusammenhänge von
Geräteeinstellungen mit dem klinischen Behandlungserfolg nicht verfolgt, da die Dokumentation der Geräteparameter durch die Studienärzte zumeist nicht erfolgen kann. Sollwertvorgaben erfolgen manuell durch medizinisches
Personal anhand von individuellen Erfahrungen
Die EP1995679 beschreibt eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Vernetzung und zentralen Bedienung sowie Datenübertragung zu Dokumentationszwecken und/oder Steuerung bzw. Parameteranpassung wenigstens eines Geräts, das während eines medizinischen Eingriffs benutzt wird. Zentral ist eine
Datenbasis, die auf einer Steuereinheit, einem externen über Netzwerke erreichbaren Server oder einem rein lesbaren Datenträger bereitgehalten wird. Absatz [0030] beschreibt den Zugriff auf die zentrale Datenbank über lokales Netzwerk oder Internet.
Diese Datenbasis soll gemäß Absatz [0008]„wünschenswert" Expertenwissen und/oder vorbestimmte, vom jeweiligen Arzt unabhängige Geräteparameter enthalten, die erweitert werden um die in Absatz [0013] erwähnte Gerätezusammenstellung für die jeweilige medizinische Prozedur und dem Arzt vorschlagen wird, also eine Art Assistenzsystem zur Instrumentierung. Absatz [0023] beschreibt, dass vorbestimmte Gerätekonfigurationen und -parameter Teil der Datenbank sein können.
Absatz [0016] beschreibt, dass Geräteparameter, bzw. Geräteaktionen durch ein von einem Sensor automatisch erzeugtes Signal ausgelöst werden. Es ist aber keine technische Lehre ausgeführt, außer dass eine Geräte- Voreinstellung automatisch übernommen wird - aufgrund welcher Sensoren und was diese bewirken ist nicht ausgeführt. Eine Regelung von
Geräteparametern durch Sensorwerte insbesondere, wie die hier dargestellte
erfindungsgemäße Lösung ausführt, ist nicht beschrieben und nicht
naheliegend.
Jede Übernahme der Datenbankinhalte in ein Gerät wird in der EP1995679 zwingend mit einer Arztzustimmung, also der Betätigung eines
Bestätigungselements verknüpft.
Absatz [0028] beschreibt, dass Daten des Patienten (Alter, Größe, Gewicht, vorhandene bzw. bereits erkannte Erkrankungen, anatomische
Besonderheiten) veränderte Parameterwerte erfordern und
Gerätekonfigurationen und optimale Parameter von den eingesetzten Geräten und Herstellern abhängen. In Absatz [0029] wird deren Bereitstellung in der Datenbank beschrieben und verschiedene patientenabhängige Datensätze oder eine Formel zur Berechnung patientenabhängiger Parameter
beschrieben. Als technische Lehre einer Berechnung ist als Beispiel ausgeführt die Inter- bzw. Extrapolation. Die erfindungsgemäße Lösung sieht einen evidenzbasierten Ansatz vor, also ist dieser hiermit auch nicht beschrieben oder naheliegend.
EP 2763064 A2 beschreibt eine Insulinpumpe mit einem Konfigurator, zur Einstellung von Betriebsparametern der Insulinpumpe.
Erfindungsgemäße Lösung Für die Lösung der definierten Probleme erfolgt erfindungsgemäß die
Sammlung und Analyse von Daten in der medizintechnischen Vorrichtung gemäß der vorliegenden Ansprüche durch Übernahme aus der intraoperativen Phase und Erfassung neuer Daten in der postoperativen Phase.
Die Erfindung betrifft daher eine medizintechnische Vorrichtung zur
Speicherung medizinischer Daten, enthaltend mindestens eine Recheneinheit, bestehend aus einem Selektions- und Korrelations-Modul, einem Einspeisungsmodul mit selbstlernendem Untermodul,
mindestens eine Speichereinheit, die über die Schnittstelle erhaltenen Messdaten und/oder Patientendaten speichert und die optional mindestens einen Datensatz als Rückfallebene dauerhaft enthält, mindestens eine Schnittstelle zu mindestens einer anderen
medizintechnischen Vorrichtung, wobei die Schnittstelle Messdaten und/oder Patientendaten auf die Speichereinheit überträgt, mindestens eine Schnittstelle zum Einlesen von Patienteninformationen zu mindestens einem Krankenhaus-Informationssystem (Patientenakte) und/oder einem Bilderkennungssystem zum Einlesen von
Patienteninformationen mindestens eine Verarbeitungsvorrichtung in welcher in der
Speichereinheit vorhandene Apriori-Informationen mit den über die Schnittstelle erhaltenen Informationen dergestalt verarbeitet werden, um nach einem vorbestimmten Kriterium berechnete Betriebsparameter über eine Schnittstelle einer anderen medizintechnischen Vorrichtung bereitzustellen.
In einem weiteren Schritt können aus den aktuell übermittelten Daten für bereits bekannte Szenarien, die mit vorab gesammelten Daten untersetzt sind, in der präoperativen Phase durch Abgleich der Patientendaten eine Ableitung von Gerätekonfigurationen bzw. Geräteeinstellungen erfolgen sowie Hinweise für die leitliniengerechte Behandlung aus den intraoperativen Daten an das Medizingerät übermittelt werden.
Voraussetzung ist die Bereitstellung von Datenschnittstellen zu
Informationsquellen im operativen Umfeld wie z.B. dem Krankenhaus- Informationssystem (KIS) oder dem Anästhesie-System, sowie die
Spezifikation relevanter Informationsquellen und Schnittstellen. Diese
Schnittstellen können elektronisch oder auch anders realisiert sein, z.B. durch Bilderkennung und -auswertung eines Medizingerätes mit Kamera von Daten auf Formularen oder Bildschirmen.
Das Einsatzgebiet des Expertensystems kann weitere Funktionseinheiten im Operationssaal umfassen. So profitiert als wichtigster Bereich die Anästhesie stark von einem sich stetig aktualisierenden Erfahrungssystem und den
Kopplungen zu anderen klinischen Geräten und Systemen. Das Expertensystem ist eine Vorrichtung zur Sammlung von Daten aus
Medizingeräten und prä- und postoperative Patientendaten, die Patientendaten mit während der Prozedur ermittelten Prozessdaten sowie klinischen
Behandlungserfolgen verknüpft und dabei die Zuordnung der Daten zueinander sicherstellt, solche Datengruppen in Klassen zusammenfasst und die
Prozessdaten und Ablaufinformationen mit den besten klinischen Ergebnissen bündelt und fortlaufend bei neuem Dateneingang zueinander gewichtet, die Prozessdaten mit dem bestem klinischen Ergebnis einer Klasse als Optimum ermittelt und das ermittelte Optimum an das Medizingerät als Voreinstellung zurückübermittelt. Bei der RückÜbermittlung werden klinische Leitlinien und klinisches Erfahrungswissen in Bezug auf die Datengruppen und
Auswahlregeln einbezogen. Das Medizingerät besitzt ferner eine Daten- Rückfallebene bei ausgefallener Datenübermittlung.
Eine automatisierte Sammlung und Rückmeldung von Gerätekonfigurationen erfolgt durch eine zentrale Datensammlungs-, Datenanalyse- und
Datenspeicher-Vorrichtung, einem so bezeichneten Expertensystem, die über ein Netzwerk vom Medizingerät erreichbar ist. Dieses Expertensystem besteht aus einem Selektions- und Korrelations-Modul, einem Einspeisungsmodul für Regeln und Expertenwissen mit einem selbstlernenden Untermodul und einem Datenhaltungs-Modul, welches die Inhalte zuordnet, klassifiziert, speichert und den Zugriff auf die Inhalte regelt. Die Inhalte sind Datensätze bestehend aus anonymisierten Patientendaten, Anamnesedaten, Prozedurinformationen, Informationen zu eingesetzten Medizingeräten, intraoperativen Vitaldaten und Gerätedaten bzw. Geräteparametern, postoperativen
Behandlungsbewertungen. Weiterhin sind im Expertensystem prozedurale Regeln hinterlegt, die im Selektions- und Korrelationsmodul zur Anwendung kommen. Als eine Ausführungsform kann ein Server über das Internet erreichbar sein und nur Parameter-Kennfelder an das Gerät, was die
Ursprungsinformationen (Geräteparameter, Vitaldaten, Patientendaten) liefert, zurücksenden.
Durch die zentrale Bereitstellung ist z.B. eine Änderung von Leitlinien oder Anpassungen an geänderte Prozedurabläufe einfach einzupflegen. Weiterhin kann aus möglichst vielen verschiedenen Datenquellen ein Datensatz bereitgestellt werden, wodurch keine willkürliche Vorauswahl (Bias) erfolgt und eine große Datenbasis geschaffen wird.
Das Konzept einer sich mit jedem Eingriff aktualisierende Erfahrungs- und Wissensdatenbank, welche jedem Chirurgen zur Verfügung gestellt wird, führt zu einer kontinuierlichen Optimierung der minimal-invasiven Chirurgie.
Durch die Verknüpfung der Informationen aus dem Expertensystem mit den Daten aus der Anamnese und Geräteerkennung können Gerätekonfigurationen automatisch ausgewählt werden. Diese Einstellungen können dabei
patientenindividuell auf die jeweilige Therapie optimiert werden und verbessern so bereits präoperativ die minimal-invasive Chirurgie. Gleiches gilt für
Sollwertvorgaben wie z.B. den Druck im Operationsgebiet.
Die erfindungsgemäße Lösung für das Expertensystem beinhaltet mindestens eine
Datenkommunikationsschicht zur Vernetzung der Geräte im OP
Datenklassifizierung bzw. -gruppierung von Patientendatenaus der präoperativen Phase
Ermittlung bzw. Übertragung von für die medizinische Prozedur genutzten Medizingeräten und Medizingeräte-Zusammenstellungen
Ermittlung und Übertragung von Sollwertempfehlungen auf Grundlage von Apriori-Wissen in das Medizingerät
Weiterhin kann die erfindungsgemäße Lösung beinhalten
• Identifikationsmethode zur automatischen Erkennung von eingesetzten Geräten in der präoperativen Phase
• Ermittlung und Übertragung Kennliniensatz zur Reglervoreinstellung auf Grundlage von Apriori-Wissen in das Medizingerät
• Datenübertragung aus der intraoperativen Phase in das
Datenbanksystem · Ermittlung und Übertragung eines Kennliniensatzes zur
Reglereinstellung auf Grundlage von intraoperativen Daten in das Medizingerät
• Ermittlung und Übertragung von Sollwertempfehlungen auf Grundlage von intraoperativen Daten in das Medizingerät · Datenübertragung aus der postoperativen Phase in das
Datenbanksystem
• Einpflegen von Regeln die dem medizinischen Expertenwissen bzw.
Leitlinien entstammen
Die automatisierte Informationsverarbeitung analysiert und klassifiziert
Patienten- und Gerätedaten und übergibt diese zur weiteren Verarbeitung und Protokollierung an die Datenbank. Das Klassifizierungsverfahren entspricht dabei den etablierten Verfahren und für jeden Anwendungsbereich wird eine geeignete Klassifikatorstruktur erstellt. Das Training und die Validierung des Klassifikators erfolgt mittels Daten aus dem klinischen Umfeld. Die Datenbank nutzt Daten aus etablierten medizinischen
Evaluationsmethoden, um das operative Ergebnis (clinical outcome) zu bewerten. Eine der Datenbank verbundene Prozessdaten aus der prä- und intraoperativen Phase und anonymisierten Analysevorrichtung verknüpft Datensätze der Expertensystem mit Datensätzen vergangener Eingriffe und neu gesammelten Daten zum Ablauf der Operation und dem klinischen
Ergebnis und identifiziert erfolgreiche Kombinationen. Das Einpflegen medizinischer Expertise in die Wissensdatenbank stellt Handlungsempfehlungen bei definierten klinischen Szenarien bereit, welche auf den aktuellen medizinischen Leitlinien basieren. Diese Wissensdatenbank wird mit dem Expertensystem kombiniert, das sich aus der statistischen Auswertung
aktueller und vergangener Eingriffe speist. Damit ist die Informationsgrundlage für ein stetig lernendes Assistenzsystem geschaffen, welches zur Optimierung zukünftiger Eingriffe zur Verfügung steht.
Informationen aus der intraoperativen Phase werden gesammelt, anonymisiert und analysiert, um in der postoperativen Phase eine Expertensystem aufzubauen. Zu diesem Zweck wird in der postoperativen Phase unter anderem durchgeführt:
• Evaluation der operativen Resultate (postoperatives clinical outcome bzw. klinischer Behandlungserfolg) · Statistische Auswertung und Clusterung anonymisierter klinischer Daten
• Sammlung von medizinischen Handlungsempfehlungen aus
Expertenwissen
• Rückkopplung von Erfahrungen auf die Gerätevoreinstellungen .
• Neben der Nutzung vorhandener Informationen, werden
Prozessinformationen gesammelt, analysiert und für andere vernetzte, medizinische Teilsysteme bereitgestellt.
Es werden Datenklassen (z.B. Patiententyp, Operationstyp) bzw.
Gruppierungen von Datensätzen erstellt und die zugehörigen Patienten- und Anamnesedaten analysiert. Aus der Datenanalyse werden
Sollwertempfehlungen und/oder Regler-Voreinstellungen der Medizingeräte abgeleitet, indem aus den mit positiven klinischen Behandlungserfolgen versehenen Datensätzen mit gleicher Datenklassen in Bezug auf Patient und Prozedur entsprechend vorgegebener Regeln die in den Datensätzen vorhandenen Geräteparameter hin zusammengeführt werden und diese als Empfehlung oder Geräteeinstellung über das Netzwerk an das Medizingerät zurückübermittelt werden.
Eine solche vorgegebene Regel könnte sein, einem möglichst niedrigen Solldruckwert für die Körperhöhle als rückübermitteltem Geräteparameter Vorzug zu geben. Eine andere Regel könnte ein vom Alter abhängiger
Solldruckwert sein, der fix vorgegeben wird. Diese Regeln sind den
medizinischen Erfordernissen und der Risikobewertung entsprechend zu gestalten. Die Datensätze werden fortlaufend gesammelt. Zurückübermittelte Geräteeinstellungen können vom OP-Team verändert werden. Neben den direkt auf Vitaldaten reagierenden Geräteeinstellungswerten sind Presets nutzbar, die Gerätevoreinstelllungen oder Reglerverhalten bestimmen.
Bei der automatisierten Aktualisierung des Expertensystems wird der
Therapieverlauf quantifiziert und relevante Aspekte protokolliert. Durch die Rückkopplung von Erfahrungswissen aus der Nachsorge auf zukünftige Operationen entsteht eine digitale Versorgungskette. Dabei setzt eine automatisierte Optimierung der minimal-invasiven Chirurgie ein.
Erfindungsgemäß werden Ursprungs- und Regelungsparameter von
Insufflatoren und Pumpen in der minimal-invasiven Chirurgie im Medizingerät mittelbar oder unmittelbar durch Dateneingang geändert, wodurch eine verbesserte Gerätefunktion gewährleistet wird, welche die Sicht im
Operationsfeld verbessert, Einblutungen reduziert, und/oder die Belastung auf den Kreislauf des Patienten minimiert.
Durch die als erfindungsgemäße Lösung vorgeschlagene Verknüpfung aller prä-, intra- und postoperativer Patienten- und Operationsinformationen kann der Chirurg bzw. das klinische Personal von technischen
Konfigurationsprozeduren der verwendeten Geräte entlastet werden.
Somit erfolgt eine
Verbesserung der Therapie durch Klassifizierung und Nutzung von Apriori-Wissen und Erfahrungen - Quantifizierung des Behandlungserfolgs
Sammlung von Expertenwissen
Verbesserung zukünftiger Eingriffe durch Rückkopplung von
Erfahrungswerte und Expertenwissen in eine Datenbank mittels
Methoden zur automatischen Datenverarbeitung und Klassifikation
Methoden zur apriorischen Reglereinstellung und Sollwertempfehlung
Methoden zur automatisierten Auswertung und Bewertung klinischer Daten - Iterative Optimierung der MIC durch automatische
Erfahrungsakkumulation.
Anamnesedaten werden vor jeder OP erfasst und protokolliert. Die Nutzung dieser Apriori-Daten erfolgt bisher lediglich manuell durch das klinische
Personal. Eine automatisierte Auswertung durch Klassifizierungsmethoden soll erforscht werden, um die Therapie besser auf den individuellen Patienten abstimmen zu können.
Alle Apriori-Daten aus der präoperativen Phase und der erfindungsgemäßen Erfahrungs- und Wissensdatenbank sollen für eine automatische
Geräteeinstellung genutzt werden. Dabei soll die Gerätekonfiguration in Form von Reglerparametern und die Sollwertvorgabe automatisiert erfolgen.
Die erfindungsgemäße Lösung beinhaltet ebenfalls eine ganzheitliche
Optimierung von Prozessabläufen durch die Verknüpfung von elektronisch vorhandenen Daten mit der Regelung von qualitätsrelevanten Prozessgrößen zur Optimierung der Geräteeinstellungen während des Operationsablaufs mit dem in den Datenbanken zeitlich vor und nach hinterlegten Daten einer bereits erfolgten Operation. Die Grundidee der Erfindung ist die iterative Optimierung der MIC-Prozeduren durch Datensammlung.
Erfindungsgemäß ist eine automatisierte Anamneseauswertung, die eine Fusion von aktuellen Patientendaten mit einem Expertensystem beinhaltet. Die während des Eingriffs verwendeten Gerätesysteme sollen mittels
Identifikationsmethoden automatisch erkannt werden. Weiterhin werden von Handlungsempfehlungen für den Chirurgen generiert aus allen verfügbaren Apriori-Daten.
Die Übermittlung von Patienten- und Anamnesedaten sind nicht nur
patientenspezifisch, sondern fallspezifisch den intraoperativ gesammelten Daten zugeordnet, d.h. bezogen auf den Zeitraum und die durchgeführte klinische Prozedur, und dieser Datensatz wiederum den postoperativ
ermittelten quantitativen Bewertungen des klinischen Behandlungserfolges und/oder aufgetretener Beeinträchtigungen bzw. Komplikationen.
Die Übermittlung der Daten kann automatisiert ohne Eingriff eines
menschlichen Bearbeiters oder mit Initiierung eines menschlichen Bearbeiters oder manuell durch Eingabe in eine Dateneingabemaske durch einen menschlichen Bearbeiter erfolgen.
Die Rückmeldung von Geräteeinstellungen an das Medizingerät kann über eine zuvor etablierte sichere Verbindung oder als ein adressiertes und
verschlüsseltes Datenpaket mit definierter Zielangabe erfolgen. Der Empfang des Datenpaketes kann durch das empfangende und als Ziel benannte
Medizingerät quittiert werden.
Bestimmte Vorgehensweisen, die im medizinischen Ablauf begründet sind oder aus anderen Gründen eine bestimmte Reaktion des Medizingerätes erfordern können als Regel formuliert im Auswertemodul des Expertensystems hinterlegt werden. Hierzu können beispielsweise gehören eine Reduzierung des
Gelenkdruckes nach einer definierten Zeit über einem Referenzwert liegenden Druckes, eine Spülung (Medientausch) der aufgedehnten Körperhöhle nach einer definierten Zeitdauer oder komplexere Zusammenhänge, wie die
Warnung nach einer gewissen Druck-Zeit-Kombination (wobei längere Zeit mit niedrigem Druck gleichgesetzt wird mit kurzer Zeit und hohem Druck und eine Maximal-Druck-Zeit-Grenze nicht überschritten werden sollte) oder die allmähliche Reduktion des Solldruckes mit fortschreitender Prozedurdauer bzw. nach einer eingestellten Erhöhung über einen definierten Schwellwert. Weiter Regeln sind denkbar und können über die vom Medizingerät gesendeten Geräteparameter vom Server angewendet und mit auf die eingehenden Daten abgestimmten Geräteeinstellungen beantwortet werden.
Wie die Patienten- und Anamnesedaten werden auch die postoperativen Bewertungen des Behandlungserfolges patienten- und fallspezifisch
zurückgespeist in das Expertensystem und den anderen Daten zugeordnet. Die Zuordnung kann gemäß dem Stand der Technik anonymisiert erfolgen über Ordnungsmerkmale, die zuvor generiert werden (z.B. eine Fallnummer des Krankenhauses) oder über die Zeit (Datum) und Patientendaten (Name, Geburtsdatum und/oder Krankenversicherungs-Nummer) oder über speziell generierte Zuordnungsmerkmale (Zufallstoken).
Für die Implementierung eines zentralen Expertensystems ist natürlich wichtig, dass Medizingeräte auch bei fehlender Verbindung im Vorfeld der
Inbetriebnahme und bei Ausfall einer Netzverbindung oder Störung auch der Betrieb in einem sicheren Zustand weiter erfolgt. Ist eine Verbindung zum Server nicht verfügbar oder die Datenübertragung im Verlauf der Prozedur unterbrochen, tritt im Medizingerät eine Rückfall-Ebene in Aktion, welche einen sicheren Zustand für den Betrieb des Medizingerätes sicherstellt. Dabei werden bestimmte Größen behalten, ggf. andere Größen auf einen sicheren Modus geändert.
Hierzu werden die bisher in den Medizingeräten implementierten Steuerungsbzw. Regelungs-Logiken weiter aktiv gehalten und durch die Möglichkeit des Einfügens von Input über die Netzschnittstelle die Funktion der Steuerungsbzw. Regelungs-Logik nicht außer Kraft gesetzt. Dies kann erreicht werden, indem die eingespeisten Werte erhalten bleiben und immer einen sicheren Zustand bewirken oder indem ein Ausfall der Verbindung erkannt wird und die veränderten Werte auf eine sicheren Wert geändert werden oder eine
Mischung aus beidem.
Ebenfalls wird bei unvollständig übermittelten Daten an das zentrale
Expertensystem erfindungsgemäß eine Zurückspeisung von solchen Daten erfolgen, die einen sicheren Betrieb des Medizingerätes gewährleisten.
Auf Grundlage einer Einspeisung von Daten zur bevorstehenden
medizinischen Prozedur und/oder dem zu behandelnden Patienten in das Expertensystem wird dem klinischen Personal durch ein erfindungsgemäßes
Assistenzsystem Handlungsempfehlungen ausgegeben und/oder auf kritische Zustände hingewiesen.
Aus der Datenanalyse abgeleitete Sollwertempfehlungen und/oder Regler- Voreinstellungen oder eine Auswahl für Regelalgorithmen der Medizingeräte fließen in ein Assistenzsystem zur Unterstützung des klinischen Personals ein. Das Assistenzsystem unterstützt den Chirurgen durch die Verknüpfung eines sich stetig erweiternden Expertensystems mit Datensätzen von individuellen Patientendaten und technischen Messwerten bei der Erreichung von optimalen klinischen Behandlungsergebnissen. Die Assistenzsysteme können ebenfalls die für bestimmte benutzte
Medizingeräte geeigneten Geräteeinstellungen aus der Information des eingesetzten bzw. erkannten Medizingeräte im OP ableiten und an das anfordernde Medizingerät zurückübermitteln. Damit ist ein Erfahrungswissen automatisiert abrufbar. Durch die vernetzte Bereitstellung von Geräteparametern und Gerätedaten kann außerhalb des Gerätes eine Erkennung von bestimmten kritischen Zuständen automatisiert erfolgen und dem im OP befindlichen Operateur und/oder Gerätebediener eine abgesicherte Gerätekonfiguration oder
Einstellwerte empfohlen werden, die per Knopfdruck abgelehnt oder
übernommen werden können. Eine automatisierte Übernahme ist ebenfalls denkbar, jedoch erfordert dies einen höheren Aufwand an Risikomanagement bzw. Validierung der Funktion.
Weitere Assistenzfunktionen können in einer Trendanalyse von Werten liegen, die eine Warnung generiert und somit durch Reaktion des OP-Teams oder geänderten Geräteeinstellungen den weiteren Fortgang gegenüber dem ermittelten Trend verändert.
Ebenfalls ist eine Visualisierung von Abläufen als Assistenz denkbar, also grafische Verläufe von Geräteparametern mit eingeblendetem Idealverlauf oder Grenzbereichen.
Weiterer Aspekt der Expertensystemanbindung ist eine Sammlung von Daten, die für die Dokumentation des individuellen OP-Verlaufes dem Krankenhaus bereitgestellt oder als Qualitätssicherung ausgewertet, anonymisiert für medizinische Studien herangezogen, oder anonymisiert als Grundlage zur Entwicklung von Medizingerätesteuerungen herangezogen werden können.
Eine Vorsortierung basierend auf Grundlage klinischer Expertise soll die anamnestischen Daten in Datenklassen (z.B. im einfachsten Fall Patiententyp, Operations- bzw. Prozedurtyp, Medikation, etc.) unterteilen.
Die Patiententherapie wird beispielsweise dadurch signifikant verbessert, indem bei medizinischen Prozeduren in der MIC Einblutungen reduziert und/oder ungewollte Gewebeschäden durch einen zu hohen Druck im
Operationsgebiet verhindert werden. Die Grenzen sind schwer zu ermitteln, können aber aus Prozeduren mit gutem bis sehr gutem Behandlungserfolg nach dem Gesetz der großen Zahl gut ermittelt werden. Dieses Vorgehen ist in der Medizin als„evidenzbasiert" bekannt. Das Gesetz der großen Zahl ist deswegen notwendig, weil jeder Patient verschieden auf die Eingriffe und therapeutischen Maßnahmen reagiert und deswegen eine Streuung resultiert. Mit der Bündelung und Klassifikation können viele gesammelte Datensätze zusammengeführt auf einen Typ betrachtet werden und in dieser Gruppe zw. Klasse die Geräteparameter analysiert und korreliert werden mit dem quantifizierten Behandlungserfolg. Eine reine Korrelation würde vermutlich falsche Werte generieren, weswegen vorgesehen ist, dass eine zusätzliche regelbasierte Auswahl stattfinden kann. Das Expertensystem ermittelt die optimalen Geräteeinstellungen anhand einer statistischen Auswertung der Operationsdaten und der ermittelten Operationsevaluationen und meldet diese an das Medizingerät zurück. Damit wird ein Zusammenhang zwischen
Patienten- und Operationstyp, der Durchführung des Eingriffs und dem erzielten Ergebnis hergestellt. Die statistische Auswertung erfolgt auf bereits anonymisierter bzw. pseudonymisierter Datengrundlage. Die Informations- Sammlung, -auswertung und informationsbasierte Prozessoptimierung sind anonymisiert und trotzdem patientenindividuell zu realisieren. Hierzu kommen Verfahren beispielsweise der multivariaten Regressionsanalyse zum Einsatz,
aber auch andere geeignete Verfahren. Mit diesen Verfahren wird eine
Schnittstelle zwischen der post- und präoperativen Phase geschaffen. Die automatisierte Verknüpfung von präoperativem Wissen mit dem intraoperativen Eingriff unter automatisierter, postoperativer Auswertung von OP-Verläufen birgt das Risiko von individuellen Überanpassungen. Die Festlegung von
Daten- und Modellstrukturen sowie die nichtlineare Optimierung erfolgt gemäß dem Stand der Technik, z.B. gemäß den Arbeiten von or.net. Das Ergebnis ist jedoch stets abhängig von der gewählten Struktur des verwendeten
Datensatzes, wobei insbesondere die Gefahr der Überanpassung (Overfitting) besteht. Die aus der automatisierten Auswertung abgeleiteten medizinischen Schlussfolgerungen müssen validiert und für alle folgenden operativen Eingriffe zur Verfügung gestellt werden. Dieses erfolgt durch ein dem Prozess der MIC übergelagerten Expertensystem. Von diesem System aus kann der Ablauf eines Eingriffs auch geplant und überwacht werden. Eine Bewertung eines operativen Eingriffs kann nach unterschiedlichen
Aspekten erfolgen. Teilweise nehmen subjektive Eindrücke einen hohen Stellenwert ein. Eine objektive, automatisierte Evaluationsmethode ist erforderlich, welche die Datengrundlage bildet bei der lernenden Datenbank, die ein Teil des erfindungsgemäßen Expertensystems ist. Bei der Ableitung von Handlungsempfehlungen aus einem Expertensystem ist es zwingend notwendig Korrelation zwischen relevanten klinischen
Prozessgrößen und einem klinischen Resultat zu identifizieren. Die
Herausforderung besteht darin, aus Korrelationen eine Kausalität abzuleiten. Gelingt dies nicht, besteht die Gefahr falsche Handlungsempfehlungen aus der Erfahrungs- und Wissensdatenbank abzuleiten.
Die in der Anwendung befindlichen Standardcomputersysteme sind aktuell durch eine strikte Trennung der realen und virtuellen Welt gekennzeichnet. Zukünftige MIC-Systemlösungen werden von intelligenten OP-Einheiten mit vernetzten Systemkomponenten, intelligenten Sensoren und Aktuatoren geprägt. Die heute vielfältig eingesetzten Embedded Systems werden diesen Anforderungen nicht gerecht. Ein Paradigmenwechsel hin zu dezidierten Systemen für diese Rückmeldungen und Assistenzfunktionen ist erforderlich.
Erfindungsgemäß ist eine iterativ wachsende Erfahrungs- und Wissensdatenbank, die dem Chirurgen als Assistenzsystem während jedes Eingriffs im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie zur Verfügung stehen kann. Dieses Konzept bietet hohes Potential für weitere Bereiche im klinischen Umfeld und soll für die Bereiche wie die Anästhesie, die Rehabilitationstherapie oder der Bereich der Dialyse genutzt werden.
Die erfindungsgemäße medizintechnische Vorrichtung besteht in einem
Ausführungsbeispiel aus einem zentralen Rechner, der über eine Schnittstelle in das Kliniknetzwerk, beispielsweise eine gesicherte Netzwerkverbindung mit Medizingeräten im OP-Bereich, Messdaten von Sensoren, Informationen über den mit dem Medizingerät behandelten Patienten und Betriebsparameter der Medizingeräte austauschen kann. Diese Medizingeräte sind ebenfalls medizintechnische Vorrichtungen. Dieser Rechner ist verbunden mit einer Speichereinheit, worin die jeweils einem Behandlungsfall zuzuordnenden Daten gesammelt und strukturiert abgelegt werden. Diese Daten je
Behandlungsfall beinhalten neben den pseudonymisierten Patientendaten sowohl die übermittelten technischen Betriebsdaten des Medizingerätes wie auch andere übermittelte Daten, z.B. von anderen verbundenen
Medizingeräten, die das übermittelnde Medizingerät abgerufen hat. Die
Vorrichtung kann entweder direkt mit dem Krankenhaus-Informationssystem verbunden sein, also der elektronischen Patientenakte, oder über geeignete Bilderkennungsvorrichtungen, wie z.B. medizinischen Kameras oder Scannern oder Webcams und einer nachgeschalteten Bilderkennung, die Patientendaten erfassen.
Für den Fall, dass Betriebsparameter oder Patientendaten nur teilweise übermittelt werden, z.B. aufgrund von Verbindungsproblemen, wird in der Vorrichtung ein Datensatz vorgehalten, der in solchen Fällen als Fallback- Ebene genutzt wird und einen sicheren Betrieb des Medizingerätes, welches die Daten gesendet hat, ermöglicht. Der zentrale Rechner errechnet aufgrund von übergeordneten Regeln und/oder der Auswertung von vorhandenen Datensätzen mit einem klinischen Ergebnis mit den hereinkommenden Daten
des Medizingerätes aus ähnlichen Daten, die ein möglichst gutes klinisches Ergebnis enthalten, Betriebsparameter und gibt diese an das Medizingerät zurück. Eine Art einer solchen Berechnung kann eine einfache Korrelation der eingehenden mit den vorhandenen Daten sein. Somit werden die bereits abgelaufenen und im Speicher festgehaltenen Vorgänge mit dem besten klinischen Ergebnis unter Berücksichtigung der übergeordneten Regeln als Vorschlag für die weitere Betriebsführung des Medizingerätes
zurückübermittelt. Dieses Vorgehen ist eine evidenzbasiert, d.h auf dem im Vorfeld erfolgreichen Vorgehen basierend. Andere Verknüpfungen und
Berechnungen nach dem Stand der Technik, die für den weiteren Betrieb des Medizingerätes Betriebsparameter liefern, sind ebenfalls erfindungsgemäß.
Ebenfalls gruppiert der zentrale Rechner die eingehenden Daten nach bestimmten Gesichtspunkten wie beispielsweise Altersgruppe, Gewicht, Geschlecht und ermittelt die genutzten Medizingeräte, wie z.B. Absaugpumpen und/oder Hausabsaugung, Einwegartikel zum Fluidtransport, genutzte chirurgische Geräte wie Shaver oder Morcellator oder HF-Chirurgiegerät, Trokare und Optiken. Diese werden ermittelt entweder über die beim Betrieb des Medizingerätes durch interne Sensoren ermittelbaren Eigenschaften, oder während des Betriebes des Medizingerätes (intra-operativ) und/oder vor dem Betrieb des Medizingerätes (prä-operativ) über eine Verbindung zu einem elektronischen OP-Planungs- oder OP-Abrechnungssystem worin die genutzten Artikel zu materialwirtschaftlichen oder Abrechnungszwecken erfasst und der Prozedur zugeordnet sind, durch ein Eingabeterminal z.B. mit
Barcodeleser oder händischer Eingabe, durch evtl. über RFID codierte
Medizingeräte, oder durch eine kamerabasierte Bilderkennung.
Die Kommunikation zwischen der medizintechnischen Vorrichtung und dem Medizingerät kann über dem Stand der Technik entsprechende Netzwerkverbindungen erfolgen, die entweder kabel- oder funkwellen-basiert ausgeführt sein können. Üblicherweise sind solche sensible Patientendaten
transportierenden Netzwerke verschlüsselt und gegen Ausfall gesichert. Die Kommunikationsvorrichtungen können online als Netzwerkverbindung oder auch offline als Datenspeicher ausgeführt sein, die zwischen Medizingerät und
medizintechnischer Vorrichtung physisch transportiert werden und jeweils von Vorrichtungen an Medizingerät und medizintechnischer Vorrichtung ausgelesen und beschrieben werden können.
Die Kommunikation kann umfassen eine Sollwertempfehlung für den Druck in der Körperhöhle basierend auf Patientenalter (z.B. Schonmodus für Kinder), Patientengeschlecht (z.B. Bauchraumdruck unterschiedlich für Männer und Frauen), Prozedur (z.B. Druckvorgaben für bestimmte Gelenke oder
unterschiedlich für rein diagnostische und therapeutische Prozeduren) oder Betriebsparameter der Medizingeräte (z.B. Vordrücke am Drucksensor bei bestimmten Schlauchsets oder Optik-Trokar-Kombinationen). Weiterhin können komplette Parametersets oder Kennliniendaten von identifizierten
Medizin Produkten übermittelt werden. Dies ermöglicht beispielsweise die optimale Betriebsführung bei neu auf den Markt gekommenen und vor der Inbetriebnahme des Medizingerätes nicht bekannten Parametern dieser neuen Medizingeräte. Durch Kommunikation können die an anderer Stelle ermittelten optimalen Betriebsparameter übertragen werden und dem Medizngerät im Folgenden zur Verfügung stehen. Ebenfalls erfindungsgemäß ist die
Übermittlug von intra-operativ ermittelten Daten, die von der
medizintechnischen Vorrichtung nach neuensten Erkenntnissen ausgewertet werden und an das Medizingerät weitere Betriebsparameter oder für die aktuelle operative Phase Sollwerte im Sinne eines optimalen, also möglichst guten clinical outcome zurückübermittelt. Diese werden als Empfehlung von dem Medizingerät angezeigt und können einfach übernommen werden.
Ebenfalls erfindungsgemäß wird eine Kommunikation ermöglicht zwischen dem das clinical outcome beurteilenden Arzt und/oder dem Patienten in Bezug auf die postoperativ erhobenen Bewertungen des clinical outcome (z.B.
medizinische Scores). Dies kann in einem Ausführungsbeispiel über eine Eingabemaske erfolgen, wobei die Zuordnung zu den zum Datensatz gehörenden vorher gespeicherten Daten mittels eines spezifischen
Zugangscodes erfolgt. In einem anderen Ausführungsbeispiel kann das
Medizingerät die im KIS zugeordneten post-operativen Daten anfordern und an
die medizintechnische Vorrichtung weitergeben. Andere Lösungen nach dem Stand der Technik zur Zuordnung der Daten sind ebenfalls möglich.
Die medizintechnische Vorrichtung enthält eine Verarbeitungsvorrichtung, die entsprechend übergeorndet zu den bereits beschriebenen
Berechnungsvorschriften die als zurückzusendenden Daten prüft und gemäß allgemeingültigen Bedingungen (aus Leitlinien oder mediznischem
Expertenwissen) die Daten akzeptiert oder auf andere Werte ändert. Diese übergeordneten Regeln werden über eine Eingabevorrichtung eingepflegt und können über eine eigene Funktionsumgebung (Sandbox nach dem Stand der Technik), die von dem normalen Betrieb getrennt ist, getestet und analysiert werden.
In einer Ausführungsform kann die medizintechnische Vorrichtung mit Rechner etc. auch in einem Medizingerät integriert sein. Dann ist das Expertensystem ein Teil der Fluidpumpe. In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform ist die medizintechnische Vorrichtung eine eigenständige Vorrichtung, die über ein Netzwerk mit den im OP befindlichen Medizingeräten verbunden ist.
Ein konkretes Nutzungsszenario der medizintechnischen Vorrichtung, im folgenden Expertensystem genannt, bei der Nutzung einer Fluidpumpe zum Aufdehnen von Körperhöhlen, kann wie folgt ablaufen: Die Pumpe ermittelt im Krankenhaus-Netzwerk alle OP-bezogenen Daten: Patienten-Stammdaten (ohne Namen, aber mit Fall-Nummer) plus für die Gerätesteuerung relevante Anamnesedaten. Die Pumpe sendet die klassifizierten Daten zum
Exertensystem und erhält Betriebsparameter. Diese werden von der Pumpe als Vorschläge angezeigt, die vom Arzt akzeptiert werden können. Die im OP anfallenden Daten (technische Daten der Pumpe und anderer Geräte PLUS Vitaldaten, also Blutdruck, Herzrate, Pulsoxymetrie-Daten, etc.) werden mit einem Zuordnungscode (Identifier) zum Expertensystem gesandt und dort hinterlegt. Ggf. werden im OP-Verlauf Zustandsdaten (siehe vorherige Liste) zum Expertensystem gesandt und Betriebsparameter (Vorschläge, die vom Arzt akzeptiert werden können), bzw. Hinweise und Warnungen vom
Expertensystem (welches dann als Assistenzsystem agiert) an die Pumpe gesandt. Die vom Expertensystem an die Pumpe direkt zurückgesandten
Daten werden unter Nutzung von älteren, pseudonymisierten und
klassifizierten/stratifizierten Patienten-Datensätzen aufgrund des besten clinical outcome bewertet bzw. ausgewählt. Medizinische Regeln an sich können die Auswahl auch beeinflussen. Im Nachgang erhobene, also post-operative Daten können auf 2 Wegen in das Expertensystem eingespeist werden - beide mit ihren eigenen Problemen:
1 ) Übergabe eines Token bzw. Zugangscodes an den Patienten mit der Bitte die Scores selbst einzupflegen oder durch den weiterbehandelnden Arzt. Diese Eingabe würde direkt im Expertensystem erfolgen. Ein Problem ist der sehr geringe Rücklauf und eine Gefahr das nur bestimmte Pateintengruppen rückmeiden (Bias, um diesem auszuweichen müssten noch viel mehr Daten erhoben werden bevor eine valide Auswahl erfolgen kann), weswegen die Lösung nicht favorisiert wird.
2) Nachbefundung im Krankenhaus durch Wiedereinbestellung. Die
Nachbefundungs-Informationen aus dem Krankenhaus werden beispielsweise als Liste„offener Posten" in der Pumpe vorgehalten und im KIS abgeprüft und bei Vorliegen an das Expertensystem übermittelt. Nach Ablauf einer Frist (z.B. die Werte zur Beurteilung des clinical outcome sollen 4 Wochen nach OP erhoben sein PLUS Einpflege-Karenz von weiteren 4 Wochen) wird die
Nachfrage entwertet, sofern die Pumpe angeschaltet wurde in der Zeit. Abfrage kann z.B. in der Schlauchfüllungsphase laufen, wenn die Pumpe mit dem OP- Setup beschäftigt ist und nicht patientenkritische Aktivitäten macht bzw. in OP- Pausen (Erkennung„Schlauch entnommen"; nach„Schlauch entnommen" kann aber plötzlich der Strom weg sein, da das Gerät abgebaut wird. Weiterhin ist die ununterbrochene Verbindung zum Expertensystem nicht sichergestellt und kann auch während der OP abbrechen. Dafür ist eine
Rückfall-Ebene in der Pumpensteuerung vorgesehen und für das
Expertensystem eine Lösung der (sicheren) erneuten Zuordnung bei
Wiederaufnahme der Verbindung. Da das Expertensystem z.B. zentral in einem Rechenzentrum und nicht in der Krankenhaus-Netzwerk-umgebung sein soll, damit möglichst viele
verschiedene Datenquellen für eine Datensatzauswahl bereit stehen (kein Bias, große Datenbasis), müsste für eine solche Verbindung von Pumpe zu
Expertensystem das Krankenhausnetz hin zum Internet geöffnet werden. Diese Öffnung kann auch als VPN-Verbindung erfolgen.