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Verfahren und Vorrichtung zur getrennten Entfernung der Cyanverbindungen
und sonstigen flüchtigen Säuren aus Gasen Die Erfindung betrifft ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur getrennten Entfernung der Cyanverbindungen, insbesondere des
Cyanwasserstoffes, und der sonstigen flüchtigen Säuren, insbesondere des Kohlendioxyds
und Schwefelwasserstoffes, aus Gasen und Gasgemischen durch zwei aufeinanderfolgende
Waschungen. Es ist bekannt, für die erste Waschung zur Entfernung der Cyanverbindungen
reines, d. h. durch besondere Verfahren enthärtetes Wasser und für die zweite ,Waschung
ein im Kreislauf zu verwendendes Absorptionsmittel, das durch Erhitzen wiederbelebt
wird, zu benutzen. Die Anwendung zweier getrennter Waschstufen mit je einem gesonderten
Waschmittel für die Cyanverbindungen einerseits und die anderen flüchtigen ;Säuren
andererseits bezweckt hierbei das Fern-. halten von Cyanverbindungen aus dem Waschmittel
der zweiten Waschstufe, weil .diese bei der späteren Erhitzung dieses Waschmittels
zu seiner Wiederbelebung stark korrodierend wirken würden. Die Anwendung von reinem,
d. h. härtefreiem Wasser in der ersten Waschstufe ist zur Vermeidung von Umsetzungserzeugnissen
der Härtebestandteile mit dem Kohlendioxyd des Gases, die zu betriebsstörenden Ansätzen
und Verkrustungen der Waschvorrichtungen führen würden, notwendig. In der zweiten
Waschstufe ist diese Forderung praktisch dadurch erfüllt, daB ein und dieselbe Waschflüssigkeit
dauernd im Kreislauf als Absorptionsmittel verwendet wird.
Die Erfindung
hat zum Ziel, das für die erste Waschstufe benötigte reine Wasser ständig neu im
Betrieb selbst zu gewinnen, ohne daß besondere Behandlungen zu seiner Reinigung
oder Enthärtung erforderlich sind. Dies wird nach der Erfindung dadurch erreicht,
daß die in der zweiten Stufe des Verfahrens auftretende Wiederbelebung derWaschflüssigkeit
durch Erhitzen mittels Heizdampfes vorgenommen wird und daß der Überschuß an Wasser,
der dem Betrieb aus dem Kondensat dieses Heizdampfes zugeht, als Waschmittel zur
Entfernung der Cyanverbindungen dient. Dieses Heizdampfkondensat, dem Wesen nach
destilliertes Wasser, ist von vornherein ein reines, von Härtebestandteilen freies
Wasser, und seine Anfallmen.ge ist im allgemeinen reichlich groß genug dafür, um
die Cyanauswaschung mit ständig neuem Waschwasser zu beschicken, das nach seiner
'Beladung endgültig aus dem iBetrieb entfernt werden kann, in den meisten .Fällen
als Abwasser, jedenfalls ohne .daß die Notwendigkeit vorliegt, aus Mangel an neuem
Waschmittel für diese Stufe das abgehende Waschmittel ganz oder teilweise zu regenerieren
und im Kreislauf wiederzuverwenden, was den Gesamtbetrieb stark verumständlichen
und verteuern würde.
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Bei dem Verfahren der Erfindung kann in der zweiten Waschstufe zur
Entfernung der flüchtigen Säuren als Absorptionsmittel entweder eine W aschlösung,
die ein flüchtiges Absorbens enthält, z. B. eine Ammoniakwasserlösung, oder eine
Waschlösung verwendet werden, die ein nichtflüchtiges Absorbens enthält. Beispiele
für solche nichtflüchtige Absorptionsmittel sind wäßrige Lösungen von gewissen alkalisch
reagierenden Metallsalzen, wie Natrium- und Kalium:karbonaten, Boraten, Phosphaten,
von Salzen schwacher organischer Säuren, von verschiedenerlei organischen Basen,
etwa Äthanolaminen u. a. Bei Verwendung einer Ammoniakwasserlösung, also eines flüchtigen
Absorptionsmittels, erfolgt die Wiederbelebung der Waschflüssigkeit, d. h. sowohl
ihre Entsäuerung als auch die dabei notwendige Ammoniakabtreibung eines von der
kreisenden Lösung abgezweigten Teilstroms, durch unmittelbar zugeführten Heizclampf,
und das Abwasser dieser Abtreibung .dient als Waschmittel zur Entfernung der Cyanverbindungen
in der ersten Waschstufe. Dies bedeutet also, daß sich hierbei das Kondensat des
Heizdampfes mit einer :Betriebsflüssigkeit mischt und daß aus diesem Gemisch der
der Kondensatmenge entsprechende Überschuß genommen und als reines Waschwasser im
Verfahren ausgenutzt wird. Bei Verwendung einer ein nichtflüchtiges Absorbens enthaltenden
Waschlösung in der zweiten Waschstufe erfolgt die Wiederbelebung der Waschlösung
durch mittelbare Beheizung derselben mittel Wasserdampfes, und dann dient dessen
isoliert bleibendes Kondensat selbst als Waschflüssigkeit für -die Entfernung der
Cyanverbindungen in der ersten Waschstufe. !Die Vorrichtung für die Durchführung
dieser letzteren Ausführungsform des Verfahrens kann in der Anordnung eines Dampfheizkörpers
im Bodenteil der als Kolonne ausgebildeten Wiederbelebunggsvorrichtung und in der
Verbindung des Dampfkondensatablaufs dieses Heizkörpers mit der Saugseite der Druck-
und Förderpumpe für die Waschflüssigkeit des Cyanwaschers bestehen.
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Bei dem Verfahren 'können die beiden Waschstufen unter atmosphärischem
oder erhöhtem, auch untereinander verschieden großem Druck betrieben werden. Bei
der Wiederbelebung kann je nach der Art und Konzentration des Absorbens atmosphärischer
höherer oder niedrigerer Druck angewendet werden. Bei Verwendung einer Ammoniakwasserlösung
als Absorptionsmittel ergibt ein höherer, also atmosphärischer Druck in der Wiederbelebung
Vorteile für die Entsäuerung wegen .der weiter reichenden und leichter eintretenden
Dissoziation.
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Als Ausgangsgase des Verfahrens können die verschiedensten technischen
Gase und Gasgemische in Betracht kommen, die entweder unmittelbar als Rohgase bestimmter
Verarbeitungsprozesse anfallen oder die selbst schon das Erzeugnis einer Weiterverarbeitung
irgendeines geeigneten Ausgangsstoffes sind. Zu Gasen der ersten Art gehören z.
B. Kohlendestillationsgase, Schwelgase, Hydrier- und Synthesegase, Erdgase u. dgl.;
zu Gasgemischen der zweiten Art gehören beispielsweise die aus einer Absorption
oder Adsorption durch Wiederaustreibung anfallenden, an irgendwelchen Nutzstoffen,
z. B. Kohlenwasserstoffen, angereicherten Gasgemische, Abfallgase oder -Gas-Dampf-Gemische
von Destillationen, Stabilisierungen und Erzeugnisse von ähnlichen Prozessen. Die
in das Verfahren eingeleiteten Gasgemische müssen zwar frei von groben Verunreinigungen
wie Teer. Staub u. dgl. sein, können aber außer den Stoffen, die durch das Verfahren
entfernt werden sollen, auch andere Stoffe, z. B. Ammonia-l:, enthalten, :die durch
das Waschmittel der ersten Stufe mit erfaßt und entfernt werden würden.
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In der Zeichnung sind mit Abb. i und z zwei verschiedene Ausführungsbeispiele
von Einrichtungen, die zur Durchführung des Verfahrens geeignet sind, in schematischer
Aufrißdarstellung wiedergegeben. Hierbei betrifft die Abb. i eine Ausführung für
Verwendung einer Ammoniakwasserlösung und Abb. 2 eine Ausführung für Verwendung
einer ein nichtflüchtiges Absorbens enthaltenden Waschlösung in der zweiten Waschstufe.
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Bei der Ausführungsform nach A'bb. i wird das zur Verarbeitung gelangende
Gas mit gewöhnlicher Temperatur und unter einem ,geeigneten, im allgemeinen überatmosphärischen
Druck durch die Rohrleitung i in den als druckfeste Glockenboden-'kolonne ausgebildeten
Waschturm 2 am unteren Teil eingeleitet und aus dem obersten Teil durch die Rohrleitung
3 weg und weiter bei q. in den unteren Teil eines zweiten, ebenfalls .druckfest
und als Glockenbodenkolonne ausgebildeten Waschturms geführt, der aus dem unteren
Kolonnenteil 5 und dem oberen Kolonnenteil 6 besteht. Es verläßt den letzteren oben
durch die mit einem druckhaltenden Ventil versehene Rohrleitung 7 in fertig
behandeltem
Zustand. Die beiden Kolonnenteile 5 und 6 sind durch den Zwischenboden 8 getrennt,
der nur den aufsteigenden 'Gasen und Dämpfen freien Durchtritt zu dem oberen !Kolonnenteil
gewährt, aber die aus letzterem herabrieselnde Waschflüssigkeit abfängt und dem
unteren Kolonnenteil fernhält. Der Waschturm 2 wird durch die Rohrleitung 9, die
das Ventil io enthält, am oberen Ende mit reinem Wasser von gewöhnlicher Temperatur
beschickt, das gemäß der Erfindung in später zu beschreibender Weise ständig neu
gewonnen wird. Durch dieses Waschmittel werden in dem Waschturm :2 die Cyanverbindungen
vollständig ausgewaschen. .Das beladene Waschwasser fließt aus dem Bodenteil der
Kolonne :2 durch die Rohrleitung i i mit dem druckhaltenden Ventil 12 ab, das durch
einen Höhenstandsregler 13 gesteuert wird. Dieses beladene Waschmittel wird, wenn
es keine sonstigen Wertstoffe enthält, als Abwasser weggeführt; wenn es weitere
Wertstoffe, z. B. Ammoniak, aus dem Gas mit ausgewaschen hat, muß es vor seiner
Weggabe einer entsprechenden Aufarbeitung unterzogen werden. 'Dem oberen Teil 6
des zweiten Waschturms wird an der Spitze durch die Rohrleitung 1q. gleiches Waschwasser,
wie es auf den Waschturm 2 aufgegeben wird, zugeführt. Diese beiden Waschwassermengen
werden durch die .Steigleitung 15 gemeinsam herangeschafft und mengenmäßig durch
die in den Rohrleitungen 9 und 1q. befindlichen Ventile io und 16 regelbar verteilt.
Die auf den Kolonnenteil 6 aufgegebene Waschwassermenge verläßt ihn durch die an
den Abfangboden 8 anschließende Rohrleitung 17 mit dem Ventil 18, das durch den
Höhenstandsregler i9 gesteuert wird. Der untereKolonnenteil 5 wird an seinem obersten
Boden durch die Rohrleitung 2o mit einer im Kreislauf geführten und in der untenstehenden
Weise wiederbelebten Ammoniakwasserlösung berieselt. Diese durch die Wiederbelebung
von Kohlendioxyd und 'Schwefelwasserstoff praktisch befreite Waschlösung absorbiert
aus den aufwärts entgegenströmenden Gasen den größten Teil dieser beiden Verunreinigungsstoffe,
indem sie an das Ammoniak der Lösung gebunden werden, und fließt mit ihnen beladen
am Bodenteil der Kolonne 5 durch die Rohrleitung 2i und das Ventil 22 ab, das von
einem Höhenstandsregler 23 gesteuert wird. Sie gelangt von der Rohrleitung 21 aus
durch die zwei hintereinandergeschalteten Wärmeaustauscher 24 und 25 und wird .dann
durch die Rohrleitung 26 auf die Entsäuerungskolonne 27 etwa im oberen Drittel ihrer
Höhe, nach der Zeichnung auf ihren fünften Boden von oben her, eingeleitet. Das
in der Kolonne 5 von dem aufsteigenden Gasstrom aus der übergerieselten Waschlösung
aufgenommene flüchtige Ammoniak wird in den oberen ;Kolonnenteil 6 hineingetragen
und durch das hier stattfindende Nachwaschen des Gases mit dem aus der Rohrleitung
1q. aufgegebenen reinen Wasser aufgenommen und dadurch zurückgehalten. Dieses ammoniakhaltig
gewordene Waschwasser wird durch die Abgangsrohrleitung 17 der Entsäuerungskolonne
27 auf deren obersten Boden zugeführt. Die Kolonne 27 wird im allgemeinen unter
atmosphärischem, gegebenenfalls auch höherem Druck .betrieben, der aber in diesem
Fall niedriger als der in der Waschkolonne 5 und 6 herrschende überatmosphärische
Druck ist; die erforderliche Druckminderung wird durch das Ventil 22 herbeigeführt.
Im Innern der Kolonne 27 werden durch die Einwirkung von heißen wasserdampf- und
ammoniakhaltigen Dämpfen, die in ihren Bodenteil durch die Rohrleitung q.o eingeleitet
werden, Kohlendioxyd und Schwefelwasserstoff praktisch vollständig entfernt und
schließlich an der .Spitze der Kolonne durch die Rohrleitung 51 frei von Ammoniak
herausgeführt. Die mit ihnen abziehende Menge an Wasserdampf ist wegen der niedrigen
Temperatur unerheblich gering und wird durch den an anderer Stelle des Systems auftretenden
Zugang an Wasser ausgeglichen. Am Fuß der Entsäuerungskolonne 27 fließt die von
den sauren Stoffen Kohlendioxyd und Schwefelwasserstoff befreite Waschlösung, die
aber noch Ammoniak enthält, durch die Rohrleitung 28 ab. Von hier aus wird durch
die abzweigende Rohrleitung 29 eine solche Teilmenge der Lösung, die der von der
Waschkolonne 5 abgeflossenen und durch die Rohrleitung 26 auf die Kolonne 27 aufgegebenen
Waschmittelmenge gleich ist, abgenommen, von der Pumpe 3o durch deren Druckleitung
3 i, die das handgesteuerte Ventil 3:2 enthält, zuerst durch den erwähnten
Wärmeaustauscher 2q., dann zu ihrer völligen Abkühlung auf gewöhnliche Temperatur
durch den mit Kühlwasser beschickten Kühler 33 gefördert und durch die anschließende
Rohrleitung 2o erneut auf die Waschkolonne 5 aufgegeben. Diese Waschlösung vollführt
also einen dauernden Kreislauf zwischen der Waschkolonne 5 und der Entsäuerunggkolonne
27. Die über diese kreisende Flüssigkeitsmenge hinausgehende Restmenge an Waschlösung,
die aus der Kolonne 27 durch das Rohr 28 mit abgeflossen war, wird über die anschließende
Rohrleitung 34 von der Förderpumpe 35 aufgenommen und durch deren Druckleitung 36,
in welcher das von dem 'Höhenstandsregler 37 gesteuerte Regelventil 38 sitzt, auf
den obersten ,Boden einer Ammoniakabtreibekolonne 39 gegeben. Diese Kolonne steht
durch die von ihrer Spitze ausgehende Dämpfeleitung 40 mit dem Unterteil der Entsäuerungskolonne
27 in Verbindung. Im Bodenteil der Kolonne 39 ist die Dampfbrause 41 zur unmittelbaren
Einführung von 'Wasserdampf vorgesehen, der durch das Ventil 42 als Frischdampf
oder Abdampf zugeführt wird. Dieser Wasserdampf dient als 'Heizmittel für den Betrieb
der beiden Kolonnen 39 und 27 und zugleich als Abtreibemittel für das in der Kolonne
39 verflüchtigte Ammoniak, das dann zusammen mit Wasserdämpfen durch die Rohrleitung
qo in die Entsäuerungskolonne 27 übertritt, und für die in der Entsäuerungskolonne
27 vor sich gehende Entfernung der sauren Gase Kohlendioxyd und Schwefelwasserstoff.
Am Fuß der Kolonne 39 ist das Ablaßrohr 43 mit dem Ventil 44 vorgesehen, das durch
den Höhenstandsregler 45 gesteuert
wird; dieses Rohr 43 dient zur
Ableitung des etwaigen, Üm Betrieb immer nur geringen Überschusses an abgetriebener
Waschflüssigkeit. Die Hauptmenge der durch die Kolonne 39 gegangenen Flüssigkeit
zieht an ihrem Fuß durch die Rohrleitung 46 nach der Förder- und Druckpumpe 47 ab,
wird durch deren Druckleitung 48, in. der .das handgesteuerte Ventil 49 sitzt, zuerst
durch den erwähnten Wärmeaustauscher 25 und,dann zu ihrer völligen Abkühlung auf
gewöhnliche Temperatur durch den mit ;Kühlwasser beschickten Kühler 5o gefördert
und durch -die anschließende Rohrleitung 15 erneut auf die Waschkolonnen 2 und 6
aufgegeben. Diese Flüssigkeit ist die in der Kolonne 39 von allen flüchtigen Bestandteilen
einschließlich des Ammoniaks durch Abtreiben völlig befreite, im dauernden Betrieb
benutzte Waschlösung, also ein reines Wasser, dem das Kondensat des durch die Brause
41 unmittelbar zugeführten Heizdampfes beigemischt ist. Dieses Wasser bleibt im
Betrieb auch dauernd rein, weil ihm im ,Beharrungszustand weder anderes Wasser noch
irgendwelche Fremdstoffe, etwa aus dem Gas, zugeführt werden. Aus Abb. i ist zu
erkennen, daß derjenige Teil dieser reinen Wassermenge, welcher durch die Rohrleitung
14 auf die Nachwaschkolonne 6 aufgegeben wird, ebenfalls einen geschlossenen :Kreislauf
durch die ganze Anlage vollführt. Diese Kreislaufwassermenge wirkt im oberen Teil
der Entsäuerungskolonne 27 als kalte Dephlegmationsflüssigkeit zur Niederschlagung
und Zurückhaltung des aus dem unteren Kolonnenteil heraufgetragenen flüchtigen Ammoniaks;
sie wird durch entsprechende Regelung der Pumpe 47 auf eine solche Größe eingestellt,
daß die im Bodenteil der Kolonne 27 gesammelte bzw. durch die Rohrleitung28 abgezogene
Waschlösung daselbst eine Temperatur von etwa 95 'bis 97° C besitzt. Andererseits
wird die Zufuhrmenge an unmittelbar wirkendem Heizdampf für die Brause 41 durch
das Ventil 42 so eingestellt, daß die Temperatur der Flüssigkeit im Bodenteil der
Abtreibekolonne 39 etwa ioi bis 1o5° C beträgt. Die angegebenen Temperaturen in
beiden Kolonnen 27 und 39 gelten für die Aufrechterhaltung von wesentlich atmosphärischem
Druck in ihnen; bei höherem Druck würden sie natürlich entsprechend höher liegen.
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Die durch die Pumpe 47 mitgeförderte Teilmenge von reinem Wasser,
die die erwähnte Kreislaufmenge für den Nachwascher 6 übersteigt, ist diejenige
Menge von reinem Wasser, welche durch die Rohrleitung 9 auf den obersten Teil des
Waschturms 2 zur Cyanauswaschung aufgegeben wind. Es ist erkennbar, daß diese letztere
Teilmenge aus dem Überschuß an Wasser herrührt, der dem Betrieb aus dem .Kondensat
des bei 41, 42 zugeführten Heizdampfes zugeht. Im allgemeinen ist diese Zugangsmenge
an Heizdampfkondensat reichlich groß genug, um den Bedarf des Waschturms 2 an Waschwasser
zu decken. Die darüber hinaus verbleibende überschußmenge wird dann durch die Rohrleitung
43 am Fuß der Kolonne 39 aus dem Betrieb entfernt. Die Einrichtung nach Abb.2 für
eine Ausführungsform des Verfahrens, bei der eine ein nichtflüchtiges Absorbens
enthaltende Waschlösung in der zweiten Waschstufe verwendet wird, stimmt mit derjenigen
nach Abb. i weitgehend überein und ist insoweit mit gleichen Bezugsziffern versehen.
Sie unterscheidet sich von der Ausführung nach Abb. i zunächst dadurch, daß für
die zweite Waschstufe des Ausgangsgases die Nachwaschkolonne 6 für das in der zweiten
Waschstufe 5 in das gewaschene Gas hinein verflüchtigte Absorbens, d. h. dort flüchtiges
Ammoniak, und .der dafür erforderliche Kreislauf von Waschwasser entbehrlich sind
und daß deswegen auch die zweite Kolonne 39 der Abb. i für die Ammoniakabtrei'bung
dieses Kreislaufwaschwassers bei Abb.2 wegfällt. Aus dem Ausgangsgas werden also
nach Abb. 2 wiederum in dem ersten Waschturm 2 die Cyanverbindungen und in dem zweiten
Waschturm 5 das Kohlendioxyd und der .Schwefelwasserstoff entfernt. Dabei spielt
sich aber die zweite Phase des Verfahrens im wesentlichen nur in dem einheitlichen
Waschturm 5 und in der Wiederbelebungskolonne 27 ab. .Demnach vollzieht sich der
Kreislauf .der das nichtflüchtige Absorbens, etwa z. B. Kaliumcarbonat, enthaltenden
Waschlösung von der Zufuhrrohrleitung 2o aus durch den Waschturm 5, über die Abgangsrohrleitung
21 durch die Wärmeaustauscher 24 und 25 und über die Rohrleitung 26 durch die Wiederbelebungskolonne
27 und weiter über deren Abgangsrohrleitung 28 durch die Pumpe 30 und durch
den Wärmeaustauscher 24 und Schlußkühler 33 hindurch nach der AufgaberohrleitUng
20 zurück. Die Wiederbelebungskolonne 27 ist im Bodenteil mit .der mittelbar wirkenden
Dampfheizschlange 53 ausgestattet, die frischen Heizdampf durch die mit dem Ventil
58 versehene Zufuhrleitung 54 zugeführt erhält. Das Kondensat dieses Heizdampfes
gelangt aus der Heizschlange 53 in den ;Kondenstopf 55 und wird aus diesem durch
die Druck- und Förderpumpe 47 aufgenommen, die es durch den Wärmeaustauscher 25
und Schlußkühler 5o über die Rohrleitungen 15 und 9 als reines Waschwasser auf .den
obersten Teil des ersten Waschturms 2 fördert. Der von dieser anfallenden Kondensatmenge
überschüssig bleibende Teil wird vor der Pumpe 47 durch die Rohrleitung 56 mit dem
Ventil 57 abgezogen. Die kreisende Waschlösung, welche in dem Waschturm 5 die flüchtigen
;Säuren Kohlendioxyd und Schwefelwasserstoff aufgenommen hat, gibt diese bei ihrer
Behandlung in der Wiederbelebungskolonne 27 durch die Erhitzung mittels des Dampfheizkörpers
53 ab und wird dadurch wieder in den ursprünglichen, erneut zum Auswaschen geeigneten
Zustand versetzt. Die abgetriebenen Gase ziehen an der Spitze der Kolonne 27 durch
die Rohrleitung 51 ab. 'Sie sind zwar, wenn eine wäßrige Lösung als Waschmittel
verwendet wird, an dieser Abgangsstelle mit Wasserdampf gesättigt; da sie aber nahezu
gewöhnliche oder nur wenig höhere Temperatur besitzen, ist dieser Verlust an Wasser
in dem Kreislaufsystem sehr gering. Er wird zweckmäßig
durch entsprechende
Zugabe von Dampfkondensat aus dem Überschuß, der durch die Rohrleitung 56 abgenommen
wird, ersetzt. Die Menge des im Kreislauf befindlichen Absorbens bleibt, weil es
unter -den Bedingungen des Verfahrens nicht flüchtig ist, ständig gleich groß.
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Die Vorrichtung zur Wiederbelebung der Waschflüssigkeit in der zweiten
Phase .des Verfahrens muß nicht unbedingt eine Kolonne sein, da die für ihre Wiederbelebung
wesentliche :Maßnahme eine Erhitzung ist. Der Betriebsdruck in dieser Wiederbelebungsvorrichtung
wird, wenn die Waschung in der zweiten Stufe bei erhöhtem Druck stattfindet, zweckmäßig
bei demgegenüber niedrigerem Druck durchgeführt, um die Druckminderung zur teilweisen
Entgasung der Waschflüssigkeit mit auszunutzen; im allgemeinen wird wesentlich atmosphärischer
,Druck oder gegebenenfalls sogarUnterdruck in der Wiederbelebungsphase angewendet.
Beispiel Bei einer Anlage nach Abb. i treten stündlich q.ooo Nm3 eines Gases mit
13 Volumprozent Kohlendioxyd und 1,5 g Cyanwasserstoff je Nm3 bei einem Druck von
q.o atü und einer Temperatur von 25° C in den Cyanwascher 2 ein, .der am Kopf mit
i m3 Reinwasser stündlich beschickt wird. Das Gas tritt aus dem Wascher 2 vollkommen
cyanfrei aus und in den .Kohlendioxydwascher 5, 6 über. Auf ,den Unterteil 5 dieses
Waschturms werden stündlich 25 1113 3o/oiges Ammoniakwasser und auf den Kopfteil
6 des Waschturms stündlich 6 m3 Beinwasser gegeben. Das mit diesen Waschflüssigkeiten
behandelte Gas tritt bei 7 aus dem Waschturm frei von Kohlendioxyd und Ammoniak
aus. Das am Fuß des Kolonnenteils 5 abgehende, mit Kohlensäure angereicherte Ammoniakwasser
wird in der Entsäuerungskolonne 27, auf deren Kopf die vom Oberteil 6 des Waschturms
ablaufende schwach ammoniakhaltige Lösung als Dephlegmationswasser aufläuft, von
Kohlendioxyd praktisch vollständig befreit. Das Gemisch aus beiden Waschwässern
sammelt sich im Unterteil der Entsäuerungskolonne 27; davon wird der größere Teil,
d. h. 25 m3/h, nach vollständiger Kühlung auf den Kolonnenteil 5 des Kohlensäurewaschers
wieder aufgegeben, während der restliche Teil, d.h. 6 m3/h, vermehrt um die in der
Kolonne 27 niedergeschlagene Heizdampfkondensatmenge, auf den Abtreiber 39 aufgegeben
und hier vom Ammoniak restlos befreit wird. Am Unterteil des Abtreibers 39 wird
stetig eine Gesamtmenge von 6 m3/h abgetriebenem Ammoniakwasser plus 2 m3/h Dampfkondensatwasser
abgezogen, und von diesem Gemisch, einem reinen Wasser, werden 6 m3/h auf den Oberteil
6 des Kohlendioxydwaschturms und i m3/h auf den Kopf des Cyanwaschers 2 gefördert,
während i m3/h überschüssiges Dampfkondensatwasser zu anderweitiger Verwendung zur
Verfügung steht.
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Wenn das Ausgangsgas beispielsweise ein Kohlendestillationsgas mit
Ammoniakgehalt üblicher Größe ist, so wird dieses Ammoniak in dem Cyanwascher 2
durch die angegebene Waschwassermenge vollständig mit ausgewaschen, da sie hierfür
reichlich groß ist.