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Das
Gebiet der vorliegenden Erfindung ist das von Vektorisierungspartikeln
(PV), die für
die Verabreichung aktiver Bestandteile (PA) verwendet werden. Bei
diesen letzteren handelt es sich bevorzugt um Medikamente oder Nahrungsmittel
für die
Verabreichung bei einem tierischen oder menschlichen Organismus
auf oralem, nasalem, vaginalem, okulärem, subkutanem, intravenösem, intramuskulärem, intradermalem,
intraperitonealem, intrazerebralem, parenteralem, etc. Weg. Es kann
sich aber auch um Pflanzenschutzmittel, wie beispielsweise Herbizide,
Pestizide, Insektizide, Fungizide, etc. handeln. Hinsichtlich ihrer
chemischen Natur betreffen die erfindungsgemäßen PA insbesondere, aber nicht
ausschließlich,
z.B. Proteine, Glykoproteine, Peptide, Polysaccharide, Lipopolysaccharide,
Oligonukleotide und Polynukleotide.
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Genauer
betrifft die vorliegende Erfindung Vektorisierungspartikel, vorteilhafterweise
vom Submikron-Typ, auf Basis von Polyaminosäuren (PAA). Die vorliegende
Erfindung ist sowohl auf nackte Partikel selbst wie auch auf PA-Vektor-Systeme gerichtet,
die aus Partikeln bestehen, die die mit dem (oder den) betrachteten PA
beladen sind. Die vorliegende Erfindung betrifft ebenso wässrige kolloidale
Suspensionen, die diese PV beinhalten.
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Die
Erfindung betrifft außerdem
Verfahren zur Herstellung dieser Partikel und kolloidalen Suspensionen,
mit und ohne PA.
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Das
Ziel der Verkapselung von PA in den PV liegt insbesondere darin,
die Bioverfügbarkeit
der PA zu erhöhen.
Zahlreiche Verkapselungstechniken sind bereits vorgeschlagen worden.
Solche Techniken sind einerseits darauf gerichtet, den Transport
von PA an ihre therapeutische Wirkungsstelle zu erlauben, während sie
dabei vor den Angriffen des Organismus (Hydrolyse, enzymatischer
Verdau, etc.) geschützt
wird, und andererseits darauf, die Freisetzung der PA an ihrer Wirkungsstelle
zu kontrollieren, um die für
den Organismus verfügbare
Menge bei dem gewünschten
Wert zu halten. Bei den PA, die von diesen Problemen des Transports
und des Verweilens im Organismus betroffen sind, handelt es sich
beispielsweise um Proteine, es können
aber auch jegliche andere Produkte synthetischen oder natürlichen
Ursprungs betroffen sein. Der Überblick
von M. J. HUMPHREY (Delivery Systems for peptide Drugs, herausgegeben
von S. DAVIS und L. ILLUM, Plenum Press, N. Y., 1986) erläutert die
Problematik hinsichtlich der Verbesserung der Bioverfügbarkeit
von PA und das Interesse an Vektorisierungssystemen und Systemen
zur kontrollierten Freisetzung.
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Von
den Materialen, die zur Bildung von PV in Betracht gezogen werden
können,
werden Polymere aufgrund ihrer intrinsischen Eigenschaften am häufigsten
eingesetzt. Was die Liste von Spezifikationen angeht, die wünschenswert
sind, um die PV zu erhalten, so ist diese Liste besonders anspruchsvoll
und umfasst insbesondere die folgenden Spezifikationen.
- 1. Es sollte vorteilhafterweise möglich sein, eine kontrollierte
Partikelgrößenverteilung
zu erhalten, die an den ausgewählten
Verabreichungsmodus und/oder die angedachte therapeutische Stelle
angepasst ist.
- 2. Es ist wünschenswert,
dass die PV den Schutz der PA bis an die Freisetzungsstelle gewährleisten.
- 3. Die PV sollten vorteilhafterweise die Geschwindigkeit der
Freisetzung der PA kontrollieren.
- 4. Es ist bevorzugt, dass das Polymer, welches die PV bildet,
biokompatibel, eliminierbar (durch Exkretion) und/oder biodegradierbar
ist, und noch weiter bevorzugt kann es zu Produkten metabolisiert
werden, die für
den Organismus nicht toxisch sind.
- 5. Es ist außerdem
vorteilhaft, dass das Polymer, welches die PV bildet, keine Immunantwort
hervorruft.
- 6. Schließlich
ist es auch wünschenswert,
dass die PV und die PV- PA-Systeme
durch ein Verfahren erhalten werden können, bei dem der PA nicht
denaturiert wird.
-
Die
früheren
technischen Vorschläge,
die unten beschrieben werden, haben versucht, diese Gruppe von Spezifikationen
zu erfüllen.
Zur Veranschaulichung werden die früheren Vorschläge (a) bis
(h) erwähnt: Nach
einem ersten Ansatz, der die Vorschläge (a) bis (d) umfasst, erfolgt
der Einschluss des aktiven Bestandteils während der Bildung der Vektorisierungsträger; nach
einem zweiten Ansatz, der in den Vorschlägen (e) bis (h) genannt ist,
werden PV hergestellt, die sobald sie gebildet sind, dazu in der
Lage sind, sich spontan durch Adsorption an PA zu assoziieren.
- (a) Das Patent US-A-5,286,495 betrifft ein
Verfahren zur Verkapselung von Proteinen durch Vaporisierung in
wässriger
Phase mit Hilfe von Materialien, die entgegengesetzt geladen sind,
nämlich:
Alginat (negativ geladen) und Polylysin (positiv geladen). Dieses
Herstellungsverfahren ermöglicht
es, Partikel mit einer Größe von mehr
als 35 μm
herzustellen.
- (b) Außerdem
werden Emulsionstechniken weithin verwendet, um mit PA beladene
Mikropartikel herzustellen. Beispielsweise offenbaren die Patentanmeldungen
WO 91/06286, WO 91/06287 und WO 89/08449 solche Emulsionstechniken,
bei denen organische Lösungsmittel
verwendet werden, um Polymere zu solubilisieren, beispielsweise
vom Typ Polymilchsäure.
Es hat sich jedoch herausgestellt, dass diese Lösungsmittel insbesondere für peptidische
oder polypeptidische PA denaturierend sein können.
- (c) Es sind auch biokompatible PV bekannt, die in wässriger
Lösung
gebildet werden und als Proteinoide bezeichnet werden, die seit
1970 von W. FOX und K. DOSE in „Molecular Evolution and the
origin of Life", Hrsg.
Marcel DEKKER Inc. (1977) beschrieben wurden. Auch in der Patentanmeldung
WO 88/01 213 wird ein System auf Grundlage eines Gemischs von künstlichen
Polypeptiden vorgeschlagen, die durch thermische Kondensation von
Aminosäuren
erhalten werden. Die Mikropartikel gemäß dieser Erfindung werden durch
eine Veränderung
des pH-Werts erhalten, durch die die Präzipitation der proteinoiden
Partikel hervorgerufen wird.
- (d) Außerdem
werden zur Erinnerung auch die Patente US 4,351,337 und 4,450,150 erwähnt, die ein anderes Gebiet
als die erfindungsgemäße Vektorisierung
von PA betreffen. Diese Patente offenbaren Implantate mit Masse,
die an sehr präzisen
Stellen im Organismus fixiert und lokalisiert sind. Die Implantate
werden ausgehend von polymeren Materialien vom Typ Poly-α-Aminosäure (Leu/GluOH
bzw. GluOEt/GluOH) hergestellt. Gemäß der Lehre dieses Patents
sind solche Polyaminosäuren
bevorzugt, die einen hohen Anteil an hydrophoben Aminosäuren (z.B.
mehr als 50 Leucin oder GluOEt) aufweisen und in Wasser unlöslich sind.
Der PA kann in eine Poly-α-Aminosäure-Lösung in
einem organischen Lösungsmittel
eingegliedert werden. Diese Lösung
wird verwendet, um das Implantat durch Giessen/Trocknen (Verdampfen)
zu bilden. Gemäß einer
anderen Variante kann der PA im Kern einer Mikrokapsel enthalten
sein, deren Hülle
ausgehend von einer Copolymer-Lösung
erhalten wird, und deren Durchmesser größer oder gleich 5.000 μm ist. Der
Kern kann aus reinem PA bestehen oder aus einer Copolymer-Matrix,
welche den PA beinhaltet und ausgehend von der PAA-Lösung in
einem organischen Lösungsmittel
erhalten wird.
- (e) Die Patentanmeldung PCT WO/FR 97/02 810 offenbart eine Zusammensetzung
für die
kontrollierte Freisetzung von aktiven Bestandteilen, die eine Vielzahl
von lamellenartigen Partikeln aus einem biodegradierbaren Polymer,
wenigstens einen kristallinen Teil (Milchsäurepolymer) und einen auf den
Partikeln absorbierten aktiven Bestandteil umfasst. Die Freisetzung
des aktiven Bestandteils erfolgt durch Desorption.
- (f) Die Veröffentlichung „CHEMISTRY
LETTERS 1995, 707, AKIYOSHI et al" betrifft die Stabilisierung von Insulin
durch supramolekulare Komplexierung mit Nanopartikeln, die aus etwa
10 Polysaccharid-Ketten gebildet sind, die durch Propfen von Cholesterin
hydrophob gemacht sind.
- (g) Der in „MACROMOLECULES
1997, 30, 4013–4017" erschienene Artikel
beschreibt Copolymere, die aus einem peptidischen Block auf Basis
von L-Phenylalanin, γ-Benzyl-L-Glutamat
oder O-(Tetra-O-acetyl-β-D-glucopyranosyl)-L-serin
und einem synthetischen Block, wie beispielsweise Poly(2-methyl-2-oxazolin)
oder Poly(2-phenyl-2-oxazolin) zusammengesetzt sind. Einige dieser
Polymere aggregieren in wässrigen
Milieu unter Bildung von Partikeln mit 400 nm, die dazu in der Lage
sind, sich mit einem Enzym, Lipase, zu assoziieren.
- (h) Der Gegenstand von Patent FR 95-03978 sind Polyaminosäurepartikel,
die für
die Vektorisierung von aktiven Bestandteilen verwendet werden, und
dadurch gekennzeichnet sind, dass ihre Polyaminosäurebestandteile
wenigstens zwei Arten von wiederkehrenden Aminosäuren AAN (neutral, hydrophob)
und AAI (ionisierbar und hydrophil) umfassen. Die Partikel werden
spontan durch Dispersion des Polyaminosäurepulvers in einer wässrigen
Lösung
erhalten. Die so erhaltenen Partikel assoziieren spontan in wässriger Suspension
mit aktiven, z.B. proteinartigen, Bestandteilen.
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Diese
früheren
technischen Vorschläge
erfüllen
mehr oder weniger die Spezifikationen in der oben angeführten Liste
von Spezifikationen. Solche Vektorisierungspartikel für aktive
Bestandteile können
jedoch noch perfektioniert werden.
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In
anbetracht dieser Tatsache ist es eines der wesentlichen Ziele der
vorliegenden Erfindung, den in (h) FR 95-03 978 erwähnten früheren technischen
Vorschlag zu verbessern, indem neue PV auf Grundlage von linearen,
amphiphilen Poly-α-Aminosäuren (PAA)
bereitgestellt werden, deren hydrophile bzw. hydrophobe Eigenschaften
jeweils durch die Aminosäuren
der Hauptkette des Polymers und durch hydrophobe Reste, die seitlich
an einen Teil der Aminosäuren über eine
kovalente Bindung angebunden sind. Diese Verbesserung betrifft genauer
ein Mittel zur Regulierung der Merkmale der Assoziierung zwischen
PA und PV, um das Ausmaß der
Beladung mit PA zu verbessern und/oder um die Kinetik der Freisetzung
von PA zu verbessern.
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Ein
weiteres wesentliches Ziel der Erfindung ist es, eine kolloidale
wässrige
Suspension von Vektorisierungspartikeln mit aktiven Bestandteilen
bereitzustellen, die PAA-Partikel umfasst, welche die oben angeführten Spezifikationen
erfüllen
und die eine pharmazeutische Form bildet, die für eine Verabreichung beispielsweise
auf oralem Weg bei einem Menschen oder einem Tier geeignet und zweckmäßig ist.
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Ein
weiteres wesentliches Ziel der Erfindung ist es, ein Verfahren zur
Herstellung von PAA-Partikeln vorzuschlagen, die insbesondere als
Vektor für
aktive Bestandteile verwendet werden, wobei das Verfahren noch ökonomischer,
einfacher durchzuführen
und für
die aktiven Bestandteile nicht denaturierend sein muss, und außerdem noch
eine feine Kontrolle der mittleren Partikelgröße der erhaltenen Partikel
ermöglichen
muss.
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Ein
weiteres wesentliches Ziel der Erfindung ist die Verwendung der
Suspensionen und Partikel zur Herstellung von Medikamenten (z.B.
Vakzinen) und/oder von Nahrungsmitteln, insbesondere für die Verabreichung
von aktiven Bestandteilen, wie beispielsweise Proteinen, Glykoproteinen,
Peptiden, Polysacchariden, Lipopolysacchariden, Oligonukleotiden
und Polynukleotiden auf beispielsweise oralem, nasalem, vaginalem, okulärem, subkutanem,
intravenösem,
intramuskulärem,
intradermalem, intraperitonealem, intrazerebralem oder parenteralem
Weg.
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Ein
weiteres wesentliches Ziel der vorliegenden Erfindung ist es, Suspensionen
von PV bereitzustellen, bei denen es sich teilweise um Submikron-
und Mikronpartikel handelt, auf Basis von PAA und die als Vektoren
für einen
PA, insbesondere einen medikamentösen und/oder nahrungsbezüglichen
PA dienen können, für die Verabreichung
des PA bei einem menschlichen oder tierischen Organismus.
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Ein
anderes Ziel der vorliegenden Erfindung ist es, ein Medikament von
der Art eines Systems für
die andauernde Freisetzung von aktiven Bestandteilen bereitzustellen,
das einfach und ökonomisch
hergestellt werden kann und das außerdem biokompatibel ist und
dazu geeignet ist, ein sehr hohes Maß an Bioverfügbarkeit
des PA zu gewährleisten.
-
Ein
anderes wesentliches Ziel der Erfindung ist es, ein System für die Vektorisierung
eines Vakzins bereitzustellen, welches intrinsisch und in Kombination
mit einem oder mehreren Antigenen nicht immunogen ist.
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Die
Ziele, welche Produkte betreffen, werden unter anderem durch die
vorliegende Erfindung erreicht, welche in erster Linie Partikel
betrifft, die insbesondere für
die Vektorisierung (PV) von aktiven Bestandteilen verwendet werden
können,
wie beispielsweise folgenden Arten:
- • auf Grundlage
von amphiphilen, linearen, α-peptidisch
verknüpften
Polyaminosäuren
(PAA);
- • die
dazu in der Lage sind, sich spontan zu bilden, wenn PAA mit einem
flüssigen
Medium, vorzugsweise mit Wasser, in Kontakt gebracht werden, in
dem der hydrophile Teil der PAA sich besser löst als der hydrophobe Teil
dieser PAA, so dass diese letzteren präzipitieren, wobei sie sich
in einzelnen supramolekularen Anordnungen organisieren;
- • die
eine mittlere Größe von weniger
als 200 μm,
bevorzugt weniger als 100 μm
und noch weiter bevorzugt zwischen 0,01 und 20 μm aufweisen;
- • und
die dazu in der Lage sind, sich mit wenigstens einem PA zu assoziieren
und diesen in vivo auf andauernde und kontrollierte Art und Weise
freizusetzen;
dadurch gekennzeichnet: - • dass die
wiederkehrenden Aminosäuren
(AAr), welche die PAA-Hauptkette bilden, gleich oder unterschiedlich
voneinander sind und aus sauren Aminosäuren ausgewählt sind wie vorzugsweise aus
der Gruppe umfassend Glutaminsäure
und/oder Asparaginsäure
und oder deren Salzen bzw. den Glutamaten und den Aspartaten,
- • und
dadurch, dass manche der AAr jeweils wenigstens eine hydrophobe
Gruppierung R0 tragen, wobei diese hydrophoben
Gruppierungen R0 gleich oder unterschiedlich
voneinander sind.
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Eine
der Voraussetzungen, unter denen sich die erfindungsgemäßen Partikel
bilden, ist, dass der hydrophile Teil der PAA sich besser in dem
flüssigen
Milieu der Suspension löst
als der hydrophobe Teil davon.
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Die
gemäß der Erfindung
ausgewählten
wiederkehrenden Aminosäuren
(AAr) sind Aminosäuren
mit Carboxylfunktionen (Glu und Asp) in Form von COOH oder in Form
von Salzen (Carboxylaten) COO, X+, wobei X
Alkalimetallen, bevorzugt Na, entspricht.
-
Es
ist der Verdienst der Anmelderin, für das Material, welches die
PV bildet, eine bestimmte Klasse von Poly-α-Aminosäuren ausgewählt zu haben, deren (Co) Monomere
wiederkehrende Aminosäuren
(AAr) polarer Natur sind und die amphiphil gemacht wurden, indem
der hydrophile Charakter durch seitliche hydrophobe Ketten an einem
Teil der AAr modifiziert wurde. Diese erworbene amphiphile Natur
verleiht den PAA die Möglichkeit,
kolloidale PV-Suspensionen zu bilden, die mit dem pH-Wert des physiologischen
Milieus, das bei den angedachten Anwendungen angetroffen wird, verträglich sind.
Diese Auswahl ermöglicht
vorteilhafterweise eine größere Auswahlmöglichkeit
hinsichtlich der Natur der hydrophoben Gruppen und somit ein besseres Mittel,
um die Hydrophobizität
des Polymers und des PV zu kontrollieren, wodurch es möglich wird,
die Assoziierung und die Freisetzung der PA zu optimieren.
-
Die
Struktur des PAA-Polymers, die Natur der Aminosäuren Asp und Glu und die hydrophoben
Reste werden so ausgewählt,
dass die Polymerketten spontan in Form von Partikeln mit kleiner
Größe strukturiert werden,
die in physiologischem Milieu stabil sind.
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Die
Struktur des PAA-Polymers, die Natur der Aminosäuren Asp und Glu und die hydrophoben
Reste werden so ausgewählt,
dass die PV Proteine oder andere PA in wässrigem Milieu über einen
spontanen und für
die Proteine nicht denaturierenden Mechanismus verkapseln.
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Die
Struktur des PAA-Polymers, die Natur der Aminosäuren Asp und Glu und die hydrophoben
Reste werden so ausgewählt,
dass die PV die PA in physiologischem Milieu und genauer in vivo
freisetzen, wobei die Kinetik der Freisetzung eine Funktion der
Natur des Polymers und der PV, die es bilden kann, ist.
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Ohne
darauf begrenzt zu sein, ist diese Auswahl spezieller auf PAA gerichtet,
deren Hauptkette aus identischen AAr zusammengesetzt ist. Die Primärstruktur
der PAA kann geordnet mit alternierenden aufeinander folgenden Blöcken (PAA-Blöcken) oder
ungeordnet mit zufällig
aufeinander folgenden Blöcken
(statistische PAAs) sein. Gemäß einem
bevorzugten erfindungsgemäßen Merkmal
handelt es sich bei den PAAs um Polymere, die bis zu etwa 1.000
AAr und bevorzugt bis zu etwa 500 AAr und noch weiter bevorzugt
bis zu etwa 200 AAr beinhalten.
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Die
hydrophoben Gruppierungen R0 nehmen an der
Aggregierung der Polymerketten teil, die im Kern der Bildung der
PV liegt. Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind
diese Gruppierungen R0 identisch oder unterschiedlich
und werden ausgewählt
aus der Gruppe umfassend:
- (i) lineare oder
verzweigte Alkyl-, Acyl- oder Alkenylreste, bevorzugt lineare C1-C20- und noch weiter bevorzugt C2-C18-Reste;
- (ii) Kohlenwasserstoff-Gruppierungen, die ein oder mehrere Heteroatome
enthalten, bevorzugt solche, die Sauerstoff und/oder Schwefel enthalten,
und noch weiter bevorzugt solche, die die folgende Formel aufweisen: worin:
- – die
Reste R1 gleich oder unterschiedlich voneinander
sind und Wasserstoff oder einen Rest mit der unter Punkt (i) angegebenen
Definition bedeuten,
- – q
= 1 bis 100;
- (iii) Aryl-, Aralkyl- oder Alkylaryl-, bevorzugt Arylreste;
- (iv) natürliche
hydrophobe Derivate, bevorzugt Cholesterin, Phosphatidylcholine
und Diacylglyzerine.
-
Unter „Kohlenwasserstoff"-Gruppierungen versteht
man erfindungsgemäß Gruppierungen,
welche insbesondere Wasserstoff und Kohlenstoffatome umfassen.
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Bevorzugt
sind die Gruppierungen R0 ausgewählt aus
der Gruppe der folgenden Reste: Methyl, Ethyl, Propyl, Dodekyl,
Hexadekyl, Oktadekyl.
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Gemäß der Erfindung
ist jede hydrophobe Gruppierung R0 durch
eine spaltbare, bevorzugt durch chemische und/oder enzymatische
Hydrolyse spaltbare, kovalente Bindung an die Hauptkette gebunden,
wobei die Bindung insbesondere eine Ester- und/oder Amidbindung
ist.
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Vorteilhafterweise
stellt der Anteil der monomeren AAr, welche hydrophobe Gruppierungen
tragen, einen Anteil von größer oder
gleich 3%, bevorzugt zwischen 3–70%
und noch weiter bevorzugt, zwischen 13 und 60% dar.
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In
der Praxis handelt es sich bei den PAA, welche PV der erfindungsgemäßen Suspension
bilden, beispielsweise um:
- • Polymere auf Basis von Glutamat:
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(methylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(ehylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(propylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(oktadekylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(benzylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Co-(methylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Co-(ethylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Co-(propylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Co-(dodekylglutamat),
- – Poly(natriumglutamat)-Block-(oktadekylglutamat),
- • Polymere
auf Basis von Aspartat:
- – Poly(natriumaspartat)-Block-(methylaspartat),
- – Poly(natriumaspartat)-Block-(ethylaspartat),
- – Poly(natriumaspartat)-Block-(propylaspartat),
- – Poly(natriumaspartat)-Block-(oktadekylaspartat),
- – Poly(natriumaspartat)-Block-(benzylaspartat).
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Vorteilhafterweise
weisen die PV-Partikel eine mittlere Größe zwischen 0,01 μm und 0,5 μm, bevorzugt zwischen
0,01 und 0,2 μm
auf. Gemäß der Erfindung
versteht man unter Größe oder
mittlere Partikelgröße das arithmetische
Mittel der Durchmesser im Volumen [D4,3], ermittelt durch Laserdiffraktion
und den Trägheitsdurchmesser,
gemessen durch elastische Lichtstreuung.
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Einer
der Vorteile der Erfindung ist, dass eine sehr gute Kontrolle der
mittleren Partikelgröße dieser Matrixeinheiten
und ihrer Partikelgrößenverteilung
erzielt wird. Diese Kontrolle schließt ein, dass extrem geringe
Partikelgrößen erreicht
werden, in der Größenordnung
von wenigen Nanometern und mit sehr geringer Polydispersität, wobei
bekannt ist, dass es möglich
ist, die Größe dieser
Nanopartikel durch Aggregierung zu erhöhen.
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Die
Kontrolle der Größe der PV
erfolgt über
die Zusammensetzung von AAr und R0 der Polyaminosäuren, aber
auch für
dieselbe Zusammensetzung über
die Auswahl einer Blockstruktur und über das Herstellungsverfahren.
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Gemäß einer
Alternative hinsichtlich der Größe der PV
der erfindungsgemäßen Suspension
werden die Vektorisierungspartikel PV aggregiert, um neue, größere Partikel
zu erhalten. Das PAA-Material, welches die erfindungsgemäßen PV bildet,
ist bevorzugt ein Homopolymer oder ein Copolymer, in dem AAr = Asp und/oder
Glu und welches amphiphil gemacht wurde, indem der hydrophile Charakter
dieses AAr durch Hinzufügen
von hydrophoben R0-Seitenketten an einen Teil der AAr modifiziert
wurde. Diese erworbene Amphiphilie erlaubt es, wenigstens drei neue
und überraschende
Eigenschaften zu vereinigen:
- 1. Die erste Eigenschaft
ist die Möglichkeit,
spontan kolloidale PV-Suspensionen zu bilden, die mit dem pH-Wert
eines physiologischen Milieus, das bei den angedachten therapeutischen
Anwendungen angetroffen wird, verträglich sind;
- 2. Die zweite Eigenschaft ist die spontane Assoziierung von
PV mit PA in Abwesenheit eines anderen Mittels als Wasser, das ihnen
als Lösungsmittel dient,
welches für
Proteine nicht denaturierend ist;
- 3. Die dritte Eigenschaft ist die Möglichkeit, den PA aus dem Komplex
der Assoziierung PA-PV unter den physiologischen Bedingungen freizusetzen,
mit pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Profilen, die es
ermöglichen,
Anwendungen auf dem therapeutischen Gebiet in Betracht zu ziehen.
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Die
PA, insbesondere solche mit Proteinnatur, werden tatsächlich durch
die Vektorisierungspartikel PV eingefangen, welche mit Matritzen
vergleichbar sind, die aus Wasser und PAA gebildet sind, in denen
der oder die PA dispergiert sind. Ihre Freisetzung erfolgt entweder
durch spontane Dissoziierung oder nach und nach im Verlauf der Degradierung
der PAA und der anschließenden
Destrukturierung der Partikel. Der Einfang der PA wird spontan durch
deren einfaches Vermischen in einer wässrigen kolloidalen erfindungsgemäßen PV-Suspension
bewerkstelligt.
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Die
mit wenigstens einem aktiven Bestandteil PA beladenen Partikel PV
stellen einen anderen Gegenstand der vorliegenden Erfindung dar.
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Nach
einem anderen ihrer Aspekte, vorgeschaltet den Partikeln, die den
wesentlichen Gegenstand der Erfindung bilden, betrifft die Erfindung
außerdem
Vorläufer
der PV, bei denen es sich um PAAs handelt, die wie oben definiert
ausgewählt
sind.
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Den
PV nachgeschaltet umfasst die Erfindung auch die kolloidale, bevorzugt
wässrige,
Suspension solcher Partikel wie oben definiert.
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Diese
kolloidale Suspension von PV, welche mit PA beladen sind, kann für die Vektorisierung
eingesetzt werden und für
die andauernde und kontrollierte Freisetzung des PA in vivo für therapeutische
Zwecke.
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Die
Erfindung betrifft außerdem
ein Verfahren zur Herstellung der oben genannten kolloidalen Suspension
von Partikeln, z.B. von Vektorisierungspartikeln (PV) für aktive
Bestandteile (PA), dadurch gekennzeichnet dass es im Wesentlichen
besteht aus:
- I Umsetzen von linearen PAA, die α-peptidisch
verknüpfte
wiederkehrende Aminosäuren
(AAr) aufweisen, die ausgewählt
sind aus natürlichen
polaren Aminosäuren
wie Glutaminsäure
und Asparaginsäure und/oder
deren Salzen bzw. den Glutamaten und Aspartaten, wobei manche dieser
AAr jeweils wenigstens eine hydrophobe Gruppierung R0 tragen,
wobei diese Gruppierungen R0 gleich oder
unterschiedlich voneinander sind;
- II Einbringen der amphiphilen PAA in ein bevorzugt wässriges
Lösungsmedium;
- III Anschließend
wenigstens die AAr, welche R0 tragen, in
dem Medium unlöslich
machen, so dass diese AAr ausfallen und so einzelne supramolekulare
Anordnungen bilden.
-
Gemäß einer
vorteilhaften Variante dieses Verfahrens wird wenigstens ein aktiver
Bestandteil in dem flüssigen
Medium, das die PV-Partikel enthält,
so aufgenommen, dass eine kolloidale Suspension von PV, die mit
einem oder mehreren aktiven Bestandteilen beladen sind, erhalten
wird.
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Außerdem ist
es um die Größe der Partikel
zu erhöhen
denkbar, in dem Herstellungsverfahren der Suspension wenigstens
einen zusätzlichen
Schritt des Aggregierens von Partikeln mit Hilfe wenigstens eines Aggregationsmittels
vorzusehen, dass aus einem Salz und/oder einer Säure und/oder einer Base und/oder
einem gegebenenfalls ionischen Polymer (z.B. Polylysin, Polyethylenimin,
etc.) gebildet ist. Für
weitere Details wird auf die Patentanmeldung FR 95-03 918 verwiesen.
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Nachdem
die wesentlichen Merkmale der Erfindung hinsichtlich der PAA-Vorläufer-Partikel
der Partikel einer kolloidalen Suspension dieser Partikel und die
Herstellung dieser Suspension abgehandelt wurden, ist es nun angebracht,
einerseits den Aspekt der Herstellung der PAA und der Partikel,
die gegebenenfalls mit PA beladen sind, und andererseits den Aspekt
der Verwendung der PV und der Suspensionen dieser PV in medizinischen
Systemen für
eine langanhaltende und kontrollierte Freisetzung von PA etwas genauer
zu entwickeln.
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Die
PAA werden auf eine an sich bekannte Weise erhalten. Hierzu wird
beispielsweise auf: „Encyclopedia
of Polymer Science and Engineering, Band 12, S. 786; John Wiley & Sons" verwiesen. Im Rahmen
der Erfindung ist es bevorzugt, Polymerisierungstechniken einzusetzen,
in denen Anhydride von N-Carboxy-α-Aminosäuren verwendet
werden, deren Herstellung beispielsweise in „Biopolymers, 5 1869 (1976)" angegeben ist. Was
die Polymerisierungstechniken für
diese monomeren N-Carboxy-α-Aminosäuren (NCA)
angeht, so sind diese ausführlich
in dem Werk von H. R. KRICHELDORF „α-Aminoacid-N-Carboxy Anhydride and
Related Heterocycles" Springer
Verlag (1987) beschrieben.
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Die
Art der Verteilung von hydrophoben Gruppierungen auf die Polymerketten
ist je nach gewähltem Syntheseweg
statistisch oder geordnet. In dieser Hinsicht gibt es zahlreiche
Reaktionsschemata, welche zu den als Rohmaterial für die Herstellung
der erfindungsgemäßen PV ausgewählten PAA
führen.
Die drei Reaktionsschemata sind im Folgenden in nicht begrenzender
Weise angegeben:
- (i) Synthese oder Umsetzung
(Schritt A) eines Copolymers PAA, welches wenigstens zwei Arten
von wiederkehrenden hydrophoben Gruppierungen R01 und
R02 trägt,
dann
wird durch selektive Eliminierung (Schritt B) wenigstens eine davon
eliminiert, um AAr in seinem nicht modifizierten Zustand zurück zu gewinnen
(beispielsweise R01 = Methyl, R02 =
Benzyl; Schritt B ist ein Debenzylierungsschritt durch Hydrogenierung,
durch Addition von HBr, etc.);
- (ii) Synthese oder Umsetzung (Schritt A) eines hydrophoben homopolymeren
PAA, welches (ausschließlich)
wiederkehrende hydrophobe Aminosäuren
(AAr-R0) trägt, die jeweils eine gleiche
hydrophobe Gruppierung R0 (z.B. Methyl,
Ethyl, Propyl, Benzyl, Stearyl) tragen, dann teilweise Eliminierung
(Schritt B) eines Teils der Gruppierungen R0 (z.B.
durch Hydrolyse oder Verseifung von Poly(Methylglutamat)-PAA);
- (iii) Synthese oder Umsetzung (Schritt A) einer homopolymeren
hydrophilen PAA, welche (ausschließlich) wiederkehrende hydrophile
Aminosäuren
AAr trägt,
dann teilweise Hydrophobisierung (Schritt B) durch die Bildung einer
kovalenten Bindung mit einer oder mehreren Gruppierungen R0 (z.B. durch Veresterung mittels Fettalkoholen
oder durch ionische Verschiebung mit Hilfe eines Halogenalkans).
-
Bei
diesen drei Varianten (i), (ii) und (iii) ist die Verknüpfungseinheit
für das
Pfropfen hydrophober Gruppierungen R0 an
die Seitengruppe der AAr vorteilhafterweise eine Ester- oder Amidfunktion.
-
In
der Praxis sind die in Variante (i) umgesetzten hydrophoben copolymeren
PAA beispielsweise Copolymere von Glutaminsäure und/oder Asparaginsäure, deren
seitliche Carboxylfunktionen durch Veresterung gemäß Techniken,
die dem Fachmann bekannt sind, geschützt. Es kann sich z.B. um Copoly(sterylglutamat-benzylglutamat) handeln,
welches durch Polymerisierung von N-Carbonsäureanhydriden von AAr01 (Glu-O-Stearyl) und AAr02 (Glu-O-Benzyl)
erhalten wird.
-
Die
teilweise Hydrophilisierung von Co-PAA resultiert aus der selektiven
Eliminierung einer der Gruppierungen R0 durch
Hydrolyse und/oder Verseifung. Dies entspricht einer Deprotonierung,
die in dem folgenden Beispiel eine selektive Debenzylierung ist.
Hier werden die Unterschiede in der Empfindlichkeit gegenüber einer
Spaltung der verschiedenen Ester, welche die hydrophoben Gruppierungen
R01 und R02 bilden,
ausgenutzt. Als Beispiele für
bekannte Schutzverfahren können
diejenigen durch Verseifung der Methylester (STAHMAN et coll.; J.
Biol. Chem., 197, 771 (1952); KYOWA HAKKO, FR 2 152 582) oder durch
Debenzylierung [BLOUT et coll., J. Amer. Chem. Soc., 80, 4631 (1958)]
genannt werden.
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Hinsichtlich
der Variante (ii) ist das hydrophobe Homopolymer PAA beispielsweise
durch Polymerisierung von Glu-O-Stearyl NCA erhaltenes Polystearylglutamat.
Die teilweise Hydrolyse dieses hydrophoben Homopolymers entsprechend
der zuvor genannten bekannten Schutzverfahren führt zu einem Poly(Glutamat)-Co-(stearylglutamat).
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In
der Variante (iii) kann das hydrophile Homopolymer PAA zum Beispiel
Polyglutaminsäure
oder ein Polyglutamat sein, das durch Polymerisierung von Glutaminsäure-NCA
hergestellt ist. Die Hydrophobisierung dieser Art von PAA-Poly- Glu erfolgt beispielsweise
durch Reaktion mit Stearyliodid in basischem Milieu. Dies führt zu Poly(Glutamat)-Co-(stearylglutamat).
Diese Art von Technik ist insbesondere in [Polymer Bulletin, 32, 127
(1994)] beschrieben.
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Die
Bildung der PV in flüssigem
Medium in Form einer erfindungsgemäßen kolloidalen Suspension kann
während
oder nach der Synthese der oben definierten amphiphilen PAA durchgeführt werden.
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Nach
einer bevorzugten Variante der Erfindung erfolgt die Bildung von
Partikeln durch die Zugabe von Wasser oder von Salz zu einer Lösung von
PAA, die R0-Gruppen trägt und in einem Lösungsmittel
gelöst
ist. Dieser Vorgang besteht bevorzugt darin, die Löslichkeit
der hydrophoben Fraktion zu erniedrigen, so dass diese präzipitiert
und dabei die Bildung der Partikel hervorruft. Ein Fachmann ist
in der Lage, andere einfache Mittel zur Verringerung der Löslichkeit
des hydrophoben Anteils des Polymers zu finden, beispielsweise durch
Modifizieren der Temperatur der/des Lösungsmittels) oder durch Kombinieren
unterschiedlicher Techniken.
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Auf
die Herstellung der kolloidalen Suspension von PV folgt vorteilhafterweise
ein Reinigungsschritt unter Beteiligung von Techniken, die dem Fachmann
bekannt sind, wie beispielsweise Destillation, Filtration, Modifikation
des pH-Werts, Chromatographie und/oder Dialyse. Derartige Methoden
ermöglichen
es, die unerwünschten
Salze oder Lösungsmittel
zu eliminieren. Nach diesem fakultativen Reinigungsschritt wird
eine kolloidale Suspension von PV erhalten, welche direkt verwendet
werden kann, oder welche gegebenenfalls isoliert oder gewonnen werden
kann im Rahmen eines Schritts IV durch beliebige physikalische Mittel,
welche für
sich bekannt sind und geeignet sind, wie beispielsweise durch Filtration,
durch Ultrafiltration, durch Trennung über einen Dichtegradienten,
durch Zentrifugation, durch Präzipitation,
gegebenenfalls durch Zugeben von Salz oder durch Lyophilisierung.
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Nach
einer Variante der Erfindung ist das Verfahren zur Herstellung der
kolloidalen Suspension dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens ein
aktiver Bestandteil in dem flüssigen
Medium, welches die PV-Partikel enthält, eingegliedert wird, und
zwar derart, dass eine kolloidale Suspension von PV erhalten wird,
die mit einem oder mehreren aktiven Bestandteilen PA beladen oder
assoziiert ist. Diese Eingliederung, welche zu einem Einfangen von
PA durch die PV führt,
kann auf die folgende Weise durchgeführt werden:
- – Auflösen von
PA in wässriger
Lösung,
dann Zugeben von PV, entweder in Form einer kolloidalen Suspension
oder in Form von isolierten PV (Lyophilisat oder Präzipitat);
- – oder
Zugeben von PA, entweder in Lösung
oder in reinem oder vorformuliertem Zustand, zu einer kolloidalen
Suspension von PV-Partikeln, gegebenenfalls zwischenzeitlich hergestellt
durch Dispergieren trockener PV in einem geeigneten Lösungsmittel
wie beispielsweise Wasser.
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Der
aktive Bestandteil der dazu geeignet ist, mit den erfindungsgemäßen Partikeln
assoziiert zu werden, kann ein medizinischer und/oder nahrungsgsbezüglicher
Bestandteil sein. Er ist bevorzugt ausgewählt aus:
- • Proteinen
und/oder Peptiden, wobei Hämoglobine,
Zytochrome, Albumine, Interferone, Antigene, Antikörper, Erythropoietin,
Insulin, Wachstumshormone, Faktor IX, Interleukine oder deren Gemische
am meisten bevorzugt sind,
- • Polysacchariden,
wobei insbesondere Heparin ausgewählt wird,
- • Nukleinsäuren und
vorzugsweise RNS- und/oder DNS-Oligonukleotiden,
- • Vitaminen,
Aminosäuren
und Spurenelementen,
- • und
Gemischen davon.
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Die
vorliegende Erfindung ist auch auf die Vorläufer dieser PV-Partikel gerichtet,
welche aus den spezifischen oben definierten PAA bestehen, und die
dadurch gekennzeichnet sind, dass sie medizinische PA von der oben
genannten Art, insbesondere Insulin, und/oder PA, die aus wenigstens
einem Vakzin gebildet sind, oder Ernährungs-PA, Pflanzenschutz-PA
oder kosmetische PA enthalten.
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Die
vorliegende Erfindung betrifft auch kolloidale Suspensionen von
PV, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie dieselben PA wie oben
genannt, insbesondere für
die Vorläufer
von PV, enthalten.
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Schließlich betrifft
die vorliegende Erfindung medizinische Produkte oder pharmazeutische
oder nahrungsbezügliche
Spezialprodukte, welche die oben definierten mit PA beladenen PV
umfassen. Nach einem anderen ihrer Aspekte betrifft die Erfindung
auch die Verwendung dieser mit PA beladenen PV für die Herstellung von Medikamenten
vom Typ eines Systems zur kontrollierten Freisetzung von PA. Im
Fall von Medikamenten kann es sich beispielsweise um solche handeln,
die vorzugsweise auf oralem, nasalem, vaginalem, okulärem, subkutanem,
intravenösem,
intramuskulärem,
intradermalem, intraperitonealem, intrazerebralem oder parenteralem
Weg verabreicht werden können.
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Die
kosmetischen Anwendungen, die in Betracht gezogen werden können, sind
beispielsweise Zusammensetzungen, die auf transdermalem Weg angewendet
werden können.
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Die
fraglichen Pflanzenschutzprodukte können beispielsweise Herbizide,
Pestizide, Insektizide, Fungizide, etc. sein.
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Die
vorliegende Erfindung hat außerdem
Pflanzenschutz-Zusammensetzungen
und kosmetische Zusammensetzungen zum Gegenstand, welche PV umfassen,
die mit PA vom oben beschriebenen Typ beladen sind.
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Die
folgenden Beispiele ermöglichen
es, die Erfindung in ihren unterschiedlichen Aspekten Produkt/Verfahren/Anwendung
besser zu verstehen. Diese Beispiele veranschaulichen die Herstellung
von Polyaminosäurepartikeln,
die mit aktiven Bestandteilen beladen sind oder nicht, und sie geben
außerdem
die strukturellen Merkmale und die Eigenschaften dieser Partikel
wieder.
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BEISPIELE
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BEISPIEL 1 – HERSTELLUNG
DES POLY(NATRIUMGLUTAMAT)-BLOCK-(METHYLGLUTAMAT)-POLYMERS
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Die
verwendeten Techniken für
die Polymerisation der NCA zu Polymeren mit Blockstrukturen oder
zufälligen
Strukturen sind dem Fachmann bekannt und sind in dem Werk von H.
R. KRICHELDORF „α-aminoacides-N-Carboxy
Anhydrides and Related Heterocycles" Springer Verlag (1987) ausführlich beschrieben.
Die folgende Synthese ist eine Präzisierung einer dieser Synthesen.
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Synthese
von Poly(GluOMe)63-Poly(GluOBz)63:
10 g NCA-GluOMe werden bei 60°C
in einem Gemisch aus 150 ml Dioxan und 450 ml Toluol gelöst. 5 ml
einer Lösung
von 0,91 g Benzylamin in 50 ml Dioxan werden in einer Portion zu
dem Monomer hinzu gegeben. Nach einer Stunde werden 14,1 g NCA-GluOBz,
welches zuvor in einem Gemisch aus 20 ml Dioxan und 60 ml Toluol
gelöst
wurde, hinzugefügt.
Die Polymerisation dauert noch für
19–24
Stunden an. Das Polymer wird aus dem Reaktionsmedium in 2 Liter
Methanol, zu welchem weitere 500 ml Wasser hinzugefügt werden,
präzipitiert.
Der erhaltene Feststoff wird filtriert und in einem Inkubator bei
50°C unter
Vakuum getrocknet.
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Ausbeute
90%, Zusammensetzung gemäß 1H-NMR (TFA-d) 45% molar GluOBz. verringerte
Viskosität (0,5%
von TFA bei 25°C)
0,3 dl/g. Molare Masse gemäß GPC: 20.000
g/mol.
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10
g Polymer werden anschließend
bei 0°C
in 200 ml TFA mit 6 ml Trifluormethansulfonsäure für 15 min umgesetzt. Während der
Hydrolyse der Benzylgruppen präzipitiert
das Polymer in Form kolloidaler Partikel. Nach Eindampfen bis zur
Trockene werden die Partikel in Wasser aufgenommen und bei pH 7,4
mit Natriumhydroxid neutralisiert. Ein Dialyseschritt gewährleistet
die Entfernung von Trifluoressigsäuresalzen. Die Partikel werden
schließlich
durch Lyophilisierung isoliert.
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Quantitative
Ausbeute. Elementaranalyse [Na] 8,2% (berechnete Zusammensetzung
53% GluONa).
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BEISPIEL 2 – HERSTELLUNG
DES POLY(NATRIUMGLUTAMAT)-BLOCK-(ETHYLGLUTAMAT)-POLYMERS
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Dieses
Polymer wird nach dem in Beispiel 1 beschriebenen Verfahren hergestellt,
wobei Ethylglutamat-NCA nd Benzylglutamat-NCA in einem molaren Verhältnis von
1:3 verwendet werden. Nach den Polymerisations- und Debenzylierungsschritten
wird das Polymer durch Dialyse bei pH 7 gereinigt und anschließend wird
es lyophilisiert, um ein weißes
Pulver zu erhalten.
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BEISPIEL 3 – HERSTELLUNG
DES POLY(NATRIUMGLUTAMAT)-BLOCK-(HEXADEKYLGLUTAMAT)-POLYMERS
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Dieses
Polymer wird nach dem in Beispiel 1 beschriebenen Verfahren hergestellt,
wobei Dodekylglutamat-NCA und Benzylglutamat-NCA in einem molaren
Verhältnis
von 1:3 verwendet werden. Nach den Polymerisierungs- und Debenzylierungsschritten
wird das Polymer durch Dialyse bei pH 7 gereinigt und anschließend wird
es lyophilisiert, um ein weißes
Pulver zu erhalten.
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BEISPIEL 4 – HERSTELLUNG
DES POLY(NATRIUMGLUTAMAT)-CO-(DODEKYLGLUTAMAT)-POLYMERS
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10
g Polyglutaminsäure
(Polymerisationsgrad 120) werden in 200 ml Dimethylsulfoxid gelöst. Anschließend werden
15,5 g KHCO2 und dann 2,87 ml Ioddekan zugegeben.
Das Reaktionsmedium wird für
40 h unter Stickstoffstrom bei 60°C
gehalten. Das Polymer wird durch Präzipitation in 1,5 l 0,1 N Salzsäure isoliert und
das so gebildete Präzipitat
wird mehrmals mit Wasser gewaschen. Die gesuchte kolloidale Suspension wird
erhalten, indem der pH-Wert des Mediums mit Natriumhydroxid auf
7,4 eingestellt wird und sie wird anschließend durch Lyophilisation dehydratisiert.
Das lyophilisierte Polymer wird schließlich mehrmals mit Ethylacetat
gewaschen und im Vakuum bei 50°C
getrocknet. Zusammensetzung gemäß NMR (TFA-d):
12% Dodekylester von Glutaminsäuren.
Restliches Wasser nach Lyophilisation 10,5%. Elementaranalyse %
(ber.): C 41,29 (42,15); H 5,99 (6,01); N 7,45 (7,63); Na 10,44
(10,45).
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BEISPIEL 5 – UNTERSUCHUNG
DER NANOPARTIKEL DURCH LICHT-STREUUNG
(DDL) UND ELEKTRONISCHE TRANSMISSIONSMIKROSKOPIE (MET).
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10
mg Partikel des Polymers 1 werden in 10 ml Wasser oder in einer
wässrigen
Salzlösung
suspendiert. Diese Lösung
wird dann in ein Coulter-Granulometriegerät (oder
Laserdiftraktometer) eingebracht. Die Ergebnisse der Analyse der
Partikelgröße der verschiedenen
untersuchten Produkte sind in der folgenden Tabelle 1 dargestellt.
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BEISPIEL 6 – UNTERSUCHUNG
DER ASSOZIIERUNG VON NANOPARTIKELN MIT EINEM PROTEIN (INSULIN)
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Ausgehend
von einer isotonischen Phosphatpufferlösung mit pH 7,5 wird eine Lösung von
humanem Insulin, titriert bei 1,4 mg/ml, entsprechend 40 IU/ml,
hergestellt. In 1 ml dieser Insulinlösung werden 10 mg des in Beispiel
1 hergestellten PV dispergiert. Nach 15 Stunden Inkubation bei Raumtemperatur
werden das mit den PV assoziierte Insulin und das freie Insulin
durch Zentrifugation (60.000 g, 1 Stunde) und Ultrafiltration (Filtrationsgrenzwert
300.000 D) abgetrennt. Das freie Insulin, welches in dem Filtrat
gewonnen wird, wird durch HPLC oder ELISA untersucht und die Menge
an assoziiertem Insulin wird als Differenz davon abgeleitet. Die
Menge des an PV assoziierten Insulins ist größer als 0,77 mg, was mehr als
55% des gesamten beteiligten Insulins entspricht.
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Die
folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der Messungen des Assoziationsgrades, die
mit verschiedenen PV durchgeführt
wurden, zusammen. Der Assoziationsgrad drückt den Prozentsatz an assoziiertem
Insulin bezogen auf das verwendete Insulin in einer bei 1,4 mg/ml
titrierten Präparation
von Insulin und 10 mg/ml PV aus.
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Im
Vergleich dazu assoziiert Insulin nicht mit Natriumpolyglutamat.
Dieser vorbereitende Test dient zur Bestimmung des optimalen Gemischs
von PV und Insulin, um eine optimale Formulierung mit PV und Insulin mit
einem hohen Beladungsgrad zu erhalten.
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BEISPIEL 7 – DISSOZIIERUNG
UND CHARAKTERISIERUNG DES PROTEINS NACH DESSEN FORMULIERUNG MIT
PV (INSULIN)
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Eine
Formulierung wird ausgehend von PV und Insulin hergestellt, wobei
die Mengen jeweils entsprechend der Messungen des Assoziationsgrades
in Beispiel 6 bestimmt werden.
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Unter
Verwendung einer isotonischen Phosphatpufferlösung mit pH 7,4 wird eine Lösung von
menschlichem Insulin, titriert bei 2,8 mg/ml, entsprechend 80 IU/ml,
hergestellt. 56 mg des in Beispiel 1 hergestellten PV werden in
1 ml dieser Insulinlösung
dispergiert. Der pH-Wert und die Isotonizität werden, falls erforderlich, angepasst,
um eine Formulierung mit pH 7,4 und 280–300 mOs zu erhalten. Diese Präparation
wird in zunehmenden Volumina an isotonischer 0,5%-iger Rinderalbuminlösung verdünnt, gepuffert
bei pH 7,4 mit einem 0,01 M Phosphatpuffer. Der Anteil an freigesetztem
Insulin wird durch HCLP oder ELISA untersucht. Siehe beigefügte Figur.
Der freigesetzte Anteil steigt mit der Verdünnung an. Bei einer Verdünnung von
20 ist sämtliches Insulin
freigesetzt. Die Untersuchungen durch HPLC und ELISA zeigen, dass > 90% des Insulins in
dieser Formulierung assoziiert ist.
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BEISPIEL 8 – IN VIVO-TEST
MIT PV, DIE MIT EINEM THERAPEUTISCHEN PROTEIN (INSULIN) BELADEN SIND
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Eine
Formulierung wird unter Verwendung von PV und Insulin hergestellt,
wobei die Mengen jeweils gemäß den Messungen
des Assoziationsgrades in Beispiel 6 bestimmt werden.
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Eine
Gruppe von 4 Beagle-Hunden (männlich
und weiblich) mit einem Gewicht zwischen 10 und 12 kg werden für 18 Stunden
nüchtern
gehalten. Eine Zubereitung wird gemäß Beispiel 8 formuliert und
setzt sich aus 80 IU Insulin und 56 mg PV (hergestellt gemäß Beispiel
1) in 1 ml PBS-Puffer zusammen. Die Hunde erhalten dann eine subkutane
Verabreichung dieser Insulinpräparation
in einem Verhältnis
von 1 IU/kg Gewicht. Blutproben werden für einen Glukosetest und einen
Insulintest (–2
h, –1
h und 0 h) und (1 h, 2 h, 4 h, 6 h, 12 h, 16 h, 20 h, 24 h, 28 h,
32 h, 36 h, 40 h, 44 h, 48 h) nach Injektion entnommen. Die Glukosekonzentrationen werden
in den Proben unter Verwendung des Glukoseoxydase-Verfahrens gemessen
und das Seruminsulin wird unter Verwendung eines radioimmunologischen
Verfahrens untersucht.
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Die
beigefügte 1 zeigt
den Mittelwert der Entwicklung von Glukose und Seruminsulin als
eine Funktion der Zeit T in Stunden (h), für die gemäß Beispiel 1 hergestellten
PV. Die Kurve -•-
ist die von Insulinämie,
ausgedrückt
in internationalen Millieinheiten. Die Kurve -o- ist die von Glykämie, ausgedrückt in mmol/ml.
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Die
folgende Tabelle 3 zeigt die Ergebnisse der Wirkungsdauer von Insulin
in Gegenwart verschiedener PV gemäß den Beispielen 1–5.
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Dieses
Beispiel zeigt, dass Insulin in Gegenwart der erfindungsgemäßen PV nicht
denaturiert wird. Außerdem
erlaubt dieses Beispiel 8 es, die Erhöhung der Wirkungsdauer des
Insulins nachzuweisen und zeigt daher die Nützlichkeit der PV als Verzögerungssystem
für die
kontrollierte Freisetzung von Insulin. Es zeigt außerdem,
wie die Wirkungsdauer durch die sinnvolle Auswahl der hydrophoben
Gruppierung kontrolliert werden kann.