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Aufscblagzünder, insbesondere für Handgranaten An Aufschlagzündern
für Artilleriegeschosse, Handgranaten u. dgl. sind schon zeitlich wirkende Scharfmacheinrichtungen
vorgeschlagen worden; das sind Sicherungen, die, wenn sie in Gang gesetzt sind,
als Rohrsicherungen bei Geschossen oder als Wurfsicherungen bei Handgranaten den
Zünder erst nach einer bestimmten Zeit scharf, also zündfähig werden lassen. Hierbei
finden Zeitauslöser in Gestalt von abbrennbaren Pulverkörnern, Uhrwerken oder federkraftbewegten
und durch Luft- oder Flüssigkeitsbremsen in der Bewegung gedämpften Schiebern Verwendung,
die z. B. die Schlagvorrichtung für die Zündung zunächst mittels eines Sperrglieds
verriegelt halten, sodann nach einer bestimmten Zeit durch Ausrücken des Sperrglieds
die Schlagvorrichtung zur Zündbewegung beim Aufschlag gangbar machen. Oder die Zeitauslöser
arbeiten derart, daß sie einen der beweglichen Zünderteile aus einer Abseitsstellung
allmählich in die zur Herbeiführung einer Zündung beim Aufschlag erforderliche Bereitschaftsstellung
einführen.
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Die Erfindung sieht an derartigen Aufschlagziindern noch eine zusätzliche
Zeitsicherung vor, die den durch das Ablaufen der Scharfmacheinrichtung zündfähig
gewordenen Zünder nach einer bestimmten weiteren Zeitspanne wieder unscharf, also
zündungsunfähig macht. Diese Einrichtung bezweckt eine weitergehende Sicherheitsmaßnahme
in der Richtung, daß beispielsweise Geschoß.aufschlagzünder, die aus irgendwelchen
Gründen blindgegangen sind, nachträglich ohne Gefahr wieder angefaßt und gesammelt
werden können. Ganz besonders vorteilhaft erweist sich die Einrichtung für Hand-granatenzünder.
In Fällen, wo dem Werfer nach dem Ingangsetzen der Scharfmacheinrichtung des Zünders
die Handgranate unversehens vor dem Abwurf entfällt, wird der beim Aufprall auf
den Boden noch nicht scharfe Zünder zunächst wohl scharf werden, nach kurzer Zeit
hingegen wieder unscharf, womit eine nachherige Gefährdung durch die Handgranate
ausgeschlossen ist.
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Der Zeitauslöser für die Entschärfungseinrichtung kann ein chemischer
oder mechanischer nach Art der für die Scharfmacheinrichtungen bekannten sein; die
Entschärfungseinrichtung selbst kann in der Ausbildung der Scharfmachvorrichtung
ähnlich sein, also beispielsweise aus einem Sperrglied für die Schlagvorrichtung
bestehen, das aber im gegebenen Augenblick nicht wie dort ausgerückt, sondern aus
der Abseitsstellung in die Sperrlage selbsttätig eingerückt wird.
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Die Ablaufzeit der Zeitsicherung und damit der Zeitpunkt ihres Einfallens
zum
Wiederentschärfen des Zünders wird so abgestimmt, daß einmal
der Zünder der geworfenen Granate nach dem Scharfwerden mit Sicherheit bis zum Aufschlag
am Ende der größten vorgesehenen Flugzeit scharf bleibt, andererseits aber dieWiederentschärfung
sich Über diese Zeitspanne hinaus nur wenig ausdehnt, um für den obenerwähuten Fall
des vorzeitigen Entgleitens der Handgranaten beim Wurf die Zeit, während der der
Zünder scharf auf dem Boden liegt, möglichst kurz zu gestalten, wodurch andererseits
auch eine etwa vom Gegner zurückgeworfene Handgranate rechtzeitig wieder zündungsunfähig
werden wird.
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In einer für einfache und raumsparende Gestaltung besonders zweckmäßigen
Weise wird erfindungsgemäß die Steuerung der zeitlich wirkenden Scharfmach- und
der Entschärfungssicherung von einem gemeinsamen Zeitauslöser bewirkt, indem dieser
beispielsweise bei seinem Ablaufen zunächst einen die Schlagvorrichtung gesperrt
haltenden Riegel ausrückt, sodann nach einer bestimmten Laufzeit wieder einrückt.
Die eigentliche Zündvorrichtung kann eine der verschiedenen bekannten Arten sein,
beispielsweise derart, daß die Zündbewegung zwischen Zündnadel und Zündpille nur
durch eine beim Aufschlag des Zünders wirksam werdende Trägheitsmasse bewirkt wird
oder zur Steigerung der Empfindlichkeit des Zünders die Trägheitsmasse einen federbelasteten
Schlagbolzen auslöst.
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In dem nachstehend näher beschriebenen und in der Zeichnung im Längsschnitt
dargestellten Ausführungsbeispiel eines Handgranatenzünders nach der Erfindung ist
zugleich auch eine hochempfindliche und be; jeder Auftrefflage des Zünders mit Sicherheit
ansprecheüde Schlagbolzenauslösevorrichtung angegeben.
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Das Zünd@ergehäuse besteht aus der zylindrischen Hülse a, dem darin
eingeschraubten Bodenteil b und dem einschraubbaren Dekkel c von gleichem Innendurchmesser.
In einer Aussparung b1 des Bodenteils b sind symmetrisch zur Gehäuselängsachse zwei
mit ihrer Höhlung einander zugekehrte Kalotten d, d, um Stifte e, e1 schwenkbar
gelagert. Sie sind durch die Zahnbogen d., d3 gegenläufig derart miteinander gekuppelt,
daß beim seitlichen Ausschwingen der :einen Kalotte die andere zwangläufig in entgegengesetzterRichtung
geschwenkt wird. An den Zahnbogen d., d3 sitzen Nasen d4, d.. Diese hintergreifen
Schultern f,., f 2 eines im Bodenteil b verschieblich geführten Schlagbolzens f
und halten den letzteren entgegen der Wirkung der ihm eingelagerten Schlagbolzenfeder
g fest, die sich gegen einen Steg b2 des Bodenteils b abstützt. Der Schlagbolzen
f trägt die Zündnadel f3; dieser steht mit geringem Abstand die Zündpille
1a gegenüber.
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In dem von den beiden Kalotten d, d, gebildeten Hohlraum ruht eine
Kugel i. Als Sicherungsglied gegen Auseinanderschwenken der Kalotten d, d,
und damit gegen ein Auslösen des Schlagbolzens f ist in der Zünderhülse a und dem
darin eingeschraubten Dekkel c eine Büchse k verschieblich geführt. Diese umgreift
mit ihrem unteren Teil Vorsprünge de, dz der Kalotten d, d, und hält sie
dadurch fest. Eine Feder k, sucht die Büchse k nach oben zu drücken. Im vorderen
Teil der Büchse h liegt durch einen Zwischenboden h@ nach hinten abgeschlossen ein
ringförmig angeordneter Brandsatz Z, der durch einen mittels des Reibdrahtes m entzündbaren
Reibzündsatz 1i in Brand gesetzt wird. Der Reibdraht sie ist zugleich als Vorstecken
und Transportsicherung ausgebildet. Er tritt beiderseits durch die Wandung der Büchse
k hindurch in einen Ringhohlraum zwischen dem Deckel c und der Außenhülse a und
hält dadurch die Büchse k gegen eine Verschiebung nach beiden Richtungen fest. Das
nach außen führende Ende des Reibdrahts ,»v ist in bekannter Weise zur Schlaufe
gewunden. Die Durchtrittsöffnung nach außen für den Reibdraht in in der Hülse cc
ist nach oben zu einem offenen Schlitz a. verlängert, damit die Büchse k mitsamt
dem eingesetzten Bandsatz L und dem herausstehenden Reibdraht rrc von oben
in die Hülse a eingeführt werden kann.
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Beim- Werfen der Handgranate wird zunächst der Vorstecken in herausgezogen.
Dadurch wird der Zündsatz h entzündet, und der Brandsatz Z brennt allmählich ab.
Zugleich hat eine auf den Brandsatz drückende Blattfeder n die Büchse k entgegen
der Wirkung der Feder k. ruckartig etwas nach unten verschoben, so daß die durch
das Herausziehen des Vorsteckers frei gewordene Vorsteckerbohrung der Büchse k durch
Mantelteile der Hülse a nach außen «nieder abgedeckt ist. Die sich entwickelnden,
in der oberen Zünderkammer eingeschlossenen Brandgase des abbrennenden Brandsatzes
schieben die Büchsck unter weiterem Spannen der Feder k@ allmählich nach unten,
bis nach einer bestimmten Zeit Schlitze k3 in der Büchsenwandung vor die Nasen de,
a'; der Kalotten d, dl zu liegen kommen. Jetzt ist der Zünder der inzwischen geworfenen
Handgranate scharf. Während er im Verlauf der voraufgegangenen Scharfmachzeit gegen
Stöße unempfindlich war, genügt nunmehr schon ein mäßiger Beschleunigungs- oder
Verzögerungsruck, wie er beim Aufprall auf einen Gegenstand eintritt, die Auslösung
des Schlagbolzens zu bewirken,
indem durch den Ruck die als Trägheitsmasse
wirkendeKugel z bei jedem beliebig gerichteten Stoß die Kalotten d, dl auseinanderspreizt,
so daß deren Haltenasen d4, d" den Schlagbolzen freigeben. Dieser schnellt unter
der Federbelastung g gegen die Zündpille h vor, bringt sie zur. Entzündung und damit
die Sprengladung zur Detonation.
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Sollte aus irgendwelchen Gründen kurz. nach dem Scharfwerden ein Stoß
auf den Zünder nicht erfolgen, so bleibt der Zünder zunächst eine Zeitlang scharf
und wird' dann wieder unscharf. Die Gasentwicklung des Brandsatzes setzt sich nämlich
über den Äugenbl-ick des Scharfwerdens noch kurzzeitig fort, und die Büchse k bleibt
in ihrer niedergedrückten, entsichernden Lage. Ist der Brandsatz abgebrannt, so
drückt die Feder ki die Büchse k in ihre Ausgangslage zurück, wobei das in der vorderen
Zünderkammer befindliche Druckgas allmählich außen an der gegenüber der Hülsenwandung
a nicht völlig gasdicht schließenden Büchse i, vorbei nach außen entweicht. Die
Büchse verriegelt vermittels ihres unterenWandungsteils nach einer bestimmten Zeit
wieder die Kalotten d, ,dl, und der Zünder ist zündungsunfähig gemacht.
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Zur Erhöhung der damit bewirkten Sicherung kann noch eine besondere
Sperre vorgesehen sein, die die zunächst noch entgegen der Federbelastung k1 verschiebliche
Sicherungsbüchse k wieder fest mit dem Zündergehäuse verriegelt. Das geschieht im
gezeichneten Ausführungsbeispiel folgendermaßen: Da der Brandsatz l abgebrannt ist,
so vermag die Deckelfeder zi auf de Sicherungsbüchse k einen Rückdruck nicht mehr
auszuüben, und letztere wird über ihre Ausgangsstellung hinaus nach oben verschoben,
bis zwei federbelastete Springbolzen o der Büchse k in die zwischen der Deckelstirnfläche
und der Auskragung der Hülse a. gebildete Ringnut einschnappen.
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Der Brandsatz des Zeitauslösers wird so bemessen und die Abmessungen
der sichernden Teile der Büchse k werden so abgestimmt, daß beispielsweise bei dem
vorbeschriebenen Handgranatenzünder die Seharfwerdezeit nach dem Herausziehen des
Vorsteckers etwa bis 2ij_ Sekunden beträgt, der Zünder sodann weitere 2l/2 bis 3
Sekunden scharf ist und hierauf wieder unscharf wird, falls er nicht inzwischen
durch einen Stoß innerhalb der Scharfzeit zur Entzündung gebracht wurde. Besonders
vorteilhaft ist, d.aß der Zünder die Laufzeit der Scharfmach- und Entschärfung,seinrichtung
von deren Ingangsetzen ab bis zum endgültigen Wiederunscharfw,erden durch das teilweise,
absichtlich herbeigeführte Ausströmen von Brandgasen anzeigt. Entfällt dem Werfer
die Handgranate nach dem Herausziehen des Vorstekkers während des Scharfwerdens
unversehens und vorzeitig, so macht das Aufhören des Ausströmens von Brandgasen
aus dem Zünder mit Sicherheit und deutlich den Zeitpunkt erkennbar, von dem ab die
Granate ohne Gefahr wieder angefaßt werden kann.