DE4407230C2 - Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen in einem koksbeheizten Schachtofen - Google Patents
Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen in einem koksbeheizten SchachtofenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen in
einem koksbeheizten Schachtofen nach dem Oberbegriff des Anspruches 1.
Es ist bekannt, daß feste Stoffe, insbesondere auch feste Reststoffe, Hochöfen und Kupolöfen
sowohl von oben als Möllerbestandteil oder/und über die Windformen bzw. Düsen mittels
pneumatischer Förderung zugeführt werden. Diese Verfahrensweisen sind in vielen Fällen völ
lig ausreichend.
Organische Stoffe, insbesondere Plaste, dürfen jedoch mit dem Möller nicht zugeführt werden,
da die beim Absinken in der Möllersäule einsetzende allmähliche Erwärmung dazu führen
würde, daß giftige gasförmige Zerfallsprodukte entstehen und vom Gichtgas aufgenommen
würden. Die so entstehende Belastung des Gichtgases durch entsprechende Reinigungsverfah
ren zu beseitigen wäre unwirtschaftlich.
Alternativ ist es möglich derartige Reststoffe in einen feinkörnigen Zustand zu versetzen und
sie pneumatisch zu den Windformen bzw. Winddüsen zu fördern. Diese verfahrenstechnische
Lösung behebt die Nachteile der Zugabe mit dem Möller, da hinreichende Verweilzeiten in der
Hochtemperaturzone gewährleistet werden. Der Nachteil dieser Lösung besteht darin, daß es
für verschiedene feste Reststoffe, z. B. Shredderleichtfraktion, relativ aufwendig ist, diese in
einen feinkörnigen und pneumatisch förderfähigen Zustand zu versetzen.
Um diese Aufgabe zu lösen, wurde vorgeschlagen (B. Niemöller "Nutzung von Altkunststoffen
als Reduktionsmittel im Hochofenprozeß" Vortrag auf der Kunststoffrecycling-Umweltfach
konferenz, 10. u. 11. Mai 1993, Frankfurt/Main) mittels einer "degradativen Extrusion" die
festen organischen Reststoffe zu verflüssigen und anstelle von Heizöl an Hochöfen einzusetzen.
Zusätzlich entsteht dabei die vorteilhafte Möglichkeit der vorherigen Chlorabspaltung. Ein
Nachteil dieser Lösung besteht darin, daß sie verfahrenstechnisch und energetisch und damit
auch wirtschaftlich besonders aufwendig erscheint. Ferner muß mit nicht verflüssigbaren Rück
ständen gerechnet werden, die wiederum zu entsorgen wären. Erhöhte Anforderungen an die
zum Einsatz gelangenden Kunststoffe schränken die Anwendbarkeit dieser technischen Lehre
ein.
Aufgabe der Erfindung ist deshalb ein Verfahren zur Verwertung von festen Reststoffen in
einem koksbeheizten Schachtofen, das es ermöglicht, die festen Reststoffe, ohne diese vorher
in einen pneumatisch förderfähigen Zustand zu versetzen, direkt in die Hochtemperaturzone
des koksbeheizten Schachtofens einzuführen.
Die Aufgabe der Erfindung wird dadurch gelöst, daß die festen Reststoffe einem bekannten
koksbeheizten Schachtofen, in dessen Unterteil Düsen zur Zuführung eines sauerstoffhaltigen
Vergasungsmittels angeordnet sind, zugeführt werden, wobei die festen Reststoffe in bekannter
Weise verdichtet und zu einem Strang geformt werden und daß erfindungsgemäß der Strang
sowie zusätzliche pumpfähige Stoffe
mittels einer Rohrleitung der Hochtemperaturzone des Schachtofens durch eine der Düsen
oder in deren Bereich durch die Wand des Schachtofens zugeführt werden. Durch die erfindungs
gemäße Verfahrensweise wird erreicht, daß der Strang, sobald er aus der Rohrleitung austritt,
insbesondere durch die Strahlungswärme erhitzt wird und an der Oberfläche die aus dieser
Erhitzung und/oder der Anwesenheit von Sauerstoff resultierenden Vorgänge wie Vergasung,
Verbrennung, Schmelzen, Verdampfung stattfinden. Dabei wird durch entsprechende Dimen
sionierung des Rohrquerschnittes erreicht, daß der Strang mit einer Geschwindigkeit austritt,
die der Umsetzung des Stranges dank der aufgeführten Vorgänge entspricht. Somit wird
gewährleistet, daß die mit dem Strang zugeführten Reststoffe, insbesondere organische Rest
stoffe, mit hinreichender Zeitdauer hohen Temperaturen ausgesetzt sind, die den vollständigen
Abbau der organischen Reststoffe garantieren.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird dadurch vorteilhaft ausgestaltet, daß der Strang in
Abhängigkeit vom Volumenstrom des sauerstoffhaltigen Vergasungsmittels dosiert wird.
Dadurch wird erreicht, daß die Intensität der Zuführung des Stranges der Intensität der Prozes
se in dem Schachtofen angepaßt wird, da es sich zeigt, daß diese Intensität wesentlich vom
Volumenstrom des sauerstoffhaltigen Vergasungsmittels bestimmt wird.
Eine besonders effiziente Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, daß
der Strang im Verlaufe seiner Bewegung zum Schachtofen, zweckmäßigerweise unmittelbar
nach der Bildung des Stranges, einer Querschnittsvergrößerung unterzogen wird. Dadurch
wird erreicht, daß, insbesondere dann, wenn während des Betriebes des Schachtofens die
Zuführung des Stranges unterbrochen wird, ein dichter Verschluß der Rohrleitung gegen aus
dem Schachtofen in die Rohrleitung eindringendes Gas gewährleistet wird, da infolge des ent
stehenden Differenzdruckes der Strang entgegen seiner Flußrichtung in den durch die z. B.
konische Querschnittsvergrößerung ausgebildeten Sitz gepreßt wird.
Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird erreicht,
indem der Strang durch eine Rohrleitung mit gegenüber dem Strangquerschnitt vergrößerter
Querschnittsfläche geführt wird. Durch diese Verfahrensweise wird erreicht, daß die Reibung
zwischen Strang und Rohrleitung minimiert wird. Diese Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird zweckmäßig in dem Teil der Rohrleitung zur Anwendung kommen, in dem
der Strang in hinreichendem Maße nicht mehr plastisch verformbar ist.
Dadurch, daß der Rohrleitung zusätzlich pump
fähige Stoffe zugeführt werden, wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
die Reibung zwischen Strang und Rohrleitung herabgesetzt. Außerdem wird dadurch ein
zusätzlicher Energieeintrag in den Schachtofen oder/und die Entsorgung eines flüssigen Rest
stoffes zusätzlich ermöglicht.
Ferner ist es vorteilhaft, wenn gasförmige oder flüssige Stoffe in den Bereich der Zuführung des
Stranges in die Hochtemperaturzone des Schachtofens mittels einer die Austrittsöffnung der Rohr
leitung umschließenden Ringdüse eingeblasen werden. Durch diese Verfahrensweise wird
ermöglicht, auf Veränderungen der Zusammensetzung der mit dem Strang zugeführten Rest
stoffe, so sie durch Veränderungen der Parameter des Schachtofenprozesses erkennbar sind,
unverzüglich und mit unverzüglicher Wirkung ausgleichend zu reagieren.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird weiterhin erreicht,
indem Sauerstoff in den Bereich der Zuführung des Stranges in die Hochtemperaturzone des Schacht
ofens mittels einer die Austrittsöffnung der Rohrleitung umschließenden Ringdüse eingeblasen
wird. Dadurch wird es möglich, den für Verbrennungs- oder Vergasungsprozesse erforderli
chen Sauerstoff dort zur Verfügung zu stellen wo er unmittelbar einer Reaktion zugeführt
wird. Ferner wird durch eine entsprechende Dosierung des Sauerstoffes die Vollständigkeit der
Verbrennung beeinflußt.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird anhand des nachfolgenden Ausführungsbeispiels näher
erläutert.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung des unteren Teiles eines koksbeheizten Kupol
ofens, der mit Winddüsen 1 ausgestattet ist. Unmittelbar vor den Winddüsen 1, die aus einer
Heißwindringleitung 2 über Heißwindstichleitungen 3 mit Heißwind versorgt werden, bildet
sich die Schmelzzone 4 aus. Eine Rohrleitung 5 wird, wie Fig. 2 zeigt, zur Winddüse 1 durch
die Wand der Heißwindstichleitung 3 geführt und endet im Austrittsquerschnitt der Winddü
se 1.
Mittels der Rohrleitung 5 wird Shredderleichtfraktion aus einem Bunker 6 zugeführt. Zu die
sem Zweck ist im Bunkerauslauf 7 ein Schneckenförderer 8 angeordnet, der die Shredder
leichtfraktion in die Rohrleitung 5 drückt. Es können hierfür auch vorteilhaft andere technische
Mittel zur Verdichtung fester Stoffe, wie z. B. eine Kolbenpresse, zum Einsatz kommen. Die
Shredderleichtfraktion wird mittels der Rohrleitung 5 dem Austrittsquerschnitt der Winddüse 1
zugeführt. Hier tritt die Shredderleichtfraktion aus und wird durch die in der Schmelzzone 4
herrschenden hohen Temperaturen stark erhitzt. Dank der Anwesenheit des Sauerstoffes aus
dem Heißwind findet eine thermische und chemische Zersetzung zu einfachen chemischen
Verbindungen oder elementaren Stoffen statt, die entweder in die Schlacke des Kupolofenpro
zesses eingebunden werden oder in das Gichtgas übergehen. Zur Beeinflussung dieses Prozes
ses, insbesondere um Schwankungen in der Zusammensetzung der Shredderleichtfraktion aus
zugleichen, werden in Ringkanälen 9 und 10 Erdgas bzw. Sauerstoff dem Austrittsquerschnitt
der Rohrleitung 5 zugeführt. Fig. 3 zeigt eine unmittelbar nach dem Schneckenförderer 8
angeordnete konische Matrize 11, in der sich der infolge der Verdichtung erhitzte plastische
Strang auf einen größeren Durchmesser ausdehnt. Kommt es zum Stillstand des Schneckenför
derers, so kühlt sich der Strang an dieser Stelle ab. Durch die Druckdifferenz zwischen Heiß
wind und Bunker 6 anstehender Heißwind kann nicht zum Bunker strömen, da dies durch den
konischen Sitz des Stranges in der Matrize verhindert wird. Weiterhin zeigt Fig. 3 eine in der
Rohrleitung 5 angeordnete Querschnittsvergrößerung 12 und einen nachfolgenden Stutzen 13
zur Zuführung von Altöl. Beide Maßnahmen dienen dazu, den Reibungswiderstand des Stran
ges in der Rohrleitung zu verringern. Sie sind dort in der Rohrleitung 5 angeordnet, wo der
Strang infolge Abkühlung erstarrt ist. Es kann erforderlich sein, zwischen der Matrize und der
Querschnittsvergrößerung 12 die Rohrleitung 5 zu kühlen, um mit Sicherheit zu erreichen, daß
an der Querschnittsvergrößerung 12 der Strang erstarrt ist.
Bezugszeichenliste
1 Winddüsen
2 Heißwindringleitung
3 Heißwindstichleitungen
4 Schmelzzone
5 Rohrleitung
6 Bunker für Shredderleichtfraktion
7 Bunkerauslauf
8 Schneckenförderer
9 Ringkanal zur Zuführung von Erdgas
10 Ringkanal zur Zuführung von Sauerstoff
11 konische Matrize
12 Querschnittsvergrößerung
13 Stutzen zur Zuführung von Altöl
2 Heißwindringleitung
3 Heißwindstichleitungen
4 Schmelzzone
5 Rohrleitung
6 Bunker für Shredderleichtfraktion
7 Bunkerauslauf
8 Schneckenförderer
9 Ringkanal zur Zuführung von Erdgas
10 Ringkanal zur Zuführung von Sauerstoff
11 konische Matrize
12 Querschnittsvergrößerung
13 Stutzen zur Zuführung von Altöl
Claims (6)
1. Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen
in einem koksbeheiztem Schachtofen, in dessen Unterteil
Düsen zur Zuführung eines sauerstoffhaltigen Vergasungsmittels
angeordnet sind, wobei die festen Reststoffe
verdichtet und zu einem Strang geformt werden, dadurch
gekennzeichnet, daß mittels einer Rohrleitung, der Strang
sowie zusätzlich pumpfähige Stoffe der Hochtemperaturzone
des Schachtofens durch eine der Düsen, oder in deren
Bereich, durch die Wand des Schachtofens zugeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß der Strang in Abhängigkeit
vom Volumenstrom des sauerstoffhaltigen Vergasungsmittels
dosiert wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß mittels einer in der Rohrleitung
angeordneten, sich in Flußrichtung des Stranges im
Querschnitt erweiterten Matrize der Strang beim Austritt
aus der Matrize mit einem größeren Querschnitt, als beim
Eintritt in die Matrize ausgebildet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß der Strang durch eine Rohrleitung
mit sich vergrößernder Querschnittsfläche geführt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß gasförmige oder flüssige
Stoffe in den Bereich der Zuführung des Stranges in die
Austrittsöffnung der Rohrleitung umschließenden Ringdüse
eingeblasen werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß Sauerstoff in den Bereich der
Zuführung des Stranges in die Hochtemperaturzone des
Schachtofens mittels einer die Austrittsöffnung umschließenden
Ringdüse eingeblasen wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19944407230 DE4407230C2 (de) | 1994-03-04 | 1994-03-04 | Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen in einem koksbeheizten Schachtofen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
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| DE19944407230 DE4407230C2 (de) | 1994-03-04 | 1994-03-04 | Verfahren zur stofflichen Verwertung von festen Reststoffen in einem koksbeheizten Schachtofen |
Publications (2)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4407230A1 DE4407230A1 (de) | 1995-09-07 |
| DE4407230C2 true DE4407230C2 (de) | 1996-06-05 |
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