DE4238997A1 - Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkörpern durch Formpressen oder Fließpressen - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkörpern durch Formpressen oder FließpressenInfo
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- B—PERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
- B29—WORKING OF PLASTICS; WORKING OF SUBSTANCES IN A PLASTIC STATE IN GENERAL
- B29B—PREPARATION OR PRETREATMENT OF THE MATERIAL TO BE SHAPED; MAKING GRANULES OR PREFORMS; RECOVERY OF PLASTICS OR OTHER CONSTITUENTS OF WASTE MATERIAL CONTAINING PLASTICS
- B29B11/00—Making preforms
- B29B11/06—Making preforms by moulding the material
- B29B11/12—Compression moulding
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- Mechanical Engineering (AREA)
- Casting Or Compression Moulding Of Plastics Or The Like (AREA)
- Shaping By String And By Release Of Stress In Plastics And The Like (AREA)
- Processing And Handling Of Plastics And Other Materials For Molding In General (AREA)
Description
Poly-L-Lactid, Poly-D-Lactid sowie deren Copolymere
sind bekannt. Es sind kompostierbare Polymere, bei
deren Verrottung keine naturfremden Abbauprodukte, son
dern nur Biomasse sowie Kohlendioxid entstehen. Auf
grund dieses Verhaltens hat Polylactid ein großes Po
tential, besonders im Verpackungsbereich
Polylactide können außerdem vollständig aus nachwach
senden Rohstoffen hergestellt werden: L-Lactid, D-Lac
tid, DL-Lactid oder Mischungen davon werden aus Milch
säure erhalten und zu hochmolekularen Produkten ring
öffnend und unter Erhalt des asymmetrischen Kohlen
stoffatoms polymerisiert.
Die homopolymeren D- und L-Lactide weisen Schmelzpunkte
um 175°C auf, der Zug-E-Modul liegt bei Raumtemperatur
bei 3000 N/mm2 , wobei die Gewichtsmittel der Molmassen
50 000 bis 200 000 g/Mol betragen. Die Glasübergangs
temperatur liegt bei 50°C.
Allerdings weisen Polylactide für die übliche Spritz
gießverarbeitung einen Nachteil auf: Sie kristalli
sieren so langsam, daß Kühlzeiten bis zu mehreren Minu
ten erforderlich sind, um teilkristalline Formkörper
mit entsprechender Formbeständigkeit oberhalb der Glas
übergangstemperatur zu erhalten. Die lange Kühlzeit
wird auch benötigt, um ein Kleben in der Form zu ver
meiden.
Polylactide können - wie die meisten Polymeren - durch
eindimensionale Orientierung zugfester gemacht werden
(DE 16 42 112, DE 16 42 111, DE 14 92 427). Dabei
werden Fasern extrudiert und bei Temperaturen von 60
bis 150°C bis zum Zehnfachen der ursprünglichen Länge
verstreckt.
Derartige Fasern werden gewöhnlich als chirurgisches
Nahtmaterial verwendet.
Es ist auch bekannt, extrudierte Profile (DE 39 39 363)
bei 105 bis 160°C zu strecken. Auch die Herstellung von
Schrauben, Stiften und Rohren höherer Längsfestigkeit
durch Verstrecken von Polylactiden ist beschrieben
(EP 321 176). Derart hergestellte Teile werden als bio
logisch abbaubare Prothesenteile eingesetzt.
Anders als bei eindimensional verstreckten und belaste
ten Teilen treten beim Herstellen mehrdimensional zu
belastender Teile wie Folien oder Hohlkörpern ernste
Probleme dadurch auf, daß die Festigkeit senkrecht zur
Verstreckrichtung infolge der molekularen Orientierung
leidet, so daß die Teile bei Belastung senkrecht zur
Verstreckrichtung auseinanderbrechen oder aufspleißen.
Dieser Nachteil wird durch die erfindungsgemäßen mehr
dimensionalen Fließorientierungen in vorteilhafter
Weise behoben.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Her
stellung von komplexen Formkörpern zu finden, das Poly
lactid-Formteile oder Halbzeug herzustellen erlaubt mit
einer Formbeständigkeit von über 50°C und unter kurzen
Kühlzeiten in der Form.
Die Aufgabe wird gelöst, indem man Polylactide durch
Formpressen oder Fließpressen verarbeitet, wobei die
Masse in einem Temperaturbereich von 60 bis 150°C in
mehreren Richtungen fließt und orientiert wird und
spontane Kristallisation eintritt. Die Kristallisation
findet also in Bruchteilen von Sekunden statt, während
sie ohne Anwesenheit von Fließen und Orientierung im
Bereich von Minuten stattfindet.
Damit werden die erwünschten kurzen Zykluszeiten sowie
die erhöhten Wärmeformbeständigkeiten erhalten. Zusätz
lich findet man erhöhte Steifigkeiten in Richtung von
Vorzugsorientierungen sowie erhöhte Lösemittelbestän
digkeiten.
Zum Formpressen oder Fließpressen werden über Extrudie
ren oder Spritzgießen bei Abkühlung der Schmelze auf
unter 30°C amorphe Vorformlinge oder amorphes Halbzeug
hergestellt.
Diese amorphen Verformlinge oder das amorphe Halbzeug
wird auf Temperaturen von 60 bis 150°C innerhalb von 1
bis 3 min. erhitzt. Die Temperierbedingungen werden so
eingestellt, daß das Material gerade nicht kristalli
siert. Die Erwärmung kann über elektrische Wärmestrah
ler wie auch durch Kontaktierung mit einer Heizflüssig
keit wie Wasser, Ethylenglykol, Glycerin oder hochsie
dendem Petroleumbenzin oder durch einen Warmluftstrom
erfolgen.
Sodann wird das Halbzeug in eine Form mit einer Tempe
ratur von 60 bis 150°C, vorzugsweise der gleichen Tem
peratur wie der des Halbzeugs gebracht und die Form
danach geschlossen. Dabei wird die Masse des Halbzeugs
gerade so gewählt, daß das fertige Formteil die Form
gerade ausfüllt. Dabei wird die Erhöhung der Dichte
infolge Kristallisation berücksichtigt.
Während der Verformung des Halbzeugs fließt dieses in
verschiedene Richtungen, wobei es entsprechend orien
tiert wird und bis zu Anteilen um 80% kristallisiert.
Das fertige Formteil kann der Form innerhalb weniger
Sekunden entnommen werden.
Die erfindungsgemäße Verarbeitung von Polylactid er
laubt die Herstellung komplexer Gegenstände mit hoher
Wärmeformbeständigkeit sowie hoher Lösemittelbeständig
keit innerhalb wirtschaftlicher kurzer Taktzeiten.
In den nachstehenden Beispielen wird ein Poly-L-Lactid
mit einer inhärenten Viskosität von 1,59 eingesetzt,
gemessen als 0,1%ige Lösung in Chloroform bei 25°C.
Die amorphe Dichte des Materials, gemessen an einem ab
geschreckten Spritzgießteil, Formtemperatur 20°C, be
trägt 1,25 g/cm3.
Vor der Verarbeitung wurde das Material jeweils bei
120°C 15 bis 20 h bei einem Druck kleiner als 10 mbar
vorgetrocknet.
Die Verarbeitung selbst erfolgte jeweils unter Argon-
Abdeckung, um einen Molmassenabbau durch Oxidation
und/oder Hydrolyse zu vermeiden. In allen Beispielen
betrug die Schmelzetemperatur 205°C.
In der Plastifiziereinheit einer Spritzgießmaschine
wird Polylactid aufgeschmolzen und danach in eine Form
zur Herstellung von Bechern, unterer Durchmesser 45 mm,
oberer Durchmesser 58 mm, Höhe 56 mm, Wanddicke 1,5 mm
gespritzt. Der Becher wiegt 20,4 g. Die Formoberflä
chentemperatur wird zwischen 90 und 130°C variiert. Die
kürzeste Entformungszeit beträgt 4,1 min. bei einer
Formoberflächentemperatur von 110°C. In mittlerer Höhe
wird ein kristalliner Anteil von ca. 20% gemessen als
Quotient der Fläche des kristallinen Röntgenpeaks zur
Gesamtfläche. Der E-Modul beträgt 2900 N/mm2.
In der Plastifiziereinheit einer Spritzgießmaschine
wird Polylactid aufgeschmolzen und danach in eine auf
20°C gekühlte Form gespritzt, um nach 20 sec. Zyklus
zeit einen scheibenförmigen amorphen Vorformling mit
37,3 mm Durchmesser, 15 mm Höhe und 20,5 g Gewicht zu
erhalten.
Der Vorformling wird in siedendem Wasser innerhalb von
30 sec. auf 100°C erhitzt. Sodann wird er in der Mitte
eines auf 100°C temperierten Gesenks einer Presse pla
ziert. Anschließend wird der Stempel, ebenfalls auf
100°C temperiert, heruntergefahren, um ein Formteil
entsprechend dem Becher aus Beispiel 1 zu erhalten.
Nach 5 sec. wird die Presse geöffnet und der Becher
ohne Kleben entnommen. Der kristalline Anteil in mitt
lerer Becherhöhe als Verhältnis der Fläche des kristal
linen Peaks der Röntgenbeugung zur Gesamtfläche beträgt
ca. 45%, der E-Modul an dieser Stelle beträgt ca.
3900 N/mm2.
Claims (2)
1. Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkör
pern, dadurch gekennzeichnet, daß man ein amorphes
Polylactid-Halbzeug oder einen kompakten amorphen
Vorformling auf 60 bis 150°C erwärmt, wobei der
Vorformling amorph bleibt, gefolgt von einem Fließ
preßvorgang in einem ebenfalls auf 60 bis 150°C
temperierten Werkzeug, wobei das Polylactid mehr
achsig fließt und dadurch orientiert und kristalli
siert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß Vorformling oder Halbzeug und Werkzeug die
gleiche Temperatur aufweisen.
Priority Applications (4)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19924238997 DE4238997A1 (de) | 1992-11-19 | 1992-11-19 | Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkörpern durch Formpressen oder Fließpressen |
| JP6511731A JPH08502935A (ja) | 1992-11-19 | 1993-11-18 | 圧縮成形またはフローモールディングによるポリラクチド成形体の製造方法 |
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Applications Claiming Priority (1)
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|---|---|---|---|
| DE19924238997 DE4238997A1 (de) | 1992-11-19 | 1992-11-19 | Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkörpern durch Formpressen oder Fließpressen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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Family
ID=6473242
Family Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE19924238997 Withdrawn DE4238997A1 (de) | 1992-11-19 | 1992-11-19 | Verfahren zur Herstellung von Polylactid-Formkörpern durch Formpressen oder Fließpressen |
Country Status (4)
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| WO (1) | WO1994011173A1 (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2006131973A1 (ja) * | 2005-06-09 | 2006-12-14 | Sumitomo Heavy Industries, Ltd. | 射出成形品の成形装置及び成形方法 |
Families Citing this family (1)
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| US9732184B2 (en) | 2014-07-29 | 2017-08-15 | W. L. Gore & Associates, Inc. | Process for producing articles formed from polylactic acid and articles made therefrom |
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-
1992
- 1992-11-19 DE DE19924238997 patent/DE4238997A1/de not_active Withdrawn
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- 1993-11-18 JP JP6511731A patent/JPH08502935A/ja active Pending
- 1993-11-18 EP EP94901813A patent/EP0669866A1/de not_active Withdrawn
- 1993-11-18 WO PCT/EP1993/003225 patent/WO1994011173A1/de not_active Ceased
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| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2006131973A1 (ja) * | 2005-06-09 | 2006-12-14 | Sumitomo Heavy Industries, Ltd. | 射出成形品の成形装置及び成形方法 |
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| EP0669866A1 (de) | 1995-09-06 |
| WO1994011173A1 (de) | 1994-05-26 |
| JPH08502935A (ja) | 1996-04-02 |
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