DE4224114A1 - Verfahren und Mittel zur oxidativen Zerstörung von Aziden - Google Patents
Verfahren und Mittel zur oxidativen Zerstörung von AzidenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft Verfahren und Mittel zur oxidativen
Zerstörung von Aziden, insbesondere zur Entsorgung von Azid
enthaltenden Lösungen aus dem Bereich der klinischen Chemie,
wie sie z. B. im Rahmen der Diagnostik im Laboratorium anfal
len.
Zum Konservieren von wäßrigen Lösungen in diagnostischen
Testsätzen wird fast ausschließlich Natriumazid verwendet.
Auf die Problematik der Vernichtung von Aziden aus Abfällen
wird in der Literatur hingewiesen; es sind jedoch keine
brauchbaren Lösungen für dieses Problem aus dem Stand der
Technik bekannt. In US 3,768,865 wird vorgeschlagen, mit Azid
belastete Salzlösungen in unterirdischen Kavernen zu lagern,
bis sie im wesentlichen frei von Azid sind, und die Lösungen
dann wieder an die Erdoberfläche zu pumpen. In J. Chem. Educ.
62, 93 (1985) wird ausgeführt, daß die Oxidation mit Cer(IV)
ammoniumsulfat eine häufig beschriebene Methode zur Vernich
tung anorganischer Azide ist, die Reaktion jedoch extrem
langsam abläuft und nicht befriedigend ist.
Es gibt bisher keine geeignete Methode zur Entsorgung von
Azid in Abfällen. Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe
zugrunde, Mittel und Verfahren zur Verfügung zu stellen, die
die beschriebenen Nachteile vermeiden und eine die Umwelt
schonende Zerstörung von Aziden erlauben, d. h. die keine
schädlichen Abbauprodukte liefern.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zu oxidativen
Zerstörung von Aziden, das dadurch gekennzeichnet ist, daß
die zu entsorgenden Azid enthaltenden Lösungen mit einer
Jod/Jodid-Lösung in Gegenwart von Thiosulfat behandelt wer
den.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Mittel zur
oxidativen Zerstörung von Aziden, gekennzeichnet durch
Jod/Jodid- und Thiosulfat enthaltende Tabletten, sowie dessen
Verwendung zur Entsorgung von Aziden, vorzugsweise in
Lösungen aus dem Bereich der klinischen Chemie.
Die Oxidation von Stickstoffwasserstoffsäure mit Jod in
Gegenwart von etwas Thiosulfat als Katalysator führt die
Säure quantitativ in Stickstoff über. Diese Reaktion war
bisher zur Analyse von Stickstoffwasserstoffsäure bekannt.
Sie hat jedoch keinen Eingang gefunden in das seit langem
bestehende Bedürfnis der unschädlichen Entsorgung von Aziden.
Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß das erfindungs
gemäße Verfahren auch bei äußerst geringen Konzentrationen
von Azid im Überschuß von Serumbestandteilen und Puffersub
stanzen wirksam ist. Das läßt darauf schließen, daß das Azid
sehr schnell reagiert, noch bevor das Jod durch andere oxi
dierbare Serumbestandteile aufgebraucht ist.
Das Verfahren nach der Erfindung wird so durchgeführt, daß
man zur Azid enthaltenden Abfallösung zunächst eine kata
lytische Menge Natriumthiosulfat und anschließend eine
Jodlösung bis zur dauerhaften Färbung hinzugibt.
Überschüssiges Jod kann nach einer bestimmten Einwirkungszeit
mit Thiosulfat oder anderen Reduktionsmitteln wie Metabisul
fit, Dithionit, Ascorbinsäure, in Jodid überführt werden. Die
Oxidation mit Jod ist völlig unabhängig vom pH-Wert, sie wird
jedoch vorzugsweise in gepufferten Systemen durchgeführt. Der
pH-Wert der zu entsorgenden Lösungen liegt vorzugsweise im
Bereich von pH 6 bis pH 9.
Als Jodlösung wird eine wäßrige Lösung von Jod und Kaliumjo
did im Gewichtsverhältnis von etwa 2 : 1 eingesetzt. Dieses
Verhältnis ist jedoch nicht kritisch und kann in einem weiten
Bereich variiert werden. Die einzusetzende Jodkonzentration
ist abhängig vom Gehalt an oxidierbaren Substanzen in der
Abfallösung. Da zur Vernichtung von einem Mol Natriumazid
0,5 Mol Jod (J2 ) verbraucht werden, sind 126,9 g Jod die
minimale Konzentration, die dazu erforderlich ist. Die Azid
konzentrationen im Abfall bewegen sich in der Regel in der
Größenordnung von wenigen mmol, so daß entsprechend geringe
Mengen an Jod erforderlich sind.
Jod/Kaliumjodid als auch Natriumthiosulfat werden vorzugs
weise in Form von Tabletten eingesetzt. Eine Jod/Kaliumjodid-
Tablette zur Entsorgung von 1 l Azid enthaltendem Abfall
enthält z. B. 1 g Jod und 0,5 g Kaliumjodid neben üblichen
Tablettierhilfsmitteln wie Polyethylenglykol, Magnesiumsul
fat, Magnesiumcarbonat, Mannit, Sorbit, Methylzellulose,
Calciumstearat usw. Die Natriumthiosulfatkonzentration liegt
bei etwa 0,1 bis 1 Gew.-% der Jodkonzentration. Es ist auch
möglich, Jodid zusammen mit Thiosulfat zu verpressen.
Aufgrund der Tatsache, daß Jod antiseptisch, bakterizid,
sporizid, fungizid und viruzid wirkt und in der Hauptsache
Abfälle von Körperflüssigkeiten entsorgt werden müssen,
ergibt sich der zusätzliche Vorteil, daß mit dem erfindungs
gemäßen Mittel nicht nur das Azid zerstört wird, sondern auch
alle Keime abgetötet werden.
Die Abfallösung aus einem Analysengerät enthält 4,89 mmol/l
Natriumazid. Zu einem ml dieser Lösung werden 200 µl einer
0,1%igen wäßrigen Natriumthiosulfatlösung und 1 ml einer
0,2%igen wäßrigen Lösung aus Jod (7,88 mmol/l) und Kaliumjo
did (7,88 mmol/l) hinzugegeben.
Nach einer Inkubationszeit von 15 Minuten wird Natrium
thiosulfatlösung bis zur vollständigen Entfärbung der Lösung
hinzugegeben. Die anschließende Messung der Natriumazidkon
zentration zeigt, daß noch 1,5 µmol Natriumazid intakt sind.
Zur gleichen Abfallösung wie in Beispiel 1 werden 20 µl der
wäßrigen 0,1%igen Natriumthiosulfatlösung und 1 ml einer
0,4%igen wäßrigen Lösung aus Jod und Kaliumjodid hinzugegeben.
Nach einer Inkubationszeit von 15 Minuten und der
anschließenden Entfärbung der Lösung ist kein Natriumazid
mehr nachweisbar. Wenn anstelle der Natriumthiosulfatlösung
eine Lösung von Natriummetabisulfit, Natriumdithionit oder
Ascorbinsäure zur Entfärbung eingesetzt wird, ändert das
nichts am Ergebnis.
Zu einer Natriumazid enthaltenden Abfallösung werden folgende
Tabletten hinzugegeben:
Die 1. Tablette enthält
8,00% Kaliumjodid
0,09% Natriumthiosulfat
48,81% basisches Magnesiumcarbonat
40,00% Magnesiumsulfat
0,10% Calciumstearat
3,00% Talcum.
8,00% Kaliumjodid
0,09% Natriumthiosulfat
48,81% basisches Magnesiumcarbonat
40,00% Magnesiumsulfat
0,10% Calciumstearat
3,00% Talcum.
Die 2. Tablette enthält
52,7 g Polyethylenglykol 400
8,3 g Polyethylenglykol 4000
16,9 g Polyethylenglykol 6000
10,0 g Jod
10,0 g Wasser.
52,7 g Polyethylenglykol 400
8,3 g Polyethylenglykol 4000
16,9 g Polyethylenglykol 6000
10,0 g Jod
10,0 g Wasser.
Nach einer Inkubationszeit von ca. 15 Minuten wird gegebenen
falls mit einer Natriumthiosulfatlösung oder einer Tablette, die
im wesentlichen Natriumthiosulfat enthält, entfärbt.
Analog Beispiel 3 werden folgende Tabletten eingesetzt:
Die 1. Tablette enthält
0,09% Natriumthiosulfat
52,81% basisches Magnesiumcarbonat
44,00% Magnesiumsulfat
0,10% Calciumstearat
3,00% Talcum.
0,09% Natriumthiosulfat
52,81% basisches Magnesiumcarbonat
44,00% Magnesiumsulfat
0,10% Calciumstearat
3,00% Talcum.
Die 2. Tablette enthält
52,7 g Polyethylenglykol 400
8,3 g Polyethylenglykol 4000
16,9 g Polyethylenglykol 6000
10,0 g Jod
5,0 g Kaliumjodid
10,0 g Wasser.
52,7 g Polyethylenglykol 400
8,3 g Polyethylenglykol 4000
16,9 g Polyethylenglykol 6000
10,0 g Jod
5,0 g Kaliumjodid
10,0 g Wasser.
Claims (5)
1. Verfahren zur oxidativen Zerstörung von Aziden, dadurch
gekennzeichnet, daß die zu entsorgenden Azid enthaltenden
Lösungen mit einer Jod/Jodid-Lösung in Gegenwart von
Thiosulfat behandelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Azid enthaltenden Lösungen mit Jod/Jodid- und mit
Thiosulfat-enthaltenden Tabletten versetzt werden.
3. Mittel zur oxidativen Zerstörung von Aziden, gekennzeich
net durch Jod/Jodid- und Thiosulfat enthaltende Tablet
ten.
4. Mittel nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Jod/Jodid enthaltende Tablette Jod und Kaliumjodid im
Gewichtsverhältnis 2 : 1 enthält.
5. Verwendung des Mittels nach den Ansprüchen 3 und 4 zur
Entsorgung von Aziden in Lösungen aus dem Bereich der
klinischen Chemie.
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