DE4206007A1 - Hochtemperatur-sinterhilfsmittel - Google Patents
Hochtemperatur-sinterhilfsmittelInfo
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Description
In der Pulvermetallurgie bezeichnet man als Sintern eine Wärmebehandlung von zuvor
gepreßtem, geschüttetem oder gewalztem Metallpulver bei Temperaturen, die entweder
unterhalb der absoluten Schmelztemperatur für reine Metalle und bei Mischungen einer
Temperatur dicht unter dem Schmelzpunkt der am höchsten schmelzenden Pulverart
entsprechen.
Bei hohen Temperaturen setzen Diffusionsvorgänge ein, bei welchen die einzelnen
Teilchen an ihren Berührungsstellen zusammenwachsen. Die Sintertemperaturen liegen
z. T. bei 1300-1600°C, je nach Pulverzusammensetzung.
In der Keramik führt das Sintern zur Verdichtung und Härtung einer geformten Rohmasse
oder - bei technischer oder sog. High-Tech-Keramik - zu einer Phasenreaktion an den
Kornoberflächen, danach zu einer Oberflächendiffusion längs der Korngrenzen und
schließlich zur Sammelkristallisation.
Beim sog. Schmelzsintern werden die Rohstoffe bis zum Erreichen einer eutektischen
Schmelze erhitzt.
Zum Sintern werden sog. Brenn- oder Sinterhilfsmittel benötigt. Das sind Unterlagen
und/oder Stützen, die während des Hochtemperatur-Sinterprozesses dem Sintergut eine
Auflage dergestalt gewähren, daß während des Durchschreitens der Erweichungs- bzw.
Schmelztemperatur einzelner Metallpulver- bzw. keramischer Komponenten, das
Sintergut seine geometrische Gestalt behält.
Sinterunterlagen müssen daher nicht nur eine sehr hohe Temperaturbeständigkeit, d. h.
auch bei hohen Temperaturen eine hohe mechanische Stabilität aufweisen, sondern auch
hohe Anforderungen im Hinblick auf Wärmeleitfähigkeit und Temperaturwechselbeständigkeit
erfüllen. Außerdem sollen sie einen niedrigen Wärmeausdehnungskoeffizienten
besitzen und sich nicht an den bei hohen Temperaturen einsetzenden Diffusions- und
Reaktionsprozessen des jeweiligen Sintergutes beteiligen.
Gute Erfahrungen liegen mit solchen Sinterunterlagen auf Graphit-, Siliciumcarbid- oder
Cordieritbasis vor. Allerdings ist Cordierit nur bis ca. 1350°C einsetzbar, Siliciumcarbid
ist bis 1500°C in oxidierender, in neutraler und schwach reduzierender Atmosphäre bis
1700°C, einsetzbar.
Alle der angeführten, geeigneten Sinterhilfsmittelwerkstoffe sind mit einer gewissen
Porosität ausgestattet, um insbesondere die geforderte Temperaturwechselbeständigkeit
zu gewährleisten.
Sinterhilfsmittel reagieren bei hohen Temperaturen oft chemisch mit dem darauf befindlichen
Sintergut. Außerdem bewirkt die wegen der hohen Temperaturwechselbeständigkeit geforderte
Porosität Kapillarkräfte, die in allen Fällen, in welchen eine Flüssigphasensinterung (beim sog.
Schmelzsintern) stattfindet, zu einem "Aufsaugen" der Flüssigphasenanteile führt.
Diesen Nachteilen wird in der Praxis dadurch begegnet, daß auf die mechanischen Kräfte
aufzunehmenden hochtemperaturfesten Unterlagen, Zwischenlagen aufgebracht werden, die
das Sintergut vor einer direkten Berührung mit der Unterlage bewahren. Diese Zwischenschichten
sollen eine Trennung zwischen Sintergut, Brennhilfsmittel (Unterlage) bewirken und
eine chemische Reaktion sowie das Wirksamwerden von Kapillarkräften verhindern. Dies
geschieht durch Aufstreuen von hochtemperaturbeständigen, inerten anorganischen Pulvern
oder durch Aufstreichen von mit ebensolchen Eigenschaften ausgestatteten anorganischen
Streichmassen. Nachteilig ist bei der vorbereitenden Behandlung solcher Unterlagen, daß das
Aufstreuen oder Aufstreichen mit einem hohen wirtschaftlichen Aufwand verbunden ist, weil
sowohl zusätzliche Arbeitsgänge als auch ein Einmalverbrauch von z. T. sehr teuren Pulvern (z. B.
Zirkonoxid) erforderlich ist. Außerdem ist das Risiko des Mißlingens des Sintervorganges dann
gegeben, wenn insbesondere das Aufstreuen nicht gleichmäßig und flächendeckend erfolgt. Das
Entfernen der Pulver - oder Aufstrichreste - von dem gewöhnlich wiederverwendbaren Unterlagen
erfordert ebenfalls zusätzliche Arbeitsgänge.
Die Erfindung beruht auf der Aufgabenstellung, eine einfache, wirtschaftliche Lösung zu finden,
mit deren Hilfe die geschilderten Nachteile auszuschalten sind, nämlich die Schaffung wiederverwendbarer
Sinterunterlagen, die jeweils chemisch inert sind, d. h. keine chemische Reaktion
mit dem Sintergut eingehen, die temperaturwechselbeständig sind und keine Kapillarwirkungen
zulassen und die ausreichend mechanisch belastbar und hochtemperaturbeständig sind.
Die Lösung der Aufgabe soll dadurch bewerkstelligt werden, daß hochreine, chemisch inaktive,
anorganische Pulver (z. B. Al₂O₃, ZrO₂) mit Hilfe von Zugabe von 20-30 Gew.-% Wasser und
Zugabe von zwischen 5-50 Gew.-% organischen Bindern (z. B. auf Acetat- oder Acrylatbasis), in
einer Kugelmühle aufgerührt und homogenisiert wird.
Die entstehende hochviskose Masse wird anschließend aus einem Behälter durch eine
Ausgießdüse auf ein umlaufendes, der Breite der Schlitzdüse entsprechendes Stahlband in einer
Dicke von 0,3-2 mm aufgegossen. Dieses Verfahren entspricht bis dahin dem bekannten Prinzip
des Foliengießens oder Folienziehens (siehe auch: Richard E. Mistler, "Tape Casting: The Basic
Process for Meeting the Needs of the Electronics Industry", Ceramic Bulletin, Vol. 69, No. 6,
1990 und deutsches Patent Nr. 17 71 216 "Verfahren und Einrichtung zur Herstellung von
keramischen Tonerde-Gußschichten und Tonerdekörpern", patentiert für Western Electric Co.,
Inc., New York).
Anstatt eines wäßrigen Schlickers kann die Aufbereitung auch durch lösungsmittelhaltige
Bindersysteme erfolgen.
Unmittelbar nach dem Austreten der hochviskosen flüssigen Masse wird auf die Oberfläche des
sich gebildeten, flachen, breiten endlosen Bandes aus einem Keramik-/Wasser-/Bindergemisch
oder Keramik-/Lösungsmittel-/Bindergemisch anorganisches Pulver gleichmäßig über eine
Sieb- oder Rüttelvorrichtung aufgebracht.
Die einzelnen Pulverkörner sinken nun - durch Schwerkraft - z. T. in die Oberfläche ein und
werden bei der anschließenden Trocknung von dem in der Masse befindlichen Bindersystem
gehalten. Beim späteren keramischen Brand werden sie durch Sinterreaktionen mit dem Grundkörper
fest in der Oberfläche des dünnen, flächigen Keramikbandes verankert (siehe Fig. 1).
So erhält man ein Flächengebilde, das für die Aufgaben als Sinterhilfsmittel folgende
Funktionen erfüllt:
- - Hohe mechanische Festigkeit (Keramikplatte).
- - Verhindern chemischer Reaktionen mit dem Brenngut durch Verwendung besonders geeigneter, inerter Keramikkörner auf der Oberfläche der Keramikplatte als Kontaktschicht.
- - Hohe Wirtschaftlichkeit, da die Hauptaufgabe durch das aufgestreute und in der Oberfläche
verankerte Korn erfolgt. Nur dieses braucht aus hochwertigem, teurem Keramikmaterial zu
bestehen und nicht - wie bisher - auch die Platte selbst.
- Verhindern von Kapillarwirkung durch die Erzeugung eines Abstandes "a" (s. Fig. 1) zwischen Oberfläche des Sintergutes und wirksamen Kapillaren der Keramikplatte. - - Wegfall der Vorarbeiten durch Engobieren (Bestreichen) oder Abstreuen der Oberfläche der Brenn-/Sinterunterlage.
- - Beibehaltung einer gleichmäßigen Beschichtungsstärke auch nach mehrfacher Verwendung.
Claims (6)
1. Sinterunterlage als dünne Platte (zwischen 0,5 und 2 mm Dicke) mit geringer Wärmekapazität.
2. Sinterunterlage nach Fig. 1 aus Keramik.
3. Sinterunterlage mit einer Schicht Keramikpulver, wobei die Körner z. T. überstehen und
einen Abstand (Abstand "a" in Fig. 1) zwischen Kornoberkanten und Oberkante Keramikunterlage bilden.
4. Sinterunterlage mit einer Schicht Keramikpulver (wie 3.), wobei die Keramikkörner aus
dem gleichen Material wie die Grundplatte bestehen.
5. Sinterunterlage mit einer Schicht aus Keramikkörnern (wie 3.), die aus einem anderen
Keramikmaterial als das der Grundplatte bestehen.
6. Sinterunterlage aus Keramik (wie 3.), mit aufgestreuten Metallpulvern (z. B. Molybdän).
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19924206007 DE4206007A1 (de) | 1992-02-27 | 1992-02-27 | Hochtemperatur-sinterhilfsmittel |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19924206007 DE4206007A1 (de) | 1992-02-27 | 1992-02-27 | Hochtemperatur-sinterhilfsmittel |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4206007A1 true DE4206007A1 (de) | 1993-09-23 |
Family
ID=6452700
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19924206007 Withdrawn DE4206007A1 (de) | 1992-02-27 | 1992-02-27 | Hochtemperatur-sinterhilfsmittel |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4206007A1 (de) |
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| NL1003755C2 (nl) * | 1996-08-07 | 1998-02-12 | Stichting Energie | Werkwijze voor het vervaardigen van een sinterplaat/substraat alsmede substraat toe te passen bij het verhitten van keramische produkten. |
| EP0884548A3 (de) * | 1997-06-03 | 1999-05-19 | Kanthal Ab | Hochtemperatur-Wärmebehandlungsverfahren von Materialen und Ofenbodenkonstruktion für Hochtemperaturöfen |
| DE10296690B4 (de) * | 2001-07-31 | 2008-05-08 | Neomax Co., Ltd. | Verfahren zur Herstellung eines Sintermagneten |
| DE102022103671A1 (de) | 2022-02-16 | 2023-08-17 | Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung eingetragener Verein | Verfahren zur Herstellung eines gesinterten Bauteils und Sinterunterlage zur Anordnung eines Bauteilrohlings innerhalb einer Sintereinheit |
-
1992
- 1992-02-27 DE DE19924206007 patent/DE4206007A1/de not_active Withdrawn
Cited By (6)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| NL1003755C2 (nl) * | 1996-08-07 | 1998-02-12 | Stichting Energie | Werkwijze voor het vervaardigen van een sinterplaat/substraat alsmede substraat toe te passen bij het verhitten van keramische produkten. |
| WO1998005914A1 (en) * | 1996-08-07 | 1998-02-12 | Stichting Energieonderzoek Centrum Nederland | Method for the production of a sintered plate/substrate and substrate to be used when heating ceramic products |
| EP0884548A3 (de) * | 1997-06-03 | 1999-05-19 | Kanthal Ab | Hochtemperatur-Wärmebehandlungsverfahren von Materialen und Ofenbodenkonstruktion für Hochtemperaturöfen |
| DE10296690B4 (de) * | 2001-07-31 | 2008-05-08 | Neomax Co., Ltd. | Verfahren zur Herstellung eines Sintermagneten |
| DE102022103671A1 (de) | 2022-02-16 | 2023-08-17 | Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung eingetragener Verein | Verfahren zur Herstellung eines gesinterten Bauteils und Sinterunterlage zur Anordnung eines Bauteilrohlings innerhalb einer Sintereinheit |
| WO2023155951A1 (de) | 2022-02-16 | 2023-08-24 | Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. | Verfahren zur herstellung eines gesinterten bauteils und sinterunterlage zur anordnung eines bauteilrohlings innerhalb einer sintereinheit |
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