DE4119574A1 - Verfahren zur lagerung und/oder zum transport von nukleinsaeuren - Google Patents
Verfahren zur lagerung und/oder zum transport von nukleinsaeurenInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur
Lagerung und/oder zum Transport von Nukleinsäuren in nicht
gelöster Form, die Verwendung mineralischer Feststoffe
zur Lagerung und/oder zum Transport von Nukleinsäuren
sowie die Verwendung von mineralischen Feststoffen zur
Herstellung eines Lagerungs- und/oder Transportmittels
für Nukleinsäuren unter Erhalt ihrer biologischen Akti
vität.
Im Zuge der Entwicklung der Gentechnologie stellt sich in
starkem Ausmaß das Problem, DNA- oder RNA-Moleküle mittel-
und langfristig zu konservieren. Die biologische Aktivität
sollte dabei ohne merkliche Einbußen erhalten bleiben. Es
sind unterschiedliche Methoden bekannt (siehe Sambrook et
al., Molecular Cloning, A Laboratory Manual, Cold Spring
Harbor, 1989). So wurde beispielsweise rekombinante DNA
in Form von Plasmiden in gefrorenen oder lyophilisierten
Bakterienzellen gelagert. Freie DNA wird vornehmlich in
lyophilisierter Form gelagert oder in Pufferlösungen in
gefrorener Form. Für Plasmide ist es gewöhnlich hin
reichend, sie in Form von Lyophilisaten zu lagern. Dabei
werden Verluste der biologischen Aktivität, gemessen als
Transfektionseffizienz suszeptibler Zellen, dieser Lage
rungsprodukte hingenommen.
Problematischer ist jedoch die Lagerung von nicht von
sich aus replikationsfähigen DNA- oder RNA-Segmenten in
lyophilisierter Form. Dies betrifft beispielsweise Re
striktionsfragmente, die ihre Fähigkeit zur Ligation er
halten sollen oder Genomsegmente, wie sie im Rahmen
nationaler oder internationaler Forschungskoordinationen
zwischen den gentechnischen Laboratorien ausgetauscht
werden. Als zuverlässige Methode hat sich zwar die La
gerung und der Transport im gefrorenen Zustand bewährt.
Dies bedeutet jedoch einen großen technischen wie auch
wirtschaftlichen Aufwand. So muß zum Beispiel bei der
Versendung von Nukleinsäuren in gefrorener Lösung jeweils
Trockeneis mit hinzugegeben werden, um ein Auftauen der
Probe, insbesondere bei längeren Transportwegen, zu ver
meiden. Die Lagerung ist insofern nicht unproblematisch,
als daß die Tiefgefriereinheiten, die üblicherweise mit
flüssigem Stickstoff betrieben werden, spezifische Ab
sicherungen wie Alarmanlagen benötigen, um bei einem
eventuellen Störfall hinreichend schnell Gegenmaßnahmen
einleiten zu können. Es wird auch die unabhängige Doppel
lagerung bestimmter Proben durchgeführt, um Verluste un
wiederbringlichen Materials zu vermeiden.
Das der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende technische
Problem ist somit die Bereitstellung eines Lagerungs- und
Transportverfahrens für Nukleinsäuren, das die Nachteile
des Standes der Technik vermeidet. Insbesondere soll das
Verfahren auf Kühlung der zu lagernden Probe verzichten
können und auch bei erhöhten Temperaturen bis zu 70°C ein
Verlust der entsprechenden Nukleinsäure hinsichtlich ihrer
Aktivität vermeiden.
Das technische Problem wird erfindungsgemäß gelöst durch
ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Die Un
teransprüche betreffen bevorzugte Ausführungsformen des
erfindungsgemäßen Verfahrens.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß durch Adsorption
der Nukleinsäuren an mineralischen Feststoffen und Lagerung
und Transport der Nukleinsäuren in dieser Form, nach der
Elution die Aktivität der so behandelten Nukleinsäuren
praktisch unverändert geblieben ist. Hingegen zeigten
sich Ionenaustauschermaterialien und Adsorptionsmedien
auf Basis von Cellulose als nicht geeignet, Nukleinsäuren
unter Erhalt der biologischen Aktivität zu lagern und/oder
zu transportieren.
Geeignete mineralische Feststoffe sind poröse oder nicht
poröse Silicagele und/oder Gläser. Sie weisen vorzugs
weise eine hohe Oberflächenbindungskapazität für die Nu
kleinsäuren auf. Typischerweise beträgt die Partikelgröße
0,1 µm bis 1000 µm. Das mineralische Feststoffmaterial
liegt vorzugsweise in Partikel-, Platten-, Stäbchen-,
Membran- oder Filterform vor.
Eine bevorzugte Verfahrensweise zum Aufbringen der Nu
kleinsäure auf die mineralischen Feststoffe erfolgt in an
sich bekannter Weise dadurch, daß die zu behandelnden
Nukleinsäuren aus wäßrigen Lösungen hoher Salzkonzen
tration auf dem mineralischen Feststoff gebunden werden.
Dieser Effekt wird bereits benutzt zur Reinigung von
Nukleinsäuren. Die Adsorption der Nukleinsäuren aus
wäßrigen Lösungen erfolgt beispielsweise aus Lösungen,
die 5 M NaCl enthalten oder anderen wäßrigen Lösungen mit
ähnlichen Ionenstärken, zum Beispiel 3 M NaI, 4 M NaClO4,
pH 7,0). Es ist ebenfalls bekannt, die Nukleinsäuren bei
Bedarf mit reinem Wasser oder mit einem Puffer niedriger
Ionenstärke, zum Beispiel TE 10 mM Tris HCl pH 8,0, 1 mM
EDTA, zu eluieren.
Es kann vorteilhaft sein, die adsorbierte Nukleinsäure,
nachdem sie vom Lösungsmittel befreit worden ist, zu lyo
philisieren oder beispielsweise mit Alkohol zu über
schichten. Bei dieser Behandlungsart bleibt die bio
logische Aktivität ebenfalls praktisch unverändert. Selbst
wenn die flüchtigen Komponenten wie Ethanol und Restwasser
verdampft sind, läßt sich die Nukleinsäure intakt zurück
gewinnen. Dies ist insbesondere deshalb erstaunlich, da
lyophilisierte freie Nukleinsäure bei Lagerung bei Zimmer
temperatur eine Verringerung der Ligationseffizienz um
den Faktor 10 zeigt. Dagegen ist bei der erfindungsgemäß
gelagerten Nukleinsäure die Ligationseffizienz mit einer
Aktivität von < 90% erhalten geblieben. Selbst die Lage
rung bei 60°C für 5 Tage kann die Effizienz nicht wesent
lich beeinflussen.
Es ist auch möglich, die Nukleinsäure, ohne daß sie von
dem Lösungsmittel befreit wurde, im an den Feststoff
adsorbierten Zustand zu lagern oder zu transportieren.
Mineralische Feststoffe der genannten Art sind somit ge
eignet, als Lagerungs- und Transportmittel für Nuklein
säuren zu dienen. Des weiteren sind die mineralischen
Feststoffe geeignet zur Herstellung eines Lagerungs-
und/oder Transportmittels von Nukleinsäuren unter Erhalt
ihrer biologischen Aktivität.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird somit die Mög
lichkeit einer Lagerung und eines Transports von sensiblen
biologisch aktiven Substanzen in kostengünstiger und
technisch einfacher Weise bereitgestellt.
Claims (10)
1. Verfahren zur Lagerung und/oder zum Transport von
Nukleinsäuren in nicht gelöster Form, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Nukleinsäure an mineralische
Feststoffe reversibel gebunden wird und im adsor
bierten Zustand gelagert und/oder transportiert
wird.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die mineralischen Feststoffe poröse oder nicht
poröse Silicagele und oder Gläser sind.
3. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 und/oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die mineralischen Fest
stoffe poröse Träger mit hoher Bindungskapazität für
Nukleinsäuren an der Oberfläche sind.
4. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1 bis
3, dadurch gekennzeichnet, daß die Partikelgröße der
mineralischen Feststoffe 0,1 bis 1000 µm beträgt.
5. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1 bis
4, dadurch gekennzeichnet, daß die mineralischen
Feststoffe in Partikel-, Platten-, Stäbchen-, Mem
bran- oder Filterform vorliegen.
6. Verfahren gemäß mindestens einem der Ansprüche 1 bis
5, dadurch gekennzeichnet, daß die Nukleinsäuren
unter Pufferbedingungen hoher Ionenstärke an die
mineralischen Feststoffe gebunden werden und unter
Bedingungen niedriger Ionenstärke vom mineralischen
Feststoff eluiert werden.
7. Verfahren gemäß Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet,
daß die Hochsalzpufferbedingungen einer Lösung von
etwa 5 M Kochsalz neben anderen Substanzen, wie
Puffersalzen, und die Bedingungen niedriger Ionen
stärke einer Lösung von weniger als 100 mM Natrium
chlorid neben anderen Substanzen, wie Puffersalzen,
entsprechen.
8. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis
7, dadurch gekennzeichnet, daß die am mineralischen
Feststoff adsorbierte Nukleinsäure in getrockneter
Form oder als Suspension mit organischem Lösungs
mittel, vorzugsweise Ethanol, gelagert und/oder ver
sandt wird.
9. Verwendung mineralischer Feststoffe zur Lagerung
und/oder zum Transport von Nukleinsäuren, ohne deren
biologische Aktivität zu verlieren.
10. Verwendung mineralischer Feststoffe zur Herstellung
eines Lagerungs- und/oder Transportmittels für Nu
kleinsäuren unter Erhalt ihrer biologischen Akti
vität.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19914119574 DE4119574A1 (de) | 1991-06-14 | 1991-06-14 | Verfahren zur lagerung und/oder zum transport von nukleinsaeuren |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19914119574 DE4119574A1 (de) | 1991-06-14 | 1991-06-14 | Verfahren zur lagerung und/oder zum transport von nukleinsaeuren |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4119574A1 true DE4119574A1 (de) | 1992-12-17 |
Family
ID=6433899
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19914119574 Ceased DE4119574A1 (de) | 1991-06-14 | 1991-06-14 | Verfahren zur lagerung und/oder zum transport von nukleinsaeuren |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4119574A1 (de) |
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO1995027721A1 (en) * | 1994-04-07 | 1995-10-19 | Akzo Nobel N.V. | Freeze-dried compositions comprising rna |
| DE4447015A1 (de) * | 1994-12-30 | 1996-07-04 | Invitek Gmbh | Verfahren zur schnellen Isolierung und ggf. Lagerung von Ribonukleinsäuren |
| WO1999057264A1 (fr) * | 1998-05-06 | 1999-11-11 | Sophie Tuffet | Procede de conservation de longue duree de molecules d'adn et conditionnement pour sa mise en oeuvre |
| EP1548126A1 (de) * | 2003-12-22 | 2005-06-29 | Bio-Rad Pasteur | Trägermaterial für Kontrollnukleinsäuren und Anwendung dieser zur Nukleinsäuredetektion. |
-
1991
- 1991-06-14 DE DE19914119574 patent/DE4119574A1/de not_active Ceased
Non-Patent Citations (1)
| Title |
|---|
| J. Biochem., 94, (1983), 163-169 * |
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| WO2005061727A1 (en) * | 2003-12-22 | 2005-07-07 | Bio-Rad Pasteur | Solid support for nucleic acid detection |
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