DE4041241A1 - Anlage zur biologischen behandlung von abwasser in einem pflanzenbecken - Google Patents
Anlage zur biologischen behandlung von abwasser in einem pflanzenbeckenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Anlage zur biologischen Behandlung
von Abwasser gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Verfahren und Anlagen zur Reinigung von Abwässern mit Hilfe von
Wasser- oder Sumpfpflanzen in abgedichteten Erdbecken sind seit
den grundlegenden Arbeiten von K. Seidel (1964) und R. Kickuth
(1971) bekannt. Auch wenn inzwischen durch zahlreiche Verfah
rensvarianten Verbesserungen an den originären Lösungen ange
strebt wurden, rechnen Pflanzenkläranlagen bisher nicht zu den
"allgemein anerkannten Regeln der Technik" (K. Bucksteeg in:
Pflanzenkläranlagen - Bau und Betrieb von Anlagen zur Wasser-
und Abwasserreinigung mit Hilfe von Wasserpflanzen. U. Pfriemer
Verlag, Wiesbaden u. Berlin, o. J., S. 17). "Bei allen in Be
trieb befindlichen Anlagen erweist sich die hydraulische Funk
tion als größtes ungelöstes Problem" (H. Kraft, a.a.O., S. 28).
In ihrer ursprünglichen Ausbildung waren die Pflanzenkläranla
gen für einen horizontalen Abwasserdurchfluß innerhalb des den
Wurzelraum der Pflanzen umgebenden Bodenkörpers ausgelegt. Es
wurde jedoch beobachtet, daß das Abwasser auch auf dem Wege des
geringsten Widerstandes teilweise oberirdisch in Rinnsalen ab
fließen kann, wodurch der Reinigungseffekt gemindert wird (W.
Ebeling, a.a.O., S. 84). Diese Erfahrung hat u. a. dazu geführt,
daß mehrfach Pflanzenbecken zur Abwasserreinigung mit vertikaler
Strömungsrichtung vorgeschlagen worden sind (AS DE 12 46 598,
PS DE 37 12 419). In OS DE 32 44 787 wird eine Pflanzenkläranla
ge beschrieben, worin das Abwasser in mehreren terrassenförmig
angeordneten Becken im Wechsel von oben nach unten und umgekehrt
die separaten Becken durchströmt. Neben einem hohen Bauaufwand
für die in Massivbauweise herzustellenden Becken und für die
Rohrleitungen ist hier der auftretende große Gefälleverlust in
der Gesamtanlage nachteilig, der diese Lösung bei flacher Gelän
degestaltung entweder ganz ausschließt oder nur mit hohem Bau
aufwand für die Terrassierung und dauernden Förderkosten infol
ge Pumpenbetriebs zu realisieren gestattet. Wesentliche Absicht
letztgenannter Lösung ist die gleichmäßige Durchströmung des ge
samten Bodenkörpers, der somit vollständig für die dem Verfahren
der Pflanzenkläranlagen innewohnende Reinigungswirkung ausgenutzt
wird.
Die Erfindung hat sich zur Aufgabe gestellt, die bekannten Nach
teile in der hydraulischen Funktion bisher gebauter Pflanzen
kläranlagen zu vermeiden, ohne daß dieses Ziel nur mit einem
großen Bau- und Betriebsaufwand erreicht wird. Dazu greift die
Erfindung auf die ursprünglichen einfachen Beckenkonstruktionen,
wie sie von K. Seidel oder R. Kickuth vorgeschlagen worden sind,
zurück. Die Pflanzenkläranlage reduziert sich dann auf ein ein
ziges abgedichtetes Erdbecken mit Bodenfüllung und Pflanzenbe
wuchs, worin sich alle für die biologische Abwasserreinigung er
forderlichen Vorgänge abspielen. Es ist ersichtlich, daß gegen
über einem komplizierten Mehrbeckenbetrieb die Vorteile der ein
fachen und billigen Bau- und Betriebsweise in der ursprünglich
beabsichtigten Form erhalten bleiben.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß im Pflanzen
becken quer zur horizontalen Strömungsrichtung Leiteinrichtungen
angeordnet sind, wodurch der horizontalen Richtungskomponente der
Strömung zusätzlich vertikale Richtungskomponenten aufgezwungen
werden. Die Leiteinrichtungen sind im Wechsel im unteren Teil und
im oberen Teil des Beckens angeordnet. Sie können aber auch nur
im unteren oder nur im oberen Teil des Beckens vorhanden sein.
Auch können die Leiteinrichtungen im unteren Beckenteil aus ei
nem bindigen Boden bestehen, während die übrige Beckenfüllung
aus nichtbindigem Boden besteht. Insbesondere sind die Leitein
richtungen aus ebenflächig bearbeitbaren Materialien wie Holz,
Kunststoff, Metall, Beton, Mauerwerk, flächige Abfallprodukte
gefertigt. Sie können auch Öffnungen aufweisen, die einer Teil
strömung den Durchtritt durch die Leiteinrichtung gestatten. Die
flächigen Leiteinrichtungen sind entweder lotrecht oder mit ei
ner Schrägneigung, die bis zu 45° gegen die Lotrechte betragen
kann, angeordnet. Leiteinrichtungen im oberen Beckenteil sollen
die Bodenfüllung um 50 bis 200 mm überragen, wenn sie dem zeit
weiligen Auflegen von Bohlen, Rosten u. dergl. dienen sollen,
was für das Bepflanzen, Abernten und für Wartungsarbeiten an den
Pflanzenbecken nützlich ist. Die oberen Leiteinrichtungen lassen
sich auch von Trägern halten, die das Becken in Längsrichtung
überspannen, so daß die Leiteinrichtungen zusammen mit diesen
Längsträgern einen Trägerrost bilden.
Mit der durch die Anordnung von Leiteinrichtungen im Pflanzen
becken bewirkten Verbesserung in der gleichmäßigen und vollstän
digen Durchströmung des Bodenkörpers ist naturgemäß eine volle
Ausnutzung des Bodens einschließlich des Pflanzenwurzelraumes
für die die Abwasserreinigung bewirkenden biotischen und abioti
schen Prozesse verbunden. Als weiterer Vorteil ist der Umstand
anzusehen, daß das Abwasser im Wechsel obere und untere Bereiche
des Bodenkörpers erreicht, die einen unterschiedlichen Gehalt an
Luftsauerstoff aufweisen, wobei aerobe und anaerobe Bereiche im
wassergesättigten Bodenkörper angetroffen werden. Bei der weit
gehenden Abwasserreinigung mit Nährstoffeliminierung ist aber
der Wechsel von aeroben und anaeroben Bereichen eine Vorausset
zung für die biologische Stickstoffentfernung (Nitrifikations-
und Denitrifikationsphase). Durch die Möglichkeit zur Entfernung
von gelösten Nährstoffen aus dem Abwasser, die bei den üblichen
Pflanzenkläranlagen als gering bis mäßig beurteilt wird (H. Buck
steeg, a.a.O., S. 17), tritt infolge der erfindungsgemäß mittels
Leiteinrichtungen erzwungenen Strömung des Abwassers durch Berei
che des Bodenkörpers, die im Wechsel mit nitrifizierenden oder
denitrifizierenden Bakterien besiedelt sind, ein erwünschter zu
sätzlicher Nährstoffabbau ein.
Als ein schwierig zu lösendes Problem wurde bisher angesehen,
daß der Bodenkörper nicht verdichtet werden darf (G. Geller,
a.a.O., S. 101). Andererseits muß jedoch die Beckenoberfläche
für das Anpflanzen und Abernten der Pflanzenkulturen zugänglich
sein. Durch eine diesem Zweck entsprechende Konstruktion und An
ordnung der Leiteinrichtungen lassen sie sich als Auflagerungen
für begehbare Bohlen, Roste o. ä. nutzen. Damit wird die Boden
verdichtung infolge Begehens der Beckenoberfläche ausgeschaltet.
Aus dem Bodenkörper nach oben herausragende Leiteinrichtungen
verhindern zudem den oberirdischen Abfluß von Schmutz- und Re
genwasser im Pflanzenbecken.
Durch die Wahl von Anzahl und Anordnung der Leiteinrichtungen
läßt sich das Verhältnis von horizontaler und vertikaler Rich
tungskomponente der Abwasserströmung in bestimmten Grenzen vari
ieren. Es läßt sich aber auch durch Öffnungen in den Leiteinrich
tungen für einen durch die Größe dieser Öffnungen vorbestimmba
ren Anteil der Abwasserströmung der horizontalen Richtungskompo
nente der Vorrang vor der Vertikalströmung einräumen, wodurch
die hydraulische Funktion des Pflanzenbeckens im gewünschten Sin
ne beeinflußbar ist.
Das Schema einer Anlage zur biologischen Behandlung von Abwasser
in einem bodengefüllten und mit Sumpfpflanzen besetzten Becken
mit der erfindungsgemäßen Anordnung von Leiteinrichtungen, die
der an sich horizontalen Strömungsrichtung des Abwassers eine
Vertikalströmung aufzwingen,wird am Beispiel der Fig. 1 darge
stellt. Zugleich wird die Wirkungsweise der Anlage beschrieben.
Das Abwasser tritt über die Zulaufleitungen 1 und über eine Ein
laufkulisse 2, die durch senkrechte Leitwände 3 unterteilt ist,
in den Bodenkörper 4 ein. Es fließt in überwiegend horizontaler
Strömungsrichtung, bis es auf die erste Leiteinrichtung 5 stößt.
Nach den hydraulischen Regeln für eine Potentialströmung wird
das Abwasser zu einer überwiegend vertikal nach unten gerichteten
Strömung gezwungen; es unterströmt die erste Leiteinrichtung, bis
es auf die nächste Leiteinrichtung 6 trifft, die eine vertikal
nach oben gerichtete Strömung erzwingt. Entsprechend der Anzahl
der im Pflanzenbecken angeordneten Leiteinrichtungen wiederholt
sich der Vorgang der zwangsweisen Ablenkung der horizontalen
Richtungskomponente nach oben oder unten, bis das Abwasser schließ
lich über die Ablaufkulisse 7 und die Ablaufleitungen 9 das
Pflanzenbecken verläßt. Die Umlenkung der Strömungsrichtung an
der Beckensohle wird durch die Dichtungsschicht 9 bewirkt.
Claims (11)
1. Anlage zur biologischen Behandlung von Abwasser in einem bo
dengefüllten und mit Sumpfpflanzen besetzten Becken, worin
die Strömung des Abwassers innerhalb des Bodenkörpers dadurch
vorgegeben ist, daß das Abwasser an einer Beckenseite in den
Bodenkörper eintritt und an der gegenüberliegenden Beckensei
te aus dem Bodenkörper gereinigt austritt, so daß die Strö
mung zwangsläufig eine horizontale Richtungskomponente auf
weist, dadurch gekennzeichnet, daß im Becken quer zur hori
zontalen Strömungsrichtung Leiteinrichtungen angeordnet sind,
die der Abwasserströmung vertikale Richtungskomponenten auf
zwingen.
2. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leit
einrichtungen im Wechsel im unteren Teil und im oberen Teil
des Beckens angeordnet sind.
3. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leit
einrichtungen entweder nur im unteren oder nur im oberen Teil
des Beckens angeordnet sind.
4. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die im
unteren Teil des Beckens liegenden Leiteinrichtungen aus ei
nem bindigen Boden bestehen und daß die übrige Beckenfüllung
aus nichtbindigem Boden besteht.
5. Anlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leit
einrichtung aus ebenflächig bearbeitbaren Materialien, bei
spielsweise Holz, Kunststoff, Metall, Beton, Mauerwerk,
flächige Abfallprodukte, hergestellt ist.
6. Anlage nach Anspruch 1 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß die
Leiteinrichtungen Öffnungen aufweisen, die einer Teilströmung
den Durchtritt durch die Leiteinrichtung gestatten.
7. Anlage nach Anspruch 1 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß die
Leiteinrichtungen lotrecht im Becken angeordnet sind.
8. Anlage nach Anspruch 1, 5 und 6, dadurch gekennzeichnet, daß
die Leiteinrichtungen mit einer Schrägneigung im Winkel bis
zu 45° gegen die Lotrechte angeordnet sind.
9. Anlage nach Anspruch 1 und 6, dadurch gekennzeichnet, daß die
im oberen Teil des Beckens angeordneten Leiteinrichtungen die
Bodenfüllung des Beckens um 50 bis 200 mm überragen.
10. Anlage nach Anspruch 1, 5 und 9, dadurch gekennzeichnet, daß
die Leiteinrichtungen zur zeitweiligen Auflagerung von begeh
baren Bohlen, Rosten u. dergl. geeignet sind.
11. Anlage nach Anspruch 1, 3, 5, 7, 9 und 10, dadurch gekenn
zeichnet, daß die im oberen Teil des Beckens angeordneten
Leiteinrichtungen von Trägern gehalten werden, die das Becken
in Längsrichtung, parallel zur Hauptfließrichtung des Abwas
sers, überspannen, so daß Leiteinrichtungen und Längsträger
einen Trägerrost bilden.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE19904041241 DE4041241A1 (de) | 1990-12-19 | 1990-12-19 | Anlage zur biologischen behandlung von abwasser in einem pflanzenbecken |
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Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4041241A1 true DE4041241A1 (de) | 1992-07-02 |
Family
ID=6421072
Family Applications (1)
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Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4041241A1 (de) |
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