DE3636367C2 - Verfahren und Vorrichtung zur Feststellung der Entfernung und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten und kompensierten Starkstromnetzen - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Feststellung der Entfernung und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten und kompensierten StarkstromnetzenInfo
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Feststellung der
Entfernung und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten oder
kompensierten Starkstromnetzen vom Ort einer Meßeinrichtung aus und auf
eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
Die heute in isolierten oder kompensierten Netzen eingesetzten
Erdschlußrelais liefern für jede Leitung getrennt nur einen
Richtungsentscheid (Fehler leitungsseitig oder Fehler sammelschienenseitig).
Im Erdschlußfall werden die Richtungsentscheidungen aller Relais zur
Netzleitstelle gemeldet und dort ausgewertet. Dieses sehr aufwendige und
zeitintensive Verfahren ist erforderlich, da die Anzeige aller bisher
verwendeten Erdschlußrelais nur unzureichend zuverlässig ist. Die in der
Netzwarte vorhandenen Informationen über die Richtungsentscheide aller
Erdschlußrelais können nur bedingt von Rechnern ausgewertet werden, da
die Richtungsentscheide der Relais oft widersprüchlich sind. Häufig kann
nur ein erfahrener Betriebsmann mit Hilfe der in der Warte vorhandenen
Information auf die fehlerbetroffene Leitung schließen. Aufgrund dieser
Tatsachen wird bisher, bis auf wenige Ausnahmen, kein Erdschlußrelais als
echtes Schutzrelais mit Schaltbefugnis eingesetzt.
Bekannt ist ein Verfahren zur Fehlerortseingrenzung auf Leitungen, bei
dem der Zeitverlauf der Augenblickswerte von Strom und Spannung am
Meßort im Bereich der sich an einen Fehlereintritt anschließenden
Ausgleichs- und Ausbreitungsvorgänge ausgewertet wird. Jede
Meßwerterfassung erstreckt sich über ein Zeitintervall, das der doppelten
Wellenlaufzeit zwischen dem Meßort und dem jeweiligen Auswertungsort
entspricht und umfaßt mindestens zwei Paare von gleichzeitigen Strom-
und Spannungswerten am Meßort. Für jeden Auswertungsort wird aus den
Leitungsgleichungen unter Verwendung der Meßgrößen eine
Bewertungsfunktion gebildet, die zur Auslösung eines Fehlersignals mit
mindestens einem Bezugswert verglichen wird (DE 23 08 489 B2).
Es ist auch eine Anordnung zur Fehlerortsbestimmung bekannt, mit der die
Ströme und Spannungen vor und nach dem Auftreten eines Fehlers
gemessen und zur Bestimmung des Fehlerorts ausgewertet werden.
Aus diesen Meßwerten und aus der Ausbreitungskonstante der
Übertragungsleitung sowie einer weiteren Charakteristik der
Übertragungsleitung wird der Abstand zwischen dem Ende der
Übertragungsleitung und dem Fehlerort berechnet. Die bekannte Anordnung
ist jedoch nicht für die Feststellung von Fehlerorten und Fehlerrichtungen
in isolierten und kompensierten Netzen bestimmt und geeignet (DE 29 32 929 C2).
Weiterhin ist ein Verfahren zur Fehlerortung auf einer Leitung bekannt,
bei dem nach Eintritt eines Fehlers die Ströme und Spannungen durch
Abtastung im Kilohertzbereich gemessen und digitalisiert werden. Dabei
werden die nach Eintritt eines Fehlers auf der Leitung entstehenden
Wanderwellen durch je drei innerhalb einer Viertelperiode gemessene
Strom- und Spannungswerte erfaßt und zur Bestimmung von Ort und
Richtung des Fehlers ausgenutzt (DE 32 39 239 A1).
Bei einem anderen bekannten Verfahren zur Feststellung von Fehlern in
geerdeten Übertragungsnetzen werden Ströme und Spannungen beiderseits
eines überwachten Leitungsabschnitts gemessen und nach Ablauf einer
Verzögerungszeit miteinander verglichen, um daraus einen Rückschluß auf
einen Fehler zu ziehen (US 3 590 368).
Schließlich ist ein Verfahren zur Feststellung des Fehlerorts auf einer
Übertragungsleitung bekannt, mit dem der Strom bereits in fehlerfreien
Zustand der Übertragungsleitung gemessen und von dem im Fehlerfalle
auftretenden Strom subtrahiert wird. Das Verfahren ist für Netze mit
geerdetem Sternpunkt geeignet. Die Ströme und Spannungen werden
abgetastet und mit einem Analog/Digital-Umsetzer digitalisiert (US 4 314 199).
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur automatischen
Feststellung der Richtung und der Entfernung von Erdschlüssen in
isolierten oder kompensierten Starkstromnetzen sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens zu entwickeln.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Anspruch 1 beschriebenen
Maßnahmen bzw. durch die im Anspruch 12 angegebene Merkmale gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Ansprüchen 2 bis 11 und 13, 14 angegeben.
Das in Anspruch 1 angegebene digitale
Erdschlußdistanzschutzverfahren für isolierte und kompensierte Netze
bestimmt im Fehlerfall die Fehlerrichtung und -entfernung. Dadurch läßt
sich mit diesem Verfahren ähnlich wie beim Distanzschutz
vorteilhafterweise ein Staffelschutz aufbauen.
Die Parameter der erdschlußbehafteten Leitung werden auf der Basis eines
Leistungsmodells des Starkstromnetzes bestimmt, für die Ermittlung der
Fehlerentfernung ausgewertet und mit der Länge einer zu schützenden
Leitung verglichen.
Der Erdschluß befindet sich innerhalb der zu schützenden Leitungsstrecke,
wenn die Parameter kleiner als die Länge der Leitung sind. Es können
statt der Leiterströme und der Leitererdspannungen der Nullstrom und die
Nullspannung gemessen werden. Es wird vorzugsweise die Nullspannung
überwacht und mit einem Schwellwert verglichen, der mindestens auf 25%
der Nennspannung des Starkstromnetzes eingestellt ist. Bei einem Erdschluß
steigt die Nullspannung stark an, wobei der Schwellenwert überschritten
wird. Zweckmäßigerweise werden eine Reihe aufeinanderfolgender
Überschreitungen des Schwellwertes als Charakteristikum für einen
Erdschluß ausgewertet. Sobald ein Erdschluß erkannt ist, wird die
Datenspeicherung so gesteuert, daß nicht nur Meßwerte vor sondern auch
Meßwerte nach dem Erdschluß gespeichert werden, die danach ausgewertet
werden. Die vorgegebene Zeitspanne ist zweckmäßigerweise kleiner als eine
Sekunde. Diese Zeit reicht aus, um aus den Meßwerten die
Fehlerentfernung und die Richtung des Fehlers bestimmen zu können.
Der Erdschluß befindet sich innerhalb der zu schützenden Leitungsstrecke,
wenn die Parameter kleiner als die Länge der Leitung sind.
Vorzugsweise werden für die Fehlerfeststellung diejenigen Ausgleichsvor
gänge herangezogen, bei der der Umladung des Nullsystems bei Erdschluß
auftreten. Durch die oben erwähnte hochfrequente Abtastung sind bei einem
Erdschluß die Ausgleichsvorgänge aus den Meßwerten der Leiterströme und
Leitererdspannungen bzw. des Nullstroms und der Nullspannung herleitbar.
Die Abtastfrequenz liegt zweckmäßigerweise im Bereich zwischen 5 und
10 kHz. Durch die hohe Abtastfrequenz und eine entsprechende Länge der
vorgegebenen Zeitspanne lassen sich die gesamten Ausgleichvorgänge aus
werten. Erdschlüsse können hierdurch eindeutiger erkannt werden als mit
dem Erdschlußwischerrelais, das die erste Aufladeschwingung der Null
systemgrößen bestimmt und keine Information über die Entfernung zwischen
Meßort und Erdschlußstelle erzeugt.
Die Spannungswandler brauchen nicht für die Abtastfrequenz, sondern für
das Frequenzspektrum der Ausgleichsschwingungen ausgelegt sein. Durch die
hochfrequente Abtastung wird die Möglichkeit der Protokollierung von Feh
lern erst wirklich realisiert, da erst mit einem bei dieser Abtastfre
quenz gewonnenen Datensatz eine exakte Analyse der Messung durchgeführt
werden kann.
Bei einer besonders zweckmäßigen Ausführungsform ist vorgesehen, daß aus
den auf den Sekundärseiten von Strom- und Spannungswandlern erfaßten Meß
werten mittels der Wandlerübertragungsfunktionen die primärseitigen
Ströme und Spannungen bestimmt werden, die für die Feststellung der Ent
fernung und Richtung des Fehlerorts weiterverarbeitet werden. Das oben
beschriebene Verfahren läßt sich auch mit Hilfe von z. Zt. üblichen Strom-
und Spannungswandlern ausführen, die für höhere Frequenzen eine un
günstige Übertragungscharakteristik aufweisen. Die Wandlerübertragungs
funktion für den jeweiligen Strom- oder Spannungswandler ist beispiels
weise durch eine Messung bekannt.
Die Meßwerte können in einem digitalen Tiefpaßfilter verarbeitet werden,
dessen Eckfrequenz auf die Ausgleichsvorgänge bei Erdschlüssen im Stark
stromnetz ausgelegt ist. Es ist auch möglich, die Meßwerte in einem digi
talen Bandpaß zu verarbeiten, dessen Bandbreie auf die Ausgleichsvorgänge
bei Erdschlüssen im Starkstromnetz ausgelegt ist.
Ein Problem stellt unter Umständen die benötigte Auflösung der A/D-Wandlung
dar. Besonders kritisch, von der meßtechnischen Seite, sind die beim
Erdschluß auftretenden Spannungen. Da zur Berechnung der Parameter das
Spannungssignal des fehlerbetroffenen Leiters benutzt wird, muß gewähr
leistet sein, daß dieses Signal auch im Bereich ±10 Prozent der Nenn
spannung mit einer genügend großen Auflösung gemessen wird.
Eine bevorzugte Lösung für dieses Problem ist der Einsatz von 12-Bit-
A/D-Wandlern, die in diesem Spannungsbereich auch dann noch mit einer
genügend großen Auflösung arbeiten, wenn gleichzeitig in den fehlerfreien
Leitern noch die -fache Nennspannung erfaßt werden soll.
Sollen aber aus Kostengründen bei der Spannungsmessung 8-Bit-Wandler
eingesetzt werden, so kann der Spannungsmeßkreis z. B. für einen Bereich
±50% Nennspannung ausgelegt werden. Dadurch ist gewährleistet, daß das
Spannungssignal im interessierenden Bereich mit einer genügend großen
Auflösung gemessen wird, allerdings werden die Spannungen der fehlerfreien
Leiter nicht mehr erfaßt.
Das oben beschriebene Erdschlußdistanzschutzverfahren ermöglicht im Gegen
satz zu allen bisher in isolierten oder kompensierten Netzen eingesetzten
Erdschlußrelais eine echte Schutzeinrichtung mit automatischer Schalter
auflösung. Es unterscheidet sich von seiner Konzeption und von seinem
funktionalen Aufbau prinzipiell von allen bisher bekannten Erdschluß
relais.
Das Schutzverfahren arbeitet mit einer Anregung. Das heißt, bestimmte
Funktionen und Abläufe werden erst nach Eintreten einer Anregebedingung
aktiviert. Dieses Verfahren ist für den Erdschlußschutz in kompensierten
Netzen aus folgendem Grund günstig. Im Gegensatz zu starr geerdeten
Netzen, in denen jeder Erdschluß ein Kurzschluß darstellt, der eine so
fortige Beseitigung des Fehlers erfordert, sind hier Sofortmaßnahmen (mit
Auslösezeiten kleiner einer Sekunde) nicht unbedingt erforderlich, ja
sogar unerwünscht.
Die Arbeitsweise des neuen Erdschlußdistanzschutzverfahrens läßt sich in
drei wesentliche Teilmerkmale gliedern:
- - Das erste Merkmal ist einem Transientenrekorder vergleichbar, das heißt, es handelt sich hierbei um eine reine Datenerfassungsfunktion, bei der noch keine Auswertung vorgenommen wird. Dadurch ist es möglich, die benötigten Signale mit einer relativ hohen Abtastfrequenz zu messen. Diese Funktion des Schutzes ist im Normalbereich ständig aktiv. Genauso wie in einem Transientenrekorder wird ein bestimmter Speicherbereich zyklisch überschrieben, bis diese Funktion gezielt gestoppt wird.
- - Das zweite Merkmal entspricht einer Triggerfunktion. Dieses Merkmal liefert das Anregesignal, das das erste Merkmal definiert anhält und das dritte Merkmal aktiviert. Dieses Merkmal kann sowohl softwaremäßig z. B. durch Überprüfen einer Triggerbedingung anhand der erfaßten Meßwerte, als auch hardwaremäßig realisiert werden. Es ist auch eine Kombination dieser Varianten möglich.
- - Das dritte Merkmal beinhaltet die Parameteridentifikation. Innerhalb dieses Merkmals wird die Analyse der erfaßten Daten durchgeführt. Das neue an diesem Konzept ist, daß die Auswertung erst nach vollständiger und abgeschlossener Erfassung der Daten durchgeführt wird (Post mor tem-Analyse). Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, daß ein abge schlossener, fest vorgegebener und definierter Datensatz auf verschie dene Art und Weise und unter Berücksichtigung der Ergebnisse vorher gehender Berechnungen analysiert werden kann. Erst dadurch ist es mög lich, die in einem zeitlichen Verlauf enthaltenen Informationen voll ständig zu entschlüsseln.
Durch die vorgestellten Verfahrensschritte können völlig unterschiedliche
und von der Messung unabhängige Identifikationsverfahren zur Fehlerlokali
sation eingesetzt werden, so daß sich die Ergebnisse miteinander vergleichen
lassen. Die Analyse kann auf verschiedenen Methoden zur Parameter
identifikation beruhen. Vorteilhaft ist es, wenn verschiedene Leitungs
modelle zugrundegelegt werden, die nebeneinander eingesetzt werden. All
diesen möglichen Identifikationsverfahren gemeinsam ist, daß auf Grund der
gemessenen zeitlichen Verläufe von Strömen und Spannungen am Einbauort der
Schutzeinrichtung die Parameter eines zunächst beliebigen Leitungsmodells
identifiziert werden. Die zur Bestimmung der Fehlerentfernung herange
zogenen Parameter können zum Beispiel die Leitungsinduktivität, die Kapa
zitäten oder eine andere Leitungskonstante sein. Aufwendige Identifika
tionsverfahren sind anwendbar, da ein Erdschluß in isolierten oder kom
pensierten Netzen nicht zeitkritisch ist und Reaktionszeiten im Sekunden
bereich zulässig sind. Auf diese Weise kann die Entfernung bis zum Fehler
ort genau bestimmt werden.
Durch das erfindungsgemäße Konzept ist es zum erstenmal möglich, in iso
lierten oder kompensierten Netzen nach dem Eintreten eines Erdschlusses
nicht nur die Richtung, sondern auch die Fehlerentfernung zu bestimmen.
Ein besonderer Vorteil ist, daß auch bei Erdschlußwischern nicht nur ein
Richtungsentscheid, sondern auch eine Fehlerentfernung bestimmt werden
kann, so daß es möglich ist, sich langsam abzeichnende Schwachstellen im
Netz zu lokalisieren, bevor es zu einem stehenden Erdschluß oder Kurz
schluß an dieser Stelle kommt.
Eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder
einem der Ansprüche 2 bis 11 besteht erfindungsgemäß darin, daß Strom- und
Spannungswandler vor einem zu schützenden Leitungsabschnitt sekundärseitig
mit einer Abtast- und Halteschaltung verbunden sind, deren Ausgang über
einen Multiplexer an einen Analog-Digital-Umsetzer angeschlossen ist, der
mit einem Bus eines Mikrocomputers verbunden ist, der über eine Eingabe-,
Ausgabeschaltung mit einer eine Entfernungsanzeige aufweisenden Meldeein
richtung und/oder mit wenigstens einem im Zuge der zu schützenden Leitung
angeordneten Schalter verbunden ist.
Ausgestaltungen und Weiterbildung der Vorrichtung sind in den An
sprüchen 13 und 14 beschrieben.
Die Erfindung wird im folgenden an Hand von in einer Zeichnung darge
stellten Ausführungsbeispielen näher beschrieben.
Es zeigt
Fig. 1 ein Ersatzschaltbild eines Starkstomnetzes,
Fig. 2 ein vereinfachtes Ersatzschaltbild eines erdschlußbehafteten
Leiters,
Fig. 3 ein Diagramm der für die Erzeugung eines Erdschlußdistanzschutzes
vorgesehene Verfahrensschritte
Fig. 4 ein Zeitdiagramm mit der Fehlerentfernung in Ordinatenrichtung
und der Feststellungszeit in Abszissenrichtung für einen simu
lierten Datensatz,
Fig. 5 ein Zeitdiagramm mit der Fehlerentfernung in Ordinatenrichtung
und der Feststellungszeit in Abszissenrichtung für einen ge
messenen Datensatz,
Fig. 6 ein Zeitdiagramm mit der Fehlerentfernung in Ordinatenrichtung
und der Feststellungszeit in Abszissenrichtung für zwei, an
unterschiedlichen Stellen im Netz auftretende Fehler,
Fig. 7 ein Schaltbild einer Vorrichtung zur Feststellung der Entfernung
und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten und kompensierten
Starkstromnetzen,
Fig. 8 ein Schaltbild einer mehrere Leitungsabschnitte aufweisenden
Anordnung, wobei die Leitungsabschnitte am Beginn je einen Schalter
aufweisen.
Um die Funktionsfähigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens nachzuweisen,
wurden die Ausgleichsvorgänge beim Erdschlußeintritt sowohl mit einem
Simulationsprogramm berechnet als auch an einem Drehstromdemonstrations
modell gemessen. Die hieraus gewonnenen Datensätze wurden für die Unter
suchungen ausgewertet.
Die Fig. 1 zeigt für ein Drehstromnetz das Ersatzschaltbild mit den
Resistanzen R und den Reaktanzen L und C, die, da ein Fehler im Abstand x
bzw. z von Schutzeinrichtungen angenommen wurde, mit x und z bezeichnet
wird.
Der erdschlußbehaftete Leiter kann ohne Berücksichtigung der Kapazitäten
vereinfacht durch Fig. 2 dargestellt werden.
Aus Fig. 2 ergibt sich für die Impedanz bis zum Fehlerort folgender Zu
sammenhang:
wobei die mit einem Strich versehenen Größen längenbezogen sind, während x
den Abstand zwischen Meßstelle und Fehlerort bezeichnet.
Die Ausgleichsvorgänge erdschlußbehafteter Leiter können nach Bild Fig. 2
durch eine Differentialgleichung 1. Ordnung nach Gl. (3.1) beschrieben
werden.
Der Index A weist darauf hin, daß für die Berechnung die Werte der mittel
frequenten Ausgleichsschwingungen verwendet werden.
Die tatsächlich während eines Erdschlusses gemessenen Ausgleichsvorgänge
enthalten neben den mittelfrequenten Ausgleichsschwingungen einen Gleichan
teil, eine 50 Hz Komponente und höherfrequente Ausgleichsschwingungen. Da
die Differentialgleichung durch Integration gelöst wird, wirkt sich bei
diesem gewählten Verfahren ein Gleichanteil störend aus. Mit Hilfe der
folgenden Methode soll das störende Gleichglied während der Impedanzbe
rechnung eliminiert werden.
Die Differentialgleichung wird bei diesem Verfahren durch die Integration
über vier aufeinanderfolgende gleich große Zeitintervalle t₁ bis t₂ bis t₃
bis t₄ und t₄ bis t₅ gelöst. Für die Augenblickswerte der mittelfrequenten
Ausgleichsschwingung kann unter Berücksichtigung des Gleichgliedes ge
schrieben werden.
uA = uM - uGL (3.2)
iA = iM - iGL (3.3)
Dadurch ergeben sich die Gln. (3.4) bis (3.7)
Die Integrale über die Gleichanteile sind in allen Integrationsintervallen gleich
groß. Durch Substraktion von Gl. (3.6) und Gl. (3.7) von Gl. (3.5)
ergibt sich:
Die Resistanz R und die Induktivität L lassen sich aus den Gl. (3.8) und (3.9)
wie folgt berechnen:
Die Integrale lassen sich nach der Trapezregel lösen, wobei es sich ge
zeigt hat, daß es bei einer Abtastfrequenz von 5-10 kHz genügt, etwa 4
bis 6 Meßwerte zu einem Integral zusammenzufassen. Die Richtung des Fehler
orts ergibt sich aus dem Vorzeichen, d. h. bei einem negativen Vor
zeichen befindet sich der Fehlerort vor der Meßstelle (in Richtung der
Energiequelle). Es können auch Leitungsmodelle verwendet werden, denen T-
oder π- oder kompliziertere Ersatzschaltbilder zugrunde gelegt sind.
Durch Meßungenauigkeiten bei der A/D-Wandlung und durch die höherfre
quenten Ausgleichsschwingungen treten bei der Impedanzberechnung Fehler
auf. Mit Hilfe eines Bandpasses ist es möglich, diese Störungen herauszu
filtern. Da die Frequenz der Ausgleichsschwingungen je nach Netzgröße
zwischen 70 Hz und 4 kHz schwankt, sind die Kennwerte des Bandpasses dem
jeweiligen Netz anzupassen.
Dagegen sind digitale Tiefpaßfilter relativ einfach durch Parameterände
rung für verschiedene Eckfrequenzen auszulegen. Nach der Tiefpaßfilterung
besteht das gemessene Signal im wesentlichen nur noch aus Anteilen, die
sich gut für die Weiterverarbeitung eignen.
Das oben beschriebene Erdschlußdistanzschutzverfahren, das auf dem ein
fachen Leitungsmodell 1. Ordnung beruht (Gleichung 2.2), wurde mit Hilfe ver
schiedener Datensätze getestet. Es wurden dabei sowohl Ergebnisse aus
Simulationsrechnungen als auch Messungen an einem Drehstromdemonstra
tionsmodell verwendet.
In den ersten beiden Beispielen werden für das gleiche Netz, mit dem
gleichen Fehler, die Ergebnisse der Fehlerentfernungsberechnung gezeigt,
wobei im ersten Fall der Datensatz aus einer Simulation und im zweiten
Fall aus einer Messung stammt. Das Ergebnis des zweiten Falls ist um so
erstaunlicher, als bei der Spannungsmessung in diesem Bereich nur noch das
letzte Bit ausgesteuert war. Das dritte Beispiel zeigt die Ergebnisse der
Distanzberechnung für zwei unterschiedliche Fehlerorte auf einer Doppel
leitung. Diese Datensätze stammen aus Messungen.
Dargestellt sind jeweils die Ergebnisse des oben erläuterten vorgestellten
Verfahrens, die zeitliche Entwicklung des Mittelwertes und die tatsäch
liche Fehlerentfernung.
Gemäß Fig. 3 läuft eine Meßwerterfassungsroutine ab, durch die insbe
sondere ein Speicher zyklisch mit den bei einer Abtastfrequenz von z. B.
8 kHz gewonnenen Meßwerten der Leiterströme und der Leitererdspannungen
gefüllt wird. Die bereits gespeicherten Werte werden durch die aktuellen
Werte überschrieben. Die Meßwerte werden mit der Triggerbedingung ver
glichen, d. h. bei einer Nullspannung von mehr als 25% der Nenn
spannung wird der Vergleich vorzugsweise über einige Abtastperiodenzeiten
fortgeführt, wobei die Zahl der aufeinanderfolgenden Schwellwertüber
schreitungen vorgebbar ist. Wird die festgelegte Zahl von Schwellwert
überschreitungen erkannt, dann wird die Meßwerterfassung und Meßwert
speicherung unterbrochen. Es schließt sich die Erdschlußdistanzbestimmung
an, die z. B. auf der oben angegebenen Gleichung 3.1 aufbaut. Die Erd
schlußdistanzbestimmung liefert eine Zahl, deren Wert die Entfernung des
Fehlerorts von der Meßstelle und deren Vorzeichen die Richtung angibt. Bei
einem Fehler in Rückwärtsrichtung, d. h. einem Fehlerort vor dem Meßort,
ist das Vorzeichen negativ. In diesem Fall wird nur eine Meldung erzeugt.
Liegt ein Fehler nach dem Meßort vor, dann werden die Staffelzeiten auf
grund der Fehlerentfernung bestimmt. Wenn die Staffelzeit bestimmt ist,
wird der oben erläuterte Vorgang wiederholt, bis die Staffelzeit abgelaufen
oder der Erdschluß nicht mehr vorhanden ist. Ergibt sich aus den Daten am
Ende der Staffelzeit, daß der Erdschluß noch vorhanden ist, wird ein
Schalter vor der Fehlerstelle geöffnet. Ist kein Erdschluß mehr vorhanden,
wird eine Meldung erzeugt.
Eine in Fig. 7 dargestellte Vorrichtung zur Durchführung des oben be
schriebenen Verfahrens enthält einen mit 1 bezeichneten, zu schützenden
Leitungsabschnitt, dem ein Leistungsschalter 2 vorgeschaltet ist. Nach dem
Leistungsschalter 2 sind im Zuge der Leitung 1 Spannungswandler 3 und
Stromwandler 4 vorgesehen.
Die Spannungswandler liefern auf ihrer Sekundärseite Meßwerte der Leiter
erdspannungen der drei Phasen des Netzes, nämlich UR, US, UT und die Null
spannung U0 auf Kanälen 5, 6, 7 und 8. Die Stromwandler 4, die ebenso wie
die Spannungswandler nur einphasig gezeichnet sind, liefern auf der Sekun
därseite Meßwerte der Leiterströme der drei Phasen iR, iS, iT und den
Nullstrom i0 auf Kanälen 9, 10, 11 und 12.
Die Kanäle 5 bis 12 sind je an einen Eingang einer Abtast- und Halte
schaltung 13 gelegt, die z. B. mit 8 kHz die Signale je auf den Kanälen 8
bis 12 abtastet. Die Ausgänge der Abtast- und Halteschaltung 13 sind mit
Eingängen eines Multiplexers 14 verbunden, dem ein Analog-Digital-Um
setzer 15 nachgeschaltet ist. Der Analog-Digital-Umsetzer 15 ist an einen
Bus 16 eines Mikrocomputers 17 angeschlossen, der z. B. ein ROM 18 für
das Programm, ein RAM 19 und eine CPU 20 sowie Eingabe-, Ausgabeschal
tungen 21 enthält. Es ist ferner ein Taktgeber 22 vorgesehen, der die
Abtast- und Halteschaltung 13, den Muliplexer 14 ebenso wie den Mikro
computer 17 steuert. Der Kanal 8 ist an einen Komparator 23 angeschlossen
dem an einem zweiten Eingang ein Schwellwert, der z. B. 25% der Nenn
spannung entspricht, zugeführt wird. Der Ausgang des Komparators 23 ist
an die Eingabe-, Ausgabeschaltung 21 angeschlossen, über die auch der
Leistungsschalter 2 gesteuert wird.
Gemäß Fig. 8 sind für drei Leitungsabschnitte 24, 25, 26 jeweils Lei
stungsschalter 27, 28, 29 vorgesehen, die gemeinsam an eine Erdschluß
distanzschutzvorrichtung 30 angeschlossen sind, die den in Fig. 7 dar
gestellten Aufbau hat, jedoch über drei Ausgänge mit Leistungsschaltern
verbunden ist. Für die Leistungsschalter 27, 28, 29 sind unterschiedliche
Staffelzeiten vorgesehen.
Zahlreiche der zur Zeit in Netzen vorhandenen Strom- und Spannungswandler
rufen aufgrund ihres Übertragungsverhaltens Verzerrungen der höherfre
quenten Anteile der Ströme bzw. Spannungen auf der Sekundärseite hervor.
Die Übertragungsfunktion dieser Strom- und Spannungswandler ist bekannt
oder kann durch Messungen festgestellt werden. Im Mikrocomputer 17 sind
die Übertragungsfunktionen der Strom- und Spannungswandler 4, 3 gespeichert.
Sobald die Triggerbedingung erfüllt ist, werden zuerst mittels der
Übertragungsfunktionen der Wandler die unverzerrten primären Leiterströme
und Leitererdspannungen bzw. die Nullspannung und der Nullstrom bestimmt.
Der Erdschlußdistanzbestimmung werden dann diese Größen zugrunde gelegt.
Diese Maßnahme hat den Vorteil, daß übliche, kostengünstige Wandler
verwendet werden können. Es ist daher möglich, die Erdschlußdistanzbe
stimmungsvorrichtung in bestehenden Anlagen an die vorhandenen Wandler
anzuschließen.
Die Triggerbedingung ist so zu verstehen, daß im Erdschlußfall die Ein
gabe von Meßwerten in den Speicher im Sinne eines Abbilds der Ströme und
Spannungen vor und nach dem Zeitpunkt des Erdschlusses gesteuert wird.
Der Meßwertspeicher enthält im Erdschlußfall z. B. 80% Meßwerte, die
nach dem Eintritt des Erdschlusses festgestellt werden. An Hand dieser
Meßwerte lassen sich die mittelfrequenten Vorgänge bestimmen, aus denen
die Fehlerdistanz und die Fehlerrichtung gewonnen werden. Die mittelfre
quenten Ausgleichsvorgänge gehen in relativ kurzer Zeit in stationäre
Werte über.
Claims (14)
1. Verfahren zur Feststellung der Entfernung und der Richtung von
Erdschlüssen in isolierten oder kompensierten Starkstromnetzen vom
Ort einer Meßeinrichtung aus,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Leiterströme und Leitererdspannungen des Netzes durch
schnelle Abtastung im Kilohertzbereich fortlaufend gemessen,
digitalisiert und über eine vorgegebene Zeitspanne gespeichert werden,
daß die Meßwerte mit vorgegebenen, für einen Erdschluß
charakteristischen Werten verglichen werden, daß bei einem positiven
Vergleichsergebnis die Messung unterbrochen wird und daß danach mit
den in der letzten Zeitspanne vor der Untersuchung gespeicherten
Meßwerte Ausgleichsvorgänge erfaßt und für die Feststellung der
Entfernung und Richtung des Fehlerorts derart ausgewertet werden,
daß auf der Basis eines Leitungsmodells des Starkstromnetzes
Parameter der erdschlußbehafteten Leitung bestimmt werden, deren
Vorzeichen die Fehlerrichtung angegeben und die zur
Fehlerentfernungsfeststellung mit der Länge einer zu schützenden
Leitung verglichen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Nullstrom und die Nullspannung statt der Leiterströme und
der Leitererdspannung gemessen, gespeichert und weiterverarbeitet
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß als charakteristischer Wert die Nullspannung auf eine Schwelle
von mindestens 25% der Nennspannung des Starkstromnetzes
eingestellt ist.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die vorgegebene Zeitspanne kleiner als oder gleich einer
Sekunde ist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß Parameter der erdschließbehafteten Leitung die Impedanz L und
die Reaktanz R nach folgenden Gleichungen bestimmt werden:
worin mit t₁ bis t₂, t₂ bis t₃, t₃ bis t₄ und t₄ bis t₅ vier
aufeinanderfolgende gleich große Zeitintervalle, mit i₁, i₂, i₃, i₄
die gemessenen Leiterströme zu den Zeitpunkten t₁, t₂, t₃, t₄ mit uM
die gemessenen Leiterspannungen und mit iM gemessenen Leiterströme
während der entsprechenden Zeitintervalle bezeichnet sind.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß für die Fehlerentfernungsfeststellung diejenigen Ausgleichsvor
gänge herangezogen werden, die bei der Umladung des Nullsystems
bei Erdschlußeintritt auftreten.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Abtastfrequenz 5 bis 10 kHz beträgt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß aus den auf den Sekundärseiten von Strom- und Spannungswand
lern erfaßten Meßwerten mittels der Wandlerübertragungsfunktionen
die primärseitigen Ströme und Spannungen bestimmt werden, die für
die Feststellung der Entfernung und Richtung des Fehlerorts weiter
verarbeitet werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Meßwerte in einem digitalen Tiefpaßfilter verarbeitet
werden, dessen Eckfrequenz auf die Ausgleichvorgänge bei Erd
schlüssen im Starkstromnetz ausgelegt ist.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Meßwerte in einem digitalen Bandpaßfilter verarbeitet
werden, dessen Bandbreite auf die Ausgleichvorgänge bei Erd
schlüssen im Starkstromnetz ausgelegt ist.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Datenbreite der Analog-Digital-Wandlung 12 bit beträgt.
12. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorher
gehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß Strom- und Spannungswandler vor einem zu schützenden
Leitungsabschnitt sekundärseitig mit einer Abtast- und Halte
schaltung verbunden sind, deren Ausgang über einen Multiplexer an
einen Analog-Digital-Umsetzer (15) angeschlossen ist, der mit
einem Bus (16) eines Mikrocomputers (17) verbunden ist, der über
eine Eingabe-, Ausgabeschaltung mit einer eine Entfernungsanzeige
aufweisenden Meldeeinrichtung und/oder mit wenigstens einem im
Zuge der zu schützenden Leitung angeordneten Schalter (2) ver
bunden ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß die am Spannungswandler (3) abgenommene Nullspannung einen
Eingang eines Komparators (23) beaufschlagt, dessen anderer Ein
gang mit einem einstellbaren Schwellwert gespeist wird, und daß
der Ausgang des Komparators an einen Eingang der Eingabe-, Aus
gabeschaltung (21) des Mikrocomputors (17) angeschlossen ist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß an die Eingabe-, Ausgabeschaltung mehrere, in
unterschiedlichen Entfernungen zum Meßort im Zuge der zu
schützenden Leitung angeordnete Schalter (27, 28, 29) angeschlossen
sind.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE19863636367 DE3636367C2 (de) | 1986-10-25 | 1986-10-25 | Verfahren und Vorrichtung zur Feststellung der Entfernung und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten und kompensierten Starkstromnetzen |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE19863636367 DE3636367C2 (de) | 1986-10-25 | 1986-10-25 | Verfahren und Vorrichtung zur Feststellung der Entfernung und der Richtung von Erdschlüssen in isolierten und kompensierten Starkstromnetzen |
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Country Status (1)
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