DE3438113C2 - Anordnung zur Regelung des Schlupfes beim Abbremsen eines Straßenfahrzeugs - Google Patents
Anordnung zur Regelung des Schlupfes beim Abbremsen eines StraßenfahrzeugsInfo
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf eine Anordnung zur Regelung
des Schlupfes beim Abbremsen eines Straßenfahrzeugs bei
unterschiedlichen Haftwerten an der rechten und linken
Fahrzeugseite, mit Sensoren zur Ermittlung des
Drehverhaltens der Fahrzeugräder, mit elektronischen
Schaltkreisen zur logischen Verknüpfung der
Sensor-Signale, zur Ableitung von Meßgrößen und zur
Erzeugung von Steuersignalen für den Rädern zugeordnete
Bremsdruck-Steuereinrichtungen, mittels derer beim
Instabilwerden eines Rades die Bremskraft an dem
betreffenden Rad konstantgehalten, verringert und zur
gegebenen Zeit wieder erhöht wird, wobei beim Erreichen
einer Meßgröße, die einem vorgegebenen, die Gefahr von
Fahrstabilitätsbeeinträchtigungen anzeigenden
Giermoment-Schwellenwert entspricht, ein weiterer
Giermomenten-Anstieg durch Begrenzung der Bremskraft an
dem den besseren Straßenkontakt aufweisenden Vorderrad
beschränkt wird.
Anordnungen zur Regelung des Bremsschlupfes sind bereits
in vielen Varianten bekannt. Mit diesen wird das
Drehverhalten einzelner oder zu Gruppen zusammengefaßter
Räder während des Bremsvorganges gemessen, und es wird
nach Auswertung, d. h. Verarbeitung und logischer
Verknüpfung der Meßwerte unter Beachtung bestimmter
Randbedingungen, in den Bremsdruckverlauf eingegriffen,
wenn durch zu große Bremskraft oder zu hohen Bremsdruck an
einem oder an mehreren Rädern Blockiertendenzen
festgestellt werden. Auf diese Weise soll auch unter
ungünstigen Bedingungen, insbesondere auf glatter
Fahrbahn, der Bremsschlupf auf einen für das
Abbremsverhalten des Fahrzeugs günstigen Wert geregelt
werden, um die mit dem Radblockieren einhergehenden
Gefahren, nämlich die Schleudergefahr und den Verlust der
Lenkbarkeit des Fahrzeuges, zu vermeiden und dennoch einen
kurzen Bremsweg sicherzustellen.
Besondere Schwierigkeiten bereitet dabei die Auslegung der
Regelung für Straßenverhältnisse, bei denen die Reibwerte
zwischen Reifen und Fahrbahn an der rechten und linken
Fahrzeugseite sehr verschieden sind. Solche keineswegs so
seltenen Situationen ergeben sich beispielsweise im Winter
durch einseitig trockene Fahrbahn und stellenweise
Anhäufung von Schnee oder Eis. Auch kann das Fahrzeug,
z. B. durch Ausweichen in einer Gefahrensituation,
einseitig auf eine unbefestigte Fahrbahn mit sehr
schlechtem Haftwert gelangen. Bemißt der Schlupfregler in
solchen Situationen den Bremsdruck für beide Räder einer
Achse nach der Fahrzeugseite mit dem geringen Haftwert,
wird der Bremsdruck zu weit abgesenkt und der Bremsweg
dadurch zu lang. Bei individueller Regelung der beiden auf
sehr unterschiedlichem Haftwert laufenden Räder einer
Achse ergibt sich auf der griffigen Fahrzeugseite, und nur
auf dieser, eine starke Bremswirkung, die ein hohes, vom
Fahrer durch Lenkkorrekturen oftmals nicht mehr zu
kompensierendes Giermoment zur Folge hat. Eine auf kurzen
Bremsweg ausgelegte Schlupfregelung gefährdet also in
solchen Situationen die Fahrstabilität des Fahrzeugs.
Aus der DE 23 33 127 C2 ist bereits eine Anordnung der
eingangs genannten Art bekannt. Es handelt sich dabei um
ein Blockierschutzregelsystem mit einer
Druckbegrenzungseinrichtung, die die geregelten
Bremsdrücke der beiden Räder einer Achse direkt vergleicht
und den höheren geregelten Bremsdruck beim Überschreiten
einer bestimmten Druckdifferenz beeinflußt.
Bei diesem Blockierschutzregelsystem wirkt die
Druckdifferenzbegrenzung auch dann bremswegverlängernd,
wenn aufgrund der Straßenverhältnisse - z. B.
bei relativ hohen, wenn auch unterschiedlichen
Reibbeiwerten rechts/links - mit die Fahrstabilität nicht
gefährdenden Giermomenten nicht zu rechnen ist.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine
Anordnung zur Regelung des Bremsschlupfes zu entwickeln,
die in allen in der Praxis vorkommenden Situationen das
Entstehen eines für das Fahrzeug gefährlichen Giermomentes
verhindert, die gleichzeitig eine immer noch hohe
Haftwertausnutzung des auf hohem Reibwert laufenden Rades
gewährleistet und dadurch das Erreichen eines kurzen
Bremsweges ermöglicht.
Es hat sich nun gezeigt, daß diese Aufgabe mit einer
Anordnung der eingangs genannten Art gelöst werden kann,
deren Besonderheit darin besteht, daß Schaltkreise
vorhanden sind, die das Unterschreiten eines vorgegebenen
Schwellenwertes der Fahrzeugverzögerung zum Zeitpunkt der
ersten Instabilität (t₁) eines Vorderrades als Kriterium
für die Gefahr von die Fahrstabilität des Fahrzeugs
beeinträchtigenden Giermomenten bewerten.
Erfindungsgemäß wird also auch bei unterschiedlichem
Reibwert rechts/links nur dann begrenzend in die Regelung
eingegriffen, wenn ein Kriterium für die Gefahr von
Giermomenten, die die Fahrstabilität beeinträchtigen
könnten, gegeben ist. Ist dies nicht der Fall, wird auch
eine Bremsdruckdifferenz rechts/links infolge der Regelung
akzeptiert und dadurch auch in solchen Situationen ein
Abbremsen mit möglichst kurzem Bremsweg erreicht.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsart der Anordnung nach
der Erfindung, bei der an die Hinterräder des Fahrzeugs
gleiche Bremskraft angelegt wird, wobei sich die Regelung
der Bremskraft nach dem Schlupf des Hinterrades mit dem
schlechteren Straßenkontakt richtet, wird die
Drehverzögerung des den besseren Straßenkontakt
aufweisenden Hinterrades als Maß für die
Fahrzeugsverzögerung bewertet.
Weiterhin ist es erfindungsgemäß vorteilhaft, wenn der
vorgegebene Schwellenwert der Fahrzeugverzögerung zwischen
0,3 und 0,4 g liegt.
Nach einem weiteren Ausführungsbeispiel der
erfindungsgemäßen Anordnung wird die Differenz zwischen
dem aus der Fahrzeugverzögerung zum Zeitpunkt der ersten
Instabilität eines Vorderrades abgeleiteten Reibwert und
dem aus der Drehverzögerung des den besseren
Straßenkontakt aufweisenden Hinterrades abgeleiteten
Reibwert als weiteres Kriterium für die Gefahr von die
Fahrstabilität des Fahrzeugs beeinträchtigenden
Giermomenten bewertet.
Nach einer weiteren Ausführungsart der Erfindung wird beim
Instabilwerden eines Vorderrades bei einem niedrigen,
unterhalb eines vorgegebenen Schwellenwertes liegenden
Verzögerungswertes der Bremskraftanstieg am zweiten
Vorderrad, solange des Drehverhalten stabil ist, mit
verringertem Gradienten fortgesetzt, bis ein von einem
Giermoment-Schwellenwert abhängiger Bremskraft- oder ein
Fahrzeugverzögerungs-Schwellenwert erreicht wird.
Zweckmäßigerweise wird nach diesem Erreichen des
Bremskraft- oder Fahrzeugverzögerungs-Schwellenwertes der
Bremskraftanstieg mit einem geringeren Gradienten, der auf
die von dem Fahrer durch Lenkkorrektur kompensierbare
Gierwinkelgeschwindigkeit abgestimmt ist, fortgesetzt.
In den beigefügten Unteransprüchen sind noch einige
weitere Ausführungsbeispiele der Erfindung beschrieben.
Die Erfindung beruht also auf der Erkenntnis, daß eine
wesentliche Verbesserung der Regelung auf
unterschiedlichen Reibwerten rechts/links zu erreichen
ist, wenn aus dem Drehverhalten der Räder und der
Verzögerung des Fahrzeugs, die sich unter bestimmten
Bedingungen sehr einfach durch Beobachtung des stabilsten
Rades messen läßt, auf die Gefahr von Giermomenten
geschlossen wird. Durch Eingriff in die Regelung wird dann
das Giermoment begrenzt, dem Fahrer jedoch eine
Information gegeben, daß eine Reaktion notwendig ist. Der
weitere Giermomentenanstieg erfolgt nun sehr langsam, d. h.
mit einer Geschwindigkeit, die dem Fahrer genügend Zeit
läßt zu reagieren. Andererseits läßt das Gegenlenken, also
das Mitwirken des Fahrers, zu, daß auf der Seite des hohen
Reibwertes die Bremskraft weiter ansteigt, wodurch der
Haftwert an dieser Fahrzeugseite mit dem Ziel eines
möglichst kurzen Bremsweges weitgehend ausgenutzt wird.
Die Abhängigkeit der Giermomentenbegrenzung von den
beschriebenen Kriterien stellt außerdem sicher, daß der
Eingriff in den Bremsdruckverlauf bzw. in die
Schlupfregelung tatsächlich nur beim Vorliegen einer
Gefahr für die Fahrstabilität des Fahrzeugs erfolgt.
Weitere Einzelheiten der Erfindung gehen aus den folgenden
Diagrammen und der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels
anhand der beigefügten Abbildungen hervor.
Es zeigen
Fig. 1 im Diagramm über der Zeit die
Radgeschwindigkeiten während des Anbremsvorgangs
auf einer Fahrbahn mit sehr unterschiedlichem
Reibwert auf der rechten und linken Fahrzeugseite,
Fig. 2 im gleichen Zeitmaßstab den Bremsdruckver
lauf an den Vorderrädern während des Brems
vorganges nach Fig. 1,
Fig. 3 ebenfalls im gleichen Zeitmaßstab die Ver
zögerung des auf hohem Reibwert laufenden
Hinterrades während des Anbremsvorganges
nach Fig. 1 und 2 und
Fig. 4 im Blockschaltbild eine Ausführungsart
einer Schaltungsanordnung zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Die in den Fig. 1 bis 3 wiedergegebenen Diagramme ver
anschaulichen das Raddrehverhalten, den Druckverlauf und
die Verzögerung während eines Anbremsvorganges auf unter
schiedlichem Reibwert rechts/links, bei dem die erfin
dungsgemäße Giermomentenbeeinflussung zur Wirkung kommt.
Die Geschwindigkeit des auf hohem Reibwert laufenden Hin
terrades ist mit vHRh bezeichnet. Diese Geschwindigkeit
ist praktisch zu dem betrachteten Zeitpunkt mit der Fahr
zeuggeschwindigkeit identisch, zumal sich, wie in dem hier
beschriebenen Fall, aufgrund der bekannten "select-low"-
Regelung der Bremsdruck an der Hinterachse nach dem Rad
mit dem schlechteren Straßenkontakt richtet. Das sich auf
der Seite des hohen Reibwertes befindende Hinterrad wird
dadurch mit einem relativ geringen Bremsdruck beauf
schlagt, so daß sich höchstens ein geringer und annähernd
konstanter Schlupf einstellen kann.
Die gestrichelte Kurve in Fig. 1 bezieht sich auf die Ge
schwindigkeit vVRh des auf hohem Reibwert laufenden die
durchgezogene Kurve vVRn auf den Verlauf des auf niedri
gem Reibwert laufenden Vorderrades. Die Geschwindigkeit
des zweiten auf niedrigem Reibwert laufenden Hinterrades
ist nicht dargestellt, weil dessen Drehverhalten für die
erfindungsgemäße Giermomentenbeeinflussung von untergeord
neter Bedeutung ist; der Straßenkontakt dieses Hinterrades
begrenzt lediglich die Höhe des in die Radbremsen der Hin
terräder einsteuerbaren Bremsdruckes.
In Fig. 2 ist der Bremsdruckverlauf pVRh des auf hohem
Reibwert laufenden Vorderrades ebenfalls gestrichelt, der
Druckverlauf pVRn des den niedrigen Reibwert ausgesetz
ten Rades mit einer durchgezogenen Linie dargestellt.
Fig. 3 zeigt als einziges die Verzögerung HRh des un
terbremsten Rades, weil diese zur Bestimmung der Fahrzeug
geschwindigkeit und, daraus abgeleitet, der Fahrzeugverzöge
rung dient und daher zur Giermomentenbeeinflussung benötigt
wird.
Zum Zeitpunkt t₀ beginnt in dem Beispiel, auf das sich
die Fig. 1 bis 3 beziehen, der hier betrachtete Brems
vorgang. Eine erste Instabilität - ermittelt durch zu ho
he Radverzögerung und/oder zu hohem Schlupf wird zum
Zeitpunkt t₁ bemerkt. Die Schlupfregelung setzt ein und
führt nach einer kurzen Verzögerung zum Absinken und an
schließend zum Konstanthalten des Bremsdruckes pVRn.
Da die erste Instabilität bereits bei einer relativ klei
nen Fahrzeugverzögerung von etwa 0,15 g - vergleiche
Fig. 3 - auftrat, die Haftwertbedingungen an diesem Rad
also sehr schlecht sind, ist ein Kriterium für die Gefahr
von zu hohen Giermomenten erfüllt, weil der Haftwert an
dem anderen Vorderrad, über den die Regelung zum Zeitpunkt
t₁ noch keine Informationen besitzt, viel höher liegen
könnte, theoretisch wäre an dem zweiten Vorderrad eine
stabile Abbremsung mit maximal 1,0 g möglich.
Im Anschluß an den Zeitpunkt t₁ wird zunächst der Brems
druckaufbau an dem zweiten, auf hohem Reibwert laufenden
Vorderrad nur geringfügig vermindert fortgesetzt. Dies
hat für das Fahrzeug einen Giermomentenanstieg zur Folge,
der jedoch die Fahrstabilität noch nicht gefährdet. Der
Fahrer erhält hierdurch über die Lenkung und das Fahrzeug
verhalten eine Information über das anwachsende Giermo
ment. Er hat genügend Zeit, sich auf diese Situation ein
zustellen und durch Gegenlenken zu reagieren.
Das trotz weiterhin ansteigendem Bremsdruckes stabil lau
fende zweite Vorderrad, dessen Kennlinien in Fig. 1 und 2
gestrichelt sind, könnte allerdings gefährliche Giermomen
te nach sich ziehen, weshalb zum Zeitpunkt t₂, abhängig
von der momentanen, der Fahrzeugverzögerung entsprechenden
Radverzögerung HRh und der Verzögerung zum Zeitpunkt
t₁ der ersten Instabilität bzw. den aus dem Raddrehver
halten und dem Druck abgeleiteten Reibwert auf der Fahr
zeugseite des schlechteren Straßenkontaktes, eine weitere
Maßnahme zur Giermomentenbeeinflussung einsetzt. Zum Zeit
punkt t₂ wird nämlich, obwohl das zweite Vorderrad wei
terhin noch keine Blockiertendenz zeigt, der weitere An
stieg des Bremsdruckes pVRh unterbrochen und nur noch
mit sehr geringem Gradienten fortgesetzt. Das Giermoment
wächst im Anschluß an t₂ nur noch so langsam, daß der
Fahrer mit zumutbaren Lenkkorrekturen die Fahrstabilität
des Fahrzeugs mühelos aufrechterhalten kann.
Zum Zeitpunkt t₃ tritt in dem hier beschriebenen Fall
auch an dem auf hohem Reibwert laufenden Vorderrad eine
Blockiertendenz auf, weshalb die Schlupfregelung den
Bremsdruck pVRh reduziert, auf einem im Vergleich zu dem
schlechteren Straßenkontakt aufweisenden Vorderrad hohem
Druckniveau konstant hält und zu gegebener Zeit wieder er
höht. Gefährliche Gierwinkel sind infolge der zwischen
zeitlich durch den Fahrer eingeleiteten Lenkkorrekturen
nicht mehr zu erwarten, so daß der weitere Bremsdruckver
lauf allein durch das Instabilwerden der einzelnen Räder
bestimmt wird.
In Fig. 4 ist ein Ausführungsbeispiel einer elektrischen
Schaltungsanordnung wiedergegeben, mit der sich im Rahmen
der Schlupfregelung das Entstehen von gefährlichen Giermo
menten infolge von unterschiedlichen Haftwerten an der
rechten und linken Fahrzeugseite verhindern läßt.
Nach dieser Darstellung sind die elektronischen Bauelemen
te im wesentlichen zu drei elektronischen Funktionsblöcken
1, 2, 3 zusammengefaßt, mit denen aus den elektrischen Si
gnalen oder Informationen über das Drehverhalten der ein
zelnen Räder elektrische Signale zur Steuerung von Einlaß
ventilen 4 bis 6 und Auslaßventilen 7 bis 9 im Druckmit
telweg einer (nicht gezeigten) hydraulischen oder mit
Druckluft betriebenen Bremsanlage abgeleitet werden. Mit
solchen Ventilen läßt sich beim Erkennen einer Blockier
tendenz der Bremsdruck reduzieren oder ein weiterer Brems
druckanstieg verhindern.
Das Drehverhalten der Vorderräder VL, VR und Hinterräder
HR, HL wird hier mit Hilfe von induktiven Meßwertaufneh
mern 10 bis 13 gemessen, die ein in der Frequenz der Rad
umdrehung proportionales elektrisches Signal erzeugen.
Nach Aufbereiten, Verstärken und Filtern der Sensorsignale
in dem jeweiligen Eingangsschaltkreis 14 bzw. 15, 16 oder
17 werden die Ausgangssignale einer elektronischen Ver
knüpfungslogik und Signalverarbeitungsstufe 31 bzw. 32, 33
zugeführt, an deren Ausgängen A₁, A₂, A₃ Bremsdruck
steuersignale zur Verfügung stehen. Nach dem Verstärken
dieser Signale in den Leistungsverstärkern 18 bis 23 wer
den mit diesen Signalen die Bremsdrucksteuerventile, das
sind die Einlaß- und Auslaßventile 4 bis 9, die als elek
tromagnetisch betätigbare 2/2-Wegeventile ausgebildet
sind, für die errechneten Zeitspannen umgeschaltet. In dem
hier beschriebenen Beispiel wird der Bremsdruck an den
Vorderrädern VL, VR über die Ventilpaare 4, 7 bzw. 6, 9
individuell geregelt, während für die Bremsen der Hinter
räder HR, HL ein gemeinsames Ventilpaar 5, 8 vorgesehen
ist. Zweckmäßigerweise wird dabei der Bremsdruck in den
Hinterrädern nach dem "Select-low"-Auswahlverfahren ermit
telt, so daß sich der Hinterradbremsdruck stets nach dem
Rad mit dem schlechteren Straßenkontakt richtet.
Der Funktionsblock 3 enthält außerdem einen Verknüpfungs
schaltkreis 24, dem die aufbereiteten Geschwindigkeitsin
formationen aller Radsensoren 10 bis 13 zugeführt werden
und der aus diesen nach einem vorgegebenen Algorithmus
eine Bezugsgröße erzeugt, die über die Signalleitung 25
den Schaltkreisen 15, 16 und 17 zugeleitet wird und die in
diesen Schaltkreisen mit dem Drehverhalten der einzelnen
Räder verglichen wird.
Die erfindungsgemäß zur Verbesserung der Regelung bei un
terschiedlichen Haftwerten an der rechten und linken Fahr
zeugseite bzw. zum Verhindern gefährlicher Giermomente er
forderlichen Schaltkreise sind in dem Funktionsblock 2 zu
sammengefaßt und bestehen im wesentlichen aus mehreren
elektronischen Schaltkreisen 26 bis 28, denen die aufbe
reiteten Sensorsignale zugeführt werden. Über Signallei
tungen 29, 30 stehen die Ausgänge der Schaltkreise 26 und
28 mit dem Eingang der Verknüpfungslogik und Signalverar
beitungsstufe 31 bzw. 33 in Verbindung, deren Ausgangssi
gnale den Bremsdruckverlauf in den Bremsen der beiden Vor
derräder VL, VR beeinflussen. Beim Erkennen von Situatio
nen, die gefährliche Giermomente zur Folge haben können,
liegt an den Ausgängen der Schaltkreise 26 oder 28 bzw.
auf den Signalleitungen 29 oder 30 ein Signal an, das z. B.
den weiteren Bremskraftanstieg an dem den besseren
Straßenkontakt aufweisenden Vorderrad verringert und da
durch das Anwachsen des Giermomentes in dieser Bremsphase
auf einen für die Fahrstabilität ungefährlichen, durch Ge
genlenken kompensierbaren Wert reduziert.
Den beiden Schaltkreisen 26 und 28 der Giermomenten-Beein
flussungsschaltung, nämlich des Funktionsblockes 2, wird
nach Fig. 4 das aufbereitete Signal beider Vorderräder VL,
VR zugeleitet. Das Drehverhalten der beiden Hinterräder
HR, HL wird dagegen zunächst in dem Schaltkreis 27 bewer
tet und nur das Signal ausgewählt und zu den dritten Ein
gängen der Schaltkreise 26, 28 weitergeleitet, das die Ge
schwindigkeit oder eine abgeleitete Größe des schnelleren,
auf höherem Reibwert laufenden Hinterrad HR oder HL reprä
sentiert. Aus dem Drehverhalten des schnellsten Hinterra
des läßt sich nämlich, wie bereits erläutert wurde, am ge
nauesten die Geschwindigkeit und Verzögerung des Fahrzeu
ges in dieser Anbremsphase ermitteln.
Außerdem sind an die Schaltkreise 26, 28 innerhalb des
Funktionsblockes 2, der die Bausteine für die Giermomen
tenbeeinflussung enthält, Zähler oder Vergleicher 34, 35
oder andere Baustufen angeschlossen, die Schwellwerte für
das Ansprechen der Giermomentenbeeinflussung festlegen. In
dem anhand der Fig. 1 bis 3 beschriebenen Beispiel wird
der Giermoment-Schwellwert zum Zeitpunkt t₁ erreicht und
die Giermomenten-Beeinflussung in Funktion gesetzt.
Zur Realisierung des als Blockschaltbild in Fig. 4 dargestell
ten Ausführungsbeispiels, insbesondere der Funktionsblöcke
2 und 3, sind sowohl festverdrahtete Schaltungen als auch
programmierbare Schaltkreise, wie Mikrocomputer, geeignet.
Claims (9)
1. Anordnung zur Regelung des Schlupfes beim Abbremsen
eines Straßenfahrzeugs bei unterschiedlichen
Haftwerten an der rechten und linken Fahrzeugseite,
mit Sensoren zur Ermittlung des Drehverhaltens der
Fahrzeugräder, mit elektronischen Schaltkreisen zur
logischen Verknüpfung der Sensor-Signale, zur
Ableitung von Meßgrößen und zur Erzeugung von
Steuersignalen für den Rädern zugeordnete
Bremsdruck-Steuereinrichtungen, mittels derer beim
Instabilwerden eines Rades die Bremskraft an dem
betreffenden Rad konstantgehalten, verringert und zur
gegebenen Zeit wieder erhöht wird, wobei beim
Erreichen einer Meßgröße, die einem vorgegebenen, die
Gefahr von Fahrstabilitätsbeeinträchtigungen
anzeigenden Giermoment-Schwellenwert entspricht, ein
weiterer Giermomenten-Anstieg durch Begrenzung der
Bremskraft an dem den besseren Straßenkontakt
aufweisenden Vorderrad beschränkt wird, dadurch
gekennzeichnet, daß Schaltkreise
(2, 26, 27, 28, 34, 35) vorhanden sind, die das
Unterschreiten eines vorgegebenen Schwellenwertes der
Fahrzeugverzögerung zum Zeitpunkt der ersten
Instabilität (t₁) eines Vorderrades als Kriterium
für die Gefahr von die Fahrstabilität des Fahrzeugs
beeinträchtigenden Giermomenten bewerten.
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß diese an die
Hinterräder (HR, HL) des Fahrzeugs gleiche Bremskraft
anlegt, wobei sich die Regelung der Bremskraft nach
dem Schlupf des Hinterrades mit dem schlechteren
Straßenkontakt richtet, und daß die Drehverzögerung
(HRh) des den besseren Straßenkontakt aufweisenden
Hinterrades als Maß für die Fahrzeugverzögerung herangezogen wird.
3. Anordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch
gekennzeichnet, daß der vorgegebene
Schwellenwert der Fahrzeugverzögerung, zwischen 0, 3
bis 0,4 g ("g" bedeutet die Konstante der
Erdbeschleunigung von etwa 9,81 m/s²) liegt.
4. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die
Differenz zwischen dem aus der Fahrzeugverzögerung zum
Zeitpunkt der ersten Instabilität (t₁) eines
Vorderrades abgeleiteten Reibwert und dem aus der
Drehverzögerung (HRh) des den besseren
Straßenkontakt aufweisenden Hinterrades abgeleiteten
Reibwert als weiteres Kriterium für die Gefahr von die
Fahrstabilität des Fahrzeugs beeinträchtigenden
Giermomenten bewertet wird.
5. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß diese beim
Instabilwerden eines Vorderrades bei einem niedrigen,
unterhalb eines vorgegebenen Schwellenwertes liegenden
Verzögerungswert (R) den Bremskraftanstieg am
zweiten Vorderrad, solange dessen Drehverhalten stabil
ist, mit verringertem Gradienten fortsetzt, bis ein
von einem Giermoment-Schwellenwert abhängiger
Bremskraft- oder ein
Fahrzeugverzögerungs-Schwellenwert erreicht wird.
6. Anordnung nach Anspruch 5, dadurch
gekennzeichnet, daß diese nach dem
Erreichen (t₂) des von dem Giermoment-Schwellenwert
abhängigen Bremskraft- oder
Fahrzeugverzögerungs-Schwellenwertes den
Bremskraftanstieg mit einem geringeren Gradienten, der
auf die von dem Fahrer durch Lenkkorrektur
kompensierbare Gierwinkelgeschwindigkeit abgestimmt
ist, fortsetzt.
7. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, daß die Schaltkreise
(2, 26, 27, 28, 34, 35), die zur Bewertung der
Fahrzeugverzögerung vorgesehen sind, die beim Bremsen
durch unterschiedliche Reibwerte auf der rechten und
linken Fahrzeugseite entstehenden Giermomente
ermitteln und die Schlupfregelung in Abhängigkeit von
Kriterien für die Gefahr von die Fahrstabilität des
Fahrzeugs beeinträchtigenden Giermomenten beeinflussen.
8. Anordnung nach Anspruch 7, dadurch
gekennzeichnet, daß die Schaltkreise
(2, 26-28, 34, 35) den Bremskraft- oder
Bremsdruck-Anstieg (pVR) an den Vorderrädern (VR, VL)
in Abhängigkeit von den Giermoment-Kriterien variieren.
9. Anordnung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch
gekennzeichnet, daß diese nur bei einer
Fahrzeugverzögerung über etwa 0,3 bis 0,4 g und/oder
beim Auftreten einer Radverzögerung unter etwa 0,3 bis
0,4 g in Funktion ist.
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