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Herstellung von Harnstoff-Formaldehyd-Kondensaten und ihre Verwendung
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Für viele Uberzugs-, Imprägnier- und Bindemittel auf Basis von hminoplastharzen,
hauptsächlich bei Harnstoff-Formaldehyd-Kondensaten, wird in der Praxis gute bis
unbegrenzte Wasserverdünnbarkeit verlangt Unter anderem werden z.B. Mineralfaservliese,
wie Glasfaservliese in großem Umfang mit Aminoplastharzen verfestigt, wobei Harnstoff-Formaldehyd-Kondensate
großen Anteil haben. Für diesen Anwendungszweck wird nahezu unbegrenzte Wasserverdünnbarkeit
gefordert. Lagerstabile Harns toff-Formaldehyd-Harze mit dieser Eigenschaft weisen
im allgemeinen ein Harnstoff : Formaldehyd - Molverhältnis von 1 : größer 2.0 auf.
Wäßrige Harzlösungen dieser Art haben auch bei geringen Harz-Konzentrationen einen
verhältnismäßig hohen Gehalt an freiem Formaldehyd, der beim Einsatz stört, zumal
z.B. während der Aushärtung der damit gebundenen Glasfaservliese beträchtliche Mengen
Formaldehyd freigesetzt werden. In vielen Anwendungsgebieten wird daher heute mit
Harnstoff-Formaldehyd-Harzen gearbeitet, die ein Harnstoff Formaldehyd-Molverhältnis
1 : kleiner 2.0 aufweisen. Harze dieser Zusammensetzung sind jedoch im allgemeinen
nur in verhältnismäßig hoch kondensiertem Zustand lagerstabil. Derartige Kondensate
können dann nur noch mit geringen Mengen Wasser gemischt werden, ohne daß Phasentrennung
der Lösung unter Absetzen klebriger Harzanteile eintritt; sie sind somit z.B.
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für das Binden von Mineralfaservliesen unbrauchbar. Die Erhaltung
der Wasserverdünnbarkeit gelingt nur durch Einkondensieren verhältnismäßig großer
Anteile an Modifizierungsmitteln, durch die wasserlöslichkeitsvermittelnde Gruppen
eingebaut werden. Glasfaservliese, die mit auf diese Weise modifizierten Bindemitteln
gebunden sind, sind jedoch empfindlich gegen Feuchtigkeit.
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Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, flüssige, gut wasserverdünnbare,
formaldehydarme und lagerstabile Harnstoff-Formaldehydkondensate mit hohem Feststoffgehalt
bei niedriger Viskosität zur Verfügung zu stellen, deren Reaktivität vergleichbare
Härtungsgeschwindigkeiten ergeben und vergleichbare mechanische Eigenschaften z.B.
von Glasfaservliese bringen wie bei Verwendung von Harnstoff-Formaldehyd-Kondensaten
des Standes der Technik.
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Wasserlösliche bzw. wåsserverdünnbare modifizierte Harnstoff-Formaldehyd--Kondensate,
die lagerstabil sind, können z.B. durch Polykondensation von Harnstoff mit Formaldehyd
unter Zusatz von Sulfiten oder Bisulfiten der Alkali- oder Erdalkalimetalle oder
anderer Sulfitionen frei setzender Salze hergestellt werden. Als weitere Anionen,
die die L4slichlceit der Kondensate in Wasser verbessern, kommen z.B. Salze der
Amidosulfonsäure oder von Aminoalkylsulfonsäuren in Betracht. Entsprechende Suifit-modifi-
zierte
Harze mit 0.05 bis 0.4, bzw. 0.05 bis 1, bzw. 0.05 bis 0.6 Mol Sulfitgruppen je
Mol Formaldehyd bei Molverhältnissen von Harnstoff zur Formaldehyd von 1 : 2 bis
3 sind in den US-PSen 2 407 599 bzw. 2 412 855 bzw. 2 559 578 bekannt. Gemäß den
Angaben in der DE-PS 889 225 enthalten derartige Harze 0.04, besser mehr als 0.1
Mol Sulfitgruppen je Mol Harnstoff und gemäß den Angaben in der DE-OS 23 24 440
sollen auf 1 Mol Harnstoff 0.0576 bis 0.202 Mol Sulfitgruppen kommen.
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Aus der DE-PS 889 225 und der DE-OS 23 24 440 geht hervor, daß bei
niedrigem Sulfitanteil die Viskosität bei der Lagerung verhältnismäßig rasch zunimmt,
Sulfitmengen oder wasserlöslichkeitsvermittelnde Mbdifizierungsmittel, wie Amidosulfonat,
in den angegebenen Anteilen bewirken jedoch eine hohe Anfälligkeit der ausgehärteten
Glasfaservliese gegenüber Feuchtigkeit. Dabei tritt ein mehr oder weniger stark
ausgeprägter Verlust der erwünschten Eigenschaften, z0B. Reißfestigkeit auf, der
eine Weiterverar beitung der Glasfaservliese erschwert. Weiterhin kann auskondensiertes
Harnstoff-Formaldehyd-Harz durch adsorbiertes Wasser auf dem Vlies in Verbindung
mit lLatalysatorresten abgebaut werden. Gleiches gilt für andere Substrate, z.B.
textile Faservliese, denen mit Harnstoff-Formaldehyd-Kondensaten z.B. mechanische
Festigkeit oder Wasserresistenz verliehen werden soll.
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Weiterhin ist aus der US-PS 2 242 484 bekannt, die Lagerstabilität
von Harnstoff-Formaldehyd-Kondensaten durch Zugabe von Alkoholen unter Bildung von
Alkoximethylgruppen zu steigern. Dies erfordert je nach Molverhältnis von Harnstoff
: Formaldehyd und Kondensationsgrad der Harze beträchtliche Mengen an Alkohol je
eingebrachter Alkylolgruppe und somit aufwendige Entfernung von umgesetztem Alkohol
oder hohen Restalkoholgehalt im Harz. Bei hohen Härtungstemperaturen ist dies aus
Brandschutzgründen wie auch wegen hoher Schadstoffemission nachteilig.
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Die Stabilisierung mit Aldehyden, Dialdehyden und Ketonen wird gemäß
der US-PS 3 962 166 in der Textilhochveredlung unter Bildung von Produkten, die
4.5-Dihydroxi(alkoxi)-imidazolidin-2-on und dessen N-Methylol- bzw.
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N-Alkylolderivate enthalten, angewandt Dabei müssen jedoch verhältnismäßig
hohe Anteile derartiger teurer Verbindungen, z.B. Glyoxal, eingesetzt werden. Außerdem
ergeben die erhaltenen Produkte, wenn sie als Bindemittel für Glasfaservliese geprüft
werden, schlechte Reißfestigkeitswerte.
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Es wurde nun gefunden, daß man wasserverdünnbare, formaldehydarme
und lagerstabile Harnstoff-Formaldehyd-Kondensate niedriger Viskosität durch 10
bis 30 Minuten langes Kondensieren von Harnstoff und Formaldehyd im
Molverhältnis
1 : 2.0 bis 2.25 in Gegenwart von Alkalisulfit bei pH-Werten von 9.0 bis 10.5 und
Temperaturen von 800C bis Ruckflußtemperatur und anschließendes weiteres Kondensieren
bei pH-Werten von 4.0 bis 6.0 bei 70 bis 950C herstellen kann, wenn man je Mol Formaldehyd
0.01 bis 0.03 Mol Alkalisulfit einsetzt, bei der Kondensation bei pH 4.0 bis 6.0
je Mol Formaldehyd unter Zusatz von 0 bis 0.2 Mol eines wasserlöslichen Alkanols
kondensiert bis eben noch unbegrenzte Wasserverdünnbarkeit gegeben ist, anschließend
Harnstoff zusetzt, bis das Molverhältnis Harnstoff zu Formaldehyd insgesamt 1 zu
1.60 bis 1.95 beträgt und noch 0.01 bis 0.04 Mol Glyoxal je Mol Formaldehyd zufügt.
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Überraschenderweise bleibt die gute Lagerstabilität der Kondensate
auch erhalten, wenn ein sehr niedriger Gehalt an freiem Formaldehyd von beispielsweise
0.1 bis 0.2 Gew.-X bei einer 60 %igen wärigen Harzlösung eingestellt wird. Vergleichbare
Lagerstabilität und Formaldehydgehalt waren bisher bei Kondensaten nicht erreichbar,
die Glasfaservliesemit gleichwertigen Eigenschaften ergaben, wenn sie zu deren Verfestigung
eingesetzt wurden.
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Bei dem neuen Verfahren kann Formaldehyd z.B. als wäßrige Lösung handelsüblicher
Konzentration, in Form seiner festen Oligomeren, wie Paraformaldehyd und der entsprechenden
Menge Wasser, insbesondere als 40 bis 55 %ige wäßrige harnstoffhaltige Formaldehyd-Lösung,
(wie sie als FORMOL(R) im Handel erhältlich ist) verwendet werden. Harnstoff kann
z.B.
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in fester Form oder als konzentrierte z.B. 68,5 %ige wäßrige Lösung
eingesetzt werden. Ebenso verwendbar sind pulverförmige, im wesentlichen einkernige
N-MethylolVerbindungen des Harnstoffs, z.B. Dimethylolharnstoff technischer Qualität.
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Die Sulfitgruppen können in Form von wasserlöslichen Salzen eingebracht
werden, die in annähernd neutralem pH-Bereich Sulfitanionen freisetzen, vorzugsweise
als Natriumdisulfit, das technische Qualität haben kann. Die Zugabe kann zu einem
beliebigen Zeitpunkt vor Einstellung des alkalischen pH-Wertes erfolgen, vorteilhaft
ist die Zugabe zu Beginn, z.B. zu einer vorgelegten konzentrierten wäßrigen. Harnstoff-Formaldehyd-Lösung
vor dem Aufheizen des Reaktionsansatzes.
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Zur Einstellung des alkalischen pH-Wertes können Alkali- bzw. Erdalkalihydroxide,
verwendet werden, deren Menge im allgemeinen kleiner als 0.006 Mol Hydroxigruppen
je Mol Formaldehyd gewählt wird. Geeignet sind ebenso Gemische aus Alkali- oder
Erdalkalihydroxid und Minen, vorzugsweise tertiären Aminen mit mindestens einer
Hydroxialkylgruppe, beispielsweise Diethylethanolamin, Dimethylethanolamin und Dimethyl-4-butanolamin,
mit
deren Hilfe man den oben angegebenen alkalischen pH-Bereich eins tellen kann. Bei
der im alkalischen pR-Bereich erfolgenden Umsetzung wird in geringer Menge stabilisierend
wirkendes Formiat aus dem Formaldehyd gebildet. Eine entsprechende Stabilisierung
kann jedoch nicht durch Zugabe einer geringen Menge von beispielsweise Natriumformiat
zu einem Harnstoff--Formaldehyd-Kondensat erhalten werden. Arbeitet man außerhalb
der erfindungsgemäßen pH-, Temperatur-, Zeit- und Alkalisulfitgrenzen, so erhält
man Produkte, die in jedem Fall schlechtere Ergebnisse bezüglich Formaldehydbilanz
und/oder Lagerstabilität zeigen.
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Man kondensiert im sauren pH-Bereich, vorteilhaft unter Zusatz einwertiger
wasserlöslicher Alkanole, wie besonders Methanol, bis eben noch unbegrenzte Wasserverdünnbarkeit
gegeben ist. Die Dauer dieser Herstellungsphase ergibt sich in an sich bekannter
Weise aus dem Wertepaar pH/Temperatur in den anspruchsgemäßen Bereichen. Die Einstellung
des sauren pH-Wertes zur Kondensation kann mit Mineralsäuren, z.B. Schwefelsäure,
oder starken organischen Säuren erfolgen, bevorzugt wird Ameisensäure.
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Die Zugabe von Glyoxal und gegebenenfalls zusätzlichem Harnstoff erfolgt
zu einem beliebigen Zeitpunkt nach Abbruch der Kondensationsreaktion, vorzugsweise
unmittelbar nach Verlassen des sauren pH-Bereichs während des Abkühlens der Harzlösung
auf Raumtemperatur. Bei Alkanolanteilen an der Obergrenze des beanspruchten Bereichs
ist es zweckmäßig, das Kondensat unter vermindertem Druck abzukühlen.
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Die Kondensate fallen als 50 bis 70 %ige, vorzugsweise 55 bis 60 %ige
wasserklare Produkte im Viskositätsbereich von 50 bis 500 mPas, an. Die Viskosität
der 50 %igen Kondensatlösungen liegen im Bereich von 50 bis 120 mPas. Die erhaltenen
Kondensatlösungen trüben bei Lagerung (Raumtemperatur) im Verlauf von Wochen leicht,
ohne daß sich ihre Wasserverdünabarkeit oder Viskosität nennenswert ändert. Stark
verdünnte, auch getrübte wäßrige Kondensatlösungen zeigen nach längerer Standzeit
keine Ausscheidungen.
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Die erfindungsgemäß hergestellten Kondensate sind verträglich mit
schwach kationischen, neutralen oder anionischen wasserlöslichen oder wasserdispergierbaren
Amino- und/oder Phenoplastkondensaten, insbesondere mit Harnstoff- und Melamin-Formaldehyd-Kondensaten.
Sie können daher beispielsweise mit beliebigen Mengen geeigneter Melamin-Formaldehyd-Harze
stabil abgemischt werden bzw. zur Streckung von Melamin-Formaldehyd-Harzen eingesetzt
werden. Die erfindungsgemäß hergestellten Kondensate sind weiterhin verträglich
mit anderen Uberzugs-, Imprägnier- und Bindemitteln, z.B.
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schwach kationischen bis anionischen wasserlöslichen oder -dispergierbaren
Polymeren
auf Basis von Polyvinylalkohol, Polyvinylacetat, Polyacrylsäure und Polyacrylsäureester,
Polymethacrylsäure und Polymethacrylsäureester, Polyacrylamid und Polymethacrylamid
weiterhin nativen Bindemitteln, wie Stärke und deren Modifizierungsprodukten, sowie
üblicherweise verwendeten Hilfsstoffen, wie Emulgatoren, Netzmitteln und Haftvermittlern,
wie sie insbesondere bei der Herstellung von Mineralfaservliesen, z.B. Glasfaservliesen,
beim Verfestigen der Vliese verwendet werden.
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Die Verwendung der erfindungsgemäß hergestellten Kondensate erfolgt
in an sich üblicher Weise, vorzugsweise in Form eines wäßrigen Bades, unter Zusatz
eines geeigneten sauren Katalysators, beispielsweise von Metailsalzen starker Säuren,
vorzugsweise Magnesiumchlorid, oder Säuren, vorzugsweise Mineralsäuren, wie Phosphorsäure.
Der Auftrag auf die Mineralfaservliese, z.B. die Glasfaservliese, sowie die Dosierung
des Kondensatanteils bezogen auf das Vliesgewicht erfolgt in üblicher Weise.
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Die Härtung der mit den Kondensaten und gegebenenfalls zusätzlich
mit wasserverdünnbaren oder in Wasser dispergierten Amino- und/oder Phenoplastkondensaten
imprägnierten Faservliese erfolgt in üblicher Weise im Temperaturbereich von meist
240 bis 2800C, wobei häufig 10 bis 30 Sec.
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Verweilzeit im Trockenkanal ausreichen.
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Aufgrund ihres sehr niedrigen Gehalts an freiem Formaldehyd können
die erfindungsgemäßen Kondensate praktisch als geruchsfrei angesehen werden. Sie
weisen aus diesem Grund auch eine erheblich reduzierte Emission von Formaldehyd
während der Applikation und des Aushärtungsvorganges z.B. bei der Vliesverfestigung
auf.
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Die in den folgenden Beispielen genannten Teile und Prozente beziehen
sich auf das Gewicht. Gewichtsteile verhalten sich zu den Volumenteilen wie das
Kilogramm zum Liter.
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Beispiel 1 7500 Teile einer in üblicher Weise erhaltenen wäßrigen
Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensat-Lösung eines molaren Harnstoff zu Formaldehyd-Verhältnisses
von 1 : 4 (Feststoffgehalt ca. 75 Gew.%) werden vorgelegt, 2600 Teile einer 68,5
%igen wäßrigen Harnstofflösung, 350 Teile Wasser und 310 Teile Natriumdisulfit zugegeben
und das Gemisch unter Rühren auf 800C erhitzt. Nach Zugabe von 97 Volumenteilen
25 %iger wäßriger Natronlauge wird 15 Min. bei 850C gerührt. Anschließend wird mit
85 %iger Ameisensäure ein pH-Wert von 5.05 eingestellt und 37 Min. bei 850C gerührt.
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Nach Zugabe von 925 Teilen Wasser, 17 Volumenteilen 25 %iger Natronlauge,
431
Teilen 40 %iger wäßriger Glyoxal-Lösung und 1505 Teilen Harnstoff--Lösung erhält
man 13810 Teile einer 55 %igen lÇondensat-Lösung, die 0.1 % freie Formaldehyd und
eine Viskosität von 38 Sec. nach DIN 53211 aufweist.
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Beispiel 2 7500 Teile eines Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates gemäß
den Angaben von Beispiel 1, 2600 Teile 68.5 %ige wäßrige Harnstoff-Lösung, 350 Teile
Wasser und 310 Teile Natriumdisulfit werden unter Rühren auf 850C erhitzt. Durch
Zugabe von 25 %iger wäßriger Natronlauge wird pH 10.2 eingestellt und dann 15 Min.
bei 850C gerührt. Anschließend werden 41 Volumenteile 85 %ige Ameisensäure zugegeben
und 40 Min. bei 850C gerührt. Nach Zugabe von 925 Teilen Wasser wird mit 25 %iger
wäßriger Natronlauge pH 9.5 eingestellt, 431 Teile 40 %ige wäßrige Glyoxal-Lösung
und 630 Teile 86.5 %ige wäßrige Harnstoff-Lösung zugesetzt und auf Raumtemperatur
abkühlen lassen. Man erhält 12935 Teile 55 %ige Kondensatlöung eines Gehaltes an
freiem Formaldehyd von 0.15 % und einer Viskosität von 49 Sec. nach DIN 53211.
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Beispiel 3 7500 Teile eines Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates gemäß
den Angaben von Beispiel 1, 2600 Teile 68.5 %ige wäßrige Harnstoff-Lösung, 350 Teile
Wasser und 310 Teile Natriumdisulfit werden unter Rühren auf 80 bis 850C erhitzt.
Mit 25 %iger wäßriger Natronlauge wird pH 10.25 eingestellt und 15 Min. bei 850C
gerührt. Nach Einstellung von pH 5.00 mit 85 %iger Ameisensäure wird bei 85 bis
900C gerührt, bei 1 Teil Harzlösung mit 1.0 + 0.2 Teilen einer 25 %igen wäßrigen
Lösung von Magnesiumsulfat bei Raumtemperatur eine bleibende starke Trübung ergibt.
Mit 25 %iger wäßriger Natronlauge wird nun pH 9.5 eingestellt, 925 Teile Wasser,
431 Teile einer 40 %igen wäßrigen Glyoxal-Lösung und 425 Teile 68.5 %ige wäßrige
Harnstofflösung zugesetzt und abgekühlt. Man erhält 12733 Teile 55 %ige Kondensat-Lösung
eines Gehaltes an freiem Formaldehyd von 0.44 % und einer Viskosität von 60 Sec.
nach DIN 53211.
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Beispiel 4 7276 Teile eines Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates gemäß
den Angaben in Beispiel 1, 2522 Teile 68.5 %ige wäßrige Harnstoff-Lösung, 334 Teile
Wasser und 303 Teile Natriumdisulfit werden innerhalb von 33 Min. gleichmäßig auf
80°C erwärmt. Nach Zugabe von 94 Volumteilen 25 %iger wäßriger Natronlauge wird
das Reaktionsgemish 15 Min. bei 85°C erhalten, wo-
bei der pH-Wert
auf 10.25 gesenkt wird. Mit 85 %iger Ameisensäure wird dann pH 5.0 eingestellt,
388 Teile Methanol zugegeben und 85 Min. bei 850C gerührt. Nach Zugabe von 582 Teilen
Wasser wird mit 25 Xiger wäßriger Natronlauge pH 9.30 eingestellt, 419 Teile einer
40 %igen wäßrigen Glyoxal-Lösung und 723 Teile 68.5 %iger wäßriger Harnstoff-Lösung
zugesetzt und abgekühlt. Man erhält 12700 Teile einer Kondensat-Lösung eines Feststoffgehaltes
von 55.2 x und einer Viskosität von 80 Sec. nach DIN 53211. Der Gehalt an freiem
Formaldehyd beträgt 0.1 %.
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Beispiel 5 4200 Teile eines Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates gemäß
den Angaben in Beispiel 1, 1458 Teile 68.5 %ige Harnstoff-Lösung, 192 Teile Wasser
und 175 Teile Natriumdisulfit werden auf 850C erhitzt. Mit 54 Volumenteilen 25 %iger
wäßriger Natronlauge wird pH 10.04 eingestellt und 15 Min.
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bei 900C gerührt. Nach Zugabe von 445 Teilen Methanol wird mit 85
%iger Ameisensäure pH 5.00 eingestellt und 46 Min. bei 88 bis 900C gerührt. Mit
25 %iger wäßriger Natronlauge wird pH 9.50 eingestellt und unter vermindertem Druck
(100 bis 40 mbar) das Kondensat auf 250C abgekühlt. Nach Zugabe von 242 Teilen 40
%iger wäßriger Glyoxal-Lösung und 416 Teilen 68.5 %iger wäßriger Harnstoff-Lösung
erhält man ein Kondensat eines Feststoffgehaltes von 61 %, einer Viskosität von
62 Sec. nach DIN 53211 und eines Gehaltes an freiem Formaldehyd von 0.15 %. Die
Ausbeute beträgt 6753 Teile.
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Vergleichsbeispiel A (U:F = 1:2,0) (a) 1000 Teile eines Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates,
erhalten aus 50 Teilen Formaldehyd, 25 Teilen Harnstoff und 25 Teilen Wasser, 365
Teile einer 68.5 %igen wäßrigen Harnstoff-Lösung und 46 Teile Wasser werden auf
85 bis 900C erhitzt und 15 bis 20 Min. bei dieser Temperatur bei pH 7.5 bis 9.0
umgesetzt. Anschließend wird der pH--Wert auf 5.0 bis 5.5 gebracht und solange kondensiert,
bis eine Probe der Reaktionsmischung eben noch unbegrenzt wasserverdünnbar ist.
Durch Zugabe von 25 %iger wäßriger Natronlauge wird pH 8.5 bis 9.0 eingestellt und
abgekühlt.
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Man erhält eine klare, wasserverdünnbare Harzlösung mit 60 % Feststoffgehalt,
einem Gehalt an freiem Formaldehyd von 2.0 t 0.2 % und einer Viskosität von 65 Sec.
nach DIN 53211.
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Das Harz weist nach 9 Tagen eine Viskosität von 107 Sec. auf und
ist nicht mehr ausreichend wasserverdünnbar.
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(b> Setzt man nach der Kondensation 0.024 Mol Glyoxal je Mol eingesetzten
Formaldehyds zu, so erhält man ein Kondensat, das 21 Tage stabil ist (Lagertemperatur
20+1"C).
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Vergleichsbeispiel B (U:F - 1:2,0; modifiziert mit Sulfit) (a) Man
arbeitet wie in Vergleichsbeispiel A angegeben, gibt jedoch zu Beginn der Reaktion
auf 1200 Teile des Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensates 76.5 Teile Natriumsulfit
(entspricht 0.0403 Mol je Mol Formaldehyd bzw. 0.0806 Mol je Mol Harnstoff) zu.
Mit Wasser wird ein Feststoffgehalt von 55 X eingestellt.
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Man erhält ein Kondensat eines Feststoffgehalts von 55 %, eines Gehalts
an freiem Formaldehyd von 1.75 % und einer Viskosität von 61 sec. nach DIN 53211.
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Die Lagerstabilität des Kondensats bei unbegrenzter Wasserverdünnbarkeit
beträgt 12 bis 15 Tage.
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(b) Zu der nach (a) erhaltenen Kondensatlösung gibt man 0.024 Mol
Glyoxal je Mol insgesamt eingesetzten Formaldehyds. Die Kondensat-Lösung hatte dann
einen Gehalt an freiem Formaldehyd von 1.5 % und eine Viskosität von 59 Sec. nach
DIN 53211. Ihre Wasserverdünnbarkeit blieb 77 Tage erhalten.
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Vergleichsbeispiel C (U:F = 1:2,0; modifiziert mit Sulfit und Methanol)
(a) Wie in Vergleichsbeispiel A angegeben, werden 120 Teile Harnstoff--Formaldehyd-Vorkondensat,
437 Teile der genannten Harnstofflösung, 55 Teile Wasser und zusätzlich 51 Teile
Natriumdisulfit umgesetzt.
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Vor der Zugabe von Ameisensäure zur Einstellung des schwach sauren
Kondensations-pH-Bereiches werden 64 Teile Methanol (entsprechend 0.1 Mol pro Mol
eingesetzten Formaldehyds) zugesetzt und kondensiert, bis 1 Volumenteil Harzlösung
mit 1.6 Volumenteilen einer 25 %igen wäßrigen Magnesiumsulfat-Lösung eine bleibende
Trübung bei Raumtemperatur ergibt.
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Nach Zugabe von 98 Teilen Wasser werden 1866 Teile einer 55 %igen
Kondensat-lösung eines Gehalts an freiem Formaldehyd von 1.48 % und einer Viskosität
von 41 Sec. nach DIN 53211 erhalten. Sie war nach 3 Tagen nicht mehr ausreichend
mit Wasser verdünnbar.
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(b) Zu der nach (a) erhaltenen Kondensat-Lösung gibt man 0.025 Mol
Glyoxal je Mol ingesamt eingesetzten Formaldehyds. Die Kondensat-Lösung (b) war
nach 12 Tagen nicht mehr ausreichend mit Wasser verdünnbar.
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Anwendungsdaten (a) Was serverdünnbarkeit Zur Beurteilung der Wasserverdünnbarkeit
der in den Beispielen beschriebenen Kondensat-Lösungen wird ein elektrolythaltiges
Wasser folgender definierter Zusammensetzung verwendet: 283 mg CaC12 pro 1 H20 142.3
mg MgCl2 . 6 H20 11 II 1127 mg Na2S04 . 10 H20 " " " II 504 mg NaHC03 T? II II Wasserverdünnbarkeit
wird als ausreichend angesehen, wenn eine mit oben genanntem elektrolythaltigem
Wasser auf 5 Gew.% Festgehalt verdünnte Kondensatlösung länger als 6 Stunden ohne
Ausscheidung von Flocken oder Bildung von Bodensatz stabil blieb.
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(b) Reißfestigkeiten Zur Ermittlung der Reißfestigkeiten werden Glasfaservliese
mit einem Flächengewicht von 35 bis 50 g/m2 eingesetzt. Die darin enthaltenen Glasfasern
sind ca. 10 bis 15 mm lang und weisen im Mittel einen Durchmesser von 1211m auf.
Die Vliese wurden in einer 20 %igen wäßrigen Kondensat--Flotte von pH 4.0 (eingestellt
mit Phosphorsäure) auf 20 % Kondensatanteil bezogen auf Glasgewicht imprägniert
und anschließend in einem Umlauftrockenschrank 2 Min. bei 2000 c getrocknet.
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Anschließend wird die Reißfestigkeit des Vlieses im trockenen Zustand
sowie nach Lagerung während 15 Min. in Wasser von Raumtemperatur bestimmt.
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Die Prüfung der Reißfestigkeit erfolgt nach DIN 52141.
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Die so erhaltenen Werte sind für die nach den Beispielen und Vergleichsbeispielen
erhaltenen Kondensat-Lösungen in den Tabellen 1 und 2 zusammengestellt.
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Bestimmung der Rondensat-Kenndaten a) freier Formaldehyd Die Bestimmung
des Gehalts an freiem Formaldehyd erfolgte nach DeJong und DeJonge, Receuil Trav.
chim. PaysBas 71, 643 - 660 (1952).
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b) Viskosität Die Bestimmung erfolgte gemaß DIN 53211 durch Messung
der Auslaufzeit der Kondensat-Lösungsprobe im DIN-Becher 4 bei 200C.
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c) Feststoffgehalt 5 g Kondensat-Lösung werden auf 1 mg genau in einen
Weißblechdeckel eines Durchmessers von 5 cm eingewogen und 2 Stunden bei 1200C bei
Normaldruck im Trockenschrank aufbewahrt. Aus der Gewichtsdifferenz errechnet sich
der angegebene Festgehalt in % (m/m).
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Tabelle 1 Zusammensetzung, Kenndaten und Lagerstabilität Beispiel
Verleichsbeispiel 1 2 3 4 5 A B C Molverhältnis Formaldehyd/Harnstoff Anfang 2.05
2.05 2.05 2.05 2.05 2.00 2.00 2.00 Ende 1.60 1.75 1.90 1.80 1.80 2.00 2.00 2.00
Freier Formaldehyd (%) 0.1 0.15 0.44 0.15 0.25 2.10 a) 1.75 1.48 b) 1.50 Feststoffgehalt
(%) 55 55 55 55 61 60 a) 55 55 b) 55 Modifizierungsmittel Sulfit als HSO3 (Mol pro
Mol CH2O-gesamt) 0.013 0.013 0.013 0.013 0.013 - 0.0195 0.013 Methanol (Mol pro
Mol CH2O-gesamt) - - - 0.10 0.10 - - 0.10 Glyoxal (Mol pro Mol CH2O-gesamt) 0.024
0.024 0.024 0.024 0.024 a) 0.024 a) - a) -b) 0.024 b) 0.025 Lagerstabilität bzgl.
Wasserverdünnbarkeit (Tage) 40 48 69 90 64 9 a) 12-15 a) 3 a) 21 b) 77 b) 12
Tabelle
1 (Fortsetzung) Zusammensetzung, Kenndaten und Lagerstabilität Beispiel Vergleichsbeispiel
1 2 3 4 5 A B C Viskositätsuafbau Ausaufzeit gemäß DIN 53211 (Sec.) a) a) b) a)
b) nach 0 38 42 72 24 62 65 59 61 58 41 40 1 44 53 72 28 69 98 62 64 57 - 41 2 46
54 73 30 71 - 64 64 62 - 43 4 49 60 72 34 72 - - - 65 - -6 58 78 102 38 73 - - -
66 - -8 80 112 147 42 76 - - - 72 - -10 - - - 44 80 - - - 82 - -12 Wochen nach Herstellung
- - - 55 - - - - - - -
Tabelle 2 Anwendungstechnische Kenngrößen
Trockenreißfestigkeit Naßreißfestigkeit (N/5 cm) (N/5 cm) Beispiel 1 235 135 Beispiel
2 262 146 Beispiel 3 250 136 Beispiel 4 230 140 Beispiel 5 235 135 Vergleichsbeispiel
A a) 217 139 Vergleichsbeispiel B b) 212 119 Vergleichsbeispiel C a) u. b) keine
Messung, da Lagerstabilität bzw. Wasserverdünnbarkeit zu kurz