DE19926985A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Gelelektrophorese - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur GelelektrophoreseInfo
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Abstract
In einem Gelelektrophoresesystem, bei dem eine Vielzahl von Proben matrixartig in geraden Reihen und Spalten auf ein flächiges Trenngel 131 aufgebracht wird und unter der Wirkung eines elektrischen Feldes durch das Trenngel 130 läuft, wird mit mindestens zwei Elektrodenpaaren 121, 122 bzw. 123, 124, die an gegenüberliegenden Rändern des Trenngels angeordnete Elektroden umfassen, ein elektrischer Strom mit einer effektiven Stromrichtung derart gebildet, daß die Proben entsprechend mit einer Laufrichtung, die von den Reihen- und Spaltenrichtungen der Probenanordnung abweicht, durch das Trenngel laufen.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur
Gelelektrophorese mit einem Gelelektrophoresesystem, bei dem
eine Vielzahl von Proben simultan und räumlich voneinander ge
trennt auf eine flächige Gelmatrix in einer Pufferkammer auf
gebracht werden und unter der Wirkung eines elektrischen Fel
des durch die Gelmatrix laufen.
Die Gelelektrophorese ist ein allgemein bekanntes analytisches
Trennverfahren, bei dem aus verschiedenen Komponenten zusam
mengesetzte Proben unter der Wirkung eines elektrischen Feldes
durch ein Gel laufen, wobei die verschiedenen Komponenten mit
verschiedenen elektrischen Eigenschaften sich in ihrer Laufge
schwindigkeit und damit im Ergebnis der Trennung in ihrer Po
sition im Gel unterscheiden. Bevorzugte Anwendungen ergeben
sich in der Biochemie, Biologie und Medizin, z. B. bei der Ana
lyse von DNA-Proben (Primer, PCR-Produkte, Plasmide, usw.).
Allgemein gilt bei der Elektrophorese:
= .Q (1)
mit: = elektr. Kraft, = elektr. Feldstärke und
Q = elektr. Ladung im Feld.
Die Laufgeschwindigkeit eines Ions ist gegeben durch:
mit ν = Geschwindigkeit, E elektr. Feldstärke, U = elektr.
Spannung, R = elektr. Widerstand, I = elektr. Stromstärke und
µe= elektrophoretische Mobilität.
Bei der Elektrophorese wird meist einer der elektrischen Para
meter konstant gehalten. Beispielsweise bei konstanter Strom
stärke bedeutet dies, daß die Wanderungsgeschwindigkeit der
Makromoleküle, die direkt proportional zur Stromstärke ist
(Gl. 3), konstant bleibt.
Die Beladung der Gele erfolgt, indem die in gelöster oder sus
pendierter Form vorliegenden Proben z. B. mit einer Pipette von
einem Probenreservoir auf das Gel übertragen werden. Dieser
Übertragungsvorgang wirft die folgenden Probleme auf. Bei der
Beladung eines Gels mit einer großen Probenzahl stellt die
Probenübertragung, selbst wenn zum Beladen Mehrkanalpipetten
beispielsweise mit 8 oder 12 Kanälen eingesetzt werden, einen
erheblichen Zeitfaktor dar. Dies ist sowohl wegen der Verzöge
rung bei der Probenbearbeitung als auch wegen der Probenstabi
lität ein Nachteil. So werden in der Regel kleinste Probenmen
gen bereitgestellt bzw. der Gelelektrophorese unterzogen, die
empfindlich gegenüber Lösungsmittelverlusten durch Abdampfen
in die Umwelt sind.
Bei vielen Anwendungen werden die Probenreservoire durch
Mikrotiterplatten mit 96, 384 oder mehr Probenkammern (soge
nannte "Wells") gebildet. Zur Probenaufnahme aus Mikrotiter
platten sind Pipettiersysteme bekannt, bei denen eine Vielzahl
von Mikropipetten entsprechend dem Mikrotiterplattenformat an
geordnet sind. Bei einem 96-Kanal-Pipettiersystem beträgt der
Abstand zwischen benachbarten Pipettenspitzen in Reihen bzw.
Spalten jeweils 9 mm. Ein derartiges Pipettiersystem ist auch
zur Probenaufnahme an Mikrotiterplatten mit 384 oder mehr
Wells geeignet, da in diesen Fällen die Wells in mehreren ver
setzten 96er-Rastern angeordnet sind.
Ein herkömmliches, üblicherweise verwendetes Elektrophorese
system besteht aus einer Pufferkammer mit rechteckiger Grund
fläche, in der ein Gelträger zur Aufnahme des Trenngels (ggf.
auf einem separaten Gelträger) angeordnet ist. An zwei gegen
überliegenden Seiten der Pufferkammer befindet sich jeweils
eine streifenförmige Elektrode. Die Elektroden bilden ein
Elektrodenpaar, das bei Beaufschlagung mit einer elektrischen
Spannung im Gel ein elektrisches Feld bildet, unter dessen
Wirkung die Probenwanderung erfolgt. Dabei bewegen sich die
Proben auf einer geraden Laufstrecke entsprechend der Strom
richtung zwischen den Elektroden, z. B. bei DNA-Proben von der
Kathode zur Anode. Aufgrund der obengenannten Dimensionen der
Pipettiersysteme zur Probenaufnahme aus Mikrotiterplatten sind
die herkömmlichen Gelelektrophorese-systeme für eine unmittel
bare Probenübertragung im Mikrotiterplattenformat ungeeignet.
Die gerade Probenwanderung würde nämlich entlang der Reihen-
bzw. Spaltenausrichtung in der Pipettiermatrix erfolgen, so
daß sich bei dem genannten Mikrotiterplattenformat eine maxi
male Lauf- und damit Trennstrecke von höchstens 9 mm ergibt,
die jedoch in der Praxis durch die räumliche Ausdehnung der
Probenauflagebereiche auf dem oder im Gel noch verkürzt werden
würde (rd. 6 mm). Für eine qualitativ zuverlässige Aussage
sind jedoch Trennstrecken von mindestens 20 mm erforderlich.
Bisher konnte für diese Diskrepanz nur eine Lösung dadurch ge
funden werden, daß beispielsweise nur jede dritte Pipette des
Pipettiersystems eine Probe auf ein entsprechend vorbereitetes
Gel überträgt, so daß genügend Platz für auswertbare Lauf-
bzw. Trennstrecken bleibt. Damit ergibt sich jedoch wiederum
ein verminderter Probendurchsatz und ein relativ hoher Aufwand
an Material (Gel), und Vorbereitungszeit (Präparation des Ge
lelektrophoresesystems) im Verhältnis zur Anzahl der getrenn
ten Proben.
Neben den genannten Gelelektrophoresesystemen mit zwei Elek
troden sind auch komplexere Systeme mit sogenannten Hexagonal
elektroden bekannt. Die Hexagonalelektroden sind zur Durchfüh
rung der sogenannten Pulsfeldelektrophorese unter Verwendung
von Wechselfeldern ausgelegt, wobei für größere Molekülkompo
nenten in der Probe eine bessere Auflösung erzielt wird. Auch
bei der Pulsfeldelektrophorese laufen die Proben gerade
zwischen den Elektroden, d. h. im rechten Winkel zu einer der
Seitenkanten des Trenngels. Aus diesem Grund wäre auch bei
diesen Systemen bei Verwendung von Mehrkanalpipetten im Mikro
titerplattenformat eine Begrenzung der Laufstrecke gegeben.
Wegen der erforderlichen Trennstrecken von mindestens 20 mm
ist daher eine Beladung des Trenngels im Mikrotiterplattenfor
mat ausgeschlossen.
Es ist ferner allgemein bekannt, herkömmliche Gelelektrophore
sesysteme mit einer Pufferkammer mit zwei Elektroden so auszu
legen, daß eine Probenmatrix mit rechteckiger Grundfläche in
Bezug auf die Elektroden schräg ausgerichtet ist. Damit wird
zwar eine Verlängerung der Laufstrecke erzielt. Es ergibt sich
jedoch ein relativ hoher Materialaufwand für ungenutzte Gelbe
reiche und eine erheblich vergrößerte Pufferkammer, deren
Grundfläche sich beispielsweise verdoppelt, so daß das System
gegebenenfalls mit handelsüblichen Auftragegeräten (Temperie
rung, Lagerung usw.) nicht mehr kompatibel ist.
Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Gelelektro
phoreseverfahren anzugeben, mit dem die Nachteile der herkömm
lichen Systeme überwunden werden und das insbesondere eine un
mittelbare Probenübertragung von gängigen Probenreservoirfor
maten auf das Trenngel ermöglicht. Das neue Verfahren soll
ferner eine Verlängerung der Laufstrecken im Trenngel ohne
eine Pufferkammervergrößerung ermöglichen. Die Aufgabe der Er
findung ist es auch, ein Gelelektrophoresesystem zur Realisie
rung eines derartigen Verfahrens anzugeben.
Diese Aufgaben werden durch Verfahren bzw. eine Vorrichtung
mit den Merkmalen gemäß den Patentansprüchen 1, 9 bzw. 10 ge
löst. Vorteilhafte Ausführungsformen und Verwendungen der
Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Bei einem erfindungsgemäßen Gelelektrophoresesystem werden die
Proben matrixartig in geraden Reihen und Spalten auf das
Trenngel aufgebracht und mindestens zwei Elektrodenpaare
jeweils an den zueinander gegenüberliegenden Rändern des
Trenngels, deren Elektroden sich parallel zu den Reihen bzw.
Spalten erstrecken, mit elektrischen Spannungen derart beauf
schlagt, daß sich im Trenngel ein elektrisches Feld ausbildet,
dessen Richtung von den Reihen- und Spaltenrichtungen der
Probenanordnung abweicht. Damit wird ein elektrischer Strom
mit einer effektiven Stromrichtung in Abhängigkeit von den
Verhältnissen der Teilströme jeweils eines Elektrodenpaares
und damit eine Laufrichtung derart eingestellt, daß die Proben
zwischen den benachbarten Proben bzw. Probenlaufstrecken hin
durchlaufen. Die elektrischen Spannungen können Gleichspannun
gen, gepulste Gleichspannungen oder auch hochfrequente Wech
selspannungen sein.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das
Gelelektrophoresesystem im wesentlichen wie ein herkömmliches
System mit einer rechteckigen Pufferkammer aufgebaut, wobei
jedoch nicht nur ein Elektrodenpaar sondern mindestens zwei
Elektrodenpaare vorgesehen sind. An den paarweise gegenüber
liegenden Seiten der Pufferkammer befindet sich jeweils eine
gerade, streifen- oder bandförmige Kathode bzw. Anode.
Gemäß abgewandelten Ausführungsformen ist es auch möglich,
mehr als zwei Elektrodenpaare um das Trenngel anzuordnen, wo
bei die einzelnen Elektroden gerade, streifen- oder bandförmi
ge Elektroden sind, die sich parallel zu den Reihen oder Spal
ten der Probenmatrixanordnung erstrecken.
Werden elektrische Felder mit verschiedenen Richtungen gebil
det, so ergibt sich die effektive Wanderungs- oder Laufrich
tung aus der Summe aller angelegten Feldvektoren.
Im einfacheren Fall mit zwei Elektrodenpaaren gilt somit:
FR = √F₁² + F₂² + 2F₁F₂ cosy (4)
mit FR = Betrag der resultierenden Kraft, F1 = Betrag Einzel
kraft 1 und F2 = Betrag Einzelkraft 2, γ = Winkel zwischen den
Einzelkräften. Bilden beide Kräfte einen rechten Winkel, so
vereinfacht sich die Gleichung zu
FR = √F₁² + F₂² (5)
Ein wichtiger Gesichtspunkt der Erfindung ist die Gestaltung
der Probentaschen im Trenngel mit einem Gelkamm. Die Proben
taschen sind Ausnehmungen im Trenngel mit einer üblicherweise
rechteckigen Grundfläche, wobei die Normale zur längeren
Taschenseite, die die Startlinie beim Trennvorgang bildet,
eine von den Reihen- bzw. Spaltenrichtungen abweichende Aus
richtung besitzt, die vorzugsweise mit der Feldrichtung im
Trenngel übereinstimmt. Zur Bildung derart ausgerichteter Pro
bentaschen wird ein Gelkamm beschrieben, der eine Vielzahl von
Zähnen zum Einprägen der Probentaschen im Gel besitzt. Die
Zähne sind im Mikrotiterplattenformat angeordnet und jeweils
gegenüber der Matrixausrichtung um einen vorbestimmten Winkel
verdreht.
Gegenstand der Erfindung ist somit auch eine Gesamtanordnung
zur Gelelektrophorese, bestehend aus einer Pufferkammer mit
mehreren Elektroden, einem Gelträger und einem Gelkamm.
Die Erfindung besitzt die folgenden Vorteile. Es wird erstma
lig ein Gelelektrophoresesystem geschaffen, mit dem das Trenn
gel mit einem vollständig 96er-Pipettiersystem direkt beladen
werden kann. Dies ermöglicht, insbesondere bei großen Proben
zahlen, eine erhebliche Zeiteinsparung (Arbeitszeit pro Gel)
und bietet auch eine Automatisierungsfähigkeit. Das manuelle
Beladen des Gels mit Einfach- oder Multipipetten entfällt. Da
durch werden Pipettierfehler vermieden und der Materialver
brauch in Bezug auf die beim manuellen Beladen ständig auszu
wechselnden Pipettenspitzen drastisch reduziert. Durch die
direkte, schnelle Probenübertragung von Probenreservoiren auf
das Gel wird eine unkontrollierte Migration der Proben im Gel
und eine undefinierte Probenverdunstung ausgeschlossen. Die
erfindungsgemäß gestaltete Pufferkammer besitzt das 96er-
Mikrotiterplattenformat, so daß die Kompatibilität mit den
verfügbaren Laborsystemen erhalten bleibt. Aufgrund des rela
tiv zur Matrixausrichtung schrägen Wanderns der Probe werden
Laufstrecken von mehr als 25 mm erzielt.
Des weiteren wird die Ausnutzung der Trenngele erheblich ver
bessert. Erstens ist das Gel in der Pufferkammer im 96er-
Mikrotiterplattenformat kleiner als bisher für vergleichbare
Probenmengen benutzte Gele. Außerdem liegen die Trennstrecken
dichter beieinander. Dadurch reduzieren sich die Kosten für
die Bereitstellung des Trenngels.
Schließlich wird durch die erfindungsgemäße Gelelektrophorese
die Sensitivität des Trennverfahrens gesteigert. Es sind bei
spielsweise weniger als 0.5 µl PCR-Produkt pro Probentasche
erforderlich, um dennoch eine gut sichtbare und auswertbare,
aussagekräftige Bande im Trenngel zu erhalten.
Ein besonderer Vorteil der Erfindung besteht darin, daß mit
einem relativ einfachen Elektrodenaufbau elektrische Feldbe
dingungen im Gel eingestellt werden können, die einerseits den
gewünschten Schräglauf der Proben ermöglichen und gleichzeitig
für die Erzielung reproduzierbarer Ergebnisse an sämtlichen
Proben genügend homogen sind.
Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden aus der
folgenden Beschreibung der beigefügten Zeichnungen ersicht
lich. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Draufsicht auf die
Pufferkammer einer erfindungsgemäßen
Gelelektrophoresevorrichtung,
Fig. 2 eine Perspektivansicht der Pufferkammer
gemäß Fig. 1,
Fig. 3 eine Übersichtsdarstellung eines Gelelek
trophoresesystems,
Fig. 4 einen Gelkamm zur Ausbildung erfindungs
gemäß orientierter Probentaschen, und
Fig. 5 eine Draufsicht auf ein Trenngel nach
Durchführung der elektrophoretischen
Probentrennung.
Die Fig. 1 und 2 illustrieren eine erfindungsgemäße Gelelek
trophoresevorrichtung 100 in schematischer Draufsicht bzw. in
Perspektivansicht. In den Abbildungen werden lediglich wesent
liche Merkmale der Pufferkammer 110 mit den Elektroden 120 und
dem Gelträger 130 gezeigt. Weitere Einzelheiten der Gelelek
trophoresevorrichtung, wie z. B. die Bereitstellung von Verbin
dungen mit einer Steuereinrichtung, gegebenenfalls Abdeckein
richtungen, Temperiereinrichtungen und dgl., sind an sich von
der herkömmlichen Gelelektrophorese bekannt und werden daher
im einzelnen nicht beschrieben. Die Erfindung wird beispiel
haft unter Bezug auf eine 96-er Matrix entsprechend dem häufig
verwendeten Mikrotiterplattenformat beschrieben, ist jedoch
entsprechend mit größeren (z. B. 384-er Matrix) oder kleineren
(z. B. 8-er oder 12-er Matrix) Formaten realisierbar.
Die Pufferkammer 110 wird durch die rechteckige Grundfläche
111 und die Seitenwände 112 in Form einer flachen, nach oben
offenen Schale gebildet. Sie besteht vorzugsweise aus einem
transparenten Kunststoffmaterial. An den Innenseiten der
Seitenwände 112 sind Elektrodenhalterungen 113 (in Fig. 1
nicht dargestellt) vorgesehen. Die Elektrodenhalterungen 113
sind in den Eckbereichen der Pufferkammer 110 angeordnet, wo
bei jeweils zwei Elektrodenhalterungen als Träger für eine
Elektrode (121-124) dient, die sich zwischen den Elektroden
halterungen 113 gerade längs der Seitenwand im Inneren der
Pufferkammer 110 erstrecken. In den Seitenwänden 112 sind fer
ner elektrische Durchführungen 114 vorgesehen. Jede Durchfüh
rung 114 enthält eine elektrische Leitungsverbindung zwischen
einer zugehörigen Elektrode (121-124) und einer (nicht darge
stellten) Steuereinrichtung. Zur Vermeidung von Feldverzerrun
gen sind die Durchführungen 114 vorzugsweise gleichförmig in
den Ecken der Pufferkammer 110 angeordnet.
Die Elektroden 120 umfassen zwei Elektrodenpaare 121, 122 bzw.
123, 124, von denen jeweils eine Elektrode eine Kathode 121
bzw. 123 und die zweite Elektrode eine Anode 122 bzw. 124 bil
det. Die zusammengehörigen Kathoden und Anoden sind einander
gegenüberliegend an den entgegengesetzten Seitenwänden 112 der
Pufferkammer 110, sich über die gesamte Seitenlänge der Sei
tenwände 112 oder zumindest über die Seitenlänge des Gelträ
gers 130 (s. unten) erstreckend, angeordnet. Jede der Elektro
den ist so aufgebaut, wie es von den herkömmlichen Gelelektro
phoresevorrichtungen an sich bekannt ist und besteht bei
spielsweise aus einem inerten Metallstreifen oder -draht, der
zwischen den zugehörigen Elektrodenhalterungen 113 gerade auf
gespannt ist.
In der Mitte der Pufferkammer 110 ist der Gelträger 130 zur
Aufnahme des Trenngels 131 angeordnet. Der Gelträger besitzt
eine rechteckige Form und eine Gestalt, die vom Rand des Gel
trägers 130 zur benachbarten Seitenwand 112 der Pufferkammer
110 jeweils den gleichen Abstand läßt. Typische Dimensionen
sind beispielsweise für den Gelträger 130 eine Fläche von rd.
150 mm.100 mm und für die Grundfläche der Pufferkammer 110
und 270 mm.220 mm. Ein besonderer Vorteil dieser Dimensio
nierung besteht darin, daß der Gelträger so aufgebaut ist, daß
er in die Mikrotiterplattenaufnahme üblicherweise Pipettier
systeme bzw. Probenauftragesysteme (s. Fig. 3) paßt.
Im Gelträger 130 befindet sich die Gelmatrix (Trenngel), die
aus einem üblichen Trennmedium, wie z. B. Agarose oder
Polyacrylamid, besteht. In der Oberfläche des Trenngels sind
Probentaschen 132 ausgebildet. Es ist eine Vielzahl von Pro
bentaschen 132 vorgesehen (nur teilweise dargestellt), die
matrixartig, flächig in geraden Reihen bzw. Spalten angeordnet
sind. In Fig. 1 sind nur die äußeren Probentaschen gezeigt.
Die Zahl der Probentaschen und ihre Abstände werden anwen
dungsabhängig entsprechend der Probenanordnung in einem
Probenreservoir gewählt, von dem die Proben auf das Gel über
tragen werden sollen. Die Probenreservoire sind vorzugsweise
Mikrotiterplatten. Daher wird die Anordnung der Probentaschen
dem jeweils verwendeten Mikrotiterplattenformat angepaßt.
Übliche Formate sind z. B. das 96er-Format (wie in Fig. 1 und 2
dargestellt) mit 12 Spalten und 8 Reihen, das 384er-Format mit
24 Spalten und 16 Reihen oder auch das 1536er-Format mit 48
Spalten und 32 Reihen. In jedem Fall ist noch eine Zusatzspal
te 133 zur Aufbringung von Referenzproben oder Markern vorge
sehen. Die entsprechenden Mitte-Mitte-Abstände der Proben
taschen betragen bei diesen Formaten jeweils entsprechend
9 mm, 4.5 mm bzw. 2.25 mm in Reihen- bzw. Spaltenrichtung. Die
Probentaschen werden mit einem erfindungsgemäß gestalteten
Gelkamm in das Trenngel 131 eingeprägt, wie dies unten im ein
zelnen unter Bezug auf Fig. 4 erläutert wird.
Fig. 3 zeigt gemäß einem wichtigen Gesichtspunkt der Erfindung
ein Gelelektrophoresesystem, bei dem eine Gelelektrophorese
vorrichtung 100 gemäß den Fig. 1 bzw. 2 mit einem an sich be
kannten Pipettiersystem 200 kombiniert ist. Das Pipettier
system 200 umfaßt eine Pipettenmatrix 210, die mit einem Trä
ger- und Antriebssystem 220 zwischen einer Mikrotiterplatte
230 und der Gelelektrophoresevorrichtung 100 in allen Raum
richtungen verfahrbar und an der Mikrotiterplatte 230 zur Pro
benaufnahme bzw. an der Vorrichtung 100 zur Probenablage aus
gebildet ist. Die Pipettenmatrix 210 umfaßt z. B. 96 Mikropi
petten 211, die in 12 geraden Reihen bzw. 8 geraden Spalten
entsprechend dem 96er-Mikrotiterplattenformat angeordnet sind
(nur teilweise gezeigt). Die Pipettenmatrix wird in an sich
bekannter Weise, wie es beispielsweise beim Betrieb von Pik
king-Spotting-Robotern üblich ist, so betätigt, daß sämtliche
Mikropipetten simultan an der Mikrotiterplatte 230 mit Proben
beladen werden. Die Pipettenmatrix 210 ist auch zur Probenauf
nahme an den obengenannten engeren Mikrotiterplattenformaten
angepaßt, wobei dann gegebenenfalls 4 bzw. 16 Probenaufnahme
vorgänge sequentiell erfolgen.
Im einzelnen erfolgt eine erfindungsgemäße Gelelektrophorese
entsprechend den folgenden Schritten. Zuerst wird ein Gelträ
ger 130 mit einem vorbereiteten Trenngel in einem Gelelektro
phoresesystem gemäß Fig. 3 mit Proben beladen (Pfeil A) und in
die Pufferkammer 110 eingesetzt (Pfeil B). Anschließend wird
der Gelträger mit der beladenen Trenngelmatrix mit einem soge
nannten Laufpuffer (Elektrolyt) überschichtet. Danach folgt
der eigentliche Trennvorgang, in dem an die ersten und zweiten
Elektrodenpaare 121, 122 bzw. 123, 124 Gleichspannungen zur
Erzeugung elektrischer Felder angelegt werden, unter deren
Wirkung ein Stromfluß durch das Trenngel 131 erfolgt. Durch
Einstellung eines bestimmten Spannungs- oder Stromverhältnis
ses zwischen den Elektrodenpaaren wird die Feldrichtung des
sich aus den einzelnen elektrischen Feldern zusammensetzenden
Gesamtfeldes in vorbestimmter Weise um einen Feldwinkel α von
den Reihen- oder Spaltenrichtungen der Probentaschen 132 ab
weichend eingestellt. Ein besonderer Vorteil der Erfindung be
steht darin, daß mit den beiden Elektrodenpaaren ein resultie
rendes elektrisches Feld im gesamten Trenngel mit dem defi
nierten Feldwinkel α erzeugt wird, der bei der dargestellten
Ausführunsform lediglich von den zwischen den Elektrodenpaaren
fließenden Strömen I1, I2 gemäß
tan α = I1/I2 (6)
abhängt (α in Bezug auf Spaltenrichtung, siehe auch Fig. 1).
Bei typischen Strömen von z. B. I1 = 20 mA und I2 = 60 mA ergibt
sich ein Feldwinkel α von rd. 19°.
Der Feldwinkel α (Laufwinkel) wird anwendungsabhängig gewählt,
um möglichst lange, freie Trennstrecken zu erzielen. Allgemein
ist der Feldwinkel α zwischen 0° und 90° in Bezug auf die
Reihenrichtung (oder entsprechend in Bezug auf die Spalten
richtung) einstellbar. Die Laufrichtung der Probe entspricht
dem Feldwinkel.
Die konkreten elektrischen Parameter (Spannungen, Stromstär
ken) werden in an sich bekannter Weise in Abhängigkeit insbe
sondere vom Material des Trenngels 131 und von der Elektrolyt
lösung gewählt. Typische Werte liegen bei Trennungen in Agaro
se bei Spannungen von rd. 200 V bzw. Stromstärken im mA-
Bereich. Bei Trennungen im PCA wird mit Spannungen bis in den
kV-Bereich gearbeitet (hochauflösende Sequenzierung). Die
Spannungs- bzw. Stromstärkenverhältnisse zwischen den Elektro
denpaaren werden je nach dem gewünschten Trennwinkel α einge
stellt. Zur Einstellung der elektrischen Parameter werden vor
zugsweise geregelte Netzteile verwendet, die den elektrischen
Strom konstant halten und die Spannung nachregeln. Da es wäh
rend der Elektrophorese zur Wärmeentwicklung kommt, würde sich
sonst bei konstanter Spannung in nachteiliger Weise die Wande
rungsgeschwindigkeit verringern.
Nach dem Durchlaufen der Trennstrecke wird der Trennvorgang
beendet, der Gelträger mit dem Trenngel 131 aus der Pufferkam
mer 110 entnommen und der weiteren Auswertung zugeführt.
Fig. 4 zeigt einen Gelkamm 140 in Draufsicht und zwei Seiten
ansichten. Der Gelkamm 140 dient der Ausbildung der Probenta
schen 132 im Trenngel 131 (s. Fig. 2). Hierzu besitzt der Gel
kamm 140 eine Vielzahl von matrixartig in geraden Reihen und
Spalten angeordneten Zähnen 141, die aus einer gemeinsamen
Trägerplatte 142 entsprechend der gewünschten Tiefe der Pro
bentaschen 132 herausragen. An der Trägerplatte 142 sind fer
ner Justierungselemente 143, vorzugsweise an den Ecken der
Platte angebracht, die mit entsprechenden Justierungselementen
des Gelträgers 130 zusammenwirken. Jeder Zahn besitzt eine
rechteckige Grundfläche. Wie in der Draufsicht gemäß Fig. 4
illustriert ist, sind die Zähne 141 in Bezug auf die Reihen-
bzw. Spaltenausrichtung der Matrixanordnung um einen Winkel α
gedreht angeordnet, der vorzugsweise dem Feldwinkel α ent
spricht. Beim dargestellten Beispiel beträgt α 19°. Es ist je
doch nicht zwingend erforderlich, daß die Verdrehung der Zähne
141 und der Feldwinkel identisch sind. Es können auch geringe
Abweichungen auftreten, ohne daß das Trennergebnis gestört
wird.
Typische Dimensionen des Gelkamms 140 gemäß Fig. 4 sind eine
Trägerplattendicke von rd. 7 mm, eine Zahnhöhe von rd. 3 mm,
eine Trägerplattenfläche von rd. 150 mm.100 mm und eine Höhe
der Justierelemente 143 von rd. 4 mm. Die Matrixanordnung der
Zähne 141 entspricht der Probenanordnung im Probenreservoir
und somit vorzugsweise einem Mikrotiterplattenformat, wie dies
oben erläutert wurde. Die einzelnen Zähne 141 besitzen einen
zum Ende hin geringer werdenden Querschnitt. Der Winkel β für
die Neigung der Zähne beträgt z. B. 92°.
Zur Bereitstellung der gewünschten Probentaschen 132 im Trenn
gel 131 (s. Fig. 2) wird der Gelträger 130 mit einem Gel im
flüssigen Zustand gefüllt. Der Gelkamm 140 wird über Kopf auf
den Gelträger 130 aufgesetzt und das Trenngel 131 gehärtet.
Anschließend wird der Gelkamm 140 abgenommen und der Gelträger
steht für die Probenbeladung bereit.
Fig. 5 illustriert ein mit dem erfindungsgemäße Gelelektropho
resesystem erzieltes Trennergebnis. Die dunklen Punkte lassen
die Positionen der Probentaschen 132 mit den abgelegten, zu
trennenden Proben erkennen. Die schwächer geschwärzten Spuren
zeigen die Trennstrecken 134, die mit einem Winkel α = 26°
gegenüber der Reihenausrichtung versetzt sind. Im linken Teil
der Abbildung sind die Trennergebnisse der Referenzproben 133
erkennbar.
Abweichend von den beschriebenen Ausführungsformen kann ein
erfindungsgemäßes Gelelektrophoresesystem wie folgt modifi
ziert werden. Es ist möglich, anstelle von vier Einzelelektro
den, die die zwei Elektrodenpaare bilden, mehr Einzelelektro
den vorzusehen, um den Feldverlauf der Probenkammer zu homoge
nisieren oder feiner einzustellen. So können beispielsweise an
jeder Probenkammerseite zwei gerade, einzeln ansteuerbare Ein
zelelektroden vorgesehen sein, die mit den jeweiligen gegen
überliegenden Elektroden ein Elektrodenpaar bilden. Der Gel
kamm kann anstelle des 96er-Formats für ein 384er-Format oder
auch ein 1536er-Format ausgelegt sein, wobei Zahn-Zahn-
Abstände von 4,5 mm bzw. 2,2 mm ausgebildet werden. Die Grund
fläche der einzelnen Probentasche wird dann entsprechend ver
kleinert.
Claims (14)
1. Verfahren zur Gelelektrophorese, bei dem eine Vielzahl von
Proben matrixartig in geraden Reihen und Spalten auf ein
flächiges Trenngel (131) aufgebracht werden und unter der Wir
kung eines elektrischen Feldes durch das Trenngel (131)
laufen,
dadurch gekennzeichnet, daß
mit mindestens zwei Elektrodenpaaren (121, 122 bzw. 123, 124),
die an gegenüberliegenden Rändern des Trenngels (131) angeord
nete Elektroden umfassen, ein elektrischer Strom mit einer ef
fektiven Stromrichtung derart gebildet wird, daß die Proben
entsprechend mit einer Laufrichtung, die von den Reihen- und
Spaltenrichtungen der Probenanordnung abweicht, durch das
Trenngel laufen.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem die Laufrichtung der
Proben so eingestellt wird, daß sich für jede Probe eine
Trennstrecke ergibt, die im Trenngel durch Lücken zwischen
benachbarten Proben verläuft.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, bei dem elektrische Fel
der mit verschiedenen Richtungen gebildet werden, wobei sich
die effektive Laufrichtung der Proben aus der Summe aller an
gelegten Feldvektoren ergibt.
4. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem an jeder Seite des
Trenngels (131) eine der Elektroden (121-124) angebracht ist,
von denen jeweils zwei gegenüberliegende Elektroden ein Elek
trodenpaar bilden und mit Spannungen zur Erzeugung elektri
scher Ströme (I1, I2) in einem vorbestimmten Verhältnis I1/I2
beaufschlagt werden, das mit einem Feldwinkel α zwischen der
Laufrichtung und der Reihen- oder Spaltenausrichtung gemäß
I1/I2 = tan α zusammenhängt.
5. Verfahren gemäß Anspruch 4, bei dem an jeder Seite des
Trenngels (131) mehrere Elektroden vorgesehen sind, die zur
Feineinstellung der Stromrichtung separat mit Spannungen be
aufschlagt werden.
6. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem die Proben jeweils in
einer Probentasche (132) mit rechteckiger Grundfläche abgelegt
werden, die entsprechend der Laufrichtung gegenüber der
matrixartigen Probenanordnung verdreht ist.
7. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem die Proben mit einer
Pipettiermatrix (210) auf das Trenngel (131) aufgebracht wer
den.
8. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem die Proben entsprechend
dem Format einer Mikrotiterplatte aufgebracht werden.
9. Verfahren zur Gelelektrophorese, bei dem mit einer
Pipettiermatrix (210) Proben von einer Mikrotiterplatte (230)
auf ein Trenngel (131) eines Gelträgers (130) entsprechend dem
Format der Probenanordnung in der Mikrotiterplatte (230) auf
gebracht und einer Gelelektrophorese mit schräg zu den Spal
ten- bzw. Reihenrichtungen der Probenanordnung ausgerichteten
Trennstrecken ausgesetzt wird.
10. Gelelektrophoresesystem mit einer Pufferkammer (110), in
der ein flächiger Gelträger (130) mit einem Trenngel (131) an
geordnet ist und an deren Seitenwänden streifenförmige Elek
troden angebracht sind,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Elektroden mindestens zwei Elektrodenpaare (121, 122 bzw.
123, 124) bilden, wobei die Elektroden jedes Elektrodenpaares
an verschiedenen, paarweise zueinander gegenüberliegenden
Seiten des Gelträgers (130) angeordnet sind.
11. Gelelektrophoresesystem gemäß Anspruch 10, bei dem der
Gelträger (130) das Format einer Mikrotiterplatte besitzt.
12. Gelelektrophoresesystem gemäß Anspruch 10 oder 11, bei dem
ein Gelkamm (140) zur Einbringung von Probentaschen (132) in
das Trenngel (131) vorgesehen ist, wobei der Gelkamm (140)
matrixartig, in geraden Reihen und Spalten angeordnete Zähne
(141) mit einer Grundfläche aufweist, die gegenüber der Aus
richtung der Spalten bzw. Reihen verdreht ist.
13. Verwendung eines Gelelektrophoreseverfahrens oder einer
Vorrichtung gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche zur
Probenanalyse in der Biochemie, Biologie und/oder Medizin.
14. Verwendung eines Gelelektrophoreseverfahrens oder einer
Vorrichtung gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche zur
Analyse von DNA-Proben.
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