DE19910211A1 - Verfahren zur Behandlung eines Salze enthaltenden wäßrigen Abfallstroms - Google Patents
Verfahren zur Behandlung eines Salze enthaltenden wäßrigen AbfallstromsInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung eines Salze enthaltenden wäßrigen Abfallstroms, in dem mindestens ein organischer Schadstoff dispergiert oder gelöst ist, in überkritischem Wasser, bei dem der Abfallstrom in einem Reaktor auf überkritische Bedingungen gebracht und der Schadstoff im Reaktor unter überkritischen Bedingungen oxidiert wird. Dieses Verfahren soll so ausgestaltet werden, daß Salzausfällungen im Reaktor während der Oxidation der organischen Schadstoffe unter überkritischen Bedingungen verhindert werden. Dies wird dadurch erreicht, daß die Salze mehrwertiger Metalle vor der Oxidation der organischen Verbindung abgetrennt werden und die überkritischen Bedingungen im Reaktor so gewählt werden, daß die Salze einwertiger Metalle in Lösung bleiben.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung eines Salze
enthaltenden wäßrigen Abfallstroms gemäß dem Oberbegriff des er
sten Patentanspruchs.
Unter einem wäßrigem Abfallstrom soll im folgenden salzhaltiges,
mit einem oder mehreren organischen Schadstoffen verunreinigtes
Abwasser verstanden werden, wie es beispielsweise als Sickerwas
ser in Müll- und Sondermülldeponien entsteht oder von der chemi
schen oder pharmazeutischen Industrie abgegeben wird. Solche Ab
fallströme enthalten als anorganische Bestandteile hauptsächlich
Chloride und Sulfate von Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium.
Als organische Bestandteile sind in der Regel eine Vielzahl or
ganischer Schadstoffe gelöst oder dispergiert, die zum Teil He
teroatome wie Chlor und/oder andere Halogenide, Schwefel und
Phosphor enthalten, wie zum Beispiel chlorierte Kohlenwasser
stoffe, vor allem Dioxine und Furane.
Ein Verfahren der eingangs genannten Art ist aus der DE 31 18 348 C2
bekannt. Gemäß dem dort beschriebenen Verfahren werden in
einem Reaktor eine Reihe von Ausgangsstoffen unter überkriti
schen Bedingungen in Wasser umgesetzt. Beispielsweise wird See
wasser oder eine Sole oder ein anderes verunreinigtes Wasser
eingesetzt, das organische Materialien enthält. Wenn die Auslaß
temperatur des Reaktors oberhalb 450°C liegt, können übliche
Ascheabtrenner verwendet werden, die dem Reaktor nachgeschaltet
sind und in denen Natriumchlorid, Kalziumchlorid, Ferrioxid und
dergleichen ausgefällt werden, so daß ein Entsalzungseffekt be
wirkt wird (Seite 6, Zeilen 23 ff.). Bei diesem Vorgehen tritt
jedoch das Problem auf, daß die Salze zumindest teilweise be
reits im Reaktor ausfallen und hier zu Verstopfungen führen,
denn in überkritischem Wasser lösen sich Salze schlecht. Außer
dem bildet sich bei der Oxidation der organischen Materialien
und der anschließenden Neutralisation aus vorhandenen Heteroato
men zusätzliches Salz, das die Menge der Ausfällungen ver
größert.
Die Veröffentlichung von V. Casal und H. Schmidt: "SUWOX - a
facility for the destruction of chlorinated hydrocarbons" im
Journal of Supercritical Fluids 13 (1998) 269-276 beschreibt
eine Anlage zur Oxidation von chlorierten Kohlenwasserstoffen in
Wasser unter überkritischen Bedingungen, die bei Drücken von 400
bis 450 bar und Temperaturen von 420°C bis 500°C betrieben wird.
Unter diesen Bedingungen kann Kochsalz, das durch Neutralisation
mit Natronlauge aus der gebildeten Salzsäure entsteht, in Lösung
gehalten werden.
In der Veröffentlichung von James L. Bischoff und Kenneth S.
Pitzer: "Liquid-Vapor Relations for the System NaCl-H2O: Summary
of the p-T-x Surface from 200° to 500°C", American Journal of
Science, Vol. 289, March, 1989, pp. 217-248, ist die Abhängig
keit der Wasserlöslichkeit von Kochsalz in Abhängigkeit von
Druck, Temperatur und. Konzentration unter überkritischen Bedin
gungen in Diagrammen dargestellt. Aus den Diagrammen ergibt
sich, daß sich bei einem Druck von 350 bar und einer Temperatur
bis zu 420°C beträchtliche Mengen von Kochsalz in überkritischem
Wasser lösen oder in Lösung bleiben; bei 750 bar können Tempera
turen bis 550°C eingestellt werden, ohne daß Kochsalz ausfällt.
Enthält der wäßrige Abfallstrom nur Kochsalz, kann das Problem
der Salzausfällungen im Reaktor, wie in der Veröffentlichung von
Casal und Schmidt beschrieben, dadurch beherrscht werden, daß
die entsprechenden, aus der Veröffentlichung von Bischoff und
Pitzer bekannten Drücke und Temperaturen eingestellt werden,
insbesondere, wenn eine gegebenenfalls notwendige Neutralisation
im Abfallstrom enthaltener oder durch Umsetzung von organischen
Chloriden entstehender Salzsäure nur mit Natronlauge
durchgeführt wird oder wenn der Abfallstrom eine hohe Kochsalz
fracht enthält.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Salze mehrwertiger Metalle,
insbesondere des Calciums, in überkritischem Wasser nur unter
unwirtschaftlich hohen Drücken und Temperaturen in Lösung gehal
ten werden können. Die Salze mehrwertiger Metalle fallen daher
in einem überkritischen Reaktor auch dann aus, wenn Druck und
Temperatur bei der Oxidation der organischen Schadstoffe so ein
gestellt werden, daß die Ausfällung von Salzen einwertiger Me
talle, insbesondere des Natriums, verhindert wird. Da sich die
ausgefallenen Salze im Reaktor anreichern, wird das Problem des
Verstopfens von Rohrleitungen und anderer Komponenten durch eine
solche Verfahrensführung nur verzögert und nicht verhindert.
Andererseits verbietet es sich aus wirtschaftlichen Gründen, dem
Abfallstrom vor dem Eintritt in den Reaktor die gesamte Salz
fracht zu entziehen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, Salzausfällungen
im Reaktor während der Oxidation der organischen Schadstoffe ei
nes salzhaltigen Abfallstroms unter überkritischen Bedingungen
zu verhindern.
Die Lösung der Aufgabe ist im Kennzeichen des ersten Patentan
spruchs beschrieben. Die weiteren Ansprüche geben bevorzugte
Ausgestaltungen des Verfahrens an.
Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, nur diejenigen Salze
vor dem Eintritt in den Reaktor abzutrennen, die unter den im
Reaktor herrschenden Bedingungen nicht in Lösung gehalten werden
können. Dies sind die Salze mehrwertiger Metalle, insbesondere
des Calciums. Die übrigen Salze sollen mit dem Abfallstrom in
den Reaktor geleitet werden, da sie unter den durch Bischoff und
Pitzer bekannten Drücken und Temperaturen in Lösung gehalten
werden können und daher den Reaktor praktisch vollständig wieder
verlassen. Auf diese Weise kann das Problem der Ausfällungen im
Reaktor vermieden werden.
Dies wird vorzugsweise dadurch erreicht, daß in einem dem Reak
tor vorgeschalteten thermischen Salzabscheider Druck und Tempe
ratur so gewählt werden, daß die Dielektrizitätskonstante des
Wassers im Salzabscheider der Dielektrizitätskonstante des Was
sers im Reaktor bis zu 30% kleiner ist; besonders bevorzugt
werden Drücke und Temperaturen, bei denen die Dielektrizitäts
konstante des Wassers im Salzabscheider der Dielektrizitätskon
stante des Wassers im Reaktor entspricht oder geringfügig, etwa
bis zu 10%, kleiner ist. Der Salzabscheider wird vorzugsweise
auf einem Druck von 200 bis 800 bar und bei einer Temperatur von
mehr als 100°C gehalten. Entspricht der Druck im Salzabscheider
dem Druck im Reaktor, hat dies den Vorteil, daß auf eine zusätz
liche Pumpe für den Salzabscheider verzichtet werden kann. Der
Druck im Salzabscheider kann jedoch auch niedriger gewählt wer
den; in diesem Fall wird auch die Temperatur im Salzabscheider
vermindert.
Es hat sich gezeigt, daß die Salze mehrwertiger Metalle, insbe
sondere des Calciums, häufig nicht erst unter überkritischen Be
dingungen im Salzabscheider ausfallen, sondern bereits bei we
sentlich tieferen Temperaturen, sofern im Salzabscheider ein
Druck von 200 bis 700 bar aufrechterhalten wird. Es ist in die
sen Fällen daher nicht unbedingt notwendig, auch den Salzab
scheider unter überkritischen Bedingungen zu betreiben. Selbst
verständlich können jedoch im Salzabscheider auch die im Reaktor
eingestellten Drücke und Temperaturen eingestellt werden, wo
durch ebenfalls eine praktisch vollständige Ausfällung von
Calcium- und anderen Salzen mehrwertiger Metalle erzielt wird;
allerdings ist eine solche Verfahrensführung weniger wirt
schaftlich.
Der Reaktor wird vorzugsweise bei Temperaturen oberhalb von
420°C, etwa zwischen 420°C und 600°C und Drücken oberhalb von
350 bar, etwa zwischen 350 und 800 bar, betrieben. Die Tempera
turen und Drücke werden in Abhängigkeit von der Konzentration
der Salze einwertiger Metalle, insbesondere des Natriums, ge
wählt. Unter diesen Bedingungen läßt sich die Ausfällung von
Salzen einwertiger Metalle, insbesondere des Natriums, bei den
üblichen Salzfrachten der wäßrigen Abfallströme sicher verhin
dern.
Das bei der Oxidation von organischen Schadstoffen mit Heteroa
tomen auftretende Korrosionsproblem, das auf die Bildung sehr
aggressiver Säuren wie z. B. Chlorwasserstoff, Schwefelsäure,
Salpetersäure und Flußsäure zurückzuführen ist, kann einerseits
in bekannter Weise durch Neutralisation mit Natronlauge gelöst
werden. Andererseits kann das Korrosionsproblem im Reaktor durch
korrosionsresistente Reaktoreinbauten, etwa aus Titan oder aus
einer Keramik wie z. B. Aluminiumoxid oder Siliciumcarbid,
beherrscht werden.
Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen
näher erläutert.
Zur Durchführung der Beispiele wurde die in der Veröffentlichung
von Casal und Schmidt beschriebene Anlage eingesetzt, die durch
einen in Strömungsrichtung vor dem Reaktor angeordneten thermi
schen Salzabscheider ergänzt wurde. Ein simulierter Abfallstrom
wurde durch den Salzabscheider geleitet und vor dem Eintritt in
den Reaktor mit dem Oxidationsmittel Wasserstoffperoxid ver
mischt. Der Salzabscheider bestand aus einem Druckrohr, das mit
einer außen angebrachte Heizung versehen war. Zur Wärmerückge
winnung wurde der Abfallstrom im Gegenstrom geführt, so daß er
beim Verlassen des Abscheiders durch die Kühlwirkung des in den
Salzabscheider eingeleiteten Abfallstroms wieder abgekühlt
wurde.
Um die Wirkung des Salzabscheiders zu demonstrieren, wurde zur
Simulation des Abfallstroms eine wäßrige Lösung eingesetzt, in
der Chlorid, Sulfat, Calcium und Natrium gelöst waren. Die Kon
zentrationen dieser Ionen geht aus der folgenden Tabelle hervor.
Die Versuche wurden bei einem Betriebsdruck des Salzabscheiders
von 250 bar und 500 bar durchgeführt. Die Eintrittstemperatur
des simulierten Abfallstroms in den Salzabscheider betrug in
beiden Fällen 20°C. Im Salzabscheider wurde der simulierte Ab
fallstrom auf 380°C erhitzt.
Wie sich aus der Tabelle ergibt, konnten in dem Salzabscheider
bei 250 bar nahezu 99% und bei 500 bar über 97% des Calciums
zurückgehalten werden, während innerhalb der Meßgenauigkeit eine
Abscheidung von Natrium nicht erkennbar war. Ebenso wie Natrium
wird auch Chlorid im Salzabscheider praktisch nicht zurückgehal
ten, während Sulfat etwa zur Hälfte abgeschieden wird.
Claims (4)
1. Verfahren zur Behandlung eines Salze enthaltenden wäßrigen
Abfallstroms, in dem mindestens ein organischer Schadstoff
dispergiert oder gelöst ist, in überkritischem Wasser, bei
dem
- a) der Abfallstrom in einem Reaktor auf überkritische Bedin gungen gebracht und
- b) der Schadstoff im Reaktor unter überkritischen Bedingun gen oxidiert wird,
- a) die Salze mehrwertiger Metalle vor der Oxidation der or ganischen Verbindung abgetrennt werden und
- b) die überkritischen Bedingungen im Reaktor so gewählt wer den, daß die Salze einwertiger Metalle in Lösung bleiben.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Salze mehrwertiger Metalle dadurch abgetrennt werden, daß
der Abfallstrom in einem Salzabscheider einem solchen Druck
und einer solchen Temperatur ausgesetzt wird, bei denen die
Dielektrizitätskonstante des Wassers 0 bis 30% niedriger ist
als die Dielektrizitätskonstante des Wassers im Reaktor.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Druck auf 200 bis 800 bar eingestellt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Temperatur auf 200°C bis 650°C eingestellt wird.
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| DE1999110211 DE19910211C2 (de) | 1999-03-09 | 1999-03-09 | Verfahren zur Behandlung eines Salze enthaltenden wäßrigen Abfallstroms |
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