Es ist bekannt, in automatischen Rangierbahnhöfen Gleisbrem
sen einzusetzen, mit denen die Fahrgeschwindigkeit von Wagen
reduziert werden kann (siehe beispielsweise "Mikrocomputer -
gesteuerte elektrodynamische Richtungsgleisbremse", Jean-
Pierre Pfander und Alexander Hörder, Rangiertechnik und
Gleisanschlußtechnik (1980/81), Folge 40, Seiten 45 bis 47).
Weiterhin ist bekannt, daß bei manchen Arten von Gleisbrem
sen, wie z. B. Gummigleisbremsen, die Gleisbremse nicht ein
geschaltet werden darf, wenn sich eine Fahrzeugachse im Vor
lauf- oder Bremsabschnitt der Gleisbremse befindet. Um nun
festzustellen, ob sich eine Fahrzeugachse im Vorlauf- oder
Bremsabschnitt der Gleisbremse aufhält, werden üblicherweise
und auch gemäß der eingangs erwähnten Literaturstelle an den
Gleisen angebrachte Meßkontakte eingesetzt, und zwar in Form
eines Vorabschnittskontaktes, eines Einlaufkontaktes und ei
nes Auslaufkontaktes, die jeweils ein Vorbeifahren von
Fahrzeugachsen signalisieren; diese Meßsignale der Meßkon
takte werden dann mit einem Achszählverfahren ausgewertet.
Außerdem ist ein Korrekturverfahren für Achszählverfahren be
kannt (EP 0 739 803 A2), mit dem Zählfehler beim Zählen der
Fahrzeugachsen automatisch korrigiert werden können.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein mit besonders
geringem Aufwand durchführbares Verfahren zum Erzeugen eines
Steuersignals anzugeben, das ein Teilstück eines mit
mindestens einer Gleisbremse ausgestatteten Gleisabschnittes
als frei von Fahrzeugachsen kennzeichnet.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Verfahren ge
löst, bei dem jeder in den Gleisabschnitt einfahrenden Fahr
zeugachse die Einfahrgeschwindigkeit mit einem Geschwindig
keitssensor gemessen wird, mit der Einfahrgeschwindigkeit der
jeweiligen Fahrzeugachse und mit der Bremscharakteristik der
mindestens einen Gleisbremse ein Anfangs- und ein End
zeitpunkt des Aufenthaltszeitraums der jeweiligen Fahr
zeugachse in dem Teilstück berechnet wird, ein Hilfssignal
zum Anfangszeitpunkt gebildet und zum Endzeitpunkt des Auf
enthaltszeitraumes der jeweiligen Fahrzeugachse zurückgenom
men wird und das Steuersignal bei einem hilfssignalfreien Zu
stand erzeugt wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch zum Erzeugen eines
Steuersignals verwendet werden, das ein Teilstück eines mit
mindestens einer Gleisbremse ausgestatteten Gleisabschnittes
als frei von Laufwerken kennzeichnet; dies läßt sich konkret
beispielsweise dadurch erreichen, daß nach jeder in den
Gleisabschnitt einfahrenden Fahrzeugachse eine Sperrzeit ge
startet wird und alle innerhalb der jeweiligen Sperrzeit ein
gefahrenen Fahrzeugachsen einem Laufwerk zugeordnet werden.
Als Laufwerke gelten dabei Einzelachsen und Drehgestelle mit
zwei oder drei Achsen.
Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin,
daß durch die Verwendung nur eines Geschwindigkeitssensors
auf Meßkontakte wie den Vorabschnittskontakt, den Einlaufkon
takt und den Auslaufkontakt verzichtet werden kann. Darüber
hinaus ist das erfindungsgemäße Verfahren flexibler als das
herkömmliche, da jedes beliebige Teilstück des Gleisabschnit
tes erfaßt werden kann, ohne daß dafür entsprechende Meßkon
takte an den Gleisen angebracht werden müssen.
Die Hilfssignale können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
in unterschiedlicher Weise erzeugt und ausgewertet werden, um
das Steuersignal zu gewinnen. Beispielsweise kann mit dem je
weiligen Hilfssignal ein Impuls erzeugt werden, der mit dem
Endzeitpunkt endet; ist kein Impuls erfaßbar, dann wird das
Steuersignal erzeugt.
Einfach und damit besonders vorteilhaft lassen sich die
Hilfssignale auswerten, wenn mit ihnen eine Zählervariable
zum Anfangszeitpunkt herauf- und zum Endzeitpunkt des Aufent
haltszeitraumes der jeweiligen Fahrzeugachse um eine Zähler
stelle heruntergezählt wird und das Steuersignal erzeugt
wird, wenn die Zählervariable den Wert Null aufweist.
Besonders genau und damit vorteilhaft läßt sich das Steuer
signal erzeugen, wenn der Anfangs- und Endzeitpunkt des Auf
enthaltszeitraumes der jeweiligen Fahrzeugachse in dem Teil
stück bestimmt wird, indem mit der Einfahrgeschwindigkeit der
jeweiligen Fahrzeugachse und der Bremscharakteristik der
mindestens einen Gleisbremse die Ausfahrgeschwindigkeit der
jeweiligen Fahrzeugachse aus dem Gleisabschnitt bestimmt
wird, aus der Einfahr- und Ausfahrgeschwindigkeit der
jeweiligen Fahrzeugachse die mittlere Geschwindigkeit der
jeweiligen Fahrzeugachse im Gleisabschnitt durch Schätzung
ermittelt wird und aus der mittleren Geschwindigkeit und der
räumlichen Anordnung des Teilstückes im Gleisabschnitt der
Anfangs-und Endzeitpunkt des Aufenthaltszeitraumes der jewei
ligen Fahrzeugachse in dem Teilstück berechnet wird.
Besonders einfach und damit vorteilhaft lassen sich die Aus
fahrgeschwindigkeit oder die mittlere Geschwindigkeit berech
nen, wenn sie unter der Annahme einer konstanten Abbremsbe
schleunigung (Energiehöhe) der Gleisbremse berechnet werden.
Zur Erläuterung der Erfindung zeigt
Fig. 1 schematisch ein Ausführungsbeispiel einer Anordnung
mit einer Gleisbremse in einem Gleisabschnitt zur Durchfüh
rung des erfindungsgemäßen Verfahrens und
Fig. 2 schematisch ein Ausführungsbeispiel einer Anordnung
mit zwei Gleisbremsen im Gleisabschnitt zur Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens.
Fig. 1 zeigt einen Gleisabschnitt 1 einer Gleisanlage 3 mit
einer gewichtsunabhängigen Gleisbremse 5. An einem Strecken
punkt X0 des Gleisabschnittes 1 ist ein Geschwindigkeitssen
sor 9 angebracht, mit dem Einfahrgeschwindigkeiten Vein jeder
entlang einem Pfeil 10 in den Gleisabschnitt 1 einfahrenden
Fahrzeugachse gemessen werden. Mit der Einfahrgeschwindigkeit
Vein der jeweiligen Fahrzeugachse und der Stellung bzw. der
Bremswirkung der Gleisbremse 5 wird eine Ausfahrge
schwindigkeit Vaus der jeweiligen Fahrzeugachse aus dem
Gleisabschnitt 1 berechnet, gemäß den Beziehungen:
wobei g' eine vorab gemessene oder bekannte, konstante Ab
bremsbeschleunigung (Energiehöhe) der Gleisbremse 5, l die
Länge der Gleisbremse 5 (1 = X3 - X2 in Fig. 1) und k einen Ka
librierungsfaktor angibt. Der Kalibrierungsfaktor k liegt im
Bereich zwischen 1 und 10 und kann je nach Genauigkeitsanfor
derungen auch abhängig von den im Gleisabschnitt 1 befindli
chen Fahrzeugachsen sein. Sehr genaue Meßergebnisse lassen
sich beispielsweise erhalten, wenn der Faktor k gleich 2,5
ist für bis zu vier Fahrzeugachsen im Gleisabschnitt 1 und
gleich 8 ist ab fünf Fahrzeugachsen im Gleisabschnitt 1.
Aus der Einfahrgeschwindigkeit Vein und der Ausfahrgeschwin
digkeit Vaus der jeweiligen Fahrzeugachse wird eine mittlere
Geschwindigkeit Vm der jeweiligen Fahrzeugachse im Gleisab
schnitt 1 durch folgende Schätzung ermittelt:
Im folgenden werden mit der mittleren Geschwindigkeit Vm für
jede in den Gleisabschitt 1 einfahrende Fahrzeugachse An
fangs- und Endzeitpunkte von Aufenthaltszeiträumen in Teil
stücken des Gleisabschnittes 1 berechnet, und zwar in einem
Vorlaufabschnitt 11 des Gleisabschnittes 1, in einem Vor
laufabschnitt 13 der Gleisbremse 5 und in einem Bremsbereich
15 der Gleisbremse 5. Der Vorlaufabschnitt 11 des Gleisab
schnittes 1 ist dabei von den Streckenpunkten X0 und X1 be
grenzt, der Vorlaufabschnitt 13 der Gleisbremse 5 wird durch
die Streckenpunkte X1 und X2 gebildet und der Bremsbereich 15
der Gleisbremse 5 ist eingegrenzt durch die Streckenpunkte X2
und X3 gemäß Fig. 1.
Der Zeitpunkt, an dem die jeweilige Fahrzeugachse in den
Gleisabschnitt 1 und damit in den Vorlaufabschnitt 11 des
Gleisabschnittes 1 einfährt, wird in Fig. 1 mit dem Bezugs
zeichen t0 bezeichnet. Der Zeitpunkt, an dem die jeweilige
Fahrzeugachse den Vorlaufabschnitt 11 wieder verläßt, wird in
Fig. 1 mit dem Bezugszeichen t1 beschrieben und bestimmt
gemäß:
Die Zeitpunkte t0 und t1 sind also Anfangs- bzw. Endzeit
punkte des Aufenthaltszeitraumes der jeweiligen Fahrzeugachse
in dem Vorlaufabschnitt 11 des Gleisabschnittes 1.
Für die anderen Teilstücke des Gleisabschnittes 1, nämlich
für den Vorlaufabschnitt 13 der Gleisbremse 5 und den Brems
bereich 15 der Gleisbremse 5, werden die entsprechenden An
fangs- und Endzeitpunkte, die in Fig. 1 die Bezugszeichen
t1, t2 und t3 tragen, entsprechend berechnet:
Der Zeitpunkt, an dem die jeweilige Fahrzeugachse in den Vor
laufabschnitt 13 der Gleisbremse 5 eindringt, entspricht dem
Zeitpunkt t1, an dem sie den Vorlaufabschnitt des Gleisab
schnittes 1 verläßt; der Zeitpunkt t2, an dem die jeweilige
Fahrzeugachse aus dem Vorlaufabschnitt 13 der Gleisbremse 5
herausfährt, berechnet sich gemäß:
Der Zeitpunkt, an dem die jeweilige Fahrzeugachse in den
Bremsbereich 15 der Gleisbremse 5 eindringt, entspricht dem
Zeitpunkt t2, an dem der Vorlaufabschnitt 13 der Gleisbremse
5 verlassen wird; der Zeitpunkt t3 in Fig. 1, an dem die je
weilige Fahrzeugachse den Bremsbereich 15 der Gleisbremse 5
verläßt, ergibt sich dementsprechend zu:
Nachdem nun mit der Einfahrgeschwindigkeit Vein der jewei
ligen Fahrzeugachse und der Stellung und damit der Bremscha
rakteristik der Gleisbremse 5 die Anfangs- und die Endzeit
punkte der jeweiligen Aufenthaltszeiträume der jeweiligen
Fahrzeugachse in den jeweiligen Teilstücken berechnet wurde,
kann nun in einer Steuereinheit 17 für jedes Teilstück ein
Steuersignal St erzeugt werden, das das jeweilige Teilstück
des Gleisabschnittes 1 als frei von Fahrzeugachsen kenn
zeichnet (Freizustand). Dies soll nun anhand eines Beispieles
erläutert werden:
Soll sichergestellt sein - beispielsweise zum Betätigen der
Gleisbremse 5 -, daß in einem durch den Vorlaufabschnitt 13
der Gleisbremse 5 und den Bremsbereich 15 der Gleisbremse 5
gebildeten Teilstück des Gleisabschnittes 1 keine Fahr
zeugachse vorhanden ist, so werden zunächst für jede in den
Gleisabschnitt eintretende Fahrzeugachse der Anfangszeitpunkt
und der Endzeitpunkt des Aufenthaltszeitraumes der jeweiligen
Fahrzeugachse in diesem Teilstück ermittelt. Bei diesem Bei
spiel entspricht der Anfangszeitpunkt des Aufenthaltszeitrau
mes dem Zeitpunkt t1 in Fig. 1 und der Endzeitpunkt dem
Zeitpunkt t3 in Fig. 1.
Anschließend wird in der Steuereinheit 17 jeweils zum An
fangszeitpunkt t1 der jeweiligen Fahrzeugachse ein
Hilfssignal gebildet und zum Endzeitpunkt t3 zurückgenommen;
das Steuersignal St wird bei einem hilfssignalfreien Zustand
erzeugt. Konkret wird hierzu in der Steuereinheit 17 mit den
Hilfssignalen eine Zählervariable jeweils zum Anfangszeit
punkt t1 der jeweiligen Fahrzeugachse um eine Zählerstelle
heraufgezählt und zum Endzeitpunkt t3 der jeweiligen Fahr
zeugachse um eine Zählerstelle heruntergezählt. Das Steuer
signal St, das in diesem Fall das durch den Vorlaufabschnitt
13 der Gleisbremse 5 und den Bremsbereich 15 der Gleisbremse
5 gebildete Teilstück des Gleisabschnittes 1 als frei von
Fahrzeugachsen kennzeichnet, wird in der Steuereinheit 17
erzeugt, wenn die Zählervariable den Wert Null aufweist. Ent
sprechende Steuersignale für andere Teilstücke des Gleis
abschnittes 1 lassen sich durch Bildung entsprechender Zäh
lervariablen erzeugen.
Anstatt mit den Hilfssignalen eine Zählervariable herauf-
oder herunterzuzählen, können mit den Hilfssignalen jeweils
zum Anfangszeitpunkt t1 auch Impulse erzeugt werden, die mit
dem jeweiligen Endzeitpunkt t3 enden; ein Impuls definiert
dabei also immer den Besetztzustand des jeweiligen
zugehörigen Abschnitts. Wenn mindestens ein Impuls erfaßbar
ist, ist der jeweilige Abschnitt also immer besetzt.
Fig. 2 zeigt einen Gleisabschnitt 20 einer Gleisanlage 23
mit einer Gleisbremse 25 entsprechend der Gleisbremse 5 nach
Fig. 1 und einer zusätzlichen Gleisbremse 27. An einem
Streckenpunkt X0 ist ein Geschwindigkeitssensor 29 ange
bracht, der die Einfahrgeschwindigkeit Vein von in den
Gleisabschnitt 20 einfahrenden Fahrzeugachsen mißt. Mit der
Einfahrgeschwindigkeit Vein der jeweiligen Fahrzeugachse und
der Stellung und damit der Bremscharakteristik der Gleis
bremse 25 und der zusätzlichen Gleisbremse 27 wird zunächst -
wie bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1 - eine mittlere
Geschwindigkeit Vm und anschließend jeweils Anfangs- und End
zeitpunkte von Aufenthaltszeiträumen der jeweiligen Fahr
zeugachse in Teilstücken des Gleisabschnittes 20 berechnet.
Teilstücke des Gleisabschnittes 20 können beispielsweise der
Vorlaufabschnitt 33 des Gleisabschnittes 20, der Vor
laufabschnitt 35 der Gleisbremse 25, der Bremsbereich 37 der
Gleisbremse 25 und der Bremsbereich 39 der zusätzlichen
Gleisbremse 27 sein. Die Anfangs- bzw. Endzeitpunkte t0, t1,
t2, t3 und t4 der Aufenthaltszeiträume der jeweiligen Fahr
zeugachse in den jeweiligen Teilstücken lassen sich berechnen
gemäß den nachfolgenden Gleichungen:
Dabei bezeichnen die Variablen X1, X2, X3 und X4 die jewei
ligen Streckenpunkte im Gleisabschnitt 20 der Gleisanlage 23
gemäß Fig. 2. Jedem dieser Teilstücke ist in einer Steuer
einheit 40 eine Zählervariable zugeordnet, die beim Eindrin
gen der jeweiligen Fahrzeugachse in das Teilstück herauf und
beim Verlassen des Teilstückes durch die jeweilige Fahr
zeugachse um eine Zählerstelle heruntergezählt wird. Ein
Steuersignal St wird für das jeweilige Teilstück von der
Steuereinheit 40 erzeugt, wenn die entsprechende Zählerva
riable den Wert Null aufweist.