DE19700277A1 - Metalloxide enthaltende Spritzgießmassen zur Herstellung von Metallformkörpern - Google Patents
Metalloxide enthaltende Spritzgießmassen zur Herstellung von MetallformkörpernInfo
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Description
Die Erfindung betrifft Metalloxide enthaltende Formmassen, insbesondere
Spritzgießmassen, die zur Herstellung von Metallformkörpern geeignet sind,
sowie Verfahren zur Herstellung von Metallformkörpern.
Bei der Herstellung von kleinen komplexen Metallformkörpern nach dem
Pulverspritzgießverfahren werden Metallpulver mit Pulverdurchmessern von
2 bis 40 µm mit einem fließfähigen Bindemittel vermischt und dieses
Gemisch, wie bei der Verarbeitung von Kunststoffen üblich, mittels Spritz
gießmaschinen unter Drücken bis 2000 bar in eine Form gespritzt. In der
Form erstarrt die Spritzgießmasse, üblicherweise, weil die Form eine niedri
gere Oberflächentemperatur als die eingespritzte Masse aufweist und das
Bindemittel in der Form auf eine Temperatur unterhalb der Glastemperatur
oder Schmelztemperatur abgekühlt wird.
Sodann wird die Form geöffnet und das geformte Teil entnommen. Aus dem
so gebildeten Formling wird danach das Bindemittel entfernt, wobei der
Formling nicht deformiert werden sollte. Die Entfernung des Bindemittels
kann auf verschiedene Arten erfolgen. Es ist möglich, das zumeist organi
sche Bindemittel durch vorsichtige Temperaturerhöhung über einen längeren
Zeitraum thermisch zu zersetzen und so zu entfernen. Das Bindemittel kann
auch so aufgebaut sein, daß es teilweise in einem Lösungsmittel löslich ist,
und dieser Anteil mit dem Lösungsmittel extrahiert werden kann. Den
weiteren Binderanteil zersetzt man dann thermisch, was schneller erfolgen
kann als in der ersten Variante, weil nach der Extraktion des löslichen
Bindemittelanteils bereits ein offenporöser Körper vorliegt und durch die
thermische Zersetzung somit kein Innendruck aufgebaut wird, der den
Formling zerstören könnte. Am elegantesten wird das Bindemittel mit einem
katalytischen Verfahren entfernt, wobei als Bindemittel z. B. ein Polyacetal
verwendet wird, welches unterhalb seiner Schmelztemperatur unter dem
Einfluß gasförmiger Säuren ohne Ausbildung einer flüssigen Phase direkt zu
gasförmigem Formaldehyd depolymerisiert wird. Dieser Prozeß verläuft in
den Formlingwänden von außen nach innen, wodurch der gesamte Gas
austausch ebenfalls nur in den bereits porösen Volumenanteilen erfolgen
kann, und ebenfalls kein nachteiliger Innendruck aufgebaut werden kann.
Dieses Verfahren weist den weiteren Vorteil auf, daß der Entbinderungs
prozeß unterhalb des Schmelzpunktes des Bindemittels erfolgt und der
Formling damit seine Dimensionen nicht in nachteiliger Weise ändert. Damit
werden sehr dimensionstreue Formkörper erhalten. Die Abweichung der
linearen Dimensionen vom Sollmaß beträgt maximal +/-0,3%, oft weniger.
Allerdings werden die Rauhtiefen der Formteile im wesentlichen von der
verwendeten Pulvergröße bestimmt, so daß Rauhtiefen RZ von 1 µm nicht
unterschritten werden. Zur Herstellung von Teilen mit kleineren Rauhtiefen
wären Metallpulver mit geringerem Durchmesser als 2 µm notwendig. Die
Herstellung derartiger Metallpulver ist aber extrem teuer bzw. es treten
erhebliche Schwierigkeiten beim Umgang mit derartig feinen Metallpulvern
auf. Mit absteigender Teilchengröße steigt das Verhältinis von Oberfläche zu
Volumen an, wodurch die Metallpulver chemisch immer reaktiver werden.
Unedle Metalle, wie Eisen, Kobalt, Zink oder Nickel werden dabei pyrophor
und sind an Luft nicht mehr verarbeitbar.
Zudem werden bei der Herstellung von Metallpulvern durch Versprühen von
Metallschmelzen Teilchengrößen von 5 µm kaum unterschritten. Oft lassen
sich die Metallpulver dabei auch durch Mahlen nicht weiter zerkleineren,
weil sie zu duktil sind.
Es besteht jedoch eine Nachfrage nach feineren Formmassen zur Herstellung
von Metallformkörpern, seitdem es mit neueren Techniken gelingt, immer
feinere Formeinsätze für das Spritzgießverfahren herzustellen. Mit dem
LIGA-Verfahren werden beispielsweise Werkzeugeinsätze hergestellt, mit
denen Teile im Spritzgießverfahren hergestellt werden, die Ausdehnungen im
µm-Bereich und Rauhigkeiten im Nanometerbereich aufweisen.
Im LIGA-Verfahren wird auf eine Grundplatte eine lichtempfindliche Poly
merschicht, ein sogenannter Photoresist, aufgebracht und durch eine Maske,
welche die zu erzeugenden Strukturen im Querschnitt enthält, belichtet. Die
durch die Maske belichteten Anteile der Polymerschicht werden löslich und
können deshalb ausgewaschen werden. Die entstandenen Gräben werden
galvanisch durch eine Metallschicht aufgefüllt, wonach der übriggebliebene
Photoresist aufgelöst wird. Die so erhaltene Metallstruktur kann als Formein
satz für eine Spritzgießform verwendet werden.
Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung von Formmassen bzw. Spritz
gießmassen zur Herstellung von Metallformkörpern, die ein Eigenschaftsprofil
aufweisen, das ihre Verwendung in sehr feinen Formeinsätzen, beispielsweise
aus dem LIGA-Verfahren erlaubt. Die so erhaltenen Formkörper sollen in
Feinheit und Oberflächengüte den nach dem LIGA-Verfahren hergestellten
Formen entsprechen.
Die Aufgabe wird gelöst durch Formmassen, enthaltend in einem fließfähigen
Bindemittel 20 bis 50 Vol.-%, bezogen auf das Gesamtvolumen der Form
masse, eines Pulvers aus einem oder mehreren Metalloxiden und gegebenen
falls nicht mit Wasserstoff reduzierbaren Metallcarbiden und/oder Metall
nitriden, wobei mindestens 65 Vol. - % des Pulvers eine Teilchengröße von
maximal 0,5 µm und der Rest des Pulvers eine Teilchengröße von maximal
1 µm aufweisen, und mindestens 90 Vol. - % des Pulvers aus mit Wasserstoff
reduzierbaren Metalloxiden bestehen.
Erfindungsgemäß wurde gefunden, daß man anstelle der großkörnigen,
schlecht zugänglichen und schwer handhabbaren Metallpulver, Metalloxidpul
ver mit Teilchengrößen unterhalb von 1 µm zur Herstellung der Formmassen
verwenden kann. Dabei verformt man die Formmasse oder Spritzgießmasse
zu einem Formkörper, entbindert den Formkörper und sintert ihn unter
Reduktion der Metalloxide in einer wasserstoffhaltigen, reduzierenden Atmo
sphäre.
Dabei verwendet man ein Pulver, das zu mindestens 65 Vol.- % eine Teil
chengröße von maximal 0,5 µm aufweist, wobei der Rest des Pulvers eine
Teilchengröße von maximal 1 µm aufweist. Besonders bevorzugt weisen
mindestens 80 Vol. - % des Pulvers eine Teilchengröße von maximal 0,5 µm
auf. Mindestens 90 Vol. - % des Pulvers bestehen aus mit Wasserstoff redu
zierbaren Metalloxiden, wobei der verbleibende Anteil des Pulvers aus nicht
mit Wasserstoff reduzierbaren Metalloxiden, Metallcarbiden und/oder Metall
nitriden besteht.
Geeignete Metalloxide sind solche, die mit Wasserstoff reduzierbar und
sinterfähig sind, so daß aus ihnen durch Erhitzen unter Wasserstoffatmosphä
re bzw. in Gegenwart von Wasserstoff Metallformkörper herstellbar sind.
Beispiele von Metallen, deren Oxide verwendet werden können, finden sich
in den Gruppen VIB, VIII, IB, IIB, IVA des Periodensystems. Beispiele
geeigneter Metalloxide sind Fe2O3, FeO, Fe3O4, NiO, CoO, Co3O4, CuO,
Cu2O, Ag2O, WO3, MoO3, SnO, SnO2, CdO, PbO, Pb3O4, PbO2, Cr2O3.
Bevorzugt werden die niederen Oxide eingesetzt, wie Cu2O anstelle von
CuO und PbO anstelle von PbO2, da die höheren Oxide Oxidationsmittel
darstellen, die unter bestimmten Bedingungen beispielsweise mit organischen
Bindemitteln reagieren können. Die Oxide können einzeln oder als Gemische
eingesetzt werden. So können beispielsweise Reineisenformkörper oder
Reinkupferformkörper erhalten werden. Beim Einsatz von Gemischen der
Oxide sind beispielsweise Legierungen und dotierte Metalle zugänglich.
Beispielsweise werden aus Eisenoxid/Nickeloxid/Molybdänoxid-Gemischen
Stahlteile und aus Kupferoxid/Zinnoxid-Gemischen, die noch Zink-, Nickel-
oder Bleioxid enthalten können, Bronzen hergestellt. Besonders bevorzugte
Metalloxide sind Eisenoxid, Nickeloxid und/oder Molybdänoxid.
Die erfindungsgemäß verwendeten Metalloxide mit einer Teilchengröße von
maximal 1 µm, vorzugsweise maximal 0,5 µm, lassen sich nach unterschied
lichen Verfahren, vorzugsweise durch chemische Umsetzungen herstellen. Aus
Lösungen von Metallsalzen können beispielsweise die Hydroxide, Oxidhydra
te, Carbonate oder Oxalate gefällt werden, wobei die Teilchen gegebenenfalls
in Gegenwart von Dispergatoren sehr feinteilig anfallen. Die Niederschläge
werden abgetrennt und durch Waschen auf eine möglichst hohe Reinheit
gebracht. Durch Erhitzen werden die gefällten Teilchen getrocknet und bei
erhöhten Temperaturen zu den Metalloxiden umgesetzt.
Es ist auch möglich, direkt in einem Schritt zu sehr feinteiligen Metall
oxiden zu kommen. So werden beispielsweise durch Verbrennen von Eisen
pentacarbonyl mit Sauerstoff extrem feine, kugelförmige Eisenoxidteilchen mit
spezifischen Oberflächen von bis zu 200 m2/g erhalten.
Die erfindungsgemäß eingesetzten Metalloxide bzw. mindestens 65 Vol. -%
des Pulvers weisen vorzugsweise eine BET-Oberfläche von mindestens 5,
vorzugsweise mindestens 7 m2/g auf.
Neben den mit Wasserstoff reduzierbaren Metalloxiden können auch weitere
beim Sintern nicht reduzierbare Metallverbindungen, wie nicht mit Wasser
stoff reduzierbare Metalloxide, Metallcarbide oder Metallnitride vorliegen.
Beispiele für Oxide sind dabei ZrO2, Al2O3 und TiO2. Beispiele für Carbide
sind SiC, WC oder TiC. Ein Beispiel eines Nitrids ist TiN.
Vorzugsweise weist das erfindungsgemäß in den Formmassen eingesetzte
Pulver mindestens 90 Vol.-%, besonders bevorzugt mindestens 95 Vol.-%,
bezogen auf das Pulver, an mit Wasserstoff reduzierbaren Metalloxiden auf.
Wenn nicht mit Wasserstoff reduzierbare Metalloxide, Metallcarbide und/oder
Metallnitride verwendet werden, so liegen sie vorzugsweise in Mengen von
1 bis 10, besonders bevorzugt 2 bis 5 Vol.-%, bezogen auf das Pulver,
vor.
Das erfindungsgemäß eingesetzte Pulver liegt in den Formmassen in Mengen
von 20 bis 50 Vol.-%, vorzugsweise 25 bis 45 Vol.-%, besonders bevorzugt
30 bis 40 Vol.-%, bezogen auf das Gesamtvolumen der Formmasse vor.
Das erfindungsgemäß in den Formmassen eingesetzte Pulver liegt verteilt
in einem fließfähigen Bindemittel vor. Dabei kann gegebenenfalls zusätzlich
ein Dispergator eingesetzt werden. Gemäß einer bevorzugten Ausführungs
form der Erfindung besteht die Formmasse aus dem vorstehend beschriebe
nen Pulver, einem fließfähigen Bindemittel und gegebenenfalls einem Disper
gator.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung weist die Formmasse
neben diesen Komponenten noch weitere Komponente auf, wie sie nachste
hend beschrieben sind.
Das Gesamtvolumen aller Inhaltsstoffe der Formmasse ergibt dabei in jedem
Fall 100 Vol.-%.
Als fließfähige Bindemittel können alle Bindemittel eingesetzt werden, die
zur Verwendung im Pulverspritzgießverfahren geeignet sind. Sie sind dabei
vorzugsweise bei der Verarbeitungstemperatur fließfähig, so daß sie in
Formen spritzgegossen werden können. Dabei können z. B. die Bindemittel
verwendet werden, wie sie vorstehend im Stand der Technik beschrieben
wurden. Es kommen somit Bindemittel in Betracht, die thermisch zersetzt
und so entfernt werden, Bindemittelgemische, von denen ein Anteil mit
Lösungsmitteln extrahiert und der andere Anteil thermisch zersetzt werden
kann, oder Bindemittel, die z. B. in Form eines Polyacetals verwendet
werden, das unterhalb seiner Schmelztemperatur unter dem Einfluß gasförmi
ger Säuren ohne Ausbildung einer flüssigen Phase direkt zu gasförmigen
Produkten depolymerisiert werden kann. Geeignete Bindemittel sind dem
Fachmann bekannt. Das fließfähige Bindemittel enthält vorzugsweise ein
organisches Polymer. Vorzugsweise wird ein Polyoximethylencopolymer
verwendet, wie es beispielsweise in EP-A-0 444 475, EP-A-0 446 708 bzw.
EP-A-0 444 475 beschrieben ist. Es handelt sich vorzugsweise um ein
Polyoximethylencopolymer, das 0,5 bis 10, vorzugsweise 1 bis 5 Mol. -%
Butandiolformal als Comonomer enthält. Dabei kann als zusätzliches Binde
mittel Polybutandiolformal eingesetzt werden.
Besonders bevorzugt wird ein Gemisch aus 75 bis 89 Gew.-% Polyoxime
thylencopolymer, das 2 Mol.-% Butandiolformal als Comonomer enthält und
einen Schmelzindex von etwa 45 g/10 min bei 190°C und 2,16 kg Auflage
gewicht aufweist, und 11 bis 25 Gew.-% Polybutandiolformal mit einem
Molekulargewicht Mn von etwa 20.000 eingesetzt.
Als Dispergator können alle Dispergatoren verwendet werden, die zur
Dispergierung von Metalloxidteilchen der angegebenen Teilchengröße im
Bindemittel geeignet sind. Eine geeignete Stoffklasse für die Dispergatoren
sind alkoxilierte Fettalkohole oder alkoxilierte Fettsäureamide.
Weitere geeignete Inhaltsstoffe der Formmassen sind die bei der Verarbei
tung von Polyoximethylen verwendeten Verarbeitungsstabilisatoren.
Die erfindungsgemäßen Formmassen sind als Spritzgießmassen zur Herstel
lung von Metallformkörpern verwendbar. Dabei werden zur Herstellung der
Formmassen die organischen und anorganischen Komponenten in geeigneten
Mischvorrichtungen vermischt. Vorzugsweise erfolgt dies in einer Knetvor
richtung unter Aufschmelzen des fließfähigen Bindemittels. Nach dem Ver
festigen der Formmassen werden diese vorzugsweise granuliert. Sie können
nach bekannten Verfahren spritzgegossen werden, vorzugsweise bei Masse
temperaturen von 170 bis 200°C. Die verwendete Form hat dabei vorzugs
weise eine Temperatur von 120 bis 140°C.
Aus den so erhaltenen Formlingen wird sodann das Bindemittel entfernt.
Dies kann je nach verwendetem Bindemittel durch langsames Erhitzen,
Behandeln mit einem Lösungsmittel und darauffolgendes Erhitzen oder
Behandeln mit einer Säure und Erhitzen erfolgen. Vorzugsweise erfolgt das
Entbindern gleichzeitig mit dem Aufheizen zum Reduzieren und Sintern des
Formlings. Dabei wird der Formling in Gegenwart von Wasserstoff, vor
zugsweise unter Wasserstoffatmosphäre, mit einer Geschwindigkeit von 1 bis
20°C/min, vorzugsweise 2 bis 10°C/min bis zur materialspezifischen Sinter
temperatur hochgeheizt, 1 bis 20, vorzugsweise 2 bis 10 Stunden bei der
Sintertemperatur belassen und sodann abgekühlt. Während des langsamen
Hochheizens wird dabei das Bindemittel entfernt. Der zur Reduktion einge
setzte Wasserstoff weist vorzugsweise einen Taupunkt von maximal -10°C,
besonders bevorzugt von weniger als -40°C auf. Der Taupunkt wird dabei
so gewählt, daß für das eingesetzte Metalloxid eine Reduktion unter den
Reaktionsbedingungen möglich ist.
Zur Reduktion von Cr2O3 wird beispielsweise ein extrem trockener Wasser
stoff mit einem Taupunkt von weniger als -40°C benötigt. Die Reduktion
wird bei Temperaturen oberhalb 1500°C, besonders bevorzugt oberhalb
1600°C durchgeführt. Beim Sintern von chromhaltigen Legierungen sintern
die Legierungsbestandteile oft bei 1200 bis 1300°C, während bei Verwen
dung von Cr2O3 dieses noch unreduziert im Formling verbleiben kann. Bei
der Herstellung von beispielsweise Edelstahlen mit einem Chromanteil von
etwa 13 bis 20 Gew.-% wird deshalb vorzugsweise der Chromanteil als
Ferrochrom mit einer Korngröße der Teilchen von maximal 1 µm eingesetzt.
Der Volumenanteil des Ferrochroms beträgt vorzugsweise weniger als 35
Vol.-%. So ist es möglich, mit Chrom und gegebenenfalls Nickel und
Molybdän legierte Edelstähle herzustellen, ohne daß befürchtet werden muß,
daß nicht reduziertes Cr2O3 im ansonsten schon gesinterten Formling ver
bleibt.
Somit betrifft die Erfindung auch ein Verfahren zur Herstellung von Metall
formkörpern durch Spritzgießen einer Formmasse, wie sie vorstehend be
schrieben ist, in eine Form, Entfernung des Bindemittels aus dem so erhal
tenen Formling und Reduzieren und Sintern des entbinderten Formlings zu
einem Metallformkörper in Gegenwart von Wasserstoff. Dabei erfolgt das
Entfernen des Bindemittels vorzugsweise thermisch in einem Schritt mit dem
Reduzieren und Sintern durch Aufheizen des Formlings auf die Sintertempe
ratur in Gegenwart von Wasserstoff.
Bei reduzierendem Sintern schrumpfen die Formlinge bis zum 5-fachen,
bezogen auf das Volumen oder bis zur Hälfte, bezogen auf die linearen
Dimensionen. - Dieser hohe Schrumpf ist gerade für die Herstellung von sehr
kleinen Strukturen von Vorteil, da das Spritzgießwerkzeug um etwa den
Faktor 2 in jeder Dimension größer gestaltet werden kann und somit sehr
feine Details ausgebildet werden können. Die Maßtoleranzen der gesinterten
Formkörper betragen trotz des hohen absoluten Schrumpfes vorzugsweise
maximal +/-0,3%, besonders bevorzugt +/-0,15%.
Vorzugsweise beträgt die Oberflächenrauhigkeit RZ weniger als 1 µm, Ra
weniger als 0,2 µm, gemessen nach DIN 4768 bzw. DIN 4768/1.
Die Erfindung wird nachstehend anhand von Beispielen näher erläutert.
Die in den nachfolgenden Beispielen aufgeführten Spritzgießmassen wurden
nach einheitlichem Vorgehen hergestellt, thermisch entbindert und bei mate
rialadequaten Temperaturen reduzierend unter Wasserstoff gesintert.
Als fließfähiges Bindemittel wurde ein thermoplastisches Polyoximethylenco
polymer verwendet, das 2 Mol.-% Butandiolformal als Comonomer enthielt
und einen Schmelzindex von etwa 45 g/10 min bei 190°C und 2,16 kg
Auflagegewicht aufwies. Als zusätzliches Bindemittel wurde Polybutandiol
formal mit einem Molekulargewicht Mn von etwa 20.000 eingesetzt. Als
Dispergiermittel zur Dispergierung der anorganischen Pulver wurde Sol
sperse® 17000 der ICI verwendet. Die Mengen sind in der nachstehenden
Tabelle angegeben.
Die organischen und anorganischen Komponenten der Formmasse wurden in
einem Schaufelkneter von 1 l Nutzinhalt bei 190°C aufgeschmolzen und für
90 min geknetet. Sodann wurde der Schaufelkneter abgekühlt und die Masse
verfestigt und in dem sich drehenden Kneter granuliert. Die so erhaltenen
Spritzgießmassen wurden bei 180°C Massetemperatur in eine auf 130°C
temperierte Form für einen Biegestab mit den Abmessungen 1,5×6×50
mm eingespritzt.
Die derart hergestellten Biegestäbe wurden in einem Rohrofen unter Wasser
stoffatmosphäre (Wasserstoff mit einem Taupunkt um -10°C) mit einer
Geschwindigkeit von 2°C/min bis zur angegebenen materialspezifischen
Sintertemperatur hochgeheizt und für 2 Stunden bei der Sintertemperatur
belassen. Sodann wurde der Ofen abgekühlt. Während des langsamen Hoch
heizens depolymerisierten das Polyoximethylen und das Polybutandiolformal
im Temperaturbereich von 220 bis 300°C ohne Ausbildung von Rissen im
dünnwandigen Biegestab. Die Biegestäbe wurden auf einem Pulverbett aus
Aluminiumoxidpulver mit etwa 5 µm Korngröße gelagert, um das Schrump
fen zu erleichtern.
Alle in den Beispielen aufgeführten Formmassen führten zu einwandfreien,
rißfreien Formkörpern, obwohl der Volumenschrumpf teilweise um 80%
betrug.
Die Werte für die Oberflächenrauhigkeit, die mit einem polierten Spritzgieß
werkzeug erhalten wurden, lagen in jedem Fall für RZ bei weniger als 1
µm und Ra bei weniger als 0,2 µm.
Claims (10)
1. Formmasse, enthaltend in einem fließfähigen Bindemittel 20 bis 50
Vol.-%, bezogen auf das Gesamtvolumen der Formmasse, eines Pulvers
aus einem oder mehreren Metalloxiden und gegebenenfalls nicht mit
Wasserstoff reduzierbaren Metallcarbiden und/oder Metallnitriden, wobei
mindestens 65 Vol.-% des Pulvers eine Teilchengröße von maximal 0,5
µm und der Rest des Pulvers eine Teilchengröße von maximal 1 µm
aufweisen, und mindestens 90 Vol.-% des Pulvers aus mit Wasserstoff
reduzierbaren Metalloxiden bestehen.
2. Formmasse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens
65 Vol.-% des Pulvers eine BET-Oberfläche von mindestens 5 m2/g
aufweisen.
3. Formmasse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das
fließfähige Bindemittel ein organisches Polymer enthält.
4. Formmasse nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß sie ein Dispergiermittel für das Pulver enthält.
5. Formmasse nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß als mit Wasserstoff reduzierbare Metalloxide Fe2O3, FeO, Fe3O4,
NiO, CoO, Co3O4, CuO, Cu2O, Ag2O, Bi2O3, WO3, MoO3, SnO,
SnO2, CdO, PbO, Pb3O4, PbO2, Cr2O3 oder Gemische davon eingesetzt
werden.
6. Formmasse nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß das Pulver 1 bis 10 Vol.-% nicht mit Wasserstoff reduzierbare
Metalloxide, Metallcarbide, Metallnitride oder deren Gemische mit einer
Teilchengröße von maximal 0,5 µm enthält.
7. Verwendung von Formmassen nach einem der Ansprüche 1 bis 6 als
Spritzgießmassen zur Herstellung von Metallformkörpern.
8. Verwendung von mit Wasserstoff reduzierbaren Metalloxiden mit einer
Teilchengröße von maximal 0,5 µm zur Herstellung von Spritzgießmas
sen.
9. Verfahren zur Herstellung von Metallformkörpern durch Spritzgießen
einer Formmasse nach einem der Ansprüche 1 bis 6 in eine Form,
Entfernung des Bindemittels aus dem so erhaltenen Formling und
Reduzieren und Sintern des entbinderten Formlings zu einem Metall
formkörper in Gegenwart von Wasserstoff.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Entfernen
des Bindemittels thermisch in einem Schritt mit dem Reduzieren und
Sintern durch Aufheizen des Formlings auf die Sintertemperatur in
Gegenwart von Wasserstoff erfolgt.
Priority Applications (9)
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