DE19617051A1 - Verfahren zur Beeinflussung fahrdynamischer Größen - Google Patents
Verfahren zur Beeinflussung fahrdynamischer GrößenInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Beein
flussung fahrdynamischer Größen gemäß dem Oberbegriff des
Anspruchs 1.
Ein solches Verfahren ist beispielsweise aus der WO-A
86/07321 bekannt. Darin geht es darum, während einer ge
regelten Bremsung eines Fahrzeugrades einen Bremsschlupf
wert einzustellen, bei dem zum einen der Kraftschlußbeiwert
µ in Längsrichtung nahe dem maximal erreichbaren Wert liegt
und zum anderen ein ausreichender Kraftschlußbeiwert in
Querrichtung zur Verfügung steht. Dieser Schlupfwert liegt
unterhalb des Wertes, an dem der Kraftschlußbeiwert in
Längsrichtung maximal ist. Während am maximalen Kraft
schlußbeiwert in Längsrichtung die Reibwert-Bremsschlupf
kurve µ (λ) die Steigung 0 besitzt, nimmt µ (λ) am einzu
stellenden Schlupfwert positive Steigungen an. Neben dem
Vorteil höherer Seitenführungskräfte bietet das bekannte
Konzept die Möglichkeit, die bei geregelter Bremsung am
Fahrzeug angreifenden Giermomente gezielt zu beschränken
und damit die Fahrzeugbeherrschbarkeit zu verbessern. Bei
der Bremsdruckregelung werden hierzu jeweils Steigungswerte
auf der Reibwert-Schlupf-Kurve angestrebt, die z. B. abhän
gig gemacht werden vom Lenkwinkel oder anderen aktuellen
Fahrbedingungen. Voraussetzung für diese Regelung ist es,
daß die Radsensoren zur Feststellung der Einzelraddrehzah
len funktionieren. Bei einem Straßenfahrzeug, das vier Rad
sensoren aufweist, kann nicht unbedingt davon ausgegangen
werden, daß alle vier Radsensoren über die gesamte Lebens
dauer des Fahrzeugs intakt bleiben. Bei Ausfall eines Rad
sensors ist aber eine derartige Regelung nicht möglich, da
der Bremsschlupf des jeweiligen Rades nicht ermittelt wer
den kann. Für solche Fälle wird üblicherweise eine Brems
druckregelung abgeschaltet.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren
der eingangs genannten Art anzugeben, welches eine Art Not
funktion der Regelung auch bei mindestens einem defekten
Radsensor bereitstellt.
Diese Aufgabe wird gelöst in Verbindung mit den kennzeich
nenden Merkmalen des Anspruchs 1. Die Erfindung ist dabei
nicht beschränkt auf solche Fahrzeuge, welche mit einer
Bremsanlage zur radindividuellen Bremsdruckregelung zum
Zwecke einer Bremsschlupfregelung, Antriebsschlupfregelung
oder Giermomentenregelung ausgestattet sind, sondern er
streckt sich auch auf solche Fahrzeuge, welche eine radin
dividuelle Verteilung der Antriebsmomente aufweisen. Das
Prinzip der Erfindung besteht darin, daß das Verfahren sich
auf zwei Arbeitspunkte auf der Reibwert-Schlupf-Kurve be
schränkt, die nicht abhängig von der Raddrehzahl des be
troffenen Rades, sondern abhängig von anderen fahrdynami
schen Parametern gewählt werden.
Die einfachste Wahl für den ersten Arbeitspunkt liegt bei
einem Längsschlupf von 0. Dies bedeutet, daß auf das be
troffene Rad keine Antriebs- oder Verzögerungsmomente ein
wirken. In diesem Arbeitspunkt wirkt also weder der An
triebsmotor noch die Bremsanlage auf das betroffene Rad
ein.
Dieser Arbeitspunkt eignet sich für Fahrsituationen, in
denen hohe Seitenführungskräfte übertragen werden sollen,
da bei einem minimalen Längsschlupf eine maximale Seiten
kraftübertragung möglich ist.
Der zweite Arbeitspunkt kann bestimmt sein durch ein be
stimmtes Verzögerungsmoment oder bestimmtes Antriebsmoment,
welches von der jeweiligen Anordnung nach vorgegebenen Be
dingungen erzeugt wird. Auf welchen Schlupfwert sich dabei
das geregelte Rad begibt, hängt von den äußeren Umständen
ab.
Am einfachsten wird der zweite Arbeitspunkt dadurch be
stimmt, daß eine Antriebs- oder Verzögerungsvorrichtung das
maximal mögliche Moment überträgt.
An diesem zweiten Arbeitspunkt ist zwar die maximal über
tragbare Seitenführungskraft sehr klein, dafür liegt aber
der Reibwert in Längsrichtung nur wenig unter seinem Maxi
mum. An diesem zweiten Arbeitspunkt können also große
Längskräfte übertragen werden.
Je nachdem, ob in einer bestimmten Fahrsituation dem Rad,
dessen Radsensor ausgefallen ist, die Aufgabe zukommt, vor
rangig Längs- oder Seitenkräfte zu übertragen, wird also
zwischen dem zweiten und dem ersten Arbeitspunkt gewählt.
Eine nähere Erläuterung des Erfindungsgedankens erfolgt nun
anhand der Beschreibung einer Zeichnung in zwei Figuren. Es
zeigt:
Fig. 1 ein Diagramm, in dem die Reibungszahl µ, also der
Reibwert in Längsrichtung, über dem Bremsschlupf
λxb aufgetragen ist,
Fig. 2 ein Diagramm, in welchem über demselben Brems
schlupf λxb die seitliche Reibungszahl µs, also der
Seitenreibwert als Maß über die übertragbare Sei
tenführungskraft aufgetragen ist.
Im gewählten Ausführungsbeispiel ist ein Verfahren erläu
tert, daß eine Bremsdruckregelung zum Zwecke einer Giermo
mentenregelung vorsieht. Die zugehörige Bremsanlage weist
neben einer pedalbetätigten Bremsdruckquelle auch noch eine
Fremddruckquelle auf, welche zur Erhöhung des Bremsdruckes
unabhängig vom Bremspedal dient. Hier sei nochmals darauf
hingewiesen, daß sich die Erfindung nicht auf druckmittel
betätigte Bremsanlagen beschränkt, sondern auch für solche
Bremsanlagen gilt, die das einzelne Rad auf andere Weise,
beispielsweise über Wirbelstrom oder ähnliches, verzögern.
Ein übliches Verfahren bei intakten Radsensoren verläuft
folgendermaßen: Soll während einer Giermomentenregelung ein
Drehmoment um die Hochachse des Fahrzeugs durch eine zu
sätzliche Längskraft aufgebaut werden, so wird durch den
Aufbau eines definierten Bremsdruckes am betroffenen Rad
ein bestimmter Arbeitspunkt auf der in Fig. 1 dargestellten
Reibwert-Schlupf-Kurve eingestellt. Die maximale Längskraft
wird dabei im Maximum dieser Kurve, also in der Regel im
Schlupfbereich zwischen 10 und 25 Prozent erzielt.
Bei Ausfall eines Radsensors ist der Arbeitspunkt durch die
fehlende Aussage zu Schlupf- und Raddynamik nicht definiert
einstellbar. Die Erfindung schlägt daher vor, zur Übertra
gung einer Längskraft behelfsweise den Arbeitspunkt B zu
wählen, der bei 100 Prozent Bremsschlupf liegt. Wie Fig. 1
zeigt, ist auch bei 100 Prozent Bremsschlupf noch fast die
maximale Längskraft übertragbar, obwohl das Rad schon zum
Blockieren gebracht wurde. Das liegt daran, daß bei bloc
kiertem Rad jeweils in der Richtung die größte Kraftüber
tragung erfolgt, in die sich das Rad gerade schiebt.
Fig. 2 zeigt, daß in diesem Arbeitspunkt B die übertragbare
Seitenkraft auf ein Minimum abgesunken ist. Besteht die
Aufgabe des Rades, dessen Radsensor ausgefallen ist, in der
gerade anstehenden Fahrsituation hauptsächlich darin, eine
hohe Seitenkraft zu übertragen, so wird der Bremsdruck auf
0 abgebaut. Dementsprechend tritt auch kein Bremsschlupf
auf, wodurch der Arbeitspunkt auf den Punkt A gesetzt wird.
Zwar kann in diesem Arbeitspunkt A gemäß Fig. 1 keine
Längskraft übertragen werden, die Seitenkraftübertragung
ist gemäß Fig. 2 jedoch maximal. Daß dies für einen Schräg
laufwinkel von 0 Grad nicht zutrifft, ist für die Überle
gungen unerheblich, da bei einem Schräglaufwinkel von 0
Grad kein zusätzliches Eingreifen zur Giermomentenregelung
erforderlich ist. Die Wahl eines Arbeitspunktes entfällt
also, solange kein Schräglaufwinkel auftritt. Während die
Wahl des Arbeitspunktes A dadurch feststeht, daß weder ein
Antriebs- noch ein Verzögerungsmoment auf das Rad einwirkt,
kann der Arbeitspunkt B beispielsweise dadurch eingestellt
werden, daß der zugehörigen Radbremse der durch die Fremd
druckquelle, welche beispielsweise eine Pumpe und/oder ei
nen fremdangesteuerten Bremskraftverstärker aufweisen kann,
maximal erzeugbarer Bremsdruck zugeführt wird.
Die Wahl des Arbeitspunktes B kann aber auch so erfolgen,
daß nicht unbedingt der maximal erzeugbare Druck, sondern
ein bestimmter Druckwert in der betroffenen Radbremse ein
gestellt wird.
Das Prinzip läßt sich auf einfache Weise auch auf die Ver
teilung von Antriebsmomenten anwenden, wobei bei maximal
aufgebrachtem Antriebsmoment der Antriebsschlupf bei 100
Prozent liegt, das Rad durchdreht und entsprechend die Sei
tenkraftübertragung minimal ist. Ohne aufgebrachtes An
triebsmoment auf das Rad, dessen Radsensor ausgefallen ist,
befindet sich das Verfahren am selben Punkt A wie in den
Fig. 1 und 2.
Die Erfindung ermöglicht also bei Ausfall der Raddrehzahl
messung im Gegensatz zum Stand der Technik eine Notfunktion
durch eine Zweipunktregelung.
Claims (6)
1. Verfahren zur Beeinflussung dynamischer Größen eines
Fahrzeugs, wobei das Fahrzeug mit je einem Radsensor
pro Fahrzeugrad zur Bestimmung der Einzelraddrehzahlen
ausgestattet ist, und wobei das Verfahren die Beein
flussung durch eine radindividuelle Radverzögerungs- oder
Antriebsregelung vornimmt, dadurch gekennzeichnet,
daß bei Defekt eines Radsensors das betroffene Rad ei
ner Zweipunktregelung auf der Reibwert-Schlupf-Kurve
unterzogen wird, wobei die Arbeitspunkte auf der Kurve
von der Drehzahl des betroffenen Rades unabhängig sind.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
der erste Arbeitspunkt (A) beim Längsschlupf (λ) gleich
Null liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
der erste Arbeitspunkt (A) gewählt wird, wenn hohe
Seitenführungskräfte übertragen werden sollen.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß der zweite Arbeitspunkt bei
einem durch ein vorbestimmtes Radverzögerungsmoment
oder ein vorbestimmtes Radantriebsmoment am betroffenen
Rad sich einstellenden Längsschlupf (λ) liegt.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
der zweite Arbeitspunkt bei dem durch eine vom Fahrer
unabhängig arbeitende Verzögerungs- oder Antriebsanord
nung betragsmäßig maximal des erzeugbaren Längs
schlupf (λ) liegt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeich
net, daß der zweite Arbeitspunkt (B) gewählt wird, wenn
eine große Längskraftübertragung erforderlich ist.
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Owner name: CONTINENTAL TEVES AG & CO. OHG, 60488 FRANKFURT, D |
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