DE19613867C1 - Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung - Google Patents
Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen HüllstromfraktionierungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Einrichtung zur kontinuierlichen
elektromigrativen Hüllstromfraktionierung nach dem Oberbegriff des Anspruchs.
Elektrophorese ist ein Verfahren zur Trennung von geladenen Partikeln mit Hilfe
eines elektrischen Feldes. Dabei wird die von Partikelspezies zu Partikelspezies
unterschiedliche Eigenschaft der elektrophoretischen Mobilität oder des
isoelektrischen Punktes zu einer Auftrennung in die einzelnen Spezies ausgenutzt.
Elektrophorese kann sowohl in einem stabilisierenden Trägermedium (Gel) als auch
ohne Trägermedium, d. h. im freien Elektrolyten durchgeführt werden. Bei der
Kapillarelektrophorese wird die Trennung in einer Kapillare durchgeführt, in der die
vorhandenen Oberflächenladungen zu einem Transport der gesamten
Flüssigkeitssäule d. h. zur Elektroosmose führt.
Es ist bekannt, zur Fraktionierung aus der Kapillarelektrophorese das Ende der
Kapillare auf eine Fraktionierfläche aufzusetzen, die gleichzeitig als
Elektrophoreseelektrode dient. Die Fraktionierung erfolgt durch Bewegung der
Kapillare rechtwinklig zur Elektrodenoberfläche. Von Nachteil bei dieser
Fraktionierung ist jedoch die Einbeziehung der Analytteilchen in die Redoxreaktion
an der Elektrodenoberfläche, da die Analytteilchen hierdurch so verändert werden
können, daß sie für nachfolgende analytische oder präparative Verwertung nicht
mehr geeignet sind. Weiterhin ist bekannt, zur Fraktionierung den
Elektrophoresestrom kurzzeitig zu unterbrechen, und dann mittels einer über die
Länge der Trennkapillare angelegten Druckdifferenz einen Teil des Kapillareninhalts
auf einen Fraktionenträger zu fördern. Von Nachteil bei dieser Methodik ist jedoch
die aus dem Hagen-Poiseuille-Strömungsprofil resultierende
Auflösungsverminderung der Trennung, da die Zonen der Probeteilchen die
Kapillarwandung berühren.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Probeteilchen aus der
Elektrophoresekapillare unter nur geringem Verlust an analytischer Auflösung und
ohne elektrochemische Veränderung auf einen Fraktionenträger zu fraktionieren.
Diese Aufgabe wird bei einer gattungsgemäßen Einrichtung durch die
kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Die Überführung der Probeteilchen in einen feldfreien Bereich erfolgt nach Anspruch
1, um die Abwesenheit einer Potentialdifferenz bei der Übertragung auf den
Fraktionenträger zu gewährleisten, so daß die Probeteilchen keiner
elektrochemischen Reaktion unterliegen. Die Verstärkung des Hüllflüssigkeitsstroms
erfolgt nach Anspruch 2, um auch Diaphragmen großer Porosität und kleiner
Festladungskonzentration einzusetzen. Die Fraktionierung erfolgt nach Anspruch 3,
um elektrochemische Veränderungen zu vermeiden, die eine nachfolgende
Verwendung der Probeteilchen in analytischen oder präparativen Verfahren
verhindern. Mindestens ein Reagens wird über das Diaphragma nach Anspruch 4
den Probeteilchen zugemischt, um die Probeteilchen für eine nachfolgende
analytische oder präparative Verwendung zu stabilisieren. Die Umspülung des
Diaphragmas erfolgt nach Anspruch 5, um Zonen veränderter
Elektrolytkonzentration von der Außenseite des Diaphragmas zu entfernen, so daß
die aus dem Elektrodenraum in das Diaphragma eintretende Flüssigkeit eine hohe
Ionenkonzentration aufweist.
Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen in der erweiterten Einsetzbarkeit
des analytischen Trennverfahrens Kapillarelektrophorese auch zur
mikropräparativen Aufreinigung, ohne eine elektrochemische Veränderung der
Analytteilchen durch die Fraktionierung und ohne nennenswerten Verlust an
analytischer Auflösung bei der Fraktionierung in Kauf nehmen zu müssen, so daß
auch kapillarelektrophoretisch gereinigte Nucleinsäure-, Peptid- und
Proteinpräparate hergestellt werden können. Einen besonderen Vorteil der
Erfindung für den biotechnologischen und gentechnologischen Bereich bietet die
Möglichkeit, den Fraktionenträger als Probenträger in der
Laserdesorptionsmassenspektrometrie einzusetzen. Ein Ausführungsbeispiel der
Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird im folgenden näher beschrieben.
Es zeigen
Fig. 1 Übersichtsdarstellung einer Einrichtung zur Kapillarelektrophorese mit der
Vorrichtung zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung,
Fig. 2 Längsschnitt der Vorrichtung zur kontinuierlichen elektromigrativen
Hüllstromfraktionierung.
Es folgt die Erläuterung der Erfindung anhand der Zeichnungen nach Aufbau und
Wirkungsweise der dargestellten Erfindung. In der Übersichtsskizze (Fig. 1) ist eine
Einrichtung zur Kapillarelektrophorese mit der kathodenseitig angebrachten
Fraktioniereinrichtung prinzipiell dargestellt. Die Probe wird auf der Anodenseite
aufgegeben, wobei üblicherweise nach der elektrophoretischen oder pneumatischen
Probenaufgabe das Ende der Trennkapillare (2) in das Anodenpuffergefäß mit
eingetauchter Elekrophoreseanode (3) eingetaucht wird. Während der
elektrophoretischen Auftrennung der Probe in der Trennkapillare, wobei die
elektrische Feldstärke E größer als Null ist, erfolgt ein elektroosmotischer Transport
des Kapillareninhalts in Richtung der Kathode (Fig. 2), wobei das elektroosmotische
Strömungsprofil (11) rechteckig ist, da die bewegende Kraft an einem Zylindermantel
in der Nähe der Wandung in der Flüssigkeit angreift.
Die Trennkapillare (2) mündet in das hohlzylinderförmige Diaphragma (7), welches
sich im Inneren eines Gefäßes befindet, welches den Kathodenelektrolyt enthält.
Eine weitere Kapillare, die Fraktionierkapillare (5), ist von der entgegengesetzten
Seite in das Diaphragma eingelassen, wobei der Abstand der beiden Kapillaren
innerhalb des Diaphragmas den ein- bis zweifachen Außendurchmesser der
Kapillaren beträgt. Dieser Abstand ist so gewählt, damit einerseits der Bereich
erweiterten Innendurchmessers im System in Achsialrichtung so kurz wie möglich
ist, andererseits die Fläche für den Durchtritt des Elektrophoresestromes groß
genug ist, um das Diaphragma nicht einer zu großen Erwärmung durch den
elektrischen Strom auszusetzen. Die elektrische Feldstärke E ist innerhalb der
Fraktionierkapillare aufgrund der Anbringung der Elektrophoreseelektroden und der
isolierten Montage des Fraktionenträgers gleich Null.
Das Diaphragma generiert unter dem Einfluß des elektrischen Stromes an der
Innenwandung eine Ionenanreicherungszone (J. Heinrich und H. Wagner, in Cell
Electrophoresis, ed. J. Bauer, CRC Press London Tokyo, 1995, Seiten 103-112). Die
ionenanreichernde Wirkungsweise des Diaphragmas ergibt sich aus der Ladung der
unbeweglichen Diaphragmenmatrix und der Stromrichtung (J. Heinrich, H. Wagner,
Electrophoresis, 14, 99, 1993). Die Ionenanreicherungszone verhindert die
Wanderung der Analytteilchen in das Diaphragma, da aufgrund der hohen
Ionenkonzentration die elektrophoretische Effektivmobilität der Analytteilchen
innerhalb der Anreicherungszone sehr klein wird. Weiterhin wird durch die Wahl des
Diaphragmamaterials über den sogenannten elektrophoretischen Effekt ein Netto-
Flüssigkeitstransport in die Kapillare erzielt. Gemeinsam mit dem vom elektrischen
Feld hervorgerufenen elektroosmotischen Flüssigkeitstransport in Längsrichtung der
kapillaren Anordnung resultiert ein Hüllflüssigkeitsstrom (12) hoher
Ionenkonzentration, der die Probenzonen vom direkten Kontakt mit der Innenwand
der Fraktionierkapillare abhält und damit zu einer Erhaltung der analytischen
Trennschärfe beiträgt, da das druckdifferenzbedingte, in der feldfreien
Fraktionierkapillare auftretende Hagen-Poiseuille-Strömungsprofil (14) im Zentrum
der Kapillare flach ist. Die am Ende der Fraktionierkapillare austretenden
Probeteilchen werden auf einen relativ zum Kapillarende rechtwinklig bewegten
Fraktionenträger (6) kontinuierlich fraktioniert. Dicht bei der Fraktioniereinrichtung
kann an der Trennkapillare ein Detektor (10) zur Detektion von Probenteilchen
angebracht sein, der Informationen über die Auftrennung vor der Fraktionierung
liefert.
Claims (9)
1. Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung, bei
welcher die zu fraktionierenden Probeteilchen, die sich durch Elektrophorese unter
dem Einfluß des zur elektrophoretischen Auftrennung einer Probe im Inneren einer
Trennkapillare angelegten elektrischen Feldes in Richtung einer der Elektroden
bewegen, auf einen festen, gelförmigen oder flüssigen Träger fraktioniert werden,
dadurch gekennzeichnet, daß die Probeteilchen mittels eines unter der
Einwirkung eines Elektrophoresestromes von einem hohlzylinderförmigen
Diaphragma erzeugten Hüllflüssigkeitsstroms hoher Ionenkonzentration aus dem
Bereich des elektrischen Feldes kontinuierlich in eine feldfreie Fraktionierkapillare
gefördert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Hüllflüssigkeitsstrom hoher Ionenkonzentration durch eine von außen über
das Diaphragma angelegte Druckdifferenz verstärkt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Fraktionierung auf einen festen, gelförmigen oder flüssigen Träger erfolgt,
der keine Potentialdifferenz gegenüber dem Ende der Flüssigkeitssäule in der
Fraktionierkapillare aufweist.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Puffer mindestens ein Reagens enthält, welches den Probeteilchen
kontinuierlich im Hüllflüssigkeitsstrom zugemischt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Diaphragma zur Entfernung einer Ionen-Verarmungszone von einem Puffer
ständig umspült wird.
6. Vorrichtung zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung nach
mindestens einem der Ansprüche 1-5, bestehend aus einem
Elektrodenanschlußblock (1), einer Trennkapillare (2), einer Gegenelektrode (3) mit
Puffer- bzw. Probegefäß (4),
dadurch gekennzeichnet,
daß das Diaphragma (7) die Trennkapillare (2) mit der Fraktionierkapillare (5)
verbindet.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß am Elektrodenanschlußblock (1) Anschlüsse für die
Zirkulation des Elektrodenpuffers (8, 9) vorgesehen sind.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß in Bewegungsrichtung der Probeteilchen vor der Fraktionierung ein Detektor
(10) für mindestens eine Spezies der in der Kapillare enthaltenen Probeteilchen
angebracht ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Fraktionierkapillare so dicht über einen festen, flüssigen oder gelförmigen
rechtwinklig zur Fraktionierkapillare beweglichen Fraktionenträger angebracht ist,
daß die am Ende der Fraktionierkapillare austretende Flüssigkeit auf dem
Fraktionenträger abgestreift werden kann.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996113867 DE19613867C1 (de) | 1996-04-06 | 1996-04-06 | Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996113867 DE19613867C1 (de) | 1996-04-06 | 1996-04-06 | Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19613867C1 true DE19613867C1 (de) | 1997-07-31 |
Family
ID=7790697
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1996113867 Expired - Fee Related DE19613867C1 (de) | 1996-04-06 | 1996-04-06 | Verfahren zur kontinuierlichen elektromigrativen Hüllstromfraktionierung |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19613867C1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102014222421A1 (de) * | 2014-11-03 | 2016-05-04 | CalvaSens GmbH | Vorrichtung und Verfahren zur kontaktlosen Potentialmessung bei elektromigrativen Trenntechniken |
| US10669572B2 (en) | 2017-05-31 | 2020-06-02 | University Of Notre Dame Du Lac | Ultra-sensitive multi-target lateral flow molecular assay with field-induced precipitation |
-
1996
- 1996-04-06 DE DE1996113867 patent/DE19613867C1/de not_active Expired - Fee Related
Non-Patent Citations (2)
| Title |
|---|
| Cell Electrophoresis, ed. J. Bauer CRC Press London Tokyo (1995) S. 103-112 * |
| Electrophoresis, Bd. 14 (1993) S. 99-107 * |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102014222421A1 (de) * | 2014-11-03 | 2016-05-04 | CalvaSens GmbH | Vorrichtung und Verfahren zur kontaktlosen Potentialmessung bei elektromigrativen Trenntechniken |
| US10669572B2 (en) | 2017-05-31 | 2020-06-02 | University Of Notre Dame Du Lac | Ultra-sensitive multi-target lateral flow molecular assay with field-induced precipitation |
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