DE19520021A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere zur Feuchtigkeitsbestimmung im Erdboden - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere zur Feuchtigkeitsbestimmung im ErdbodenInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Bestimmung der
Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere in Erdboden bzw.
Ackerboden, sowie weiterer Bodeneigenschaften wie z. B. der Leitfähigkeit und der Salinität, die
teilweise auch miteinander zusammenhängen können. Dabei sind das Verfahren und die
Vorrichtung selbstverständlich auch auf beliebig andere Gemenge oder Flüssigkeiten anwendbar,
die z. B. in industriellen Produktionsverfahren verwendet werden. Sinnvoll sind das Verfahren und
die Vorrichtung vor allem dort anzuwenden, wo eine Komponente des Gemenges oder der
Flüssigkeit eine von den übrigen Komponenten deutlich abweichende Dielektrizitätskonstante hat,
so daß sich über die Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten sehr einfach und leicht
Rückschlüsse auf den Anteil dieser einen Komponente ableiten lassen. Im Falle von Erdboden
bzw. Ackerboden ist diese eine Komponente der Feuchtigkeitsgehalt bzw. Wassergehalt, da
Wasser eine gegenüber allen übrigen Bodenkomponenten deutlich höhere Dielektrizitätskonstante
hat. Die folgende Beschreibung konzentriert sich auf die Feuchtigkeitsbestimmung von Erdboden,
ohne daß hiermit eine Beschränkungsabsicht verbunden ist. Gegebenenfalls sind also alle speziell
im Zusammenhang mit Erdboden erwähnten Merkmale und Maßnahmen des Verfahrens und der
entsprechenden Vorrichtung in völlig analoger Weise auch auf andere Gemenge oder Flüssigkei
ten, einschließlich Emulsionen, Lösungen oder Flüssigkeitsmischungen zu übertragen.
Die bekannten Verfahren und Vorrichtungen zur Messung der Dielektrizitätskonstanten von
Bodenmaterial und einer daraus abgeleiteten Feuchtigkeitsbestimmung verwenden im allgemeinen
eine elektrische Leitung, die in den Erdboden hineingesteckt wird. Das herausstehende Ende der
Leitung ist mit einem Sender sowie einem Empfänger für hochfrequente elektrische Signale
verbunden. Das Signal wird in die elektrische Leitung eingeleitet, an deren Ende reflektiert und
vom Empfänger empfangen. Aus der Zeitverzögerung läßt sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit
elektromagnetischer Wellen im Erdboden bestimmen, die gemäß der Beziehung
wobei c die Ausbreitungsgeschwindigkeit im Boden, c₀ die Vakuumlichtgeschwindigkeit, εr die
Dielektrizitätskonstante des Bodens und µr die Permeabilität ist, die jedoch in der Praxis in fast
allen interessierenden Fällen = 1 gesetzt werden kann und daher im Folgenden nicht mehr
berücksichtigt wird.
Aus den Signallaufzeiten kann dann die Ausbreitungsgeschwindigkeit gemessen und hieraus
gemäß der obigen Beziehung die Dielektrizitätskonstante ermittelt werden. Will man die elektrische
Leitung nicht übermäßig lang machen, so liegen die zu messenden Lautzeiten im Bereich weniger
Nanosekunden. Die exakte Messung derart kurzer Laufzeiten, die für eine verläßliche Bestimmung
der Dielektrizitätskonstanten und damit der Feuchtigkeitswerte des Bodens erforderlich sind,
erfordern einen außerordentlich hohen meßtechnischen Aufwand, der dennoch in der Praxis nicht
immer die gewünschten genauen Ergebnisse liefert. Darüberhinaus läßt ein solcher hoher Aufwand
den verbreiteten Einsatz derartiger Meßsysteme, z. B. durch einen einzelnen landwirtschaftlichen
Betrieb oder eine Genossenschaft, insbesondere auch in ärmeren Staaten oder Entwicklungs
ländern nicht zu. Gerade dort ist jedoch eine genaue Kenntnis des Feuchtigkeitsgehaltes und ein
dadurch optimiertes, sparsames Bewässern besonders von Nöten. Auch viele Industrienationen
klagen zunehmend über Wasserknappheit, so daß auch hier eine möglichst sparsame
Bewässerung sinnvoll erscheint, die andererseits nicht dazu führen soll, daß die zu bewässernden
Pflanzen unter Wassermangel leiden und geringere Erträge bringen. Auch unter Kostengesichts
punkten ist für einen landwirtschaftlichen Betrieb eine sparsame Bewässerung selbstverständlich
sinnvoll.
Wie bereits erwähnt, ist das bekannte System für den verbreiteten Einsatz zu ungenau oder zu
aufwendig. Daneben sind selbstverständlich noch andere Verfahren, z. B. der chemischen oder
physikalischen Analyse bekannt, die zwar mehr genau sind, jedoch einen noch höheren Aufwand
und den Einsatz eines Labors erfordern, was erst recht die Möglichkeiten eines einzelnen
Betriebes oder einer kleinen Genossenschaft übersteigt und dabei auch äußerst unpraktisch und
zeitaufwendig ist.
Gegenüber diesem Stand der Technik liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein
Verfahren und eine Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder
Flüssigkeiten mit den bereits erwähnten Merkmalen zu schaffen, welche mit vergleichsweise
geringem Aufwand sehr schnelle und genaue Werte der Dielektrizitätskonstanten des Systems
bzw. des daraus abgeleiteten Feuchtigkeitsgehaltes liefern.
Hinsichtlich des Verfahrens wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß ein hochfrequentes
elektrisches Signal in die elektrische Leitung eingegeben und die Signalamplitude als Funktion der
Signalfrequenz ermittelt wird, woraufhin die Auswertung, d. h. der Rückschluß auf die Dielektrizitäts
konstante, aus dem Frequenzgang des gemessenen Signals vorgenommen wird.
Gleichzeitig können aus der Signaldämpfung (Amplitudendämpfung) die Bodenleitfähigkeit, die
Salinität und andere Bodeneigenschaften aus den erfindungsgemäßen Messungen der Amplituden
in Abhängigkeit von der Frequenz bestimmt werden.
Vorzugsweise wird als elektrische Leitung eine Doppelleitung aus im wesentlichen parallelen
elektrischen Leitern verwendet. Eine solche Leitung liefert im allgemeinen ein relativ gut meßbares
Signal auch bei schwachen Sendeleistungen.
Die Doppelleitung kann gegebenenfalls auch als Koaxialleitung ausgestaltet sein. Daneben ist
selbstverständlich auch die Verwendung einer einfachen Leitung möglich, insbesondere mit einem
dünnwandigen, dielektrischen Überzug.
Alternativ kommt auch die Verwendung von Streifenleitungen, zum Beispiel in Form metallisch
beschichteter Keramik- oder Kunststoffelemente, in Frage.
Wichtig ist, daß im Gegensatz zum Stand der Technik nicht Signallaufzeiten gemessen werden,
sondern daß die Frequenzabhängigkeit der Signale erfaßt und ausgewertet wird.
Vorzugsweise ist die elektrische Doppelleitung als sogenannte Lecherleitung ausgestaltet, die
wiederum vorzugsweise an ihrem den Meßvorrichtungen abgewandten Ende offen ist. Eine
Lecherleitung besteht aus zwei exakt parallelen elektrischen Leitern, im allgemeinen rohrförmigen
Hohlleitern, da die in Rede stehenden hochfrequenten Signale ohnehin nur durch die Ober
flächenbereiche von elektrischen Leitern verlaufen.
Selbstverständlich können die Leitungen jedoch auch aus massiven elektrischen Leitern bestehen
und der Begriff Lecherleitung wird im Sinne der vorliegenden Erfindung durchgehend für zwei
möglichst exakt parallele, gerade Leiter gleicher Länge verwendet.
In einer bevorzugten Variante des Verfahrens erfolgt die Auswertung allein durch Erfassen des
Frequenzabstandes der beim Durchstimmen der Sendefrequenz auftretenden Maxima und/oder
Minima der Signalamplituden. Wenn das zu messende System eine kleine Dielektrizitätskonstante
hat, sind die Abstände zwischen aufeinander folgenden Maxima oder Minima der frequenz
abhängigen Signalamplitude relativ groß und werden mit wachsender Dielektrizitätskonstante, im
Falle von Erdboden also mit zunehmender Feuchtigkeit, deutlich kleiner. Der Abstand der (in der
Praxis am einfachsten zu messenden) aufeinander folgenden Maxima der Signalamplituden in
Abhängigkeit von der Frequenz ändert sich zum Beispiel bei einem konkret verwendeten System
um über 60%, wenn der Feuchtigkeitsgehalt des Bodens von 30% auf 12% abnimmt. Bei
entsprechender Eichung weist das Verfahren daher einen hohen Grad an Genauigkeit auf,
insbesondere für den Feuchtigkeitsbereich, der in der Praxis auch für Ackerböden von großem
Interesse ist.
Grundsätzlich wäre es selbstverständlich auch möglich, aus einem kleinen Abschnitt des
Frequenzganges, d. h. beispielsweise aus dem steilsten Abschnitt zwischen Maximum und
Minimum der Signalamplitude, gemessen in Abhängigkeit von der Frequenz, die Dielektrizitätskon
stante bzw. den Feuchtigkeitsgehalt abzuleiten.
Zur Feuchtigkeitsbestimmung erscheint es am zweckmäßigsten, das System durch eine Reihe
konkreter Messungen und Analysen mit Hilfe von chemischen und/oder physikalischen Verfahren
eine Eichmessung vorzunehmen.
Mit dem beschriebenen Verfahren läßt sich die Dielektrizitätskonstante aus den generellen
Beziehungen zwischen Wellenlänge, Frequenz, Lichtgeschwindigkeit und Dielektrizitätskonstante
ermitteln, wobei im Falle der verwendeten Lecherleitung die zusätzliche Bedingung hinzukommt,
daß bei einer offenen Leitung Maxima des Signals, d. h. Resonanzen der Doppelleitung auf das
Sendesignal, immer dann zu erwarten sind, wenn die konkrete Länge L der Lecherleitung einem
ungradzahligen Vielfachen einer Viertelwellenlänge entspricht. Für die Maxima gilt also die
Beziehung (2n + 1) λ/4 = L. Im Falle einer Lecherleitung mit geschlossenem Ende würde die
entsprechende Beziehung n/2 λ = L lauten.
Für benachbarte Maxima unterscheiden sich die entsprechende Werte von n gerade um 1. Mit Hilfe
dieser Bedingungen lassen sich die zu den jeweiligen Frequenzen gehörenden Wellenlängen und
damit auch der Wert für die Dielektrizitätskonstante 8 ermitteln. Weil Wasser eine im Vergleich zum
übrigen Bodenmaterial sehr hohe Dielektrizitätskonstante hat, wird diese Wert maßgeblich durch
den Wasseranteil bzw. den Feuchtigkeitsgehalt besummt. Die genaue Zuordnung des Feuchtig
keitsgehaltes zu den entsprechenden Werten von ε erfolgt am besten anhand einer Eichmessung.
Die entsprechende Vorrichtung weist die bereits erwähnte Doppelleitung auf, vorzugsweise in Form
einer Lecherleitung, sowie einen zumindest in einem begrenzten Frequenzbereich durchstimm
baren Sender. Prinzipiell würde es ausreichen, wenn der Sender über einen Frequenzbereich
hinweg durchstimmbar ist, der das Erfassen eines Maximums und eines Minimums der
Signalamplitude in Abhängigkeit von der Frequenz erlaubt. Genauer wird die Messung jedoch,
wenn insgesamt mindestens zwei Maxima oder zwei Minima der betreffenden Kurve erkennbar
werden. Der Oszillator sollte deshalb über einen Frequenzbereich hinweg durchstimmbar sein,
dessen größter und kleinster Wert sich um einen Faktor von mindestens 2, besser noch um einen
Faktor von mindestens 5 unterscheiden. Konkret wird ein Oszillator angestrebt, der im
Frequenzbereich zwischen 150 MHz und 900 MHz durchstimmbar ist. Aber auch mit höheren
Frequenzen, zum Beispiel bis in den Bereich von 10 GHz und darüber, läßt sich das erfindungs
gemäße Prinzip verwirklichen. Höhere Frequenzen haben dabei vor allem den Vorteil, daß kürzere
elektrische Leitungen als "Antennen" verwendet werden können.
Es versteht sich, daß die Ausgangsverstärkung des Oszillators über den gesamten Frequenzbe
reich hinweg möglichst konstant sein oder sich allenfalls gleichmäßig ändern sollte. Die Maxima
und Minima der Signalamplitude entstehen dann allein aufgrund der Dämpfung oder Resonanz des
Lechersystems. Besonders bevorzugt ist für Sender und Empfänger die sogenannte PLL-Technik
(Phase locked loop), die eine sehr genaue frequenzgefilterte bzw. frequenzselektive Messung
kleinster Signale ermöglicht.
Die elektrische Leitung besteht vorzugsweise aus zwei parallelen (oder auch einer einzelnen), mit
einer Schutzschicht ummantelten Leitungen, die zweckmäßigerweise jeweils oder gemeinsam mit
einer Spitze versehen werden, die das Einschieben der Leitung in Bodenmaterial erlaubt. Der
Zwischenraum zwischen den Leitungen sollte beim Einschieben in den Boden möglichst
weitgehend durch Bodenmaterial ausgefüllt werden können, so daß es sinnvoll erscheint, wenn
allenfalls schmale Brücken oder Stege die beiden Leitungen bzw. deren Ummantelung direkt
miteinander verbinden, um die beiden Leitungen stabil in ihrem parallelen Abstand zu halten, wobei
die Verbindung selbstverständlich nichtleitend ist.
Eine andere Variante besteht darin, daß die Leitungen auf gegenüberliegenden Seiten eines
Rohres parallel angeordnet werden, welches in den Boden eingesteckt bzw. gerammt werden
kann. Das Rohr sollte dementsprechend dünnwandig, gleichzeitig jedoch auch stabil sein. Statt
eines vollständigen Rohres könnten jedoch auch ein Rohrsektor oder ein Halbrohr verwendet
werden, bei welchem die Leitungen entlang der freien Kanten dieses Rohrsektors angeordnet sind.
Bei einer solchen Ausgestaltung läßt sich das Lechersystem relativ leicht in Bodenmaterial
einschieben, vorausgesetzt, dieses ist nicht allzu stark verdichtet und verfestigt. Gleichzeitig dringt
auch das Bodenmaterial auf der konkaven Seite des Rohrsektors oder Halbrohres in den Bereich
zwischen den beiden Leitungen ein, so daß dieses Material auch tatsächlich die Ausbreitungs
geschwindigkeit und damit die Wellenlänge der elektrischen Signale in der Leitung bestimmt.
Die Vorderkante eines Rohres, Halbrohres oder Rohrsektors ist zweckmäßigerweise als Schneide
ausgebildet oder auch zu einer Spitze geformt. Die Zuleitungen sollten an einem Ende der
Doppelleitung vorzugsweise seitlich erfolgen. Auf diese Weise kann das Ende der Leitung noch
mit einem Druck- oder Schlagkopf versehen werden, der das Eintreiben der Doppelleitung in
Bodenmaterial erleichtert.
Die Leistung des betreffenden Senders sollte möglichst unter 100 mW liegen, damit der
Fernsehempfang in der näheren Umgebung des betreffenden Senders möglichst nicht gestört wird.
Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung werden
deutlich anhand der folgenden Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform und der
dazugehörigen Figuren. Es zeigen:
Fig. 1 ein Blockdiagramm des erfindungsgemäßen Systems,
Fig. 2 eine erste, konkrete Ausgestaltung einer Lecherleitung zur Verwendung in dem in Fig.
1 dargestellten System,
Fig. 3 und 4 schematisch zwei weitere Ausführungsformen einer Lecherleitung,
Fig. 5, 6 und 7 die gemessenen Frequenzabhängigkeiten der Signale bei einem System nach
Anspruch 1 bei verschiedenen Bodenfeuchtigkeiten.
In Fig. 1 erkennt man schematisch eine Lecherleitung 2, bestehend auf zwei parallelen,
elektrischen Leitern, die am Ende offen, d. h. nicht miteinander verbunden sind. Die Lecherleitung
2, die mechanisch entsprechend stabil ausgeführt ist, teilweise gekapselt sein kann und
gegebenenfalls Gehäuseabschnitte mit verstärkten Enden aufweist, ist in den schraffiert
angedeuteten Erdboden 1 eingesteckt bzw. eingerammt. Ein durchstimmbarer Hochfrequenzgene
rator 3 speist ein hochfrequentes, elektromagnetisches Signal in die Leitung 2 ein. Sofern die
Frequenz genügend hoch und die Länge der Lecherleitung 2 hinreichend lang ist, bilden sich in
der Lecherleitung 2 dieselben elektromagnetischen Wellenzustände aus wie in einer Antenne.
Hierzu muß die Länge der Leitung 2 in der Größenordnung von mindestens einem Viertel der
Wellenlänge der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen liegen. Es versteht sich, daß unter
praktischen Gesichtspunkten die Lecherleitung 2 nicht allzu lang sein darf, auch wenn sie
üblicherweise nicht, wie in Fig. 1 dargestellt ist, vertikal in den Boden gesteckt werden muß,
sondern im allgemeinen vielmehr flach unter einem kleinen Winkel zur Bodenoberfläche in diesen
eingeschoben wird, um vor allem die Feuchtigkeit der oberen Bodenschichten zu bestimmen, die
für das Gedeihen von Ackerfrüchten relevant sind. Andererseits kann die Lecherleitung auch
senkrecht in den Boden gesteckt werden, wenn sie genügend kurz ist. Verwendet man eine
Frequenz von 150 MHz, so beträgt im Vakuum die Wellenlänge der entsprechenden elek
tromagnetischen Wellen 2 Meter und die entsprechende Lecherleitung müßte demnach 50 cm lang
sein, um den Resonanzzustand einer stehenden Welle mit 150 MHz ausbilden zu können.
Da jedoch im Erdboden die Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen deutlich
langsamer ist als im Vakuum, kann die Lecherleitung 2 in der Praxis um einen entsprechenden
Faktor in der Größenordnung von 2-3 verkürzt werden. Je kürzer die Lecherleitung 2 ist, desto
eher ist es sinnvoll, sie senkrecht in den Boden zu stecken, soweit damit nur die relevanten
Bodenschichten erfaßt werden. Will man außerdem die Frequenz um mindestens einen Faktor 2
variieren, um die Resonanzen zum Bestimmen der Lecherleitung 2 zu erfassen, d. h. diejenigen
Frequenzen, bei denen die aktuelle Wellenlänge λ der Gleichung (2n+1) · λ/4 = L genügt, wobei
L die Länge der Lecherleitung ist, so muß die Frequenz mindestens in dem Bereich von 150 MHz
bis 300 MHz durchstimmbar sein. Bei einem in der Praxis gut brauchbaren und leicht handhab
baren System dürfte also die verwendbare Frequenz und damit der durchstimmbare Bereich
zwischen etwa 100 MHz und 1000 MHz liegen und die Lecherleitung 2 müßte dann eine Länge in
der Größenordnung zwischen 10 und 30 cm haben, um die Dielektrizitätskonstanten nach der
erfindungsgemäßen Methode messen zu können, deren Werte zwischen etwa 1 und 80 fallen.
Hohe Frequenzen, gegebenenfalls bis in den Bereich von 10 GHz oder gar darüber sind deshalb
besonders bevorzugt, sofern entsprechende frequenzabgestimmte Sender und Empfänger höher
Empfindlichkeit zur Verfügung stehen.
Die von dem Hochfrequenzgenerator 3 an die Lecherleitung 2 abgegebene Energie wird in den
Erdboden abgestrahlt, wobei sich, wie bereits erwähnt, bei bestimmten Wellenlängen resonante
Zustände ausbilden. Die Signalamplitude, die mit dem Meßsystem erfaßt wird, welches durch die
Bezugszeichen 4 bis 7 wiedergegeben ist, wird daher in Abhängigkeit von der Frequenz oder
Wellenlänge periodisch schwanken. Diese Schwankungsperiode wird zur Bestimmung der
Dielektrizitätskonstanten 8 verwendet. Mit 4 ist ein Eingangsverstärker bezeichnet, der ebenso wie
der Hochfrequenzsender 3 an das obere Ende der Lecherleitung 2 angeschlossen ist. Die
Bezugszahl 5 bezeichnet einen Gleichrichter und mit 6 ist ein Analog-Digital Wandler bezeichnet.
In einem Rechnerteil 7 werden die Meßwerte erfaßt und ausgewertet und können in einem RAM-
Speicher 8 gespeichert und in einer Anzeigeeinheit 9 angezeigt werden. Mit 10 sind schematisch
Bedienelemente dargestellt, deren Zustand zweckmäßigerweise vom Rechner 7 erfaßt wird, um
die Einstellungen der Bedienelemente beim Auswerten der Meßergebnisse berücksichtigen zu
können. Konkret könnten die Bedienelemente 10 durch die Tastatur eines Rechners gebildet
werden. Unabhängig davon können jedoch auch Einstellelemente an den einzelnen Geräten
vorhanden sein.
In einer anderen, nicht dargestellten Variante könnten der Verstärker 4 und der Gleichrichter 5
durch einen schmalbandigen, in der Frequenz parallel zum Generator 3 mitgeführten Empfänger
bestehen. Derartige frequenz- und gegebenenfalls auch phasenempfindliche Empfänger haben
eine sehr hohe Meßempfindlichkeit, so daß bei einem solchen System die Leistung des UHF-
Generators 3 sehr gering und z. B. deutlich unter 100 mW liegen könnte, was zur Vermeidung von
Störungen im Fernsehfrequenzbereich wünschenswert ist.
Bild 2 zeigt mehr oder weniger schematisch eine konkrete Ausgestaltung einer Lecherleitung. Die
beiden Leitungen 2a, 2b die z. B. aus Kupfer-Beryllium Rohren bestehen könnten, sind mit ihren
vorderen Enden in eine Kappe 12 eingesteckt, die mit einer Spitze versehen ist. Die Verbindung
der Rohre 2a, 2b mit der Kappe 12 sollte entweder formschlüssig oder mit gut haftenden Kleber
erfolgen. Die Kappe 12 sollte möglichst schmal und glatt ausgeführt sein und könnte auch eine
metallische Spitze aufweisen. Am hinteren Ende, an welchem der Generator 3 und der
Meßverstärker 4 angeschlossen werden, sind die Enden der Rohre 2a, 2b mit einer Druck- oder
Schlagkappe 11 versehen, die hier im Schnitt dargestellt ist und die dazu dient, auf das hintere
Ende der Lecherleitung 2 gegebenenfalls Druck auszuüben, um sie in den Erdboden einzudrücken,
oder gegebenenfalls auch um die mit einem Hammer oder dergleichen. In den Boden ein
zuschlagen der Druck- oder Schlagkopf 11 weint seitliche Bohrungen auf, durch welche die
Anschlußleitungen hindurchgeführt werden. Je nach Länge des Systems können auch noch ein
oder mehrere Verbindungsbrücken 13 vorgesehen sein, welche die beiden Rohre 2a, 2b in ihrer
parallelen Ausrichtung festhalten.
Eine andere, schematisch angedeutete Variante ist in Fig. 3 dargestellt. In diesem Fall weist die
Lecherleitung ein rohrförmiges Gehäuse 14 auf, welches in den Boden eingerammt oder
eingesteckt werden kann. Das Vorderende des rohrförmigen Gehäuses 14 ist mit einem
scharfkantigen Rand ausgebildet, so daß hierdurch das Einstecken in den Boden erleichtert wird.
Dabei dringt der Boden in das Rohr ein und füllt damit den Raum zwischen den beiden Leitungen
2a und 2b aus, die auf gegenüberliegenden Seiten des Rohres parallel zur Achse des Rohres 14
verlaufen.
Fig. 4 zeigt eine weitere Variante, bei welcher das Gehäuse 14′ als Halbrohr oder auch als
Rohrsektor mit mehr oder weniger als 180° Umfangswinkel ausgebildet ist. An den freien Kanten
des Rohrsektors 14′ sind wiederum die beiden Leitungen 2a und 2b der Lecherleitung 2
achsparallel verlaufend angeordnet. Das vordere Ende des Rohrsektors 14′ ist zu einer Spitze
auslaufend geformt. Diese Variante ist noch leichter in den Boden einzubringen als das Rohr 14
nach Fig. 3, wobei ebenfalls sichergestellt ist, daß das Erdbodenmaterial den Raum zwischen den
Leitungen 2a und 2a ausfüllt. Das hier nicht dargestellte hintere Ende bei den Ausführungsformen
nach Fig. 3 oder Fig. 4 könnte ebenso wie im Falle der Fig. 2 mit einem Druck- oder
Schlagkopf 11 ausgestattet sein.
Die Fig. 5, 6 und 7 zeigen die mit einem System nach Fig. 1 gemessenen Signalamplituden
eines nach dem Schema der Fig. 1 aufgebauten Versuchsystems in Abhängigkeit von der
variablen Frequenz des UHF-Generators 3, wobei die Messungen in den Fig. 5, 6 und 7 jeweils
bei unterschiedlichen Bodenfeuchtigkeiten vorgenommen wurden, die unabhängig bestimmt
wurden. Zunächst soll hier noch kurz der Zusammenhang zwischen dem Abstand der Signalmaxi
ma und der Dielektrizitätskonstanten abgeleitet werden, aus welcher wiederum, spätestens nach
einer entsprechenden Eichmessung, auf den Feuchtigkeitsgehalt zurückgeschlossen werden kann.
Die beiden grundlegenden Beziehungen sind die schon in der Beschreibungseinleitung erwähnten
Gleichungen (1 und 2), die hier in vereinfachter Form nochmals wiedergegeben werden:
c = ν × λ = c₀/√ε (1)
und für die Maxima der Signalamplituden bei einer offenen Lecherleitung:
L = (2n + 1) · λ/4 (2)
Aus 1 erhält man durch Umformung
Dieses eingesetzt in Gleichung 2 ergibt
wobei νn,max denjenigen Frequenzen entspricht, bei welchen ein Maximum der Signalamplitude
auftritt und n diese Amplituden in der Reihenfolge ihres Auftretens abzählt.
Diese Gleichung aufgelöst nach νn,max ergibt
Für den Frequenzabstand Δν zweier benachbarter Maxima der Signalamplituden, d. h. die
Differenz zwischen νn+1,max und νn,max, erhält man demnach:
Dies aufgelöst nach √ε ergibt
Damit ist die Wurzel aus der Dielektrizitätskonstanten unmittelbar auf den Abstand Δν der Maxima
in der Kurve der Signalamplituden in Abhängigkeit von der Frequenz zurückgeführt.
Aus den Fig. 5 bis 7 erkennt man, daß sich der Abstand der Signalmaxima von 105,5 MHz über
89,5 MHz bis zu 84,0 MHz deutlich ändert, wenn die Bodenfeuchtigkeit nur im Bereich zwischen
19,2% und über 25,7% bis 28,2% variiert. Man erkennt daraus, daß man die Bodenfeuchtigkeiten
ohne weiteres bis auf 0,2% genau bestimmen kann, wenn sich die Lage der Maxima bzw. der
Abstand der Maxima auf etwa 0,5 MHz genau bestimmen läßt, was bei einer digitalen Auswertung
der Meßkurven ohne weiteres möglich ist.
Claims (24)
1. Verfahren zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen, wie zum
Beispiel in Ackerboden, oder in Flüssigkeiten, bei welchem ein hochfrequentes,
elektrisches Signal in eine in das Gemenge oder dergleichen eingebrachte elektrische
Leitung geschickt und aus der Signalausbreitung bzw. -reflexion auf die Dielektrizitäts
konstante geschlossen und hieraus gegebenenfalls der Feuchtigkeitsgehalt des
Gemenges abgeleitet wird, dadurch gekennzeichnet, daß das hochfrequente Signal
in die elektrische Leitung eingegeben und die Signalamplitude als Funktion der Signal
frequenz ermittelt wird, woraufhin die Auswertung, d. h. der Rückschluß auf die
Dielektrizitätskonstante aus dem Frequenzgang des gemessenen Signals vor
genommen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als elektrische Leitung
eine Doppelleitung aus im wesentlichen parallelen elektrischen Leitern verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als elektrische
Leitung eine Koaxialleitung, eine mit einem Dielektrikum beschichtete Einzelleitung
oder eine auf einem Träger als Schicht aufgebrachte Steifenleitung verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als
elektrische Doppelleitung eine vorzugsweise am Ende offene Lecherleitung verwendet
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß bei der
Auswertung des Frequenzganges der Frequenzabstand von Maxima und/oder Minima
der Signalamplitude verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die
Auswertung unter Verwendung der folgenden Beziehungen und Randbedingungen
erfolgt:
wobei λ die Wellenlänge in der Doppelleitung angibt, ν die Signalfrequenz ist, c die
Lichtgeschwindigkeit ist, ε die Dielektrizitätskonstante ist, µ die (im allgemeinen = 1 zu
setzende) Permeabilität L die Länge der Doppelleitung und n eine ganze Zahl ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß an
Gemengen mit bekannten Feuchtigkeitsgehalten eine Eichmessung vorgenommen
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei zur Feuchtigkeitsmessung im
Boden ein Loch gegraben und die Meßsonde (Doppelleitung) in dem Loch horizontal
in den Boden eingeschoben wird, wobei die Messung gegebenenfalls in verschiedenen
Bodentiefen wiederholt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die
Frequenzvariation mindestens einen Faktor 2, vorzugsweise mindestens einen Faktor
5 beträgt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Frequenz mindestens
im Bereich von 200 bis 600 MHz, vorzugsweise im Bereich von 150 bis 900 MHz und
wahlweise zwischen 1 und 10 GHz variiert wird.
11. Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten eines Gemenges, wie zum
Beispiel Erdboden oder einer Flüssigkeit, mit einer Leitung, welche in das Gemenge
bzw. die Flüssigkeit einbringbar ist, wobei mindestens ein Ende der Leitung mit einem
Sender für hochfrequente elektrische Signale verbunden ist und wobei auch ein
Empfänger für die Signale, welche die Leitung durchlaufen haben bzw. in dieser
reflektiert worden sind, mit der Leitung verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, daß
der Sender (3) innerhalb eines vorgebbaren Frequenzbereiches durchstimmbar ist, der
ausreicht, um die Frequenzabhängigkeit des Empfangssignales zu bestimmen.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung eine
Doppelleitung (2) ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung eine
Koaxialleitung, eine mit einem Dielektrikum beschichtete Einzelleitung oder eine auf
einem Träger als Schicht aufgebrachte Streifenleitung ist.
14. Vorrichtung nach einem der Anspruche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß der
Durchstimmbarkeitsbereich der Frequenz mindestens den Faktor 2 umfaßt.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchstimmbar
keitsbereich mindestens den Faktor 5 umfaßt und vorzugsweise dem Bereich von
150 MHz bis 900 MHz entspricht.
16. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchstimmbar
keitsbereich im Bereich zwischen 1 und 10 GHz liegt.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß die
Leitung eine an ihrem äußeren Ende vorzugsweise offene Lecherleitung ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß die
elektrischen Leiter mit einer Schutzschicht, vorzugsweise aus Kunststoff, ummantelt
sind.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß die
beiden Leiter (2a, 2b) über schmale Stege (13) nichtleitend miteinander verbunden
sind.
20. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß die
beiden elektrischen Leiter (2a, 2b) an gegenüberliegenden Seiten eines Rohres (14)
oder Halbrohres (14′) bzw. Rohrsektors angebracht sind.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 20, dadurch gekennzeichnet, daß das
Vorderende der Doppelleitung mit einer oder mehreren Spitzen (12) oder mit einer
Schneide versehen ist.
22. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 21, dadurch gekennzeichnet, daß die
elektrischen Zuleitungen seitlich an das eine Ende der Doppelleitung herangeführt sind
und daß dieses Ende mit einem ebenen Kopf (11) aus einem widerstandsfähigen
Material ausgestattet ist.
23. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 22, dadurch gekennzeichnet, daß die
Senderleistung auf weniger als 100 mW einstellbar ist.
24. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß das
Sende/Empfangssystem ein PLL-System ist.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995120021 DE19520021A1 (de) | 1995-05-31 | 1995-05-31 | Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere zur Feuchtigkeitsbestimmung im Erdboden |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995120021 DE19520021A1 (de) | 1995-05-31 | 1995-05-31 | Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere zur Feuchtigkeitsbestimmung im Erdboden |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19520021A1 true DE19520021A1 (de) | 1996-12-05 |
Family
ID=7763366
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1995120021 Withdrawn DE19520021A1 (de) | 1995-05-31 | 1995-05-31 | Verfahren und Vorrichtung zur Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten in Gemengen oder Flüssigkeiten, insbesondere zur Feuchtigkeitsbestimmung im Erdboden |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19520021A1 (de) |
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