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Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zur Identifizierung eines Wirkstoffes mit proliferationshemmender, antiangiogener,
invasionshemmender und/oder antiinflammatorischer Wirkung, wobei
man (a) eukaryontische Zellen, die eine Nukleinsäure aufweisen, die die Promotorsequenz
eines humanes Guanylat Bindungsprotein-1 (GBP-1) kodierenden Gens,
die Promotorsequenz eines anderen selektiv durch inflammatorsiche
Zytokine induzierbaren Gens oder ein Fragment oder Derivat davon
mit entsprechender Promotoraktivität funktionell verknüpft mit
einem Reportergen enthalten oder Extrakte derartiger eukaryontischer
Zellen oder Zellkulturüberstände davon,
mit einem oder mehreren Wirkstoffkandidaten in Kontakt bringt; und
(b) die Expressionshöhe
des von dem Reportergen kodierten Transkripts oder (Poly)peptids
misst, wobei eine Zunahme der Expressionshöhe nach Zugabe des einen oder
der mehreren Wirkstoffkandidaten dessen proliferationshemmende,
anti-angiogene, anti-inflammatorische
und/oder invasionshemmende Wirkung indiziert. In einer alternativen
Ausführungsform
betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Identifizierung eines Wirkstoffes
mit proliferationsfördernder,
pro-angiogener, pro-inflammatorischer
und/oder invasionsfördernder,
angiogen sensitivierender (angiogen sensitivierende, invasionsfördende)
Wirkung, wobei man (a) in eukaryontischen Zellen, die eine Nukleinsäure aufweisen,
die die Promotorsequenz eines GBP-1 kodierenden Gens, die Promotorsequenz
eines anderen selektiv durch inflammatorische Zytokine induzierbaren
Gens oder ein Fragment oder Derivat davon mit entsprechender Promotoraktivität funktionell
verknüpft
mit einem Reportergen enthalten oder Extrakte derartiger eukaryontischer
Zellen oder Zellkulturüberstände davon,
mit einem oder mehreren Wirkstoffkandidaten in Kontakt bringt; und
(b) die Expressionshöhe
des von dem Reportergen kodierten Transkripts oder (Poly)peptids
misst, wobei eine Abnahme der Expressionshöhe nach Zugabe des einen oder
der mehreren Wirkstoffkandidaten dessen proliferationsfördernde
und/oder pro-angiogene (Angiogenese sensitivierende, invasionsfördend) Wirkung
indiziert. Die Erfindung betrifft ferner eine eukaryontische Zelle,
die eine Nukleinsäure
aufweist, die die Promotorsequenz eines GBP-1 kodierenden Gens,
die Promotorsequenz eines anderen selektiv durch inflammatorsiche
Zytokine induzierbaren Gens oder ein Fragment oder Derivat davon
mit entsprechender Promotoraktivität funktionell verknüpft mit
einem Reportergen enthält.
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In der Beschreibung ist eine Anzahl
von Dokumenten aus dem Stand der Technik erwähnt. Der Offenbarungsgehalt
dieser Dokumente, einschließlich
der Bedienungsanleitungen von Herstellern, ist in seiner Gänze hiermit
per Verweis in die Beschreibung übernommen.
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Das Endothel ist ein Schlüsselorgan
bei zahlreichen physiologischen und pathophysiologischen Prozessen
wie Zell-gesteuerter Immunantwort, Menstruation, Wundheilung, Entzündung, Allergie,
Herz-Kreislauferkrankung und Tumorwachstum. Die Pathofunktion des
Endothels ist untrennbar mit der Aktivierung von Endothelzellen
verbunden.
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Die Aktivierung des Endothels ist
ein komplexer Vorgang, der durch eine Vielzahl verschiedener löslicher
Faktoren gesteuert wird, die im Blut zirkulieren oder von benachbarten
Zellen freigesetzt werden (1A).
In Folge dieses Prozesses werden die Physiologie und Morphologie
der Endothelzellen an die jeweiligen Erfordernisse im Gewebe angepasst.
Im Vordergrund stehen hierbei die Steuerung der Zellproliferation, Apoptose,
Invasion, Migration und Leukozyten-Adhäsionsfähigkeit
von Endothelzellen, wodurch die Neu- und Rückbildung von Gefäßen und
die Extravasation von Leukozyten reguliert werden (1A).
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Die Vielzahl der beteiligten Faktoren
legt nahe, dass mehrere Faktoren denselben Phänotyp steuern und zu wirkungsgleichen
Gruppen zusammengefaßt
werden können
(1B). Zum Beispiel aktivieren
die angiogenen Wachstumsfaktoren basic fibroblast growth factor
(bFGF) und vascular endothelial cell growth factor (VEGF) die Endothelzellproliferation,
wohingegen die inflammatorischen Zytokine Interleukin (IL)-1α, IL-1β, tumor necrosis
factor (TNF)-α und
Interferon (IFN)-γ die Proliferation
hemmen und die Leukozyten-Adhäsionsfähigkeit
von Endothelzellen erhöhen.
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Derzeit gibt es keine geeigneten
Methoden mit denen bestimmt werden kann, wo und wann die verschiedenen
Faktoren in entzündlichen
Geweben auf die Endothelzellen wirken. Daher ist über die
räumliche und
zeitliche Verteilung der verschiedenen Aktivierungszustände von
Endothelzellen im Rahmen entzündlicher
Erkrankungen nur sehr wenig bekannt.
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Erste Arbeiten, einen molekularen
Marker zu identifizieren, der eine Aktivierung von Endothelzellen durch
die oben genannten inflammatorischen Zytokine im Gewebe anzeigt,
führten
zu vergleichenden Untersuchungen zur Genexpression in kultivierten
Endothelzellen in Gegenwart unterschiedlicher Aktivierungsbedingungen.
Mit diesem Ansatz konnte ein Gen isoliert werden, dessen Expression
in Endothelzellen selektiv durch inflammatorische Zytokine induziert
wird (2A) (Guenzi et
al., 2001; Lubeseder-Martellato et al. 2002). Dieses Gen kodiert
für das
Guanylat-Bindungsprotein-1 (GBP-1), das zur Proteinfamilie der großen GTPasen
gehört.
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Um zu bestimmen, ob GBP-1 wie in
kultivierten Zellen auch bei Gefäßendothelzellen
in humanen Geweben eine Aktivierung durch inflammatorische Zytokine
anzeigt, wurden immunhistochemische Untersuchungen zum Nachweis
von GBP-1 mittels spezifischer monoklonaler Antikörper durchgeführt. Dazu
wurden histologische Schnitte gesunder Haut und von Hauterkrankungen
mit einer entzündlichen
Komponente, wie zum Beispiel Psoriasis, Arzneimittelgegenreaktion
und Kaposi-Sarkom untersucht (2B)
Allen genannten Hauterkrankungen ist gemeinsam, dass in den Läsionen fokal
konzentriert zahlreiche Entzündungszellen
vorliegen, die dieselben inflammatorischen Zytokine freisetzen,
die auch zu einer erhöhten
GBP-1-Expression
führen.
In den Gefäßen der
gesunden Haut konnte GBP-1 in keinem Fall nachgewiesen werden. Im
Gegensatz dazu waren in allen untersuchten entzündlichen Erkrankungen einzelne
Gefäße deutlich
positiv für
GBP-1 (2B, Pfeile).
Diese Ergebnisse zeigten, dass GBP-1 tatsächlich auch in humanen Geweben
eine inflammatorische Aktivierung von Endothelzellen anzeigt und
als molekularer Marker für
den Nachweis dieser Aktivierung in Geweben eingesetzt werden kann
(Lubeseder-Martellato, Guenzi et al.).
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Die Induktion der GBP-1-Expression
durch inflammatorische Zytokine geht in Endothelzellen mit einer Hemmung
der Zellproliferation einher. Daher wurde untersucht, ob GBP-1 die
durch inflammatorische Zytokine induzierte Proliferationshemmung
vermittelt. Dazu wurden Endothelzellen mit retroviralen Vektoren
transduziert, welche die konstitutive Expression von GBP-1 (GBP-1-Vektor) oder einer
antisense-GBP-1-RNA (AS-Vektor) bewirken (3A). Western blot-Analysen belegten,
dass Endothelzellen die mit dem GBP-1-Vektor transduziert wurden,
GBP-1 sehr stark exprimierten (3B).
In Zellen, die mit dem AS-Vektor transduziert wurden, war die Induktion
der GBP-1-Expression durch IL-1β effizient
blockiert (3B). Nachfolgende
Proliferationsexperimente mit den verschiedenen transduzierten Zellkulturen
zeigten, dass GBP-1 tatsächlich
die durch angiogene Wachstumsfaktoren induzierte Zellproliferation
hemmt (3C, weiße Balken) und
darüber
hinaus notwendig ist, dass inflammatorische Zytokine die Proliferation
von Endothelzellen hemmen können
(3D). Letzteres äußert sich
darin, dass in antisense-GBP-1-RNA exprimierenden Zellkulturen die
Hemmwirkung inflammatorischer Zytokine auf die Zellproliferation
deutlich herabgesetzt ist (3D, schwarze
Balken) (siehe Guenzi et al. 2001).
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Weiterführende Untersuchungen zur Struktur-/Funktionsbeziehung
der proliferationshemmenden Wirkung von GBP-1 zeigten, dass interessanterweise
nicht die GTPase-Funktion (Prakash et al. 2000), sondern ein Abschnitt
am C-terminalen
Ende des Proteins (helikale Domäne)
die Hemmung der Zellproliferation bewirkt (Guenzi et al. 2001; Töpolt et
al. 2002). Die Adhäsionsfähigkeit
von Endothelzellen für
Leukozyten, die ebenfalls durch inflammatorische Zytokine induziert
wird, wurde durch GBP-1 nicht beeinflußt (Guenzi et al. 2001). GBP-1
ist somit ein neuer, molekularer Marker für eine entzündliche Gefäßaktivierung, der selektiv
die antiproliferative Wirkung inflammatorischer Zytokine auf Endothelzellen
steuert.
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Die Hemmung der Blutgefäßversorgung
stellt ein Prinzip der Tumortherapie dar (Folkman 1995). Aus laufenden
klinischen Studien zur antiangiogenen Tumortherapie ist jedoch bekannt,
dass die Wirkung gegenwärtig
eingesetzter Therapeutika in Tumoren unterschiedlicher Organe sehr
stark variiert (Carmeliet und Jain 2000). Es wird vermutet, dass
die Heterogenität
der Endothelzellen in den unterschiedlichen Bereichen des Körpers dafür verantwortlich
ist (Carmeliet and Jain 2000). GBP-1 hemmt die Proliferation mikro-
und makrovaskulärer
Endothelzellen (Guenzi et al. 2001, Töpolt et al. 2001) und könnte somit
ungeachtet der endothelialen Heterogenität in unterschiedlichsten Bereichen
des Körpers
eine antiangiogene Wirkung entfalten.
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Bislang konnte gezeigt werden, dass
GBP-1 selektiv durch inflammatorische Zytokine induziert wird und
dass dieser Prozeß mit
einer-anti-angiogenen Wirkung auf die betreffenden Zellen korreliert
(Lubeseder-Martellato et al., 2002). Während man sich die Induktion
von GBP-1 über
dessen anti-proliferative Wirkung im Prinzip für medizinische Zwecke im Rahmen
einer anti-angiogenen Therapie zu Nutze machen könnte, ist der Einsatz inflammatorischer
Zytokine für
derartige Zwecke aufgrund der pleiotropen und damit auch nachteiligen
Effekte dieser Zytokine indiskutabel.
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Darüberhinaus konnte gezeigt werden,
dass GBP-1 nicht nur die Proliferation von Endothelzellen, sondern
hemmt auch die Expression der Metalloproteinase-1 in diesen Zellen
effizient hemmt (4A).
Diese Wirkung ist ebenfalls anti-angiogen und verhindert das Einwandern
(Invasion) von Endothelzellen in die Interstitielle Matrix (4B) und die Ausbildung von
Kapillaren (4C). Beides
sind unverzichtbare Prozesse im Rahmen der Angiogenese. GBP-1 wirkt
somit in doppelter Weise anti-angiogen: über die Hemmung der Proliferation
(reguliert durch die helikale Domäne des Moleküls, unabhängig von
der GTPase-Funktion) und über die
Hemmung der MMP-1-Expression (reguliert durch die GTPase-Funktion benötigt).
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Aufgabe der vorliegenden Erfindung
war somit Verfahren bereitzustellen, mit denen Wirkstoffe identifiziert
werden können,
die derartige anti-inflammatorische oder antiproliferative und insbesondere
invasionshemmende anti-angiogene Wirkungen aufweisen, nicht jedoch
die diskutierten nachteiligen pleiotropen Effekte der aus dem Stand
der Technik bekannten Faktoren.
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Diese Aufgabe wird durch die Bereitstellung
der in den Ansprüchen
gekennzeichneten Ausführungsformen
gelöst.
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Somit betrifft die Erfindung ein
Verfahren zur Identifizierung eines Wirkstoffes mit proliferationshemmender,
anti-angiogener, anti-inflammatorischer und/oder invasionshemmender
Wirkung, wobei man (a) eukaryontische Zellen, die eine Nukleinsäure aufweisen,
die die Promotorsequenz eines GBP-1 kodierenden Gens, die Promotorsequenz
eines anderen selektiv durch inflammatorische Zytokine induzierbaren
Gens oder ein Fragment oder Derivat davon mit entsprechender Promotoraktivität funktionell
verknüpft
mit einem Reportergen enthalten oder Extrakte derartiger eukaryontischer
Zellen oder Zellkulturüberstände davon,
mit einem oder mehreren Wirkstoffkandidaten in Kontakt bringt; und
(b) die Expressionshöhe
des von dem Reportergen kodierten Transkripts oder (Poly)peptids
misst, wobei eine Zunahme der Expressionshöhe nach Zugabe des einen oder
der mehreren Wirkstoffkandidaten dessen/deren proliferationshemmende,
antiangiogene, anti-inflammatorische und/oder invasionshemmende
Wirkung indiziert.
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Im Zusammenhang mit der vorliegenden
Erfindung bedeutet der Begriff „poliferationshemmende Wirkung", dass die Proliferation,
d.h. die zelluläre
Vermehrung durch mitotische Teilung, zu mindestens 20%, vorzugsweise
zu mindestens 40%, stärker
bevorzugt zu mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt
zu mindestens 90% und besonders bevorzugt zu mindestens 95% gehemmt
wird. Idealerweise wird die Proliferation zu mindestens 99% gehemmt.
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Der Begriff „anti-inflammatorische Wirkung" bedeutet, dass die
Wirkung auf eine Entzündung,
also die Wirkung auf die Reaktion eines Gewebes auf eine Schädigung,
die insbesondere durch Rötung,
Schwellung, Schmerz und/oder Überwärmung gekennzeichnet
ist, zu mindestens 20%, vorzugsweise zu mindestens 40%, stärker bevorzugt
zu mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt zu mindestens
90% und besonders bevorzugt zu mindestens 95% gehemmt wird. Idealerweise
wird die Entzündung
zu mindestens 99% gehemmt.
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Der Begriff „invasionshemmende Wirkung" bedeutet, dass die
Durchwanderungsgeschwindigkeit von Zellen durch natürliche oder
künstliche
extrazelluläre
Matrix oder Komponenten gehemmt wird. Diese Wirkung hat zur Folge,
dass die Durchwanderungsgeschwindigkeit zu mindestens 20%, vorzugsweise
zu mindestens 40%, stärker
bevorzugt zu mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt
zu mindestens 90% und besonders bevorzugt zu mindestens 95% gehemmt
wird. Idealerweise wird die Durchwanderungsgeschwindigkeit zu mindestens
99% gehemmt.
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Die Invasion von Zellen durch natürliche oder
künstliche
extrazelluläre
Matrix kann mit Hilfe des Boydenkammer-Tests gemessen werden. Die
Boydenkammer besteht aus zwei Kammern (obere und untere), die durch
eine poröse
Membran getrennt sind. Die Membran wird mit extrazellulärer Matrix
oder gereinigten Komponenten der extrazellulären Matrix beschichtet. In
die untere Kammer wird ein Chemoattraktant gegeben und in die obere
Kammer die zu untersuchenden Zellen. Die Zahl der Zellen, die nach
dem Untersuchungszeitraum (z.B. 4 h) in die untere Kammer gewandert
sind, wird im Verhältnis
zur Gesamtzahl der zugegebenen Zellen als prozentualer Anteil der
invasiven Zellen angegeben. 80% invasive Zellen bedeutet, dass von
100 zugegebenen Zellen 80 in die untere Kammer eingewandert sind.
Wenn in einem weiteren Ansatz dieses Beispiels in Gegenwart eines
Hemmstoffes nur 50% der Zellen in die untere Kammer eingewandert
sind, dann entspricht die hemmende Wirkung dieses Stoffes 50%.
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Im Sinne dieser Erfindung ist ferner
zu beachten, dass die o.g. Wirkungen solche auf aktuell vorliegende
Proliferationen oder Entzündungen
sein können,
alternativ dazu also auch prophylaktischen Charakter haben können, d.h.
eine mögliche
oder erwartete Proliferation oder Entzündung ab initio oder in einem
Frühstadium
hemmen oder unterbinden.
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„Eukaryontische Zellen" schließen sämtliche
eukaryontischen Zellen ein, also auch Pflanzenzellen, Hefezellen,
Pilzzellen etc. unabhängig
davon, ob diese aus einem mehrzelligen Organismus stammen oder einen
einzelligen Organismus darstellen.
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Bevorzugte eukaryontische Zellen
sind Säugerzellen
und besonders bevorzugt unter den Säugerzellen sind humane Zellen
und Mauszellen. Eukaryontische Zellen im Sinne dieser Erfindung
schließen
auch Zellen ein, die transformiert sind oder in der Natur nicht
vorkommen und beispielsweise Zellen aus Zelllinien sind. „Extrakte" solcher Zellen können durch
im Stand der Technik etablierte Verfahren hergestellt werden; vgl.
z.B. Sambrook et al. 1989. Zellkulturüberstände werden üblicherweise bei adhärent wachsenden
Zellen durch einfache Entnahme, beispielsweise durch Abpipettieren
und bei nicht adhärent
wachsenden Zellen z.B. durch Abzentrifugation der eukaryontischen
Zellen erhalten. Nicht in jedem Falle ist jedoch eine Abtrennung
des Überstandes
von den Zellen notwendig oder wünschenswert.
Daher umfasst die Erfindung auch Ausführungsformen, bei denen auf
Expression im Zellkulturgefäß getestet
wird, über
die besonderen Eigenschaften des jeweiligen Indikatorgens (z.B.
im Falle von Luziferase und β-Galaktosidase durch
Zugabe von entsprechenden Substraten, oder im Falle des green fluorescent
proteins durch Anregung mit Licht in der spezifischen Wellenlänge).
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Der Begriff „Promotersequenz eines GBP-1
kodierenden Gens" bezeichnet
erfindungsgemäß eine in einem
natürlicherweise
vorkommenden GBP-1 Gen auftretende Promotorsequenz. Dabei umfassen
die GBP-1 kodierenden Gene eine Genfamilie mit mindestens 5 Mitgliedern
beim Menschen, mindestens 5 Mitgliedern bei der Maus und mindestens
1 Mitglied beim Hühnchen.
Diese Mitglieder der GBP-1 Genfamilie sind durch einen Identitätsgrad von
mindestens 80 % auf Aminosäureebene,
bzw. 85 % auf Nukleinsäureebene
gekennzeichnet. Auf der Basis dieser Informationen ist der Fachmann
in der Lage, entsprechende Promotoren auch aus anderen Säugern zu
isolieren. Derartige Promotoren können im erfindungsgemäßen Verfahren ebenfalls
eingesetzt werden. Damit gehören
auch Verfahren, in denen weitere, aus anderen Säugern zu isolierende Promotoren
oder Fragment oder Derivate davon mit entsprechender Promotoraktivität eingesetzt
werden zur vorliegenden Erfindung. Zur Sequenz des GBP-1 Promotors
gehören
auch die in 5(A) dargestellten
Sequenzen um das 237 bp Fragment (5(B))
herum. Diese Sequenz ist der NCBI-Nukleotiddatenbank zu entnehmen
(http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?CMD=search&DB=nucleotide).
Ein weiteres Beispiel für
eine entsprechende Promotorregionen ist die Maus-GBP-1 Promotorregion
(Accession-Nummer gi5106533/AF109170 (NCBI)). Diese ist u.a. gekennzeichnet
durch ein ähnliches/homologes
Promotormodul, wie im humanen GBP-1 Promotor.
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Erfindungsgemäß wurde ermittelt, dass die
GBP-1 Promotoraktivität
auf dem Zusammenspiel einer Interferon regulierbaren Bindungsstelle
(ISRE/GAS) für
den Interferon Regulator Factor (IRF-1) und einer durch NF-KB aktivierbaren
Bindungsstelle (cREL) beruht. Beide Elemente zusammen werden als
Modul bezeichnet. Ein rein synthetischer Promotor, der diese beiden
Elemente trägt,
wird sich somit prinzipiell ebenso verhalten. In jedem Fallkann
der Fachmann im erfindungsgemäßen Verfahren
einsetzbare Promotoren auf der Basis dieser Informationen ermitteln.
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Erfindungsgemäß wurde ferner ein Fragment
der Promotorsequenz identifiziert mit 237 bp, das sich entsprechend
verhält
und das die GAS/ISRE und NF-KB Bindungsstellen trägt. Es kann
erfindungsgemäß natürlich auch
jedes beliebige längere
Fragment eingesetzt werden, das diese Komponenten enthält, Beispielsweise
verhält
sich ein Fragment mit 3757 bp, das obige Komponenten enthält in der
Funktion entsprechend und es wird teilweise eine etwas höhere Aktivität erreicht
(siehe 5).
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Der Begriff „die Promotersequenz eines
anderen selektiv durch inflammatorische Zytokine induzierbaren Gens" betrifft die natürlicherweise
vorkommende Promotersequenz eines Gens, das (zumindest in Menschen)
durch mindestens ein (wie zwei oder drei) inflammatorische(s) Zytokine)
aus der Gruppe Interferon-α, Interferon-β, Interferon-γ, Interleukin-1α, Interleukin-1β und Tumornekrosefaktor-α und vorzugsweise
alle dieser Zytokine, bevorzugt jedoch nicht durch andere Zytokine,
Chemokine oder Wachstums-Faktoren in der Expression induziert wird,
es sei denn, dass diese eine proliferationsinhibierende Wirkung
auf Endothelzellen aufweisen. Kandidaten für solche Gene können beispielsweise
auf der Basis der in Lubeseder-Martellato et al. (2002, hiermit
per Referenz in die Beschreibung inkorporiert) identifiziert werden.
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Der Begriff „im Fragment oder Derivat
davon mit entsprechender Promotoraktivität" bedeutet erfindungsgemäß, dass
nicht die gesamte Promotorregion, sondern ein Teil oder Teile davon,
vorstehend auch als Module bezeichnet, im Sinne dieser Erfindung
verwendet werden können.
Die Teile können
vom Fachmann auf der Basis seines allgemeinen Fachwissens, jedenfalls
aber ohne unzumutbaren Aufwand so zusammengestellt werden, dass
die Funktion des natürlichen
Promoters, durch die der Initiationspunkt und die Initiationshäufigkeit
der Transkription festgelegt werden, erhalten oder im wesentlichen
(d.h. zu mindestens 50%, vorzugsweise zu mindestens 75%, stärker bevorzugt
zu mindestens 85% und am meisten bevorzugt zu mindestens 95%) erhalten
bleibt oder aber verbessert wird. Während der Begriff „Fragment" impliziert, dass
mindestens ein und vorzugsweise eine Kombination von funktionellen
Nukleinsäuresequenzen
in derselben Ausrichtung wie im natürlichen Gen wie oben beschrieben
in die im erfindungsgemäßen Verfahren
eingesetzte Nukleinsäure
inkorpiert ist, schließt
der Begriff „Derivat" ferner ein, dass
die funktionellen Nukleinsäuresequenzen neu
kombiniert, genetisch modifiziert (z.B. um die Effizienz der Bindung
zu erhöhen)
oder durch weitere funktionelle Sequenzen, die aus anderen Genen
stammen können,
ergänzt
worden sind. Fragmente wie auch Derivate (und selbstverständlich auch
die vollständigen
Promotersequenzen) können
auf synthetische, semisynthetische, rekombinante und weitere Arten
hergestellt werden. „Entsprechende
Promoteraktivität" bezieht sich auf
die Aktivität
des Fragmentes oder Derivates im Vergleich zur Aktivität des natürlichen
Promoters, der aus dem natürlich
vorkommenden Gen stammt. Mit anderen Worten wird das im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte
Promotorfragment oder -derivat die Funktion des natürlichen
Promotors beibehalten oder im wesentlichen beibehalten oder eine
verbesserte Aktivität
und gesteigerte Sensitivität
gegenüber
Zytokinen, Chemokinen etc. aufweisen, nicht jedoch eine andere Gewebespezifität. Im Prinzip
können
die Promotorfragmente und -derivate so ausgestaltet werden, dass
sie induzierbar oder nicht induzierbar (= konstitutiv) sind.
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Der Begriff „funktionell verknüpft" bedeutet erfindungsgemäß, dass
die Transkription des Reportergens unter der Kontrolle des Promoters,
Fragmentes oder Derivates steht.
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Der Begriff „Reportergen" bezeichnet ein Gen,
dessen Genprodukt sich nach Einführen
des Gens in eine Zielzelle oder einen Zielorganismus leicht und
beispielsweise biochemisch, immuno-chemisch und insbesondere visuell
nachweisen läßt. Erfindungsgemäß wird üblicherweise
das Repotergen lediglich die kodierende Sequenz und übliche 3' davon positionierte
regulatorische Elemente, nicht jedoch die eigene Promotorregion
umfassen. Das Genprodukt ist vorzugsweise ein solches, das normalerweise
von der Zelle oder dem Organismus nicht hergestellt wird, also ein
heterologes Genprodukt. Reportergen im Sinne der vorliegenden Erfindung
kann jedoch auch das GBP-1-Gen sein bzw. die kodierende und 3' davon angeordnete
regulatorische Regionen. Die GBP-1 kodierende Region kann die natürlicherweise
vorkommende Verknüpfung
mit dem GBP-1-Promotor aufweisen oder eine rekombinant modifizierte,
solange Promotor und kodierende Region funktionell miteinander verknüpft sind.
Der Begriff „Reportergen" ist im Stand der
Technik gut verstanden und weiterhin durch bevorzugte und nachfolgend
aufgeführte
Ausführungsformen
dargestellt.
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Der Begriff „in Kontakt bringen" bedeutet erfindungsgemäß, dass
der oder die Wirkstoffkandidaten derart in die räumliche Nähe der Zellen gebracht werden,
dass ein unmittelbarer Kontakt der Wirkstoffkandidaten mit der Zelle,
beispielsweise über
zelluläre
Rezeptoren und gegebenenfalls eine Aufnahme in die Zelle stattfinden
kann. Die Bedingungen, unter denen der Kontakt stattfindet, ähneln vorzugsweise
in vivo Bedingungen, um die Bedingungen, denen die Zelle im Zellverbund
ausgesetzt ist möglichst
nachzustellen. Zur Kontrolle entsprechender Bedingungen können (a)
Kokultivierungen von der Indikatorzelle mit anderen Zellen (Primärzellen,
Zelllinien), (b) Kultivierungen der Zellen in zwei- und dreidimensionalen
Matrizes (z.B. aus Proteingemischen, die der extrazellulären Matrix
entsprechen), (c) Behandlungen mit konditionierten Medien durchgeführt werden.
Darüberhinaus
kann besonders bei der Applikation auf Endothelzellen die Erzeugung
von Strömungsbedingungen
berücksichtigt
werden. In vitro entsprechen die Bedingungen vorzugsweise physiologischen
Bedingungen, wie z.B. durch die Kontaktierung der Zellen inkusive
der aus Zelllinien stammenden Zellen in phosphatgepufferter Saline
oder einem üblichen
Zellkulturmedium. Sofern die Wirkstoffe von Nukleinsäuren kodiert werden
und diese Nukleinsäuren
in die Zelle eingebracht werden, bedeutet der Begriff „in Kontakt
bringen, dass die Nukteinsäuren
in die Zellen eingebracht werden (geeignete Techniken sind nachfolgend
beschrieben) und die Wirkstoffe, d.h. Peptide oder Polypeptide,
in der Zelle synthetisiert und während
oder nach der Synthese ihre potentielle Wirkung auf den Promoter
ausüben.
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Der Begriff (Poly)peptid bezeichnet
sowohl Peptide, wobei üblicherweise
Aminosäureketten
mit bis zu 30 Aminosäuren
als Peptide bezeichnet werden wie auch Polypeptide (Proteine), wobei
als Polypeptide üblicherweise
Aminosäureketten
ab 30 Aminosäuren
bezeichnet werden.
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Der Begriff „Zunahme der Expressionshöhe" bezeichnet erfindungsgemäß eine Zunahme
um mindestens 20%, vorzugsweise mindestens 40%, stärker bevorzugt
mindestens 60%, noch stärker
bevorzugt um mindestens 80% und am meisten bevorzugt um mindestens
100%. Die Stärke
der Zunahme kann, abhängig
vom Reportergen, beispielsweise durch die Intensität der Zellfärbung gemessen
werden. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass die Expression
des Reportergens beispielsweise über
Antikörper,
die mit einer nachweisbaren Markierung versehen sind oder aber mit
einem sekundären
Antikörper,
der gegen den ersten gegen das Reportergen gerichteten Antikörper gerichtet
ist und seinerseits mit einer nachweisbaren Markierung versehen
ist, nachgewiesen werden kann. Die Zunahme der Expression kann im
Prinzip auf der Ebene der Translationsprodukte (was bevorzugt ist)
aber auch auf der Ebene der Transkription mittel in situ-Hybridisierung
an Zellen und RT-PCR (Stürzl
et al. 1995) gemessen werden.
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Der Begriff „indiziert" bedeutet erfindungsgemäß, dass
das Ergebnis des erfindungsgemäßen Verfahrens
einen ersten Rückschluss
darauf zulässt,
dass der Wirkstoffkandidat die gewünschte Wirkung aufweist. GBP-1
hemmt die Zellproliferation und die Expression von GBP-1 kann aus
diesem Grund durch eine Abnahme der Proliferation gemessen werden.
Proliferationsassays stellen somit ein geeignetes Read-Out System zur
Bestätigung
der Wirkung von Wirkstoffkanditaten, die im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens
als proliferationsinhibierend indiziert wurden. Die Wirkung ist
vorzugsweise in weiteren Tests zu bestätigen:
Eine Zunahme der
Proliferation kann gemessen werden (a) über die Bestimmung der Zunahme/Abnahme
der Zellzahl nach einem entsprechenden Untersuchungszeitraum (3-6
Tage) [wird bestimmt durch Zellzählungen mittels
Neubauer-Zählkammer
oder Coulter-Counter] (b) eine Erhöhung/Erniedrigung der DNA-Replikation [wird
bestimmt im Thymidineinbau Expriment nach Gabe radioaktiv oder nicht-radioaktiv
markierter Nukleotide (z.B. H3-Thymidin)], c) über die Zunahme der Stoffwechselaktivität, die direkt
mit der Zellzahl korreliert [wird bestimmt über den Nachweis mitochondrialer
Dehydrogenasen (MTT-Test).
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Ebenso ist es möglich diese Wirkung in Tiermodellen
zu testen. Hierfür
wird z.B. die Angiogenese experimentell induzierte (Maus-Matrigeltest
(Cornali et al. 1996, Am J Pathol) bzw. nach Injektion von Tumorzellen
im Tumorwachstumstest).
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Die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
identifizierten Wirkstoffe, gegebenenfalls und gemäß bevorzugten
Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung weiter modifiziert, um beispielsweise
mögliche
Nebenwirkungen zu mindern, werden in der Bekämpfung und Prophylaxe einer
Reihe von Krankheiten eingesetzt werden könne. Beispielweise werden Wirkstoffe,
die eine Zunahme der Expressionshöhe des Reportergens in Tumorgefäßendothelzellen
bewirken, in der Tumortherapie eingesetzt werden. Wirkstoffe, die
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
identifiziert werden, können
auch (a) zur Verhinderung der Vaskularisierung bei chronischen Entzündungen/Wunden*
und allergischen Reaktionen* im Sinne einer anti-inflammatorischen Therapie
(Psoriasis, allergische Arzneimittelreaktionen), (b) zur Hemmung
der Hyperproliferation bei endothelialen Tumorerkrankungen (Angiosarkom,
Kaposi-Sarkom*) direkt anti-tumorigen, (c) zur Eindämmung von Gefäßhyperproliferationen
(z.B. Hämangiom)
mit bekannter oder idiopathischer Genese im Sinne einer kosmetischen
bzw. therapeutischen Anwendung, (d) zur Behandlung von Adipositas,
die durch eine Hemmung der Angiogenese eingeschränkt werden kann (*Bei inflammatorischen
Erkrankungen ist die inflammatorische Aktivierung lokal restringiert
und somit kann durch die Induktion der GBP-1 Expression im nicht-inflammatorischen
Bereich über
die Hemmung der Proliferation ein therapeutischer Effekt erzielt
werden.).
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Insofern schließt die Erfindung den im Stand
der Technik erwachsenen Bedarf nach Methoden, auf einfache und zuverlässige Weise
geeignete Wirkstoffkandidaten screenen zu können, ein. Von Vorteil ist
auch, dass das erfindungsgemäße Verfahren
als Hochdurchsatzverfahren ausgestaltet werden kann und so innerhalb
kürzester
Zeit große
Mengen an Wirkstoffkandidaten auf die gewünschte Aktivität hin geprüft werden
können.
Weiterhin ist von Vorteil, dass die Durchführung des Tests wesentlich
weniger Zeit in Anspruch nimmt (maximale Induktion nach 5 – 12 Stunden)
als herkömmliche
Verfahren (Zellzahlbestimmung, 3-6 Tage; Thymidineinbautest, 24
Stunden)
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Bevorzugt und wie in den Beispielen
weiter belegt, kann die Erfindung folgendermaßen umgesetzt werden:
Um
GBP-1-induzierende Substanzen zu identifizieren, wurde die Promotorregion
des GBP-1-Gens isoliert. Der GBP-1-Promotor wurde mit einem Indikatorgen
[Luziferase (luc)-Gen] fusioniert, dessen Expression über eine Lichtreaktion
nachgewiesen werden kann. Mit dem entsprechenden Konstrukt wurden
Endothelzellen transfiziert und die luc-Expression untersucht. Es
zeigte sich, dass alle inflammatorischen Zytokine die luc-Expression
induzieren konnten (6A).
Dies verdeutlicht, dass der isolierte Promotor dieselben Expressionseigenschaften
wie der zelluläre
GBP-1-Promotor besitzt.
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Im nächsten Schritt wurde mit dem
GBP-1-luc-Konstrukt eine stabile Zelllinie erzeugt. Diese Zelllinie wird
jetzt für
Hochdurchsatzverfahren eingesetzt, in denen die Wirkungen verschiedener
chemisch erzeugter und natürlicher
Verbindungen auf die GBP-1-Expression untersucht wird. Diejenigen
Substanzen, welche die GBP-1-Expression am stärksten induzieren, werden beispielsweise
nachfolgend in Mäusen,
denen durch Injektion von Tumorzellen Tumoren eingepflanzt wurden,
auf ihre antitumorigene Wirkung überprüft (6B). Die erfolgsversprechendsten
Kandidaten könnten
später
eine mögliche
Grundlage für
die Behandlung von Tumorerkrankungen am Menschen liefern.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist die proliferationshemmende Wirkung eine anti-angiogene Wirkung.
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Erfindungsgemäß bedeutet der Begriff „anti-angiogene
Wirkung", dass die
Bildung von Kapillaren und Gefäßen im Rahmen
angiogenetischer (Sprossung aus bereits bestehenden Gefäßen) und
vaskulogenetischer (Gefäßneubildung
durch Einwanderung endothelialer Vorläuferzellen) Prozesse unterdrückt wird.
Als Unterdrückung
wird bezeichnet, dass die Bildung neuer Gefäße mindestens 20%, vorzugsweise
zu mindestens 40%, stärker
bevorzugt zu mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt
zu mindestens 90% und besonders bevorzugt zu mindestens 95% unterdrückt wird.
Idealerweise wird die Bildung neuer Gefäße zu mindestens 99% unterdrückt.
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Darüber hinaus bestand im Stand
der Technik Bedarf, Substanzen zu isolieren, die proliferationsfördernde
und insbesondere angiogene Wirkungen aufweisen und ebenfalls gezielt,
möglichst
selektiv in inflammatorischen Geweben und ohne die pleiotropen Effekte
der aus dem Stand der Technik bekannten und diese Effekte vermittelnden
Faktoren wie saurer und basischer Fibroblastenwachtumsfaktor (aFGF,
bFGF), vascular endothelial cell growth factor (VEGF), platelet
derived growth factor (PDGF) wirken.
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In einer alternativen Ausführungsform
betrifft die Erfindung daher ein Verfahren zur Identifizierung eines
Wirkstoffes proliferationsfördernder,
pro-angiogener, proinflammatorischer und/oder invasionsfördernder, angiogen
sensitivierender Wirkung, wobei man (a) eukaryontische Zellen, die
eine Nukleinsäure
aufweisen, die die Promotorsequenz eines GBP-1 kodierenden Gens,
die Promotorsequenz eines anderen selektiv durch inflammatorische
Zytokine induzierbaren Gens oder ein Fragment oder Derivat davon
mit entsprechender Promotoraktivität funktionell verknüpft mit
einem Reportergen enthalten oder Extrakte derartiger eukaryontischer Zellen
oder Zellkulturüberstände davon,
mit einem oder mehreren Wirkstoffkandidaten in Kontakt bringt; und (b)
die Expressionshöhe
des von dem Reportergen kodierten Transkripts oder (Poly)peptids
misst, wobei eine Abnahme der Expressionshöhe nach Zugabe des einen oder
der mehreren Wirkstoffkandidaten dessen/deren proliferationsfördernde,
pro-angiogene, proinflammatorische und/oder invasionsfördernde,
angiogen sensitivierende Wirkung indiziert.
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Angionese wird in vivo über die
Zahl der einsprossenden Kapillaren in das Untersuchungsgewebe definiert
und in vitro über
die Zahl der gebildeten Kapillaren im Kapillarbildungstest bestimmt.
Angingen sensitivierend bedeutet, dass ein Wirkstoff per se nicht
die Bildung von Kapillaren auslöst,
aber die Kapillarbildung durch angiogene Wachstumsfaktoren (z.B.
bFGF, VEGF) bei gleichzeitiger Anwesenheit von Angiogenese-hemmenden
Substanzen (z.B. inflammatorische Zytokine) fördert. Der Begriff „angingen
sensitivierende Wirkung" bedeutet
folglich, dass durch die Gabe eines Wirkstoffes in Anwesenheit einer
gegebenen Konzentration von bFGF und/oder VEGF und bei gleichzeitiger
Anwesenheit inflammatorischer Zytokine die Zahl der gebildeten Kapillarbildung
um 10%, vorzugsweise um 20%, weiter bevorzugt um 50%, darüber hinaus
bevorzugt um 75%, besonders bevorzugt um 100% ansteigt. Der Kapillarbildungstest
ist u.a. beschrieben in Montesano et al. (1983) J Cell Biol. 97:
1658–52,
Davis et al. (1996) Exp Cell Res. 224: 39–51 und Yang et al. (1999) Am
J Pathol. 155: 887–95.
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Der Begriff „invasionsförderne Wirkung" bedeutet, dass die
Durchwanderungsgeschwindigkeit und -fähigkeit von Zellen durch natürliche oder
künstliche
extrazelluläre
Matrix oder Komponenten gesteigert wird. Diese Wirkung hat zu Folge,
dass die Durchwanderungsgeschwindigkeit und -fähigkeit zu mindestens 20%, vorzugsweise
zu mindestens 40%, stärker
bevorzugt zu mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt
zu mindestens 90% und besonders bevorzugt zu mindestens 95% gesteigert
wird. Idealerweise wird die Durchwanderungsgeschwindigkeit und -fähigkeit
zu mindestens 99% gesteigert.
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Vorzugsweise wird zunächst entweder
(i) die Expression experimentell induziert wird (z.B. durch Gabe inflammatorischer
Zytokine), oder (ii) Zellen verwendet werden, in denen konstitutiv
eine hohe Basisaktivität des
Promotors vorliegt, oder (iii) der Promotor (bzw. das eingebrachte
Expressionskonstrukt) so verändert wird,
dass eine hohe konstitutive Expression des Reportergens vorliegt.
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Ein Beispiel für (ii) ist die Verwendung einer
Zelle mit hoher endogener Expression inflammatorischer Zytokine,
ein Beispiel für
(iii) ist die Verwendung eines Konstruktes, das neben der GBP-1-Promotor-Indikatorgen
Expressionseinheit eine weitere Expressionseinheit trägt, die
zur konstitutiven Expression von z.B. Interleukin-1α, Interleukin-1β, Interferon-α, Interteron-β, Interferon-γ, oder Tumornekrosefaktor
führt.
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Der Begriff „proliferationsfördernde
Wirkung" bezeichnet
erfindungsgemäß, dass
die Proliferation um mindestens 20%, vorzugsweise um mindestens
40%, stärker
bevorzugt um mindestens 60%, wie 75% oder 80%, noch stärker bevorzugt
um mindestens 90% und besonders bevorzugt um mindestens 95% ansteigt.
Idealerweise nimmt die Proliferation um mindestens 99% zu. Eine
Zunahme der Proliferation kann gemessen werden (a) über die
Bestimmung der Zunahme der Zellzahl nach einem entsprechenden Untersuchungszeitraum (3-6
Tage) [wird bestimmt durch Zellzählungen
mittels Neubauer-Zählkammer
oder Coulter-Counter]
(b) eine Erhöhung
der DNA-Replikation [wird bestimmt im Thymidineinbau Experiment
nach Gabe radioaktiv oder nicht-radioaktiv markierter Nukleotide
(z.B. H3-Thymidin)], c) über
die Zunahme der Stoffwechselaktivität, die direkt mit der Zellzahl
korreliert [wird bestimmt über
den Nachweis mitochondrialer Dehydrogenasen (MTT-Test).
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Des weiteren beschreibt der Begriff „pro-angiogen" auch einen Angionese
sensitivierenden Effekt.
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Diese Ausführungsform der Erfindung wird
vorzugsweise mit Zellen, z. B. Zellen im Gewebeverbund durchgeführt, die
inflammatorischen Bedingungen ausgesetzt sind bzw. eine hohe interne
GBP-1 Expression aufweisen. In dieser Ausführungsform kann neben einem
entsprechenden Indikatorgen bei einer Anwendung in bestimmten Zellen
(zum Beispiel Endothelzellen, siehe Tabelle) auch das zelleigene
GBP-1 eingesetzt werden. Die Maßgabe
hierzu ist, dass GBP-1 von diesen Zellen in den Zellkulturüberstand
abgegeben wird. Die Bestimmung des zelleigenen GBP-1 im Zellkulturüberstand
stellt somit ein Maß für die Aktivität des GBP-1-Promotors
dar. Sekretiertes GBP-1 kann mittels eines bereitgestellten ELISA-Verfahrens
nachgewiesen werden; siehe beigefügtes Beispiel 5.
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Die Zellen, vorzugsweise Endothelzellen,
werden beispielsweise einem Cocktail an inflammatorischen Zytokinen
ausgesetzt. Die Kontaktierung mit diesen Zytokinen wird zu einer
Zunahme der Expression des GBP-1-Gens führen und die Zellen in einen
inflammatorischen Zustand überführen. So
behandelte Zellen werden dann dem erfindungsgemäßen Verfahren unterworfen.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen kann das erfindungsgemäße Verfahren
noch durch den vorab durchzuführenden
Schritt der Kontaktierung der Zellen mit mindestens einem, vorzugsweise
zwei oder drei und besonders bevorzugt mit vier inflammatorischen
Zytokinen, wie vorstehend dargestellt, erweitert werden.
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Die mit dieser Ausführungsform
der Erfindung identifizierten Wirkstoffe sind ebenfalls medizinisch
vielfältig
einsetzbar. Besonders sind solche Wirkstoffe dazu geeignet die Gefäßeinsprossung
unter inflammatorischen Bedingungen zu fördern. Hierzu gehören die
Förderung
der Ausbildung von kolateral Gefäßen bei
Ischämien
(z.B. Herzinfarkt, Raucherbein) sowie die Förderung von Wundheilungsprozessen
und Transplantatannahme. Durch die Beseitigung der anti-angiogenen
Blockade durch GBP-1 könnten
die Endothelzellen gegenüber
den natürlichen
im Gewebe vorhandenen Angiogenesefaktoren sensitiviert werden. Es
kann jedoch auch daran gedacht werden, den Wirkstoff zusammen mit
Angiogenesefaktoren zu verabreichen. Der Wirkstoff würde dadurch
die Effizienz der Angiogenesefaktoren erhöhen.
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Vorzugsweise ist diese proliferationsfördernde
Wirkung eine pro-angiogene proliferationsfördernde, invasionsfördernde,
angiogen-sensitivierende Wirkung.
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Der Begriff „pro-angiogene Wirkung" bedeutet erfindungsgemäß, dass
die Ausbildung von Kapillaren und/oder Gefäßen gefördert wird. Hierzu benötigen Endothelzellen
mehrere Fähigkeiten:
bevorzugt müssen sie
proliferieren und zur Auflösung
der extrazellulären
Matrix mittels freigesetzter Proteasen befähigt sein. Die Hemmung der
GBP-1-Expression alleine ist nicht pro-angiogen, aber sie sensitiviert
Endothelzellen unter inflammatorischen Bedingungen für die Aktivierung
durch angiogene Wachstumsfaktoren, die meist ebenfalls im inflammatorischen
Gewebe vorliegen (Gleichgewichtsreaktion) oder gleichzeitig mit
dem Wirkstoff verabreicht werden können.
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Diese Ausführungsform der Erfindung ist
vor allem deshalb bevorzugt, da mit ihr Wirkstoffe bereit gestellt
werden können,
die die Blutgefäßbildung
induzieren und so beispielsweise zur Nachsorge bei Infarkten eingesetzt
werden können.
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In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
sind die eukaryontischen Zellen primäre Zellen und vorzugsweise Säugerzellen
wie humane Zellen. Ferner bevorzugt sind bei primären Zellen
Endothelzellen, Fibroblasten, Glattmuskelzellen oder Zellgemische.
Diese Zellen repräsentieren
in die in vivo-Situation und zeigen keine deregulierten Wachstums- und Invasionseigenschaften
wie z.B. Tumorzellen.
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Der Begriff „primäre Zellen" bedeutet im Sinne der Erfindung, dass
Zellen, die frisch aus humanem Gewebe, Organen oder Blut isoliert
wurden, ohne dass eine Klonierung oder eine Immortalisierung durchgeführt wurde
bzw. keine Tumorzellen sind, kultiviert werden.
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Der Begriff „Endothelzellen" schließt im Sinne
der Erfindung nicht nur primäre
Endothelzellen, sondern auch daraus abgeleitete Zellen ein, die
die wesentlichen Differenzierungsmarker von Endothelzellen aufweisen
(CD31, Faktor VIIIRA, e-Selektin).
Dies können
weiter ausdifferenzierte, aber auch dedifferenzierte Zellen sein.
Ferner eingeschlossen sind Zelllinien, insbesondere Tumorzelllinien
endothelialen Ursprungs. Entsprechendes gilt für die weiteres in dieser bevorzugten
Ausführungsform
dargestellten Zelltypen.
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Entsprechend sind gemäß einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
die eukaryontischen Zellen Teil einer Zelllinie.
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Der Begriff „Zelllinie" definiert Zellen, die frisch aus Gewebe,
Blut oder Organen gewonnen sind und sich außerhalb des Organismus unbegrenzt
vermehren bzw. wachsen können.
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Bevorzugte Zelllinien sind Säugerzelllinien,
z.B. humane Zelllinien sowie Tumorzelllinien und dort bevorzugt
Tumorzelllinien endothelialen Ursprungs. Beispielhaft sind die nachfolgenden
und erfindungsgemäß einsetzbaren
Zelllinien aufgeführt:
HMEC-1 (Endothelzelllinie human), SVEC4-10 (Endothelzelllinie, Maus) HEK293
und HEK293T (Nierenepithelzellen), HeLa (Zervix-Karzinom), 3T3 (Mausfibroblasten),
HepG2 (Leberzellen), U937 (monozytäre Zellen), HUT78 (T-Zellen). Diese Zelllinien
sind weithin und frei verfügbar
und können
darüber
hinaus von anerkannten Hinterlegungsstellen käuflich erworben werden.
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Gemäß einer anderen bevorzugten
Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird die Nukleinsäure
durch Transfektion, Transduktion, Mikroinjektion, Elektroporation,
Genegunning oder Scratch Loading in die eukaryontische Zelle eingeführt. Entsprechende
Verfahren sind dem Fachmann bekannt und u.a. in Methodenbüchern beschrieben;
siehe z.B. Mühlhardt:
Der Experimentator: Molekularbiologie/Genomics; 3. Auflage, 2002,
Spektrum Akademischer Verlag.
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In einer ebenfalls bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird das Reportergen durch homologe Rekombinanten in das GBP-1 kodierende
Gen oder ein anderes selektiv durch inflammatorische Zytokine induzierbare
Gen eingeführt.
In diesem Falle steht das Reporterkonstrukt unter der Kontrolle
des natürlicherweise
in der Zelle vorkommenden GBP-1-Promotors oder eines anderen entsprechend
aktivierbaren Promotors. Das Repoter(poly)peptid kann als Fusionsprotein
mit dem endogenen GBP-1-Protein bzw. einen Fragment davon synthetisiert
werden. Alternativ dazu und abhängig
von den gewählten
zum Target homologen gewählten
flankierenden Sequenzen kann das Reporter(poly)peptid auch frei von
endogenen GBP-1-Sequenzen synthetisiert werden. Techniken zur homologen
Rekombination, die im Sinne der Erfindung eingesetzt werden können, sind
beschrieben in Recombinant DNA. 2nd edition. Watson JD, Gilman M,
Witkowski J, Zoller M. Scientific American Books, 1992. WH Freeman
and Company.
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In einer anderen bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist die Nukleinsäure
ein Expressionsvektor/Expressionsplasmid oder eine virale Nukleinsäure.
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Expressionsvektoren/Expressionsplasmide
und deren Funktion sind dem Fachmann aus dem Stand der Technik bekannt.
Dies sind üblicherweise
Vektorkonstrukte, die z.B. für
eine effektive Klonierung einer gewünschten Nukleinsäure, hier
einer ein Reporter(poly)peptid kodierenden Sequenz, ein Replikationsmotiv
(ori) und eine (multiple) Klonierungsstelle besitzen. Für eine effektive
Expression einer kodierenden Nukleinsäure ist eine Vektorsequenz
notwendig, die eine Expression des kodierten Peptids oder Proteins
initiiert. Hierfür
ist ein Startkodon (ATG) notwendig. Des weiteren enthalten geeignete
Expressionsvektoren/Expressionsplasmide Promotoren und erfindungsgemäß den oben
beschriebenen Promoter oder das Fragment oder Derivat davon. Diese
sind wie erwähnt
Sequenzbereiche, durch welche die Transkription eines Gens (kodierenden
Nukleinsäure)
gesteuert wird. Der Fachmann unterscheidet u.a. zwischen schwachen
und starken, wie auch zwischen konstitutiv wirkenden, induzierbaren
und reprimierbaren Promotoren. Besondere Beispiele für Expressionsvektoren/Expressionsplasmide
für das
erfindungsgemäße Verfahren
sind in den Beispielen dargelegt. Plasmide für solche Promotor-untersuchungen
umfassen z.B. pGL3-Basic (Promega), pEGFP-1 (Clontech), pβgal-Basic
(Clontech).
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Beispiele für die genannten viralen Nukleinsäuren sind
dem Fachmann ebenfalls aus dem Stand der Technik bekannt. Diese
viralen Nukleinsäuren
enthalten neben der oben beschriebenen kodierenden Nukleinsäuresequenzen
weitere Sequenzen, die z.B. für
virale Proteine kodieren und/oder für die Replikation der viralen
Nukleinsäuren/des
Virus in einem Wirt notwendig sind. Besondere Beispiele für virale
Nukleinsäuren
für das
erfindungsgemäße Verfahren
sind Vektoren, die z.B. auf Parvo-, Adeno-, Lenti-, Herpes, Baculo-
und Retroviren basieren (pBABE-Puro, Guenzi et al. EMBO J 2001).
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In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist die Transfektion oder Transduktion eine stabile oder transiente
Transfektion oder Transdektion.
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Unter dem Begriff „stabile
Transfektion" wird
erfindungsgemäß verstanden,
dass die in die Zelle eingebrachte Nukleinsäure im Rahmen des Zellzyklus
vervielfältigt
und bei der Zellteilung weiter gegeben wird. Dies bedeutet, dass
die eingebrachte Nukleinsäure
in einer Langzeitkultur der Zelle „stabil" enthalten bleibt. Vorzugsweise enthält die eingebrachte
Nukleinsäure
zusätzlich
eine Expressionseinheit die ein Resistenzgen trägt (bei stabiler Transfektion
und Transdektion) oder sie wird zusammen mit einem Plasmid das für ein Resistenzgen
kodiert eingebracht (nur bei stabiler Transfektion). Wenn entsprechende
Zellen in einem Selektionsmedium kultiviert werden, das nur solchen
Zellen das Wachstum ermöglicht,
die ein Resistenzgen aufgenommen haben, bewirkt dieser Vorgang,
dass die eingebrachten Nukleinsäuren
stabil in der Zelle manifestiert werden.
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Alternativ dazu kann für bestimmte
Anforderungen die entsprechende Nukleinsäure auch transient transfiziert
oder transduziert werden. Bei diesem Prozess werden die Zellen nach
dem Einbringen der Nukleinsäure
ohne nachfolgenden Selektionsschritt in dem Verfahren eingesetzt.
In einer Langzeitkultur ensprechend behandelter Zellen geht die
eingebrachte Nukleinsäure
verloren.
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Im Stand der Technik ist eine Vielzahl
von Reportergenen beschrieben worden. Alle diese Reportergene sind
im Prinzip für
den Einsatz im erfindungsgemäßen Verfahren
geeignet. Bevorzugt ist, dass das Reportergen eine Luziferase, Rhodamin,
Green Fluorescent Protein oder eine GFP-Variante wie CFP, YFP, eGFP, Venus,
oder aber β-Galaktosidase,
SEAP oder Laktatdehydrogenase kodiert. Die Verwendung weiterer im Stand
der Technik beschriebener Beispiele für Reportergene ist ebenfalls
durch das erfindungsgemäße Verfahren
umfaßt;
siehe für
weitere Beispiele von Reportergenen z.B. Mühlhardt: Der Experimentator:
Molekularbiologie/Genomics; 3. Auflage, 2002, Spektrum Akademischer
Verlag.
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Besonders bevorzugt ist ferner, dass
endogenes GBP-1 als Reportergen eingesetzt wird, unter anderem in
Zusammenhang mit den vorstehend beschriebenen Ausführungsformen.
Da erfindungsgemäß gefunden
wurde, dass das GBP-1 Protein aus der Zelle sezerniert wird, kann
der Nachweis der Expressionsstärke auf
einfache Weise im Überstand
erfolgen, beispielsweise mittels eines das GBP-1 Protein spezifisch
bindenden Rezeptors. Geeignete Rezeptoren sind vor allem Antikörper oder
Fragmente (wie Fab-, F(ab')2- oder Fv-Fragmente oder Derivate (wie chimäre, humanisierte,
bispezifische Antikörper
oder scFv-Konstrukte) davon, z.B. monoklonale, aber auch polyklonale
Antikörper,
schließen
ferner aber auch Aptamere ein. Zur Herstellung geeigneter Antikörper vgl.
Harlow und Lane, 1988. Der GBP-1 bindende Rezeptor kann markiert
sein, beispielsweise eine radioaktive (z.B. 3H
oder 1
25I) Markierung
oder aber eine chemilumineszente, biolumineszente oder andere Markierung
tragen. Der Nachweis kann jedoch auch über einen weiteren, für den GBP-1-bindenden
Rezeptor spezifischen sekundären
Rezeptor, üblicherweise
einen xenogenen Antikörper
erfolgen, der seinerseits eine nachweisbare Markierung trägt. Allgemein
und insbesondere in dieser Ausführungsform
kann der Nachweis in geeigneten Standardverfahren wie im RIA, ELISA,
EIA und anderen immunologischen Nachweisverfahren erfolgen; sh.
auch Harlow and Lane, 1988. Sekretiertes, lösliches GBP-1 kann z.B. in
Immunpräzipitationsverfahren
(siehe Bespiel 4) oder einem ELISA Verfahren (siehe Beispiel 5)
nachgewiesen werden.
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Erfindungsgemäß bevorzugt ist auch ein Verfahren,
wobei der eine oder die mehreren Wirkstoffkandidaten Polypeptide,
Peptide oder niedermolekulare Substanzen, Antikörper oder Fragmente oder Derivate
davon oder Aptamere sind. Die Peptide entstammen bevorzugt einer
Peptidbibliothek, wie im Stand der Technik bekannt. Peptide oder
Polypeptide können
beispielsweise auf der Oberfläche
von Bakteriophagen als Fusionsproteine mit deren Öberflächenproteinen,
beispielweise gpIII oder gpVIII exprimiert werden (Winter G, Griffiths AD,
Hawkins RE, Hoogenboom HR.Making antibodies by phage display technology.
Annu Rev Immunol. 1994; 12:433–55
Review). Die Peptide oder Polypeptide können, wie vorstehend dargestellt
durch geeignete Verfahren in die Zelle eingeführte Nukleinsäure kodiert
und in der Zelle exprimiert werden. Auf diese Weise lässt sich die
Auswirkung dieser (Poly)peptide auf den GBP-1-Promoter testen. Eine besonders bevorzugte
Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
macht davon Gebrauch, dass das vollständige endogene GBP-1-Gen als
Reporterkonstrukt gewählt
wird.
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Die niedermolekularen Substanzen
können
organischen oder anorganischen Ursprungs sein. Besonders bevorzugt
ist erfindungsgemäß, dass
die niedermolekularen Substanzen organische niedermolekulare Substanzen
sind.
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Bevorzugt ist weiterhin ein Verfahren,
das ferner den folgenden Schritt umfasst: (c) Bestimmung der Zellproliferation
in Gegenwart des einen oder der mehreren Wirkstoffkandidaten und
Vergleich des bestimmten Wertes mit einem Kontrollansatz, wobei
ein Gleich-bleiben oder eine Abnahme der Zellzahl im Vergleich zum Kontrollansatz
kennzeichnend ist für
eine poliferationshemmende Wirkung und eine Steigerung der Zellzahl
im Vergleich zum Kontrollansatz kennzeichnend ist für eine poliferationssteigernde
Wirkung.
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Ein Einfluss eines Wirkstoffes auf
die Zellproliferation kann gemessen werden (a) über die Bestimmung der Zunahme/Abnahme
der Zellzahl nach einem entsprechenden Untersuchungszeitraum (3-6
Tage) [wird bestimmt durch Zellzählungen
mittels Neubauer-Zählkammer
oder Counter-Counter] (b) eine Erhöhung/Erniedrigung der DNA-Replikation
[wird bestimmt im Thymidineinbau Experiment nach Gabe radioaktiv oder
nicht-radioaktiv markierter Nukleotide (z.B. H3-Thymidin)],
c) über
die Zunahme der Stoffwechselaktivität, die direkt mit der Zellzahl
korreliert [wird bestimmt über
den Nachweis mitochondrialer Dehydrogenasen bestimmt (MTT-Test).
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In einer alternativen Ausführungsform
ist weiterhin ein Verfahren bevorzugt, das ferner den folgenden Schritt
umfasst: (c) Die Bestimmung der Invasion in Gegenwart des einen
oder der mehreren Wirkstoffkanditaten und Vergleich des bestimmten
Wertes mit einem Kontrollansatz, wobei ein Gleichbleiben oder eine
Abnahme invasiver Zellen im Vergleich zum Kontrollansatz kennzeichnend
ist für
eine invasionshemmende Wirkung und eine Steigerung der Zahl invasiver
Zellen im Vergleich zum Kontrollansatz kennzeichnend ist für eine invasionsfördernde
Wirkung.
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Eine andere bevorzugte Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
umfasst zusätzlich
zu den oben beschriebenen Verfahrensschritten den Schritt der Isolierung
des Wirkstoffs oder der Wirkstoffe.
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Nachdem der gewünschte Wirkstoff identifiziert
ist, kann er leicht und nach konventionellen Verfahren isoliert
werden, beispielsweise aus einer Substanzbibliothek. Er kann aber
auch direkt aus dem Testansatz isoliert werden und mit geeigneten
Verfahren, beispielsweise NMR, MS, MALDI-TOF, Sequenzierverfahren
etc. oder Kombinationen davon weiter analysiert werden.
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In einer weiter bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden die weiteren folgenden Schritte durchgeführt werden, sofern mehrere
Wirkstoffkandidaten in ein und demselben Testgefäß getestet werden:
- (a) Testen von jeweils mehreren Wirkstoffkandidaten pro Testgefäß, wobei
diejenigen Wirkstoffkandidaten in Reaktionsgefäßen, in denen keine Zunahme
oder Abnahme der Expressionshöhe
beobachtet wird, für die
weiteren Tests nicht mehr in Betracht gezogen werden;
- (b) Aufteilung der in einem Testgefäß, in welchem ein positives
Ergebnis beobachtet wurde, befindlichen Wirkstoffkandidaten in neue
Testgefäße und Wiederholung
des Tests, wobei wiederum diejenigen Wirkstoffkandidaten in Testgefäßen als
Wirkstoffe in Betracht kommen, an denen eine Zunahme bzw. Abnahme
der Expressionshöhe
beobachtet wird; und gegebenenfalls
- (c) Wiederholung von Schritt (b), bis ein einziger Wirkstoff
identifiziert ist, bei dem eine anti-angiogene und/oder anti-inflammatorische
Wirkung oder eine pro-angiogene Wirkung indiziert ist.
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Vorzugsweise ist das erfindungsgemäße Verfahren
ein Hochdurchsatzverfahren. Hochdurchsatzverfahren sind im Prinzip
im Stand der Technik beschrieben worden, siehe z.B. Takeshita et
al, Anal Biochem. (1997) 247(2), 242–6. Beispiele für entsprechende
Hochdurchsatzverfahren umfassen Luziferase-Tests, bzw. automatisierte
GFP-Nachweise (bei Luc und GFP als Reportergen). Ein weiteres Beispiel
stellt den ELISA dar, der üblicherweise
in Multiwell-Platten (24 well, 48-well, 96 well und größer) durchgeführt wird.
Ein Beispiel für ein
solches ELISA-Verfahren
ist in Beispiel 5 beschrieben.
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Weiter bevorzugt ist dieses Hochdurchsatzverfahren
Computer-assistiert. Die Computerassistenz kann sich beispielsweise
durch den Einsatz von im Stand der Technik beschriebenen Picking-
und/oder Spottingrobotern auszeichnen oder durch den computerisierten
Einsatz einer CCD-Kamera zur Auswertung der Versuchsergebnisse.
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Darüber hinaus betrifft die Erfindung
ein Verfahren zur Verbesserung der pharmakologischen Eigenschaften
des identifizierten Wirkstoffs, wobei man:
- (a)
die Bindungsstelle des Wirkstoffs an seinen Rezeptor identifiziert;
- (b) die Bindungsstelle Wirkstoffs an den Rezeptor durch molekulares
Modellieren modifiziert; und
- (c) Wirkstoff dergestalt modifiziert, daß dessen Bindungsspezifität oder Bindungsaffinität oder Bindungsavidität für den Rezeptor
durch molekulares Modellieren erhöht wird.
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Unter dem Begriff „Rezeptoren" werden im Zusammenhang
mit der Erfindung alle Bindungspartner eines Wirkstoffes verstanden, über die
dieser Wirkstoff einen durch das erfindungsgemäße Verfahren nachzuweisenden
Effekt auf die GBP-1 Expression hat. Dies umfasst z.B. Proteine,
Kohlenhydrate und Lipide. Diese Rezeptoren können von der Zelle frei gesetzt
werden oder aber an der Zelloberfläche, im Zytoplasma oder im Nukleus
lokalisiert sein.
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Die oben beschriebenen verschiedenen
Verfahrensschritte des erfindungsgemäßen Verfahrens sind konventionelle
Verfahrensschritte und können
vom Fachmann mit üblichen
Fähigkeiten
ohne weiteres ausgeführt
werden. Basierend auf den Eigenschaften der in dem erfindungsgemäßen Verfahren
identifizierten Wirkstoffe können
weitere biologische Assays vom Fachmann verwendet werden, mit denen
die Spezifität
und Wirksamkeit der Wirkstoffe getestet werden kann. Durch Modifikation
der Aktivität
der Zielstrukturen kann die Spezifität und Wirksamkeit dieser Wirkstoffe
verändert-
und mit diesen Assays getestet werden. Die oben beschriebenen Schritte
(a) und (b) können
entsprechend konventioneller Protokolle ausgeführt werden. Ein Protokoll zur
zielgerichteten Mutagenese (site-directed mutagenesis) ist beschrieben
in Ling MM, Robinson BH. (1997) Anal. Biochemical 254: 157–178. Die
Verwendung von Verfahren zur Modulierung von Homolgiebereichen in
Verbindung mit zielgerichteter Mutagenese zur Analyse von Struktur
und Funktionseigenschaften ist zusammengefasst in Szklarz und Halpert
(1997) Life Sci. 61:2507–2520.
Chimäre
Proteine können
generiert werden durch Ligation entsprechender DNA-Fragmente mit Hilfe
geeigneter, einzigartiger Restriktionsschnittstellen unter Verwendung
konventioneller Klontechniken. Diese werden u.a. in Sambrook, Fritsch,
Maniatis; Molecular Cloning, a laboratory manual; (1989) Cold Spring
Harbour Laboratory Press beschrieben. Eine Fusion von zwei DNA-Fragmenten,
die ein chimäres
DNA-Fragment bilden und ein chimäres
Protein kodieren, kann des weiteren mit Hilfe eines Gateway-Systems
(Life technologies) generiert werden. Dieses System basiert auf
der DNA-Fusion durch Rekombination. Ein bekanntes Beispiel für das molekulare
Modellieren ist das strukturbasierte Design von Substanzen, die
an die HIV-Reverse Traskriptase binden; siehe z.B. Mao et al. (2000)
Biochem. Pharmacol. 60:1252–1265.
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Bindungsstellen von Wirkstoffen können identifiziert
werden durch zielgerichtete Mutagenese und Studien mit den genannten
Rezeptoren. Hierbei werden die Primärsequenzen der Rezeptoren modifiziert
und anschließend
wird analysiert, ob diese Modifikation die Bindungsaffinität des Wirkstoffes
verändert;
dieses Verfahren erlaubt üblicherweise
eine genaue Kartierung der Bindungstasche eines Wirkstoffes.
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Als Beispiel für Schritt (b) wird u.a. folgendes
Protokoll vorgeschlagen: Wenn die Effektorstelle eines Wirkstoffes
kartiert wurde, können
die exakten Resten, die an der Interaktion der Bindungspartner beteiligt sind,
durch Kombination der Informationen erhalten werden, die aus unterschiedlichen
Mutagenestudien (Schritt a) und Computersimulation der Struktur
der Bindungsstelle erhalten wurden. Dieses Verfahren ermöglicht u.a.
eine genaue dreidimensionale Darstellung der Struktur. Wenn der
Wirkstoff selbst ein Peptid ist, kann dieses ebenso mutiert werden
wie dessen Bindungspartner und die Ergebnisse der unterschiedliche
Mutagenesestudien miteinander kombiniert werden. Schritt (c) des
erfindungsgemäßen Verfahrens
erlaubt die Modifikation zur Steigerung oder Verbesserung der Bindungsaffinität, der Wirksamkeit
oder Spezifität.
Wenn, z.B., elektrostatische Interaktion zwischen unterschiedlichen
Resten der Zielstruktur oder Abschnitten des Wirkstoffmoleküls existieren,
kann die Gesamtladung entsprechender Abschnitte verändert und
damit auch die Bindung der Bindungspartner verändert werden.
-
Zur Identifikation von Bindungsstellen
können
unterschiedliche Computerprogramme verwendet werden. Folglich können geeignete
Computerprogramme verwendet werden zur Identifikation von Interaktionsstellen
von putativen Inhibitoren/Enhancern und der Zielstruktur durch computergestützte Suche
nach komplementären
Strukturmotiven (Fasina, Immunomethods 5 (1995), 114–120). Weitere
geeignete Computersysteme zum computergestützten Design von Proteinen
und Peptiden sind im Stand der Technik beschrieben, z.B. in Berry,
Biochem. Soc. Trans. 22 (1994), 1033–1036; Wodac, Ann. N.Y. Acad.
Sci. 501 (1987), 1–13;
Pabo, Biochemistry 25 (1986), 5987–5991. Modifikationen von Wirkstoffen
können
erhalten werden, z.B., durch Peptidomimetics. Weitere Inhibitoren/Enhancer
können
ebenso durch die Synthese von kombinatorischen peptidomimetischen
Bibliotheken zur sukzessiven chemischen Modifikation und Testung
der resultierenden Substanzen identifiziert werden. Verfahren zur
Herstellung und Verwendung von kombinatorischen peptidomimetischen
Bibliotheken werden im Stand der Technik beschrieben, z.B. in Ostresh,
Methods in Enzymology 267 (1996), 220–234 und Dorner, Bioorg. Med.
Chem. 4 (1996), 709–715.
-
Weiter betrifft die Erfindung in
einer darüber
hinaus bevorzugten Ausführungsform
ein Verfahren, welches ferner die Verbesserung der pharmakologischen
Eigenschaften des identifizierten Wirkstoffs umfasst, wobei man
testet auf
- (a) eine Verstärkung der induzierenden oder
hemmenden Wirkung auf die GBP-1
Promotoraktivität;
- (b) geringere Wirkung auf andere Promotoren; und/oder
- (c) geringe Wirkung auf die anti-angiogenen Funktionen des zellulären GBP-1.
-
Verfahren zur Studie von Promotoraktivitäten sind
dem Fachmann aus dem Stand der Technik bekannt (siehe u.a. Mülhardt,
loc. cit.). Hierbei erfindungsgemäß die Detektion der Expression
eines Reportergens zur Bestimmung der Aktivität eines Promotors genutzt.
-
Eine Verstärkung der induzierenden oder
hemmenden Wirkung auf die GBP-1 Promotoraktivität kann erreicht werden durch
chemische Modifikation des Wirkstoffes (Derivaterzeugung) und erneute
Testung von Derivat-Bibliotheken. Bei Peptiden und Proteinen können ebenfalls
modifizierte Derivate (Acetylierung, Glykosylierung usw) oder Fragmenten
der Peptiden und Proteinen getestet werden.
-
Eine geringere Wirkung auf andere
Promotoren kann erreicht werden, indem man die Wirkung des Wirkstoffes
in analogen Tests bei Verwendung anderer Promotoren fusioniert mit
einem Indikatorgen untersucht (z.B viraler SV40-Promotor, CMV-Promotor; zelluläres Bax,
Bcl-2-Promotor). Hierbei kann auch die Sekretion von löslichen
Faktoren bestimmt werden (Zytokine, Chemokine usw), z.B. unter Verwendung
von Bekannten ELISA-Verfahren. Des weiteren kann auch der Zellphänotyp direkt
untersucht werden. In diesem Zusammenhang kann sowohl die Morphologie
der Zellen untersucht werden, als auch die Induktion von Apoptose in
den Zellen (Verfahren zur Analyse von Apoptose umfassen JAM-Test,
TUNEL-Test, Cr5
1-Freisetzungstests u.a.;
z.B. beschreiben in Dulat et al. Eur J Immunol. 2001, 31(7):2217–26).
-
Eine geringe Wirkung auf die anti-aniogenen
Funktionen des zellulären
GBP-1 kann durch Analyse der Proliferationsaktivität einer
Indikatorzelle, die GBP-1 durch retrovirale Transduktion (Vektor
pBabePuro, S-GBP-1-Konstrukt) konstitutiv exprimiert, getestet werden.
Wenn eine entsprechende Substanz die Proliferation dieser Zelle
verstärkt
bzw. die MMP-1-Expression erhöht,
dann weist dies auf eine abschwächende
Wirkung auf die GBP-1-Funktion hin und gilt als Wirkstoff, der nicht
für ein
erfindungsgemäßes Verfahren
geeignet ist.
-
Entsprechend einer weiter bevorzugten
Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird der identifizierte oder verbesserte Wirkstoff durch Peptidomimetics
pharmakologisch weiter verbessert.
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Bevorzugt ist ferner ein Verfahren,
wobei der Wirkstoff weiter modifiziert wird, um
- (i)
ein modifiziertes aktives Zentrum, ein modifiziertes Aktivitätsspektrum,
eine modifizierte Organ-, Gewebe- oder Zellspezifizität;
- (ii) eine verbesserte Aktivität;
- (iii) gesteigerte Toxizität
für Tumorzellen
(einen verbesserten therapeutischen Index) oder gesteigerte Wirkeffizienz
auf Zielzellen;
- (iv) verminderte Nebenwirkungen;
- (v) ein zeitlicher versetzter Beginn der therapeutischen Wirksamkeit,
der Länge
der therapeutischen Wirksamkeit;
- (vi) veränderte
pharmakokinetische Parameter (Resorption, Distribution, Metabolismus
oder Exkretion);
- (vii) modifizierte physikochemische Parameter (Löslichkeit,
hygroskopische Eigenschaften, Farbe, Geschmack, Geruch, Stabilität, Zustandsform);
- (viii) verbesserte generelle Spezifität, Organ-/Gewebespezifität; und/oder
- (ix) optimierte Verabreichungsform und -route
durch - (i) Veresterung von Carboxylgruppen oder
- (ii) Veresterung von Hydroxylgruppen mit Carbonsäuren oder
- (iii) Veresterung von Hydroxylgruppen zu beispielsweise Phosphaten,
Pyrophosphaten oder Sulfaten oder "Hemisukzinaten" oder
- (iv) Bildung von pharmazeutisch verträglichen Salzen oder
- (v) Bildung von pharmazeutisch verträglichen Komplexen oder
- (vi) Synthese von pharmakologisch aktiven Polymeren oder
- (vii) Einführung
von hydrophilen Gruppen oder
- (viii) Einführung/Austausch
von Substituenten in Aromaten oder Seitenketten, Veränderung
des Substituentenmusters oder
- (ix) Modifikation durch Einführung
von isosterischen oder bioisosterischen Gruppen oder
- (x) Synthese von homologen Verbindungen oder
- (xi) Einführung
von verzweigten Seitenketten oder
- (xii) Konversion von Alkylsubstituenten zu zyklischen Analogen
oder
- (xiii) Derivatisierung von Hydroxylgruppen zu Ketalen oder Acetalen
oder
- (xiv) N-Acetylierung zu Amiden, Phenylcarbamaten oder
- (xv) Synthese von Mannich-Basen, Iminen oder
- (xvi) Umwandlung von Ketonen oder Aldehyden in Schiffs-Basen,
Oxime, Acetate, Ketale, Enolester, Oxazolidine, Thiozolidine
oder
Kombinationen davon zu erreichen.
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Die vorstehend dargestellten Schritte
sind im Stand der Technik allgemein bekannt. Sie schließen ein oder
beruhen auf quantitativen Struktur-Aktionsbeziehungsanalysen (QSAR; sh.
Kubinyi, „Hausch-Analysis and
Related Approaches" VCH
Verlag, Weinhaim, 1992), kombinatorischer Biochemie, klassischer
Chemie und anderen verfahren bzw. Disziplinen; vgl. z.B. Holzgrabe
und Bechtold, Deutsche Apotheker Zeitung 140(8), 813–823, 2000.
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Einsprechend einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
umfasst dieses ferner den Schritt der Herstellung eines Arzneimittels
oder Medizinpräparates,
wobei man den erhaltenen Wirkstoff mit einem pharmazeutisch verträglichen
Träger
oder Verdünnungsmittel
formuliert. Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens identifizierte
Wirkstoffe können
zur Behandlung oder Prophylaxe der oben beschriebenen Erkrankungen
als Arzneimittel formuliert werden. Die entsprechende Arzneimittelformulierung erfolgt
gegebenenfalls in Kombination mit einem „pharmakologisch verträglichen
Träger" und/oder Verdünnungsmittel
und/oder Exzipienten. Beispiele für besonders geeignete pharmakologisch
verträgliche
Träger sind
dem Fachmann bekannt und umfassen gepufferte Kochsalzlösungen,
Wasser, Emulsionen wie z.B. Öl/Wasser-Emulsionen, verschiedene
Arten von Detergenzien, sterile Lösungen, etc. Arzneimittel,
die solche Träger
umfassen, können
mittels bekannter konventioneller Methoden formuliert werden. Diese
Arzneimittel können
einem Individuum in einer geeigneten Dosis verabreicht werden. Die
Verabreichung kann oral oder parenteral erfolgen, z.B. intravenös, intraperitoneal,
subcutan, intramuskulär,
lokal, intranasal, intrabronchial oder intradermal, oder über einen
Katheter an einer Stelle in einer Arterie. Die Art der Dosierung
wird vom behandelnden Arzt entsprechend den klinischen Faktoren
bestimmt. Es ist dem Fachmann bekannt, daß die Art der Dosierung von
verschiedenen Faktoren abhängig
ist, wie z.B. der Körpergröße bzw.
dem Gewicht, der Körperoberfläche, dem
Alter, dem Geschlecht oder der allgemeinen Gesundheit des Patienten,
aber auch von dem speziell zu verabreichenden Mittel, der Dauer
und Art der Verabreichung, und von anderen Medikamenten, die möglicherweise
parallel verabreicht werden. Eine typische Dosis kann z.B. in einem
Bereich zwischen 0,001 und 1000 μg
liegen, wobei Dosen unterhalb oder oberhalb dieses beispielhaften
Bereiches, vor allem unter Berücksichtigung
der oben erwähnten
Faktoren, vorstellbar sind. Im allgemeinen sollte sich bei regelmäßiger Verabreichung
entsprechender Zusammensetzung die Dosis in einem Bereich zwischen
10 ng- und 10 mg-Einheiten pro Tag bzw. pro Applikationsintervall
befinden. Wird die Zusammensetzung intravenös verabreicht sollte sich die
Dosis in einem Bereich zwischen 1 ng- und 0,1 mg-Einheiten pro Kilogramm
Körpergewicht
pro Minute befinden.
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Die entsprechende Zusammensetzung
kann lokal oder systemisch verabreicht werden. Präparate für eine parenterale
Verabreichung umfassen sterile wäßrige oder
nicht-wäßrige Lösungen,
Suspensionen und Emulsionen. Beispiele für nicht-wäßrige Lösungsmittel
sind Propylenglykol, Polyethylenglykol, pflanzliche Öle wie z.B.
Olivenöl,
und organische Esterverbindungen wie z.B. Ethyloleat, die für Injektionen
geeignet sind. Wäßrige Träger umfassen
Wasser, alkoholisch-wäßrige Lösungen,
Emulsionen, Suspensionen, Salzlösungen und
gepufferte Medien. Parenterale Träger umfassen Natriumchlorid-Lösungen,
Ringer-Dextrose, Dextrose und Natriumchlorid, Ringer-Laktat und
gebundene Öle.
Intravenöse
Träger
umfassen z.B. Flüssigkeits-,
Nährstoff-
und Elektrolyt-Ergänzungsmittel
(wie z.B. solche, die auf Ringer-Dextrose basieren). Die erfindungsgemäße Zusammensetzung
kann außerdem
Konservierungsmittel und andere Zusätze umfassen, wie z.B. antimikrobielle
Verbindungen, Antioxidantien, Komplexbildner und inerte Gase. Des
weiteren können,
abhängig von
der beabsichtigten Verwendung, Verbindungen wie z.B. Interleukine,
Wachstumsfaktoren, Differenzierungsfaktoren, Interferone, chemotaktische
Proteine oder ein unspezifisches immunmodulatorisches Agens enthalten
sein.
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Die Erfindung betrifft ferner eine
eukaryontische Zelle, die eine Nukleinsäure aufweist, die die Promotorsequenz
eines GBP-1 kodierenden Gens, die Promotorsequenz eines anderen
selektiv durch inflammatorsiche Zytokine induzierbaren Gens oder
im Fragment oder Derivat davon mit entsprechender Promotoraktivität funktionell
verknüpft
mit einem heterologen Reportergen enthält.
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Die erfindungsgemäße eukaryontische Zelle kann
vorzugsweise zum Screenen auf gewünschte Wirkstoffkandidaten
eingesetzt werden, wie vorstehend beschrieben. Sie kann aber auch
zur Testung des inflammatorischen oder anti-inflammatorischen und des pro- und anti-angiogene
Potentials von natürlicherweise
vorkommenden Faktoren eingesetzt werden, wobei die Veränderung
der unter der Kontrolle des vorstehend genannten Promotors oder
Fragments oder Derivates stehenden Genexpression des heterologen
Gens bzw. der heterologen kodierenden Sequenz ein Indiz für eine derartige
Wirkung ist.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
betrifft die Erfindung eine Zelle, die stabil oder transient transfiziert
oder transduziert ist.
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Bevorzugt ist auch, dass die Zelle
eine primäre
Zelle ist.
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In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
ist die Zelle Teil einer Zelllinie.
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Schließlich betrifft die Erfindung
ein (nicht-menschliches) transgenes Tier, vorzugsweise einen transgenen
Nager und besonders bevorzugt eine transgene Maus oder eine transgene
Pflanze, die die erfindungsgemäße eukaryontische
Zelle in der Keimbahn und/oder im Soma trägt. Generelle Techniken zur
Herstellung transgener Tiere und Pflanzen sind im Stand der Technik
bekannt und können
im Sinne der Erfindung eingesetzt werden. Die transgenen Tiere und
Pflanzen können
in der Wirkstoffvalidierung und -testung eingesetzt werden.
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Die Figuren zeigen:
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1:
Komplexität
und Redundanz entzündlicher
Endothelzellaktivierung.
- (A) Die Aktivierung
des Endothels bei entzündlichen
Prozessen wird durch eine Vielzahl verschiedener löslicher
Faktoren aus dem Blut und von benachbarten Zellen gesteuert. Dabei
stehen im Rahmen der Neu- und Rückbildung
von Gefäßen, sowie
der Extravasation von Leukozyten die Steuerung von Zellproliferation,
Apoptose, Invasion, Migration und Adhäsionsfähigkeit für Leukozyten im Vordergrund.
- (B) Die Vielzahl der beteiligten Faktoren legt nahe, dass mehrere
Faktoren ein- und dieselbe Aktivierung beeinflußen und zu wirkungsgleichen
Gruppen zusammengefaßt
werden können.
Gegenwärtig
kann nicht bestimmt werden, wann und wo die verschiedenen Faktoren
auf die einzelnen Endothelzellen einwirken. Darüber hinaus sind die Beziehungen
der meisten Aktivierungsarten zueinander weitgehend unbekannt. Es ist
zu bestimmen, ob alle Aktivierungen gleichzeitig in einer Zelle
auftreten können
(I) oder aufgrund zellbiologischer Restriktionen zeitlich, beziehungsweise
räumlich
separiert sein müssen
(II).
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2:
Expression von GBP-1 in kultivierten Endothelzellen und in entzündlichen
Erkrankungen der Haut.
- (A) Western Blot-Analyse
der GBP-1 Expression in Endothelzellen, die mit den aufgeführten Faktoren
für 24
h stimuliert worden waren. Folgende Konzentrationen wurden eingesetzt:
IFN-γ (100
U/ml), 1L-1α (5 ng/ml),
IL-1β (200
U/ml), TNF-α (300
U/ml), IL-4 (10 U/ml), IL-6 (50 U/ml), IL-10 (50 ng/ml), IL-18 (100 ng/ml),
Oncostatin M (10 ng/ml), MCP-1 (50 ng/ml), PF4 (25 ng/ml), SDF-1α (200 ng/ml),
bFGF (10 ng/ml), VEGF (10 ng/ml), Ang-2 (800 ng/ml) und PDGF B/B
(100 ng/ml). Der gleichzeitige Nachweis des Zytoskelettproteins
Aktin zeigt, dass gleiche Proteinmengen aufgetragen wurden.
- (B) Induktion der GBP-1-Expression in vaskulären Endothelzellen bei Hauterkrankungen
mit einer inflammatorischen Komponente. Indirekte Immunfluoreszenzfärbung von
GBP-1 (grün)
und dem Endothelzell-assoziierten Antigen CD31 (rot) in Gewebeschnitten
von gesunder Haut, Kaposi-Sarkom, entzündlicher Arzneimittelgegenreaktion
der Haut und Psoriasis. Die Überlagerung
der Bilder zeigt eine Ko-Expression (gelb) von GBP-1 und CD31 (weiße Pfeile).
(Modifiziert nach (Lubeseder-Martellato, Guenzi et al. 2002))
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3:
GBP-1 vermittelt die antiproliferative Wirkung inflammatorischer
Zytokine in Endothelzellen.
- (A) Schematische
Darstellung des retroviralen Expressionsvektors pBabePuro (Kontrollvektor,
K-Vektor) in den die cDNA von GBP-1 in beiden Orientierungen für die konstitutive
Expression von GBP-1 (GBP-1-Vektor) und für die Expression einer GBP-1-antisense-RNA
(AS-Vektor) eingesetzt wurde.
- (B) GBP-1-Expression in K-, GBP-1-, und AS-Vektor transduzierten
Endothelzellen, die entweder unbehandelt waren oder über einen
Zeitraum von 24 h mit 20 U/ml IL-1β stimuliert wurden. Der Nachweis
der GBP-1-Expression erfolgte mittels Western-Blot-Analyse mit einem
polyklonalen anti-GBP-1-Antikörper. Die
gleichzeitige Färbung
mit Aktin zeigt, dass gleiche Proteinmengen aufgetragen wurden.
- (C) Proliferationsexperimente mit K-Vektor- und GBP-1-Vektor-transduzierten
Endothelzellen in Anwesenheit steigender Konzentrationen angiogener
Wachstumsfaktoren (bFGF und VEGF in Kombination).
- (D) Proliferationsexperimente von K-Vektor- und AS-Vektor-transduzierten
Endothelzellen in Anwesenheit angiogener Wachstumsfaktoren und aufsteigender
Konzentrationen von IL-1β.
(Modifiziert nach (Guenzi et al. 2001))
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4:
GBP-1 hemmt die MMP-1-Expression, die Invasion und die Kapillarbildungsfähigkeit
von Endothelzellen in Kollagen-I.
- (A) MMP-1
wird nicht in GBP-1-exprimierenden Zellen exprimiert und die MMP-1-Expression kann auch nicht
durch angiogene Wachstumsfaktoren, wie bFGF und VEGF induziert werden.
Kontrolle bezeichnet Endothelzellen, die mit einem Kontrollvektor
transduziert wurden. S-GBP-1 bezeichnet Endothelzellen, die mit
einem Vektor transduziert wurden, der die konstitutive Expression
von GBP-1 in diesen Zellen bewirkt. Die Expression von GBP-1 und
von MMP-1 wurden mit Western Blot-Analyse nachgewiesen. Der Nachweis
von GAPDH zeigt, dass gleiche Proteinmengen aufgetragen wurden.
AWF (+) bedeutet, dass die Zellen mit angiogenen Wachstumsfaktoren
behandelt wurden, AWF (–)
bedeutet, dass die Zellen nicht mit angiogenen Wachstumsfaktoren
behandelt wurden.
- (B) GBP-1 hemmt die Einwanderung/Invasion von Endothelzellen
in Kollagen-I Matrizes (schwarze Balken), wohingegen die Einwanderungsfähigkeit
von Endothelzellen, die mit einem Kontrollvektor transduziert wurden,
nicht beeinflusst war (weiße
Balken). Kontrolle bezeichnet Endothelzellen, die mit einem Kontrollvektor
transduziert wurden. S-GBP-1 bezeichnet Endothelzellen, die mit
einem Vektor transduziert wurden, der die konstitutive Expression
von GBP-1 in diesen Zellen bewirkt. Invasion wurde im Boyden-kammer
Test bestimmt unter Verwendung von porösen Membranen, die mit Kollagen-I
beschichtet waren.
- (C) GBP-1 hemmt die Bildung von Kapillaren in Kollagen-I. Zellen
die mit dem Kontrollvektor transduziert worden waren bildeten nach
48 Stunden Kapillarähnliche
Strukturen aus (Kontrolle). Zellen die mit GBP-1 transduziert worden
waren konnten im Gegensatz dazu keine Kapillaren ausbilden. Kontrolle
bezeichnet Endothelzellen, die mit einem Kontrollvektor transduziert
wurden. S-GBP-1
bezeichnet Endothelzellen, die mit einem Vektor transduziert wurden,
der die konstitutive Expression von GBP-1 in diesen Zellen bewirkt.
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5:
Sequenzen von GBP-1 Promotoren.
- (A) Sequenz
1 (3757 bp GBP-1 Promotor):
Das 237 bp GBP-1 Promotorfragment
ist im 3757 bp Promotor enthalten und ist entsprechend gekennzeichnet
(Sequenz unterstrichen, fett, kursiv). Sämtliche Sequenzen sind der
NCBI-Nukleotiddatenbank zu entnehmen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?CMD=search&DB=nucleotide).
- (B) Sequenz 2 (237 bp GBP-1 Promotor):
Das 237 bp GBP-1
Promotorfragment trägt
die gekennzeichneten Modulkomponenten ISRE/GAS-Bindungsstelle und
NF-KB-Bindungsstelle für
die Transkriptionsfaktoren IRF-1 und p65/p50; p65/cRel. Mit Pfeilen
sind die 4 möglichen
Transkriptionsstartstellen eingezeichnet. Beide Promotoren sind
durch die inflammatorischen Zytokine IFN-γ, IL-1β und TNF-α selektiv induzierbar. Des weiteren
sind mögliche
Kandidaten angegeben (Maus-GBP-1 und GBP-2), die sich so verhalten
könnten,
wie der humane GBP-1 Promotor.
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6:
Isolierung des Promotors von GBP-1 für den Einsatz im Hochdurchsatzverfahren
zur Identifizierung antiangiogener Substanzen.
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- (A) Luziferase-Nachweis zur Bestimmung der
Aktivität
des isolierten und mit dem luc-Gen fusionierten GBP-1-Promotors
in Endothelzellen nach Stimulation mit inflammatorischen Zytokinen.
- (B) Schema eines Hochdurchsatzverfahrens für die Identifizierung GBP-1-induzierender antiangiogener Substanzen.
Es wurde eine Zelllinie erzeugt, in der das luc-Indikatorgen unter
der Kontrolle des isolierten GBP-1-Promotors exprimiert wird. Anhand
dieser Zelllinie werden die Wirkungen verschiedener chemisch-erzeugter und natürlicher
Verbindungen auf die GBP-1-Expression untersucht. Diejenigen Substanzen,
welche die GBP-1-Expression am stärksten induzieren (gelb), werden
nachfolgend in Mäusen,
denen durch Injektion von Tumorzellen Tumoren eingepflanzt wurden,
auf ihre antitumorigene Wirkung überprüft.
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7:
Sekretion von GBP-1 aus IFN-γ behandelten
HUVEC beruht nicht auf einer Zunahme von Apoptose und/oder Zellpermeabilität.
HUVEC
Zellen wurden über
Nacht kultiviert (Low medium). Anschließend wurden die Zellen mit
IFN-γ stimuliert (Konzentration
von 100 U/ml für
24 h). Nicht stimulierte Zellen (C) wurden nur mit BSA behandelt.
(A) Der Lactatdehydrogenase (LDH) Aktivitätstest zeigt, dass die Stimulation
von HUVEC mit IFN-γ die
Menge an Lactatdehydrogenase im Kulturüberstand nicht erhöht. LDH
Aktivität
von Medien denen 1 %, 2.5 % oder 7.5 % Zelllysat zugesetzt wurde,
das durch Gefrier-Auftau-Zyklen gewonnen wurde, als Standard. (B)
Färbung
von HUVEC mit „membrane
impermeant dye Dead-Red".
Zellen aus drei optischen Feldern wurden ausgezählt und der prozentuale Anteil
von Zellen mit gesteigerter Membranpermeabilität (schwarze Säulen) verglichen
mit der Gesamtzellzahl.
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8:
Nachweis von sezerniertem G8P-1 mittels ELISA.
(Low medium).
Anschließend
wurden die Zellen mit IFN-γ stimuliert
(Konzentration von 100 U/ml für
24 h). Nichtstimulierte Zellen (C) wurden nur mit BSA behandelt. Überstände wurden
gesammelt und (A) in einem ELISA und (B) mittels Immunpräzipitation
und Western Blot analysiert, siehe Beispiel 5. Als Standard des
ELISA wurden Verdünnungen
von gereinigtem GBP-1-His eingesetzt.
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9:
Nachweis von zirkulierendem GBP-1 im Plasma von IFN-α-behandelten Patienten
Bei
Melanom-Patienten, die für
9 bzw. 28 Tage mit IFN-α behandelt
wurden, wurde die Konzentration von zirkulierendem GBP-1 im Plasma
mittels ELISA bestimmt. Dargestellt ist der Anstieg der GBP-1 Konzentration von
Tag 9 zum Tag 28 bei drei Patienten. ELISA-Mikrotiterplatten wurden
mit einem monoklonalen Ratte anti-GBP-1 Antikörper, Klon 1B1, für 16 Stunden
bei 4° C
beschichtet. Anschließend
wurden die Platten mit PBS-T gewaschen (0,1 % Tween 20 in PBS) und
für 30
Minuten wurden bei Raumtemperatur (RT) freie Bindungsstellen mit
PBS-T/BSA 2 (PBS-TB) abgesättigt.
Nach Absaugen des PBS-TB erfolgte eine Inkubation (2 h) mit je 100 μl verschiedener
Plasma Proben (1:2) bei RT. Als Standard wurde gereinigtes GBP-1-His
Protein, verdünnt
in Zellkulturmedium (EBM-0,5% FCS) benutzt. Als Negativkontrolle
diente BSA. Die Proben wurden 4x mit PBS-T gewaschen, je 100 μl polyklonaler
Kaninchen anti-GBP-1 Antikörper
(1:500) zugegeben und für 2
Stunden bei RT inkubiert. Nach viermaligen Waschen mit PBS-T erfolgte
eine Inkubation (1 h, RT) mit je 100 μl AP-konjugiertem anti-Kaninchen Antikörper (1:500
verdünnt
in PBS-TB). Nach vier weiteren Waschschritten wurde der GBP-1 Protein/Antikörper-Komplex
durch Inkubation mit 100 μl
P-nitrophenyl-phosphat visualisiert. Die Absorbtion wurde bei 405
nm im Mikroplatten-Reader gemessen. Die Konzentrationsbestimmung
erfolgte anhand einer Standardkurve für die steigende Konzentrationen
von gereinigtem GBP-1-His verwendet wurden. Die Linearität der Messung
ist für
einen Bereich von 0,1–100
ng/ml gegeben.
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Die Beispiele erläutern die Erfindung.
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Beispiel 1: Herstellung
eines Vektorkonstruktes
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Das 237 bp GBP-1 Promotortragment
(pro237-GBP-1) wurde mittels PCR-Amplifikation
(PCR 2 Advantage Kit, Clontech) von dem Konstrukt pro3757-GBP-1
mit den Oligonukleotiden 5'-ATTTGAAGCTTCTGGTTGAG-3' [einfügen einer
Hindlll-Schnittstelle (unterstrichen)] bzw. 5'-TGGCTTCTAGCACTTCTG-3' generiert. Das Konstrukt
pro3757-GBP-1 enthält
3757 bp der 5'-regulatorischen
Sequenz aufwärts
des ATG-Kodons des GBP-1 Gens (gi:4503938, NM_002053) im Vektor
pT-Adv (Clontech). Das 237 bp Fragment wurde in Antisense- Orientierung mit
dem Vektor pT-Adv ligiert, mit Hindlll geschnitten und in den pGL3-Basic
Vektor (Promega) subkloniert. Alle Konstrukte wurden mit dem Endofree
Maxi Kit (Qiagen) aufgereinigt und zur Verifizierung sequenziert.
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Beispiel 2: Etablierung
einer geeigneten Zelllinie
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HEK 293 T-Zellen (humane embryonale
epitheliale Nierenzelllinie mit humanen Adenovirus Typ 5 (Ad 5)
DNA transformiert (ATCC CRL 1573), welche zusätzlich mit SV40 T Antigen transformiert
ist) wurden mit 3 × 105 Zellen/Well (6-Multi-Well Platte, Corning)
24 h vor der Transfektion ausgesät.
Pro Well der 6-Well Platte wurden gesamt 0,8 μg Plasmid verwendet, wobei das
Testplasmid pro237-GBP-1 im Verhältnis
1:5 mit dem Selektionsplasmid pBABE-Puro (P. Monini, Laboratory
of Virology, Instituto Superiore di Santiá, Rome, Italien) eingesetzt
wurde. Das Testplasmid pro237-GBP-1 enthält das 237 bp Promotorfragment
gekoppelt an das Indikatorgen firefly-Luziferase, das Selektionsplasmid
pBABE-Puro das Resistenzgen Puromycin, worauf anschließend selektioniert
wird. Die Transfektion der Zellen wurde analog Vorschrift des Herstellers
mit Effectene (Qiagen) durchgeführt
und nach 24 h die Selektion mit 0,7 μg/ml Puromycin (Sigma) begonnen.
Bei Tag 8-10 konnte das Wachstum von Einzeiklonen beobachtet werden,
die anschließend
mit Klonierringen trypsiniert und in Einzelwells einer 96-well Platte (Falcon) überführt wurden.
Bei entsprechender Konfluenz wurden die Klone weiter passagiert
und auf ihre Reportergen-aktivität
im Luziferaseassay untersucht. Die Klone wurden mit inflammatorischen
Zytokinen IFN-γ,
IL-1β und
TNF-α, sowie
Buffer für
5 h stimuliert und in 1x „passive
lysis buffer" (Promega)
abgeerntet. Die Lysate wurden auf firefly-Luziferase-Aktivität untersucht
und entsprechend stabile Klone etabliert.
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Beispiel 3: Verfahren
zum Screenen auf Wirkstoffkandidaten
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Die stabilen Zelllinien, die den
GBP-1 Promotor stabil im Genom der HEK 293T Zellen tragen, werden in
Multi-Well Platten ausgesät
(z.B. 96-Well Platte) und in Folge mit verschiedenen Substanzen
inkubiert, die möglicherweise
die GBP-1 Promotoraktivität
induzieren können.
Dies sind z.B. inflammatorische Zytokine wie IFN-γ, IL-1β, oder TNF-α, aber auch
chemische Substanzen oder natürliche
Agentien aus Naturstoffbanken. In Folge werden die Zellen lysiert
und ihre Reportergen-aktivität
im Luziferase-assay untersucht.
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Das Verfahren, welches hier beschrieben
ist, kann prinzipiell in allen verfügbaren eukaryontischen Zelllinien
durchgeführt
werden, sowie mit verschiedenen Reportergenen (z.B. β-Galactosidase,
green fluorescent protein) oder auch verschieden großen Promotorfragmenten
(Nachweis erbracht für
Promotorfragmente 237-3757 bp 5'-regulatorische
Region). Des weiteren können
die zu testenden Substanzen extrazellulär aufgebracht oder intrazellulär exprimiert
werden.
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Beispiel 4: Immunopräzipitation
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Frisch hergestellte Zelllysate wurden
vorgereinigt durch Inkubation mit 2 μl nicht mit GBP-1 reagierendem
Präimmunserum
von Kaninchen und 25 μl
Protein A/G Agarosebeads für
mindestens 3 h bei 4°C
auf einer Schüttelplattform.
Nach dem Pelletieren der Beads wurde der Überstand mit 25 μl Protein
A/G Agarosebeads und 1 μl
von polyklonalem Kaninchenserum gegen GPB-1 über Nacht bei 4°C auf einer
Schüttelplattform
inkubiert. Die Beads wurden vier bis fünf mal in PBS gewaschen. Anschließend wurden
die Beads in 30 μl
Laemmli-Probenpuffer (2X) resuspendiert und für 5 min gekocht. Die Proben
wurden in einer SDS-PAGE (10%) aufgetrennt und in einem Westernblot
oder in einer Autoradiographie analysiert.
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Für
die Immunopräzipitation
von GPB-1 oder MMP-1 aus Zellkulturüberständen wurden 10 ml Kulturmedium
auf Eis gestellt, 5 min zentrifugiert bei 1000 rpm, filtriert durch
einen Filter mit einer Porengröße von 45
um und in einigen Fällen
ein Proteinaseninhibitor-Cocktail (0,02 mg/ml Pankreasextrakt, 5 μg/ml Pronase, 0,5 μg/ml Thermolysin,
3 μg/ml
Chymotrypsin und 0,33 jm/ml Papin) zugegeben. Die Vorreinigung wurde
ausgeführt
durch Inkubation mit 10 μl
nicht mit GBP-1 reagierendem Präimmunserum
von Kaninchen und 120 μl Protein
A/G Agarosebeads für
mehr als 3 h bei 4°C
auf einer Schüttelplattform.
Nach dem Pelletieren der Beads wurde der Überstand mit 120 μl Protein
A/G Agarosebeads und 6 μl
von polyklonalem Kaninchenserum gegen GPB-1 über Nacht bei 4°C auf einer
Schüttelplattform
inkubiert. Die Beads wurden vier bis fünf mal in PBS gewaschen. Anschließend wurden
die Beads in 60 μl
PBS + 60 μl
Laemmli-Probenpuffer
(2X) resuspendiert und für
5 min gekocht. Üblicherweise
wurden 15 μl
jeder Probe in einer SDS-PAGE (10%) aufgetrennt und in einem Westernblot
analysiert. Ein entsprechendes Experiment ist in 8B dargestellt.
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Beispiel 5: GBP-1 ELISA
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Für
den entwickelten GBP-1 ELISA wurden folgende Puffer verwendet:
PBS
enthaltend 0,1% Tween 20 (PBS-T) und PBS enthaltend 0,1% Tween 20
und 2% BSA (PBS-TB).
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96-well-ELISA-Platen (Nunc-Immuno
Plates) wurden beschichtet mit 100 μl/well anti-GBP-1 Hybridomaüberstand,
im Verhältnis
1:5 mit PBS verdünnt
oder mit gereinigtem Antikörper
in den Konzentrationen von 1–5 μg/ml (Inkubation
für 16
h bei 4°C).
Die Platten wurden mit PBS-T gewaschen und geblockt mit PBS-TB für mindestens
30 min bei Raumtemperatur. Die wells wurden abgesaugt und als Dubletten
für 2 h
bei Raumtemperatur inkubiert mit 100 μl des Standards (GBP-1-His, verdünnt in Zellkulturmedium
mit 5% FBS), der gleichen Konzentration von BSA als Kontrolle oder
mit 100 μl
einer Probe in geeigneter Verdünnung
(verdünnt
in PBS). Die Wells wurden vier mal mit PBS-T gewaschen und mit 100 μl eines polyklonalen
Antikörpers
gegen GPB-1, verdünnt
in 1:500 in PBS-TB für
2 h bei Raumtemperatur inkubiert. Anschließend wurden die Wells wurden
vier mal mit PBS-T gewaschen und mit 100 μl einer alkalinen Phosphatase,
die an einen anti-Kaninchen
Antikörper
konjugiert ist (Zymed, Berlin, Germany), verdünnt 1:500 in PBS-TB, für 1 h bei
Raumtemperatur inkubiert. Anschließend wurden die Wells wurden
vier mal mit PBS-T gewaschen und mit 100 μl von p-nitrophenyl phosphate
(Zymed) inkubiert. Die Absorption wurde bei 405 nm in einem „microplate
reader" (BioRad)
bestimmt. Die Konzentration von GPB-1 in der Probe wurde mit Hilfe
der Standardkurve berechnet. Das Verfahren zeigte eine Linearität von 0,1
bis 100 ng/ml von GBP-1/well. Die Variabilität der Ergebnisse in unterschiedlichen
Assays lag zwischen 2,3 und 6%. Entsprechende Experimente sind in
den 8 und 9 dargestellt.
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Beispiel 6: Proliferationsassay
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Die Zunahme/Abnahme der Proliferation
wurde durch Bestimmung der Zellzahl gemessen werden. Zellen wurden
hierfür
in Multiwellplatten in einem Hungermedium (Low Medium) ausgesät und über Nacht
mit dem Wirkstoff behandelt. Nach 3 bis 6 Tagen wurde die Zellzahl
durch Auszählung
bestimmt und die Zellzahl mit der Zellzahl in Kontrollansätzen verglichen.
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Literatur
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