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Die
vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Mindern einer Schwingungsamplitude einer schwingfähigen Struktur,
die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden kann.
Schwingfähige Strukturen sind insbesondere Stator- und
Rotorschaufeln von Axialverdichtern oder Turbinen, vor allem deren Blätter.
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Rotorscheiben
und insbesondere deren Laufschaufeln sowie Statorscheiben und insbesondere
deren Leitschaufeln in Axialverdichtern und Turbinen von Gasturbinen-Triebwerken
für Luftfahrzeuge oder andere mobile oder stationäre
Anwendungen sind extremen Bedingungen ausgesetzt und müssen deshalb
extreme Anforderungen erfüllen. Insbesondere müssen
die Schaufeln und vor allem deren Blätter bei hohen Temperaturen
hohen Fliehkräften standhalten. Gleichzeitig sollen sie
eine geringe Masse und aus aerodynamischen Gründen ein
dünnes Profil aufweisen.
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Der
Gasstrom, in dem die Laufschaufeln rotieren, ist inhomogen. Stromabwarts
und vor allem stromaufwärts angeordnete Leitschaufeln oder
andere Einrichtungen modulieren Druck, Geschwindigkeit und Richtung
des Gasstroms. Auch der Gasstrom, dem die Leitschaufeln ausgesetzt
sind, ist inhomogen. Stromabwärts und vor allem stromaufwärts
rotierende Laufschaufeln oder andere Einrichtungen modulieren Druck,
Geschwindigkeit und Richtung des Gasstroms, der auf die Leitschaufeln
trifft. Somit ist jede einzelne Schaufel stark zeitabhängigen
Kräften ausgesetzt. Die Zeitabhängigkeit der Kräfte
ist insbesondere von der Anzahl, Geometrie und Anordnung der betrachteten
Schaufeln sowie der stromaufwärts und stromabwärts
angeordneten Schaufeln, von der Drehzahl und anderen Parametern
des Betriebszustands abhängig.
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Aufgrund
ihrer Elastizität können gebaute und vor allem
integral beschaufelte Rotor- und Statorscheiben (engl.: bladed disks
= BLISKs) Schwingungen ausführen. Diese Scheiben weisen
Schwingungseigenmoden und zugehörige Resonanzfrequenzen
auf. Wenn die auf eine Rotor- oder Statorscheibe wirkenden Kräfte
Anteile aufweisen, die mit einer Eigenfrequenz der Rotor- bzw. Statorscheibe oszillieren,
wird die zugehörige Schwingungseigenmode der Rotor- bzw.
Statorscheibe angeregt. In dieser Resonanzsituation können
große Schwingungsamplituden und entsprechende mechanische
Belastungen für die Rotorscheibe, insbesondere die Schaufeln
und deren Blätter, entstehen. Im Extremfall kann die Rotorscheibe,
insbesondere die Blätter beschädigt oder zerstört
werden.
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In
der
US 4,722,668 ist
eine Dämpfung von Schaufelschwingungen durch am Deckband
oder in der Mitte der Schaufeln angeordnete Magneten beschrieben.
Die Magnete sind so angeordnet, dass an benachbarten Schaufeln angeordnete
Magnete einander gegenüberliegen und einander anziehen.
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In
der
US 5,490,759 ist
ein magnetisches Dämpfungssystem zum Begrenzen von Vibrationen von
Schaufelspitzen in Turbomaschinen beschrieben. Wenn Schaufelvibrationen
auftreten, werden Elektromagneten aktiviert. In den Schaufelspitzen
induzierte Wirbelströme dämpfen die Schaufelvibrationen.
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Eine
Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, verbesserte Verfahren
und Vorrichtungen sowie eine Steuerung und ein Computer-Programm
zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen Struktur
zu schaffen.
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Diese
Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen
Ansprüche gelöst.
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Weiterbildungen
sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
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Verschiedene
Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung beruhen auf
der Erkenntnis, dass die oben beschriebenen herkömmlichen
Verfahren und Vorrichtungen nicht die Anregung von Schwingungen
mindern, sondern erst bereits angeregte Schwingungen dämpfen,
und auf der Idee, statt wie bisher bereits angeregte Schwingungen
zu dämpfen nun schon der Anregung entgegenzuwirken. Bei
den eingangs beschriebenen herkömmlichen Verfahren und
Vorrichtungen ruft erst eine Bewegung einer Schaufel oder eines
Blatts Wirbelströme hervor, die der Bewegung entgegen gerichtete
Kräfte erzeugen. Im Gegensatz dazu wird vorliegend eine
Gegenkraft zu einer eine Schwingung anregenden Anregungskraft erzeugt.
Die Gegenkraft ist der Anregungskraft zumindest überwiegend
entgegen gerichtet, um sie zumindest teilweise zu kompensieren.
Damit wird bereits die Anregung einer Schwingung gemindert.
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Die
Wirkung unvermeidbarer instationärer, insbesondere aerodynamischer
Anregungskräfte bzw. Anregungsfelder auf die schwingfähige
Struktur, insbesondere auf die Schaufel oder das Blatt, wird also
verändert. Diese Veränderung der Wirkung erfolgt
durch Verstimmen (englisch: mistuning), insbesondere der Amplitude
der Anregungskraft, insbesondere durch zumindest teilweise Kompensation der
Anregungskraft durch eine Gegenkraft, die der Anregungskraft überwiegend
entgegen gerichtet ist.
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Bei
einem Verfahren zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden
kann, wird zunächst zumindest entweder eine Ortsabhängigkeit
oder eine Zeitabhängigkeit einer Anregungskraft, die auf
die Struktur einwirkt und eine Schwingung der Struktur anregen kann,
bestimmt. Eine Gegenkraft wird derart erzeugt, dass die Gegenkraft
der Anregungskraft überwiegend entgegen gerichtet ist und
damit die Anregungskraft insbesondere zumindest teilweise kompensiert,
um die Anregung einer Schwingung zu mindern.
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Dabei
kann eine Auslenkung der schwingfähigen Struktur erfasst
und die Gegenkraft abhängig von der erfassten Auslenkung
erzeugt werden. So kann beispielsweise bei geringen Auslenkungen
auf das Erzeugen einer Gegenkraft verzichtet werden, um die dazu
erforderliche Leistung einzusparen. Der Schritt des Bestimmens kann
ein empirisches Erfassen oder ein numerisches Simulieren der Anregungskraft
umfassen.
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Insbesondere
ist das Verfahren auf Statorschaufeln, Statorscheiben, Statorstufen,
Rotorschaufeln, Rotorscheiben, Rotorstufen oder andere schwingfähige
Strukturen, die für eine Rotation um eine Achse ausgebildet
sind, anwendbar. Die Ortsabhängigkeit der Anregungskraft
ist in diesem Fall insbesondere eine Winkelabhängigkeit.
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Bei
rotierenden schwingfähigen Strukturen können zumindest
entweder eine Drehzahl oder eine Winkelposition der Struktur erfasst
werden und Daten über zumindest entweder die Winkelabhängigkeit oder
die Zeitabhängigkeit der Anregungskraft oder einer zur
zumindest teilweisen Kompensation der Anregungskraft erforderlichen
Gegenkraft bei der erfassten Drehzahl oder Winkelposition aus einem
Datenspeicher ausgelesen werden. Die Gegenkraft kann durch ein Magnetfeld
hervorgerufen werden, das mittels eines Permanent- oder Elektromagneten erzeugt
wird. Die Wirkung des Magnetfelds kann beispielsweise auf magnetostatischer
Anziehung oder Abstoßung und/oder auf der Wechselwirkung
mit induzierten Wirbelstromfeldern beruhen. Im letztgenannten Fall
liegt eine neue Form der Wirbelstromdämpfung vor.
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Eine
Vorrichtung zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden kann,
umfasst eine Wirkeinrichtung zum Erzeugen einer Gegenkraft derart,
dass die Gegenkraft der Anregungskraft überwiegend entgegen
gerichtet ist und die Anregungskraft insbesondere zumindest teilweise
kompensiert, um die Anregung einer Schwingung zu mindern.
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Die
Wirkeinrichtung kann entweder an der schwingfähigen Struktur
oder beispielsweise dieser gegenüber liegend angeordnet
sein. Alternativ kann die Wirkeinrichtung mehrere Teile umfassen,
von denen einer an der schwingfähigen Struktur und einer beispielsweise
gegenüber der schwingfähigen Struktur angeordnet
sein kann. Die Wirkeinrichtung umfasst beispielsweise einen Magneten
zum Erzeugen eines Magnetfelds, eine Einrichtungen zum Erzeugen
elektrostatischer Anziehung oder Abstoßung oder eine Einrichtung
zum Erzeugen von fluiddynamischen Kräften.
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Ferner
kann die Vorrichtung einen Sensor zum Erfassen zumindest entweder
einer Auslenkung oder einer Schwingungsamplitude oder einer Drehzahl
oder einer Winkelgeschwindigkeit oder einer Winkelposition oder
einer Geschwindigkeit oder eines Orts der schwingfähigen
Struktur oder einer Temperatur oder eines Drucks oder einer Dichte
eines Fluids umfassen. Die Vorrichtung kann ferner einen Datenspeicher
zum Speichern zumindest entweder einer Ortsabhängigkeit
oder einer Zeitabhängigkeit der Anregungskraft oder der
zur zumindest teilweisen Kompensation der Anregungskraft erforderlichen Gegenkraft
umfassen. Ferner kann die Vorrichtung eine Steuerung zum Auslesen
von Daten aus dem Datenspeicher in Abhängigkeit von zumindest
entweder einer Drehzahl oder einer Winkelgeschwindigkeit oder einer
Geschwindigkeit oder einer Winkelposition oder einem Ort der Struktur
oder einer Temperatur oder einem Druck oder einer Dichte eines Fluids
und zum Steuern der Wirkeinrichtung in Abhängigkeit von aus
dem Datenspeicher ausgelesenen Daten umfassen.
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Einige
Ausführungsformen können auch so charakterisiert
werden, dass eine Schwingung einer schwingfähigen Struktur,
die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden kann,
gemindert wird, indem die schwingfähige Struktur gleichzeitig
zur Anregung durch die Anregungskraft gegenphasig angeregt wird,
wobei die Anregung durch die Anregungskraft durch die gegenphasige
Anregung zumindest teilweise kompensiert wird. Nochmals anders ausgedrückt
wird eine gegebene erste Anregung mit einer bestimmten ersten Phase
durch eine zusätzliche zweite Anregung mit einer entgegengesetzten
zweiten Phase (Phasendifferenz zwischen der ersten Phase und der
zweiten Phase gleich 180° bzw. Pi) zumindest teilweise
kompensiert. Die effektive bzw. verbleibende Anregung ist dadurch
gemindert. Es resultieren reduzierte Auslenkungen, Amplituden und
Belastungen für die schwingfähige Struktur.
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Bei
einem weiteren Verfahren zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden
kann, wird eine Kraft mit einer stochastischen oder quasi-stochastischen
oder pulsartigen Orts- oder Zeitabhängigkeit erzeugt, um
die Anregung einer Schwingung zu mindern.
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Eine
weitere Vorrichtung zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden
kann, umfasst eine Einrichtung zum Erzeugen einer Kraft mit einer
stochastischen oder quasi-stochastischen oder pulsartigen Orts-
oder Zeitabhängigkeit, um die Anregung einer Schwingung
zu mindern.
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Bei
dem zuletzt genannten Verfahren und bei der zuletzt genannten Vorrichtung
ist die Kraft insbesondere weniger von der Geschwindigkeit als vom Ort
bzw. dem Verformungszustand der Struktur abhängig und unterscheidet
sich damit von Dämpfungskräften, die vor Allem
von der Geschwindigkeit der Bewegung oder Verformung einer schwingfähigen Struktur
abhängen.
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Die
erwähnte Kraft mit einer stochastischen oder quasi-stochastischen
oder pulsartigen Orts- oder Zeitabhängigkeit kann ebenso
wie die weiter oben beschriebene, der Anregungskraft überwiegend
entgegengerichtete Gegenkraft durch eines oder mehrere statische
oder zeitlich variierende elektrische, magnetische oder elektromagnetische
Felder erzeugt werden. Die Kraftwirkung des oder der elektrischen,
magnetischen oder elektromagnetischen Felder beruht beispielsweise
auf elektrostatischer oder magnetostatischer Anziehung oder Abstoßung und/oder
auf der Wechselwirkung mit induzierten Wirbelstromfeldern.
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Die
erwähnte Kraft mit einer stochastischen oder quasi-stochastischen
oder pulsartigen Orts- oder Zeitabhängigkeit kann einen
axialen Anteil (parallel zur Triebwerksachse) und/oder einen tangentialen
Anteil (in Richtung des Umfangs) aufweisen. Die oben beschriebene,
der Anregungskraft überwiegend entgegengerichtete Gegenkraft,
eine Kraft mit stochastischer oder quasi-stochastischer Orts- oder Zeitabhängigkeit
und/oder eine Kraft mit pulsartiger Orts- oder Zeitabhängigkeit
können einzeln oder in beliebiger Kombination verwendet
werden.
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Die
oben beschriebenen Vorrichtungen können insbesondere zur
Ausführung von einem der oben beschriebenen Verfahren ausgebildet
sein. Die oben beschriebenen Verfahren können insbesondere mit
einer der oben beschriebenen Vorrichtungen ausgeführt werden.
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Eine
Steuerung zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden kann,
umfasst einen Steuerausgang zum Steuern einer Wirkeinrichtung zum
Erzeugen einer Gegenkraft derart, dass die Gegenkraft der Anregungskraft überwiegend
entgegen gerichtet ist, die Anregungskraft insbesondere zumindest
teilweise kompensiert, um die Anregung einer Schwingung zu mindern.
Die Steuerung ist beispielsweise in ein Turbinensteuergerät
(engl.: engine control unit) integriert oder mit diesem identisch.
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Ein
Computer-Programm zum Mindern einer Schwingung einer schwingfähigen
Struktur, die durch eine Anregungskraft zum Schwingen angeregt werden
kann, umfasst Programmcode zur Durchführung oder Steuerung
von einem der oben beschriebenen Verfahren, wenn das Computer-Programm
auf einem Computer oder einem Prozessor ablauft.
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Die
vorliegende Erfindung ist insbesondere für Axialverdichter,
Turbinen, Gasturbinen-Triebwerke für Luftfahrzeuge und
andere mobile oder stationäre Anwendungen geeignet. Schwingungen
sowohl an gebauten als auch an integral beschaufelten Rotor- oder
Statorscheiben mit Deckband oder in deckbandloser Ausführung
sowie an entsprechenden Rotor- oder Statorstufen können
gemindert werden. Die Erfindung ist beispielsweise für
Schaufeln oder Blätter aus nicht magnetischen oder magnetischen
Werkstoffen geeignet.
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Darüber
hinaus ist die vorliegende Erfindung aber auch auf viele andere
schwingfähige Strukturen anwendbar, auf die aufgrund einer
Rotation ihrer selbst oder eines anderen Bauteils oder aufgrund
einer linearen Bewegung oder aus anderen Gründen eine Kraft
wirkt, die eine Schwingung anregen kann. Eine schwingfähige
Struktur kann ein einziges einstückig hergestelltes oder
aus mehreren Teilen zusammengesetztes Bauteil oder eine Gruppe von
miteinander gekoppelten Bauteilen umfassen. Mit einer Schwingung
wird insbesondere eine periodisch oder näherungsweise periodisch
oszillierende elastische Verformung der Struktur oder eines Teils
der Struktur oder eine periodische oder näherungsweise
periodische Bewegung der Struktur aufgrund einer elastischen mechanischen
oder anderen Aufhängung bezeichnet.
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Eine
konstante Kraft oder ein konstanter Anteil einer variierenden Kraft
ist in vielen Fällen nicht zur Anregung einer Schwingung
geeignet. Daher wird mit einer Anregungskraft bzw. einer eine Schwingung
anregenden Kraft insbesondere eine zeitlich oder örtlich
variierende Kraft oder ein zeitlich oder örtlich variierender
Anteil einer Kraft bezeichnet. Im zeitlichen oder örtlichen
Mittel kann die Anregungskraft somit Null sein. Der Begriff „Kraft” umfasst auch
ein Kraftfeld und eine Mehrzahl von Kräften. Mehrere Kräfte
können an unterschiedlichen Orten angreifen und so ein
Drehmomente oder ein höheres Moment erzeugen. Mit einer
Kraft wird darüber hinaus auch ein Drehmoment oder ein
höheres Moment bezeichnet, das von einer Wirkeinrichtung
auf die schwingfähige Struktur ausgeübt wird,
unabhängig davon, ob dieses Moment durch mehrere an verschiedenen
Orten angreifende Kräfte erzeugt wird.
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Einige
Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung haben den
Vorteil, dass nicht erst bereits angeregte Schwingungen gedämpft,
sondern schon die Anregung von Schwingungen gemindert werden kann.
Während bei eingangs beschriebenen herkömmlichen
Verfahren die Dämpfung um so größer ist,
je größer die Amplitude der Auslenkung und die Amplitude
der Geschwindigkeit sind, sind Ausführungsformen der vorliegenden
Erfindung geeignet, bereits kleine Auslenkungen bzw. kleine Schwingungen
zu unterdrücken.
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Kurzbeschreibung der Figuren
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Nachfolgend
werden Ausführungsformen anhand der beigefügten
Figuren näher erläutert. Es zeigen:
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1 eine
schematische Darstellung eines Schaufelblatts;
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2 eine
schematische Darstellung einer Verformung des Schaufelblatts aus 1 bei
einer ersten Schwingungsmode;
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3 eine
schematische Darstellung einer Verformung des Schaufelblatts aus 1 bei
einer zweiten Schwingungsmode;
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4 eine
schematische Darstellung einer Verformung des Schaufelblatts aus 1 bei
einer dritten Schwingungsmode;
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5 eine
schematische Darstellung einer Vorrichtung zum Mindern einer Schwingung;
und
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6 ein
schematisches Flussdiagramm eines Verfahrens zum Mindern einer Schwingung.
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Beschreibung der Ausführungsformen
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Die 1 bis 4 zeigen
jeweils eine schematische Darstellung eines Schaufelblatts 10 bzw.
eines Blatts einer Turbinenschaufel. Das Blatt 10 kann
Bestandteil einer Laufschaufel oder einer Rotorscheibe oder einer
Rotorstufe oder einer Leitschaufel oder einer Statorscheibe oder
einer Statorstufe sein. Das dargestellte Blatt 10 weist
kein Deckband auf. Die nachfolgenden Ausführungsformen sind
jedoch auch bei einer Laufschaufel mit Deckband anwendbar.
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Das
Blatt 10 weist ein festes Ende bzw. befestigtes Ende 12 und
ein freies Ende 14 auf. Am befestigten Ende 12 geht
das Blatt 10 beispielsweise über eine Plattform
in einen Schaufelfuß über. Plattform, Schaufelfuß,
Scheibenhöcker, Scheibensegment und andere Bestandteile
der Schaufel oder der Turbinenscheibe oder der Turbinenstufe sind
in den 1 bis 4 nicht dargestellt. Das Blatt 10 weist ferner
eine Anströmkante 16 und eine Abströmkante 18 auf.
Ferner ist in 1 ein Magnet 20 am
freien Ende 14 nahe der Abströmkante 18 des
Blatts 10 dargestellt, der später beschrieben
wird.
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Die 2 bis 4 zeigen
schematische Darstellungen von Momentaufnahmen des Blatts 10 in
verschiedenen Schwingungsmoden. Die Gestalt des unverformten Blatts
ist jeweils durch eine Kontur 29 angedeutet. Die Darstellungen
gehen auf numerische Simulationen mit einem vollständigen
dreidimensionalen Schaufelmodell, das neben dem Blatt 10 auch
einen Schaufelfuß, einen Scheibenhöcker und ein
Scheibensegment umfasst, zurück. Entsprechend ist auch
am befestigten Ende 12 des Blatts 10 jeweils eine
leichte Verformung erkennbar. Da die in den Figuren nicht dargestellten
Bestandteile, insbesondere der Schaufelfuß, der Scheibenhöcker
und das Scheibensegment eine größere Steifigkeit
aufweisen als das Blatt 10, sind die Verformungen des Blatts 10 am
befestigten Ende 12 deutlich geringer als am freien Ende 14.
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Die
dargestellten Schwingungseigenmoden sind drei verschiedene fundamentale
Schwingungsformen. 2 zeigt eine Momentaufnahme
der ersten Biegeschwingung, 3 eine Momentaufnahme der
ersten Torsionsschwingung, und 4 eine Momentaufnahme
der ersten Sehnenschwingung. Die Verformungen sind zur Verdeutlichung
jeweils übertrieben dargestellt.
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Die
zur Erfüllung der strukturmechanischen Integritätsanforderungen
erforderliche schwingungsmechanische Abstimmung einer Schaufel,
insbesondere eines Blatts 10 im Betriebsbereich (Drehzahl, Temperatur,
Druck etc.) der Turbomaschine, deren Bestandteil das Blatt 10 ist,
erfolgt in der Regel als interdisziplinärer iterativer
Prozess. In diesen gehen ein die Aerodynamik, die Strukturmechanik,
die Konstruktion und eine experimentelle Validierung.
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Das
Anregen von Resonanzen bzw. Resonanzfrequenzen und den zugehörigen
Schwingungseigenmoden kann starke Schwingungsamplituden, entsprechend
starke strukturelle Belastungen und in der Folge eine Beschädigung
oder Zerstörung des Blatts 10 oder der gesamten
Schaufel bewirken. Nach Möglichkeit werden die Schaufel
und insbesondere das Blatt 10 deshalb so konstruiert, dass
Resonanzfrequenzen zumindest der fundamentalen Schwingungseigenmoden
außerhalb des Betriebsbereichs liegen bzw. durch im Betriebsbereich
auftretende oszillierende Kräfte nicht angeregt werden.
Ist dies nicht möglich, werden herkömmlich Dämpfungssysteme
verwendet. Diese beruhen auf mechanischer Reibung, der Erzeugung
von Wirbelströmen oder von Magnetfeldern durch inverse
Magnetostriktion, denen in magnetostriktiven Materialien oder durch
Wirbelströme Energie entzogen wird.
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Wie
bereits eingangs erwähnt, wird vorliegend die Wirkung unvermeidlicher
instationärer, insbesondere aerodynamischer Anregungskräfte
bzw. Anregungsfelder auf die schwingfähige Struktur, insbesondere
auf das Blatt 10 verändert. Diese Veränderung
der Wirkung erfolgt durch Verstimmen (englisch: mistuning), insbesondere
der Amplitude der Anregungskraft, insbesondere durch zumindest teilweise
Kompensation der Anregungskraft durch eine Gegenkraft, die der Anregungskraft überwiegend entgegen
gerichtet ist.
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Die
Ortsabhängigkeit und die Zeitabhängigkeit der
auf das Blatt 10 wirkenden Anregungskräfte aerodynamischer
Natur können mittels einer numerischen Simulation bestimmt
oder auch empirisch erfasst werden. Ferner können zur Anregung
von Schwingungseigenmoden erforderliche oder geeignete Kräfte
und deren Orts- und Zeitabhängigkeit bestimmt werden, wiederum
empirisch oder aus numerischer Simulation.
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Die
Anregung einer Schwingungsmode erfolgt am effizientesten mit einer
Kraft, die an einem Ort maximaler Auslenkung angreift. In den 2 bis 4 ist
erkennbar, dass dies für die erste Biegeschwingung ein
Ort am freien Ende 14 des Blatts 10, beispielsweise
in der Mitte des freien Endes 14, und für die
erste Torsionsschwingung ein Ort am freien Ende 14 nahe
der Abströmkante 18 und/oder nahe der Anströmkante 16 ist.
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In
der oben bereits beschriebenen 1 ist ein
Magnet 20 am freien Ende 14 nahe der Abströmkante 18 des
Blatts 10 dargestellt. Wenn der Magnet 20 einem
magnetischen Wechselfeld geeigneter Richtung ausgesetzt ist und
das magnetische Wechselfeld mit einer Frequenz oszilliert, die der
Resonanzfrequenz bzw. Eigenfrequenz an der ersten Torsionsschwingung
entspricht, kann diese Eigenschwingungsmode durch das magnetische
Wechselfeld angeregt werden. Wenn die Frequenzen, mit der das magnetische
Wechselfeld oszilliert, der Resonanzfrequenz bzw. Eigenfrequenz
der ersten Biegeschwingung entspricht, kann über den Magneten 20 diese
Schwingungseigenmode angeregt werden. Wenn die Frequenz, mit der
das magnetische Wechselfeld oszilliert, der Resonanzfrequenz bzw.
Eigenfrequenz der ersten Sehnenschwingung entspricht, kann diese
Schwingungseigenmode angeregt werden.
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Wenn
die Eigenfrequenzen zu verschiedenen Schwingungseigenmoden gleich
oder ähnlich sind, können jedoch mit einem magnetischen
Wechselfeld entsprechender Frequenz über den Magneten 20 mehrere
Schwingungseigenmoden gleichzeitig angeregt werden. Dies ist beispielsweise
vermeidbar, indem ein zweiter Magnet am freien Ende 14 nahe der
Anströmkante 16 oder in der Mitte des freien Endes 14 angeordnet
wird, oder indem ein zweiter und ein dritter Magnet in der Mitte
bzw. nahe der Anströmkante 16 am freien Ende 14 des
Blatts 10 angeordnet wird. Durch die Orientierung dieser
zwei oder drei Magneten und die Richtung des magnetischen Wechselfelds
an den Orten der Magneten können über die Magnete
gleichzeitig Kräfte mit unterschiedlicher Richtung auf
das freie Ende 14 des Blatts 10 ausgeübt
werden.
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Wenn
die durch das magnetische Wechselfeld über die Magneten
auf das freie Ende 14 ausgeübten Kräfte
an der Anströmkante 16, an der Abströmkante 18 und
in der Mitte dazwischen die gleiche Richtung haben, wird die erste
Biegeschwingung angeregt. Wenn die von dem magnetischen Wechselfeld über
die Magneten auf das freie Ende 14 des Blatts 10 ausgeübten
Kräfte jeweils an der Anströmkante 16 und
an der Abströmkante 18 entgegengesetzte Richtungen
aufweisen, wird die erste Torsionsschwingung angeregt. Wenn die
vom magnetischen Wechselfeld über die Magneten auf das
freie Ende 14 des Blatts 10 ausgeübten
Kräfte jeweils an der Anströmkante 16 und
der Abströmkante 18 die gleiche und in der Mitte
dazwischen eine entgegengesetzte Richtung aufweisen, wird die erste
Sehnenschwingung angeregt. Durch andere Orientierungen der Magneten
und/oder des magnetischen Wechselfelds an den Orten der Magneten
und durch eine größere Anzahl von Magneten können
weitere, in den 2 bis 4 nicht
dargestellte Schwingungseigenmoden angeregt werden.
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Das
magnetische Wechselfeld kann durch eine Magnetspule erzeugt werden,
in der ein entsprechender Wechselstrom fließt. Alternativ
kann das magnetische Wechselfeld durch Permanentmagneten oder von
Gleichstrom durchflossene Magnetspulen erzeugt werden, die nahe
dem Umfang des Kreises angeordnet sind, der von dem rotierenden
Blatt 10 überstrichenen wird. Wenn das Blatt 10 Teil
einer Statorschaufel bzw. einer Statorscheibe, an deren inneren
Umfang das freie Ende 14 des Blatts 10 angeordnet
ist, oder einer entsprechenden Statorstufe ist, kann das magnetische
Wechselfeld, dem der Magnet 20 ausgesetzt ist, durch Permanentmagneten
oder von Gleichstrom durchflossene Magnetspulen erzeugt werden,
die mit einem Rotor rotieren.
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Gemäß der
vorliegenden Erfindung sind der Magnet 20 und ggf. weitere
Magnete am Blatt 10 sowie das magnetische Wechselfeld so
angeordnet und orientiert, dass die oben beschriebene Anregung der Eigenschwingungsmoden
gegenphasig zu einer Anregung durch die bereits eingangs beschriebenen aerodynamischen
Anregungskräfte erfolgt. Die Anregung durch die aerodynamischen
Anregungskräfte und die Anregung über das Magnetfeld
und den oder die Magneten 20 am Blatt 10 kompensieren
einander zumindest teilweise, so dass die Schwingungsmoden insgesamt
schwacher oder wesentlich schwächer oder sogar überhaupt
nicht angeregt werden. Eine gegenphasige Anregung bedeutet dabei
eine Phasendifferenz zwischen den aerodynamischen Anregungskräften
und der beschriebenen magnetischen Anregung von 180° bzw. π (Pi). Über
das Magnetfeld und den Magneten 20 wird somit eine Gegenkraft
erzeugt, die der aerodynamischen Anregungskraft entgegen gerichtet
ist, um sie zumindest teilweise zu kompensieren und somit die Anregung
zumindest zu mindern.
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5 zeigt
eine schematische Darstellung einer beschaufelten Rotorscheibe 30 mit
einem Zentralelement 32, an dem eine Mehrzahl von Blättern 10,
wie sie oben anhand der 1 bis 5 beschrieben
wurden, angeordnet ist. Die beschaufelte Rotorscheibe 30 kann
um eine Achse 34 rotieren.
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Ein
Sensor 40 ist beispielsweise zum Erfassen der Drehzahl
bzw. gleichbedeutend der Winkelgeschwindigkeit und/oder der Winkelposition
ausgebildet. Dazu ist er beispielsweise mit einer in 6 nicht
dargestellten Welle verbunden oder optisch oder magnetisch mit der
beschaufelten Rotorscheibe 30 gekoppelt.
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Am
Umfang der beschaufelten Rotorscheibe 30 nahe den freien
Enden 14 der Blätter 10 sind Wirkeinrichtungen 60 angeordnet,
insbesondere Permanentmagneten oder Elektromagneten. Anzahl und Anordnung
der Wirkeinrichtungen 60 entsprechen insbesondere Anzahl
und Anordnung von stromaufwärts oder auch stromabwärts
benachbarten Statorschaufeln. Im Sinne einer übersichtlichen
Darstellung ist nur eine Wirkeinrichtung 60 mit einem Bezugszeichen
versehen.
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Eine
Steuerung 80 umfasst einen Datenspeicher 82, einen
Sensoreingang 84, einen Steuerausgang 86 und einen
Prozessor 88. Der Sensoreingang 84 der Steuerung 80 ist
mit dem Sensor 40 gekoppelt. Der Steuerausgang 86 der Steuerung 80 ist
mit den Wirkeinrichtungen 60 gekoppelt. Im Sinne einer übersichtlichen
Darstellung ist dabei nur die Kopplung einer Wirkeinrichtung 60 mit
dem Steuerausgang 86 dargestellt. Der Sensor 40,
die Wirkeinrichtungen 60 und die Steuerung 80 bilden
zusammen eine Vorrichtung zum Mindern von Schwingungen der integral
beschaufelten Rotorscheibe 30 und insbesondere von Blättern 10 der
beschaufelten Rotorscheibe 30. Da die beschaufelte Rotorscheibe 30 Bestandteil
dieser Vorrichtung sein kann aber nicht sein muss, ist sie in unterbrochenen
Linien dargestellt. Die Steuerung 80 ist beispielsweise
in ein Turbinensteuergerät (engl.: engine control unit)
integriert oder mit diesem identisch.
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Wenn
die beschaufelte Rotorscheibe 30 rotiert, erfasst die Steuerung 80 über
den Sensor 40 die Drehzahl bzw. Winkelgeschwindigkeit und/oder
die Winkelposition der beschaufelten Rotorscheibe 30. Abhängig
von den über den Sensor erfassten Parametern steuert die
Ansteuerung 80 die Wirkeinrichtungen 60. Beispielsweise
aktiviert die Steuerung 80 die Wirkeinrichtungen 60 nur
in einem oder mehreren Drehzahlbereichen, in denen anderenfalls
durch die eingangs beschriebenen Anregungskräfte Resonanzen
der Blätter 10 angeregt würden, beispielsweise die
oben anhand der 2 bis 4 dargestellten Schwingungseigenmoden.
Zur Berücksichtigung des Einflusses von Rotorscheiben,
die mit anderen Drehzahlen rotieren, kann die Steuerung 80 die
von den Wirkeinrichtungen 60 auf die freien Enden 14 der Blätter 10 der
integral beschaufelten Rotorscheibe 30 ausgeübten
Kräfte entsprechend modulieren. Drehzahlbereiche oder andere
Betriebsparameter, von denen abhängig die Wirkeinrichtungen 60 zu
steuern sind, und Parameter zur Steuerung der Wirkeinrichtungen 60 können
im Speicher 82 der Steuerung 80 abgelegt sein.
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Die
Steuerung 80 und der Sensor 40 können entfallen,
wenn die Wirkeinrichtungen 60 Permanentmagneten oder andere
Einrichtungen sind, die einer Steuerung nicht bedürfen.
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Anstelle
der beschriebenen Anordnung der Wirkeinrichtungen 60 entsprechend
der Anordnung von stromaufwärts und/oder stromabwärts
benachbarten Leitschaufeln oder anderen den Gasstrom beeinflussenden
Einrichtungen können die Wirkeinrichtungen 60 auch
stochastisch bzw. quasi-stochastisch oder deterministisch angeordnet
sein. In diesem Fall üben die Wirkeinrichtungen 60 auf
die freien Enden 14 der Blätter 10 der
integral beschaufelten Rotorscheibe 30 Kräfte
aus und regen die Blätter 10 in einer Weise an,
dass durch die eingangs dargestellten Anregungskräfte erzeugte
Anregungen gestört und somit gemindert werden. Dies ist
beispielsweise möglich, wenn über eine nicht-lineare
Elastizität der integral beschaufelten Rotorscheibe 30 oder
deren Blätter 10 eine Wechselwirkung, insbesondere
ein Energieaustausch zwischen Schwingungsmoden erfolgt.
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Wenn
die Wirkeinrichtungen direkt mit den Blättern 10 Wechselwirken,
müssen die Blätter 10 keine Magneten 20 aufweisen.
Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Blätter 10 paramagnetisch
oder ferromagnetisch sind oder die Gegenkräfte durch Wirbelströme
in den Blättern 10 erzeugt werden, die durch die
Wirkeinrichtungen 60 hervor gerufen werden. Die Wirkeinrichtungen 60 können
anstelle von Permanentmagneten oder Elektromagneten auch andere
Einrichtungen enthalten, die beispielsweise elektrostatisch oder
fluiddynamisch mit den Blättern 10, insbesondere
deren freien Enden 14 Wechselwirken.
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Eine
der 5 entsprechende Anordnung ist auch für
eine Statorscheibe möglich, bei der befestigte Enden von
Blättern außen und freie Enden an einem inneren
Umfang der Statorscheibe angeordnet sind. In diesem Fall sind die
Wirkeinrichtungen 60 beispielsweise an einer benachbarten
Rotorscheibe oder einer Trommel nahe den freien Enden der Blätter
angeordnet, um mit den Rotorblättern zu rotieren, welche
die eingangs beschriebenen oszillierenden Kräfte auf die
Statorblätter hervorrufen. Ferner ist eine der 5 entsprechende
Anordnung auch für eine Statorstufe oder eine Rotorstufe
möglich. Aber auch Anwendungen für andere rotierende,
linear bewegte oder ruhende Strukturen, die oszillierenden Anregungskräften
ausgesetzt sind, sind möglich.
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Anders
als anhand der 5 dargestellt können
die Wirkeinrichtungen auch an den Blättern 10 angeordnet
sein oder Teile, die an den Blätter 10 angeordnet
sind, und Teile, die beispielsweise den Blättern 10 gegenüber
angeordnet sind, aufweisen. Insbesondere können Magnetspulen
oder Permanentmagneten an den Blättern 10 und/oder
diesen gegenüber an einem Gehäuse oder anderen
in 5 nicht dargestellten Einrichtungen angeordnet
sein.
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Anstelle
einer regelmäßigen Anordnung der Wirkeinrichtungen 60,
wie sie in 5 angedeutet ist, können
die Wirkeinrichtungen 60 auch stochastisch oder quasi-stochastisch
angeordnet sein, um eine Kraft mit einer stochastischen oder quasi-stochastischen
Ortsabhängigkeit zu erzeugen. Wenn die Wirkeinrichtungen 60 Elektromagneten
oder andere Wirkeinrichtungen mit einer zeitabhängig steuerbaren
Kraftwirkung sind, können sie bei regelmäßiger
oder stochastischer oder quasi-stochastischer Anordnung so durch
die Steuerung 80 gesteuert werden, dass jede einzelne der
Wirkeinrichtungen 60 eine Kraft mit stochastischer oder
quasi-stochastischer oder pulsartiger Zeitabhängigkeit
erzeugt. Im Fall von Elektromagneten werden diese von Strömen mit
einer entsprechenden stochastischen oder quasi-stochastischen oder
pulsartigen Zeitabhängigkeit durchflossen.
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Die
Kraft mit der stochastischen oder quasi-stochastischen und/oder
pulsartigen Zeit- und/oder Ortsabhängigkeit stört
den Aufbau von Schwingungen der schwingfähigen Struktur
und mindert somit die Schwingung der schwingfähigen Struktur
bzw. die Amplitude dieser Schwingung.
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Sowohl
die Gegenkraft als auch die Kraft mit stochastischer oder quasi-stochastischer
oder pulsartiger Zeit- und/oder Ortsabhängigkeit können
jeweils Anteile bzw. Komponenten in axialer Richtung bzw. parallel
zur Achse 34 und Anteile bzw. Komponenten in umfänglicher
Richtung bzw. Richtung senkrecht zur Achse 34 aufweisen.
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6 zeigt
ein schematisches Flussdiagramm eines Verfahrens zum Mindern einer
Schwingung einer schwingfähigen Struktur, die durch eine Anregungskraft
zum Schwingen angeregt werden kann. Obwohl dieses Verfahren auch
auf schwingfähige Strukturen anwendbar ist, die sich von
den oben anhand der 1 bis 4 dargestellten
Blättern unterscheiden und auch mit Vorrichtungen ausführbar
ist, die sich von der oben anhand der 5 dargestellten
Vorrichtung unterscheiden, werden nachfolgend Bezugszeichen aus
den 1 bis 5 verwendet, um das Verständnis
zu erleichtern.
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Bei
einem ersten Schritt 101 wird eine Anregungskraft, welche
die schwingfähige Struktur 10 zum Schwingen anregen
kann, empirisch erfasst oder durch numerische Simulation bestimmt.
Bei einem zweiten Schritt 102 werden Daten, welche die Zeit-,
Orts- oder Winkelabhängigkeit der im ersten Schritt 101 bestimmten
Anregungskraft in einem Datenspeicher 82 abgelegt. Alternativ
werden im zweiten Schritt 102 Daten im Datenspeicher abgelegt, welche
eine zur zumindest teilweisen Kompensation der Anregungskraft erforderliche
Gegenkraft, insbesondere deren Zeit-, Orts- oder Winkelabhängigkeit charakterisieren.
Der erste Schritt 101 und der zweite Schritt 102 können
vor dem Betrieb, insbesondere auch vor der ersten Inbetriebnahme
der schwingfähigen Struktur ausgeführt und beispielsweise
bei einer Wartung der schwingfähigen Struktur wiederholt
werden.
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Bei
einem dritten Schritt 103 wird ein Sensorsignal eines Sensors 40 und
mit ihm ein Betriebsparameter erfasst. Insbesondere werden eine
Drehzahl, eine Winkelposition, eine Winkelgeschwindigkeit, eine
Auslenkung, eine Schwingungsamplitude, eine Geschwindigkeit, eine
Temperatur oder ein Druck erfasst. Bei einem vierten Schritt 104 werden abhängig
von dem erfassten Betriebsparameter Daten aus dem Datenspeicher 82 gelesen.
Bei einem fünften Schritt 105 wird abhängig
von den beim vierten Schritt 104 aus dem Datenspeicher 82 gelesenen Daten
eine Gegenkraft erzeugt, beispielsweise durch Steuerung von Wirkeinrichtungen 60.
Der dritte Schritt 103, der vierte Schritt 104 und
der fünfte Schritt 105 werden beispielsweise kontinuierlich
ausgeführt oder periodisch wiederholt.
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Beispielsweise
werden beim fünften Schritt 105 die Wirkeinrichtungen
nur dann aktiviert, wenn ein kritischer Betriebszustand vorliegt,
bei dem eine Resonanz bzw. eine Schwingungseigenmode der schwingfähigen
Struktur angeregt werden kann.
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Ferner
können die Daten im Datenspeicher 82 dazu verwendet
werden, um beim fünften Schritt 105 Permanentmagneten
oder andere Wirkeinrichtungen, die nicht gesteuert werden können
oder müssen, so anzuordnen, dass die Gegenkräfte
erzeugt werden. In diesem Fall entfallen der dritte Schritt 103 und
der vierte Schritt 104.
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Bei
einem alternativen Verfahren zum Mindern einer Schwingung einer
schwingfähigen Struktur, die durch eine Anregungskraft
zum Schwingen angeregt werden kann, wird eine Kraft mit einer stochastischen
oder quasi-stochastischen oder pulsartigen Orts- und/oder Zeitabhängigkeit
erzeugt. Die Kraft wird beispielsweise durch stochastisch oder quasi-stochastisch
angeordnete Permanentmagneten erfolg, um eine stochastische bzw.
quasi-stochastische Ortsabhängigkeit der Kraft zu erzeugen. Alternativ
oder zusätzlich wird die Kraft beispielsweise durch einen
oder mehrere Elektromagneten erzeugt, die von einem oder mehreren
verschiedenen Strömen mit stochastischer oder quasi-stochastischer
Zeitabhängigkeit durchflossen werden.
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Anstelle
einer Kraft mit einer stochastischen oder quasi-stochastischen Orts-
und/oder Zeitabhängigkeit oder zusätzlich zu dieser
kann eine Kraft mit einer pulsartigen Orts- und/oder Zeitabhängigkeit
erzeugt werden. Dazu wird insbesondere eine entsprechende Anordnung
von Permanentmagneten oder eine Anordnung von einem oder mehreren
Elektromagneten verwendet, die von einem oder mehreren verschiedenen
Strömen mit entsprechender Zeitabhängigkeit durchflossen
werden.
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Die
Kraft mit der stochastischen oder quasi-stochastischen und/oder
pulsartigen Zeit- und/oder Ortsabhängigkeit stört
den Aufbau von Schwingungen der schwingfähigen Struktur
und mindert somit die Schwingung der schwingfähigen Struktur
bzw. die Amplitude dieser Schwingung.
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Das
oben anhand der 6 dargestellte Verfahren ist
mit dem beschriebenen Verfahren, bei dem eine Kraft mit stochastischer
oder quasi-stochastischer Zeitabhängigkeit und/oder Ortsabhängigkeit auf
die schwingfähige Struktur wirkt, kombinierbar. Die Gegenkraft
und die Kraft mit der stochastischen oder quasi-stochastischen oder
pulsförmigen Zeit- oder Ortsabhängigkeit können
gleichzeitig oder abwechselnd von den selben Wirkeinrichtungen oder von
verschiedenen Gruppen von Wirkeinrichtungen erzeugt werden.
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Bei
einer Variante des beschriebenen Verfahrens wird der Betriebspunkt
eines Turbokompressors oder Axialverdichters überwacht.
Kurz bevor ein instabiler Betriebspunkt erreicht wird, bei dem Pumpen
auftreten kann, wird eine schwingfähige Struktur zum Schwingen
angeregt. Dadurch wird der Pumpstoß als Anregung gestört.
Beispielsweise wird der Pumpstoß bereits etwas außerhalb
des instabilen Bereichs oder an der Grenze des instabilen Bereichs hervorgerufen.
Der Pumpstoß fällt damit kleiner und weniger heftig
aus. Folglich sinkt das Risiko einer Schädigung des Turbokompressors
oder Axialverdichters.
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Die
vorliegende Erfindung ist als Verfahren oder als Computer-Programm
mit Programmcode zur Durchführung oder Steuerung eines
solchen Verfahrens, wenn das Computer-Programm auf einem Computer
oder einem Prozessor abläuft, implementierbar. Ferner ist
die Erfindung als Computer-Programm-Produkt mit auf einem maschinenlesbaren Träger
(beispielsweise einem ROM-, PROM-, EPROM-, EEPROM- oder Flash-Speicher,
einer CD-ROM, DVD, HD-DVD, Blue-Ray-DVD, Diskette oder Festplatte)
oder in Form von Firmware gespeichertem Programmcode zur Durchführung
von einem der genannten Verfahren, wenn das Computer-Programm-Produkt
auf einem Computer, Rechner oder Prozessor abläuft, implementierbar.
Ferner kann die vorliegende Erfindung als digitales Speichermedium
(beispielsweise ROM-, PROM-, EPROM-, EEPROM- oder Flash-Speicher,
CD-ROM, DVD, HD-DVD, Blue-Ray-DVD, Diskette oder Festplatte) mit
elektronisch auslesbaren Steuersignalen, die so mit einem programmierbaren
Computer- oder Prozessor-System zusammenwirken können,
dass eines der beschriebenen Verfahren ausgeführt wird, implementiert
werden.
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Ferner
kann die vorliegende Erfindung als Steuerung implementiert werden,
wobei die Steuerung ausgebildet ist, um eines der beschriebenen Verfahren
auszuführen. Die Steuerung kann ein Computer-Programm,
ein Computer-Programm-Produkt oder ein digitales Speichermedium
umfassen, wie sie im vorangehenden Absatz beschrieben wurden.
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Bezugszeichenliste
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- 10
- Blatt
- 12
- befestigtes
Ende des Blatts 10
- 14
- freies
Ende des Blatts 10
- 16
- Anströmkante
des Blatts 10
- 18
- Abströmkante
des Blatts 10
- 20
- Magnet
- 29
- Kontur
des unverformten Blatts 10
- 30
- beschaufelte
Rotorscheibe
- 32
- Zentralelement
der beschaufelten Rotorscheibe 30
- 34
- Achse
der beschaufelten Rotorscheibe 30
- 40
- Sensor
- 60
- Wirkeinrichtung
- 80
- Steuerung
- 82
- Datenspeicher
- 84
- Sensoreingang
- 86
- Steuerausgang
- 88
- Prozessor
- 101
- erster
Schritt
- 102
- zweiter
Schritt
- 103
- dritter
Schritt
- 104
- vierter
Schritt
- 105
- fünfter
Schritt
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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-
Zitierte Patentliteratur
-
- - US 4722668 [0005]
- - US 5490759 [0006]