DE10013682C2 - Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung eines Gesichtsfeldes eines Probanden - Google Patents
Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung eines Gesichtsfeldes eines ProbandenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Bestimmen eines Ge
sichtsfeldes eines Probanden, insbesondere ein Perimeter oder
ein Kampimeter, mit:
- a) einem Schirm, auf dem visuelle Stimuli entlang vorgegebe ner Meßvektoren führbar sind;
- b) Mitteln zum Speichern und zum Abrufen einer Mehrzahl ver schiedener Meßvektoren;
- c) einem Schalter zum Quittieren des Erkennens eines Stimulus durch den Probanden;
- d) Mitteln zum Bestimmen von Detektionszeitspannen zwischen dem Erkennen und dem Nicht-mehr-Erkennen eines Meß- Stimulus durch den Probanden und zum Ermitteln des Ge sichtsfeldes aus den Detektionszeitspannen mehrerer Meß- Stimuli; und
- e) Mitteln zum Erfassen einer Antwortlatenz des Probanden, nämlich einer Zeitspanne zwischen einem Auftauchen eines Stimulus auf dem Schirm und dem Quittieren des Probanden.
Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Bestimmen eines
Gesichtsfeldes eines Probanden, insbesondere mittels eines Pe
rimeters oder eines Kampimeters, mit den Schritten:
- a) Speichern und Abrufen einer Mehrzahl verschiedener Meß vektoren;
- b) Führen von visuellen Stimuli entlang vorgegebener Meß vektoren auf einem Schirm;
- c) Bestimmen von Detektionszeitspannen zwischen dem Erkennen und dem Nicht-mehr-Erkennen eines Meß-Stimulus durch den Probanden und Ermitteln des Gesichtsfeldes aus den Detek tionszeitspannen mehrerer Meß-Stimuli; und
- d) Erfassen einer Antwortlatenz des Probanden, nämlich einer Zeitspanne zwischen einem Auftauchen eines Stimulus auf dem Schirm und dem Quittieren des Probanden.
Eine derartige Vorrichtung und ein Verfahren der vorstehend ge
nannten Art sind aus der DE 196 21 960 bekannt.
Die vorgenannte Druckschrift beschreibt ein Perimeter zum Be
stimmen des Gesichtsfeldes eines Probanden. Das Perimeter um
faßt einen Bildschirm, auf dem visuelle Stimuli entlang vorge
gebener Vektoren führbar sind. Für den Probanden ist ein Schal
ter zum Quittieren des Erkennens und des Nicht-mehr-Erkennens
des Stimulus vorgesehen. Es können Stimuli entlang einer Viel
zahl von Vektoren mit unterschiedlichen Anfangs- und Endpunkten
und Geschwindigkeiten abgerufen werden, die im Umfang des Bild
schirms in weiten Bereichen frei wählbar sind. Die verschiede
nen Detektionszeitspannen werden gespeichert und zum Ermitteln
eines Gesichtsfeldes und darin eventuell vorhandener Skotome
umgesetzt. Um die Zuverlässigkeit der Mitarbeit des Probanden
zu testen, kann ein künstliches Skotom erzeugt werden, d. h. ein
Bereich, in dem die optischen Stimuli unterdrückt werden, wenn
dieser Bereich durchlaufen wird. Auf der Anzeigeeinheit er
scheint dann ein Abbild des künstlichen Skotoms. Sofern dies
der Fall ist, so ist dies ein deutliches Anzeichen dafür, daß
der Proband ernsthaft mitarbeitet. Erscheint das künstliche
Skotom an einer gegenüber der tatsächlichen Lage verschobenen
Position, so kann daraus eine Korrekturgröße abgeleitet werden,
um die nicht auf dem künstlichen Skotom beruhenden Meßwerte im
Hinblick auf die Reaktionszeit des Probanden zu korrigieren.
Es hat sich gezeigt, daß die bei der vorbekannten Vorrichtung
und dem vorbekannten Verfahren verwendete Überprüfung des Reak
tionszeitverhaltens des Probanden vielfach nicht ausreichend
ist, zumal es sich hierbei im wesentlichen um eine grundsätz
liche Kontrolle der Zuverlässigkeit der Meßergebnisse handelt,
ohne daß jedoch spezielle Maßnahmen getroffen sind, um eine sy
stematische Korrektur der erhaltenen Meßwerte bezüglich der
Antwortlatenz eines Probanden durchzuführen.
Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, eine Vorrich
tung und ein Verfahren der eingangs genannten Art dahingehend
weiterzubilden, daß unabhängig von der Antwortlatenz eines Pro
banden eine möglichst präzise Gesichtsfeldermittlung ein
schließlich einer präzisen Lageermittlung von darin eventuell
vorhandenen Skotomen gewährleistet ist.
Bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art wird diese
Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Mittel zum Er
fassen der Antwortlatenz umfassen:
- a) Mittel zum Speichern und zum Abrufen von Reaktionszeit- Meßvektoren, die in einen zuvor von dem Probanden erkann ten Ausschnitt des Gesichtsfeldes gelegt sind;
- b) Mittel zum Einsteuern von Test-Stimuli entlang der Reakti onszeit-Meßvektoren;
- c) Mittel zum Erfassen der Antwortlatenzen bezüglich der Test-Stimuli; und
- d) Mittel zum Korrigieren des aus den Meß-Stimuli ermittelten Gesichtsfeldes in ein unter Berücksichtigung der ermittel ten Antwortlatenzen korrigiertes Gesichtsfeld.
Bei einem Verfahren der eingangs genannten Art wird die genann
te Aufgabe erfindungsgemäß durch die folgenden weiteren Schrit
te gelöst:
- a) Speichern und Abrufen von Reaktionszeit-Meßvektoren;
- b) Legen der Reaktionszeit-Meßvektoren in einen zuvor von dem Probanden erkannten Ausschnitt des Gesichtsfeldes;
- c) Einsteuern von Test-Stimuli entlang der Reaktionszeit- Meßvektoren;
- d) Erfassen der Antwortlatenzen bezüglich der Test-Stimuli; und
- e) Korrigieren des aus den Meß-Stimuli ermittelten Gesichts feldes in ein unter Berücksichtigung der in Schritt h) er mittelten Antwortlatenzen korrigiertes Gesichtsfeld.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auf diese Wei
se vollkommen gelöst.
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung können nämlich nunmehr
selbst große Antwortlatenzen zuverlässig berücksichtigt werden,
indem diese jeweils in einen zuvor von dem Probanden erkannten
Ausschnitt eines Gesichtsfeldbereiches eingesteuert werden, so
daß den einzelnen Meßvektoren präzise eine Antwortlatenz zuge
ordnet werden kann.
Somit werden nunmehr auch bei Probanden mit fortgeschrittenen
Gesichtsfeldausfällen bzw. mit generell reduzierter Koordinati
onsfähigkeit präzise Gesichtsfeldmessungen möglich. Dabei kön
nen auch für ein untersuchtes Individuum tagesformabhängige
Schwankungen berücksichtigt werden, die in ganz besonderem Maße
auch dann auftreten, wenn der Proband mit Medikamenten behan
delt wird, die Einfluß auf die Antwortlatenz haben. Die vorge
nannten Umstände können nunmehr weitgehend meßtechnisch erfaßt
werden, so daß auch eine perimetrische Verlaufskontrolle über
einen längeren Untersuchungs- bzw. Behandlungszeitraum auf zu
verlässige Weise ermöglicht wird.
Bei einer bevorzugten Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vor
richtung sind die Reaktionszeit-Meßvektoren unabhängig von dem
Meßvektoren in verschiedenen Richtungen innerhalb des Gesichts
feldes einsteuerbar, ferner sind Mittel zum Berechnen einer
mittleren Antwortlatenz als Mittelwert aus den verschiedenen
Antwortlatenzen vorgesehen, und die mittlere Antwortlatenz wird
als Korrekturwert bei der Gesichtsfeldermittlung verwendet.
In entsprechender Weise wird das erfindungsgemäße Verfahren be
vorzugt dadurch weitergebildet, daß die Reaktionszeit-Meß
vektoren unabhängig von den Meßvektoren in verschiedenen Rich
tungen innerhalb des Gesichtsfeldes eingesteuert werden, daß
eine mittlere Antwortlatenz als Mittelwert aus den verschiede
nen Antwortlatenzen berechnet wird, und daß die mittlere Ant
wortlatenz als Korrekturwert bei der Gesichtsfeldermittlung
verwendet wird.
Dies hat den Vorteil, daß relativ wenige Messungen der Antwort
latenz in verschiedenen Richtungen ausreichend sind, um eine
mittlere Antwortlatenz für die betreffende Untersuchung zu er
mitteln, die als Korrekturwert berücksichtigt wird. Da eine pe
rimetrische Untersuchung ohnehin erhebliche Anforderungen an
die Konzentration des betreffenden Probanden stellt, wird auf
diese Weise die zusätzliche Verlängerung zur Untersuchung durch
die Ermittlung der Antwortlatenzen auf ein notwendiges Mindest
maß beschränkt.
Unter dem Begriff "mittlere Antwortlatenz" ist hierbei allge
mein ein Wert, der die mittlere Lage eines streuenden Wertes
beschreibt, zu verstehen. Dies kann beispielsweise das arithme
tische Mittel oder ein Median sein. Bei der Ermittlung der Kor
rekturwerte können auch Streuungsmaße, z. B. die Standardabwei
chung oder etwa Einzelwerte gewichtet berücksichtigt werden.
Bei einer alternativ bevorzugten Variante der erfindungsgemäßen
Vorrichtung sind die Reaktionszeit-Meßvektoren entlang bevor
zugter Richtungen innerhalb des Gesichtsfeldes einsteuerbar,
wobei ferner Mittel zum Berechnen einer Antwortlatenz für die
bevorzugte Richtung vorgesehen sind, und die berechnete Ant
wortlatenz als Korrekturwert bei der Gesichtsfeldermittlung in
der bevorzugten Richtung verwendet wird.
In entsprechender Weise zeichnet sich eine bevorzugte Ausfüh
rungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens dadurch aus, daß die
Reaktionszeit-Meßvektoren entlang bevorzugter Richtungen inner
halb des Gesichtsfeldes eingesteuert werden, daß eine Antwort
latenz für die bevorzugte Richtung berechnet wird, und daß die
berechnete Antwortlatenz als Korrekturwert bei der Gesichts
feldermittlung in dieser bevorzugten Richtung verwendet wird.
Obwohl verschiedene Testreihen ergeben haben, daß die Antwort
latenzen in der Regel nicht richtungsabhängig sind, kann dies
insbesondere bei bestimmten Probandengruppen nicht ausgeschlos
sen werden. Da ohnehin eine Reihe von Messungen in verschiede
nen Richtungen notwendig ist, um die Antwortlatenzen zu ermit
teln, können diese so in bestimmten Vorzugsrichtungen gruppiert
ausgewertet und zu einer präziseren Korrektur des Gesichts
feldes unter Berücksichtigung dieser Mittelwerte entlang von
Vorzugsrichtungen verwendet werden.
Der hierdurch verursachte Mehraufwand bei der jeweiligen Unter
suchung ist gering. Es ist lediglich ein verfeinerter Algorith
mus bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse notwendig.
Bei einer Weiterbildung des vorstehend genannten Ausführungs
beispiels einer erfindungsgemäßen Vorrichtung ist die bevorzug
te Richtung die Richtung eines Meßvektors. Insbesondere fallen
die Meßvektoren und die Reaktionszeit-Meßvektoren zusammen, und
die Test-Stimuli sind zwischen die Meß-Stimuli einstreubar.
Verfahrensmäßig entspricht dies bevorzugten Maßnahmen dahinge
hend, daß die bevorzugte Richtung die Richtung die Richtung ei
nes Meßvektors ist, wobei weiter bevorzugt die Meßvektoren und
die Reaktionszeit-Meßvektoren zusammengelegt und die Test-
Stimuli zwischen die Meß-Stimuli eingestreut werden.
Diese Maßnahmen haben den Vorteil, daß noch präzisere Korrektu
ren des gemessenen Gesichtsfeldes möglich sind, weil die La
tenzmessungen in der selben Weise wie die eigentlichen Ge
sichtsfeldmessungen durchgeführt werden, wobei dies weiter be
vorzugt innerhalb ein und derselben Messung geschieht.
Schließlich ist bevorzugt, wenn die Test-Stimuli mit der selben
Geschwindigkeit und mit den selben charakteristischen Eigen
schaften wie Leuchtdichte, Farbe, Größe und Form wie die Meß-
Stimuli führbar sind bzw. geführt werden.
Auf diese Weise werden Abweichungen ausgeschaltet, die auf ei
ner Abhängigkeit der Antwortlatenz des Probanden von der Ge
schwindigkeit und anderen Eigenschaften des betreffenden Stimu
lus zurückzuführen sind.
Weitere Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nach
folgenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels
unter Bezugnahme auf die Zeichnung. Es zeigen:
Fig. 1 ein äußerst schematisiertes Blockschaltbild eines
Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Perime
ters bzw. Kampimeters;
Fig. 2 eine schematisierte Darstellung eines Gesichtsfeldes
nebst einem darin vorhandenen Skotom mit unkorri
gierter Lage und mit um antwortlatenzbedingte Ver
schiebungen korrigierter Lage und
Fig. 3 eine schematisierte Darstellung zur Erläuterung des
verwendeten Verfahrens zur Latenzzeitbestimmung.
In Fig. 1 ist ein erfindungsgemäßes Perimeter insgesamt mit der
Ziffer 10 bezeichnet. Das Perimeter 10 umfaßt einen Schirm 32.
Unter dem Begriff "Schirm" ist dabei sowohl ein Bildschirm oder
ein üblicher Monitor zu verstehen, als auch eine Brille, insbe
sondere aber eine Projektionsfläche von ebener oder vorzugswei
se auch sphärischer Form, wie dies an sich bekannt ist. Der in
der Figur dargestellte monitorartige Bildschirm ist daher nur
beispielhaft zu verstehen.
Auf dem Bildschirm 32 ist ein Meß-Stimulus 33 in Gestalt eines
Prüfpunktes zu erkennen. Der Prüfpunkt kann ein heller Punkt
auf dunklem Hintergrund oder ein dunkler Punkt auf hellem Hin
tergrund sein. Der Meß-Stimulus 33 wird entlang eines Meß
vektors 34 über den Bildschirm 32 geführt. Der Meßvektor 34 ist
von rechts unten nach links oben gerichtet, wie mit einem Pfeil
angedeutet.
Einem vor dem Bildschirm 32 sitzenden Probanden wird ein Schal
ter 35 in die Hand gegeben. Der Schalter 35 kann in unter
schiedlichster Weise ausgebildet sein. Er kann als Taste oder
als Joystick oder als Maus oder in sonstiger beliebiger Form
ausgeführt sein.
Eine die Untersuchung durchführende Person steuert das Perimeter 10 über eine Eingabeeinheit
28, der unter ariderem ein Taktgenerator 30 zur zeitlichen
Steuerung aufeinanderfolgender Meßvektoren 34 zugeordnet ist.
Das Perimeter 10 wird insgesamt mittels eines Bussystems 20 be
trieben, das in Fig. 1 nur äußerst schematisch angedeutet ist.
Im Bereich der die Untersuchung durchführenden Person befindet sich ferner eine Anzeige
einheit 26, beispielsweise ein Kontroll-Monitor.
Zum Erzeugen von Meßvektoren 34 dient eine Baugruppe, bestehend
aus einem Meßvektorspeicher 14, einem Random-Generator (Zu
fallsgenerator) 12, einer Verknüpfungsstufe 22 und einem Vek
tor-Generator 24. Zusätzlich ist ein Reaktionszeit-Meß
vektorspeicher 16 vorgesehen, der mit dem Meßvektorspeicher 14
gekoppelt ist oder ein Teil desselben sein kann und der zur Er
zeugung von speziellen Reaktionszeit-Meßvektoren genutzt wird,
wie im folgenden noch näher beschrieben wird. Die Anordnung ist
so getroffen, daß der Random-Generator 12 auf den Meßvektor
speicher 14 einwirkt und die Ausgänge von Meßvektorspeicher 14,
Reaktionszeit-Meßvektorspeicher 16 und Stimulusartspeicher 18
einer Verknüpfungsstufe zusammengeführt sind, die ihrerseits
den Vektor-Generator 24 steuert. Ein Ausgang der Anzeigeeinheit
26 ist mit einer Latenzzeitkorrekturstufe 36 verbunden, die
ihrerseits mit einer Bildbearbeitungseinheit 38 verbunden ist,
die einen Probanden-Datenspeicher 40 steuert, der wiederum mit
dem Vektor-Generator 24 gekoppelt ist. An den Probanden-Daten
speicher 40 kann ferner ein Drucker bzw. ein Plotter 42 ange
schlossen sein, um das Untersuchungsergebnis graphisch ausgeben
zu können.
Die Wirkungsweise des Perimeters 10 ist wie folgt:
Im Meßvektorspeicher 14 ist eine Vielzahl von Meßvektoren 34 fest abgespeichert. Diese Meßvektoren 34 können Standard- Vektoren sein oder aber auch individuelle, probandenspezifische Vektoren, die vor einer Untersuchung des betreffenden Probanden erstellt, eingegeben und abgespeichert werden.
Im Meßvektorspeicher 14 ist eine Vielzahl von Meßvektoren 34 fest abgespeichert. Diese Meßvektoren 34 können Standard- Vektoren sein oder aber auch individuelle, probandenspezifische Vektoren, die vor einer Untersuchung des betreffenden Probanden erstellt, eingegeben und abgespeichert werden.
Ein Meß-Stimulus 33, beispielsweise ein Lichtpunkt, wird ent
lang eines Meßvektors 34 eingespielt und bewegt sich auf dem
Schirm 32 mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit v von einem
Anfangspunkt x1, y1 zu einem Endpunkt x2, y2. Daraus ergibt sich
ein Neigungswinkel α zur Horizontalen und seine Länge s. Bei
Verwendung sphärischer Koordinaten, wie dies bei sphärischen
Projektionswänden üblich ist, kann man selbstverständlich die
Koordinaten der Anfangs- und Endpunkte auch mit r1, ϕ1 bzw. r2,
ϕ2 beschreiben. Die Geschwindigkeit des Meßvektors 34 wird dann
als Winkelgeschwindigkeit ω angegeben.
Wie an sich aus der DE 196 21 960 A1 bekannt, kann durch Abruf
einer Vielzahl von (auch schon vor der Untersuchung abgespei
cherter) Meßvektoren, die hinsichtlich Anfangspunkt und End
punkt in weiten Bereichen variieren und deren Geschwindigkeit v
bzw. ω ebenfalls in weiten Bereichen einstellbar ist, nunmehr
ein Gesichtsfeld ermittelt werden, wie dies in Fig. 2 schema
tisch mit der Ziffer 44 bezeichnet ist. Innerhalb des Gesichts
feldes 44 wird beispielsweise ein sogenanntes zentrales Skotom
46 festgestellt, innerhalb dessen der Proband keine Stimuli vi
suell wahrnehmen kann.
In Wirklichkeit unterliegt die Wahrnehmung eines Stimulus durch
den Probanden jedoch einer Antwortlatenz, d. h. es besteht eine
gewisse Zeitverzögerung zwischen dem tatsächlichen Auftreten
des Stimulus und dem Quittieren mittels des Schalters bzw. zwi
schen dem Verschwinden des Stimulus und der entsprechenden
Quittierung.
Berücksichtigt man diese Verhältnisse, so zeigt die Linie 44
beispielhaft ein Gesichtsfeld, das aufgrund der Antworten des
Probanden ermittelt wird, ohne daß hierbei antwortlatenzbeding
te Verschiebungen berücksichtigt sind. Entsprechendes gilt für
das zentrale Skotom 46, in dem keine Wahrnehmung erfolgte. Das
"wahre" Gesichtsfeld, das die tatsächlichen Wahrnehmungen des
Probanden beschreibt, ist dagegen schematisch durch die gestri
chelte Kurve 45 dargestellt; es enthält ferner ein "wahres"
Skotom 47. Da die Messungen zur Bestimmung des Gesichtsfeldes
bzw. Skotoms grundsätzlich von Bereichen aus, in denen keine
Wahrnehmung erfolgt, in einen Bereich hinein ausgeführt werden,
in dem eine Wahrnehmung erfolgt, ist das wahre Gesichtsfeld 45
größer und das wahre zentrale Skotom 47 kleiner als die un
korrigierten Werte.
Diese latenzbedingten Verschiebungen des Gesichtsfeldes bzw.
von darin enthaltenen Skotomen können auf verschiedene Arten
korrigiert werden.
Eine erste Möglichkeit besteht darin, zunächst auf Korrekturen,
die durch die Latenzzeit des Probanden bedingt sind, vollstän
dig zu verzichten und das Gesichtsfeld bzw. die entsprechenden
Skotome 44 bzw. 46 unkorrigiert zu ermitteln. Im Anschluß daran
oder auch schon in der Zwischenzeit, wenn die ungefähre Ausdeh
nung des Gesichtsfeldes bzw. von Skotomen bereits mit einiger
Zuverlässigkeit bestimmt ist, werden innerhalb geeigneter Aus
schnitte des Gesichtsfeldes, in denen kein Skotom liegt und in
nerhalb derer also eine sichere Wahrnehmung von Stimuli er
folgt, Stimuli entlang von Reaktionszeit-Meßvektoren proji
ziert.
Die Latenzzeit zwischen Projektion des Stimulus und Quittierung
durch den Probanden bzw. umgekehrt verschwindender Stimulus und
Quittierung durch den Probanden wird gespeichert. Es wird eine
Reihe von Stimuli entlang solcher Reaktionszeit-Meßvektoren in
nerhalb des Ausschnittes des Gesichtsfeldes, in dem eine siche
re Wahrnehmung erfolgt, zwischen die übrigen Messungen einge
streut und die Latenzzeiten bestimmt.
Hieraus wird ein Mittelwert ΔTm, also eine mittlere Latenzzeit,
bestimmt, was in der Latenzzeitkorrekturstufe 36 erfolgt, bevor
die graphische Darstellung des Gesichtsfeldes bzw. der betref
fenden Skotome in der Bildbearbeitungsstufe 38 erzeugt wird.
Hierzu kann etwa das arithmetische Mittel oder auch der Median
bestimmt werden. Zusätzlich können auch Streuungsmaße, z. B. die
Standardabweichung, bei der Korrektur berücksichtigt werden.
Eine Möglichkeit, eine solche Latenzzeitkorrektur mit möglichst
hoher Präzision durchzuführen, wird im folgenden anhand von
Fig. 3 beschrieben.
In Fig. 3 bewegt sich ein Meß-Stimulus mit einer Geschwindig
keit v4 bzw. ω4 entlang der Linie 52. Der Stimulus wird erst
malig am Punkt P7 (x7, y7) von dem Probanden wahrgenommen. Auf
grund eines bestehenden Skotoms verschwindet die Wahrnehmung
des Meß-Stimulus am Punkt P8, während der Meß-Stimulus am Punkt
P9 wieder erkannt wird und aus dem Gesichtsfeld des Probanden
am Punkt P10 wieder verschwindet.
Unmittelbar anschließend an diese Messung wird zur Erfassung
der damit zusammenhängenden Latenzzeit innerhalb eines Teilaus
schnittes der zuvor abgetasteten Linie 52, in dem eine sichere
Wahrnehmung erfolgte, eine weitere Messung durchgeführt, wobei
ein Test-Stimulus mit der gleichen Größe, Leuchtdichte, Farbe
und Form in der gleichen Richtung und mit der gleichen Ge
schwindigkeit v4 bzw. ω4 wie zuvor bewegt wird, jedoch nur über
eine kürzere Strecke, z. B. entlang des Reaktionszeit-Meßvektors
(P11', P12'), der die beiden Dreiecke verbindet. Die Wahrnehmung
dieses Test-Stimulus wird von dem Probanden zeitverzögert am
Punkt P11 quittiert, und das Verschwinden des Test-Stimulus,
das im Punkt P12' erfolgt, wird aufgrund der Antwortlatenz am
Punkt P12 quittiert.
In entsprechender Weise wird bei einer späteren Messung entlang
eines Meßvektors, bei dem sich ein Meß-Stimulus entlang einer
Linie 54 bewegt, wiederum die Latenzzeit bestimmt.
Der Meß-Stimulus, der sich mit der Geschwindigkeit v3 bzw. ω3
bewegt, wird von dem Probanden erstmalig am Punkt P13 wahrge
nommen und verschwindet am Punkt P14 aus dem Gesichtsfeld des
Probanden. Dazwischen wird kein Skotom registriert. Für die La
tenzzeitmessung kann daher eine größere Strecke innerhalb des
betreffenden Ausschnittes der Strecke, auf der zuvor die Wahr
nehmung erfolgte, herangezogen werden. Hierzu kann etwa am
Punkt P15' ein Test-Stimulus als Lichtpunkt eingesteuert wer
den, der sich mit derselben Geschwindigkeit v3 bzw. ω3 in der
gleichen Richtung wie zuvor bewegt und die gleichen übrigen
charakteristischen Eigenschaften wie der zuvor verwendete Meß-
Stimulus aufweist (Leuchtdichte, Farbe, Größe, Form), und am
Punkt P16' dunkel getastet werden. Die verzögerte Wahrnehmung
dieses Test-Stimulus wird von dem Probanden am Punkt P15 bzw.
das Verschwinden des Test-Stimulus am Punkt P16 quittiert.
Während es grundsätzlich möglich wäre, jeder tatsächlichen Mes
sung eines Meß-Stimulus, der sich entlang eines Meßvektors be
wegt, auch eine Latenzzeitmessung mit einem Test-Stimulus, der
sich entlang des zugehörigen Reaktionszeit-Meßvektors bewegt,
zuzuordnen, ist dies in der Praxis kaum realisierbar, da dies
zu einer erheblichen Verlängerung der gesamten Untersuchung
führen würde, die infolge der ohnehin erhöhten Anforderungen
bei einer derartigen Untersuchung an die Konzentrationsfähig
keit des Probanden den Probanden unnnötig belasten würde.
Aus diesem Grunde werden vorzugsweise bei nur einigen der
durchgeführten Messungen entlang von Meßvektoren anschließend
Latenzzeitbestimmungen in der zuvor beschriebenen Weise durch
geführt. Werden z. B. einige hundert Messungen durchgeführt, so
reichen beispielsweise etwa zehn zugeordnete Latenzzeitbestim
mungen aus, aus denen eine mittlere Latenzzeit bestimmt werden
kann, die dann bei der Gesichtsfeldermittlung bzw. Skotom
ermittlung als Korrekturwert berücksichtigt wird, so daß auf
der Ausgabeeinheit 26 bzw. auf dem Drucker/Plotter 42 das Ge
sichtsfeld bzw. die zugeordneten Skotome korrekt ausgegeben
werden.
Obwohl festgestellt wurde, daß in der Regel in unterschied
lichen Richtungen die Antwortlatenz bei den meisten Probanden
gleich groß ist, kann in Sonderfällen auch die Latenzzeit in
Vorzugsrichtungen, beispielsweise in Horizontalrichtung und in
Vertikalrichtung, als Mittelwert bestimmt werden, und, sofern
sich dabei Abweichungen ergeben sollten, die dabei ermittelten
Werte bezüglich der Koordinatenverschiebung in Horizontalrich
tung bzw. Vertikalrichtung in geeigneter Weise gewichtet be
rücksichtigt werden.
Claims (13)
1. Vorrichtung zum Bestimmen eines Gesichtsfeldes (44, 45)
eines Probanden, insbesondere Perimeter (10) oder Kampi
meter, mit:
- a) einem Schirm (32), auf dem visuelle Stimuli entlang vorgegebener Meßvektoren (34) führbar sind;
- b) Mitteln (12, 14, 18) zum Speichern und zum Abrufen einer Mehrzahl verschiedener Meßvektoren (34);
- c) einem Schalter (35) zum Quittieren des Erkennens eines Stimulus durch den Probanden;
- d) Mitteln zum Bestimmen von Detektionszeitspannen zwi schen dem Erkennen und dem Nicht-Mehr-Erkennen eines Meß-Stimulus (33) durch den Probanden und zum Ermit teln des Gesichtsfeldes (44) aus den Detektionszeit spannen mehrere Meß-Stimuli (33); und
- e) Mitteln (16, 36) zum Erfassen einer Antwortlatenz des Probanden, nämlich einer Zeitspanne zwischen einem Auftauchen eines Stimulus auf dem Schirm (32) und dem Quittieren des Probanden,
- a) Mittel (16) zum Speichern und zum Abrufen von Reak tionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16'), die in einen zuvor von dem Probanden erkannten Ausschnitt des Gesichtsfeldes (44) gelegt sind;
- b) Mittel zum Einsteuern von Test-Stimuli entlang der Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16');
- c) Mittel zum Erfassen der Antwortlatenzen bezüglich der Test-Stimuli; und
- d) Mittel zum Korrigieren des aus den Meß-Stimuli (33) ermittelten Gesichtsfeldes (44) in ein unter Berück sichtigung der ermittelten Antwortlatenzen korri giertes Gesichtsfeld (45).
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16') unab
hängig von den Meßvektoren (34) in verschiedenen Richtun
gen innerhalb des Gesichtsfeldes (44, 45) einsteuerbar
sind, daß Mittel zum Berechnen einer mittleren Antwort
latenz (ΔTm) als Mittelwert aus den verschiedenen Ant
wortlatenzen vorgesehen sind, und daß die mittlere Ant
wortlatenz (ΔTm) als Korrekturwert (ΔLm) bei der Ge
sichtsfeldermittlung verwendet wird.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16') ent
lang bevorzugter Richtungen (x, y) innerhalb des Ge
sichtsfeldes (44, 45) einsteuerbar sind, daß Mittel zum
Berechnen einer Antwortlatenz für die bevorzugte Richtung
(x, y) vorgesehen sind, und daß die berechnete Antwort
latenz als Korrekturwert bei der Gesichtsfeldermittlung
in der bevorzugten Richtung (x, y) verwendet wird.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß
die bevorzugte Richtung (x, y) die Richtung eines Meß
vektors (33) ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die Meßvektoren (34) und die Reaktionszeit-Meßvektoren
(P11', P12'; P15', P16') zusammenfallen, und daß die Test-
Stimuli zwischen die Meß-Stimuli (33) einstreubar sind.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Test-Stimuli mit der selben Ge
schwindigkeit (v, ω) und mit den selben charakteristi
schen Eigenschaften wie Leuchtdichte, Farbe, Größe und
Form wie die Meß-Stimuli (33) führbar sind.
7. Verfahren zum Bestimmen eines Gesichtsfeldes (44, 45)
eines Probanden, insbesondere mittels eines Perimeters
(10) oder eines Kampimeters, mit den Schritten:
- a) Speichern und Abrufen einer Mehrzahl verschiedener Meßvektoren (34);
- b) Führen von visuellen Stimuli entlang vorgegebener Meßvektoren (34) auf einem Schirm (32);
- c) Bestimmen von Detektionszeitspannen zwischen dem Er kennen und dem Nicht-Mehr-Erkennen eines Meß-Stimu lus (33) durch den Probanden und Ermitteln des Ge sichtsfeldes (44) aus den Detektionszeitspannen meh rere Meß-Stimuli (33); und
- d) Erfassen einer Antwortlatenz des Probanden, nämlich einer Zeitspanne zwischen einem Auftauchen eines Stimulus auf dem Schirm (32) und dem Quittieren des Probanden,
- a) Speichern und Abrufen von Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16');
- b) Legen der Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16') in einen zuvor von dem Probanden erkannten Aus schnitt des Gesichtsfeldes (44);
- c) Einsteuern von Test-Stimuli entlang der Reaktions zeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16');
- d) Erfassen der Antwortlatenzen bezüglich der Test- Stimuli; und
- e) Korrigieren des aus den Meß-Stimuli (33) ermittelten Gesichtsfeldes (44) in ein unter Berücksichtigung der in Schritt h) ermittelten Antwortlatenzen korri giertes Gesichtsfeld (45).
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß
die Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16') unab
hängig von den Meßvektoren (34) in verschiedenen Richtun
gen innerhalb des Gesichtsfeldes (44, 45) eingesteuert
werden, daß eine mittlere Antwortlatenz (ΔTm) als Mittel
wert aus den verschiedenen Antwortlatenzen berechnet
wird, und daß die mittlere Antwortlatenz (ΔTm) als Kor
rekturwert (ΔLm) bei der Gesichtsfeldermittlung verwendet
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß
die Reaktionszeit-Meßvektoren (P11', P12'; P15', P16') ent
lang bevorzugter Richtungen (x, y) innerhalb des Ge
sichtsfeldes (44, 45) eingesteuert werden, daß eine Ant
wortlatenz für die bevorzugte Richtung (x, y) berechnet
wird, und daß die berechnete Antwortlatenz als Korrektur
wert bei der Gesichtsfeldermittlung in dieser bevorzugten
Richtung (x, y) verwendet wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß
die bevorzugte Richtung (x, y) die Richtung eines Meß
vektors (34) ist.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß
die Meßvektoren (34) und die Reaktionszeit-Meßvektoren
(P11', P12'; P15', P16') zusammengelegt und die Test-Stimuli
zwischen die Meß-Stimuli (33) eingestreut werden.
12. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß
die Test-Stimuli jeweils in der selben Richtung einge
steuert werden wie ein zuvor erkannter Meß-Stimulus (33).
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Test-Stimuli mit der selben Ge
schwindigkeit (v, ω) und mit den selben charakteristi
schen Eigenschaften wie Leuchtdichte, Farbe, Größe und
Form wie die Meß-Stimuli (33) geführt werden.
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| DE2000113682 DE10013682C2 (de) | 2000-03-21 | 2000-03-21 | Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung eines Gesichtsfeldes eines Probanden |
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