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Erschienen am: 1790857683

Die Triangulation

Herzstück der bayerischen Landesvermessung
Graphische Darstellung zur Geschichte der Triangulation
© LDBV
225 Jahre Bayerische Vermessung

Die Triangulation (Aufteilen einer Fläche in Dreiecke und deren Ausmessung) ist das klassische Verfahren zur Durchführung einer Landesvermessung. Winkel lassen sich im Gelände einfacher und genauer messen als Strecken. Daher wird das Verfahren der Triangulation insbesondere für großräumige Vermessungen verwendet. Die Erfindung dieser Methode wird dem niederländischen Astronomen und Mathematiker Willebrord van Roijen Snell, gen. Snellius (1580-1626), zugeschrieben.

In Bayern kam die Triangulation landesweit ab 1801 zur Erstellung der „vollständige [n], astronomisch- und topographisch richtige [n] Charte“ des Kurfürstentums Bayern im Maßstab 1:50 000 zum Einsatz. Die Messung der 21 653,8 Meter langen Basislinie zwischen Unterföhring und Aufkirchen unter der Leitung des französischen Ingenieurgeographen Charles Rigobert Marie Bonne schuf den Maßstab des trigonometrischen Rahmennetzes. Anschließend wurde mit der Erstellung des Dreiecksnetzes das erste Koordinatenreferenzsystem in Bayern und eines der ersten landesweiten Triangulationsnetze weltweit realisiert. Nach den französischen Vorarbeiten übernahmen das 1801 von Kurfürst Max IV. Joseph gegründete Topographische Bureau und ab 1808 zusätzlich die Königliche Unmittelbare Steuervermessung-Kommission die weiteren Arbeiten. Das Netz umfasste insgesamt 131 trigonometrische Punkte, die sich in der Regel auf Kirchtürmen oder Bergspitzen befanden. Auf der Karte „Hauptdreyecknetz zum topographischen Atlas des Königreichs Bayern mit Angabe der ersten mathematischen Grundlage zur Construction desselben“ von 1831 sind alle Hautdreiecksnetzpunkte der topographischen Triangulation ohne die Rheinpfalz verzeichnet.

Das Hauptdreiecksnetz diente als Realisierungsrahmen, reichte jedoch für eine detaillierte topographische Landesaufnahme und die Katastervermessung nicht aus. Deshalb wurde das Netz immer mehr verdichtet und es entstanden über 19 000 Sekundärnetzpunkte. Problem war, dass die ersten Haupt- und Sekundärnetzpunkte noch nicht als dauerhafte Vermittler des Raumbezugsrahmens konzipiert waren. Deswegen mussten das Hauptdreiecksnetz und die Sekundärnetze in der Renovationsmessung in Oberbayern von 1850-1863 von Grund auf neu teilrealisiert werden. Zeitgleich begann die Vermarkung der Festpunkte und ab 1875 wurden oberirdische Granitpfeiler als „Koordinatenzapfstellen“ eingerichtet. Damit war der Raumbezug zur Infrastruktur geworden.

Nachdem Carl Friedrich Gauß (1777-1855) die Methode der Triangulation insbesondere durch seine Erfindungen des Heliotropen (Apparat zur Bündelung des Sonnenlichts zur Sichtbarmachung weit entfernter Vermessungspunkte) und neuer Ausgleichungsmethoden im Zuge der Landesvermessung in Norddeutschland entscheidend weiterentwickelt hatte, bahnte sich ab 1910 auch in Bayern ein durchgreifender Wechsel der Bezugssystemrealisierung an. Alle Bestandteile (Koordinatendarstellung, Geodätisches Datum, Projektionsfläche) wurden erneuert und zwischen 1934 und 1951 wurden die Punkte der süddeutschen Netzblöcke erster Ordnung völlig neu bestimmt. Die weiteren Netzhierarchien zweiter bis vierter Ordnung wurden als Bereitstellungskomponente bis 1994 mit den Methoden der Triangulation und der Trilateration (direkte Messung langer Dreiecksseiten) fortgeführt. Durch aufwendige Signalbauten (Beobachtungstürme, Signalstangen) konnten topographische Hindernisse überwunden werden. Die Genauigkeit dieser Netze, die zuletzt über 38 000 Trigonometrische Festpunkte mit einem Punktabstand von wenigen Kilometern umfassten, wurde durch die Ausgleichung großer Netzteile mit den Mitteln der elektronischen Datenverarbeitung weiter gesteigert.

Die Triangulation war bis 1990 die grundlegende Methode der bayerischen Landesvermessung. Heute erfolgen Ortsbestimmungen weltweit meist über die Satellitennavigation GNSS (Global Navigation Satellite System) wie z.B. GPS oder Galileo.

Neueste Sekundärliteratur:

Andreas Brünner: 225 Jahre BVV – Der Weg zum integrierten Raumbezug. In: DVW Bayern 3.2026, S. 335-356

Zur Artikelserie 225 Jahre BVV